Onlineberatung für suchtkranke Jugendliche

Abschlussbericht des Projekts
„Onlineberatung für Suchtkranke Jugendliche“
Gefördert durch die ARD Fernsehlotterie
„Ein Platz an der Sonne“
Baden-Württembergischer Landesverband für Prävention und Rehabilitation gGmbH
Renchtalstr. 14
77871 Renchen
Internet: www.bw-lv.de
Projektlaufzeit: 01.10.2011 bis 30.09.2014
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung .....................................................................................................................3
1.1
Ausgangslage des Projektes ........................................................................................3
1.2
Ziele des Projektes .......................................................................................................5
1.3
Projektstruktur ..............................................................................................................6
2
Erhebungs- und Auswertungsmethodik ....................................................................9
2.1
Beranet .........................................................................................................................9
3
Ergebnisse .................................................................................................................10
3.1
Auswertung der Monitorings .......................................................................................10
3.2
Abweichungen vom ursprünglichen Konzept ..............................................................13
4
Diskussion der Ergebnisse: .....................................................................................14
5
Verbreitung und Öffentlichkeitsarbeit der Projektergebnisse ...............................15
6
Verwertung der Projektergebnisse (Nachhaltigkeit / Transferpotenzial)...............16
6.1
Welche Erfahrungen / Ergebnisse sind für den Transfer in andere Regionen geeignet?
...................................................................................................................................18
6.2
Was wird nach Projektende mit den aufgebauten Strukturen passieren?....................18
2
1
1.1
Einleitung
Ausgangslage des Projektes
Der Baden-Württembergische Landesverband für Prävention und Rehabilitation gGmbH
(bwlv) ist Träger der Suchthilfe in Baden-Württemberg. Der bwlv unterhält 23 ambulante Beratungsstellen in 25 Stadt- und Landkreisen. Zehn stationäre Fachkliniken, zwei Tageskliniken sowie Nachsorgeeinrichtungen und Wohngruppen für Alkohol- und Drogenabhängige.
Acht Integrationsfachdienste sind Anlaufstellen bei allen Fragen der Integration von Arbeitnehmern mit Behinderung und kompetente Ansprechpartner für Arbeitgeber und schwer behinderte Arbeitnehmer.
Der bwlv hat sich zum Ziel gesetzt, Abhängigkeitserkrankungen präventiv vorzubeugen,
Suchtkranke oder deren Angehörige zu beraten und zu behandeln und Schwerbehinderte zu
betreuen. Die Einbindung von Selbsthilfegruppen und Ehrenamtlichen gehört gleichermaßen
zu seinem Selbstverständnis. Wir sorgen umfassend dafür, dass unsere Klienten in sozialer,
gesundheitlicher und beruflicher Sicht integriert bleiben oder werden und leisten damit einen
wichtigen gesellschaftlichen Beitrag.
Die Online-Beratung ist eine Ergänzung des bestehenden Beratungsangebotes des BadenWürttembergischen Landesverbandes für Prävention und Rehabilitation (bwlv). Unter
www.bw-lv.de stellen sich 53 Einrichtungen des Verbandes vor. Die Homepage bietet Informationen rund um Suchtthemen wie Prävention, Beratung und Behandlung von Suchtkranken. Zusätzlich zum bestehenden Angebot wurde eine professionelle Online-Beratung für
suchtkranke Menschen und deren Angehörige aufgebaut. Das Angebot umfasst eine E-Mail
Beratung, Einzel- und Gruppenchats und Foren. So können sich Suchtkranke anonym und
kostenlos an das Suchtberatungsteam wenden. Die Online Beratung stellt eine sinnvolle
Ergänzung zu bestehenden Angeboten Kompetenzzentren Mediensucht, Beratung und Behandlung von Cannabisabhängigen „Quit the Shit“ und einer jugendspezifischen trinationalen
Homepage „feelok“ mit den Themen Nikotin, Alkohol und Mediensucht dar.
Zielgruppe des Angebotes sind Konsumenten von Suchtmitteln, deren Angehörige und Bezugspersonen, die abhängig sind von Alkohol, Medikamenten, Tabak, Cannabis, Kokain,
Opiaten, Partydrogen, Glücks- und Computerspiel. Der bwlv hat die Möglichkeit, durch sein
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breites Angebotsspektrum, von Alkohol bis Computerspielsucht, viele Hilfesuchende zu erreichen und zu beraten.
Onlineberatung
Der Begriff „Onlineberatung“ bezeichnet eine internetgestützte interaktive Form von Beratung
die in unterschiedlichen Formen stattfinden kann. Neben der E-Mail-Beratung haben sich die
Chat-Beratung und der Austausch in themenspezifischen Foren durchgesetzt. Allgemein hat
sich die Onlineberatung inzwischen in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens etabliert. Vor allem kirchliche und andere soziale Einrichtungen nutzen diese Möglichkeit mit viel
Erfolg. Eine gute Übersicht gibt die Plattform www.das-beratungsnetz.de.
Bei der Onlineberatung reduziert sich der Kontakt auf das Schreiben. Wichtige Überträger
von Botschaften wie Körperreaktionen, Stimme und Tonfall entfallen komplett. Es ist daher
schwer vorstellbar, dass über dieses Medium eine Beziehung zwischen Klient und Berater
hergestellt werden kann. Inzwischen gibt es aber Berichte, die dies eindeutig belegen. Dr.
Josef Lang folgerte beispielsweise bereits am 07./08.2002 bei einer Tagung in Köln zu diesem Thema: „Weiterführen der Onlineberatung. Es gibt eine Nachfrage und die Wirkungen
sind in erwünschter Richtung. Auch Gefühle lassen sich am Internet übermitteln und eine
Beziehung kann sehr schnell aufgebaut werden. Die Onlineberatung ergänzt bisherige Settings, weitet diese aus und konkurriert sie nicht.“
Brigitte Vogt hat in ihrem Artikel im e-beratungsjournal1 vom September 2007 acht Thesen
zur Wirksamkeit und Effektivität von E-Mail-Beratung aufgezeigt. Dabei macht sie keinen
Unterschied, ob es sich nur um einen einmaligen Kontakt oder um eine Sequenz handelt. Sie
schildert, dass alleine das Schreiben eine bestimmte Distanz zu dem Problem und eine Öffnung der Perspektiven und Möglichkeiten schafft.
e-beratungsjournal, Fachzeitschrift für onlineberatung und computergestützte Kommunikation, 3.
Jahrgang, Heft 2 – September 2007, Schwerpunktthema: Sprachbilder – Bildersprache, ISN, 18167632
1
4
1.2
Ziele des Projektes
Ziel der E-Mail-Beratung ist es, den Dialog mit Hilfesuchenden zu fördern und Unterstützung
anzubieten. Die E-Mail-Beratung kann Menschen den ersten Schritt, Hilfe in Anspruch zu
nehmen, erleichtern. Die Online-Beratung offeriert eine textgestützte Beratung im Vorfeld
von direkten Hilfsangeboten. Sie kann eine Notruf-, Vermittlungs-, Brücken-, Orientierungs-,
Aufklärungs-, Informations- und Stabilisierungsfunktion übernehmen.
•
Wissensvermittlung über Suchtmittel
•
Frühintervention und Krisenintervention
•
Zeitnaher Beratungsprozess
•
Vermittlung in weiterführende Hilfen
Angesprochen wurden junge Menschen bis 27 Jahren mit Suchtproblemen oder deren Angehörige. Die Suchtprobleme können sich sowohl auf stoffgebundene Substanzen wie Alkohol, illegale Drogen und Nikotin als auch nicht stoffgebundene Suchtmittel wie Spielen, Internet, Kaufen etc. beziehen.
Die internetbasierte Beratung ermöglicht einen leichteren Zugang zur Beratung. Das betrifft
beispielsweise Menschen
-
die aufgrund psychischer oder physischer Behinderungen eine Beratungsstelle nicht
aufsuchen können oder wollen,
-
die aufgrund des Wohnortes Schwierigkeiten haben eine Beratungsstelle aufzusuchen,
-
die aufgrund von Schwellenängsten eine erleichterte Form der Kontaktaufnahme benötigen,
-
denen es leichter fällt, sich bei prekären Themen über die Anonymität des Internets
zu öffnen,
-
die eine gewisse Unverbindlichkeit benötigen,
-
die Schwierigkeiten haben, sich an Termine zu binden.
Weitere Ziele waren auch, den Bekanntheitsgrad des bwlv zu erhöhen und unser therapeutisches Angebot über die Website des bwlv hinaus zu verbreiten. Über den entstandenen
Kontakt konnten Klienten in eine face-to-face-Beratung überführt werden.
5
1.3
Projektstruktur
Während des Projektzeitraums kam überwiegend die E-Mail-Beratung aber auch das Einzelchat zum Einsatz. Im Folgenden eine kurze Beschreibung dieser zwei Formen:
-
Die E-Mail-Beratung ist erfahrungsgemäß die wichtigste und wirkungsvollste Form
der Onlineberatung. Sie stellt ein niedrigschwelliges Angebot der Beratung dar mit
dem Ziel, Menschen zu erreichen, die den Schritt in die Beratungsstelle noch nicht
wagen. Eine face-to-face-Beratung könnte sich aber daraus ergeben und wird angestrebt. Der Vorteil von E-Mail-Beratung besteht in der Chance einen intensiven Kontakt zum Klienten aufzubauen. Studien haben gezeigt, dass es vielen Betroffenen
leichter fällt, sich in dieser Form zu öffnen als in anderen Formen der Beratung. Die
Kommunikation findet nicht in Echtzeit statt. Dies hat Vorteile: Durch die Möglichkeit
der ausführlichen Darstellung der Probleme und die zeitliche Verzögerung des
Schreibprozesses kann eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema stattfinden und es kann sich eine therapeutische Beziehung zwischen Klient und Berater
entwickeln. Der Berater hat außerdem Zeit, die Mail des Klienten auf sich wirken zu
lassen und angemessen auf die Anfrage zu antworten.
-
Beim Einzelchat werden Termine, die vorher festgelegt werden, vom Klienten gebucht. Die Kommunikation findet in Echtzeit statt. Sie ist vergleichbar mit einem Telefonat und kann durch die Schnelligkeit Vorteile haben in Bezug auf Informationsvermittlung.
-
Beim Gruppenchat handelt es sich um einen offenen Chat, der von einem größeren
Besucherkreis gleichzeitig genutzt werden kann und der vom Berater moderiert wird.
Gruppenchats eignen sich besonders für themenspezifische, offene Sprechstunden.
Es können aber auch geschlossene Chats angeboten werden, z. B. für bereits bestehende oder abgeschlossene Therapiegruppen als Ergänzung zur Therapie oder als
Nachsorge.
Besonderheiten von Onlineberatung
-
Anonymität
Die Onlineberatung erfolgt weitgehend anonym. Die Klienten können einen sogenannten Nickname verwenden. Statistische Angaben beispielsweise zu Alter, Geschlecht und Herkunft erfolgen freiwillig. Dies ist vor allem für Personen von Bedeu-
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tung, die aufgrund von Kontakt- oder Beziehungsängsten einen direkten Kontakt in
einer Beratungsstelle meiden würden oder deren Themen zu schambesetzt sind um
sie im persönlichen Gespräch anzusprechen.
-
Unverbindlichkeit und Selbstbestimmung
Da zumindest in der E-Mail-Beratung keine Termine vergeben werden, können die
Nutzer selbst bestimmen, wann sie den Kontakt aufnehmen, wie oft und wie lange
und zu welcher Zeit sie ihn wahrnehmen wollen.
-
Niedrigschwelligkeit
Aufgrund der vorgenannten Punkte ist die Onlineberatung ein sehr niedrigschwelliges
Angebot. Es erlaubt schnell und unkompliziert an Informationen zu kommen ohne auf
einen Termin warten oder eine Verpflichtung eingehen zu müssen.
-
Standortunabhängigkeit
Onlineberatung bietet auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen oder in Gegenden mit schlechter Infrastruktur eine unkomplizierte Möglichkeit sich Rat zu holen.
-
Flexibilität
Webbasierte Beratungsangebote sind zu jeder Zeit schnell und unkompliziert von jedem PC, Tablet oder Smartphone aus nutzbar. Viele Menschen wollen ihre Probleme
dann loswerden, wenn sie akut sind. Die Antwort folgt bei unserem Projekt auch an
Wochenenden innerhalb von maximal 48 Stunden.
-
Schriftlichkeit
Alleine das Formulieren und Aufschreiben des Problems bedeutet schon eine Auseinandersetzung und Bearbeitung und kann dem Ratsuchenden bereits mehr Klarheit
und Distanz zu der Situation bringen. Der gesamte Ablauf der Kommunikation bleibt
weiterhin abrufbar und damit jederzeit nachvollziehbar.
Qualitätsmerkmale
Um größtmögliche Qualität und Professionalität in Bezug auf Funktionalität, Sicherheit, Anonymität und Optik erreichen zu können, wurde die Firma Beranet beauftragt, das Internetportal für den bwlv einzurichten. Beranet ist ein Produkt der zone35 GmbH & Co, KG, eine
Agentur für digitale Kommunikation. Beranet hat sich darauf spezialisiert, vor allem sozialen
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Einrichtungen eine Plattform für die webbasierte Beratung zu bieten, die Mitarbeiter zu schulen und einen Support zur Verfügung zu stellen.
-
Sicherheit
Die Onlineberatung ist webbasiert und SSL verschlüsselt. Sie erfüllt alle Kriterien zur
Datensicherheit gemäß den BSI Sicherheitsstandards. Das bedeutet, dass kein Unbefugter Zugriff auf die Mails nehmen kann, da diese in einem sogenannten elektronischen Briefkasten hinterlegt werden. Dies bietet absolute Sicherheit und Anonymität. Auch die Kontrolle durch z.B. Eltern ist so ausgeschlossen. Die Daten werden auf
einem zentralen Rechner gespeichert und können nur mit einem passwortgeschützten Account gelesen und beantwortet werden.
-
Barrierefreiheit
Barrierefreiheit gemäß BITV/Niederschwelligkeit bezeichnet Web-Angebote, die von
allen Nutzern unabhängig von körperlichen und/oder technischen Möglichkeiten uneingeschränkt (barrierefrei) genutzt werden können. Laut BITV-Selbstbewertung erreicht die virtuelle Beratungsstelle einen Wert von über 95 Punkten und erfüllt damit
die Anforderungen des BGG. Das bedeutet, dass Klienten nur einen Internetzugang
benötigen, ohne andere technische Voraussetzungen zu haben. Damit kann ein niederschwelliger Zugang ermöglicht werden.
Qualifikation der Mitarbeiter
-
Berufliche und fachliche Qualifikation der Mitarbeiter
Die Onlineberatung im bwlv wurde von drei Mitarbeiterinnen und einem Mitarbeiter
aus der Fachstelle Sucht in Bruchsal und der Jugend- und Drogenberatungsstelle
Kehl/Offenburg durchgeführt. Alle haben den Grundberuf Sozialarbeiter/Sozialpädagoge, außerdem eine therapeutische Zusatzausbildung entweder abgeschlossen oder in Ausbildung.
-
Fortbildung zum Onlineberater
Ein Mitarbeiter aus dem Team der Onlineberater/innen hat eine 1 1/2 jährige Ausbildung zum Onlineberater durchgeführt. Diese sah neben den theoretischen Grundlagen und dem Schreiben von Probemails auch eine Selbsterfahrung vor. Diese erstreckte sich über einen Zeitraum von vier Monaten.
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Der Mitarbeiter ist Mitglied bei der DGOB (Deutsche Gesellschaft für Onlineberatung).
-
Beranet-Schulung
Alle vier Mitarbeiter/innen der Onlineberatung haben eine Schulung von Beranet zu
den technischen Grundlagen und der Durchführung absolviert. Ein Kollege wurde
zum Administrator geschult.
-
Fachtreffen
Gemeinsam mit der Projektleiterin der Geschäftsstelle des bwlv fanden mehrere
Fachtreffen statt, in denen Erfahrungen ausgetauscht und Probleme besprochen
wurden. Außerdem wurde jährlich ein Dienstplan erstellt, um die Präsenz regelmäßig
sicher zu stellen.
-
Internes Chat
Zur Intervision wurde In kürzeren Abständen ein internes Chat der Mitarbeiter/innen
durchgeführt.
2
2.1
Erhebungs- und Auswertungsmethodik
Beranet
Die Beranet-Software beinhaltet ein Statistiktool, welches eine Reihe von Standardauswertungen automatisch generiert. Grundlage hierfür sind u.a. Mailanfragen, Aufrufe der virtuellen
Beratungsstelle und die für jede Anfrage erfassten Monitorings. Beim Monitoring handelt es
sich um eine Beratungsdokumentation in der die Leistung des Beraters aber auch alle freiwillig eingegebenen Daten zur Person des Klienten übernommen werden. Die statistischen
Angaben in Punkt 3 kann nur die Gruppe von Klienten darstellen, die diese Angaben auch
gemacht haben.
9
3
3.1
Ergebnisse:
Auswertung der Monitorings
Während des Projektzeitraums vom 01.10.2011 bis zum 30.09.2014 gab es 170 Personen
die insgesamt 272 Anfragen gestellt haben. 200 Personen hatten es bei einer Beratung belassen. Bei 41 Personen kam es zu Folgeberatungen.
Bei den 170 Ratsuchenden handelte es sich um 84 Angehörige und 83 selbst Betroffene. Die
restlichen drei Personen waren Schüler oder Studenten die Informationen zu Suchtfragen
hatten.
Die größte Gruppe der Anfragen bezog sich mit 43 % auf Alkoholabhängigkeit mit gefolgt
von illegale Drogen mit 24,6 %. Die Glückspielsucht weist mit 11,8 % auch noch einen relaitv
hohen Anteil auf.
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Das Projekt war ausgeschrieben und bewilligt für Jugendliche und junge Erwachsene bis 27
Jahren. In der Praxis hat sich gezeigt, dass 49,8 % der Klienten zwischen 15 und 30 Jahre
alt war. Knapp mehr als die Hälfte verteilt sich also auf die Altersgruppe zwischen 31 bis 70
Jahren.
Beim Geschlecht waren die Frauen mit 53,3 % überrepräsentiert. Gerade Frauen scheint der
anonyme Zugang einer Onlineberatung den Zugang zum Hilfesystem zu erleichtern.
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25,6 % gaben an, einen Hoch- oder Fachhochschulabschluss zu haben. (Fach-)Abitur hatten
24,4 %. Mittlere Reife 28,5 %. Klienten mit Hauptschulabschluss oder keinem Abschluss
waren extrem unterrepräsentiert.
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57,7 % lebten mit ihrem Ehepartner oder Lebensgefährten zusammen. Alleine wohnten nur
19,6 %. Etwa 20 % waren noch bei ihren Eltern oder einem Elternteil.
Lediglich 32 % der Klienten lebte im ländlichen Raum.
90,5 % der Nutzer kamen aus Baden-Württemberg. 4,5 % aus dem benachbarten Rheinland-Pfalz.
3.2
Abweichungen vom ursprünglichen Konzept
Eine Abweichung ergab sich aus der Altersstruktur der erreichten Klientel. Angesprochen
waren Jugendliche bis zu einem Alter von 27 Jahren. Mehr als 50 % waren jedoch älter als
30 Jahre.
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4
Diskussion der Ergebnisse
Die Ziele des Projektes „Onlineberatung“ wurden erreicht, so konnte 170 Personen ein niedrigschwelliger Zugang zum Suchthilfesystem ermöglicht werden.
Hierbei handelte es sich zu nahezu gleichen Anteilen um junge Menschen bis zu einem Alter
von 27 Jahren mit eigener Problematik als auch Angehörige (Lebenspartner, Eltern, Geschwister). Sowohl in der Gruppe der Angehörigen als auch in der Gruppe der selbst betroffenen konnte nicht nur die Zielgruppe des Projekts erreicht werden. Auch deutlich ältere
selbst betroffene als auch deren Angehörige nahmen das Angebot der Onlineberatung wahr.
Entgegen der Erwartungen, dass es sich hierbei hauptsächlich um Menschen handele, die
beispielsweise aufgrund psychischer oder physischer Behinderungen eine Beratungsstelle
nicht aufsuchen können (siehe Ziele 1.2), lagen die Schwierigkeiten der Hilfesuchenden
vielmehr darin, dass sie sich unklar waren ob und wohin sie sich wenden sollten. Deutlich
wird dies auch daran, dass viele Anfragen nach einem Einmalkontakt beendet werden konnten, da es lediglich um die Vermittlung einer geeigneten Hilfeeinrichtung bzw. der entsprechenden Adressen ging. Hier zeigt sich, dass die Internetpräsenz und Öffentlichkeitsarbeit
des Suchthilfesystems für die Hilfesuchenden der Onlineberatung unübersichtlich und wenig
informativ erscheint.
Bei der Bekanntmachung des Projekts mangelte es vor allem an geeigneten Werbemaßnahmen. Postkarten, Plakate, kurze mediale Beiträge und vereinzelte Zeitungsartikel führten
nicht zum erwünschten Erfolg. Drei Monate vor Projektende wurde eine google-AdWordsKampagne gestartet, welche die Anfragen verfünffacht hat und mit einer Steigerung der Seitenaufrufe einher ging.
Viele Klienten der Onlineberatung wurden in eine face-to-face-Beratung vermittelt. Ob diese
jedoch tatsächlich das Hilfsangebot vor Ort genutzt haben, kann aufgrund der Datenschutzbestimmungen nicht verfolgt werden.
Die Einzel- und Gruppenchats wurden nur selten von Usern angenommen, so dass letztendlich nur Einzelchats auf Anfrage angeboten wurden.
Die Onlineberatung stellt einen wichtigen Baustein im Angebot des bwlv dar und sollte auf
jeden Fall weitergeführt werden. Dabei zu beachten wäre, dass die Zielgruppe alle Alter-
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gruppen umfassen sollte und die Werbung weiter betrieben werden muss, um die Internetpräsenz auf dem aktuellen Stand zu halten.
5
Verbreitung und Öffentlichkeitsarbeit der Projektergebnisse
Die Projektergebnisse werden auf der Homepage des bwlv veröffentlicht und interessierten
Trägern zur Verfügung gestellt. Der Gesamtjahresbericht und die Verbandeigene Newsletter
wird über den Abschluss des Projektes berichten. Die Ergebnisse wurden intern auf der Leitungstagung und der Mitgliederversammlung vorgestellt. Um eine Nachhaltigkeit zu erzielen
wurde eine Projektgruppe unter der Leitung der Referentin für Prävention gebildet. Ziel ist es
die Onlineangebote des bwlv zu vernetzen und die Weiterentwicklung des Fachgebietes voranzutreiben.
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Verwertung der Projektergebnisse (Nachhaltigkeit/Transferpotenzial)
Mit Hilfe von Google AdWords Kampagnen ist es dem bwlv gelungen, die Online-Beratung
bei Google auf den obersten Positionen zu platzieren. Somit wurde die Zielgruppe, die nach
Informationen zur Suchtberatung sucht zur richtigen Zeit am richtigen Ort erreicht. Durch die
exakten Steuerungsmöglichkeiten der AdWords-Kampagne wurden nur potentielle Nutzer
(z.B. Betroffene, Angehörige, Freunde, etc.) für die Onlineberatung angesprochen und somit
Streuverluste vermieden.
Impressions / Klicks
In der Zeit von Juli 2014 – bis September 2014 (Q3) insgesamt ca. 26.500 mal geschaltet.
Dabei haben insgesamt 1.228 potentielle Klienten die Anzeigen angeklickt und wurden auf
die BWLV Seite weitegeleitet.
Online-Beratung Seite
Laut Beranet Berichten ist es deutlich erkennbar, dass die AdWords-Anzeigen zu einem
starken Traffic-Anstieg führten, was sich wiederum positiv auf die Anzahl der E-Mail Anfragen und Klienten auswirkte. (s. Grafiken unten)
So wurden z. B. im Q3/2014 ca. 455% mehr Klienten auf die Beranet-Beratung verwiesen
wie noch im Vorquartal.
15
Seitenaufrufe:
Q3/2014: 2.358
Q2/2014: 599 (+ 394%)
Q3/2013: 757 (+ 311%)
E-Mail Anfragen
Q3/2014: 76
Q2/2014: 19 (+ 400%)
Q3/2013: 23 (+ 330%)
Neue Klienten
Q3/2014: 50
Q2/2014: 11 (+ 455%)
Q3/2013: 11 (+ 455%)
16
17
6.1
Welche Erfahrungen/Ergebnisse sind für den Transfer in andere Regionen geeignet?
Grundsätzlich kann dieses Projekt in jede andere Regionen transferiert werden. Hilfreich
hierfür ist ein engmaschiges Netzwerk vor Ort, um schnell geeignete Angebote weitergeben
zu können. Außerdem könnte solch ein Netzwerk die Bekanntmachung der Onlineberatung
vorantreiben. Hilfreich erschien uns die Verlinkung der Onlineberatung auf regionalen Internetseiten. Die Bewerbung des Angebots durch Google-AdWords Kampagnen erscheint eine
gute Möglichkeit zur Bewerbung des Angebots zu sein.
6.2
Was wird nach Projektende mit den aufgebauten Strukturen passieren?
Onlineberatung wird ab 01.01.2015 mit 10% Stellenumfang durch den bwlv weitergeführt.
Die Überleitung in ein Regelangebot wird verknüpft mit weiteren Onlineangeboten, wie Onlineberatung für Cannabisabhängige „Quit the Shit“ und ein jugendspezifisches Onlineportal
„feelok“, mit den Themen Nikotin, Alkohol und Mediensucht. Das gesamte Onlineangebot
des bwlv wird zukünftig in einer Projektgruppe „Onlineberatung“ gesteuert.
2014-12-10
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