Resteessen - Radio Bremen

Mare Rezepte: Aus Captain Cooks Kombüse
von Hans-Helge Ott
Resteessen
Was bleibt vom Essen? Eine ordentliche Plautze, schwere Müdigkeit und ein kahles
Gerippe auf dem Teller. Stimmt‘s? Nee, stimmt nicht. So sieht es nur bei Asterix und
Obelix aus. Bei uns im wirklich wahren Leben bleibt normalerweise etwas übrig.
Also wegschmeißen? Es heißt, dass wir pro Nase und Jahr rund achtzig Kilo
Lebensmittel wegwerfen. Das ist pro Tag fast ein halbes Pfund. Eigentlich ein
Schande! Aber was macht man denn mit dem, was bleibt, also: was übrig bleibt von
unserem Essen?
Das Problem ist nicht neu, und so gibt es schon lange alte, traditionelle Gerichte, die
ein reines Resteessen sind. Und es sind nicht die Schlechtesten! Ein
Bauernfrühstück zum Beispiel und das schwedische Pytt i panna sind ursprünglich
Reste von gestern unter Kartoffeln gemengt. Das kann unheimlich lecker sein! Das
Nasi Goreng oder Bami Goreng der Indonesier ist im Prinzip dasselbe, entweder mit
Reis, nämlich Nasi, oder mit Nudeln, also Bami. In allen Fällen kommt ein Spiegelei
drüber, und schon haben wir einen Teller Hausmannskost erster Klasse!
Es kommt auf ein paar gute Ideen an! Und die müssen Sie nicht mal selbst haben,
die haben Andere schon für Sie gehabt. Im Internet finden Sie da allerhand. Eine
Idee habe ich dieser Tage selbst gehabt – zugegeben, auch nicht ganz neu. Ich hatte
von einer gebratenen Bio-Pute noch eine halbe Keule übrig. Sollte ich die am
nächsten Tag kalt vom Knochen nagen, so Obelix-mäßig? Das ist zwar lecker, aber
natürlich barbarisch. Ich habe mich also entschieden, eine hochkultivierte und
formvollendete Sülze zu basteln. Das ist nicht schwer!
Man schneidet das Fleisch vom Knochen und in mundgerechte Würfel, gibt es
zusammen mit ein bisschen Wasser oder Weißwein in einen Topf und kocht es darin
weich. Das kann schon ein Weilchen dauern. Das Fleisch soll schließlich zerfallen.
Ich habe dann zwei Esslöffel Essig, einen Esslöffel Zucker, einen Esslöffel grünen
Pfeffer, weißen Pfeffer und Salz und vier Blatt in kaltem Wasser aufgelöste Gelatine
dazugegeben, alles nochmal ein paar Minuten aufgekocht und in zwei sehr kleine,
ausgekochte Schraubdeckelgläser gegeben. – Am Anfang glaubt man nicht, dass
man die ganze Ladung in zwei solche Gläser bekommen kann! Ich hatte fünf
vorbereitet! Natürlich geht das alles genauso mit Schweine- oder Rindfleisch und mit
jedem Geflügel. Und würzen können Sie es auch, wie Sie wollen! Mit
Gemüsestückchen, saurer Gurke oder Kümmel – was immer Ihnen gefällt.
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Denken Sie daran, die Gläser mit der heißen Füllung zuerst eine Viertelstunde auf
den Deckel zu stellen, und erst dann richtig herum. Und nehmen Sie kleine Gläser,
denn einmal geöffnet, sollten sie schnell verbraucht werden. Und so eine kleine,
freundliche Sülze, die ist auch eine schöne Vorspeise bei einem Essen mit Gästen.
Etwas Landbrot dabei, ein Stückchen Butter dazu, Ihre Gäste – versprochen! – die
schmeißen sich weg!