„Die letzte Meile ist die schwierigste“

POLITIK
EBOLA
„Die letzte Meile ist die schwierigste“
Foto: dpa
Die Nothilfe der Bundeswehr in Westafrika soll im März eingestellt werden. Im Vordergrund
stünden jetzt die Maßnahmen, die die Infektionskette endgültig durchbrechen, erklärte der
Ebola-Sonderbeauftragte der Bundesregierung.
uch wenn Ebola zunehmend
aus den Nachrichten und aus
der öffentlichen Wahrnehmung verschwindet, kann von einer Entwarnung noch keine Rede sein. Noch zu
sehr schwanken die Zahlen bei den
Ebola-Neuinfektionen in Westafrika. Nach einem Rückgang stiegen
sie vor einigen Wochen erneut an.
„Die aktuell wieder steigenden
Neuinfektionszahlen zeigen, dass
Ebola noch nicht im Griff ist“, betonte der Ebola-Sonderbeauftragte
der Bundesregierung, Botschafter
Walter Lindner, bei einer Informationstagung Ende Februar in Berlin.
Er selbst bricht dieser Tage erneut –
konkret zum sechsten Mal – zu einer Reise in die Krisengebiete auf.
Die drei „Herausforderungen des
Moments“ sind ihm zufolge zum einen, die Zahl der Neuinfektionen
auf null zu bringen, zweitens von
der Nothilfe zur Entwicklungshilfe
zu wechseln und schließlich Lehren
aus der Ebola-Krise zu ziehen.
Insgesamt registrierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
bei der Epidemie bislang fast
23 000 Ebolafälle, mehr als 9 000
A
A 398
Menschen starben an der Infektion.
Die Organisation geht jedoch von
einer noch höheren Dunkelziffer
aus. „Wir wissen auch jetzt nicht,
wie sich der Verlauf der Epidemie
noch entwickelt“, sagte Lindner.
Allerdings sehe er Licht am Ende
des Tunnels: „Es gibt realistische
Chancen und die Hoffnung, die
Zahl der Neuinfektionen an Ebola
noch in der ersten Jahreshälfte nahe
null zu bekommen.“
Dies ist derzeit auch das Ziel der
Regierungschefs der drei am stärksten von Ebola betroffenen Länder
Sierra Leone, Guinea und Liberia.
Sie hatten Mitte Februar bei einem
Sondergipfel in Guineas Hauptstadt
Conakry erklärt, Ebola sogar bis
Mitte April besiegen zu wollen. Sie
forderten die internationale Gemeinschaft auf, ihnen die dazu notwendige Hilfe zukommen zu lassen.
Deutschland beteiligt sich seit
Monaten am Aufbau von Strukturen, Behandlung und Prävention.
Bei den laufenden Hilfsaktionen
und Gesundheitsmaßnahmen dürfe
jedoch nicht vergessen werden,
dass es leichter sei, den Ausbruch
Die konsequente
Isolierung von
Ebola-Patienten
wird entscheidend
in dem Bestreben
sein, die Infektionskette ganz zu
durchbrechen und
die Neuinfektionsrate auf Null zu
bringen
einer Erkrankung von hundert auf
zehn Fälle zu reduzieren als von
zehn auf null Fälle, erläuterte Lindner. „Die letzte Meile ist die
schwierigste.“ Bundeswehr und
Deutsches Rotes Kreuz würden
mittlerweile weniger benötigt. Dringender seien jetzt vielmehr die Einbeziehung der Dorfgemeinschaften
sowie interkulturelle Anstrengungen. „Die Länder müssen auch in
entlegenen Gebieten die Fähigkeit
erhalten, an Ebola erkrankte Menschen frühzeitig zu erkennen, tatsächlich zu isolieren und Desinfektionen korrekt durchzuführen“, sagte der Sonderbeauftragte.
Gleichzeitig beginnt derzeit der internationale Prozess, Lehren aus der
Epidemie zu ziehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe sich dazu gemeinsam mit Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg und dem
Präsidenten von Ghana, John Dramani Mahama, an den Generalsekretär
der Vereinten Nationen, Ban Kimoon, gewandt, war aus dem Kanzleramt zu erfahren. Ihr Ziel sei es,
Maßnahmen zu bündeln und Strukturen zu schaffen, mit denen mittelund langfristig die Gesundheitssysteme und die Krisenreaktionsfähigkeit
gestärkt werden können.
Lindner räumte ein, dass Deutschland und die internationale Staatengemeinschaft im vergangenen Jahr
nicht angemessen vorbereitet waren.
„Die internationale Hilfe ist sehr
spät angelaufen“, erklärte er. „Wir
hatten keine Erfahrungen mit dem
Virus. Und frühe Warnungen von
,Ärzte ohne Grenzenʻ wurden überhört.“ So etwas dürfe in Zukunft
nicht mehr passieren. Danach sei die
Hilfe der Staatengemeinschaft aber
effizient gewesen. Lindner ist sich
sicher: „Sie hat auch tatsächlich den
Unterschied bei der Bekämpfung
▄
der Seuche gemacht.“
Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann
Deutsches Ärzteblatt | Jg. 112 | Heft 10 | 6. März 2015