ZEIT ZUM LESEN - Paul-Riebeck

AUSGABE MAI 2015
ZEIT ZUM LESEN
, Das Magazin der Paul-Riebeck-Stiftung zu Halle an der Saale
Themen dieser Ausgabe:
, Ein
eingespieltes Team
»Mensch ärgere Dich nicht« lässt Freundschaft wachsen
, Zuwendung,
Entspannung, Kosmetik
Wannenrituale tragen zum Wohlfühlen bei
, Gemeinsam
unterwegs
Karl-Heinz Hörold freundet sich mit Mieter des Riebeckparks an
, Im
Großstadtdschungel aufgeblüht
Brunhilde Hohmann tauschte beschauliches Land- gegen
pulsierendes Stadtleben
Mobilmachung. Vom Leben mit dem Rollator
Stadtmuseum präsentiert Fotoausstellung mit Begleitprogramm
Wo? Stadtmuseum Halle,
Großen Märkerstraße 10, Druckereigebäude,
Dienstag bis Sonntag von 10:00 – 17:00 Uhr
Ein neues Zeitalter ist angebrochen! Mann und Frau mit Rollator
Die »Epoche der Mobilität« wird man sind präsent in aller Öffentlichkeit. Von
es vielleicht später nennen. Arbeits- der allgegenwärtig geforderten Mobiliplatz- und Wohnortwechsel, Reisen tät lassen sie sich nicht ausgrenzen!
um die Welt und die »Mobilmachung« »Vom Leben mit dem Rollator« berichtet
der älteren Generation durch den Rol- über neu gewonnene Freiheiten, über
lator sind prägende Kennzeichen un- Alltägliches, über Behinderungen im öfserer Zeit.
fentlichen Raum, über Abschiednehmen
Die Alten selbst sind es, die sich auf den und Erinnerungen, über SelbstbestimWeg machen und ihr Leben leben wol- mung und Würde. Ein Blick in unsere
len. »Mobilmachung«, in mehrfachem Gesellschaft, ein Blick in unsere Zeit,
Sinne und erstmals positiv gesetzt, ein Blick in die soziale wie kulturelle
meint die Initiative von Menschen mit Teilhabe älterer und alter Menschen.
Gehbehinderungen zur Teilnahme am Die fotografische Dokumentation zeigt
gesellschaftlichen Leben, meint die ge- typische Treffpunkte, zeigt wegsame
sundheitlichen Maßnahmen zur Wieder- und unwegsame Orte, zeigt das Mit-sein
eingliederung und Förderung der Selb- und das Allein-sein von Menschen mit
ständigkeit, meint auch das Einmischen Rollator. Die Fotografien in schwarzder älteren Generation in politisches weiß erzählen Geschichten dieser Menund gesellschaftliches Geschehen, denn schen, zeigen die Menschen in einer
neuen Würde,
die sie durch ihre wiedergewonnene Mobilität erlangt haben. Die
Fotografen Jochen Ehmke (78) und Norbert Kaltwaßer (67) dokumentieren mit
der Kamera, wie Menschen mit ihren
fahrenden Begleitern die täglichen Herausforderungen bewältigen. Begleitet
wurden die beiden von Maria Nühlen,
Professorin für Kultur- und Sozialphilosophie an der Hochschule Merseburg,
die die Geschichten hinter den Gesichtern einfing. 44 der so entstandenen Fotos und Texte sind vom 10. Mai bis 28.
Juni 2015 im Stadtmuseum Halle zu sehen. Ein umfangreiches Begleitprogramm bietet Vorführungen von Rollatoren, Vorträge und Gesprächsrunden.
Sie sind herzlich eingeladen!
Inhalt
2
Erlebtes
Vorhang auf und Bühne frei
Tagespflegegäste führten Krippenspiel auf
3
Erlebtes
Von Italien bis Mecklenburg
Urlaube bleiben in Erinnerung
4
Erlebtes
»Irgendwie anders«
Herbstfest bot Anlass zur Kooperation
8
Hilfe zur Verständigung
Ehrenamtliche Mitarbeiterin unterstützt
Bewohner mit Behinderung
12
Frisch geweißte Wände
Schritt für Schritt erhalten
Zimmer neue Farbe
Ratgeber
Lebensqualität
14
Ängste nehmen – Bedürfnisse erfüllen
Arbeitskreis »Palliative Care« möchte letzte
Lebensphase angenehmer gestalten
Reingeschaut
17
Von Spaziergängen und einem
echten Borschtsch – Junge
Russinnen engagieren sich in der
Paul-Riebeck-Stiftung
Reingeschaut
18
Wheelmapping:
Auf dem Weg zur Barrierefreiheit
Bewohner des Förderwohnheims
nehmen Halle (Saale) unter die Lupe
Reingeschaut
19
Mehr Sicherheit und Lebensqualität
Paul-Riebeck-Stiftung investiert mehrere
Millionen in Baumaßnahmen
21
Mit dem Frühling kommt
die Erinnerung
In Gedenken an Rudolf Glaschke
Thema: Wenn alle an
einem Strang ziehen …
4 Sonderseiten zum Herausnehmen
& Editorial
, Liebe Leserinnen
und Leser,
täglich setzen sich viele Menschen für
das Wohlergehen der Bewohner und
Mieter der Paul-Riebeck-Stiftung ein.
Da haben wir unter anderem die Pflegekräfte, die zusätzlichen Betreuungskräfte, die ehrenamtlichen Helfer aber
auch die Haustechniker, Gärtner, Reinigungskräfte oder das Küchenpersonal.
Jeder für sich aber vor allem alle Hand
in Hand machen sie die Paul-RiebeckStiftung zu dem lebenswerten Zuhause,
das es für viele geworden ist. An einem
Strang ziehen lautet das Motto und wie
das funktioniert, lesen Sie in der aktuellen »Zeit zum Lesen«.
Erfahren Sie zum Beispiel mehr über die
»Kultur des Miteinanders«, die der Wohnbereich 6 im Altenpflegeheim Riebeckpark vorlebt. Außerdem zeigen wir Ihnen, was Ehrenamtliche leisten, um die
hauptamtlichen Kräfte zu unterstützen.
Sie werden erstaunt sein, welche Kooperationen den Bewohneralltag bereichern
und überrascht, über die Freundschaften,
die sich unter den Bewohnern gebildet
haben. Unsere Sonderseiten beleuchten
das Thema »Teamarbeit« und stellen darüber hinaus Berufsbilder in der Altenpflege vor, die in der Paul-Riebeck-Stiftung zu finden sind.
Natürlich blicken wir wie gewohnt auch
auf zahlreiche Veranstaltungen zurück
und geben einen kleinen Ausblick auf
bevorstehende Termine im Frühsommer
und Sommer. Seien Sie dazu herzlich
eingeladen.
Wir wünschen Ihnen viel Freude beim
Lesen.
Ihr Redaktionsteam
1
2 Erlebtes
Vorhang auf
und Bühne frei
Tagespflegegäste führten Krippenspiel auf
»Das war eine gelungene Vorstellung«, resümiert Thomas
Schneider, zusätzliche Betreuungskraft in der Tagespflege Riebeckpark. Mit Vorstellung meint er die Aufführung des Krippenspiels am 12. Dezember 2014. An diesem Tag nämlich
verwandelte sich die Tagespflege in ein Theater, und die Tagespflegegäste nahmen die Rollen von Josef, Maria und Co.
ein. Mehrere Wochen vor dem Auftritt wurde geprobt und das
Bühnenbild gestaltet. Zur Vorstellung kamen so viele Angehörige und Stiftungsmitarbeiter, dass die Tagespflege fast aus
allen Nähten platzte. Belohnt wurden die Hobbyschauspieler
von den begeisterten Zuschauern mit tosendem Applaus, Belobigungen und kleinen Geschenken.
Daheim auf Shoppingtour
Modemobil hält im Altenpflegeheim Haus der Generationen
Das Modemobil ist ein fahrendes Warenhaus mit allem, was Seniorinnen
und Senioren benötigen. Es gibt Schuhe,
Hosen, Pullover, Unter- und Nachtwäsche. Kein Wunder also, dass sich die
Bewohnerinnen und Bewohner des Altenpflegeheims Haus der Generationen
jedes Mal freuen, wenn das Modemobil aus Bad Dürrenberg einen Stopp vor
ihrer Tür einlegt. Dann wird geshoppt.
In aller Ruhe können die ausgewählten Kleidungsstücke anprobiert werden.
Sogar eine professionelle Beratung
gibt es bei Bedarf. Zuletzt hielt es am
14. März und präsentierte die aktuelle
Frühjahrs- und Sommerkollektion. Klar,
dass zu den Verkaufsschlagern an diesem Tag dünne Blusen und leichte Hosen
gehörten. Vor allem immobile Senioren
freuen sich über diese Einkaufsmöglichkeit, da sie das Pflegeheim eigenständig
kaum noch verlassen können. Die Vorfreude auf den nächsten Halt im September ist also groß.
Exkursion mit Bildungseffekt
Bewohnerbeirat besucht Bad Lauchstädt
Der kleine gemütliche Christkindlmarkt in Bad Lauchstädt ist
auch über die Grenzen der Goethestadt hinaus bekannt. Grund
genug für die Mitglieder des Bewohnerbeirates des Förderwohnheims für Menschen mit geistiger Behinderung, dem
idyllischen Städtchen einen Besuch abzustatten und sich den
Duft von Glühwein und gebrannten Mandeln um die Nase wehen zu lassen. So geschehen am 12. Dezember 2014. Im Rahmen des heiminternen Angebotes »Sachsen-Anhalt kennenlernen« unternahm der Bewohnerbeirat eine Exkursion nach Bad
Lauchstädt. Dabei lernten die Bewohner der Stiftung einiges
über die Geschichte der Stadt. Vor allem aber zeigten sie sich
vom alten Baumbestand des Kurparks beeindruckt. Abgerundet wurde der Tag mit einer Weihnachtsfeier in der Gaststätte
»Lindenblatt« in Halle (Saale).
Erlebtes 3
»67 % Entspanntheit«
Kunstwerke fanden großen Zuspruch
Mit so vielen positiven Reaktionen hatten die 15 Hobbykünstler aus dem Bereich Röpziger Straße nicht gerechnet. Selbstbewusst präsentierten sie ihre Skulpturen, Bilder und Plastiken
– mit vollem Erfolg. Vom 2. Dezember 2014 bis zum 13. Februar 2015 waren die Kunstwerke unter dem Titel »67 % Entspanntheit« in einem der Universitätsgebäude in den Francke-
schen Stiftungen ausgestellt. Beglückt über das Interesse und
den Austausch mit den Besuchern, gestalteten die Künstler informative und lebendige Führungen. Dass sogar Kaufinteresse
bekundet wurde, überraschte die Hobbykünstler, die die Darbietung ihrer Arbeiten im öffentlichen Raum und das Interesse
als große Wertschätzung empfanden.
Große Faschingssause
In der Paul-Riebeck-Stiftung
waren die Narren los
Im Februar übernahmen die Jecken das Zepter in der PaulRiebeck-Stiftung. Denn in den Häusern der Stiftung wurde
ordentlich Fasching gefeiert. Stimmungsvolle Musik lud zum
Tanzen, Schunkeln und Mitsingen ein. Viel Schlemmerei inklusive. Pfannkuchen, Kräppelchen, Knabbereien, Bowle und
Bier sorgten für wahre Gaumenfreuden. Selbstgebastelte Girlanden und Tischdekoration verwandelten die Wohnbereiche
außerdem zu einer richtigen Partymeile.
, Von Italien bis Mecklenburg
Urlaube bleiben in Erinnerung
»La dolce vita« genossen insgesamt
sechs Bewohnerinnen und Bewohner
des Wohnheims für Menschen mit seelischen Behinderungen während ihres
Urlaubs in Italien. Ganze 14 Tage, vom
29. August bis 14. September 2014, erkundeten sie die Toskana samt Florenz
und Sienna. Auch ein Abstecher nach
Rom durfte nicht fehlen. Vor allem die
imposante Architektur, die italienische
Eiscreme, aber auch das Baden im Meer,
hinterließ einen bleibenden Eindruck.
Ähnlich schwärmten weitere sechs Bewohner des Wohnheims von ihrem
Kurzurlaub am Schweriner See im September 2014. Begeistert vom Schweriner
Schloss, der Stadt Wismar und einem
Strandspaziergang an der Ostsee, bleibt
auch diese Reise unvergessen. Trotz der
unterschiedlichen Reiseziele verbindet
beide Fahrten aber eins – alle Reisenden
sind während der Urlaube zusammengewachsen und haben sich fürsorglich umeinander gekümmert.
Ungewöhnlicher Besuch
Tagespflege empfängt Ordensschwestern des »Notre Dame de Sion«
Das Alter macht vor niemandem halt.
So stellt sich auch für Ordensschwestern wie die Sionsschwestern einmal die
Frage, wie sie ihren Lebensabend gestalten können. Auch wenn sie solange wie
möglich zusammenbleiben, ist das im
hohen Alter oder bei Pflegebedürftigkeit
nicht mehr möglich. Um Ideen zu gewinnen, kamen zwei Schwestern der Generalleitung des alten französischen Ordens
»Notre Dame de Sion« Anfang März in
die Tagespflege Akazienhof. Denn dort
fühlt sich eine ihrer Ordensschwestern,
Schwester Clemens Maria, seit November
2014 sichtlich wohl. Vier Tage blieben
die Brasilianerin und die Engländerin in
Halle (Saale) und nutzten die Zeit auch,
um das Händelhaus zu besichtigen oder
die Überreste der Synagoge am Großen
Berlin anzuschauen.
4 Erlebtes
»Irgendwie anders«
Herbstfest bot Anlass zur Kooperation
Wie hervorragend Inklusion funktionieren kann, zeigte das
Herbstfest »Irgendwie anders« des Postkult e.V. am 18. Oktober 2014.
In Kooperation mit dem Förderwohnheim für Menschen mit
geistiger Behinderung stellte der Verein nicht nur ein buntes
Programm auf die Beine, sondern bot den Bewohnern des Förderwohnheims auch die Möglichkeit, mit Menschen ohne Handicap zusammenzutreffen. »Es gab keine Berührungsängste.
Das Miteinander war einfach toll. So als ob man sich schon
ewig kennen würde«, berichtet Silke Waßewitz, leitende Ergotherapeutin im Förderwohnheim.
Veranstaltungsort war der Stadtgarten Glaucha. Dort in
der Torstraße luden kleine Hütten und Stände zum Verweilen ein. Es gab unter anderem Kaffee und Kuchen,
der von den Stiftungsbewohnern gebacken wurde,
eine Bastelstraße, und natürlich durfte ein Auftritt
der »Hofnarren« nicht fehlen. Alles in allem waren
die Bewohner des Förderwohnheims überall eingespannt und wurden als gleichberechtigte Anwohner des Quartiers wahrgenommen. Eine erfolgreiche Kooperation also, die auch weiterhin Früchte
tragen wird. Beispielsweise möchten die Bewohner des Förderwohnheims den Postkult e.V. bei der
Betreuung seines Umsonstladens unterstützen.
Über zahlreiche Besucher seines Herbstfestes
freute sich der Postkult e.V.
Erlebtes 5
Ein unvergessliches Buffet
Runder Tisch in Magdeburg feierte 20. Geburtstag
Vier Mal im Jahr trifft sich die Arbeitsgruppe »Integration« in Magdeburg, um über die Rechte von Menschen mit
Behinderung zu sprechen. An diesem sogenannten »Runden Tisch« nehmen auch Bewohner und Mitarbeiter des Förderwohnheims für Menschen mit geistiger Behinderung teil.
Am 4. Dezember 2014 feierte die Institution ihr 20-jähriges
Jubiläum und lud alle Mitglieder zur Festveranstaltung ein.
Noch heute schwärmen die Förderwohnheim-Bewohner von
dem reichhaltigen und leckeren Buffet.
Die Jubiläumsfeier traf den Geschmack der
Stiftungsbewohner.
Mitglieder neu gewählt
Nach Bewohnerversammlung standen Neuwahlen an
Am 28. Januar lud der Bewohnerbeirat
des Förderwohnheims für Menschen mit
geistiger Behinderung zur Bewohnerversammlung ein. Bei Kaffee und Kuchen präsentierte die Beiratsvorsitzende
Ingeborg Schindler den Rechenschaftsbericht 2014 und gab Ausblick auf das
laufende Jahr. Des Weiteren stand die
Vorstellung der Kandidaten für die Neuwahlen des Bewohnerbeirates auf dem
Programm. Diese fanden am 14. April
statt. Herzlichen Glückwunsch an Roberto Barth, Ingeborg Schindler, Ursula
Kaiser, Bettina Rademacher und Reiner
Gottschlag, die nun die Aufgaben des
Bewohnerbeirates übernehmen.
Eine Karte zum Dank
Pflegeassistentin erhält Post von Angehörigen
Eine ziemlich berührende Überraschung erlebte Silke Emmerich, Pflegeassistentin im Wohnbereich 1 des Altenpflegeheims Akazienhof: Die Angehörigen von Lieselotte Sieblist schrieben ihr eine Karte, auf der sie ihr dafür dankten,
dass sie sich so liebevoll um die 86-Jährige, die seit zwei
Jahren in der Paul-Riebeck-Stiftung lebt, kümmere. Die
Kinder von Frau Sieblist, die gut 500 Kilometer entfernt an
der Mosel wohnen, freuen sich, dass die beiden so gut und
Was bringt das Jahr 2015? Das erfuhren die
Bewohner des Förderwohnheims zur
Bewohnerversammlung.
sympathisch miteinander auskommen und sie ihre Mutter in
der Stiftung in guten Händen wissen. »Das ist eine ganz Liebe«,
so Silke Emmerich über die ehemalige Köchin, die einst in
der Harzmensa der halleschen Uni arbeitete und der sie bei
Gängen in die Stadt und diversen kleineren und größeren Erledigungen gern behilflich ist: Ein gutes Miteinander, für das
nicht nur die Familie von Frau Sieblist, sondern auch die Seniorin selbst sehr dankbar ist.
6 Gesichter
& Geschichten
, Blitzlicht
Alles neu macht der Mai, so sagt zumindest der Volksmund.
Wir wollen es ihm gleich machen. Haben Sie in den letzten Jahren an dieser Stelle Mitarbeiter der Paul-RiebeckStiftung kennengelernt, möchten wir Ihnen nun einzelne
Bewohner und ihre Geschichten vorstellen. Wie gewohnt,
fragen wir dabei nach einem konkreten Thema. Wo waren
denn bisher Ihre schönsten und spannendsten Urlaubsziele?
Das wollten wir in dieser Ausgabe von acht Bewohnern des
Wohnbereiches 3 im Altenpflegeheim Riebeckpark wissen.
Aber lesen Sie selbst, wo und wie die Seniorinnen und Senioren damals ihrer Reiselust folgten.
Ines Heydn
(51 Jahre)
Ines Heydn erinnert sich gerne an die Familienurlaube in
Warnemünde an der Ostsee: das Schiffshebewerk, die Werft
und natürlich baden gehen. Als Fan von Liebesfilmen
würde sie gerne Paris – die Stadt der Liebe – besuchen.
Thomas Buschke
(64 Jahre)
Als Bäcker hatte Thomas Buschke früher nicht viel Zeit zu
reisen. Die drei Wochen Jahresurlaub hat er zumeist in
Deutschland verbracht. Heute reist er eher in Gedanken.
Immer wenn er von seiner reiselustigen Nichte eine Karte
aus der Ferne bekommt, schaut er im Atlas nach, wo sie
sich gerade befindet. Er selbst will unbedingt mal den
Leipziger Hauptbahnhof sehen und, naja, New York wäre
nicht schlecht…
Karin Mennicke
(76 Jahre)
Wo man früher als DDR-Bürger unkompliziert Urlaub
machen konnte, dort war Karin Mennicke auch: Tschechien, Ungarn, am Schwarzen Meer in Bulgarien. Später
kam dann auch noch eine Reise auf dem Dnepr durch
Russland dazu. Besonders gerne erinnert sie sich an
Karlovy Vary, wo sie auch nochmal hin möchte.
Jürgen Mehlig
(73 Jahre)
Mit dem Zug war Jürgen Mehlig früher gerne und viel
unterwegs. Regelmäßig an verschiedenen Orten an der
Ostseeküste, aber am liebsten in Ungarn am Balaton und
in Budapest. Als Hobbyfilmer hat er immer viele Filme
von seinen Reisen mitgebracht und später in privaten
Runden angeschaut. Schnorcheln und Tauchen in Bulgarien im Schwarzen Meer ist so ein Wunsch, den er sich
gerne noch erfüllen würde.
Gesichter
& Geschichten
Margarete Lehmann
(93 Jahre)
Noch einmal in die alte Heimat nach Wetzlar zu fahren,
das wünscht sich Margarete Lehmann sehr. Mit dem
Reisen war es aber auch schon früher nicht so einfach,
weil sie viel im elterlichen Betrieb, einer Glaserei, helfen
musste. So blieb neben den seltenen Fahrten an die Ostsee
oft nur der Garten zum Verbringen der Urlaube.
Hans Georg Kattner
(74 Jahre)
Nach der Wende ging es für Hans Georg Kattner erst
richtig los. Auf vielen Busreisen, die er gemeinsam mit
seiner Frau unternahm, entdeckte er vor allem Länder und
Gegenden südlich von Deutschland. Die Liste der Ziele ist
so lang wie der Stapel der T- Shirts, die er als Andenken
von seinen Reisen mitgebracht hat, hoch ist.
Christa Wittmann
(63 Jahre)
Christa Wittmann liebt es, im Sommer Baden zu gehen.
Dem entsprechend waren ihre schönsten Urlaube die, bei
ihrer Verwandtschaft an der Ostseeküste. Auch Fahrten
nach Tschechien, insbesondere nach Prag hat sie in guter
Erinnerung. Fragt man sie jedoch nach ihrem »Traumurlaub«, dann ist das Meer die erste Wahl.
Axel Reuter
(48 Jahre)
Wenn Axel Reuter von Urlaub spricht, berichtet er in
erster Linie von seinen Erlebnissen in Ferienlagern, in die
er als Kind regelmäßig gefahren ist. Später dann blieb
nicht viel Zeit für diese Dinge, weil er sich als Kleinbauer
um die Tiere und den Acker kümmern musste. Wenn er es
sich aussuchen könnte, würde er jetzt gerne nochmal in
die Berge fahren, um die Alpen zu sehen.
7
8 Gesichter
& Geschichten
Die richtige Technik macht Verständigung auch
unter schwierigen Bedingungen möglich.
, Hilfe zur Verständigung
Ehrenamtliche Mitarbeiterin unterstützt Bewohner mit Behinderung
Das Engagement im Ehrenamt, in
der Paul-Riebeck-Stiftung koordiniert
durch Diana Krannich, deren Büro
sich im Altenpflegeheim Riebeckpark befindet, gewinnt immer mehr
an praktischer Bedeutung durch die
Unterstützung der Pflege in den Einrichtungen, aber auch durchaus in der
Gewährleistung von Verständigung in
komplizierteren Fällen.
Im Fall von Herrn Heilmann, der im
Wohnbereich 2 des Altenpflegeheims
Riebeckpark lebt und der durch seine
Erblindung wie durch seine Hörschädigung lange Probleme in der Verständigung hatte, konnte durch eine
ehrenamtliche Mitarbeiterin wichtige
Abhilfe geschaffen werden. Katja Lippek, eigentlich regelmäßig als Ehrenamtliche im Haus der Generationen,
nun auch auf Abruf in der Kantstraße
im Einsatz, hat für Herrn Heilmann
ein Kärtchensystem in Punkt- und
Schwarzschrift entwickelt, wodurch
sich der Bewohner nun mittels Standardsätzen mit dem Personal verstän-
digen und seine Wünsche äußern kann.
»Im Kontakt zur Außenwelt ist das ein
wichtiger Fortschritt«, so die 36-Jährige, die im Hauptberuf Verwaltungsfachangestellte bei der Stadt Halle ist.
Aufgrund einer Krankheit ist sie selbst
seit eineinhalb Jahren vollständig erblindet, was sie aber nicht von ihrer
ehrenamtlichen Tätigkeit abhält. »Die
Kärtchen sind die beste Möglichkeit für
Herrn Heilmann, zu kommunizieren
und leichter den Kontakt zum Pflegepersonal zu halten.«
Aufgrund des Systems in zwei Schriften können nun Basissätze zur Grundverständigung gebildet werden. Das
erleichtert die Arbeit im Wohnbereich
und verbessert vor allem die Lebensqualität des gehandicapten Bewohners.
Das Projekt, wie Katja Lippek weiter
ausführt, soll nun erweitert und ausgebaut werden, so werde etwa an die Anschaffung einer Schreibmaschine, die
Schwarz- in Punktschrift umwandeln
kann, gedacht …
Gesichter
Gemeinsam unterwegs
& Geschichten
Karl-Heinz Hörold freundet sich mit Mieter des Riebeckparks an
»Wir haben uns zufällig im Park getroffen, beim Schafgehege, und so hat
sich ein erstes Gespräch ergeben«, berichtet Karl-Heinz Hörold über den
Beginn einer guten Freundschaft mit
einem Mieter einer seniorengerechten
Wohnung in der Kantsraße, mit dem
er seitdem nicht nur gemeinsame Spazier-, sondern auch Einkaufsgänge erledigt.
»Wir gehen häufig zu den Supermärkten in der Robert-Koch-Straße, zu Aldi
und Netto«, so der 57-Jährige, der seit
einigen Jahren im Wohnbereich 1 des
Altenpflegeheims Riebeckparks lebt,
weiter. »Da ich hier selbst bestens versorgt bin, brauche ich kaum etwas, aber
ich helfe beim Tragen; und außerdem
laufe ich gern, ich bin gern in der Stadt
unterwegs, und zu erzählen gibt es immer etwas!«
Auf dem Wohnbereich teilt sich Herr
Hörold ein Zimmer mit Herrn Pietsch,
auch sie kommen gut miteinander aus
– der ehemalige Rohrschlosser, der eine
Reihe von Jahren in der Merseburger
Wasserwirtschaft tätig war, fühlt sich
hier ideal aufgehoben, pflegt einen engen Kontakt zum Personal, und nicht
zuletzt muss »das Essen stimmen, und
das ist sehr gut hier!« Ursprünglich
stammt der zugezogene Hallenser aus
Vitzenburg, das heute ein Ortsteil von
Querfurt und für sein Schloss berühmt
ist.
Karl-Heinz Hörolds Bekannter, der im
seniorengerechten Wohnen der Stif-
tung zu Hause ist, ist zweieinhalb
Jahrzehnte älter und sicher froh über
die Hilfe des Jüngeren. Genauso wichtig aber sind die Spaziergänge, zu denen sie sich verabreden: »Wenn wir im
Park sind, reden wir über alles Mögliche, das Wetter und die Schafe, über
unsere Sorgen und auch darüber, was
als nächstes einzukaufen ist.«
Ein aufregendes Thema war etwa das
Eintreffen eines jungen Schafs aus dem
halleschen Zoo im Gehege. Und so ist
der Tag von Herrn Hörold, der sich aufgrund einiger Schicksalsschläge erst
wieder aufrappeln musste, gut und
spannend gefüllt.
Gehen durch dick und dünn: Karl-Heinz Hörold
(rotes T-Shirt) und sein Kompagnon
Abbau von Berührungsängsten
Victoria Réthy besucht Johannesschule
Eine wichtige Mission hatte Ergotherapeutin Victoria Réthy
aus den die Hausgemeinschaften für Menschen mit Demenz
am 17. März vor sich: Sie besuchte die benachbarte Johannesschule in der Liebenauer Straße. Ausgerüstet mit einem Rollstuhl und Andickmittel für Menschen, die aufgrund der Demenz-Erkrankung an Schluckbeschwerden leiden, erklärte
sie den Schülern der Tanz-AG im Hort den Sinn und die Bedeutung der Einrichtung, in der sie arbeitet. »Es ist wichtig,
dass wir, wenn wir Nachbarn sind, voneinander wissen und,
vor allem, Berührungsängste abbauen!« Anhand eines Murmelbeutels, in dem zusätzlich ein Bauklotz steckte, erklärte
sie, was mit den Nervenzellen passiert, wenn man an Demenz erkrankt. Die Kids durften den Rollstuhl ausprobieren
und mit dem »Zaubermittel« Getränke andicken und kosten.
Doppelter Effekt: Die Tanz-AG plant nun einen Gegenbesuch
in der Einrichtung, und Victoria Réthy soll ihren Vortrag in
den Sozialkundestunden aller Klassen der Johannesschule
halten. Soziokultur und Inklusion in ihrer besten Form!
9
10 Gesichter
& Geschichten
Brunhilde Hohmann ist glücklich in ihrem neuen Zuhause und genießt die
täglichen Spaziergänge im Riebeckpark mit Freunden und ihrem Hund Moritz.
Im Großstadtdschungel aufgeblüht
Brunhilde Hohmann tauschte beschauliches Land- gegen pulsierendes Stadtleben
Der Umzug von Ermsleben im Harz
nach Halle (Saale) war für Brunhilde Hohmann zunächst kein leichter
Schritt. Er war die Folge vieler Schicksalsschläge, die die 70-Jährige in den
letzten Jahren ertragen musste. Vor allem der lange Leidensweg und letztlich
Tod ihres Ehemannes setzten ihr schwer
zu. Hatte sie sich doch für seine Pflege
aufgeopfert und vergessen, dabei auch
an sich selbst zu denken. Und nachdem
ihr Mann vor sieben Jahren gestorben
war, kümmerte sich Brunhilde Hohmann
ganz allein um das große Haus mit weitläufigem Garten. Zu viel für die Mutter
von drei Kindern, die zunehmend auch
mit Depressionen kämpfte. Im April
2014 dann die Katastrophe. Brunhilde
Hohmann erleidet einen Schlaganfall.
Einen leichten zum Glück. Doch für ihre
Kinder der ausschlaggebende Grund, zu
handeln. Eine kleine Wohnung musste
her. Möglichst in der Nähe eines ihrer
Kinder. Mittlerweile lebt Brunhilde Hohmann seit Juni 2014 in einer der senio-
rengerechten Wohnungen der Paul-Riebeck-Stiftung und fühlt sich pudelwohl.
Frisch aufgeblüht, sprüht sie vor Lebensfreude und Tatendrang. Gemeinsam mit
ihren Freundinnen, die sie schnell unter ihren neuen Nachbarinnen gefunden
hat, nimmt sie an zahlreichen Aktionen
in der Begegnungsstätte Bugenhagenstraße teil. Sie geht zum Kaffeeklatsch,
Gedächtnistraining, Seniorensport oder
besucht Veranstaltungen wie Lichtbildervorträge, Weihnachtsfeiern oder das
traditionelle Schlachtefest. Auch außerhalb der Paul-Riebeck-Stiftung ist der
bekennende Straßenbahnfan gern unterwegs. So trifft man Brunhilde Hohmann
oft in der Tram auf dem Weg nach Trotha,
wo sie im Garten ihres Sohnes entspannt
oder mit ihrem grünen Daumen werkelt.
Auch mit ihren Enkeln ist sie des Öfteren
auf Achse, beispielsweise in Halles Bergzoo. »Bis heute können meine ehemaligen Nachbarn in Ermsleben nicht glauben, dass ich mich in der Stadt so gut
fühle. Aber die haben ja auch noch nicht
diesen traumhaft riesigen Park vor meiner Haustür gesehen und das RiebeckStift – dieses wunderschöne Schloss.
Dieser Ausblick und meine täglichen
Spaziergänge dort mit meinem Hund
Moritz haben mir das Eingewöhnen sehr
leicht gemacht«, verrät die rüstige Seniorin. Aber auch Einkaufsmöglichkeiten,
Apotheken oder Ärzte, Straßenbahnhaltestellen sowie eine Schneiderei in unmittelbarer Wohnungsnähe überzeugten
die Harzerin vom Stadtleben. Und noch
etwas möchte die fußballbegeisterte
Rentnerin nicht missen: »Es ist so toll
den Trubel und das Gejubel mitzuerleben, wenn im Stadion – gleich hier um
die Ecke – der HFC aufspielt. Das ist der
Wahnsinn. Mein größter Wunsch ist es,
einmal live dabei zu sein und die Stadionatmosphäre zu genießen.« Noch viele
Jahre möchte Brunhilde Hohmann ihre
helle und gemütliche Zweiraum-Wohnung genießen. Sie ist eben ganz und
gar angekommen.
Thema: Wenn alle an einem Strang ziehen ...
Wenn alle an einem
Strang ziehen …
Der Umzug in ein Altenpflegeheim ist eine einschneidende Veränderung. Den Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern der Paul-Riebeck-Stiftung ist bewusst, dass sie Heimat und Familie nicht ersetzen können. Das Gefühl von Einsamkeit kompensieren und seelische wie körperliche Schmerzen lindern aber schon. Ihre Kompetenzen und ihr soziales Engagement sollen zum Wohlfühlen
der Bewohner beitragen. Dass gelingt nur im Team. Wir haben uns dazu umgehört.
Neues Dach für mehr Austausch
Seit April 2015 hat die Altenpflege der Paul-Riebeck-Stiftung eine eigene Bereichsleitung.
»Zeit zum Lesen« sprach dazu mit Leiterin Katlen Rohne.
Warum hat die Stiftung der Altenpflege eine neue Struktur
gegeben?
Katlen Rohne: Wir haben vier Altenpflegeheime an unterschiedlichen Standorten in Halle, je mit einer Heim- und einer Pflegedienstleitung. Dass die Häuser nicht nur einzeln
gut funktionieren, sondern sich als Teil der gesamten PaulRiebeck-Stiftung verstehen, ist da nur ein folgerichtiger
Schritt. Den sind wir jetzt gegangen. Ziel der neuen Leitung,
die man sich wie ein »Dach« über der Altenpflege vorstellen
kann, ist die Steuerung aller Altenpflegeheime sowie deren inhaltliche Weiterentwicklung aus einer Hand. Initiiert
werden sollen außerdem stärkere Kooperationen zwischen
den Häusern und ein intensiverer Erfahrungsaustausch.
Wie soll das konkret aussehen?
Katlen Rohne: Ein Transfer von Erkenntnissen in der Arbeit
kann mit der neuen Struktur zügiger von einem Haus zum
nächsten erfolgen. Wir sichern nun mit einem Ansprechpartner, dass Informationen ohne Reibungsverluste von A
nach B gelangen. Oder anders ausgedrückt: Was in einem
Heim besonders gut läuft, soll effektiv auch in den anderen umgesetzt werden – ohne dass wir das Rad jedes Mal
neu erfinden. Was bislang eher sporadisch geschah, wird
damit hoffentlich zum täglichen Miteinander. Ressourcen
und Kompetenzen von Mitarbeitern wollen wir so konstruktiver als bisher nutzen.
Was wünschen Sie sich für die Altenpflege der Stiftung?
Katlen Rohne: Natürlich bestmögliche Service- und Betreuungsqualität für alle 391 Heimbewohner und 209 Mieter der
Paul-Riebeck-Stiftung! Grundlage für das Wohlfühlen der
Bewohner ist eine reibungslose Teamarbeit. Wenn jeder Mitarbeiter die Arbeit des anderen wertschätzt
und über den Tellerrand seiner eigenen Tagesaufgaben schaut, kann das
funktionieren: von der Pflegefachkraft, über die Pflegehilfskraft, den
Auszubildenden, den zusätzlichen Betreuungskräften, den Ehrenamtlichen, den Reinigungskräften bis hin zum Service von
Haustechniker und Küche.
Das Heim als letzte Lebensstation ist nach wie vor
für viele mit jeder Menge
Vorurteile behaftet. Diese
können wir nur aufbrechen, wenn es uns gelingt,
für die Bewohner jeden
Tag mit möglichst viel
Lebensqualität zu gestalten und ihnen dabei kleine
Glücksmomente zu schenken. Und das ist keine Aufgabe für Einzelkämpfer.
Katlen Rohne
Thema: Wenn alle an einem Strang ziehen ...
Für unseren Erfolg sind wir selbst verantwortlich
Wenn ihr die Arbeit keine Herausforderung mehr bot, ist
Nadine Weniger früher einfach weiter gezogen. Dass sie inzwischen seit 2006 in der Paul-Riebeck-Stiftung arbeitet, hat
einen Grund: »Kein Tag gleicht dem anderen. Hier muss und
darf ich spontan sein, habe Kontakte sowohl mit Bewohnern
als auch mit Kollegen aller Ebenen. Diese Arbeit macht mir
wirklich Spaß.« So viel, dass sie nach der Geburt ihrer Tochter
Martha während des Babyjahres 2010 sogar als Ehrenamtliche in den Akazienhof zurückkehrte. Im gleichen Jahr schloss
Die Pflegedienstleiterin ist als Bindeglied zwischen
Wohnbereichsleitung und Vorstand die höchste Instanz
für alle pflegerelevanten Angelegenheiten.
sie ihre Ausbildung zur Pflegedienstleiterin ab. Seit Juli 2014
ist Nadine Weniger Pflegedienstleiterin im Altenpflegeheim
Akazienhof. »Die Erkenntnis, dass wir für unseren Erfolg
selbst verantwortlich sind und es an jedem Einzelnen liegt,
das Beste aus dem eigenen Job zu machen, die habe ich hier
gefunden.« Nadine Wenigers Definition von Teamarbeit: »Jeder in der Gruppe denkt und arbeitet aktiv mit, wir sprechen
nicht nur Themen an, sondern bearbeiten sie im Team. Die
beste Lösung entsteht immer dort, wo wir sie gemeinsam erarbeiten.« Dafür möchte sie gute Bedingungen schaffen, vorurteilsfrei auf Mitarbeiter zugehen, das Miteinander optimieren
und Entscheidungswege verkürzen. Ihr Rezept heißt Transparenz. »Wenn sich jeder gut informiert und mitgenommen fühlt,
stimmt auch die Wertschätzung für die eigene Arbeit und die
des Kollegen.«
Jeder ist etwas Besonderes
Die erfahrenste Mitarbeiterin auf Wohnbereich 2 arbeitet
schon 45 Jahre in der Pflege, die jüngste zählt gerade mal
24 Jahre. Gemeinsam mit ihren zehn Kollegen sorgen sie dafür, dass sich die 35 Bewohner hier ein bisschen wie daheim
fühlen. Und Ulrike Willmann hält die Fäden zusammen. Der
Wohnbereichsleiterin, die sagt, dass hier jeder Bewohner etwas Besonderes ist und das auch spüren soll, merkt man die
Liebe zum Beruf an. »Ich habe um diesen Job gekämpft«, erinnert sich die 31-Jährige, »Ich will nie etwas anderes machen!«
Mit 17 – während eines Freiwilligen Sozialen Jahres im Altenpflegeheim Akazienhof – fand Ulrike Willmann Beruf und
Die Wohnbereichsleiterin ist für Bewohner, Angehörige
und das Pflegepersonal die erste Anlaufstelle. Sie arbeitet
in der Pflege und übernimmt Führungsaufgaben für die
Pflegekräfte ihres Bereiches.
Berufung. Sie bekam den letzten Platz des Ausbildungsjahres
2002 in der Diakonieschule. Seit 2007 ist die examinierte Altenpflegefachkraft wieder im Akazienhof, seit November 2014
leitet sie den Wohnbereich 2. Parallel dazu begann sie eine
Fortbildung zur Pflegedienstleiterin. Ihr Team zeichnet sich
für Ulrike Willmann dadurch aus, dass jeder mit Herz am gleichen Ziel arbeitet: dem Wohlfühlen der Bewohner. »Wir reden miteinander und können dabei auch Kritik aussprechen.
Das ist wichtig. Jeder bringt Ideen oder Vorschläge ein, wir
überlegen gemeinsam, wie wir diese umsetzen können.« Ein
Beispiel: Halles Laternenfest im letzten Sommer. Da eine Teilnahme für die Bewohner nicht möglich war, organisierten die
Kollegen kurzerhand ein eigenes im Park. Mit Lagerfeuer und
Knüppelkuchen, den die Kinder der Mitarbeiter für die Bewohner ins Feuer hielten. Ein Erlebnis für alle. »An den Reaktionen von Bewohnern und Angehörigen merke ich, dass wir
gut arbeiten«, weiß Ulrike Willmann, »das ist Motivation pur.
Jeden Tag.«
Glücklich, wenn die Bewohner zufrieden sind
»Ich arbeite gern mit Menschen und habe in der Altenpflege
mein Zuhause gefunden«, sagt Alexander Witt. Über Umwege
kam der 43-Jährige zu seinem Traumberuf. Der KfZ-Elektroniker fand während des Zivildienstes bei der Seniorenberatungsstelle Halle, was er in seinem Lehrberuf vermisst hatte.
Seit 1998 arbeitet er in der Pflege, erst als Pflegeassistent und
nach seiner fünfjährigen berufsbegleitenden Ausbildung als
examinierter Altenpfleger. Angekommen ist Alexander Witt
inzwischen auf Wohnbereich 3 des Altenpflegeheims Akazi-
enhof. »Ein Team besteht für mich aus vielen Menschen, die
zielgerichtet zusammen arbeiten, um das Bestmögliche für die
Bewohner zu leisten. Dafür braucht es regelmäßige Kommunikation, klare Absprachen und das Ringen um optimale Lösungen. Dazu gehört auch, dass wir gegenseitig aufeinander
achten, uns bei Problemen mitteilen. Das nimmt Druck und
verhindert, dass der Rucksack , den jeder mit sich trägt, immer schwerer wird.« Kreativität sei wichtig und ein über den
Tellerrand schauen, ist Alexander Witt überzeugt. »Wir hin-
terfragen beispielsweise, mit welchem Hilfsmittel bzw. welchem Therapieansatz für Bewohner eine Erleichterung oder
Mobilitätsverbesserung zu erreichen wäre. Der eine Kollege
hat etwas dazu gelesen, der andere gehört, der nächste kennt
ein ähnliches Problem aus einem der anderen Häuser. So zu
arbeiten macht Spaß und ich bin glücklich, wenn der Bewohner zufrieden ist.«
Der Pflegeberuf ist mit viel Verantwortung, Eigenständigkeit und Engagement verbunden. Die Ausbildung zur examinierten Altenpflegefachkraft dauert drei Jahre.
Betreuer heißt auch, Vermittler zu sein
»Immer wieder bereit sein für Neues, alte Tretmühlen verlassen«, ist Karin-Anke Graue überzeugt, sei der optimale Weg,
um jung und fit zu bleiben. Die fast 60-Jährige ist dafür selbst
der beste Beweis. Ihr Leben lang hat sie mit Menschen gearbeitet. Als ihr Jugendclub in Heide-Nord schließen musste,
kümmerte sie sich um langzeitarbeitslose Frauen und bekam
über ein 50plus-Projekt die Möglichkeit, »mich noch einmal
umzuorientieren und neu zu erfinden.« Als zusätzliche Betreuungskraft arbeitet Karin-Anke Graue seit September 2013
auf Wohnbereich 3 des Altenpflegeheims Akazienhof. »Ich
habe mich zuerst gefragt, wie ich mich hier einbringen kann.
Mit der Philosophie der Paul-Riebeck-Stiftung konnte ich
mich gleich gut identifizieren.« Und wie lautet ihre Auffassung vom neuen Beruf? »Ich bin hier nicht zur Bespaßung,
sondern will bei jedem mir anvertrauten Bewohner so viel
wie möglich Ressourcen neu beleben oder zumindest erhalten.
Damit möchte ich gleichzeitig auch für die Potentiale eines
Betreuers werben.« Karin-Anke Graue erstellt Wochenpläne
aus Einzel- und Gruppenangeboten, die individuell auf die
Bewohner abgestimmt sind. Jeden Tag gibt es etwas anderes,
am Wochenende werden gemeinsam Lieblingsrezepte gekocht,
alte Schlager gehört oder an Schauspieler der Ufa-Zeit erinnert. »Es ist schon erstaunlich, was man noch alles für und
mit den Bewohnern machen kann. Das funktioniert freilich
nur im Team. Ich kann im Gegensatz zu den Pflegekräften
meine Zeit variieren und setze mich gerne als Vermittler ein.«
Gegenwärtig organisiert die agile Betreuerin einen Bewohnerurlaub in Wernigerode. Eine kleine Auszeit vom Alltag.
Zusätzliche Betreuungskräfte (§ 87b Abs. 3 SGB XI) begleiten und unterstützen Betroffene in enger Kooperation
mit den Pflegekräften bei alltäglichen Aktivitäten.
Alexander Witt, Nadine Weniger,
Ulrike Willmann, Karin-Anke Graue (v.l.n.r.)
Thema: Wenn alle an einem Strang ziehen ...
Auf Augenhöhe
miteinander sprechen
»Teamarbeit heißt für mich, dass eine Gruppe an einem
gemeinsamen Ziel arbeitet und jeder sowohl seine Stärken
als auch persönlichen Ansichten einbringt«, sagt Simone
Kruse und fügt nach einer kurzen Pause hinzu: »Nicht jeder muss dabei mit jedem grün sein, aber im Sinne der
Aufgabe miteinander arbeiten können, das schon.« Die
Vorsitzende des Betriebsrates der Paul-Riebeck-Stiftung
beschreibt das am Beispiel ihrer eigenen Funktion: »Unser
Betriebsrat besteht aus neun Mitarbeitern aus den unterschiedlichsten Bereichen. Sie wurden 2014 in einer Listenwahl von allen Mitarbeitern gewählt, sind also deren
Interessenvertreter. Meine Aufgabe ist es, dieses neunköpfige Team so fit zu machen, dass sie die Belange der Mitarbeiter selbstbewusst vertreten und dafür auch selbständiger als bisher Termine wahrnehmen können.« Simone
Kruse, die 1998 als Praktikantin in die Paul-Riebeck-Stiftung kam, ab 2000 als Ergotherapeutin im Förderwohnheim und danach in verschiedenen Bereichen arbeitete,
hat ein Anliegen: »Die Arbeit von Betriebsräten wird gefühlsmäßig oftmals misstrauisch beäugt. Dabei verstehen
wir uns nicht als Widerpart zum Unternehmen, sondern
als dessen Stütze. Wenn wir Störungen im Betriebsablauf
anzeigen, fragen wir immer auch danach, wie
es besser gehen könnte. Und das ist ja ganz
im Sinne des Arbeitgebers.« Aktuell steht
beispielsweise die Dienstplanoptimierung
auf der Tagesordnung. Wie Personaleinsatz
unter Berücksichtigung von Arbeits-,
Urlaubs- oder auch Krankheitszeiten effektiver gesteuert werden kann,
betrachtet gegenwärtig eine dafür
ins Leben gerufene Arbeitsgruppe.
Die Betriebsrätin wünscht sich,
»dass es uns gelingt, das Miteinander weiter auszubauen, kooperativ zu arbeiten und auf Augenhöhe zu sprechen. Und dass
wir eine Fehlerkultur entwickeln,
die von positivem Denken und von
Wertschätzung für jeden einzelnen
Mitarbeiter geprägt ist.«
AUSGABE NOVEMBER 2013
Wir sind für Sie da!
Altenpflegeheim Riebeckpark
147 Pflegeplätze + individuelle Wohnformen + weitläufiger
Park mit Tiergehege + Fußpflege, Friseur, Physiotherapie
und Cafeteria im Haus + Kontakt: Kathrin Droske,
(0345) 15 10-948
Tagespflege Riebeckpark & Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz
Tagespflege für elf Senioren + Wohngemeinschaft für elf
Menschen mit Demenz mit Therapie- und Freizeitangeboten
+ Kontakt: Cynthia Pfister-Widuch, (0345) 15 10-920.
Altenpflegeheim Akazienhof
143 Pflegeplätze + weitläufiger Park mit altem Baumbestand
+ vielfältige Freizeit- und ergotherapeutische Aktivitäten &
Dienste im Haus oder auf kurzem Weg + Kontakt: Susanne
Weber, (0345) 15 10-122.
Tagespflege Akazienhof
14 Plätze speziell für demenzerkrankte Senioren + vielfältige
Freizeit-und Beschäftigungsangebote + Kontakt: Jeannette
Hartmann, (0345) 15 10-422
Hausgemeinschaft für Menschen mit Demenz
30 Plätze + komplett auf Bedürfnisse gerontopsychiatrisch
erkrankter Menschen ausgerichtet + Kontakt: Susanne
Weber, (0345) 15 10-122
Altenpflegeheim im Haus der Generationen
60 Plätze in Gemeinschaften mit je zehn Bewohnern +
Begegnung von Jung und Alt + Kontakt: Kerstin Peschka, 
(0345) 15 10-373
Altengerechte Wohnungen
209 Wohnungen für selbstbestimmtes Leben + umfangreiches Servicepaket nutzbar + Kontakt: Bettina Grimmer, 
(0345) 27 98 50 78
Begegnungsstätte im Riebeckpark
Angebote für Senioren mit Werkstattcharakter + Wochentags zwischen 8.00 und 16.00 Uhr + Kontakt: Petra Streine, 
(0345) 15 10-906
Ambulanter Pflegedienst
Simone Kruse
Der Betriebsrat wacht als Mitarbeitervertretung darüber, dass die geltenden Gesetze, Verordnungen, Unfallverhütungsvorschriften, Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen eingehalten und Vorschriften durch
den Arbeitgeber beachtet werden.
Grund- und Behandlungspflege sowie hauswirtschaftliche und Beratungsleistungen + Kontakt: Christina Ehnert, 
(0345) 15 10-903 oder 907
»Der Grüne Weg«
sozialpädagogische & medizinisch-fachliche Beratung, ambulante Tagesbetreuung bis hin zum Wohnen in Hausgemeinschaften + Kontakt: Susanne Weber, (0345) 15 10-122
Gesichter
& Geschichten
11
Illustere Runde: Heinz-Dieter Kellner, Olaf Dittmann
und Hannelore Schraut (von links nach rechts).
Ein eingespieltes Team
»Mensch ärgere Dich nicht« lässt Freundschaft wachsen
Sie treffen sich jeden Tag und spielen vormittags wie nachmittags eine Partie »Mensch ärgere Dich nicht« nach der
anderen.
Es wird gequatscht, geneckt und gelacht. Auf die Frage, ob es
ihnen nicht langweilig wird, antworten sie im Chor mit einem fast vorwurfsvollem »Nein.« Die Rede ist von Hannelore
Schraut, Heinz-Dieter Kellner und Olaf Dittmann, die seit
März 2014 zusammenkommen und gemeinsam ihre Freude
an dem kultigen Brettspiel frönen. Und das ohne jeden Zank
und Streit. Es herrscht regelrecht Harmonie zwischen den
spielbegeisterten Stiftungsbewohnern und man merkt sofort,
dass sich enge Freunde am Spieltisch gegenübersitzen. »Wir haben uns gesucht und gefunden«,
betont Hannelore Schraut und lächelt ihren Mitspielern zu.
Die wiederum nicken zustimmend, bevor Hans-Dieter Kellner ergänzt, dass in ihrer Runde keiner dem anderen etwas
Übel nimmt. Man verstehe sich eben gut. »Klar werfen wir
uns spaßeshalber auch mal Wörter, wie gelber Teufel an den
Kopf und verbünden uns zu zweit gegen den anderen, aber
da ist keiner von uns nachtragend«, freut sich der 79-Jährige. Und wie sich herausstellt, ist das Spiel »Mensch ärgere
Dich nicht« nur Mittel zum Zweck. Schon lange geht es den
Kameraden eher um die Gemeinschaft – das Treffen an sich.
»Wenn unsere Spielrunde ausfällt, wird es für uns alle ein
schlechter Tag. Da fehlt etwas«, erklärt die 85-Jährige, die
seit 15 Jahren in der Paul-Riebeck-Stiftung zuhause ist. »Gerade dieser Zusammenhalt, der sich zwischen uns entwickelt
hat, ist das Besondere. Es macht einfach riesigen Spaß, den
Tag mit den beiden zu verbringen«, ergänzt Olaf Dittmann.
Dass er zur Spielgemeinschaft gestoßen ist, war purer Zufall.
Denn der 57-Jährige wohnt
eigentlich auf einem ganz
anderen Wohnbereich als
seine Spielgefährten. Doch
als er vor einem Jahr in die
Stiftung kam und sein neues
Zuhause erkundete, beobachtete er Hannelore Schraut und Heinz-Dieter Kellner, die zu
zweit ein Spielchen wagten. »Es hat etwas gedauert, aber
nach einer Weile hat er sich überwunden und uns gefragt,
ob er mitspielen darf. Da uns sowieso noch wenigstens ein
Mitspieler fehlte, haben wir ihn dazu gebeten«, erinnert sich
die einzige Dame in der Runde. Und heute – ein Jahr später –
sind die drei ein eingespieltes Team.
»Wenn unsere Spielrunde ausfällt,
wird es für uns alle ein schlechter
Tag. Da fehlt etwas.«
12 Neuigkeiten
& Wissenswertes
Frisch geweißte Wände
Schritt für Schritt erhalten Zimmer neue Farbe
Frische intensive Farben, offene Bereiche, verbesserte Funktionalität, ein
übersichtliches Wegeleitsystem, viel
Licht … Das Altenpflegeheim Akazienhof hat sich 2012 sicht- und spürbar verändert. Nachholbedarf besteht
bei den Bewohnerzimmern. »Uns ist
bewusst, dass die Zufriedenheit immer
auch mit der Ausstattung des ganz privaten Wohnumfeldes zu tun hat«, sagt
Pflegedienstleisterin Nadine Weniger
und erklärt: »Das gehen wir jetzt Schritt
für Schritt an.« Während gemeinsam mit
den Architekten Möbel, gegebenenfalls
auch Zimmerschnitte geplant und da-
für Umsetzungsetappen festgelegt werden, haben die Maler bereits begonnen.
Die ersten zehn Zimmer erhielten inzwischen neue Tapeten und Anstriche. Zehn
weitere sind in diesem Jahr noch geplant.
»Wir nehmen dabei natürlich Rücksicht
auf die Bewohner. Wenn jemand keine
Renovierung wünscht, weichen wir auf
ein anderes Zimmer aus«, weiß Nadine
Weniger und freut sich über die funktionierende Zusammenarbeit mit der Malerfirma Knepper und den Technikern
der Paul-Riebeck-Stiftung. »Alle sind
flexibel, auch kurzfristige Absprachen
klappen gut.«
Lexikon
Was sind
investive Kosten?
Das Heimentgelt setzt sich in der
Regel aus den Positionen Unterkunft, Verpflegung, Pflege, ggf.
Zusatzleistungen, Ausbildungsvergütung sowie Investitionskosten zusammen. Was gehört
zu den investiven Kosten?
Investive Kosten sind solche, die
der Heimträger aufwendet, um
die für den Betrieb der Pflegeeinrichtung notwendigen Gebäude
zu errichten, instand zu halten
bzw. auszustatten, Mieten oder
Pacht zu finanzieren sowie sein
Kapital zu verzinsen. Auch die
Pflege von Außen- oder technischen Anlagen wie z.B. Aufzüge
gehören zu den investiven Kosten. Sie sind Teil der Pflegesatzverhandlungen mit der Sozialagentur.
Neu geweißte Wände lassen
Bewohnerzimmer gleich heller wirken.
Freiwillige willkommen!
Paul-Riebeck-Stiftung beteiligt sich an Zertifizierungsprozess
Im Juni soll es stattfinden, das erste Treffen fünf hallescher
Einsatzstellen im Freiwilligen-Management, bei dem es um
den Stand der Arbeit im ehrenamtlichen Segment, das für
soziale und soziokulturelle Einrichtungen in ganz Deutschland immer wichtiger wird, geht. Gleichzeitig wird so eine
Art Selbst-Evaluierung der bisherigen Arbeit möglich. In enger
Koorperation mit der Freiwilligen-Agentur bewirbt sich auch
die Paul-Riebeck-Stiftung um das Gütesiegel »Freiwillige willkommen!«, das im Erfolgsfall als Plakette ausgereicht und an
den Häusern der Stiftung angebracht wird. »Dieser Tag im Juni
dient dem Austausch und vor allem der Stärkung des Partnerschaftsnetzwerks, zu dem noch das Marthahaus, die Villa Juehling, das ‚Seelensteine‘-Projekt, die Bürgerstiftung gehören«,
erklärt Diana Krannich, Koordinatorin Ehrenamt in der Stiftung. »Auch wenn wir wissen, dass wir schon vieles erreicht
haben, ist es gut, zu sehen, wie andere arbeiten, so ein Lernprozess ist immer wichtig.« Der Vorstellung im Frühsommer
folgt nach der Auswertung ein weiteres Treffen zum »Internationalen Tag des Ehrenamts« im Dezember, bei dem die Einrichtungen feierlich zertifiziert werden sollen.
Neuigkeiten
& Wissenswertes
Auch 2015 versprechen die Halleschen
Aktionstage "Alter:native" ein buntes
Programm für Jung und Alt.
»ALTER:NATIVE 2015 BEWEGT!«
HALLESCHE AKTIONSTAGE »ALTER:NATIVE 2015« SETZEN
AUF FITNESS VON KÖRPER UND GEIST
Zum vierten Mal laden die Paul-Riebeck-Stiftung und zahlreiche Partner zu den Halleschen Aktionstagen »Alter:native« ein und bieten in diesem Jahr Aktionen und Veranstaltungen zum Mitmachen.
Das Motto »Alter:native 2015 bewegt!« ist Programm. Schauen Sie vorbei:
Sonntag, 13.09.2015
Donnerstag, 17.09.2015
Samstag, 19.09.2015
Denkmaltag mit Führungen im Riebeckpark (10:00 Uhr /13:30 Uhr) und im
Akazienhof (11:00 Uhr /15:00 Uhr)
Buntes Treiben herrscht auf dem »Markt
der Möglichkeiten«. Im Altenpflegeheim Riebeckpark gibt es eine Vielzahl
Mitmach-Aktionen und Beratungsangebote. Sind Sie bereit für unsere »Riebeckolympiade«?
Zum Abschluss der Aktionstage setzen
wir während des Freiwilligentages ein
Zeichen ganz im Sinne der Mobilität. Stiftungsbewohner und -mitarbeiter, Freiwillige, Interessierte und und und – bilden gemeinsam eine Menschenkette vom
Riebeckpark zum Akazienhof und lassen
Luftballons in den Himmel steigen.
Dienstag, 15.09.2015
Während einer Fachtagung des Diakoniewerkes Halle diskutieren die Teilnehmer unter anderem über Demenz und
die Alltagsbewältigung u.a. mit Filmvorführung.
Mittwoch, 16.09.2015
Das Halplus-Café für aktive Senioren
der EVH GmbH stellt den Seniorenbesuchsdienst »Klingelzeichen« vor und
bietet Beratungsangebote.
Freitag, 18.09.2015
Wie rollstuhlgerecht ist Halle? Das testen interessierte Teilnehmer im Umfeld
der Paul-Riebeck-Stiftung.
13
14 Ratgeber Lebensqualität
Ängste nehmen – Bedürfnisse erfüllen
Arbeitskreis »Palliative Care« möchte letzte Lebensphase angenehmer gestalten
Sterben und Tod sind Themen, über die niemand gerne
spricht. Doch irgendwann wird jeder damit konfrontiert.
Sei es als Angehöriger, Pflegekraft oder Betroffener selbst.
Das ist eine schwierige Situation, der man sich oft auch unvorbereitet stellen muss. Um diese Lebensphase für alle Be-
teiligten so angenehm wie möglich zu gestalten, hat sich
in der Paul-Riebeck-Stiftung die Arbeitsgruppe »Palliative
Care« gegründet. Sie arbeitet an einem Konzept, dessen spätere Anwendung Erleichterung im Umgang mit den traurigen Situationen bieten soll. »Uns geht es dabei nicht darum,
weitere strenge Leitlinien zu entwickeln. Vielmehr möchten wir die bestehenden praktikabel machen. Wir möchten
eine Abschiedskultur entwickeln. Das heißt, unseren Mitarbeitern die Ängste zu nehmen und Sicherheit aufzubauen,
den Ansprüchen unserer Bewohner und deren Angehörigen
gerecht zu werden, aber auch Partner wie das Hospiz oder
SAPV-Team verstärkt einzubeziehen«, erklärt Melanie Angermann, Pflegedienstleiterin im Altenpflegheim Riebeckpark. Sie ist die Initiatorin des Arbeitskreises, zu dem neben
Pflegefachkräften, zusätzlichen Betreuungskräften und Demenzbetreuern aus den Häusern der Stiftung auch Angehörige gehören.
In würdevoller und ruhiger Atmosphäre Abschied nehmen das ermöglicht der eigens dafür eingerichtete Abschiedsraum
im Altenpflegeheim Riebeckpark.
Zuwendung,
Entspannung, Kosmetik
Wannenrituale tragen zum Wohlfühlen bei
Dass es sich zu einer solchen Erfolgsgeschichte entwickeln
würde, damit hat wohl selbst Victoria Réthy nicht gerechnet, und eigentlich ist die Entdeckung des Effekts ein schöner Zufall, den nun keiner mehr missen möchte: Viermal
wöchentlich ist in den Hausgemeinschaften für Menschen
mit Demenz für eine Stunde Entspannung in der Badewanne angesagt. »Es begann vor zwei Jahren, als ich einer
bettlägerigen Bewohnerin etwas Gutes tun wollte.« Mittlerweile hat es sich zu einem beliebten Ritual für mehrere Bewohner entwickelt. Auch kann zusätzlich eine Physiotherapeutin herangezogen werden, die die Körper durchbewegt :
»Im Wasser lösen sich oft die Kontrakturen unserer Bewohner, und sie werden leichter beweglich.« Aufgrund der Unruhe, die demente Menschen oft verspüren, wirkt sich die
Maßnahme gleich in dreifacher Hinsicht wohltuend aus: einerseits durch die empathische Zuwendung, und während
die Männer oft völlig entspannen, kommt bei den Damen
noch der Beauty-Effekt dazu, indem die Ergotherapeutin die
Seniorinnen mit einem Wellnessprogramm, Aromaölen und
Pflegekosmetika schön macht und beglückt.
Leitende Ergotherapeutin
Victoria Réthy ist erfreut
über den positiven Effekt
ihres Wellnessangebotes.
Ratgeber Lebensqualität 15
Nie wieder ohne ….
Für Sandra Hitzner (Foto) sind
ihre Ehrenamtlichen eine große
Unterstützung.
Haupt- und Ehrenamtliche des Wohnbereichs 6
pflegen »Kultur des Miteinanders«
»Die wollen wir nicht mehr hergeben«,
wiederholt Sandra Hitzner immer wieder, als sie nach den Ehrenamtlichen
auf ihrem Wohnbereich – dem Bereich 6 im Altenpflegeheim Riebeckpark – gefragt wird. Es sind drei an
der Zahl: Kerstin Reim, Marie Mäder
und Jane Wende. Sie kommen regelmäßig nachmittags, um den 15 Bewohnern
Gesellschaft zu leisten. Und da sind sie
mit Herzblut dabei. Für das Pflegepersonal, das neben der umfangreichen pflegerischen Betreuung meist nicht ausreichend Zeit hat, mit den Seniorinnen und
Senioren Spiele zu spielen, Spazieren
oder Einkaufen zu gehen oder einfach
nur Gespräche zu führen, bedeutet das
eine immense Entlastung.
»Wir alle möchten die drei Kolleginnen
nicht missen. Ja Kolleginnen. Wir sind
hier nämlich ein richtig gutes Team, in
dem auch die Ehrenamtlichen nicht feh-
len dürfen. Das haben auch die
hauptamtlichen Mitarbeiter verinnerlicht. Klar wird Ehrenamt
oft abgestempelt, aber nicht auf
meinem Bereich. Das ist mir auch
ganz wichtig. Immerhin erfahren
wir durch die drei Frauen eine
große Unterstützung und das
völlig unentgeltlich«, bringt es
die 45-Jährige auf den Punkt.
Seit drei Jahren legt sie in ihrer Funktion, als Verantwortliche fürs Ehrenamt, großen
Wert auf das Wohlergehen und
die Zufriedenheit ihrer Ehrenamtlichen. Einmal im Monat gibt es beispielsweise eine Sprechstunde, bei der die drei
Frauen Probleme ansprechen und klären
können. Auch, dass die drei Freiwilligen
immer Kaffee und Kuchen bekommen,
ist für Sandra Hitzner selbstverständlich.
Eigens für die Ehrenamtlichen orga-
nisierte Kaffeenachmittage stehen außerdem auf dem Plan. Zukünftig sollen
sogar Ehrenamtliche anderer Wohnbereiche dazu eingeladen werden, um ein
Kennenlernen und einen Erfahrungsaustausch zu ermöglichen.
Eigener Nachwuchs im Blick
Arbeitskreis will Azubis fachlich stärken
Zu den sechs Auszubildenden der Paul-Riebeck-Stiftung im
Akazienhof kommen jährlich auch Praktikanten, die ihre
ersten Erfahrungen in der Altenpflege machen. Damit sie
alle die besten Bedingungen erhalten, gibt es in jedem Haus
einen Praxisanleiter für alle Belange der jüngsten Kollegen.
Im Altenpflegeheim Akazienhof ist das Alexander Witt, auf
dessen Impuls nun ein Arbeitskreis Praxisanleitung Ausbildung ins Leben gerufen wurde. Das Ziel des Arbeitskreises,
dem Heim-, Pflegedienst- und Wohnbereichsleiter ebenso angehören wie die Praxisanleiter selbst, erklärt Alexander Witt
so: »Natürlich lässt sich mancher Ausbildungsinhalt prima in
den Arbeitsalltag einflechten, trotzdem brauchen die jungen
Leute unsere besondere Aufmerksamkeit und gezielte Anleitung. Sie sollen hier bewusste Altenpflege erlernen, also wissen und erklären können, warum sie etwas tun – oder etwas
anderes eben nicht. Wollen wir unseren eigenen Fachkräftenachwuchs fachlich und persönlich stark machen, muss dieses Lehren und Lernen auf breite Schultern verteilt werden.
Dafür soll der Arbeitskreis sensibilisieren. Wir fragen uns also:
»Wie läuft es gegenwärtig, wo wollen wir hin, wo können wir
besser werden?« Wie können Nachwuchsfachkräfte noch besser unterstützt werden?
Das diskutiert der Arbeitskreis Praxisanleitung Ausbildung.
16 Reingeschaut
Großer Auftritt mit viel Wirkung für Bewohner
und Klienten der Paul-Riebeck-Stiftung.
Kontakt und Bestätigung
Kooperation zwischen Akazienhof und Röpziger Straße ist großer Erfolg
Immer wichtiger werden in der PaulRiebeck-Stiftung interne Kooperationen, stärken sie doch den Kontakt
und Zusammenhalt untereinander, erzielen positive Effekte in beide Richtungen. Von einer besonders effektiven
Kooperation weiß Victoria Réthy, Ergotherapeutin in den Hausgemeinschaften für Menschen mit Demenz zu berichten: Seit Anfang 2014 besteht eine
solche mit Klienten der Tagesförderung
der Tagesstätte für Menschen mit see-
lischen Behinderungen in der Röpziger
Straße. Fünfmal im Jahr kommen die
»Röpziger«, um im Bereich »Hallmarkt«
die Bühne für die Bewohner der Hausgemeinschaften zu betreten. Geboten
werden Gedichte und Lieder vom Kanon bis zur Einzeldarbietung, die zuvor mit Ergotherapeutin Katja Bombis eingeübt wurden. Der beiderseitige
Effekt ist gewaltig, so Victoria Réthy:
»Anfänglich scheu, blühen die Klienten
der Tagesstätte regelrecht auf, öffnen
sich, und unsere Bewohner haben eine
prächtige Unterhaltung, sprechen auf
die Stücke an.« Was des einen Selbstbewusstsein stärkt, öffnet beim anderen
den Erinnerungs-Kanal. Der nächste
Auftritt findet am 8. Juli statt. Eine Erfolgsgeschichte, die bereits eine Fortsetzung in einem gemeinsamen »Tanzcafé« findet, dort treffen sich monatlich
Bewohner des Pflegeheims Akazienhof
und der Hausgemeinschaften für Menschen mit Demenz.
Neues Gesicht im Altenpflegeheim Riebeckpark
Angelika Mickley übernimmt Heimleitung im Schloss von Halle (Saale)
Seit dem 1. Dezember 2014 kümmert sich Angelika Mickley als Heimleiterin um die Angelegenheiten des Altenpflegeheims Riebeckpark, der Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz und der Tagespflege Riebeckpark. Die
studierte Sozialarbeiterin ist in Rostock geboren und seit
zehn Jahren im Saalekreis zuhause. Vor ihrer neuen Aufgabe arbeitete sie als Bereichsleiterin Verwaltung bei der
Caritas in Halle (Saale). »Zeit zum Lesen« bat die 41-jährige
Mutter von drei Kindern, sich vorzustellen:
Ich bin dynamisch und schnell im Denken. Allerdings nicht
besonders spontan. Eher ein »ja, aber-Mensch«. Das ist nicht
immer einfach für mein Gegenüber.
Reingeschaut 17
Von Spaziergängen und einem echten Borschtsch
Junge Russinnen engagieren sich in der Paul-Riebeck-Stiftung
Es ist eine Erfolgsgeschichte, von der Diana Krannich berichten kann, und sie geht durch alle Generationen und
Berufsstände. Auch sind erfreulich viele junge Menschen
im Einsatz: Mit Stand Mai 2015 arbeiten insgesamt 125 Ehrenamtliche in der Paul-Riebeck-Stiftung, dazu kommen
weitere 50 Helfer aus dem Projekt »Nachbarschaft.Leben«.
Mit dabei sind Maria Kurday, die aus Kaliningrad stammt,
und Diana Baichurina, die aus Kasan, der Hauptstadt der
russischen Teilrepublik Tatarstan an der Wolga, nach Halle
kam. Seit September 2014 sind die beiden jungen Russinnen in Deutschland und absolvieren am Studienkolleg der
Martin-Luther-Universität ein studienvorbereitendes Jahr.
In ihrer freien Zeit besuchen sie Bewohner der Stiftung, die
russische Muttersprachler sind und nicht oder kaum die
deutsche Sprache nutzen, singen und spielen, kochen, sehen
sich russische Filme in Originalsprache an. »Die Bewohner
freuen sich über diese Möglichkeiten sehr, für manche ist
es zudem die einzige Verständigungsmöglichkeit«, so Diana
Krannich. Je einmal wöchentlich, am Freitag im Akazienhof, am Sonnabend in der Röpziger Straße, sind die beiden
jungen Frauen ehrenamtlich in der Paul-Riebeck-Stiftung
im Einsatz. Nach der Studienvorbereitung möchten sie in
Halle Betriebswirtschaft studieren. »Das ehrenamtliche Engagement macht mir viel Spaß, weil ich meinen Landsleuten
helfen kann«, erläutert Diana Baichurina ihre Beweggründe,
und sie fühlt, »dass meine und Mashas [d. i. Maria Kurday]
ehrenamtliche Arbeit große Bedeutung und Einfluss haben.«
Zu Viktor Smorgun etwa, der im Altenpflegeheim Akazienhof lebt, haben sie sofort einen guten Draht gehabt. Außerdem betreuen sie zwei Bewohnerinnen, gehen mit ihnen
spazieren, spielen Gitarre. Einmal haben sie sogar, freut sich
Masha, einen echten Borschtsch gekocht.
Eine Geschichte, die sich absolut in das einfügt, wovon die
Koordinatorin Ehrenamt spricht. Neben den deutschen Eh-
Ich mag Katzen. Bei mir Zuhause wohnen zwei davon –
unser Senior Kater August und unsere Teenie Katze Miezi.
Ich bin beeindruckt von dem, was meine Mitarbeiter jeden
Tag leisten. Sie gehen einer sehr anspruchsvollen Tätigkeit
nach und kommen sicher oft an ihre körperlichen und psychischen Grenzen.
Ich mag es nicht, wenn Menschen mit Desinteresse an ihre
tägliche Arbeit gehen. Sie ist Teil des Lebens und sollte
nicht nur zum Geldverdienen da sein.
Mein Ziel ist es, die Einrichtungen im Riebeckpark gut und
erfolgreich zu führen. Meine Mitarbeiter sollen gerne zur
Arbeit kommen, und der Riebeckpark soll in der Stadt Halle
(Saale) wieder als der Ort geschätzt werden, der er ist.
Ich stehe jeden Tag gerne auf, weil meine Kinder mich immer pünktlich wecken, ich meine Arbeit mag und Freude an
einer sinnvollen Tätigkeit wie der meinen habe.
renamtlichen gibt es in der Stiftung Freiwillige aus vielen
weiteren Ländern: Lettland, Weißrussland und Usbekistan
finden sich darunter. Eine Zeitlang leistete auch ein Spanier
freiwillige Stunden in der Einrichtung, und soeben hat Diana Krannich mit einer Frau aus dem Iran Einsatzmöglichkeiten besprochen …
Voller Engagement dabei:
Russinnen kümmern sich um Landsleute.
18 Reingeschaut
Ist Halle (Saale) rollstuhlgerecht? Via Wheelmapping
wird das getestet und ausgezeichnet.
Wheelmapping: Auf dem Weg zur Barrierefreiheit
Bewohner des Förderwohnheims nehmen Halle (Saale) unter die Lupe
Wheelmapping bedeutet, rollstuhlgerechte Orte zu finden und diese in einer Karte, der Wheelmap, zu markieren. Die Karte zeigt im Ampelsystem an, welcher Ort rollstuhlgerecht (grün), eingeschränkt rollstuhlgerecht (gelb)
oder gar nicht rollstuhlgerecht (rot) ist. Jeder kann sich an
dem Projekt beteiligen und selbstständig öffentliche Orte,
dazu zählen auch Cafés, Restaurants, Behörden, Vereinsräume, Wahllokale oder Geschäfte, in der Wheelmap hinterlegen. Ganz einfach unter www.wheelmap.org. Gemeinsam
mit der Arbeitsgruppe »Ehrenamt barrierefrei« der Freiwilligen Agentur Halle-Saalkreis e.V. sind auch Bewohner des
Förderwohnheims für Menschen mit geistiger Behinderung
regelmäßig unterwegs und testen die unmittelbaren Wege,
Geschäfte oder Arztpraxen im Umfeld der Paul-RiebeckStiftung. Auch das Kauflandcenter in der Südstadt und das
Neustadt-Center haben sie schon unter die Lupe genom-
men. Das Ergebnis: Vor allem Supermärkte und Cafés sind
gut ausgestattet. Mangelhaft schneiden eher Apotheken und
Arztpraxen ab. Die befinden sich meist in denkmalgeschützten Altbauten. Das macht eine bauliche, barrierefreie Veränderung kaum möglich. Der Weitblick, sich mobile Rampen
oder ähnliches auszuleihen, fehlt oftmals. »Gerne stehen wir
dann den Besitzern nicht rollstuhlgerechter Einrichtungen
beratend zur Seite. Unter anderem geben wir ihnen Tipps,
zum Beispiel, dass sie sich bei der Freiwilligen Agentur solche mobilen Rampen ausleihen können«, verrät Silke Waßewitz, leitende Ergotherapeutin im Förderwohnheim. Übrigens: Einmal im Monat findet eine Wheelmapping-Aktion
unter Leitung der Freiwilligen-Agentur statt. Interessierte
mit und ohne Rollstuhl sind eingeladen, sich zu beteiligen.
Nähere Informationen gibt es unter (0345) 200 28 10.
Reingeschaut 19
Handarbeit, Fingerspitzengefühl und Geselligkeit
Ergotherapeutische Angebote stärken das Miteinander
Faschingsgirlanden basteln, Obstsalat
zubereiten oder Ostereier bemalen jeden Monat entwickeln die Ergotherapeuten des Altenpflegeheims Riebeckpark neue Ideen für Aktionen, an
denen sich möglichst alle Bewohner
eines Wohnbereichs beteiligen können.
Wichtig dabei: die enge Zusammenarbeit mit den zusätzlichen Betreuungskräften, um sich über geplante Angebote und Aktivitäten abzustimmen.
Arbeiten Hand in Hand ist die Devise,
denn besonders aufwendige Aktionen
brauchen jede helfende Hand. Bisher
ein voller Erfolg. Die Bewohner eines
Wohnbereiches, meistens etwa 25 Personen, kommen im Aufenthaltsbereich
zusammen. An einer großen Tafel wird
dann gemalt, geklebt, ausgeschnitten,
geschnippelt oder einfach nur das Treiben beobachtet. Nebenbei läuft Musik,
und erfrischende Getränke sorgen für
das leibliche Wohl. Und warum dieser
Einsatz? Ergotherapeutin Franziska
Schmidtke erklärt das so: »Uns geht es
zum einen um die Interaktion der Bewohner. Sie knüpfen Kontakte, unterhalten sich, hören zu und lachen miteinander. Zum anderen trainieren die
Seniorinnen und Senioren ihre Feinmotorik. Aber auch Biografiearbeit
wird geleistet. Solche kleinen Tätigkeiten regen sie an, sich an Geschichten
aus der Vergangenheit zu erinnern.«
Natürlich ist auch ein weiterer positiver Nebeneffekt zu beobachten. Voller Freude und Stolz präsentieren die
Bewohner die Ergebnisse ihrer Arbeit –
jedes Mal. Diese Aktionen, die jeden
Tag auf einem anderen Wohnbereich
durchgeführt werden, bescheren also
wahre Glücksmomente.
Mit Fingerspitzengefühl
entstehen oft die schönsten Arbeiten.
Mehr Sicherheit und Lebensqualität
Paul-Riebeck-Stiftung investiert mehrere Millionen in Baumaßnahmen
Für mehr Sicherheit ihrer Mieter und
Bewohner investiert die Paul-RiebeckStiftung rund eine Million Euro in
die Brandschutzertüchtigung des Altenpflegeheims Riebeckpark. Das betrifft vor allem die Treppenhäuser und
Mietwohnungen im Dachgeschoss des
denkmalgeschützten Gebäudes. Zu Beginn der auf circa fünf Jahre angelegten Ertüchtigung wird eine moderne
Brandmeldeanlage im gesamten Gebäude eingebaut, die bei Brandentstehung und Rauchentwicklung sofort
und selbständig die zuständige Feuer-
wehr benachrichtigt. Weitere Maßnahmen folgen in den kommenden Jahren. Besondere Herausforderung dabei
ist es, den denkmalgeschützten Altbestand zu bewahren. Keine einfache
Angelegenheit, doch erste Ideen werden bereits geprüft. »Beeinträchtigungen für Bewohner und Mieter werden
gering gehalten«, verspricht Haustechnikleiter Torsten Ludwig und ergänzt:
»Bevor die Ertüchtigungsmaßnahmen
beginnen, informieren wir die Mieter
rechtzeitig über die Dauer und mögliche Einschränkungen.« Auf erhöhte Le-
»Cook and Chill« – neues Konzept soll 2016 seine Umsetzung finden.
bensqualität ihrer Bewohner setzt die
Paul-Riebeck-Stiftung mit dem Umbau
ihrer Küche. Sie versorgt alle Häuser
der Stiftung täglich mit 650 Portionen.
Dieses Alleinstellungsmerkmal möchte
die Paul-Riebeck-Stiftung aufrechterhalten, aber optimieren. Das neue
Konzept dafür heißt »Cook and Chill«,
das übersetzt bedeutet »Kochen und
Kühlen«. Der Vorteil ist, dass das Essen nicht zerkocht wird und damit einen hohen Frischegehalt behält. Funktionieren soll es so: Die Küche bereitet
das Essen vor, kocht es aber nicht fertig.
Das übernimmt dann ein spezielles Gerät direkt auf den Wohnbereichen. Wie
die Umsetzung der Küchenoptimierung
letztlich genau erfolgen soll, wird in
diesem Jahr entschieden. Derzeit werden mehrere Möglichkeiten – vom Küchenneu- bis Küchenumbau – auf Effizienz, Logistik und Kosten geprüft.
Ziel ist es, im nächsten Jahr mit der
Baumaßnahme zu beginnen. Je nachdem, welche Variante umgesetzt wird,
kommt auf die Paul-Riebeck-Stiftung
eine Investitionssumme von rund zwei
bis vier Millionen Euro zu.
20 Kunst
& Kultur
Mit Moliére in Leipzig
Auftritt der »Hofnarren« in der naTo
Gelungene Vorstellung: Die Hofnarren mit
"Das eingebildete Kranke"
Am 9. Februar ging es auf Tournee in die große Nachbarstadt: »Die Hoffnarren«, die Theatertruppe des Förderwohnheims für Menschen mit geistigen Behinderungen, traten
mit ihrer Moliére-Adaption »Das eingebildete Kranke« in
der Leipziger Südvorstadt in der naTo auf.
Der Kult-Club, an der Kiezmeile des Quartiers, der KarlLiebknecht-Straße, gelegen, empfing das Ensemble herzlich,
die Akteure fanden sowohl beste Bedingungen als auch ein
überaus interessiertes Publikum vor, wie Regisseur Larsen
Sechert zu berichten weiß. Zugleich war es vor gut gefüll-
tem Haus die Abschiedsvorstellung Eberhard Friedrichs, des
Initiators und langjährigen Betreuers der Truppe. Nach einer
Videoeinspielung eines Leipziger Ensembles waren die Hallenser an der Reihe und kamen mit ihrem beherzten Spiel
so gut an, dass sich der eigentlichen Aktion noch eine Gesprächsrunde mit dem Publikum anschloss und es sogar zu
begeisterten Hutspenden kam. Im Mai werden die »Hofnarren« in einer kleinen Inszenierung im Puschkino zu sehen
sein, an den Plänen für ein neues großes Stück wird bereits
gearbeitet.
Klassik in der Kapelle
Konzerte im Riebeckpark sind äußerst beliebt
Mehrere Jahre läuft sie schon, die Klassikreihe in der Kapelle des Riebeckparks. Initiiert vom ErgotherapeutenTeam um Petra Streine in der Bugenhagenstraße 20, findet
viermal im Jahr ein Konzert statt, wobei sowohl Gesangsals auch Instrumentalwerke aufgeführt werden. Ausgewählt werden die Interpreten von Herrn Döring vom halleschen Opernhaus – die angebotene Musik ist dabei stets
eine Überraschung. So konnte man schon russische Tenöre
im Riebeckpark erleben, und die hauseigene Orgel wird gern
in die Aufführungen einbezogen. »Die Reihe ist von Anfang an sehr beliebt!«, freut sich Ergotherapeutin Franziska
Schmidtke. Nach dem Auftakt am 23. April sind als weitere
Termine der Saison der 18.6., der 27.8. und der 19.11. anvisiert. Die Veranstaltungen sind für Bewohner, Mieter und
Gäste frei zugänglich, sie dauern etwa eine Stunde und beginnen jeweils um 15.30 Uhr.
Die historische Kapelle bietet bestes Konzertambiente.
Kunst
Mit dem Frühling kommt
die Erinnerung
In Gedenken an Rudolf Glaschke
Rudolf Glaschke war ein geselliger Bewohner der Hausgemeinschaften für Menschen mit Demenz. Die große Leidenschaft des 2010 Verstorbenen galt der Poesie.
Er dichtete sogar selbst und hatte keine Scheu, seine Werke
vor Publikum bei Festen und Feiern vorzutragen. Für seine
Mitbewohner und die Stiftungsmitarbeiter war das immer ein
besonderes Erlebnis. Seit seinem Tod erinnert Carola Strauch,
zusätzliche Betreuungskraft, jedes Jahr im Frühling an den
Hobbypoeten – mit dem Aushang eines seiner zauberhaften
Gedichte, das da lautet:
& Kultur
it seinen Düften
Der Frühling zieht m
en ein.
auch in unsere Herz
rn in den Lüften,
Die Vöglein zwitsche
nnenschein.
nun endlich wieder So
Miniröckchen
Da sieht man Beine,
rglöckchen.
und auch gelbe Oste
r uns entzückt
Der Frühling ist´s, de
u beglückt.
und alle Menschen ne
alle Gassen,
Und so zieht durch
Natur,
mit dem Frühling die
den Händen fassen
die Pärchen sich an
an Amour.
und denken nur noch
h und heißt Liebe.
Amour ist französisc
und
ling heut entzücken
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Fr
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ll
so
So
glücken.
alle Menschen neu be
Rudolf Glaschke
Termine
& Veranstaltungen
Altenpflegeheim Akazienhof,
Beesener Straße 15
Altenpflegeheim Riebeckpark,
Kantstraße 1
Hausgemeinschaften für Menschen
mit Demenz, Beesener Straße 15
11. Juli
18. Juni Klassik in der Kapelle,
15.00 Uhr,
historische Kapelle
25. Juli Sommerfest
14.00 Uhr
27. August Klassik in der Kapelle,
15.00 Uhr,
historische Kapelle
8. August Sommerfest
15.00 Uhr
Sommerfest
14.30 Uhr
Altenpflegeheim
Haus der Generationen,
Franckeplatz 1, Haus 20
1. August Sommerfest
15.30 Uhr
Förderwohnheim für Menschen
mit geistiger Behinderung,
Beesener Straße 15
27. Juni
Sommerfest,
15.00 Uhr
Die nächste Ausgabe der »Zeit zum Lesen« erscheint im November 2015.
21
Zeit zum Rätseln – Gewinne winken
Hauptstadt
von
Aargau
Zimmerpflanze
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ungereinigte
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Vorarbeiter
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Bau
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Kletterpflanze
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Tropenbaum
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12
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16
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18
19
auf geht´s, greifen Sie zum Stift! Bei der
Lösung unseres Rätsels wünschen wir
Ihnen wie immer viel Freude.
Finden Sie auch diesmal das richtige
Lösungswort und senden Sie dieses an
Frau Primpke, Büro des Vorstandes, Beesener Straße 15.
Unter allen richtigen Einsendungen verlosen wir drei Gutscheine im Wert von
je zehn Euro.
Die Gewinner der letzten Ausgabe von
»Zeit zum Lesen« sind:
Cathleen Gauk (PW 1 OG)
Walli Maul (HG Demenz)
Hannelore Wermter
Bugenhagenstr. 19/20
Lösung: »Alt werden wir spaeter!?«
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Paul-Riebeck-Stiftung zu Halle an der Saale
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• Altenpflegeheime im Akazienhof
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• Hausgemeinschaften für Menschen mit Demenz
• Altenpflegeheim im Haus der Generationen
in den Franckeschen Stiftungen zu Halle
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•Kurzzeitpflege
•Begegnungsstätte
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für Menschen mit Demenz
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