evangelisch-lutherische dom-gemeinde vikarin johanna levetzow

EVANGELISCH-LUTHERISCHE DOM-GEMEINDE
VIKARIN JOHANNA LEVETZOW
Meditation zur Osternacht, am 04. April 2015
Dies ist die Nacht. Und dies ist der Tag.
Dies ist der Morgen. Dies ist der Tag, den der Herr macht.
Die Angst unterbricht ihren Lauf. Die Mutlosigkeit unterbricht ihren Lauf. Die Tränen
unterbrechen ihr Fließen. Der Geier unterbricht seinen Flug. Der Lärm unterbricht
sein Wüten. Die Sorge unterbricht ihr Pochen. Die Dunkelheit unterbricht ihr Wabern.
Das eifrige Licht fließt hervor. Sogar die Gespenster nehmen einen Schluck Licht.
Unsere Gespenster. Pfeifend und schaurig. Und das Licht kommt zu Tage.
Schimmernd und hell. Alles beginnt sich umzublicken. Wir gehen in der Sonne zu
Hunderten. Jeder Mensch eine halboffene Tür, die in ein Zimmer für alle führt.1 Das
Licht fließt hervor. Golden und glänzend. Wie von einer anderen Welt. Der schönste
Anfang von allen.
Dies ist die Nacht. Und dies ist der Tag. Dies ist der Tag, den der Herr macht.
Vor ein paar Minuten noch war absolute Dunkelheit um uns. Und nun, nun ist eine
jede und ein jeder von uns beschienen von einem Licht. Ein kleines in der Hand. Und
ein großes von der Osterkerze. Die Dunkelheit ist gewichen. Das Licht strahlt hell.
Ein österliches Freudenfeuer. Ein Osterfeuer. Die Kerzen des Osterlichtes, sie
verbrennen unsere Angst, sie verbrennen unsere Sorgen. Die Flamme, sie wärmt
unsere Herzen. Sie wärmt unsere Herzen und befeuert unsere Hoffnung.
Endlich, das Licht, der Morgen, ein neuer Anfang.
Einer ist vorausgegangen in diesen Morgen. Einer hat den Pfad ausgetreten. Einer
hat den Weg bereitet. Seine Fußstapfen sind ganz frisch in dieser Nacht. In dieser
Nacht, in der der Glanz des neuen Morgens blitzt.
Aus dem Dunkel in das Licht. Aus dem Trott in die Freiheit. Aus dem Streit in die
Versöhnung. Aus dem Tod in das Leben. Hinaus aus den Gräbern. Aufstehen mitten
1
Der halbfertige Himmel, Tomas Tranströmer.
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am Tage. Wir stehen im Morgen. Allesamt. Mit unserem Licht in der Hand. Mit dem
großen Licht vor Augen.
Gottes Schein leuchtet auf.
Es bricht ein Stein. Ein Tanz setzt ein.2 Erstanden ist Christus!
Er ist vorausgegangen. Der schönste Anfang von allen.
Das Leben feiern. Hier und jetzt. Ich hab noch was vor, der Himmel soll warten.3
Und was das alles wäre? Was alles noch aus steht bei uns. Und in der Welt, in der
wir leben.
Ostern! Alles erwarten können und dürfen. Ostern! Dem Tod ins Gesicht lachen.
Heute! Hier und jetzt. Dies ist der Tag, den der Herr macht.
Und dies ist die Nacht. Dies ist auch die Nacht, in der Linda, Julika und Jasper
getauft werden.
Eine besondere Nacht der Begegnung mit Gott. Ihr werdet getauft. Eure Taufe heißt:
Ihr gehört dazu. Ihr gehört zu Christus. Zu dem, der vorausgegangen ist in den
neuen Morgen. Wer getauft wird, der wird gesegnet: Segen ist Kraft von Gott. Sie
verbindet Euch mit ihm in allen Höhen und Tiefen. Wenn Ihr im Licht steht oder im
Dunkeln. Trotz allem, was manchmal dagegen sprechen mag. Gott ist Euer Licht! Nie
verlischt es, nie geht es aus. Gott segnet Euch und macht Euch zum Segen und zum
Licht für die Welt.
Die Flammen der Osterkerze und Eurer Taufkerzen speisen sich aus dem gleichen
Licht.
Dieses Licht leuchtet für Euch heute besonders und für uns alle.
Dies ist der Tag. Die ist der Tag, den der Herr macht. Amen.
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Jörg Zink.
Sido.
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