2015-04-29 Aufruf KH 05 - DLR - in Rheinland

DIENSTLEISTUNGSZENTRUM LÄNDLICHER RAUM
Rheinhessen-Nahe-Hunsrück
Dienstort Bad Kreuznach
REBSCHUTZDIENST
Rüdesheimerstraße 68
55545 Bad Kreuznach
Telefon / Zentrale: 0671/820-0
TONBANDANSAGE Rebschutz: 820-303
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820-315 (Rebschutz)
oder Dienststelle Oppenheim (06133 / 930-167, -169 od. -184; Zentrale 930-0)
– Mitteilung 5/2015 für NAHE - MITTELRHEIN -
den 29. April 2015
Vermutlich gibt es einzelne Ausnahmen, aber insgesamt dürfte es gutgegangen sein! Viele werden gestern mit
Sorgen die Temperaturprognosen für den heutigen Morgen beobachtet haben und sind heute mit gespannter
Erwartung aufgestanden - falls sie denn überhaupt ruhig schlafen konnten.
Nachfolgend die Minimaltemperaturen in 2 m Höhe (Werte in Klammern = 20 cm Höhe), die auf den meisten Standorten zwischen 5:30 und 6:30 erreicht wurden. Zum Vergleich auch die Minimaltemperaturen bei den beiden
Frostereignissen um bzw. nach dem Austrieb (17.4. bzw. 4.5.) im letzten Jahr, in dem es in einigen als Kaltluftlöchern bekannten Flächen z.T. zu beträchtlichen Schäden kam. Außerdem zum Vergleich die Temperaturen vom 4.
Mai 2011, als auch an der Nahe in einigen Gemeinden größere Schäden und in Teilen Rheinhessens und der Pfalz
großräumige Schäden zu verzeichnen waren.
Min.
29.4.2015
4.5.2014
17.4.2014
4.5.2011
Meddersh.
-0,6 (-1,0)
-1,0 (-2,1)
-2,1 (-3,2)
-1,5 (-3,1)
Bad Kh
Bacharach
-0,1 (-0,9) -0,2 (-0,7)
+0,6 (+0,4) +0,8 (+0,3)
+1,1 (-0,1) +0,3 (-0,6)
-0,9 (-1,3) 0,0 (-1,3)
Bi.-Gaulsh. Sprendlingen
-0,1 (-1,2)
+0,4 (-1,6)
+1,6 (-0,2)
-0,6 (-1,8)
-1,4 (-2,4)
-1,2 (-2,2)
-0,3 (-1,5)
- 0,3 (-1,5)
Boppard
+0,6 (+0,5)
+1,8 (+1,8)
+1,2 (+1,1)
+1,1 (+1,2)
Kältester Standort in den Weinbauregionen in Rheinland-Pfalz war heute Morgen Gau-Algesheim mit -2,5 (-2,8) °C.
Hier ist von Schäden auszugehen, falls der Standort der Station repräsentativ für umliegende Rebflächen ist.
Wir haben bisher noch keine konkreten Informationen über Schäden in unserem Dienstbezirk vorliegen. Demnach
kann nicht viel passiert sein!
Sehr willkommen waren die Niederschläge zwischen Samstag und Montag. Auf den oben genannten Standorten
fielen zwischen 12,6 (Sprendlingen) und 26,0 mm (Medddersheim)
Der Austrieb in unserer Referenzfläche Rieslingkahlenberg war am 25. April zu verzeichnen und lag damit 3 Tage
früher als im Mittel seit 1990 und 8 Tage früher als im Mittel der sechziger bis achtziger Jahre. Während am letzten
Wochenende temperaturbedingt noch eine zügige Entwicklung zu beobachten war, geht es derzeit etwas langsamer. Auf den spätesten Standorten ist mit dem Austrieb erst zu Beginn kommender Woche zu rechnen. Die am
weitesten entwickelten Anlagen liegen beim Riesling in etwa im 3-Blattstadium, auf den frühesten Standorten am
Mittelrhein sogar darüber hinaus. Bei früh austreibenden Sorten wie zum Beispiel Chardonnay ist verbreitet das
Dreiblattstadium erreicht.
Von punktuellen Ausnahmen abgesehen scheinen sich die Fraßschäden des letzten Jahres nicht wiederholt zu
haben. Insgesamt wirkt der Austrieb relativ gleichmäßig und vollständig.
Bis Anfang kommender Woche bleibt es nach derzeitiger Prognose kühl und insbesondere der Samstagmorgen
könnte erneut sehr frisch werden. Im Moment sieht es jedoch nicht danach aus, dass wir nochmals in den Frostbereich kommen könnten.
Zum Wochenbeginn ist wieder mit jahreszeitgemäßen Temperaturmaxima um 20° zu rechnen. Bis dahin sieht es
nach einem für den Monat April charakteristischen Wolken-Sonne-Regenmix zu rechnen. Da es sich vermutlich
nicht um Landregen, sondern um schauerartige lokal begrenzte Niederschläge handelt, ist die zu erwartende Niederschlagssumme unkalkulierbar und wird vermutlich erheblichen Schwankungen unterliegen.
Hinweis für Pheromonanwender:
In der zweiten Hälfte letzter Woche waren die ersten Fänger in den Mottenfallen zu verzeichnen. Das Temperatursummenmodell als Prognose für den beginnenden Flug
hat also wieder recht gut zugetroffen.
Pro 30 Hektar Pheromonfläche muss laut Förderrichtlinie
ein Pheromonfallensatz aufgehängt und mindestens einmal pro Woche kontrolliert werden. Die Kontrollergebnisse
sind schriftlich zu dokumentieren.
Knospenschädlinge:
Da im Moment die Weiterentwicklung der Vegetation nur
zögerlich verläuft, muss man die in der Entwicklung noch
zurückhängenden Anlagen noch bis in die nächste Woche
im Auge behalten. Insbesondere im Falle eines Auftretens
von Erdraupen kann es dort noch zu Schäden kommen. In
Anlagen, in denen eine sichtbare Blattentwicklung bereits
eingesetzt hat, kann zwar auch noch Fraß auftreten, die
damit einhergehenden Schäden sind dann allerdings nur
noch gering.
Bei einsetzenden Fraßschäden ist eine Bekämpfung mit
Steward (0,05 kg/ha), Mimic (0,2 l/ha), oder Spintor (0,04
l/ha; Achtung: bienengefährlich!) sinnvoll. Die Zulassung
des Produkts Mimic wurde auf die Indikation Erdraupen
(Eulen) erweitert.
Ruten, Stammkopf und Schenkel sind tropfnass zu sprit-
zen. Die Wirkung wird durch warme Temperaturen begünstigt.
Bei lediglich herdweisem Auftreten kann auch ein Einsammeln effektive Wirkung zeigen, was allerdings im Falle
von Erdraupen in der Dämmerung oder am frühen Morgen
erfolgen muss, da sich die Larven tagsüber in ihren Verstecken an bzw. dicht unter der Bodenoberfläche aufhalten.
Kräuselmilben und Blattgallmilben:
Nach dem Austrieb dürfen Mischungen aus Öl und Netzschwefel wegen Verbrennungsgefahr nicht mehr ausgebracht werden. Eine Behandlung letztjährig stark betroffene Anlagen mit dieser Kombination sollte mittlerweile
erfolgt sein.
Wo dies nicht der Fall ist und der Austrieb erfolgt oder im
Gange ist, sollte möglichst frühzeitig ein Netzschwefeleinsatz (je 3,6 kg/ha) durchgeführt werden. Je länger man
damit wartet, desto bescheidener werden die Erfolge.
Starke Probleme mit Schadmilben deuten immer auf einen
unzureichenden Besatz mit Raubmilben hin. Nutzen Sie
die Möglichkeit der Ansiedlung mit Raubmilben. Dies ist
zum Beispiel möglich, indem in älteren Anlagen ausgebrochene Wasserschosse an die Bogreben der zumeist
betroffenen jüngeren Ertragsanlagen gehängt werden.
Obstbaumspinnmilbe:
Nach dem Austrieb können bei stärkerem Befall die
Akarizide Apollo (0,12 l/ha), Kiron (0,6 l/ha), Masai (0,1
l/ha) oder Ordoval (0,16 g/ha) eingesetzt werden. Achten
Sie in den nächsten Wochen auf löffelartig nach oben
gekrümmte Blätter, häufig auch leicht vergilbt bzw. mit
schwachen Berostungen insbesondere im Bereich des
Blattrands.
Springwurm:
Vermeintliche Heuwürmer des Einbindigen Wicklers haben sich in den letzten Jahren häufig oft als Springwürmer erwiesen. Beide haben eine schwarze Kopfkapsel.
Springwurmgespinste sind jedoch meist deutlich größer
und umfassen die zentrale Achse des Gescheins, während Heuwürmer meist nur Seitenäste des Gescheins
einspinnen. Springwürmer sind auch etwas größer und in
der Bewegung wesentlich agiler, wenn sie gestört werden.
Auch wenn wirtschaftliche Schäden sehr selten waren,
sollte man die Entwicklung im Auge behalten. Achten Sie
in nächster Zeit auf versponnene Triebspitzen, Lochfraß
an den Blättchen und schwarze Kotreste. Achtung: die
Larven sind vorläufig noch sehr klein! Eine Bekämpfung
zeigt nur dann gute Wirkung, solange sich die Larven
noch nicht unter ein schützendes Blätterdach eingesponnen haben. Eine recht gute Wirksamkeit der einsetzbaren
Insektizide ist zwischen 2-Blatt und 5-Blattstadium zu
erwarten. Danach fällt die Wirkung deutlich ab, da sich
zunehmend mehr Würmer in Blattgespinste befinden und
dadurch nur noch schwer erreichbar sind.
Die Schadensschwelle liegt bei 5 Larven pro Rebstock.
Eingesetzt werden können Mimic (0,2 l/ha), SpinTor (0,04
l/ha, Achtung: bienengefährlich!) oder Steward (0,05
kg/ha).
Phomopsis:
Sonderbehandlungen vor dem Einsetzen der obligatorischen Peronospora- und Oidiumbekämpfung sind nur in
Anlagen erwägenswert, die merklichen Befall am Holz aus
dem Vorjahr aufweisen.
In solchen Anlagen sollte ab dem Austrieb unmittelbar vor
prognostizierten stärkeren bzw. länger anhaltenden Niederschlägen eine Applikation erfolgen. Nach der Niederschlagsphase am letzten Wochenende könnte es bei den
in den nächsten Tagen möglichen Niederschlägen zur
Sporenfreisung kommen. Bei sehr starkem Vorjahresbefall
ist daher jetzt der Einsatz eines Kontaktfungizids zu erwägen.
In Frage kommen z.B. Delan WG 0,3 kg/ha, Dithane Neo
Tec 0,8 kg/ha, Folpan 80 WDG 0,6 kg/ha, Polyram WG
0,8 kg/ha oder Tridex DG 0,8 kg/ha.
Oidium:
Achten Sie auf die typischen bräunlich-violetten
Oidiumflecken an den Bogreben.
Zwar geht von ihnen keine Infektionsgefahr aus, sie sind
aber ein Hinweis auf einen stärkeren Vorjahresbefall.
Somit ist bei entsprechenden Anlagen mit Knospeninfektionen oder hohem Kleistothecienbesatz zu rechnen. Hier sollte bei Entfaltung des 4. bis 5. Blattes eine
erste Behandlung mit Netzschwefel (3,6 kg/ha) durchgeführt werden.
Oidiumstrategie 2015: Nachdem es in den beiden letzten
Jahren hinsichtlich der Resistenzsituation bei den
Strobilurinen noch regionale Unterschiede gab, muss
mittlerweile von einer flächendeckenden Resistenz ausgegangen werden. In Anbetracht der derzeitigen Mittelsituation ist eine dem Antiresistenzmanagement gerecht
werdende Spritzfolge möglich, bei der auf Strobilurine
verzichtet wird. Absolut tabu ist deren Einsatz in der Phase der höchsten Anfälligkeit, des sogenannten
Oidiumfensters von der letzten Vorblütenbehandlung bis
zur ersten Nachblütenbehandlung. In Minimalschnittanlagen und im Fall einer verzettelten Blüte zählt auch die
zweite Nachblütenbehandlung noch dazu.
Allgemeine Grundsätze:
 Reine Azole (z.B. Topas, Systhane) nicht vor Traubenschluss verwenden. Aufgrund von Teilresistenz
sind beide Mittel bei hohem Befallsdruck nur für den
Schutz der Blätter ausreichend und sollten für die letzte oder maximal die beiden letzten Spritzungen der
Saison reserviert werden. Insbesondere bei der vorletzten Behandlung wäre in wenig gefährdeten Anlagen auch der einmalige Einsatz eines Strobilurins vertretbar. Beachten Sie, dass mehrere Mittel Azole als
Mischpartner enthalten! In Regionen mit Problemen
durch Schwarzfäule erweist sich dies als vorteilhaft, da
Azole auch die Schwarzfäule erfassen. Eine erwägenswerte Alternative insbesondere zum Azoleinsatz
bei den beiden letzten Behandlungen ist der Einsatz
von Bicarbonat (Vitisan, Kumar).
 Wirkstoffgruppen im Wechsel spritzen. Möglichst jede
einzelne Gruppe nicht mehr als 2x pro Jahr verwenden
(Ausnahme: Azole als Mischungspartner in Kombinationsprodukten)! Dabei mindestens eine Behandlung
mit einer anderen Wirkstoffgruppe dazwischen legen.
 Unbedingt mit befallsfreien Flächen in die Blüte gehen.
Der kritischste Zeitraum der Anfälligkeit liegt zwischen
Blütebeginn und Hängen der Trauben!
 In der kritischsten Phase genießen die derzeit potentesten Wirkstoffe der SDHI-Gruppe (Fluopyram in Luna exp., Boscalid in Collis) eine besondere Präferenz.
Beide Produkte zusammen sollten nicht mehr als
zweimal und dann auch nicht direkt nacheinander eingesetzt werden. Falls SDHI-Wirkstoffe im Rahmen der
Oidiumbekämpfung zweimal eingesetzt werden, muss
dies bei der Botrytizidauswahl berücksichtigt werden.
Die Botrytizide Luna privilege (Fluopyram) und Cantus
(Boscalid) sollten dann nicht oder allenfalls gemeinsam mit dem SDHI-haltigen Oidiumfungizid eingesetzt
werden, damit in der Summe keine mehr als 2-malige,
äußerstenfalls 3-malige Anwendungshäufigkeit (mit
Unterbrechungen durch andere Wirkstoffgruppen!) gegeben ist.
 Insbesondere die bisher im Hinblick auf Resistenz
wenig bzw. unbelasteten und daher besonders wichtigen Wirkstoffgruppen J, K, L, R (s.u.) sollten nicht
durch „Verzweiflungsaktionen“ in befallenen Anlagen
verschlissen werden. Dies erhöht die Gefahr, dass sie
das Schicksal wie die Strobis erleiden. Der Einsatz



sollte daher konsequent vorbeugend erfolgen.
Für „Stop“-behandlungen steht derzeit kein organisches Fungizid zur Verfügung. Umso wichtiger ist der
konsequente vorbeugende Einsatz unter Beachtung
der erwähnten Bekämpfungsstrategie. Einer guten
Applikation und situationsangepassten Spritzabständen ist höchste Aufmerksamkeit zu schenken.
Bei einsetzendem Befall ist derzeit mit einer Mischung
aus Bicarbonat (Vitisan, Kumar) plus Netzschwefel am
ehesten ein Effekt zu erreichen. Die Behandlung sollte
nach 4-7 Tagen wiederholt werden. Eine intensive Benetzung mit erhöhtem Brüheaufwand muss gewährleistet sein. Bei trockener Hochdruckwetterlage ist die
Wirksamkeit besonders gut, die Anlagen sollten jedoch
nicht unter Wasserstress leiden, da dadurch Verbrennungen begünstigt werden. Bei der Verwendung von
Vitisan sollte ein Netzmittel wie z.B. PrevB2, ProFital
oder Cocana zugesetzt werden. Bei der Verwendung
von Kumar ist dies nicht notwendig.
typische Verteilung, Form und
Größe von Blattnekrosen
Nachfolgend nochmals die Wirkstoffgruppen:
Collis
Discus,
Flint,
Cabrio
Universalis
Systhane, Topas, Galileo
Luna exp.
Talendo
Talendo extra
Vento Power
Dynali
Vegas
Vivando
A = Strobilurine, G = Azole
Top,
A G J
x
x
K L
x
x
x
x
x
x
R
x
x
x
x
x
x
x
Sporulation auf Blattnekrose
(oft kreisförmig)
Schwarzfäule:
Mit unserer Fungizidstrategie haben wir in den letzten
Jahren den Deckel auf dem Topf gehalten. Die Situation
könnte jedoch wieder schnell eskalieren, wenn wir diesen
Deckel wegziehen. Beobachtungen an Hausreben und in
Drieschen zeigen, dass die Erkrankung nach wie vor
präsent ist und wieder aufflammen könnte, wenn ihr in der
Fungizidstrategie keine ausreichende Beachtung geschenkt wird.
Wo Schwarzfäule in den letzten Jahren aufgetreten ist,
sollte bei der Auswahl der Peronospora- und Oidiumfungizide darauf geachtet werden, dass bei jeder Spritzung ab
ca. 6-Blattstadium ein Fungizid mit einer Wirkung gegen
Schwarzfäule in der Brühe enthalten ist.
beginnender Beerenbefall
a) Eine Zulassung oder Genehmigung gegen Schwarzfäule haben
- die Oidiumfungizide Dynali, Flint, Systhane 20
EW, Topas und Luna experience
- die Peronosporafungizide Enervin, Polyram WG
und das Kombinationsprodukt Universalis.
b) Wirksam im Sinne einer Nebenwirkung sind darüber
hinaus alle weiteren strobilurin- (Collis, Cabrio-Top,
Stroby/Discus) oder azolhaltigen Fungizide (Vento
Power, Talendo extra) sowie die sonstigen
Dithiocarbamate (Dithane NeoTec, Electis).
Bedenken Sie bitte bei der Mittelauswahl:
- Dithiocarbamate aufgrund Raubmilbenwirkung nur im
Vorblütenbereich einsetzen
- Einsatz strobilurinhaltiger Produkte aufgrund der entstandenen Resistenzsituation nur unter Beachtung der
Hinweise zum Punkt „Oidiumstrategie“
Nachfolgend noch einmal einige typische Schadbilder:
mumifizierende Beere mit
üppiger Sporulation
Herbizideinsatz:
Sind Herbizidanwendungen vorgesehen,
muss
auf
Stockaustriebe geachtet werden. Eventuell vorhandene
Stocktriebe müssen vor dem Einsatz systemischer Herbizide (z.B. glyphosathaltige Mittel oder Katana) entfernt
werden! Um eine Aufnahme der Wirkstoffe über die
Wunden zu vermeiden, sollten diese eingetrocknet und
verschorft sein (2 bis 3 Tage nach dem Ausbrechen).
Basta kann gefahrlos angewendet werden.
Die Anwendung von Katana ist auf die Monate April
bis Juni beschränkt. Katana Duo kann im Frühjahr bis
zum Stadium ES 57 (Gescheine sind voll entwickelt) eingesetzt werden.
In Junganlagen (= bis 3. Standjahr) kann Vorox F gegen
einjährige
zweikeimblättrige Unkräuter im Vorauflauf
angewendet werden.
Mit glyphosathaltigen Herbiziden dürfen innerhalb
eines Jahres maximal 2 Behandlungen mit einem Mindestabstand von 90 Tagen durchgeführt werden. Die
maximale Wirkstoff-Aufwandmenge von 3,6 kg pro ha
und Jahr darf dabei nicht überschritten werden.
Die Auflagen und Anwendungsbestimmungen auch hinsichtlich des Alters einer Anlage und des Anwendungs-
termins sind einzuhalten.
Generell ist bei der Herbizidausbringung darauf zu achten,
dass die Mittel nur innerhalb von Rebflächen eingesetzt
werden. Eine Anwendung auf befestigten Flächen
sowie auf unbefestigten Graswegen oder an
Weinbergsrändern ist zu unterlassen!
Stocktriebe:
Für das Ausbrechen am Stamm steht auch 2015 Shark
nach wie vor nur für die genehmigten Sorten (Silvaner,
Morio, Schwarzriesling, Chardonnay, Burgundersorten)
zur Verfügung. Für Dornfelder und Riesling steht das
Präparat Quickdown mit dem Zusatz von Toil zur Verfügung.
Beide Produkte zeigen bei Trieblängen von ca. 10 bis 15
cm optimale Wirkung.
Großtropfig applizieren! Nach Untersuchungen von
Knewitz (DLR RNH) haben insbesondere HohlkegelInjektordüsen (TVI, AITXA/B, ITR) gegenüber den
asymmetrischen Flachstrahldüsen deutliche Vorteile,
weil dadurch feintropfige Abtrift nahezu vollständig vermieden wird.
Gerätevorbereitungen:
Überprüfen Sie rechtzeitig Ihre Pflanzenschutzgeräte für die anstehende Saison. Kontrollieren Sie dabei die Funktionsfähigkeit aller Bauteile und die Dichtigkeit von Behälter, Leitungen und Armaturen. Achten Sie auf eine gültige Kontrollplakette am Gerät. Das Kontrollintervall wurde von 4 Kalenderhalbjahren auf 6 Kalenderhalbjahre (3 Jahre) angehoben.
Geräte die nach alter Kontrollordnung in 2014 erneut kontrolliert werden sollten, sind nun in 2015 zu kontrollieren. Neben
den Sprühgeräten müssen auch Herbizidgeräte und Schlauchspritzanlagen regelmäßig kontrolliert werden. Nicht
durchgeführte Gerätekontrollen und fehlende Kontrollplaketten zählen zu den häufigsten Beanstandungen bei den Fachrechtskontrollen.
Applikationstechnik:
Bei Austriebsanwendungen möglichst mit reduzierter Luftmenge arbeiten (reduzierte Gebläsedrehzahl). Empfohlene Wassermenge 200 bis 300 l/ha, max. 400 l/ha. Eine beidseitige Applikation mit guter Belagsbildung anstreben und –falls möglich- Recyclinggeräte benutzen, da in dieser Zeit die Verluste besonders hoch sind. Um Abdrift so gering wie möglich zu
halten, sind ansonsten grobtropfige und abdriftarme Düsen (z.B. Injektor- oder Antidriftdüsen) zu verwenden.
Gerätereinigung:
Es dürfen keine Reste der Spritzbrühe oder Reinigungsflüssigkeit in die Kanalisation oder in Oberflächengewässer gelangen. Unvermeidbare Restmengen mit Wasser im Verhältnis 1:10 verdünnen und in einer Rebanlage ausspritzen. Reinigen
Sie Ihre Geräte auf unbefestigten und möglichst bewachsenen Flächen innerhalb der Weinberge (z. B. Vorgewende).
Die Gebrauchsanleitungen, Auflagen und Anwendungsvorschriften der Mittel sind einzuhalten.
gez. i.A. Edgar Müller