Wir sind es leid - Deutschlandfunk

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Feature / Hörspiel / Hintergrund Kultur
Das Feature
"Wir sind es leid"
Die mexikanische Bürgergesellschaft wehrt sich
Von Peter B. Schumann
Regie: der Autor
Produktion: DLF/SWR 2016
Redaktion: Karin Beindorff
Erstsendung: Dienstag, 14.06.2016 , 19.15 Uhr
Autor: Peter B. Schumann
Sprecher 1: Jean Paul Baeck
Sprecher 2: Andreas Potulski
Sprecher 3: Jonas Minthe
Sprecherin 2: Maya Bothe
Urheberrechtlicher Hinweis
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©
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O-Ton
Cavallor:
Mexiko macht eine schwere Krise der Menschenrechte durch.
Unsere Kommission hat zahllose Zeugenaussagen für gewaltsames Verschwindenlassen von Personen erhalten sowie für illegale
Exekutionen und für schwerste Fälle von Folter.
Alejandro:
Dem mexikanischen Volk reicht es jetzt. Schluss mit den Zehntausenden von Verschwundenen und Ermordeten. Schluss mit der
Gewalt der Narcos. In Ayotzinapa kristallisieren sich all unsere
Probleme in einem einzigen Fall.
Musik
De Vuelta a Casa: Fero Esteban
Ansage:
„Wir sind es leid.“
Die mexikanische Bürgergesellschaft wehrt sich
Ein Feature von Peter B. Schumann
O-Ton
Autor:
Im Zentrum der Reforma, einer der Hauptverkehrsadern von Mexiko-Stadt. Vor einem der vielen gläsernen Bürotürme patrouillieren Wachtposten mit Maschinengewehren. Ein mächtiges Eisengitter hält den Betrachter auf Distanz. Über dem Eingang steht:
Generalstaatsanwaltschaft der Republik.
Ich erinnere mich, dass im November 2014 der Chefankläger dieser Behörde, Jesús Murillo Karam, eine Pressekonferenz mit dem
Satz abbrach: „Ich bin es jetzt leid.“ Er sollte Auskunft über die
Ermittlungen wegen des Verschwindens von 43 Pädagogikstudenten aus Ayotzinapa geben. Sie waren am 26. September 2014
entführt worden. Die Journalisten wollten sich nicht mit Ausflüchten und Halbwahrheiten abspeisen lassen und bedrängten ihn mit
immer neuen Fragen.
Kurz danach wurde gegenüber der Generalstaatsanwaltschaft ein
Zelt errichtet, am Rande des vorbeibrandenden Verkehrs. Das Zelt
steht noch immer dort: ein Fremdkörper neben den Glaspalästen
von Behörden und Banken – ein ständiger Appell, das Schicksal
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der 43 Verschwundenen endlich aufzuklären. Plantón nennen die
Mexikaner eine solche Mahnwache. Tag und Nacht trifft man hier
Aktivisten an.
O-Ton
Rosa Marta:
Der Plantón ist eine Manifestation gegen das gewaltsame Verschwindenlassen der Studenten durch die Polizei und ein fortgesetzter Protest gegen die Verschleierungstaktik der Regierung.
Wir solidarisieren uns auf diese Weise mit ihren Familien, die auch
heute noch nach den Jugendlichen suchen.
Autor:
Rosa Marta, Mitte dreißig, ist Verwaltungsangestellte.
Rosa Marta:
Wir kommen aus unterschiedlichen Bereichen. Lehrer arbeiten
mit, Studenten, Arbeiter, Menschenrechtler, Nachbarn oder Mitglieder politischer Organisationen, aber keine Vertreter der Regierung oder der Parteien.
Augusto:
Denn wir sind von ihnen enttäuscht. Das mexikanische Volk fühlt
sich von der politischen Elite nicht repräsentiert.
Autor:
Augusto, Anfang dreißig, ist eigentlich Politologe und hat eine Anstellung als Informatiker gefunden.
Augusto:
Unsere Politiker sind nur an die Macht gekommen, um sich, ihre
Familien und befreundete Unternehmer zu bereichern. Diese Haltung ist längst systemimmanent. Deshalb hat das Volk entschieden, sich selbst zu organisieren.
Alejandro:
Der Plantón ist eine für Mexiko neue Form der Organisation. Wir
haben aus den Erfahrungen in Lateinamerika gelernt, die zeigten,
dass die Versuche sozialer Reformen mit Hilfe von Wahlen oder
Parteien zu nichts führen.
Autor:
Alejandro, Mitte zwanzig, studiert Politikwissenschaft.
Alejandro:
Deshalb diskutieren wir in diesem Plantón mit den Angehörigen
der 43 verschwundenen Studenten und vielen Kollektiven darüber,
wie wir uns am besten organisieren können, um uns gegen dieses
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Unterdrückungsregime zu wehren und ein neues System der Freiheit aufzubauen, in dem alle die gleichen Möglichkeiten besitzen.
Darüber informieren wir hier im Plantón mit regelmäßigen politischen und kulturellen Veranstaltungen die Bürgerschaft dieser
Stadt und die Touristen, die hier vorbeikommen, denn über die üblichen Medien in Mexiko erfahren sie nichts.
Autor:
Ich will nochmal auf das Misstrauen gegenüber den Parteien zurückkommen. Gilt das auch für die Linke?
Rosa Marta:
Die mexikanischen Linksparteien haben nie wirklich das Volk,
sondern immer nur ihre eigenen Interessen repräsentiert und die
linken Ideale oft verraten. Ihre Vertreter haben sich nur links eingeordnet, um an die Macht zu kommen, und zuletzt noch nicht
einmal mehr linke Ideen oder Projekte vorgeschlagen.
Autor:
Wie stark hat die Ermordung der Studenten die Bürgerbewegung
beeinflusst, das Bewusstsein der Bevölkerung verändert?
Alejandro:
Ayotzinapa ist zum Motor des sozialen Bewusstseins geworden.
Die Bewegung besitzt das Potential, den mexikanischen Staat zu
bezwingen, der alles unternimmt, um sich dieses Problem vom
Hals zu schaffen. Moralisch haben wir bereits einen Sieg errungen
und zwar mit Hilfe der ausländischen Untersuchungskommissionen, die die offizielle Version vom Verschwinden der Studenten
widerlegt und das staatliche Lügengebilde aufgedeckt haben...
Dem mexikanischen Volk reicht es jetzt. Schluss mit den Zehntausenden von Verschwundenen und Ermordeten. Schluss mit der
Gewalt der Drogenkartelle. Für uns ist klar: In Ayotzinapa kristallisieren sich all unsere Probleme in einem einzigen Fall.
Musik
Axel Ordaz ‚De vuelta a Casa‘
Sprecher:
Wir werden es weiter versuchen, hab‘ keine Angst. / Wir werden
dich weiter suchen / und mit uns das ganze Land / um dich zurückzubringen / nach Hause.
Musik
Axel Ordaz ‚De vuelta a Casa‘
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Atmo
Autor:
Eine Demonstration vor dem Protestzelt gegenüber der Generalstaatsanwaltschaft. Die Aufzählung der verschwundenen Studenten
ist zu einer ständigen Aktion geworden. Eine junge Frau ergreift das
Wort und wendet sich „an den Staatspräsidenten, den Generalstaatsanwalt, den Obersten Gerichtshof des Bundesstaates Guerrero und alle Behörden, die für die Aufklärung des Ayotzinapa-Falls
und des Todes von Julio César Montragón verantwortlich sind“. Sie
bezweifelt die bisherigen Untersuchungsergebnisse:
Aktivistin:
Julio César fiel der Folter und einer Exekution beim Angriff auf die
Studenten zum Opfer. Deshalb weisen wir die Theorie eines Einzeltäters zurück. Denn die zahlreichen Knochenbrüche an Brustkorb
und Kopf, die Schleifspuren an seinem Körper, die abgezogene Gesichtshaut als Ausdruck des Terrors – das alles kann nicht von
einem Einzelnen verübt worden sein.
Autor:
Julio César Mondragón wurde als einer der ersten in der Nacht vom
26. auf den 27. September 2014 erschossen, nachdem er zunächst
hatte fliehen können. Er wurde gefasst, gefoltert, skalpiert. Er war
22 Jahre alt und erst seit kurzem mit Maríssa Mendoza Cahuatzía
verheiratet. Zwei Monate vor seiner Ermordung war ihre Tochter
geboren worden. Heute lebt Marissa als Grundschullehrerin in Mexiko-Stadt. Dort habe ich sie getroffen und sie hat mir zuerst von der
Pädagogische Landschule in Ayotzinapa erzählt.
O-Ton
Marissa:
Das ist eine Ausbildungsstätte für Studenten in ländlichen Gegenden,
die wenig Mittel besitzen und später auf dem Land als Lehrer tätig
werden sollen. Früher gab es viele solcher Schulen. Doch in den letzten Jahren wurde ihre Anzahl aus politischen Gründen immer weiter
reduziert. Und den verbliebenen wurden die Mittel gekürzt. Der Schule in Ayotzinapa hatte die Regierung in Guerrero kurz vor den Ereignissen die staatliche Unterstützung völlig gestrichen. Deshalb hatten
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sich die Studenten auf die Reise nach Iguala, in die 130 Kilometer
entfernte, nächst größere Stadt, gemacht. Sie wollten Spenden
sammeln und an ein anderes Ereignis erinnern: an das Massaker von
Tlatelolco in Mexiko-Stadt im Jahr 1968, bei dem ebenfalls viele Studenten umkamen.
Autor:
Was geschah in der Nacht, als die Busse mit den Studenten von der
Polizei abgefangen wurden?
Marissa:
Ich war in ständiger Verbindung mit Julio César per SMS. Er informierte mich so um 20 oder 21 Uhr, dass ihre Busse von Polizisten
attackiert und sogar beschossen würden. Ich habe ihm gesagt, er
solle sofort fliehen. Aber er wollte seine Kameraden nicht im Stich
lassen. Dann teilte er mir mit, dass sie einen von ihnen erschossen
hätten. Ich war völlig verzweifelt und flehte ihn an, endlich abzuhauen. Seine letzte Mitteilung bekam ich um 21.42 Uhr. Erst am anderen Tag erfuhr ich, was geschehen war durch das Foto, das im
Internet verbreitet wurde und eine Person ohne Gesicht zeigte.
Autor:
Es gab dann wohl eine offizielle Autopsie?
Marissa:
Das Ergebnis der Autopsie haben wir erst sehr viel später erhalten.
Als Todesursache wurden die Kopfverletzungen festgestellt. Und
das Fehlen der Gesichtshaut soll ein Tier verursacht haben, eine
absurde Behauptung. Deshalb suchen wir weiter nach der Wahrheit,
fordern Gerechtigkeit, damit so etwas keinem anderen Unschuldigen geschieht und das mexikanische Volk nicht erneut terrorisiert
wird.
Autor:
Den Angriff der sog. Sicherheitskräfte soll der Bürgermeister von
Iguala befohlen haben. Man sagt ihm Beziehungen zur Drogenmafia nach. Er befürchtete wohl, dass die Studenten eine Kundgebung
seiner Frau stören würden, auf der sie ihre Kandidatur für das Bürgermeisteramt bekannt wollte. Ist diese offizielle Version glaubhaft?
Marissa:
Das alles war auf jeden Fall gut geplant, denn das Ausmaß des
Einsatzes lässt nicht auf einen Zufall schließen. Das zeigen auch
die Überwachungskameras der in Iguala stationierten Infanterieein-
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heit der Armee. Zusammen mit Julio wurden insgesamt 6 Studenten
und eine zufällig in einem Taxi vorbeifahrende Frau erschossen...
Es war ein geplanter Anschlag auf die Studenten, die man verschwinden lassen und töten wollte als Warnung für alle Landschulabsolventen und -lehrer, die gegen die Regierung aufbegehren, die
für eine bessere Ausbildung demonstrieren und für Gerechtigkeit
kämpfen, die es in Mexiko nicht gibt.
O-Ton
Autor:
Der Fall Ayotzinapa rüttelte wie kein anderer zuvor die Mexikaner
auf. Die Gewalt in ihrem Land ist alltäglich: das Verschwinden von
Journalisten und Menschenrechtlern, die Ermordung von Frauen,
Massengräber, die immer wieder gefunden werden. Doch das Verschwinden der Studenten, der künftigen Lehrer trieb die Bevölkerung zu Hunderttausenden überall im Land auf die Straße. Sie protestierte in riesigen Kundgebungen gegen Präsident Peña Nieto und
verlangte seinen Rücktritt. Doch der zog es vor, nach China zu reisen, statt Stellung zu nehmen. Ihre Proteste richteten sich außerdem gegen das Lügenkonstrukt der Generalstaatsanwaltschaft und
gegen die Behinderung der Interamerikanischen Kommission für
Menschenrechte.
In einem Fernseh-Gespräch mit Carmen Aristegui, einer einflussreichen mexikanischen Journalistin, äußerte sich James Cavallor, der
Vizepräsident der Kommission:
O-Ton
Cavallor:
Bei den Untersuchungen des äußert schweren Falls von Ayotzinapa
hat man auf der Suche nach den verschwundenen Studenten in der
Umgebung von Iguala insgesamt 400 Leichen unbekannter Personen gefunden, nach denen bisher niemand gesucht hatte. Eine Frau
sagte uns: Als die Studenten von Ayotzinapa verschwanden, da
dankten wir Gott, denn nun würden sie endlich auch nach unseren
Angehörigen, z.B. auch nach meinem Mann, forschen. All denen
haben die Behörden bisher nicht die geringste Beachtung geschenkt.
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Autor:
Und Emilio Alvarez Icaza, der Exekutivsekretär der Kommission,
fügte hinzu:
Alvarez:
Es gibt einen ungeheuren Unterschied zwischen den Gesetzen und
ihrer Anwendung durch die Justiz, einen brutalen Graben. Einerseits
unterlassen die Staatsanwaltschaften viele Untersuchungen, andererseits erhalten sie mitunter Morddrohungen, wenn sie Untersuchungen machen. In lediglich 3 von 30 Staaten ist das gewaltsame
Verschwindenlassen von Personen juristisch definiert. Das heißt, es
gibt eine strukturbedingte Straflosigkeit.
Cavallor:
Mexiko macht eine schwere Krise der Menschenrechte durch.
Unsere Kommission hat zahllose Zeugenaussagen für gewaltsames Verschwindenlassen von Personen erhalten sowie für illegale
Exekutionen... und für schwerste Fälle von Folter.
Atmo
Autor:
„Lebend verschwanden sie, lebend wollen wir sie zurück!“ Den Ruf
der ‚Mütter der Plaza de Mayo‘ im Argentinien der Militärdiktatur haben die Mexikaner übernommen. Die Forderung nach Aufklärung
und Gerechtigkeit hört man bei allen Demonstrationen. Immer wieder flammen sie auf. Ayotzinapa schockierte die Mexikaner, ähnlich
wie das Massaker von Tlatelolco, bei dem 1968 Hunderte von
Demonstranten erschossen wurden. Der dafür verantwortliche Innenminister wurde wenig später Staatspräsident.
Musik
Belafonte & Paulina Lasa: Verte regresar
Sprecher:
Wir erwarten dich zuhause, hier bei uns: bei der Schar der Kämpfer,
bei dem Marsch ohne deine Stimme. Hier auf dem freien Stuhl mitten im Saal. Viele Leute wollen dich wiedersehen, hier unter dieser
Sonne.
Atmo
Autor:
Studierende der privaten Iberoamerikanischen Universität von Mexiko-Stadt traten im Mai 2012 auf einem Video im Internet auf und
zeigten ihren Ausweis, insgesamt 131. Sie solidarisierten sich mit
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dem studentischen Protest gegen den Präsidentschaftskandidaten
Enrique Peña Nieto. Er galt ihnen als Inkarnation des korrupten politischen Systems. Politiker und Medien hatten die Akteure zuvor als
Dummköpfe und sogar als Faschisten beleidigt und ihren Protest
gegen den Kandidaten als einen „von außen gesteuerten politischen Boykott“ zu diffamieren versucht. Innerhalb weniger Stunden
wurde das Video 20.000 Mal heruntergeladen. Es brodelte auf
Facebook, Twitter und in E-Mails. Ein Hashtag tauchte auf und entwickelte enorme Anziehungskraft. Zum ersten Mal formierte sich in
Mexiko über das Internet eine soziale Bewegung: YoSoy132/ IchBinNummer132.
O-Ton
Attolini:
Enrique Peña Nieto kam am 11. Mai 2012 auf Einladung der Studentenvertretung in die Iberoamerikanische Universität, um an einer
der Diskussionen teilzunehmen, die dort mit den Präsidentschaftskandidaten vor den Wahlen veranstaltet wurden.
Autor:
Antonio Attolini war 2012 einer der Sprecher der Bewegung.
Attolini:
Die Studenten der Ibero hatten sich darauf vorbereitet, Peña Nieto
als ehemaligen Gouverneur des Bundesstaates Mexiko zu einem
Polizeieinsatz im Jahr 2006 zu befragen. Damals war es zu schweren Menschenrechtsverletzungen gekommen, als die Bewohner der
Kleinstadt Atenco gegen den Bau eines neuen Flughafens protestierten. Als er jetzt behauptete, er habe auf gesetzlicher Grundlage
gehandelt, gab es heftige Proteste. Der Kandidat verschwand
schließlich durch einen Hinterausgang der Aula.
O-Ton
Autor:
„Feigling“, „Mörder“, „Raus hier!“ riefen Studenten dem eilig sich
Davonstehlenden hinterher. Damit er dem Gedränge entgehen
konnte, schoben ihn seine Sicherheitsleute schließlich in ein Gebäude. Der Radiosender der Universität berichtete.
Redakteur:
Er kam hier an unserem Studio vorbei, wollte aber offensichtlich
nicht interviewt werden. Er hatte wohl ein anderes Bedürfnis, denn
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er suchte die Toilette gegenüber auf und kam lange nicht mehr heraus. Wir übermittelten das unseren Kommilitonen vor dem Gebäude, und schnell machte das Gerücht die Runde, Peña Nieto habe
sich im Klo versteckt.
Attolini:
Das geschah in der letzten Phase des Wahlkampfs, der bis dahin
langweilig verlaufen war. Es war ziemlich klar, dass Peña Nieto, der
Kandidat der ehemaligen Regierungspartei PRI, gewinnen würde,
und die Oppositionsparteien hatten dem nichts entgegen zu setzen.
Es war wirklich öde, bis die Bombe mit diesem Video platzte. Was
dann geschah, war alles nicht geplant: spontan entstand eine Bewegung, ohne Struktur, ohne Hierarchie, ohne klares Ziel – IchBin132.
O-Ton
Autor:
An der von Jesuiten geleiteten Iberoamerikanischen EliteUniversität entzündete sich der Funke 2012 und nicht an einer öffentlichen Hochschule wie der UNAM, der Autonomen Universität
von Mexiko, dem traditionsreichsten Ort studentischen Widerstands.
Die Empörung war derart angewachsen, dass sie selbst die Ibero
alarmierte, die bisher nicht gerade durch politische Aktionen aufgefallen war. Sofort schlossen sich die Studenten der UNAM und zahlreicher anderer Hochschulen an und mobilisierten die Massen zu
Hunderttausenden: zu Demonstrationen, wie sie Mexiko in diesem
Ausmaß nur selten erlebt hat. Die aufgestaute Wut über die Unfähigkeit, die Skandale, die Korruption ihrer politischen Elite explodierte. Und wie so oft standen Studenten an der Spitze des Protestes
und verwiesen in Versammlungen auf die mexikanische Geschichte
des Widerstands.
Atmo
Student:
„Ein Volk, das seine Geschichte vergisst, ist dazu verdammt, sie zu
wiederholen.“ Deshalb sind wir hier, um diese Bewegung in den historischen Zusammenhang zu stellen.
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Wir vergessen nicht die Kämpfe der Bewegungen der Arbeiter,
Campesinos, Eisenbahner und Ärzte. Den Kampf um die Autonomie
der Universitäten, den bewaffneten sozialen Widerstand der 70erJahre. Wir vergessen auch nicht die Studentenbewegungen und
Tlatelolco 1968! Wir sind die Erben der Wahlfälschungen von 1988
und 2006, der Wirtschaftskrisen von ´82, ´96 und 2008! Wir sind die
Erben des Aufstands der Zapatista, des Massakers von Acteal, der
ungesühnten Frauenmorde in Ciudad Juárez und im Bundesstaat
Mexiko! Wir sind Teil dieser Geschichte und verlangen Gerechtigkeit! Für sie werden wir kämpfen, bis Gerechtigkeit herrscht! Wir
sind 132, sind Teil der Geschichte, sind das mexikanische Bewusstsein! Heute und für immer sind wir 132!
O-Ton
Autor:
Es war die Diffamierungskampagne gegen den studentischen Protest von den privaten Medienkonzernen Televisa und TV-Azteca,
die die Situation eskalieren ließ. „Televisa verdummt!“ skandierten
die Studenten und blockierten die Eingänge zu den Fernsehsendern
in verschiedenen Städten. Daraus entwickelten sich die Massen
demonstrationen, die das Land wochenlang in Atem hielten und
dem aussichtsreichsten Kandidaten den Wahlkampf verdarben. An
Pena Nietos späterem Sieg änderte das allerdings nichts.
Musik
Grushgrev: Enseñanza de Rabia
Sprecher:
Diese Scheißerziehung dient nur der Ausbeutung. Man sollte lernen, wie man dem Volk den Magen füllt. Zuerst der Bauch, dann
vielleicht der Kopf. Schule absolvieren heißt doch nicht lernen,
schon gar nicht Widerstand leisten. Du Lehrer bist nicht schuld, hast
das Bildungswesen nicht geschaffen, solltest aber lehren, Feuer zu
legen an das verrottete System.
Musik
Grushgrev: Enseñanza de Rabia
O-Ton
Guiomar:
Das Erbe von IchBin132 findet sich in allen politischen Initiativen der
Jugendlichen wieder. Die Bewegung ist keineswegs – wie oft be-
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hauptet wird – gescheitert. Ich halte sie sogar für einen Beitrag zur
Politisierung einer neuen Generation und zu einem neuen Diskurs.
Autor:
Guiomar Rovira Sancho, Sozialwissenschaftlerin an der Universidad
Autónoma Metropolitana in Mexiko-Stadt.
Guiomar:
Die Schwierigkeit von IchBin132, in ihrer Bedeutung wahrgenommen zu werden, besteht darin, dass in Mexiko die überall präsente,
traditionelle Linke neue Formen der Politik ignoriert. Doch gerade im
Internet haben sich durch den Einfluss der 132er ganz neue Möglichkeiten der Kommunikation und neue politische Praktiken herausgebildet. Das sind meist keine Massenaktionen, sondern kreative, ästhetische, kulturelle Interventionen, oft mit performativem Charakter. Sie dringen in Bereiche vor, die normalerweise wenig mit
Politik zu tun haben.
O-Ton
Zitat:
„Vor einem Jahr lenkten dreißig Liter Farbe Hundertausende von
Blicken auf die Verantwortlichen. So einfach ist es, die politische
Macht zu unterlaufen. Es gibt kein Zurück. Es ist Zeit, alles zu ändern.“
Atmo
Autor:
30 Sekunden lang ist dieser Videoclip, der im Netz kursiert. Er fasst
eine nächtliche Aktion zusammen, die kaum eine Stunde dauerte
und in den meisten Medien des Landes für Schlagzeilen sorgte. Auf
den Zócalo, den größten Versammlungs- und Demonstrationsplatz
Mexikos, hatte das Künstlerkollektiv Rexiste mit weißer Farbe in
Meter hohen Buchstaben gemalt: „Fue el Estado/ Es war der Staat.“
Eine Antwort auf die juristischen Ablenkungsmanöver der Regierung
von ihrer Verantwortung für die Verschleppung der 43 PädagogikStudenten. Der Spruch wurde zum Motto vieler Demonstrationen.
O-Ton
Rexiste 1:
Wir hielten es für notwendig, diese Botschaft in einer besonderen
Form zu verbreiten. Über die Mittäterschaft der Polizei war schon viel
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diskutiert worden, aber wir wollten darauf so groß wie möglich aufmerksam machen. Es war wohl eine Fläche von 30 m2, mitten im
Herzen der Stadt, vor dem Präsidentenpalast.
Autor:
Die vier vom Kollektiv Rexiste, die mir ihre Aktionen und deren Absichten erklärt haben, wollen nicht namentlich genannt werden.
Rexiste 1:
Das war das Ergebnis von langen Überlegungen, wie wir sie in der
für uns neuen, kollektiven Arbeit der 132er-Bewegung gelernt haben. Wir haben diese Intervention im öffentlichen Raum übrigens
mit sehr wenigen Leuten, mit weniger als zehn, gemacht. Denn wir
wollten zeigen, dass jede Gruppe in der Lage ist, eine aussagekräftige Aktion durchzuführen. Wieder haben wir dabei erlebt, was wir
schon als 132er gelernt haben: dass man die Presse in diesem
Land manchmal zwingen kann, gewisse Informationen aufzugreifen,
wenn sie die richtige Größe haben und die sozialen Netzwerke ihnen Nachdruck verleihen.
Autor:
Rexiste macht Straßenaktionen. Auf Eurer Webseite findet sich
außerdem eine Fülle von Grafikkunst. Ihr habt z.B. das Titelblatt für
De vuelta a casa (Nach Hause zurück) entworfen, eine CD mit Liedern der Solidarität mit Ayotzinapa. Und ihr macht Plakate für Aktionen, deren Qualität mich an die politische Plakatkunst im Mexiko
der 40er-Jahre erinnert.
Rexiste 2:
Die Grafik ist aus dem Bedarf an visuellem Material hervorgegangen. Es sollte eine politische Aussage haben, allerdings nicht in der
traditionellen Form der Linken, dieser Plakate mit erhobenen Fäusten und Sternen in Schwarz-weiß-rot. Von diesen Vorbildern wollen
wir uns mit Motiven und Farben absetzen, mit denen wir uns mehr
identifizieren können als mit diesen Ausdrucksformen, die einmal
revolutionär waren und uns heute veraltet und nicht mehr revolutionär erscheinen.
Rexiste 1:
Ein anderes Projekt haben wir 2014 geschaffen: Droncita: unsere
Graffiti-Drohne, mit der wir viel Erfolg hatten.
Atmo
14
Autor:
Die erste kleine Drohne startete einen Farbangriff gegen das auf
eine Mauer kopierte Bild von Präsident Peña Nieto in Siegerpose.
Rexiste 3:
„Ayotzinapa war der Beginn dieser Geschichte. An ihrem Ende hast
du versucht, die Wahrheit zu unterdrücken. Es ist Zeit, alles zu ändern.“
Autor:
„Hau ab!“ steht am Schluss quer über dem Bild des Präsidenten.
Autor:
In den sozialen Bewegungen Mexikos hat es ein ständiges Auf und
Ab gegeben. IchBin132 ist nach dem Wahlsieg Peña Nietos 2012
nahezu verschwunden. Auch die Massenproteste gegen die Verschleppung der 43 in Ayotzinapa verebbten. Müsste das politische
Engagement, das sich in den Demonstrationen und Aktionen gezeigt hatte, nicht in ein gemeinsames politisches Projekt kanalisiert
werden? So wie es der spanischen Bürgerbewegung 15-M mit der
Partei Podemos gelungen ist, die nun die Parteienlandschaft verändert hat.
Rexiste 1:
Was würde in Spanien geschehen, wenn plötzlich Massengräber
mit Hunderten von Körpern gefunden würden oder wenn jeden Tag
Aktivisten und Journalisten getötet würden? Das hier ist auch nicht
Frankreich, wo es ein paar schreckliche Attentate gab. In diesem
Land befinden wir uns seit langem tagtäglich in einem Kriegszustand, in den die politische Klasse verwickelt ist. Dennoch haben wir
eine Phase der Einheit unter den Schulen und Hochschulen und
eine Organisation zustande gebracht, die so viele Jugendliche wie
nie zuvor auf den Straßen mobilisierte, Möglichkeiten bot, etwas zu
ändern. Daraus ist zwar keine der traditionellen sozialen Bewegungen entstanden, die sich meist in Versammlungen erschöpfen. Aber
IchBin132 hat überlebt als eine andere Form, Politik zu machen:
und zwar im Alltag zu intervenieren.
Rexiste 3:
Wenn wir durch die Straßen gehen und uns jemand sexuell belästigt, laufen wir dieser Person hinterher, holen unsere Konfetti-Pistole
heraus, schießen auf ihn und singen unseren ‚Sexista Punk‘: „Was
du tust, macht nur ein Schwein.“ Damit wollen wir andere Frauen
ermutigen, genauso zu handeln. Aber es soll ihnen auch Spaß brin-
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gen und keine Angst machen. Wir glauben nicht, dass wir so die
Welt verändern. Doch wir haben damit die unsrige verändert.
O-Ton
Autor:
Töchter der Gewalt nennt sich das Frauentrio, das mit dieser Aktion
durch Mexiko-Stadt zieht. Frauen wurden beispielsweise in den
überfüllten Waggons der Metro derart häufig belästigt, dass das
Unternehmen sich gezwungen sah, einen Teil jedes Zugs nur für
weibliche Passagiere zu reservieren. In Lateinamerika haben Frauen den Begriff Feminizid geprägt, um die alltägliche Gewalt bis hin
zum Mord zu charakterisieren, der sie ausgesetzt sind. Ich treffe die
drei Aktivistinnen bei Rexiste.
Hijas 1:
Die Töchter der Gewalt ist ein Kollektiv feministischer Kunst. Mexiko
hat ein großes Problem mit dem Feminizid, und die sexuelle Belästigung auf der Straße wird als ein kleineres Übel betrachtet, angesichts der Vielzahl täglicher Vergewaltigungen oder der Morde in
Juárez. Doch für uns ist das die Spitze des Eisbergs einer machistischen Ideologie in diesem Land. Sie wird oft als Teil der Folklore
betrachtet, beispielsweise in den Filmen der ‚Goldenen Ära‘, in
denen sie als ‚Mikro-Machismus‘ erscheint. Und Mexiko hat sich an
diese Form alltäglicher Gewalt als etwas völlig Normales gewöhnt.
Autor:
Und wie reagieren die Männer auf Eure Aktionen?
Hijas 2:
Normalerweise erschrecken sie, wenn wir mit Konfetti auf sie schießen. Dann werden manche wütend, fühlen sich in ihrem Machismus
ertappt und versuchen, so schnell wie möglich abzuhauen, um sich
nicht lächerlich zu machen.
O-Ton
Autor:
Das Frauen-Kollektiv gehörte im April zu den Organisatorinnen des
größten ‚Marsches gegen machistische Gewalt‘ in Mexiko. Unter
dem Motto „Leben wollen wir“ demonstrierten Zehntausende von
Frauen einen Sonntag lang in 27 Städten gegen sexuelle Belästigung und Feminizid.
16
Musik
Sexista Punk
Sprecherin:
Jeden Tag derselbe Blick
und dieselben sanfte Worte:
Mamacita, süßes Ärschchen,
darf ich nicht einmal?
Weißt du, was du machst,
heißt Vergewaltigung.
Ich warte auf den Tag,
an dem ich auf die Straße gehen kann,
ohne auf meinen Körper aufzupassen.
Sexist, Machist,
was willst du eigentlich?
Deine Männlichkeit beweisen?
Dann verpiss dich aus meinem Blick!
O-Ton
Aktivistin:
Heute ist ein denkwürdiger Tag. Aus Anlass der Verkündung der
Verfassungsgebenden Versammlung der Bürger wende ich mich an
das Volk, an die anwesenden Autoritäten und an euch, Compañeras und Compañeros.
Autor:
Im Bundesstaat Chiapas, im armen Südosten des Landes, weltweit
bekannt geworden durch den Aufstand der Zapatisten in den
1990er-Jahren, wurde im Dezember 2015 ein landesweites Projekt
der Bürgergesellschaft ausgerufen.
Aktivistin:
Hiermit bringen wir unsere Ablehnung der politischen Klasse zum
Ausdruck, die sich nicht um die Interessen des Volkes kümmert,
sondern nur um ihre persönliche Bereicherung. Wir prangern ihre
Korruption an, ihre Inkompetenz, ihre Vortäuschung einer Demokratie, diesen Parteien-Zirkus, den sie dem Volk aufgezwungen hat,
und ihren Pakt mit dem organisierten Verbrechen und dem Großkapital. Wir lehnen kategorisch die von der Regierung geplante Verfassungsreform ab, denn sie widerspricht den sozialen Grundsätzen
der Verfassung von 1917 und dient nur den Interessen der nationalen und internationalen Konzerne und ihrer Ausbeutung der natürlichen Reichtümer unserer Mutter Erde.
Atmo
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Autor:
Einer der Berater der Verfassungsgebenden Versammlung der Bürger ist der Philosoph Magdiel Sánchez Quiroz.
Sánchez:
Wir planen einen Verfassungstext, der einen neuen Sozialpakt beinhaltet. Damit wollen wir die mexikanische Nation auf eine neue
Grundlage stellen. Deshalb soll der Text nicht von Experten ausgearbeitet werden, die nur an der Redaktion von Paragraphen interessiert sind, sondern von Bürgern aus allen sozialen Schichten des
Landes und zwar auf der Basis der Bedürfnisse aller Mexikaner.
Autor:
Weshalb ist das nötig? Die 100 Jahre alte Verfassung von 1917, die
jetzt gründlich reformiert werden soll, war doch fortschrittlich.
Sánchez:
Die Grundlagen unserer Verfassung wurden permanent zerstört: der
durch die Landreform vergesellschaftete Grundbesitz, die Nationalisierung der strategisch wichtigen Rohstoffe, vor allem des Erdöls,
das Arbeitsrecht und das Recht auf Bildung. Diese vier Grundpfeiler
wurden durch zahlreiche neue Modifikationen ausgehöhlt. Nahezu
80 Prozent der mexikanischen Verfassung wurden im Lauf der
Jahrzehnte verändert. Deshalb braucht der Staat ein völlig neues
Grundgesetz, denn das bestehende ist zerrüttet.
Autor:
Wie soll das ablaufen in diesem tief gespaltenen Land, in dem es
noch nicht einmal eine Einheit der Linken gibt?
Sánchez:
Wir wollen jedenfalls nicht die Geschichte wiederholen und diese
Reform mit Hilfe der existierenden politischen Parteien durchführen.
Wir sind nicht grundsätzlich gegen Parteien, aber den Herrschenden vertrauen die Leute nicht mehr.
Autor:
Kann die Verfassungsgebende Versammlung auf bestehenden
Strukturen aufbauen?
Sánchez:
Angesichts einer derartigen Krise haben die Leute zur Selbsthilfe
gegriffen und eigene Polizeieinheiten und Bürgerwehren gegen die
Gewalt von allen Seiten aufgestellt. Es gibt vielerorts Komitees zur
Verteidigung des Wassers, das Konzerne sich unter den Nagel reißen wollen oder verschmutzen. Komitees von Lehrern und Eltern,
um Schulprobleme zu lösen in unserem desolaten Bildungssystem.
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Mit der Zeit hat sich ein riesiges Arsenal von Selbsthilfeorganisationen gebildet, mit denen wir eng zusammenarbeiten.
Autor:
Die Bürgergesellschaft hat sich in den vergangenen Jahren sehr
verbreitert. Doch wie entsteht daraus ein Verfassungsentwurf?
Sánchez:
Auf dieser Basis wählen wir die Repräsentanten der Verfassungsgebenden Versammlung. In ihren Debatten entsteht der Verfassungsentwurf, und dann beginnt der friedliche politische Kampf um
seine Durchsetzung. Das Projekt ist nicht so rasch zu realisieren. Es
vermittelt jedoch die Hoffnung auf einen Wiederaufbau dieses Landes, und es bringt das mexikanische Volk als handelndes Subjekt in
die Politik zurück.
Musik
La HH Botellita: Libertad
Sprecher:
Kommt alle heraus, auch die, die noch nicht dabei waren, zum
Kampf um Würde und Freiheit!
Absage:
„Wir sind es leid.“
Die mexikanische Bürgergesellschaft wehrt sich
Ein Feature von Peter B. Schumann
Sie hörten eine Co-Produktion des Deutschlandfunks mit dem Südwestdeutschen Rundfunk 2016.
Die Lieder der Platte De vuelta a casa haben die Interpreten und
Komponisten zur Verfügung gestellt: Fero Esteban, Axel Ordaz, Belafonte & Paulina Lasa, Grushgrev, Hijas de violencia, DePedro und
La HH Botellita.
Es sprachen: Jean-Paul Baeck, Andreas Potulski, Sigrid Burkholder,
Jonas Minthe, Maya Bothe und der Autor
Ton und Technik: Christoph Rieseberg und Roman Weingardt
Regie: Peter B. Schumann
Redaktion: Karin Beindorff