Aktuell 1/15 - Pro Infirmis

Nr. 1 / März 2015
Zeitung für die Spenderinnen und Spender von Pro Infirmis
«Ein Kind für das Leben!»
Rheinfeld
Basel
Pratteln
Delémont
8 Fragen an...
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News aus
den Kantonen
Olten
SO
JU
Langen
Solothurn
Biel/Bienne
nds
Burgdorf
Neuchâtel
NE
Bern
Unterwegs in
Myanmar mit
Andreas Pröve
S
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2
Editorial
Liebe Spenderin
Lieber Spender
Die jungen Eltern werden bei der
Geburt ihres Sohnes John mit der
Diagnose Trisomie 21 konfrontiert.
Es kommt ihnen wie ein Urteilsspruch vor. «Wir waren überhaupt
nicht darauf vorbereitet, hatten
keine Ahnung, wofür diese Bezeichnung stand. Unsere Zukunft schien
für kurze Zeit düster zu sein», erinnert sich die Mutter. Doch die Eltern
ahnen nicht, dass John mit seiner
Einzigartigkeit für sie ein Geschenk
wird.
Was in der wöchentlichen Ergo- und Psychomotoriktherapie Arbeit bedeutet, soll zu
Hause ein Spiel sein.
Heute – nach fünf Jahren – wird ihnen
aber auch bewusst, wie viel Arbeit
noch zu tun ist und sie fordern,
dass Menschen mit einer geistigen
Behinderung als Menschen zu respektieren sind und dass Inklusion
nicht nur ein Schlagwort bleiben
darf. Kinder wie John leisten ihren
eigenen Beitrag für die Gesellschaft.
«Der ständige Wettlauf nach Per fektion lässt die Menschlichkeit und
Solidarität oftmals auf der Strecke
bleiben», meint abschliessend die
Mutter.
John selber stellt keine Forderungen.
Er möchte ganz einfach mit anderen
Menschen zusammen sein. Und
wenn seine Mutter vom Zahnarzt
mit einer schmerzhaften Backe
nach Hause kommt, legt er ganz
einfach seine zwei Hände darauf.
Da erkennt sie, dass John ihr einen
anderen Blick auf die Wirklichkeit
gibt und ihr eine neue Dimension
des Zusammenseins öffnet. Welch
ein grossartiges Dankeschön an ein
Kind!
Ellen Thiele
Redaktion aktuell
Man gab John fast keine Überlebenschancen – und jetzt steht ein solch vergnügter
und fröhlicher Junge da.
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Bub oder Mädchen? Hauptsache gesund! Dies ist der einzige Wunsch der werdenden Eltern.
Doch es kommt anders. Die Geburt muss vor dem Termin eingeleitet werden und die sofortige Verlegung ihres Kindes in die Notfallabteilung verunsichert sie. Was soll dies alles
bedeuten? Aufkommende Fragen und keine sofortigen Antworten. Für kurze Zeit ringen
die Eltern nach Fassung. Und dann erhalten sie die Diagnose. Das Unbekannte macht Angst.
Doch sie stellen sich auf die neue Wirklichkeit ein.
«Mama fühlt sich wohl, alles geht gut. Sie ist glücklich und
strahlt. Der Arzt bestätigt, dass die Schwangerschaft gut
verläuft. Papa ist sehr zufrieden und redet mit dem Bauch
von Mama.» Es sind Bildlegenden aus dem Familienalbum,
die das werdende Leben von John dokumentieren.
Doch kurz darauf folgt der Einschnitt, denn die Ergebnisse
der Untersuchungen des ungeborenen Kindes sind beunruhigend: Es nimmt nicht mehr an Gewicht zu. Um weitere
Risiken zu vermeiden, wird der Entscheid getroffen, den
kleinen John am letzten Tag des Jahres per Kaiserschnitt
auf die Welt zu bringen. Mit siebeneinhalb Monaten ist er
ein Frühchen, denn sein Gewicht beträgt nur 1.600 Gramm.
Die Mutter kann nur kurz sein Händchen ergreifen, bevor
er in die Notfallabteilung des Kinderspitals verlegt wird.
Bereits an seinem ersten Tag auf dieser Welt muss der Kleine seine erste notfallmässige Operation über sich ergehen
lassen. Die verkürzte Schwangerschaft brachte es mit sich,
dass seine Bauchdecke noch nicht geschlossen war und darum vernäht werden musste. Von unzähligen Schläuchen
umgeben wird er im Brutkasten versorgt.
Die Diagnose ist wie ein Urteil
In der Zwischenzeit erhalten die Eltern den Bescheid, dass
ihr Kind mit einer Trisomie 21 leben wird. «Ich muss zuge-
ben, dass diese Nachricht für uns beide ein Schock war, der
zuerst zu verdauen war. Geistige Behinderung ist ja keine
Krankheit. Die Aufregung der Geburt, die Diagnose, die
Fragestellungen für die nähere und weitere Zukunft, wie
wird das Familienleben sein – viele Gedanken, viele Fragezeichen purzelten in unseren Köpfen herum. Doch mein
Mann steckte mich mit seinem schnell wiedergefundenen
Humor an. Gestärkt durch unseren Glauben, stellten wir
uns der neuen Herausforderung. Denn ein Kind ist für das
Leben!», erinnert sich die Mutter an diese für sie fast unwirklich erscheinende Zeit.
Die ersten Kontakte
Zaghaft versuchen die Eltern, mit John Kontakt aufzunehmen, indem sie sanft ihre Hände auf seine Bauchdecke legen und mit leisen Worten zu ihm reden. Von Anfang an
hat er einen aufmerksamen Blick, als ob er ihnen sagen
möchte «Seid stark. Ich bin es.» Die Mutter befürchtet jedoch, dass John die ersten Lebensmonate nicht überlebt.
Doch seine Fortschritte stimmen zuversichtlich. Er wird in
ein Spital verlegt, das näher beim Wohnort liegt. Dies erlaubt der Mutter, ihn täglich zu besuchen, ihre abgepumpte
Milch via Magensonde einzugeben und viel Zeit mit ihm zu
verbringen.
Wo Pro Infirmis hilft
Dank Spenden erhalten John und seine Familie wertvolle
Hilfe:
Fast andächtig wird John, wenn er Musik hören oder ein Instru-
Pro Infirmis
• Allgemeine Sozialberatung und Administration
• Informationsdrehscheibe rund um die Behinderung
• fachliche Begleitung in der ersten Phase nach der Geburt
• Aufbau des Netzwerkes
• Antrag auf Leistungen der Hilflosenentschädigung
und Invalidenversicherung
• Unterstützung bei der schulischen Integration
• Suche nach finanziellen Mitteln für den Kindergarten
und den Entlastungsdienst
• Koordination des Entlastungsdienstes
• Finanzielle Unterstützung an verschiedenen
Gesundheitskosten (z.B. Osteopathie)
• Vermittlung und Finanzierung der Frühförderung
ment bespielen kann.
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minuten von zu Hause entfernt, liegt jedoch in einem anderen Kanton. Die Eltern müssen deshalb aus administrativen Gründen eine andere Integrationsschule suchen. Sie
tun sich schwer mit der neuen Situation.
Jeden Morgen bringt der Schulbus John in das Schulzentrum
und am Nachmittag wieder nach Hause. Auch wenn die Fahrten
Routine geworden sind – Johns vorsichtigem Blick entgeht nichts.
Zweieinhalb Monate später warten die Eltern ungeduldig
auf den Zeitpunkt, ihn nach Hause zu bringen. Sie wollen
ihm mit der ganzen Liebe begegnen, die sie ihm geben können. John gedeiht, schläft gut, legt an Gewicht zu und ist
ein kleiner Junge, der seine Umgebung mit seinem charmanten Lächeln rasch um den Finger wickelt.
Umstellung des Lebensplanes
Mehr und mehr tauchen die Eltern in ihre neue Lebensphase ein. Längst beschlossene Zukunftspläne werden gestriFKHQ 'LH 0XWWHU YHU]LFKWHW DXI LKUH EHUXÁLFKH 7lWLJNHLW
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diktiert den Rhythmus des Tages und stellt das Leben der
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zwei Stunden muss er gefüttert werden. In langsamen
Schritten stellt sich der Alltag ein. Mehr und mehr realisieren die Eltern, was für ein Geschenk John ist.
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Mutter: «Die Sozialarbeiterin, die uns seit Johns Geburt begleitet, ist unser Rückhalt und manchmal auch unser Trost.
Sie ist kein Ersatz für meine hier fehlenden Angehörigen,
aber sie ist Teil unserer Familie geworden. Ohne sie hätten
wir nie den unüberschaubaren Papierkram mit den Behörden und Sozialversicherungen bewältigt. Sie ist ganz einfach eine Perle mit einer grossen menschlichen Seite. Wir
sind ihr zutiefst dankbar für ihre Arbeit.»
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ersten Gehversuche. Bereits früh kann er dank der VermittOXQJYRQ3UR,QÀUPLV]ZHLPDOLQGHU:RFKHHLQHQ0RQWHVsori-Frühkindergarten besuchen, wo er sich wunderbar
aufgenommen fühlt. Zwar ist die Institution nur zehn Auto-
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Und die Zukunft?
Die Eltern wünschen sich, dass John mit gleichaltrigen Kindern – ob mit oder ohne Behinderung - seine Tage verbringen kann. Er soll möglichst normal in seiner vertrauten
Umgebung aufwachsen können. Zudem wünschen sie sich
mehr Therapien. Johns weitere Entwicklung hängt stark
von Fördermassnahmen ab. Doch die administrativen
Mühlen mahlen langsam. Es bleibt das Gefühl, nicht genug
für John tun zu können. Diese Ungeduld ist aber auch der
Antrieb für die Eltern, mit Ausdauer und Beharrlichkeit
nach neuen integrativen Schulmodellen für ihren Jungen
zu suchen. Heute besucht ihr Sohn eine heilpädagogische
Schule. Seine Eltern schätzen es sehr, dass er nun in dieser
Institution Logopädie und Psychomotoriktherapie erhält.
In Kürze
Geistige Behinderung – Trisomie 21
Das Down-Syndrom wurde im Jahre 1866 vom englischen
Arzt J. L. Down beschrieben. Von seinem Namen stammt
die Bezeichnung ‹Down-Syndrom›, kurz DS genannt.
Konkrete Ursachen für die Entstehung des DS sind heute
nicht bekannt. Nur sehr selten spielt Vererbung eine Rolle.
In der Regel entsteht das DS auf Grund spontaner Fehler
bei der Zellteilung während der Bildung der Ei- oder Samenzellen oder auch bei den ersten Teilungen der befruchteten Eizelle.
Kinder mit DS leiden häufig an Herzkrankheiten, Fehlfunktionen der Schilddrüse oder haben Probleme mit der Verdauung und ein geschwächtes Immunsystem. Da sich die
medizinische Grundversorgung in den letzten Jahrzehnten stark entwickelt hat, erreichen heutzutage die meisten Menschen mit DS ein Alter von 60 bis 70 Jahren.
Die intellektuelle, motorische und sprachliche Entwicklung verläuft bei Kindern mit Trisomie 21 im Durchschnitt
verlangsamt. Säuglinge werden während des ersten Lebensjahres auf Ohreninfektionen und Sehschwächen untersucht. Auch ist abzuklären, ob sich Magen-Darm-Fehlentwicklungen, Herzfehler oder orthopädische Auffälligkeiten ausbilden. Durch frühzeitiges Erkennen und
gezielte Massnahmen sind diese Krankheiten weitgehend
therapierbar.
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Achim Bader, wohnt in Laupersdorf (SO)
Mitarbeiter in der Administration Beratungsstelle
Solothurn seit 15 Jahren
Lebt mit Partnerin und deren Sohn zusammen
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alles mit einem Praktikum im Sekretariat der Beratungsstelle Solothurn. Dieses wurde mir damals durch die Invalidenversicherung vermittelt. Mein Praktikumseinsatz war
auf ein halbes Jahr befristet, jedoch mit der Aussicht auf
eine allfällige Festanstellung. Die sechs Monate vergingen
ZLHLP)OXJXQG3UR,QÀUPLVZXUGHDQVFKOLHVVHQG]XPHLnem neuen Arbeitgeber. Jeder Arbeitstag bringt neue und
interessante Herausforderungen und ich treffe dabei immer wieder auf tolle Menschen.
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Ich arbeite in einem Teilzeit-Pensum als Sachbearbeiter in
der Administration auf der Beratungsstelle Solothurn. Zu
meinen Aufgaben gehören die Betreuung unserer Klienten
am Empfang und Telefon sowie die Erledigung administrativer Tätigkeiten für unsere Sozialarbeiterinnen und
Sozialarbeiter. Zudem betreue ich Projekte im Bereich der
Öffentlichkeitsarbeit, wenn es beispielweise um die Thematiken Behinderung oder Mobilität geht.
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In den 15 Jahren ist es schon zu ganz vielen schönen und
tollen Erlebnissen gekommen. Dazu gehören sicher lustige
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mal ein gutes Gespräch mit einer Arbeitskollegin oder einem Arbeitskollegen.
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Betroffen werde ich immer dann, wenn es unseren Klienten gesundheitlich plötzlich viel schlechter geht oder sie
sogar sterben. Dies zu hören macht mich traurig und
nachdenklich. Wir arbeiten mit Menschen und bauen da-
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her automatisch eine mehr oder weniger starke «Beziehung» mit ihnen auf.
Was sind Ihre Hobbys?
Nun, wir wohnen auf dem Land, in einem für meine Bedürfnisse umgebauten Bauernhaus. Zu unserer Familie
zählen auch viele Tiere. Einen Grossteil meiner Freizeit
verbringe ich mit unseren Hunden. Ich liebe die langen
und ausgedehnten Spaziergänge mit ihnen. Ich schätze
diese Zeit, in der ich meinen Kopf «lüften» und neue Energie tanken kann. Bei schönem Wetter unternehme ich
auch gerne eine Tour mit meinem Handbike oder gehe ins
Schwimmbad.
Die nächsten Ferien, wohin geht es da?
Da unsere Familie viele Mitglieder zählt, die auf unser
«Dasein» angewiesen sind, sind längere Ferienabwesenheiten nicht so gut umsetzbar. Gerne würde ich aber wieder
einmal in eine Grossstadt reisen. Berlin ist zum Beispiel
ganz oben auf der Liste. Mal schauen.
Was wünschen Sie sich für diese Welt?
Generationen von Menschen, die mehr mit und weniger
auf diesem Planeten leben. Menschen, die mit dieser Welt
achtsamer umgehen. Dass Gegeneinander zum Miteinander wird. Dass das Leben, egal ob Mensch oder Tier, respektiert und geschützt wird.
Was möchten Sie unseren SpenderInnen mitteilen?
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auf der anderen Seite bin ich aber als Rollstuhlfahrer auch
selber Mensch mit einem Handicap. Ich weiss, dass Pro InÀUPLVGLH6SHQGHQJHOGHUYHUDQWZRUWXQJVEHZXVVWXQG
sinnvoll einsetzt.
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In Kürze
Pro Infirmis in den Kantonen
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Basel
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BE: TAG DES ANDEREN
Pro Infirmis organisierte mit dem
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Lausanne
Sierre
Monthey
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Bellinzona
Genève
Martigny
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Sion
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Locarno
Kantonale Geschäftsstellen
Massagno
Kunstmuseum Thun den «Tag des
Anderen» und eine Workshop-Reihe
mit dem Künstler George Steinmann.
Kreative Arbeiten rund um das Thema «Mustikka – Heidelbeeren» führten Menschen mit und ohne Behinderung zusammen. Im gemeinsamen Gestalten wurden viele schöne
Begegnungen möglich.
(Foto: Flavia Trachsel)
ZG: NORMAL BEHINDERT!
Die Aktionstage «Normalbehindert»
von Pro Infirmis Zug und der Zuger
City-Kirche standen unter dem Motto «Lassen Sie sich irritieren!» In
zahlreichen Veranstaltungen traten
behinderte Menschen an die Öffentlichkeit und zeigten ihr Können: mit
Theaterstücken, Kunstausstellungen, Poetry Slam oder als DJ. Aus
anfänglicher Irritation wurde Respekt vor den erstaunlichen Leistungen der behinderten Menschen.
Gelebte Inklusion!
Appenzell
Brunnen
NE
AI
Pfäffikon SG
Luzern
Neuchâtel
VD
AR
Wattwil
Zug
LU
Burgdorf
Yverdon-les-Bains
St. Gallen
AG
Biel/Bienne
La Chaux-de-Fonds
Zihlschlacht
Herisau
Aarau Zürich
Langenthal
Solothurn
Amriswil
Winterthur
ZH
Baden
Delémont
TG
Frauenfeld
Pratteln
Beratungsstellen
Beratungsstellen von
Partnerorganisationen
Wohnschulen
VD: NEUE TECHNOLOGIEN
Pro Infirmis Vaud lud zu einer interdisziplinären Tagung ein: Fachleute
verschiedenster Disziplinen untersuchten die Auswirkungen neuer
Technologien auf Individuum und
Gesellschaft. Einerseits können Hightech-Hilfsmittel verloren gegangene
Fähigkeiten wiederherstellen und eröffnen behinderten Menschen damit
grosse Chancen. Andererseits kann
die Leistungsfähigkeit des Menschen
über das Naturgegebene hinaus gesteigert werden. Fachleute diskutierten in Lausanne technische, ethische
und juristische Fragen.
GR: FÜR PSYCHISCHE GESUNDHEIT
Pro Infirmis Graubünden hat sich an
der Kampagne «10 Schritte für psychische Gesundheit» beteiligt und
Gratisäpfel verteilt. Der Apfel als
Symbol für Gesundheit machte die
Passanten auf die Bedeutung der
psychischen Gesundheit und auf Pro
Infirmis aufmerksam. Die Bio-Äpfel
wurden vom Schweizer Obstverband
und von der Informatikfirma querFormat AG Malans gesponsert. Einheimische wie Touristen waren erfreut über die Geste. Davon zeugten
viele freundliche Gesichter und zahlreiche positive Reaktionen.
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7
Andreas Pröve
Behindert? Oder nur anders!
Nach einem Motorradunfall 1981 erlitt
Andreas Pröve eine Querschnittslähmung.
Bis heute reist er auf abenteuerlichen
Wegen durch die Welt. Nun berichtet er
von seinem Besuch in Myanmar.
Andreas Pröve, Weltreisender im Rollstuhl, berichtet, wie die Menschen in Myanmar auf ihn reagierten.
Dieses Mal möchte ich von einem Land
erzählen, das wie kein anderes mein
Herz hat höher schlagen lassen. Bereits vor 30 Jahren, als ich auf einer
Reise durch 12 asiatische Länder Birma sah, verliebte ich mich. Nicht in die
Landschaft, andere haben mehr zu bieten. Das sanftmütige Naturell der Menschen, ihr gewinnendes, nie aufgesetzt
wirkendes Lächeln und ihr respektvoller Umgang miteinander hat zuerst
Neugierde, dann grosse Zuneigung in
mir geweckt. Kein mitleidiger Blick hat
mich in Myanmar getroffen. Niemand
hat meine Beine ungefragt befingert,
es gab keine dummen Witze, auch keine Empfehlung an Wunderheiler, kein
«sorry» ob des Rollstuhls unter mir, ja
es wurde sich nicht einmal erkundigt,
warum ich nicht auf zwei Beinen laufe.
Es wird einfach akzeptiert. Und es
kommt noch besser: Mein Rollstuhl
mit Handbike, die Packtaschen und
mein kleiner Antrieb hinterliessen in
jedem Dorf, in jeder Stadt bleibenden
Eindruck. Soldaten und Polizisten
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spornten mich mit Jubelschreien und
nach oben gerichteten Daumen an.
Selbst 600 Kilometer von der Hauptstadt entfernt sprach man von einem
verrückten Rollifahrer, der durch Yangon geflitzt sei. Ein Stopp an der Strasse führte umgehend zu einem Menschenauflauf.
Dazu besitzen die Burmesen die wunderbare Gabe einer Hilfsbereitschaft,
die immer im richtigen Augenblick da
ist. Sie sehen, begreifen, schreiten ein
wenn nötig oder lassen es sein, wenn
kein Bedarf besteht. Nicht wie nebenan in Indien, wo dem sozialen Miteinander Kastengrenzen gesetzt sind und
mancher Hilfeleistung Preisverhandlungen vorausgehen, nicht wie in Thailand oder China, in denen nur noch
grösser, höher, weiter gedacht wird.
Was das betrifft, ist Myanmar eine Perle in einem Haufen Kies. Ein Erlebnis
von vielen, das diese Perle zum Leuchten bringt:
Bei den Vorbereitungen zu dieser Reise hatte ich mich mit allen eventuell
auftretenden Reifenproblemen beschäftigt, immer wieder den schwierigen Wechsel der Decke geübt, spezielles Werkzeug dafür angefertigt und
Ersatzteile besorgt. Ich ahnte, der
Schwachpunkt sind die Reifen. Allerdings hatte ich die Rechnung ohne
den Wirt gemacht. Bei acht Reifenpannen musste ich mir nicht einmal die
Hände schmutzig machen. Jemand
drückt mir eine Tasse Kaffee in die
Hand und ehe ich mich umsah, war
die Panne - natürlich mit einem Lächeln - behoben und die Reise konnte
weitergehen.
Mehr von Andreas Pröve im nächsten «aktuell»
Andreas Pröve verdient seinen Lebensunterhalt mit
Vortragsreisen und dem Verkauf seiner Bücher.
Falls Sie mehr darüber erfahren möchten, besuchen
Sie seine Website www.proeve.com
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8
«Der Patenschaftsfonds ermöglichte Noah
glückliche Tage im Ferienlager.»
Pro Infirmis hilft jährlich über 20‘000
Menschen mit einer Behinderung.
Noah hat das Down-Syndrom. Er hält
die ganze Familie ganz schön auf Trab.
Trotz der zeitintensiven Betreuung von
Noah im Familienalltag ist das unbeschwerte und sonnige Gemüt des
11-Jährigen für die vierköpfige Familie
eine wahre Bereicherung. «Noah ist ein
sehr interessierter und aufgeweckter
Junge. Er wird in einem Heilpädagogischen Zentrum seinen Fähigkeiten entsprechend unterrichtet», erzählt die
Mutter. «Er geht ungehemmt auf Menschen zu und sorgt immer wieder bei
manchem Fremden für ein herzhaftes
Lachen».
6‘000 davon sind betroffene Kinder mit
ihren Eltern.
Für viele Familien stehen die Ferien vor
der Tür und die Vorfreude auf die Ferientage ist gross. Bei vielen Menschen, die
wir betreuen, sieht das leider anders
aus. Ein Ferienaufenthalt ist mit vielen
Hindernissen verbunden und oft fehlt
es an den finanziellen Mitteln. So auch
bei der Familie des 11-jährigen Noah.
Für die Entwicklung von Noah ist es
wichtig, dass er in den Ferien einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung in einem
speziell auf behinderte Kinder ausgerichteten Ferienlager nachgehen kann.
«Noah lernt im Ferienlager, sich in der
Gruppe zu integrieren und Freundschaften zu knüpfen». Noahs Eltern leben am Existenzminimum und können
die Kosten für das Ferienlager nicht selber tragen. Noahs Vater informierte
sich bei Pro Infirmis über eine mögliche Unterstützung. Nach Prüfung der
finanziellen Situation der Familie zahlte Pro Infirmis einen Grossteil der Kosten für das Ferienlager aus dem Patenschaftsfonds. «Wir sind sehr froh hat
uns Pro Infirmis geholfen. Dank dem
Patenschaftsfonds konnten wir Noah
glückliche Tage im Ferienlager ermöglichen».
Hilfe in Ihrem Wohnkanton
Dank dem Patenschaftsfonds können
wir dort helfen, wo sonst niemand einspringt. Ihr Patenschaftsbeitrag kommt
Kindern und Familien im Wohnkanton
der Spenderin/des Spenders zugute.
Möchten auch Sie Patin oder Pate werden? Eine Pro Infirmis Patenschaft ist
etwas ganz Besonderes. Graziella Tramonti schickt Ihnen gerne die ausführlichen Patenschafts-Unterlagen und freut
sich über Ihre Anmeldung:
Tel. 044 388 26 50 oder
[email protected]
Spenderstimmen:
Dank diesen Menschen und Ihnen können wir helfen.
Als Jugendliche habe ich oft die Tochter von Bekannten
gehütet: Eva ist wegen Komplikationen nach einer Frühgeburt behindert. Sie liebte es, meinem Klavierspiel oder sonstiger Musik zu lauschen, lange Spaziergänge zu machen und
mit farbigen Bauklötzen zu spielen. Ein Kind wie jedes andere auch, welches ich sehr ins Herz geschlossen habe. Nur
brauchte Eva von Anfang an spezielle Betreuung, verschiedenste medizinische Behandlungen, gezielte heilpädagogische Förderung und sie nahm sehr viel Zeit und Energie
ihrer Eltern in Anspruch. Ihr Leben lang wird sie auf professionelle Hilfe angewiesen sein. Ohne so wertvolle Institutionen wie Pro Infirmis wäre dies nicht möglich. Deshalb unterstütze ich diese Organisation und danke ihr für das
riesige Engagement und ihre so wertvolle Arbeit!
Claudia Dischl, Spenderin
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aktuell:
Ausgabe 1, März 2015; erscheint 4 x
jährlich
Redaktion und Verlag:
Pro Infirmis, Postfach, 8032 Zürich
Tel. 044 388 26 88, Fax 044 388 26 00
www.proinfirmis.ch
[email protected]
Jacqueline Brunner (verantwortlich),
Stefanie Huber, Ellen Thiele,
Gaby Ullrich
Fotos: Ursula Meisser, Andreas Pröve
Gestaltung: bartók GmbH, Zürich
Produktion: Prowema GmbH, Pfäffikon
Abo.:
Fr. 5.– pro Jahr ist in Ihrer
Spende inbegriffen.
Postkonto: 80-22222-8
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