SWR2 Zeitwort

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SWR2 Zeitwort
23.05.1934:
Das Gangsterduo Bonnie und Clyde muss sterben
Von Christiane Renye
Sendung:
Redaktion: Ursula Wegener
Produktion: SWR 2016
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O-Ton:
„Ich bin Miss Bonnie Parker und das ist Mr. Clyde Farrow. Wir rauben Banken aus“.
Autorin:
Das war Faye Dunaway im Film „Bonnie & Clyde“ aus dem Jahr 1967 von Arthur
Penn - die wohl bekannteste Verfilmung der Geschichte.
Clyde Barrow wurde 1909 in Texas, Bonnie Parker 1910 in Louisiana geboren. Clyde
geriet schon früh auf die schiefe Bahn und saß ein paar Mal wegen Überfällen,
Einbrüchen und Autodiebstahls im Gefängnis. 1930, mit 21 Jahren, kam er auf die
Gefängnisfarm Eastham. Dort wurde er von einem Mithäftling mehrfach sexuell
missbraucht.
Dieses Erlebnis soll seine Persönlichkeit verändert haben, seine Schwester sagte
angeblich, dass sie ihn danach nicht mehr wiedererkannt habe. Clyde wurde schwer
kriminell, schreckte vor keinem Mord zurück und er schwor der Polizei und der Justiz
in Texas Rache. Bonnie und Clyde begegneten sich noch im selben Jahr, also 1930,
in der Nähe von Dallas und wurden ein Paar. Bonnie war bislang nicht aufgefallen.
Sie war intelligent, darauf deuten zumindest ihre Leistungen in der Schule hin. Aber
sie scheint beeinflussbar gewesen zu sein. Und Clyde muss das schnell erkannt
haben - so wird es jedenfalls im Film geschildert.
O-Ton:
Du bist genau so wie ich, dir ist nichts gut genug. Du möchtest was Besseres sein,
als Serviererin. Wenn wir uns zusammentun, dann könnten wir den ganzen Staat in
die Tasche stecken… und alle würden sie dann von uns sprechen. Hören Sie auf
mich, Miss Bonnie Parker, hören Sie doch auf mich! Oder würdest du vielleicht nicht
gern im allerfeinsten Hotel von Dallas sitzen, ein schickes, seidenes Kleid tragen und
dich von allen bedienen lassen
Autorin:
Die beiden überfielen Banken, Tankstellen und Lebensmittelgeschäfte, meist auf
dem Land im Mittleren Westen der USA. Der Polizei entwischten sie immer wieder,
weil die damals, während der Wirtschaftskrise, schlecht ausgerüstet war und Clyde
das schnellere Auto, einen Ford V8, besaß.
O-Ton:
Atmo Verfolgungsjagd
Autorin:
Das ging einige Jahre so. Während dieser Zeit fielen dem Gangsterpärchen 14
Menschen zum Opfer, hauptsächlich Polizisten. Und immer wieder fanden sie dabei
Komplizen. Was ihnen schlussendlich zum Verhängnis wurde.
1934 stellte ihnen die Polizei eine Falle. Lockvogel war der Vater eines ihrer
Spießgesellen. Am 23. Mai täuschte der Mann beim Black Lake in Louisiana eine
Reifenpanne vor. Bonnie und Clyde hielten an. Die Polizeifahnder warteten schon im
Hinterhalt. Der Ford von Bonnie und Clyde wurde von 167 Kugeln durchsiebt von
denen 50 trafen. Sie hatten keine Chance. Aber sie hatten ihren Opfern auch keine
gelassen. Sie waren brutal, sie waren kompromisslos, sie wussten, dass sie nicht
überleben würden. Und es muss ihnen wohl egal gewesen sein.
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Kurios erscheint vor diesem Hintergrund, dass weder Bonnie noch Clyde ihre Flucht
vor der Polizei jemals hätten zu Fuß bewerkstelligen können. Clyde hatte sich im
Gefängnis den großen Zeh am linken Fuß und ein Stück von einem anderen Zeh mit
einer Axt abgehackt, um der Zwangsarbeit zu entgehen. Er konnte daraufhin nicht
mehr gut laufen und hatte auch beim Autofahren Probleme. Bonnie zog sich bei
einem Autounfall im Jahr 1933 eine schwere Verätzung am Bein zu. Sie hatte so
schlimme Schmerzen, dass sie das Bein kaum noch benutzen konnte und oft von
Clyde getragen werden musste.
Eigentlich erstaunlich, dass diese gefährlichen Verbrecher in Liedern, Filmen und der
Literatur immer wieder mit Nachsicht behandelt wurden. Vordergründig zeigte ihre
kurze Partnerschaft nicht als Hass, Fanatismus und blinde Gefolgschaft. Was viele
Menschen daran trotzdem romantisch finden, sind der Anarchismus, das Auflehnen
gegen die Obrigkeit und die Liebe. Bonnie Parker war 24 als sie starb, Clyde Barrow
ein Jahr älter.
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