Schweizer Familie

ESSEN
ESSEN
SOMMERLICHE
Durstlöscher
Bei grosser Hitze sollte man zur Flasche greifen. Aber nicht zu
irgendeiner. Ideale GETRÄNKE versorgen den Körper mit Salzen und
Mineralstoffen. Eine Auswahl an leichten Erfrischungen.
G
Text Michael Lütscher Fotos Joan Minder
Möhl
Shorley
Das Original des
gespritzten
Apfelsafts:
fruchtig, spritzig
und oft kopiert.
6 g Zucker,
26 kcal/dl,
ca. 1.70 Fr. (3,3 dl)
www.moehl.ch
54
Schweizer Familie 28/2015
Vivitz
ApfelHolunderblüte
Die Bio-Schorle
enthält keine Kohlensäure, aber
genügend Säure,
um zu erfrischen.
6 g Zucker,
24 kcal/dl,
ca. 3.10 Fr. (5 dl)
www.vivitz.ch
Club-Mate
Das
Original
Ein schäumender
Cocktail der
Aromen: Tee,
Caramel, Rauch.
5 g Zucker,
20 kcal/dl,
ca. 1.70 Fr. (3,3 dl)
www.clubmate.ch
Aproz
AnanasGuave
Die süsse Säure der
Ananas und die
bittere Note der
Guave geben dieser
Schorle einen
frischen Gout.
7 g Zucker,
28 kcal/dl,
1.4 0 Fr. (5 dl) www.
produkte.migros.ch
Lägerebräu
Fassbrause
Aus Gerstenmalz wie
Bier, erinnert die
Brause der Lägerebräu in Wettingen an
ein Rivella oder
Almdudler.
6,9 g Zucker,
25 kcal/dl,
ca. 2.8 0 Fr. (3,3 dl)
www.die-fassbrause.ch
egen den latenten Durst am
Büro- und am Mittagstisch
tuts ein Glas Wasser, mit
oder ohne Kohlensäure. Aber wenn sich
der Durst so richtig bemerkbar macht,
nach einer Partie Fussball, einer Wanderung oder einfach an einem heissen Sommertag, reicht das nicht. Wer schwitzt,
verliert Salz und andere Mineralstoffe.
«Flüssigkeiten, die Elektrolyten enthalten, ersetzen diesen Verlust auf ideale Weise», sagt Stefan Sannwald, Leitender Arzt
an der Schulthess-Klinik in Zürich. Der
Sportmediziner meint damit Getränke, die
aus spezifischen Pulvern und Wasser oder
Tee angerührt werden. Wer sich schwitzend in eine Beiz setzt, wird freilich kein
Pülverchen anrühren, sondern einen
Durstlöscher bestellen wollen. Aber welchen denn? Die traditionellen Getränke
haben Nebenwirkungen. Wer eine Cola,
Süssmost oder einen Eistee kippt, ist bald
wieder durstig – wegen des vielen Zuckers.
Und auf ein grosses Bier in den leeren Magen folgt bald ein Schwips. Dabei enthält
Bier diverse Elektrolyten und Mineralstoffe. Alkoholfreies Bier ist demnach ein guter Durstlöscher, was auch Sannwald bestätigt. Doch die meisten alkoholfreien
Biere machen keine Freude: Sie schmecken
süsslich und flau, «weil mit dem Entzug
des Alkohols auch andere Stoffe, welche
unter anderem das Gäraroma bilden,
verloren gehen», wie Oliver Gerber
von der Fachstelle
Go Coco
Getränke der Hochschule
ZHAW WäCoconut
denswil
erklärt.
Water
Viel
besser
lässt
Das Wasser der
sich
der
originale
grünen KokosGeschmack beim
nuss ist leicht
salzig und sehr
Alkoholentzug im
erfrischend.
Apfelwein erhalten,
4,4 g Zucker,
wie die Ostschweizer
21 kcal/dl,
Mosterei Möhl mit ➳
3.5
0 Fr. (5 dl)
www.coop­athome.ch
Schweizer Familie 28/2015
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ESSEN
ESSEN
Carpe Diem
Kombucha
Möhl
Zobo
Sorrel
Hibiskus
geben
und Ingwer er
der Schweiz
Version des
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6,8 g Zucker
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(2,75 dl)
ca. 3.4 0 Fr. oob
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(5 dl)
27 kcal/dl,
ca. 2.50 Fr. ch
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3.9
www
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www.globu
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ihrem vor zehn Jahren lancierten alko­
holfreien «Saft vom Fass» zeigt (siehe
Interview Seite 57). Er ist der ideale
­
Durstlöscher.
Möhls alkoholfreier saurer Most war
das erste einer neuen Generation von Getränken, die mit säuerlichem Geschmack
erfrischen. Apfel-Holunderblüte, Kokosnusswasser oder Gurkensprudel: Die Vielfalt ist erstaunlich. Anders als aromati­
sierte Mineralwasser wie Flauder sind sie
nicht künstlich gesüsst, sondern einfach
weniger süss. Damit enthalten diese Getränke auch weniger Energie als die herkömmlichen Limonaden, Fruchtsäfte und
Biere. Statt 40 bis 60 Kalorien pro ­Deziliter
weniger als 20 bis 30.
«Bitterer und saurer Geschmack ist im
Trend», sagt Thom Zürcher vom Zürcher
Getränkehändler Intercomestibles, der
zahlreiche Bars, Clubs und Restaurants
beliefert. Zu finden sind diese Aromen oft
in exotischen Getränken. Ingwer etwa ist
eine beliebte Grundlage für Erfrischungen
in Westafrika, Matetee in Lateinamerika.
Inspiriert davon, sind erfrischende Produkte wie Club-Mate und diverse IngwerGetränke auf den Markt gekommen. Aber
auch der einheimische Rhabarber, von
Haus aus sauer, ist ein ­
guter
Geschmackslieferant.
Limonadenmanufaktur
Manche dieser Getränke stammen von
Kleinproduzenten, und auffallend oft sind
56
Saft
vom Fass
Schweizer Familie 28/2015
Das Getränk auf
der Basis von
fermentiertem Te
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sieht aus wie
Himbeersirup m
it
Blöterliwasser,
ist aber viel
­erfrischender.
4,4 g Zucker,
19 kcal/dl,
1.70 Fr. (5 dl)
www.produkte.
migros.ch
Fentimans
Ginger Beer
Coop
Schorle
Rhabarber
«Ich trinke Saft
vom Fass»
Das alkoholfreie
Diese Bio-Schorle
Getränk prickelt
bestätigt: Die
sauren Rhabarbe
extrem und ist
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scharf wie der Sc
sind wie gemacht
häferhund auf der
für ein
Etikette. Das Ingwer
Erfrischungs­
Bier ist aber süss
getränk.
er,
als man meint.
7 g Zucker,
7,8 g Zucker,
29 kcal/dl,
43 kcal/dl, 3.90 Fr
1.5
0 Fr. (5 dl)
.
www.coopathom
(2,75 dl)
e.ch
www.fentimans.c
om
sie in kleine Flaschen abgefüllt, 2,5 oder
3,3 Deziliter. «Man kann dies als Antwort
auf den Trend zu immer grösseren Flaschen und Büchsen bei Bier und Mineralwasser verstehen», sagt Zürcher.
Im Sortiment von Intercomestibles
finden sich beispielsweise Fläschchen von
Zobo, einer Kleinstfirma in Feldmeilen
ZH. «Auslöser für uns war der Umstand,
dass alkoholfreie Getränke fast immer aus
industrieller Produktion kommen», sagt
Fabian Brunner, die eine Hälfte des ZweiPersonen-Betriebs. Nach dem Vorbild
von Kleinstbrauereien beschlossen Brunner und seine Partnerin Ysa Yaheya, eine
Limonadenmanufaktur zu starten.
Einmal pro Woche setzen sie nun vier
Sorten an – Orange mit Lavendel, Citro
mit Rosen, Ginger mit Limetten und Sorrel mit Hibiskus und Ingwer. Letzteres ist
das Nationalgetränk Jamaikas. Brunner
lebte längere Zeit auf der Reggae-Insel.
Ernst Möhl, 63, ist
Chef der Möhl AG
in Arbon TG. Die
Mosterei hat den
alkoholfreien
Apfelwein und die
Apfelschorle auf
den Markt
gebracht.
Allerdings hat er das Originalrezept abgeändert – Zobo produziert «quasi eine
Sorrel-Schorle».
Der Begriff Schorle ist heute selbstverständlich. Dabei ist es erst 15 Jahre her,
seit die Mosterei Möhl ihr Apfel-Shorley
auf den Markt brachte, angelehnt an die
deutsche Schorle. Davor trank man in der
Schweiz Apfelsprudel – an Ort und Stelle
zusammengegossen wie ein Panaché oder
ein gespritzter Weisser.
Foto: Keystone
Den Trend zu den leichten und säuerlichen Getränken haben auch die Grossen
im Detailhandel entdeckt: In Halbliter­
flaschen gibt es bei Coop neu etwa eine
Rhabarberschorle und in der Migros eine
Ananas-Guave-Schorle.
●
Kaufinformationen
Intercomestibles führt ein grosses Sortiment an
Getränken. Laden: Badenerstr. 74, 8004 Zürich,
Tel. 044 274 10 10 www.intercomestibles.ch
Herr Möhl, was trinken Sie gegen
den Durst?
Etwas Alkoholfreies. Saft vom Fass
ohne Alkohol oder Apfelschorle.
Das sind Produkte Ihres Hauses.
Ja. Man kann zwei Flaschen alkoholfreien Saft vom Fass trinken. Danach
einen Kaffee. Und hat dann noch
Platz für einen Schnaps.
Wie wird der alkoholfreie saure
Most hergestellt?
Zuerst wird der Süssmost vergoren.
Das dauert zwei Wochen. Der vergorene Most mit einem Alkoholgehalt
von sechs Prozent wird trüb, wie er
ist, zwei bis drei Monate im grossen
Holzfass gelagert. Danach wird bei
einer Temperatur von 60 bis 70 Grad
Celsius im Vakuum der Alkohol wegdestilliert. Dem entalkoholisierten
Apfelwein geben wir einen Drittel
Süssmost bei und etwas Alkohol –
damit er wie ein alkoholischer Saft
riecht. Unser alkoholfreier Saft vom
Fass enthält 0,45 Prozent Alkohol.
Entgegen der Etikette ist er also
nicht wirklich alkoholfrei?
Ich meldete mich im Kantonsspital
St. Gallen zur Promillekontrolle an.
Ich trank drei Flaschen Saft vom Fass
ohne Alkohol. Man beschied mir, man
finde sicher keinen Alkohol im Blut.
Sie lancierten das Getränk vor
zehn Jahren, als die Promillegrenze gesenkt wurde.
Ja. Es ist rasch erfolgreich geworden.
Es schmeckt, als würde es Alkohol
enthalten. Ist es gekühlt, kann ich
keinen Unterschied zum alkoholhaltigen Most feststellen.
Was bewirkt das Holzfass?
Das Lagern im Holzfass ist eine
Tradition. Und wir haben das
Gefühl, es mache den Geschmack
harmonischer.
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