»Verdacht: NS-Raubkunst?« Presse – Kommunikation Geschichten hinter den Bildern: Provenienzforschung an der Staatsgalerie Stuttgart Pressegespräch am Donnerstag, 12.11.2015, 11 Uhr Die Staatsgalerie Stuttgart entwickelte als erstes Museum weltweit Postanschrift / address / adresse postale Postfach 10 43 42 70038 Stuttgart Deutschland Tel.: Telefax: E-Mail: Internet: +49 (0)711 47040-176/-274 +49 (0)711 236 99 83 [email protected] www.staatsgalerie.de Öffnungszeiten / opening hours / heures d’ouverture einen Audioguide, in dem sie der Herkunft verschiedener Werke aus ihrer Sammlung nachgeht. Die Audiotour stellt elf Werke hauptsächlich der Klassischen Moderne vor und kann auf Deutsch und Englisch gehört werden. 10 – 18 Uhr Abendöffnung donnerstags bis 20 Uhr montags geschlossen Sonderöffnungen für angemeldete Schulgruppen: dienstags und mittwochs ab 9 Uhr Seit Oktober 2009 untersucht Dr. Anja Heuß die Bestände an der Staatsgalerie Stuttgart auf ihre Provenienzen hin. Zunächst finanziert 12.11.2015 durch die »Arbeitsstelle für Provenienzforschung« sowie durch das Land Baden-Württemberg, wurde 2015 ihre Stelle für die Erforschung der Herkunft von Werken dauerhaft eingerichtet. Kunststaatssekretär Jürgen Walter betont, Baden-Württemberg habe als erstes Bundesland die Anschubfinanzierung des Bundes für Stellen zur Provenienzforschung an den staatlichen Museen weiter finanziert und inzwischen entfristet: „Damit bleibt der Umgang mit Raubkunst in Baden-Württemberg beispielhaft. Die Erforschung der landeseigenen Kunstsammlungen und ihrer Bestände ist eine dauerhafte Aufgabe, der wir große Bedeutung zumessen“. In der von ihr entwickelten Audioführung fasst Anja Heuß die Ergebnisse ihrer kontinuierlichen Recherchen durch die Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart zusammen. „Wir wollen unsere Provenienzforschung, die sonst hinter den Kulissen des Museums stattfindet, allen unseren Besuchern zugänglich machen“, sagt Prof. Dr. Christiane Lange, Direktorin der Staatsgalerie. „In unserer Audiotour stellen wir Werke vor, die immer in unserer ständigen Sammlung zu sehen sind.“ Die Werke des Provenienz-Rundgangs "Verdacht: NS-Raubkunst?" umfassen die ganze Bandbreite des Kunstraubs in der Zeit des Nationalsozialismus. Sie stammen großteils aus ehemals bekannten jüdischen Sammlungen. So wurde beispielsweise das Gemälde »Stillleben mit Gitarre« von Alexander Kanoldt aus der Sammlung des jüdischen Anwalts und Kunstsammlers Dr. Ismar Littmann in Breslau 1935 verfolgungsbedingt von der Familie verkauft. Im selben Jahr erwarb der Galerieverein im Kunsthandel das Werk für die Staatsgalerie Stuttgart. An die Erben im Jahr 2008 restituiert, kehrte das Bild 2014 durch den Wiederankauf der Freunde der Staatsgalerie Stuttgart in die Sammlung des Museums zurück. Am Beispiel eines Gemäldes von Anton Graff aus dem 18. Jahrhundert, das aus der Sammlung eines österreichischen Freimaurers stammte und in der NS-Zeit von den Finanzbehörden verkauft worden war, werden unterschiedliche Provenienzgeschichten vorgestellt. Auch die Verluste der Staatsgalerie Stuttgart selbst werden thematisiert: Das Selbstbildnis von Max Beckmann wurde 1937 als "entartet" beschlagnahmt und vom Kunsthändler Hildebrand Gurlitt erworben. Über die Galerie Günther Franke in München wurde es 1948 von der Staatsgalerie Stuttgart ein zweites Mal erworben. Mit dem Icon, einen leeren Bilderrahmen, können in Verbindung mit der entsprechenden Nummer die Provenienzinformationen in der Sammlungstour zu den einzelnen Bildern abgerufen werden. Alternativ ist eine eigene Provenienztour möglich, die den Besucher durch die Säle des Museums leitet. Zusätzliche Informationen: Die Provenienzforschung beschäftigt sich mit der Herkunft der Kunstwerke. Sie konzentriert sich dabei insbesondere auf die Zeit von 1933 bis 1945 und prüft, ob in dieser Zeit möglicherweise ein aus heutiger Sicht unrechtmäßiger Besitzwechsel stattgefunden hat. Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um Kunstwerke aus ehemals jüdischem Eigentum, sondern auch von anderen Gruppen, die aus politischen, weltanschaulichen oder religiösen Gründen in der NS-Zeit verfolgt wurden, wie Freimaurer und Kommunisten. In Frage kommen grundsätzlich alle Werke, die nach 1933 erworben wurden und vor 1945 entstanden sind. In der Staatsgalerie Stuttgart sind davon ca. 1.500 Gemälde und 4.500 Grafiken betroffen. Davon wurden bisher 400 Kunstwerke überprüft (Stand November 2015). Die Staatsgalerie Stuttgart hat sieben Werke seit 1998 an ihre rechtmäßigen Erben restitutiert. Die Audioführung ist an der Museumskasse auf Deutsch und Englisch erhältlich, Preis: 5,- Euro Staatsgalerie Stuttgart Anette Frankenberger Pressereferentin Tel.: +49 (0)711 47040-176/-274, E-Mail: [email protected]
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