Verabschiedung der Nachhaltigen Entwicklungsziele alleine noch

Verabschiedung der Nachhaltigen Entwicklungsziele alleine noch kein Grund zu feiern
Berlin, 23. September 2015
Die neuen Entwicklungsziele sind nur so gut wie ihre Indikatoren. Das zeigt das Berlin-Institut für
Bevölkerung Entwicklung in der Studie „Consequential Omissions“.
Bei ihrer zahlenmäßig bislang größten Zusammenkunft verabschieden die Staats- und Regierungschefs
fast aller Länder dieser Welt am Wochenende die neue globale Entwicklungsagenda. Mit den
sogenannten Sustainable Development Goals (Nachhaltige Entwicklungsziele, SDGs) verpflichtet sich
die internationale Gemeinschaft auf einen Katalog von 17 Oberzielen und 169 Unterzielen. Darin geht
es um Armuts- und Hungerbekämpfung, um Bildung für alle, aber auch um nachhaltigen Konsum,
soziale Ungleichheit und Klimawandel. Die SDGs werden bis 2030 gültig sein.
Ein umfassender Zielekatalog alleine taugt aber noch nicht für eine Entwicklungsagenda. Das sagen
Experten vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. „Was die SDGs tatsächlich bedeuten,
hängt davon ab, welche Maßstäbe und Indikatoren wir zur Fortschrittsmessung ansetzen“, so
Institutsdirektor Reiner Klingholz. „Bislang ist bei vielen Zielen unklar, unter welchen Bedingungen sie
als erfüllt gelten. Ohne genau zu wissen, was sie konkret erreichen sollen, verpflichten sich die Länder
also auf eine beachtliche Anzahl grober Absichten.“
Wie wichtig die sorgfältige Ausformulierung der Ziele ist, zeigen die Experten vom Berlin-Institut in
ihrer Studie „Consequential Omissions“ (Folgenreiche Versäumnisse). Darin haben sie gemeinsam mit
Mitarbeitern des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen die Vorgänger der SDGs, die MillenniumsEntwicklungsziele (MDGs), einer kritischen Analyse unterzogen.
„Die MDGs sind so unkonkret formuliert, dass sie zur Messung von sozio-ökonomischem Fortschritt nur
schlecht taugen“, erklärt Klingholz. „Kein Ziel berücksichtigt etwa, dass die Bevölkerungen in
unterschiedlichen Ländern verschieden schnell wachsen.“ Dadurch würden heute einige Länder als
erfolgreich in Sachen Armutsreduktion gelten, obwohl sie in absoluten Zahlen mehr Arme verzeichnen
als zu Beginn der Messung im Jahr 1990. Andere Länder wiederum gelten als Schlusslichter, obwohl sie
heute mehr Menschen mit Nahrung versorgen als jemals zuvor.
„Bevor wir also die Verabschiedung neuer Entwicklungsziele feiern, sollten wir noch eine Weile
abwarten. Was genau in New York unterzeichnet wird, werden wir erst im Nachhinein wissen – nämlich
dann, wenn die Liste der Erfolgsindikatoren veröffentlicht wird“, sagt Klingholz. An dieser arbeitet
derzeit ein international besetztes Expertengremium. Mit einem Ergebnis ist erst im März 2016 zu
rechnen.
Die gemeinsam mit Autoren des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) erarbeitete Studie
„Consequential Omissions“ erreichen Sie kostenfrei unter http://www.berlininstitut.org/publikationen/studien/consequential-omissions.html.
Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung
Schillerstr. 59
10627 Berlin
Ansprechpartner: Reiner Klingholz ([email protected], Tel.: 030 - 31 01 75 60) und Ruth
Müller ([email protected], Tel.: 030 -31 01 74 50)
Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung ist ein unabhängiger Thinktank, der sich mit
Fragen regionaler und globaler demografischer Veränderungen beschäftigt. Das Institut wurde 2000
als gemeinnützige Stiftung gegründet und hat die Aufgabe, das Bewusstsein für den demografischen
Wandel zu schärfen, nachhaltige Entwicklung zu fördern, neue Ideen in die Politik einzubringen und
Konzepte zur Lösung demografischer und entwicklungspolitischer Probleme zu erarbeiten.
In seinen Studien, Diskussions- und Hintergrundpapieren bereitet das Berlin-Institut
wissenschaftliche Informationen für den politischen Entscheidungsprozess auf.
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