Mehr als doppelte Dividende durch aktive Anlage in Green Bonds

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Verlagsbeilage 10. März 2016
Mehr als doppelte Dividende
durch aktive Anlage in Green Bonds
Junges Marktsegment der „grünen Anleihen“ eröffnet auch neue Ertragschancen
Dr. Stefan Klotz
Investmentstratege und Portfoliomanager
von der Heydt Invest
A
lles Hoffen hat nichts geholfen.
Als die Zinsen zu Beginn dieses Jahrzehnts immer tiefer sanken,
machten sich viele Investoren noch
Mut: Dies sei eine kurze Phase, man
müsse nur die Nerven behalten, und
bald würden sich wieder laufende
Erträge in auskömmlicher Höhe erzielen lassen. Doch es wurde nicht
besser, sondern schlimmer. In der
schwierigen neuen Welt der Niedrig-,
Null- und Negativzinsen fehlen Stiftungen die laufenden Erträge, und
Pensionsfonds rechnen mit spitzem
Bleistift, wie sich die Ansprüche erfüllen lassen.
Eine zusätzliche Gefahr droht Investoren, die Anleihen nicht zu Anschaffungskosten bilanzieren (dürfen), sondern Marktpreise ansetzen
(müssen). Denn wenn eines Tages
die Zinswende kommt, spiegeln sich
die steigenden Marktrenditen in sinkenden Kursen. Kaum Zinserträge,
dafür Kursverluste, dazu das bei Anleihen unvermeidliche Risiko, ob der
Schuldner überhaupt zahlen wird.
Das Problem des „zinslosen Risikos“
ist inzwischen von den meisten erkannt – doch um die Gefahr zu bannen, sind gute Ideen gefragt.
Auf Renten, also auf qualitativ hochwertige Anleihen, komplett zu verzichten, ist keine Lösung. Zum einen
stellen Renten aufgrund ihrer ein-
Börsen-Zeitung spezial
zigartigen Korrelationseigenschaften einen integralen Baustein jedes
seriösen Mischportfolios dar. Zum
anderen schreiben Regularien und
Anlagevorschriften den meisten Institutionellen ohnehin das Investment
in Renten vor. Wer sich vergegenwärtigt, dass der Dax allein in der ersten
Januarhälfte ohne Federlesens 10 %
an Wert eingebüßt hat – seit seinem
Allzeithoch im April des Vorjahres
sind es gar über 20 % –, sieht sofort,
dass Aktien keineswegs jene alternativlose Anlagelösung sind, als welche
sie jüngst gern dargestellt werden.
Eine wirkliche Lösung kann nur darin bestehen, das breite Angebot des
Rentenmarktes geschickt zu nutzen.
Nötig ist zunächst eine Investmentund Risikostrategie, die die Risiken
der zinsbedingten Marktbewegungen im Zaum hält. Am Anfang steht
jedoch die zielführende Auswahl
der Anleihen. Und für diesen Teil
des Entscheidungsprozesses gibt es
ein junges, dynamisch wachsendes
Marktsegment, das mehrere Vorteile
auf sich vereint: die „Green Bonds“.
Den ersten Green Bond entwickelte
2007 die Weltbank für die Bedürfnisse von Pensionsfonds. Zentrale
Eigenschaft war und ist, dass ein
Green Bond ökologisch ausgerichtete Projekte finanziert. Darin besteht bereits das ganze Geheimnis;
Mit
interessanten
Ideen
das Risiko
bannen
denn ansonsten handelt es sich um
eine ganz gewöhnliche Anleihe. Zu
einer Erfolgsgeschichte wurde die
Idee jedoch erst 2013, als sich unter
dem Dach der International Capital
Market Association (ICMA) ein rundes Dutzend globaler Finanzhäuser
zusammenschloss und einen Mindeststandard festlegte: die Green
Bond Principles (GBP), die vor einigen Monaten in einer zweiten Edition
vorgelegt wurden.
Die Qualitätssicherung, die durch
die GBP glaubhaft wurde, löste ein
Feuerwerk an Neuemissionen aus.
Insbesondere begannen nun Unternehmen, Green Bonds aufzulegen,
und lösten die Supranationals als
größte Emittentengruppe ab. Neben
Banken wagten sich vor allem Versorger und Immobiliengesellschaften an
das neue Marktsegment. Der Erfolg
ließ auch Varianten der ursprünglichen Green-Bonds-Idee entstehen:
Es gibt zum Beispiel nun auch Emissionen, die soziale Aspekte in den
Vordergrund rücken.
Worin liegen nun die Vorteile einer
Veranlagung in Green Bonds? Die
Antwort startet bei dem Begriff der
„doppelten Dividende“: Die Anleger
können in dieser klassischen Sichtweise nicht nur die Zinseinkünfte aus
der Anleihe als Ertrag betrachten,
sondern berücksichtigen auch,
Verlagsbeilage 10. März 2016
und zehn Jahren. Hier setzt der Bedarf an einem kompetenten aktiven
Management an. Wir haben gute
Erfahrungen mit Modellen gemacht,
deren wichtigste Einflussfaktoren die
konjunkturelle Dynamik und das in
Umfragen ermittelte Sentiment der
Anleger sind. Sichert man das Anleihe-Portfolio diszipliniert durch ein
derivatives Overlay ab, sobald das
Modell eine signifikante Gefahr für
eine Phase von Zinsanstiegen zeigt,
baut man einen Schutz gegen das
Risiko schmerzhafter Rückschläge
ein und ebnet das Fundament für
eine langfristig überdurchschnittliche Wertentwicklung.
Foto: Sergey Nivens/fotolia
Dass sich aktives Management, wie
bei jedem Anleihefonds, auch auf die
Auswahl und Gewichtung der einzelnen Anleihen erstreckt, versteht sich
von selbst. Die Analyse des Kreditrisikos gehört ebenso zu den Hausaufgaben wie die Vermeidung von Klumpenrisiken.
Zentrale Eigenschaft eines
Green Bonds ist, dass er
ökologisch ausgerichtete
Projekte finanziert.
in einem übertragenen Sinn, den
ökologischen und sozialen Nutzen als
eine zweite Ertragsquelle. Flapsige
Zeitgenossen bringen das so auf den
Punkt: Wenn man derzeit schon fast
keine Zinsen mehr bekommt, kann
man wenigstens darüber sprechen,
dass mit dem Geld etwas Sinnvolles
passiert.
Sicherlich darf diese Sichtweise
gerade für institutionelle Anleger
nicht überbewertet werden – und
muss es zum Glück auch nicht.
Denn in den vergangenen Jahren
untermauerten mehrere wissenschaftliche Studien die Vermutung,
dass Unternehmensanleihen mit
Nachhaltigkeitscharakter ein spürbar besseres Risiko-Rendite-Profil
aufweisen als die herkömmlichen
Pendants. Insbesondere lässt sich
für nachhaltige Anleihen ein signifikantes Bonitätsplus feststellen, das
im herkömmlichen Rating nicht reflektiert wird.
Investoren in Green Bonds genießen
also den zusätzlichen Vorteil, bei gleicher Renditeerwartung einem gerin-
geren Risiko ausgesetzt zu sein – was
wiederum Spielraum für zusätzliche
Renditen eröffnet. Tatsächlich bieten Green Bonds das Beste aus zwei
Welten: Gemäß der GBP verpflichten sich die Unternehmen einerseits, das Aufkommen aus einem
Green Bond intern zu separieren,
um die Verwendung für ökologische
und soziale Zwecke sicherzustellen;
es hat sich auch etabliert, dass die
Mittelverwendung von einer unabhängigen Stelle überwacht wird.
Andererseits sichert, wie bei jeder
Unternehmensanleihe, die volle Bonität des Unternehmens den Green
Bond ab. Trotz dieser Vorteile bewegen sich die Spreads von Green Bonds
bislang auf dem gleichen Niveau wie
herkömmliche Anleihen des gleichen
Emittenten. Die Kombination dieser
Aspekte macht die Attraktivität der
Green Bonds aus.
Es bleibt das bereits angesprochene
Zinsänderungsrisiko, dem natürlich
auch ein Green Bond nicht entkommen kann – die meisten der bisherigen Emissionen bewegen sich im
Laufzeitenbereich zwischen vier
Gute
Antwort auf
die aktuellen
Herausforderungen
Besonders gut lässt sich ein solches
in Green Bonds investierendes Portfolio in einem Fondsmantel realisieren. Für manche Investoren bietet
ein Fonds den Vorteil, dass trotz der
meist 100 000 Euro betragenden
Stückelung der Green Bonds ein breit
aufgestelltes Portfolio erreichbar
ist. Für andere erhöht der Fonds die
Liquidität und Skalierbarkeit der
Anlage in Green Bonds, da diese Anleihen öfter von Buy-and-Hold-Anlegern nachgefragt werden und daher
ein Verkauf möglicherweise sorgsam
durchgeführt werden muss – eine
Erschwernis, die der Fondsanleger
vermeidet.
Es bleibt festzuhalten: Investoren,
die für ihre Investition in Renten
eine gute Antwort auf die aktuellen
Herausforderungen suchen, werden
fündig bei Green Bonds, verbunden
mit einer aktiven Investment- und
Risikostrategie. Ein Investmentfonds, der sich auf Euro-Emissionen
von Green Bonds beschränkt, trägt
dem Investorenbedürfnis nach einer möglichst sicheren Veranlagung
Rechnung. Der „Crowd Green Bond
Impact Fund“ wurde im Dezember
2015 neu aufgelegt mit dem Ziel, den
Investoren Zugang zu einem solchen
Konzept zu verschaffen.
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