"Aktientipp"

28 | Invest
handelszeitung | Nr. 13 | 26. März 2015
Die Bullen-Aktie
Swiss Re Kein anderer SMI-Titel hat im laufenden Bullenmarkt mehr Rendite erzielt. Ein Einstieg könnte sich weiterhin lohnen.
W
Swiss Re
annika janssen
100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
er vor sechs Jahren auf
die Swiss-Re-Aktie gesetzt hatte, bewies den
richtigen Riecher. Bis
heute legte der Titel
des Rückversicherers eine Performance
von fast 1000 Prozent hin – auch dank den
hohen Dividenden, die Swiss Re jedes Jahr
an seine Aktionäre bezahlt.
Damit ist die Swiss-Re-Aktie zugleich
auch die erfolgreichste SMI-Aktie im laufenden Bullenmarkt. Am 9. März 2009
wurden weltweit die Börsen-Tiefpunkte
erreicht, darauf begann der grosse Aktienaufschwung, der bis heute anhält. Auch
der SMI konnte in den vergangenen Jahren kräftig zulegen, wenngleich er mit insgesamt plus 110 Prozent unter den Indizes
weltweit lediglich im Mittelfeld liegt.
Doch nicht nur die Swiss-Re-Aktionäre
können sich über eine Vervielfachung
­ihres Einsatzes freuen, auch die Titel von
Richemont, Geberit und Swatch (siehe Tabelle) erwiesen sich als hübsche Rendite.
Auch in der Gegenwart ist die SwissRe-Aktie ein gutes Investment. In den vergangenen zwölf Monaten stieg der Kurs
um 17 Prozent, seit Jahresbeginn gab es
ein Plus von 14 Prozent. Ob es allerdings in
diesem Tempo weitergeht, da sind sich die
Analysten uneins. Ihre Prognosen für 2015
reichen weit auseinander: Während die
Credit Suisse das Kursziel für die SwissRe-Aktie zuletzt von 72 auf 70 Franken gesenkt hat, ist die Nord LB optimistischer
und hält einen Kursanstieg auf 100 Franken im Jahresverlauf für möglich.
2009
in Franken
2015
QUELLE: BLOOMBERG
genen Jahr musste der Konzern einen
­Gewinnknick hinnehmen. Die grösste Geschäftssparte des Unternehmens konnte
zwar kräftig zulegen: Bei der Rückversicherung von Schaden- und Haftpflichtgeschäften steigerte Swiss Re ihren Gewinn
gegenüber dem Vorjahr um 10,4 Prozent.
Das lag vor allem an einem geringeren
Schadensvolumen im Jahr 2014, das für
die Rückversicherungsbranche die wenigsten Schäden seit langem mit sich
brachte – unter anderem wegen einer geringeren Zahl von Naturkatastrophen.
IN
Schweiz
Julius Baer
««««
Julius Baer
52
adrian stähli
Attraktive Dividenden gesichert
Unter dem Strich ging der Reingewinn
gegenüber dem Vorjahr aber von 4,4 Mil­
liarden auf 3,5 Milliarden zurück. Gründe
waren vor allem die Geschäftssparten Lebens- und Krankenrückversicherung mit
einem Verlust von 462 Millionen Dollar –
nach einem Vorjahresgewinn von 420 Millionen Dollar – sowie die Sparte für die AbSwiss-Re-Hauptsitz in Zürich: Die Aktie hat seit 2009 alle übrigen SMI-Titel im Regen stehen lassen.
wicklung geschlossener Lebens- und
Krankenversicherungs-Portefeuilles. Hier
hohen Gewinnausschüttungen, die zu- zen dabei oftmals gezielt auf substanzstar- tes Kapital per Sonderdividende aus­ sackte der Gewinn von 423 Millionen auf
Beliebte Dividende
letzt immer wieder mit Sonderdividenden ke Aktien, die vor allem hohe Ausschüt- geschüttet werden. Swiss Re macht von 34 Millionen Dollar ab. Dieses Ergebnis sei
Bei Investoren ist die Aktie des weltweit versüsst wurden. Im aktuellen Niedrigzins­ tungen und somit regelmässige Erträge dieser Lösung nun schon im dritten Jahr in auch durch den Verkauf der US-Tochtergrössten Rückversicherers vor allem aus umfeld schichten immer mehr Anleger ihr versprechen. «Längerfristig orientierten Folge Gebrauch. Dieses Jahr können sich gesellschaft Aurora National Life Assueinem Grund beliebt: Wegen der hohen Geld von Anleihen in Aktien um, damit sie Anlegern bietet die Aktie eine attraktive Aktionäre deshalb über eine Gesamtdivi- rance beeinflusst worden, hiess es dazu
Dividende. Das Unternehmen beglückt noch eine auskömmliche Rendite erzie- Rendite», bestätigt auch Vikram Gandhi, dende von 7.25 Franken pro Aktie freuen, von Swiss Re. Das Unternehmen hatte die
seine Anteilseigner schon seit Jahren mit len. Vor allem risikoscheue Investoren set- Analyst bei der französischen Grossbank zusammengesetzt aus 4.25 Franken regu- Tochtergesellschaft im Oktober 2014 verSociété Générale.
lärer Dividende und einer steuerbefreiten kauft, um sich aus dem US-Markt zurückDie Aussicht auf einen kräftigen Geld­ Sonderausschüttung von 3
zuziehen. Bei der VeräusseGrosse Rendite-Unterschiede in der Börsenhausse
regen treibt also den Aktienkurs von Swiss Franken pro Aktie. Darüber
rung resultierte ein Verlust
Swiss Re bleibt
Performance-Vergleich der SMI-Titel seit 2009
Re bis heute. Für einen Dividendentitel ist hinaus will das Unternehvon 203 Millionen Dollar.
auch in den
das ungewöhnlich, denn dividendenstar- men ein AktienrückkaufproAnalysten bewerten die
6-Jahres-6-Jahreske Aktien sind eigentlich nicht für starke gramm von bis zu 1 MilliarLage von Swiss Re alles in alnächsten
PerformancePerformance Performance
mit Dividende
ohne Dividende
2015KGV
Kursanstiege bekannt. In der Regel belas- de Franken starten.
lem aber nicht als allzu
Jahren eine
Unternehmen
(in Prozent)
(in Prozent)
(in Prozent)
2015
ten hohe Ausschüttungen den Aktienkurs
schwierig: Die Kasse des
Indes dürfte Swiss Re in
Swiss Re
995 613 1412
Dividendenperle. Unternehmens werde wohl
und
dienen
als
Ausgleich
für
eine
eher
den
kommenden
Jahren
ein
Richemont
511 469 –723
mässige Performance. Bei Swiss Re indes schärferer Wind ins Gesicht
auch in Zukunft gut gefüllt
Geberit
379 280
827
ist die Nachfrage der Investoren so gross, wehen: Das klassische Geschäftsfeld des sein und somit hohe DividendenzahlunSwatch Group
288 240 –417
dass der Kurs der Aktie stetig steigt.
Rückversicherers ist preismässig unter gen ermöglichen, erwarten sie. Der GeZurich Insurance Group283
117
6
13
Givaudan
248 183
127
Druck geraten. Und der Preis­verfall im winnrückgang im Jahr 2014 sei vom Markt
Adecco
209 143 1917
Schärferer Gegenwind im Anzug
Rückversicherungsmarkt dürfte sich Be- zudem in etwa so erwartet worden, erklärt
Novartis
206 142
719
Im November vergangenen Jahres kün- obachtern zufolge weiter verschärfen. Frank Schwope, Analyst bei der Nord LB.
Holcim
190 115
719
digte Swiss Re an, für das Geschäftsjahr Denn die Zahl der Anbieter steigt und die Das Marktumfeld bleibe herausfordernd,
Roche
165 122
120
2014 erneut eine Sonderdividende an sei- Nachfrage der Kunden sinkt. Zudem ver- der Rückversicherer sei aber für die komNestlé
162 107
422
ne Anteilseigner auszuschütten. Der Ver- suchen branchenfremde Anbieter wie menden Jahre prinzipiell gut aufgestellt.
Actelion
156 129
229
sicherungskonzern hat mehr Kapital zur Hedgefonds und Pensionskassen, den
Für die Zukunft sind also nach wie vor
Swisscom
146 64 1118
SGS
123 86 –625
Verfügung, als für das operative Geschäft Versicherungskonzernen Kunden abzuja- attraktive Dividendenzahlungen des UnUBS
121 85
815
notwendig ist. Eigentlich sollten kapital- gen. «Im aktuellen Umfeld ist es für Rück- ternehmens zu erwarten. Für die Jahre
ABB
84 58 –118
starke Unternehmen überschüssige Mittel versicherer schwierig, verstärkt zu wach- 2015 und 2016 erwartet ZKB-Experte MarSyngenta
62 44
318
in ihre Unternehmenszukunft investieren, sen», sagt ZKB-Analyst Marti.
ti eine Dividendenrendite von 4,6 Prozent.
Credit Suisse
36 –4
312
um zu wachsen. Gibt es aber keine sinnDas zeigte sich bereits an den jüngsten Swiss Re bleibt auch in Zukunft eine DiviDaten: Bloomberg, 9. März 2009 bis 23. März 2015
vollen Möglichkeiten, kann nicht benötig- Geschäftszahlen von Swiss Re. Im vergan- dendenperle.
Lussers
AktienTipp
Vorwoche ««««
in Franken
OUT
Schweiz
Aryzta
««««
Aryzta 89
47
Anlegerfrage
Vorwoche ««««
in Franken
83
42
37
32
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Europa/USA
Air France-KLM
-KLM
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France
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13
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M.E. Lusser
theScreener
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in Dollar
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5
71
««
mittel
7
77
55
2015
TeleTrader.com Publisher
«Chancen in Automatisierung und leichten Werkstoffen»
Wie schätzen Sie das Anlage­
klima derzeit ein?
Pieter Busscher: Die Aktienmärkte
haben sich zuletzt sehr positiv
entwickelt, bestimmte Bereiche
des Marktes sind sicher nicht
mehr günstig bewertet. Ander­
seits sehen wir immer noch
­attraktive Chancen bei Trends wie
beispielsweise der Automatisie­
rung, leichteren Werkstoffen in
Flugzeugen und Autos, die mit
höheren Wachstumszahlen als
der Gesamtmarkt aufwarten.
Wo kaufen Sie derzeit zu?
Besonders attraktive Wachstums­
chancen gibt es in den Bereichen
Automatisierung und innovative
Materialien. Zugekauft haben wir
bei Roboterherstellern wie Yas­
kawa Electric aus Japan, sodass
wir den Bereich über das letzte
halbe Jahr um gut 6 Prozent
­erhöhten. Zudem haben wir Kar­
bon­­­faserhersteller wie die US-­Fir­
2015 legte Dirtt aus Kanada mit
80 Prozent am stärksten zu. Sie
setzt 3-D-Software zur effizienten
Pieter Busscher
Kombination der Rohstoffe im
Portfolio-Manager ­Innenausbau von Bürogebäuden
RobecoSAM
ein. Den höchsten Performance­
beitrag lieferte IPG Photonics mit
5 Prozent sowie der Titanherstel­
ler RTI International mit 2 Pro­
ma Cytec und aus dem Segment
­Batteriematerialien die belgische zent, der ein Übernahmeangebot
mit gut 40 Prozent Prämie über
Umicore sowie die US-­Fir­ma
Marktpreis erhielt.
­Polypore weiter aufgebaut, die
zuletzt ein Kaufangebot erhielt.
Und welches der schlechteste?
Oxford Instruments aus England
Welche Positionen/Aktien
lieferte die schwächste Perfor­
­stossen Sie ab?
mance mit minus 28 Prozent, eine
Reduziert haben wir bestimmte
Firma, die ihre Ziele für das Jahr
Einzeltitel aufgrund der Bewer­
tung. Hierzu zählen der deutsche wohl nicht erreichen kann. Das
Roboterhersteller Kuka sowie der Unternehmen ist ein führender
Hersteller von Anlagen zur
US-Faserlaserspezialist IPG Pho­
tonics, nachdem die Firma starke ­Entwicklung von Materialien, die
auf der Nanoebene optimiert
Zahlen berichtet hat.
werden.
Welches war zuletzt ihr erfolg­
Interview: Pascal Meisser
reichster Anlageentscheid?