Intelligenz nicht bestrafen! JA zur freien Wahl der Wahlpflichtfächer

Intelligenz nicht bestrafen!
JA zur freien Wahl der Wahlpflichtfächer am 28. Februar 2016
Die Freiwillige Schulsynode (FSS) setzt sich mit dieser Abstimmungsvorlage für eine
Gleichbehandlung aller Schülerinnen und Schüler in Basel-Stadt ein. Es geht darum, einen
offensichtlichen Systemfehler zu verhindern, bei welchem ausgerechnet die Jugendlichen
im leistungsstarken P-Zug krass benachteiligt werden. Um die Leistungen der kantonalen
Schulabgänger tatsächlich zu stärken, braucht es deswegen am 28. Februar ein deutliches
JA zur freien Wahl der Wahlpflichtfächer.
Liebe Leserin, lieber Leser
Stellen Sie sich vor, Ihr Kind besucht die Sekundarschule in Basel-Stadt. 30 Lektionen pro Woche
sind im Stundenplan fest vorgeschrieben (Mathematik, Sprachen, Natur & Technik, Sport etc.).
Für die restlichen vier Wochenlektionen müssen die Jugendlichen auswählen („Wahlpflicht“): Aus
einem spannenden Angebot von insgesamt sieben Fächern dürfen sie dabei aber nur deren zwei
belegen.
Anders als im Nachbarkanton Basellandschaft geniessen hier die städtischen Schülerinnen und
Schüler im A-Zug und im E-Zug die volle Wahlfreiheit. So können sie beispielsweise
Naturwissenschaften („MINT“) und Sprachen („Lingua“) als Wahlpflichtfächer auswählen, wenn sie
dies wollen. Als Alternative stehen ihnen gestalterische Fächer und Musik offen. Bei der zu
treffenden Auswahl werden sie von ihren Lehrerpersonen im Sinne der sinnvollen beruflichen
Orientierung allesamt persönlich beraten.
Doch ausgerechnet im P-Zug, dem leistungsstärksten aller drei Sekundarschul-Niveaus, werden
die Schülerinnen und Schüler in diesem wegweisenden Prozess behindert. Hier ist die Auswahl
zusätzlich reguliert und somit eingeschränkt, was zu abstrusen Situationen für die betroffenen
Jugendlichen führen kann. Dazu drei haarsträubende Beispiele, welche den von der FSS
bestrittenen Systemfehler verdeutlichen:
Sara ist eine ausgesprochen motivierte Schülerin. Sie möchte später gerne Sprachen studieren
und sich zur Dolmetscherin ausbilden lassen. Von den angebotenen Wahlpflichtfächern
interessieren sie „Lingua Latein“ und „Lingua Italienisch“ mit Abstand am meisten. Doch ihre
Vorfreude auf diese beiden attraktiven Lernfelder ist leider vergeblich, weil sie laut Vorschrift im PZug nur eines davon auswählen darf.
Für Joël war es schon als kleiner Junge ein klarer Fall: Wie seine Eltern möchte auch er später
einmal Arzt werden. Als beste Vorbereitung auf das angestrebte Medizinstudium hat er für sich die
Wahlpflichtfächer „MINT“ und „Lingua Latein“ ausgewählt. Doch auch er wird ausgebremst, denn
diese Kombination ist auch nicht erlaubt. Stattdessen muss er ausgerechnet „Gestalten“ oder
„Musik“ anwählen, welche ihm persönlich noch nie sonderlich behagt haben.
Laura hat sich schon früh für alles interessiert, was mit Mode und Design zu tun hatte. Daher
erklärt sie ein Studium an der gleichnamigen Hochschule zu ihrem Berufsziel. Ohne zu zögern
wählt sie dafür die Wahlpflichtfächer „Bildnerisches Gestalten“ und „Textiles Gestalten“ aus, was
ihr im P-Zug ebenfalls untersagt ist. Sie überlegt sich nun einen Wechsel ins E-Niveau der
Sekundarschule, obschon dies aufgrund ihrer schulischen Leistungen völlig unangebracht ist.
Das Gegnerkomitee der "Initiative für eine freie Wahl aller Wahlpflichtfächer in der
Sekundarschule" gibt vor, sich gegen eine Senkung des Leistungsniveaus in den Basler Schulen
zu engagieren. Doch mit diesem Vorgehen wird genau das Gegenteil davon erreicht: Wenn den
leistungsstärksten Schülerinnen und Schülern verboten wird, sowohl Naturwissenschaften als
auch Sprachen anzuwählen, werden ausgerechnet die begabtesten Jugendlichen in ihrer Bildung
und beruflichen Orientierung behindert. Intelligenz darf doch nicht bestraft werden! Für eine
Stärkung des Ausbildungsplatzes Basel braucht es deswegen keine neuen, unnötigen
Regulierungen, sondern faire Spielregeln für ALLE Schülerinnen und Schüler in der
Sekundarschule.
Liebe Leserin, lieber Leser: Bitte tragen Sie dazu bei, dass unsere Jugendlichen weiterhin gerne
zur Schule gehen, weil sie in ihren Interessen und Fähigkeiten ernst genommen werden und so zu
verantwortungsbewussten Mitgliedern der Gesellschaft heranwachsen können. Stimmen Sie
darum am 28. Februar JA zur freien Wahl der Wahlpflichtfächer, vielen Dank!
Jean-Michel Héritier
Freiwillige Schulsynode Basel-Stadt
Präsident
Claramattweg 8
Postfach
4005 Basel
Tel. +41(0)61 686 95 25
E-Mail: [email protected]
Web: www.fss-bs.ch