Hinweise auf Kämpfer von Assad-Milizen in Deutschland Bericht

Hinweise auf Kämpfer von Assad-Milizen in Deutschland | Manuskript
Hinweise auf Kämpfer von Assad-Milizen in Deutschland
Bericht: Arndt Ginzel
Es sind unerträgliche Aufnahmen, wir zeigen nur Standbilder. Folter – eine der
grausamsten Menschenrechtsverletzungen. In Syrien so alltäglich wie der Tot. Milizen von
Präsident al-Assad filmen sich selbst, wie sie wehrlose Menschen quälen und vorführen.
Die Organisation „Adopt a Revolution“ in Deutschland registriert massenweise
Menschenrechtsverbrechen, die auf das Konto dieser Milizen gehen.
Ferdinand Kuiva, Adopt a Revolution
Diese Milizen sind berühmt berüchtigt dafür, dass sie an Check Points willkürlich Menschen
festnehmen, dass sie foltern, dass sie rauben. Die werden oft auch nicht bezahlt. Sondern sie
bekommen einfach das, was sie erbeuten, was sie den Leuten abpressen. Die plündern dann
die Häuser derjenigen, die sie festnehmen. Genau diese Milizen sind es, vor denen ganz viele
Syrerinnen und Syrer Angst haben.
Von Milizen gefoltert, wurde auch Afrim. Blasse Narben, die die Fesseln hinterließen. Die
Täter hatten ihn an der Zellendecke aufgehängt, seinen Rücken mit Schläuchen traktiert.
Afrim: Der erste Tag war für mich ganz schrecklich, weil …
Afrim ist ein Gegner des Assad-Regimes, er war Blogger und stellte Fotos von Verbrechen
ins Netz. Dafür kam er für anderthalb Jahre in ein syrisches Foltergefängnis. Heute lebt er
als politisch Verfolgter in Deutschland. Obwohl Afrim längst in Sicherheit ist, fürchtet er
die Schergen aus seiner Vergangenheit. Deswegen anonymisieren wir ihn.
Afrim zeigt uns auch warum: Gemeinsam mit anderen Aktivisten sammelt er im Internet
Informationen über mutmaßliche Assad-Milizionäre, die sich nach Europa abgesetzt
haben. Zum Beispiel dieser Mann, er posiert vor getöteten Menschen und ist verdächtig,
Kriegsverbrechen begangen zu haben. Zeitweise soll er sich in Norddeutschland
aufgehalten haben.
Alles Internethinweise: Wir wollen wissen, ob mutmaßliche Assad-Söldner nach
Deutschland gelangt und ob sie zu finden sind. Ahmed O.: In Syrien trug er die Uniform
eines Milizionärs; in Deutschland zeigt er sich zivil.
Hinweis: Dieses Manuskript ist urheberrechtlich geschützt und darf nur für den privaten Gebrauch des Empfängers
verwendet werden. Jede Verwertung ohne Zustimmung des Urheberberechtigten ist unzulässig.
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Mit Afrim machen wir uns auf den Weg. Wir fahren nach Aachen. In einem der
Flüchtlingsheime soll der Ex-Kämpfer heute leben. Wir suchen die Unterkünfte ab. Auf
einem ehemaligen Kasernengelände werden wir fündig. Der Mann muss hier gewesen
sein: Die Umgebung stimmt mit dem Foto überein. Ein anderer Flüchtling erinnert sich an
ihn, hat eine Telefonnummer. Unter einem Vorwand melden wir uns; am Abend ruft
Ahmed O. zurück.
Afrim: Ich habe so viele Fotos von Ihnen im Internet gesehen. Sie haben Uniform getragen
und Waffen. Ich habe zu mir selbst gesagt, sicher sind Sie für Assad Ahmed O.: Ich war kein Kämpfer und habe auch nichts mit Assad zu tun.
Afrim: Aber ich habe Fotos von Ihnen aus dem Internet.
Ahmed O.: Jeder kann so eine Uniform tragen.
Es geht hin und her: Mal will er nicht Ahmed O. sein, dann wieder doch. Mal seien die
Fotos manipuliert. Am Ende erklärt er die Uniform nur zum Spaß getragen zu haben. Laut
Bundeskriminalamt liegen aktuell 170 Hinweise auf mutmaßliche Kämpfer aus den Reihen
von Assads-Truppen und der Islamisten vor. In 20 Fällen wird ermittelt. Wir fahren nach
Süddeutschland. Auch Salim S. soll Mitglied einer Miliz gewesen sein. Noch heute
unterhält er Kontakte zu syrischen Freischärlern. Er ist Anhänger der rechtsextremen
nationalsozialistischen Partei, die das Assad-Regime unterstützt. Auf einigen
Flüchtlingsseiten heißt es, er sei untergetaucht. Mit Hilfe dieses Fotos finden wir heraus,
wo er wohnt.
Afrim: Waren Sie nun ein Milizionär?
Salim S.: Nein. Wenn ich bei so einer Gruppe gewesen wäre, wäre ich niemals geflohen. Ich
wäre niemals nach Deutschland gekommen.
Er sei nur Journalist gewesen. Auf die Frage, warum er auf Fotos Waffen trägt, wiegelt er
ab: Da habe er nur so posiert. Kämpften Ahmed O. und Salim S. bei Assads berüchtigten
Milizen? Haben sie Menschenrechtsverletzungen begangen? Oder sind sie unschuldig.
Klarheit könnten Ermittlungen bringen. Rund 70 Prozent der Flüchtlinge fliehen vor
Assads-Milizen. Die Verfolgung mutmaßlicher Kriegsverbrecher ist nicht nur eine Frage der
Gerechtigkeit.
Ferdinand Dürr, Adopt Revolutions:
Wenn Flüchtlinge hierher kommen und selbst gefoltert worden sind, brauchen sie natürlich
dieses Vertrauen in den Rechtsstaat wieder, müssen sie verstehen können, dass hier nach
rechtstaatlichen Prinzipien gehandelt wird, um ja in dieser Gesellschaft überhaupt
ankommen zu können, um hier die Erfahrungen, die sie gemacht haben überwinden können.
Und dazu gehört natürlich auch, dass Täter verfolgt werden, dass Täter verurteilt werden.
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Deshalb hat Afrim einen Wunsch.
Ermittlungsbehörden vertrauen:
Seine
Landsleute
sollen
den
deutschen
Afrim: Alle Flüchtlinge muss Polizei helfen, ja wir müssen Polizei und Deutschland helfen.
Wie so viele Flüchtlinge aus Syrien verfolgen Afrim die Folter- und Kriegserinnerungen.
Nun sollte er sich in Deutschland wenigstens sicher vor Tätern fühlen.
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