Viel erlebt – und noch mehr verpasst

Viel erlebt – und noch mehr verpasst
25.01.2016
Das üppige Programm der 16. Ausgabe der Basler Museumsnacht lässt sich nur in
Bruchteilen an einem Abend bewältigen.
Selbst in den Treppenhäusern, hier das Museum der Kulturen, war jede Menge
los. Foto: Ansgar Taschinski
Kinder beim Papierschöpfen Foto: Ansgar Taschinski
BASEL. Bei der 16. Basler Museumsnacht wurden bis eine Stunde vor Schluss
90 364 Eintritte gezählt in den 40 Museen und Kultureinrichtungen, die bis 2 Uhr
ihre Tore geöffnet hatten. Das sind wieder mehr als 2015, als ein Rückgang um
15 Prozent zu verzeichnen war, und entspreche erfahrungsgemäß 30 000
Besuchern, teilte das baselstädtische Präsidialdepartement mit. Erstmals dabei
waren das Schaulager und die Depots Basel und Schwarzwaldallee vertreten.
In kaum einer Stadt ist die Museumsdichte so hoch wie in Basel. Wie groß und
abwechslungsreich das Angebot ist, war am Freitag hautnah erleben. Laut
Programmheft standen 200 Kurzführungen oder Vorträge zur Auswahl. In der
Fondation Beyeler in Riehen konnten Besucher neben der regulären Ausstellung und
diversen Führungen den Künstler und Sänger Adam Green live erleben. In einer von
ihm gestalteten, von Pop-Art geprägten Kulisse, spielte er sein erstes Konzert in einem
Museum. In lockerer Atmosphäre sprang er auf der Bühne herum und kletterte auf die
Requisiten, während er die Stücke seines aktuellen Albums und vergangener Alben
sang. Der Saal war voll bis an die Türen.
Zur nächsten Station ging es mit der Oldtimer-Tram. Ehrenamtlich pendelten die
Mitglieder des Tramclub Basel zwischen Riehen und Basel. Im Gegensatz zu den oft
überfüllten Shuttlebussen war im rollenden Tram-Museum meist noch ein Sitzplatz frei.
Wer der Musik nicht nur zuhören wollte, sondern selbst das Tanzbein schwingen, hatte
dazu im Museum für Musik die Gelegenheit. Der Single-Charleston-Crashkurs
vermittelte die ersten Schritte des klassischen Tanzes. Auf der Bühne im Zelt vor dem
Museum drängten sich die Besucher, während Tanzlehrer Stefan Joller die
Grundschritte erklärte. Zu Musik der 20er-Jahre schwangen die Besucher die Beine,
versuchten dabei nicht den Vordermann zu treten und rissen die Arme in die Luft.
Nadja Minder (31) war extra für den Tanzkurs gekommen. Sie sei zum ersten Mal bei
der Museumsnacht, erklärte sie. "Ich gehe vor allem zu den Veranstaltungen. Um sich
die Ausstellungen in Ruhe anzusehen, sind es mir heute einfach zu viele Leute." Auch
speziell für Kinder gab es zahlreiche Angebote. In der Basler Papiermühle konnte sie
beispielsweise sich auf die Spuren von Luftfahrtpionieren begeben. Anstatt einen
Papierflieger nur zu falten, galt es, unter professioneller Anleitung das Papier selbst zu
schöpfen, zu trocknen und zu pressen.
Neben Musik, Tanz und Spaß war auch viel Neues zu lernen. So erklärte Frederik
Imhof, wie er den Antikythera-Mechanismus, eine antike Maschine zur Berechnung
der Mond- und Sonnenphasen, mit Lego-Bausteinen nachgebaut hatte. Neben der
technischen Funktionsweise beschrieb der Student der ETH Zürich auch die
historischen Hintergründe der Apparatur. Eigens zu dem Vortrag war Klaus Treitz (79)
mit seiner Frau Frieda aus Rheinfelden gekommen. "Es ist doch schön, mit so vielen
Interessierten zusammen zu sein", kommentierte er die Menschenmenge.
So bunt wie das Programm der Museumsnacht war die Beleuchtung des Museums der
Kulturen. Wer allerdings herausfinden wollte, wie bunt er oder sie die Welt sieht,
musste in den dritten Stock. Dort galt es, spielerisch Farbschattierungen auseinander
zuhalten. "Super schwierig", fanden das Jasmin Grübner und Nicola Spütz. Von der
Museumsnacht, die sie bei der After-Party im Club Nordstern beschließen wollten,
zeigten sie sich begeistert. "Besonders toll ist, dass man unter 26 Jahren nichts
bezahlt."
Im holzvertäfelten Wagen der Oldtimer-Tram ließ sich auch der Heimweg museal
gestalten. Am Ende des Abends blieb das Gefühl, mindestens so viel verpasst wie
erlebt zu haben. So manche Ausstellung besucht man besser noch einmal an einem
ruhigeren Tag. Dies ist denn auch ein Ziel der Museumsnacht.
Mehr Fotos unter http://mehr.bz/museum16