3. Advent

„Bee? Beee? SCHNEUZELCHEN?“
„Ich komme sofort, ich bin noch nicht ganz fertig“, kam es von oben.
„Was denn noch? Du bist schon seit Stunden im Badezimmer. Wir gehen nur
Weihnachtseinkäufe machen und nicht zur Audienz bei der Queen.“ Giles seufzte und
ließ sich auf den Sessel plumpsen. Immer das gleiche mit den Frauen – schoss es ihm durch
den Kopf.
Als Bee endlich ins Wohnzimmer kam, lag Giles schlafend auf dem Sofa. Er hatte es sich
gemütlich gemacht und schlief tief und fest. Bee kannte ihren Mann wenn er schlief, er war
dann immer sehr schlecht wach zu bekommen, daher überlegte sie, wie sie es anstellen
sollte. Nach einer kurzen Überlegung fiel es ihr ein. Sie beugte sich zu seinem Ohr hinab und
grinste: „AUFSTEHEN! Mrs. Danvers kommt!“
Giles erschrak sich so sehr, dass er fast vom Sofa fiel und sich irritiert umsah.
„Was? Wie? Wo? Die ist nicht eingeladen!“
Bee kicherte. „Ich weiß, sie ist auch nicht da. Ich wusste nur nicht, wie ich dich so
schnell wach bekomme. Wir können los.“
Giles rieb sich die Augen. „Ich komme“, gähnte er herzlich und hüpfte von der Couch.
„Wo geht’s denn überhaupt als erstes hin?“, wollte Giles wissen, während sie auf den
Weg nach Cornwall waren.
„Ich werde doch Tante, wir müssen erst für das Kleine einkaufen“, strahlte Bee und
steuerte auf den Rathausplatz zu.
„Bitte? Sie ist erst im vierten Monat, das dauert noch ewig“, nörgelte Giles, „wir sollten
lieber für die Eltern und Danny etwas besorgen, anstatt für ein Baby, welches noch
fünf Monate braucht, um auf die Welt zu kommen, und von welchem wir nicht einmal
das Geschlecht wissen!“
„Lass mich doch wenigstens schon einmal gucken… bitte.“ Bee klimperte mit ihren
Augen.
„Aber NUR gucken, NICHT kaufen.“
„Ja, ja, mache ich.“ Somit war das Thema für Giles erledigt. Er hätte seine Frau jedoch
besser kennen müssen.
„Oh Giles, guck doch mal hier, ist das nicht süüüüß“, schwärmte Bee und hielt einen
ganz niedlichen Strampler in der Hand.
„Ja… süß“, sagte Giles wenig begeistert. Er wollte lieber richtige Geschenke einkaufen,
anstatt für jemanden, der noch gar nicht da ist.
„Oh! Giles, und guck mal hier, ist das nicht toll?“
Bee hatte ein pinkfarbenes Kleidchen gefunden und drehte sich damit im Kreis.
„Wo willst du denn das bitte anziehen, da passt du nicht einmal mit dem Fuß rein“,
meinte Giles leicht genervt.
„Es ist ja auch nicht für mich, es… ohhhhh ist das goldig.“
Dies ging eine geschlagene Stunde so weiter. Giles saß irgendwann genervt auf einem
Sitzhocker, hatte sich gegen die Fensterscheibe gelehnt und beobachtete das rege Treiben
seiner Frau in der Babyabteilung. Er hatte sogar noch Zeit sich auf einem
Weihnachtsmarktstand vor der Tür eine Waffel zu kaufen und diese zu essen, bevor Bee mit
einer Tüte zu ihm kam.
„Fertig.“
„Wirklich?“
„Ja, fertig, wir können weiter.“
„Was hast du denn gekauft?“
„Einen Strampler, ein Bündel Lätzchen, Söckchen, ein Mützchen, ein…“
„Ist ja schon gut. Kannst du mir auch zu Hause zeigen. Wohin jetzt?“
„Hmm, vielleicht sollten wir uns trennen und uns in zwei Stunden oben im Cafe´
treffen.“
„Wie jetzt? Sag nicht, ich habe umsonst hier gefühlte fünf Stunden gesessen, um zu
hören, das wir doch getrennt shoppen gehen? Das ist jetzt nicht dein Ernst.“
„Doch, denn ich kann dir schlecht ein Geschenk kaufen, wenn du direkt daneben
stehst. Dann weißt du doch sofort was du bekommst“, erklärte Bee.
„Okay, aber wirklich in ZWEI Stunden. Lass mich nicht zu lange warten“, lächelte Giles.
„Nein, versprochen. In zwei Stunden oben im Café. Ich bin pünktlich.“
„Das will ich sehen“, zischte Giles zwischen den Zähnen und sie gingen getrennte Wege.
Giles wusste nicht so Recht, wo er als erstes schauen sollte, geschweige denn, was er
überhaupt kaufen sollte. Die Idee mit getrennten Wegen fand er nun völlig blöd und er lief
erst einmal wie Falschgeld im Center umher. Dann blieb er abrupt stehen, als ihm ein
mögliches Geschenk für Bee ins Auge fiel.
Bee wusste genau was sie wollte und woher sie all die tollen Sachen bekam. Geschenke
kaufen war schon immer eher ein Frauending. Männer taten sich da immer sehr schwer, und
das wusste auch Bee. Daher wollte sie eigentlich auch eher allein durch die Läden streifen,
denn Giles hätte keine Geduld gezeigt und wäre nach einer halben Stunde völlig abgenervt
gewesen. Nach den abgemachten zwei Stunden, kam Bee mit vollgepackten Tüten am Café
an. Giles hingegen hatte nur eine Tüte, die er leicht beschämt unter den Stuhl schob.
„Wartest du schon lange auf mich?“ fragte Bee und ließ sich auf den Stuhl ihm gegenüber
plumpsen. „Ach nein, ich bin erst vor fünf Minuten hier aufgeschlagen“, log er und war
froh, dass der Kellner immer regelmäßig den Tisch abgeräumt hatte.
„Gut, ich bin froh, dass ich alles bekommen habe. War gar nicht so einfach.“
„Wem sagst du das. Zuerst bin ich wie ein falscher Fünfziger im Center umher
gelaufen, als ich schließlich was entdeckt hatte, musste ich feststellen, dass es gar
nicht DAS war, was ich wollte. Habe ich aber trotzdem gekauft. Hoffe natürlich sehr,
dass der, Schrägstrich, die Beschenkte sich wirklich freut, denn ich habe mir echt die
Füße abgelaufen und habe noch dazu eine Blase bekommen“, nörgelte Giles leicht
theatralisch.
Bee rollte leicht mit den Augen. „Ich bin mir sicher, das sich der, Schrägstrich, die
Beschenkte sehr darüber freut und es zu schätzen weiß, was du alles auf dich
genommen hast, um DAS zu bekommen“, lächelte sie schließlich und tätschelte ihrem
Mann leicht auf die Flügel.
„Ich hoffe es sehr, denn sonst…“
„Schscht! Nun hör auf zu jammern. Lass uns nach Hause, wir haben viel
einzupacken.“ Bee stand von ihrem Stuhl auf.
„Ja, du mehr als ich. Haben wir überhaupt Geschenkpapier?“
„Alles hier drin, rate mal, warum ich so vollgepackt bin, dass sind nicht alles nur
Geschenke“, zwinkerte Bee und nachdem Giles gezahlt hatte, flogen sie wieder zurück
nach Manderley und Giles war froh, das Weihnachten nur einmal im Jahr stattfand.