Workshop 1: Lässt sich die Kultur einer Stadtverwaltung mit Hilfe

Lässt sich die Kultur einer
Stadtverwaltung mit Hilfe von BGM
verändern?
Sabine Can, Gesundheitsmanagerin
Landeshauptstadt München, Personal- und Organisationsreferat
Unternehmenskultur und Gesundheit;
Fachtagung am 11. November 2015, Bielefeld
Die Landeshauptstadt München - Überblick
Stärken
Belastungen
Landeshauptstadt München
...
●
●
...
...
...
...
...
über 1,5 Millionen Menschen leben in
München. Prognose 2030: ca. 1,65 Millionen
35.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (ca.
3.000 Führungskräfte)
„nur den Goldschmied haben wir nicht!“
•
●
●
weit über 700 Standorte
die Landeshauptstadt: größte kommunale
Arbeitgeberin und Ausbilderin in Deutschland
...
...
...
...
...
...
Demografische Entwicklung bei der
Münchner Stadtverwaltung
• das Durchschnittsalter liegt bei 44,95 Jahren und steigt
• nur 10,6
•
•
% der Beschäftigten sind jünger als 35 Jahre
innerhalb der nächsten zehn bis 15 Jahre werden knapp 40% aller
Beschäftigten altersbedingt ausscheiden
jede zweite Führungsposition wird in den nächsten 15
Jahren vakant
Organisation BGM - zentral
Landeshauptstadt München
Personal- und
Organisationsreferat
Psychosoziale Beratungsstelle
Betriebsärztlicher Dienst
Fachdienst für Arbeitssicherheit
Personalentwicklung
Aus- und
Fortbildung
PE-Konzepte
Betriebliches
Gesundheitsmanagement
Betriebliches
Eingliederungsmanagement
Personaldisposition
Dezentrale Koordinatorinnen/Koordinatoren
Stärken
Belastungen
Landeshauptstadt München
...
...
...
...
...
...
...
...
...
...
37 Koordinatorinnen und Koordinatoren für
Arbeitsschutz- und Gesundheitsmanagement
(8,5 Tage Inhouse-Qualifizierung)
36 weitere Personen wurden für erneute
Qualifizierungen gemeldet
...
...
Systematische Einordnung des
Betriebliches Gesundheitsmanagement
DV-BGM
Betriebliches
BetrieblichesGesundheitsmanagement
Gesundheitsmanagement
• • ist
istdie
diebewusste
bewussteSteuerung
Steuerungund
und
Integration
Integrationaller
allerbetrieblichen
betrieblichenProzesse
Prozesse
[und
[undStrukturen]
Strukturen]
mit
mitdem
dem
• • Ziel
Zielder
derErhaltung
Erhaltungund
undFörderung
Förderungder
der
Gesundheit
Gesundheitund
unddes
desWohlbefindens
Wohlbefindens
der
derBeschäftigten
Beschäftigtenund
unddamit
damiteiner
einer
optimalen
optimalenArbeitsfähigkeit
Arbeitsfähigkeit
und
und
• • verfolgt
verfolgteinen
einenganzheitlichen
ganzheitlichenAnsatz
Ansatz
Ganzheitlicher Ansatz für „Arbeitsfähigkeit“
•
Arbeitsfähigkeit = Fähigkeit einer Person, eine gegebene Aufgabe zu
bewältigen
In Anlehnung an Ilmarinen 1999 & Hattesohl 2006
Das Haus der Arbeitsfähigkeit
„Pflicht“ nach
§§ 2, 3ff ArbSchG
Nachhaltige
Förderung der
Arbeitsfähigkeit
=
Maßnahmen auf
allen 4 Stockwerken
„Kür“
BGM-Integration in Prozesse und Strukturen
Information &
Befragung
Statistisches
Amt
Arbeitskreis
Gesundheit
Evaluation
Gesundheitszirkel evtl. Weiteres
z.B. kontinuierlicher
Gesundheitszirkel
Bereich
Maßnahmenumsetzung


x

MaßnahmenVorschläge
--1.-------2.--------3.------4. --Arbeitskreis
Gesundheit
Logik des Aufbaus der Befragungsinstrumente
Anforderungen
„Einwirkungen“
Beanspruchung
„Auswirkungen“
• Arbeitsfähigkeitsindex
(WAI)
• ...
Unterstützung &
innere Ressourcen
Personalentwicklung – Betriebliches Gesundheitsmanagement POR-P 5.4
Quelle: Bakker & Demerouti, 2007,
hawai4u.de/Martin/Prümper/von Harten 2008
WAI - Work-Ability-Index
Der Arbeitsfähigkeitsindex (WAI) ist ein
Frühindikator für das Risiko von
● Berufsunfähigkeit,
●
Fehlzeiten,
●
Produktivitätsverlusten,
●
Sterblichkeit.
Fragen zur Ermittlung der Arbeitsfähigkeit
„Wie
„Wieschätzen
schätzenSie
SieIhre
Ihrederzeitige
derzeitige
Arbeitsfähigkeit
Arbeitsfähigkeitim
imVergleich
Vergleich
zur
zurbesten
bestenjejeerreichten
erreichten
Arbeitsfähigkeit
Arbeitsfähigkeitein?“
ein?“
„Glauben
„GlaubenSie,
Sie,dass
dassSie,
Sie,
ausgehend
ausgehendvon
vonIhrem
Ihremjetzigen
jetzigen
Gesundheitszustand,
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Ihre
derzeitige
derzeitigeArbeit
Arbeitauch
auchininden
den
nächsten
nächstenzwei
zweiJahren
Jahrenausüben
ausüben
können?“
können?“
„Wie
„Wieschätzen
schätzenSie
SieIhre
Ihrederzeitige
derzeitige
Arbeitsfähigkeit
ArbeitsfähigkeitininBezug
Bezugauf
aufdie
die
psychischen/körperlichen
psychischen/körperlichen
Arbeitsanforderungen
Arbeitsanforderungenein?“
ein?“
Der Arbeitsfähigkeitsindex
Ziel:
Arbeitsfähigkeit
Punktwert des Arbeitsfähigkeitsindex (WAI)
47
42
44-49
Sehr gute Arbeitsfähigkeitssituation
37-43
Gute Arbeitsfähigkeitssituation
37
32
...erhalten
...unterstützen
...verbessern
28-36
Mäßige Arbeitsfähigkeitssituation
27
22
17
12
7
...wiederherstellen
7-27
schlechte Arbeitsfähigkeitssituation
Arbeitsfähigkeit in verschiedenen Bereichen
der Stadt München (BGM-Projekte)
Punktwert des Arbeitsfähigkeitsindex (WAI)
47
49,0
49,0
47,0
42
Ziel:
Arbeitsfähigkeit
...erhalten
...unterstützen
37,6
37
36,3
...verbessern
34,3
32
27
22
...wiederherstellen
16,0
17
14,0
12
11,0
7
Verwaltung
gewerblich
Schule
N=1.100
Arbeitsfähigkeit in verschiedenen Bereichen
der Stadt München (BGM-Projekte)
49,0
Punktwert des Arbeitsfähigkeitsindex (WAI)
47
49,0
47,0
64 %
38 %
Ziel:
Arbeitsfähigkeit
...erhalten
55 %
42
...unterstützen
37,6
36,3
37
...verbessern
34,3
32
27
36 %
62 %
45 %
22
...wiederherstellen
16,0
17
14,0
12
11,0
7
Verwaltung
gewerblich
Schule
N=1.100
Logik des Aufbaus der Befragungsinstrumente
Anforderungen
„Einwirkungen“
Beanspruchung
„Auswirkungen“
Unterstützung &
innere Ressourcen
Quelle: Bakker & Demerouti, 2007,
Personalentwicklung – Betriebliches
Gesundheitsmanagement
hawai4u.de/Martin/Prümper/von
Harten 2008
POR-P 5.4
• Arbeitsfähigkeitsindex
(WAI)
...
•
Der Kurzfragebogen zur Arbeitsanalyse
Ziel
• die orientierenden Analyse der Arbeitsbedingungen im Betrieb
• Erkennen von Stressfaktoren
• Optimieren von Ressourcen
(Prümper et al. 1995, Molnar et al. 2003)
Der Test
• erlaubt eine Einschätzung der Arbeitstätigkeit nach den sieben Humankriterien
gem. DIN EN ISO 9241-2 (Leitsätze zur
Aufgabengestaltung)
• Testverfahren für „Übersichtszwecke“
gem. DIN EN ISO 10075 (mittleres Präzisionsniveau)
Personalentwicklung – Betriebliches Gesundheitsmanagement POR-P 5.4
Auswertungsbeispiel – soziale Rückendeckung
„Ich kann mich auf meine/n direkte/n Vorgesetzte/n verlassen,
wenn es bei der Arbeit schwierig wird.“
100%
Arbeitsfähigkeit...
(WAI)
90%
80%
70%
59%
60%
… gut
trifft
überwiegend/völlig
zu
trifft teilweise zu
trifft gar nicht/wenig
zu
50%
40%
30%
… sehr
gut
… mäßig
23%
20%
10%
…
schlecht
18%
0%
Bereich X
n=477
r=.326**
**p≤.001
Auswertungsbeispiel – Zusammenarbeit
„Ich bekomme von meinem Vorgesetzten immer
Rückmeldung über die Qualität meiner Arbeit.“
100%
Arbeitsfähigkeit...
80%
(WAI)
90%
33%
… sehr
gut
70%
60%
50%
33%
40%
… gut
trifft
überwiegend/völlig
zu
trifft teilweise zu
trifft gar nicht/wenig
zu
… mäßig
30%
20%
34%
…
schlecht
10%
0%
Bereich X
n=474
r=.309**
**p≤.001
BGM-Integration in Prozesse und Strukturen
Information &
Befragung
Statistisches
Amt
Arbeitskreis
Gesundheit
Evaluation
Gesundheitszirkel evtl. Weiteres
z.B. kontinuierlicher
Gesundheitszirkel
Bereich
Maßnahmenumsetzung


x

MaßnahmenVorschläge
--1.-------2.--------3.------4. --Arbeitskreis
Gesundheit
Evaluation Arbeitsfähigkeit (WAI) 2011 vs. 2013
- Beispiel eines BGM-Projektes
Punktwert des Arbeitsfähigkeitsindex (WAI)
47
49,0
47,0
42
Ziel:
Arbeitsfähigkeit
...erhalten
...unterstützen
36,1
37
38,1
...verbessern
32
26,0
27
22
...wiederherstellen
17
13,0
12
7
2011
2013
Evaluation Arbeitsfähigkeit (WAI) 2011 vs. 2013
- Beispiel eines BGM-Projektes
49,0
Punktwert des Arbeitsfähigkeitsindex (WAI)
47
47,0
38 %
Ziel:
Arbeitsfähigkeit
...erhalten
60 %
42
...unterstützen
38,1
36,1
37
...verbessern
32
27
62 %
40 %
26,0
22
...wiederherstellen
17
13,0
12
7
2011
2013
Evaluation „Feed-Back-Kultur“ 2011 vs. 2013
- Beispiel eines BGM-Projektes
Lässt sich die Kultur einer
Stadtverwaltung mit Hilfe von BGM
verändern?
Definition „Unternehmenskultur“
Eine Organisation
verkörpert eine bestimmte Kultur,
ähnlich wie ein Mensch eine Persönlichkeit besitzt.
Quelle: http://www.unternehmensethnologie.de/was-ist-unternehmenskultur.htm, Stand: 01.11.2015
Der Öffentliche Dienst als Arbeitgeber
Beamten-Vorurteile :
Quelle: dbb Bürgerbefragung öffentlicher Dienst 2015
●
„hierarchiehörig“
●
konservativ und träge
●
unflexibel
Stadtweite Befragung „Great Place To Work“ (GPTW)
Die Stadt München – ein Great Place To Work?
●
●
●
Vollbefragung aller (damals) 32.000
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Beteiligung 44 %
über 12.000 freie Wortmeldungen
„Ein solides Ergebnis mit viel Luft nach oben.“
75% meinen: „Meine Arbeit hat eine besondere Bedeutung für mich
und ist nicht einfach nur ein „Job“.“
54% meinen: „Ich bin stolz, anderen erzählen zu können, dass ich
hier arbeite.“
Thematische Schwerpunkte aus GPTW
Zentrale Handlungsfelder:
●
●
●
●
Führungskultur
Gesundheit
Silodenken
Identifikation
Erstmalige flächendeckende Erhebung der
Arbeitsfähigkeit (WAI) im Rahmen von GPTW
49,0
Ziel:
Arbeitsfähigkeit
100%
...erhalten
90%
47
38,6
Punktwert des Arbeitsfähigkeitsindex (WAI)
42
...unterstützen
26%
80%
70%
37
...verbessern
60%
32
50%
43%
27
Sehr gute
Arbeitsfähigkeit
Gute Arbeitsfähigkeit
Mäßige Arbeitsfähigkeit
Schlechte
Arbeitsfähigkeit
40%
22
30%
...wiederherstellen
17
20%
12
25%
10%
9,0
7
LHM
0%
6%
LHM
N=11.897
Arbeitsfähigkeit (WAI) nach Alter I
Punktwert des Arbeitsfähigkeitsindex (WAI)
47
42
49,0
49,0
49,0
49,0
49,0
Ziel:
Arbeitsfähigkeit
...erhalten
39,8
39,4
38,7
37,7
37,6
...unterstützen
37
...verbessern
32
27
22
...wiederherstellen
18,0
16,0
17
12,0
12
13,0
9,0
7
20 bis 29 Jahre
30 bis 39 Jahre
40 bis 49 Jahre
50 bis 59 Jahre
60 Jahre und älter
N=11.667
Arbeitsfähigkeit (WAI) nach Alter II
100%
90%
31%
30%
26%
23%
80%
70%
60%
41%
43%
50%
46%
43%
40%
30%
27%
20%
10%
0%
20%
22%
26%
3%
5%
5%
bis 29 Jahre
30-39 Jahre
40-49 Jahre
10%
50 Jahre und älter
N=11.667
Sehr gute Arbeitsfähigkeit
Gute Arbeitsfähigkeit
Mäßige Arbeitsfähigkeit
Schlechte Arbeitsfähigkeit
Arbeitsfähigkeit (WAI) nach Qualifikationsebene I
Ziel:
Arbeitsfähigkeit
Punktwert des Arbeitsfähigkeitsindex (WAI)
47
49,0
49,0
49,0
49,0
42
...erhalten
40,2
37
38,9
38,0
38,4
...unterstützen
...verbessern
32
27
22
...wiederherstellen
17
14,0
12
11,0
12,0
9,0
7
1. Qualifikationsebene
2. Qualifikationsebene
3. Qualifikationsebene
4. Qualifikationsebene
N=8.473
Arbeitsfähigkeit (WAI) nach Qualifikationsebene II
100%
90%
25%
22%
27%
38%
80%
70%
60%
43%
43%
44%
50%
Sehr gute Arbeitsfähigkeit
Gute Arbeitsfähigkeit
Mäßige Arbeitsfähigkeit
Schlechte Arbeitsfähigkeit
38%
40%
30%
20%
24%
27%
24%
19%
10%
8%
0%
7%
5%
4%
1. Qualifikationsebene 2. Qualifikationsebene 3. Qualifikationsebene 4. Qualifikationsebene
N=8.473
Fazit
• Demografie und Fachkräftemangel (insbesondere im Öffentlichen Dienst)
sind Realität
• als Arbeitgeber kämpft der Öffentliche Dienst mit Vorurteilen (sowohl nach
innen als auch nach außen)
• Unternehmenskultur kann ein Wettbewerbsvorteil, aber auch -nachteil sein
• Unternehmenskultur kann nicht verordnet werden; Führungskräfte
beeinflussen die Unternehmenskultur in erheblichem Maße
• Gesundheitsmanagement kann nur dort Wirkung entfalten und zu einer
Kulturveränderung beitragen, wo es auch gelebt wird
„Kultur kann nicht eingekauft oder einfach oben
aufgesetzt werden, sondern durchdringt alle Vorgänge in
einer Organisation. Kultur meint mehr den Umgang mit
dem WIE als mit dem WAS.“
Bernd Schmid, Wirtschaftswissenschaftler und Begründer der systemischen
Transaktionsanalyse
Sabine Can, Gesundheitsmanagerin
Personal- und Organisationsreferat – P 5.41
Telefon: 089/233-30745
Email: [email protected]