EUROPA ganz neu

WIR BRAUCHEN EINE GANZ NEUE EUROPÄISCHE GEMEINSCHAFT –
je schneller desto zukunfstfähiger
Die Destabilisierung der EU ist ein Prozeß, der spätestens mit der gleichzeitigen Aufnahme von 10
neuen Mitgliedsstaaten 2004 unübersehbar wurde. Die EU-Erweiterung 2004 war ein Kardinalfehler
des politischen Managements, aber sehr im Interesse der NATO und als Sprungbrett für Konzerne
und Banken gedacht, die sich nach Osteuropa und bis in die Erdölstaaten hinter dem Kaspischen
Meer ausdehnen wollten. Ohne sie zu entschuldigen, darf sich niemand über die gewalttätigen
Reaktionen Russlands auf diese Strategie wundern. Die wichtigste Lektion für europäische
Führungspersönlichkeiten heißt daher: erheblich mehr politisches Fingerspitzengefühl entfalten, um
das Projekt Europa nicht völlig vor die Wand zu fahren. Die "Eurorettung" hat das Gesamtprojekt
Europa ebenso wenig vor den immer tieferen Rissen im Unionsgefüge bewahrt, wie eine
Flüchtlingsvermeidungspolitik, die sich von einem autoritären türkischen Regime abhängig macht.
(und ausgerechnet Kanzlerin Merkel vollführt den symbolträchtigen Canossagang nach Ankara, um
diesen türkischen Präsidenten um Hilfe bei der Abschottung vor dem Flüchtlingsstrom zu bitten –
natürlich bezahlt mit Geld, aber vor allem mit wachsendem türkischen Einfluß in der Union).
Es wird Zeit, daß man in Brüssel die Lektionen ernst nimmt, die sich aus der völlig überhasteten
Integration Osteuropas (und davor Griechenlands) lernen lassen. Europa braucht dringendst eine
zukunftsfähige Außenpolitik sowohl gegenüber Russland als auch gegenüber so mittelalterlichen
arabischen Staatsführungen, wie in Qatar oder in Saudi Arabien oder im Yemen. Europa muß sich
allerdings auch frei machen von der blinden Einbindung in eine US-amerikanische Geostrategie, die
vor allem auf Krieg gegen alles Un-Amerikanische setzt. Zu allerletzt darf sich eine Europäische Union
weder durch osteuropäische Oligarchen noch durch verbohrte britische Nationalisten erpressen
lassen, die seit Thatchers Zeiten immer nur Privilegien erpressen (für welche Gegenleistung
eigentlich?). Es wäre gut und wichtig, wenn eine weiter blickende deutsche Bundesregierung sich
weniger von korrupten Konzernen und Banken den Kurs vorgeben liesse (VW, Deutsche Bank) als
vielmehr Volkes Stimme ernst nähme und damit Demokratie als Geschäftsgrundlage der
gesellschaftlichen Entwicklung anerkennt.
Die Forderung nach demokratischen Spielregeln wurde
so deutlich wie seit Jahrzehnten nicht mehr im Oktober
2015 von 250.000 (?) jungen und alten Menschen in
Berlin als TTIP-Demonstration dem Bundestag und
dem Kanzleramt zugerufen. Von solchen DemokratieForderungen ist Osteuropa inzwischen weiter weg denn
je. Weit weniger autoritär als Polen und Ungarn, aber
noch ziemlich weit entfernt von westeuropäischem
Demokratieverständnis entwickeln sich die baltischen
Staaten und Gesellschaften.
Der Text dieses Buches bietet viel Innensicht auf den
Integrationsprozeß Osteuropas und lenkt dabei den
Blick auf wichtige Schwachstellen in den baltischen
Staaten, aber vor allem auch auf das nur oberflächliche
Interesse an diesen neuen Mitgliedern bei der EUKommission und bei der EZB. Ganz unabhängig vom Flüchtlings-Tsunami erscheinen diese beiden
europäischen Institutionen inzwischen als immer größeres Risiko für eine stabile, zukunftsfähige
Entwicklung eines demokratischen Europa. Diese Lektion muß ernsthaft gelernt werden – und zwar
sehr schnell!
An den baltischen Erfahrungen meiner eigenen gesellschaftspolitischen Arbeit läßt sich einiges
ablesen, wieviel ernsthafte gesellschaftspolitische Arbeit von Berlin und von Brüssel noch geleistet
werden muß, um einem zerbröselnden Europa noch eine Überlebenschance zu geben...
Allerdings ließe sich auch ernsthaft darüber nachdenken, eine Europäische Gemeinschaft ganz neu
aufzubauen ohne die zahllosen politischen wie finanzpolitischen Fehler der letzten 10 Jahre. Lessons
learnt gibt es ja mehr als genug ......
s. Volltext unter PUBLIKATIONEN