Kinderchirurgen "verstecken" k√ľnstlichen Blasenausgang im

URL: http://www.uni-jena.de/Mitteilungen/PM160526_Blasenausgang.pdf
Kinderchirurgen "verstecken" künstlichen Blasenausgang im
Bauchnabel
Verfahren kann bei urogenitalen Fehlbildungen oder nach
Krebserkrankungen eingesetzt werden
Wenn Kinder auf Grund einer Fehlbildung oder eines Tumorleidens keine funktionsfähige
Harnblase haben oder wegen des Fehlens einer Harnröhre auf einen künstlichen Blasenausgang
angewiesen sind, kann dies ihre Entwicklung stark einschränken. Oft ziehen sich die Kinder zurück
oder werden ausgegrenzt, wollen keinen Sport machen oder mit anderen Kindern spielen. Umso
wichtiger ist es, ihnen eine medizinische Versorgung anzubieten, die es den Kindern möglich
macht, am Alltag teilzunehmen. In der Klinik für Kinderchirurgie des Universitätsklinikums Jena
(UKJ) wird ein Verfahren angewandt, das erkrankten Kindern zu mehr Selbstständigkeit verhilft.
Auch Schwimmen ist damit für die Kinder möglich
Allein in diesem Jahr hat Prof. Dr. Felicitas Eckoldt, Direktorin der Kinderchirurgie am UKJ, bei
zwei Mädchen operativ einen künstlichen Blasenausgang angelegt. Das Besondere: Der Ausgang
liegt "versteckt" im Bauchnabel, ist kontinent, also trocken, und kann z. B. im Sommer bei Bedarf
einfach mit einem Pflaster abgedeckt werden. Auch Schwimmen ist damit für die Kinder möglich
und das, ohne dass ihre Spielkameraden den künstlichen Ausgang bemerken. Alle vier Stunden
können die Kinder über diesen Ausgang ihre Blase, nach Schulung und Begleitung durch die
Eltern oder Pflegekräfte, selbstständig mit einem Katheter entleeren.
"Eines der Mädchen im Grundschulalter litt an Blasenkrebs. Dem Kind wurde zunächst die
komplette Harnblase entfernt. Daher haben wir ihm aus einem Stück Darm ein Reservoir als Ersatz
für die Blase gefertigt und dies mit den Harnleitern verbunden. Als Eingang dient der Blinddarm
und über einen Katheter erfolgt dann die Entleerung der Ersatzblase", erklärt die Expertin für
Urogenital-Erkrankungen im Kindesalter. Prof. Eckoldt betont: "Dieser Ausgang ist dicht, es gibt
keine Geruchsbelästigung und damit auch keine Hänseleien anderer Kinder. Das Mädchen ist
richtig aufgeblüht nach dem Eingriff. Natürlich musste sie zunächst noch unterstützt werden beim
Umgang mit dem Katheter, aber schon bald konnte sie ihn schnell auch selbst bedienen."
Einsatz bei einer angeborenen Blasenfehlbildung
Der zweite Eingriff erfolgte bei einem fünfjährigen Mädchen, das an einer angeborenen
Blasenfehlbildung litt, im Fachbegriff "Blasenekstrophie". Hierbei ist die Blase nicht komplett
ausgebildet worden: Die Entwicklung ist sozusagen stehen geblieben, bevor die Blasenwand
korrekt angelegt, die Harnröhre entwickelt und der Beckenring geschlossen werden konnten. Eine
solche Fehlbildung tritt bei etwa einem von 7000 Neugeborenen auf. Da diese schwere
Kinderchirurgen "verstecken" künstlichen Blasenausgang im Bauchnabel
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Fehlbildung sehr selten ist, gehört die Behandlung in die Hände ausgesprochener Spezialisten,
betont Prof. Eckoldt. "Unsere Patienten kommen zum Teil von weit her angereist." Auch bei diesem
Mädchen mussten die Experten des UKJ ein künstliches Blasenreservoir aus Darm mit einem
katheterisierenden Zugang über den Wurmfortsatz anlegen. Auch hier kann die Blasenentleerung
dann über einen Katheter erfolgen, was auf Grund des jungen Alters des Kindes noch durch die
Mutter bzw. während der Kindergartenzeit durch einen Pflegedienst vorgenommen wird. Die Kleine
kennt aber bereits nach wenigen Wochen alle benötigten Utensilien und legt alles bereit, wenn es
Zeit zum Katheterisieren ist.
Beide Mädchen werden regelmäßig in der Spezialsprechstunde für Urogenital-Erkrankungen der
UKJ-Kinderchirurgie weiter betreut. Diese Nachsorge ist genauso wichtig wie die erforderliche
Erfahrung und Kompetenz bei den Operationen. Die UKJ-Kinderchirurgie ist auf solche Eingriffe
spezialisiert. Neben Operationen im Genitalbereich zählen auch Eingriffe im Magen-Darm-Trakt zu
den Schwerpunkten der Klinik.
Die Behandlung kindlicher Organfehlbildungen ist komplex und erfordert deshalb die
fachübergreifende Zusammenarbeit verschiedener Ärztegruppen. Am UKJ arbeiten die
Kinderchirurgen u. a. mit Spezialisten für die Versorgung Frühgeborener (den Neonatologen),
Spezialisten für kindliche Nierenerkrankungen (den Kindernephrologen) und Kinderradiologen
zusammen. Großer Vorteil des Jenaer Klinikums: Als einziges in Thüringen verfügt es über eine
Abteilung für Kinderradiologie.
Kontakt:
Prof. Dr. Felicitas Eckoldt
Klinik für Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Jena
07740 Jena
Tel.: 03641 / 9322701
E-Mail: [email protected]
Meldung vom: 26.05.2016 07:40 Uhr
Verfahren kann bei urogenitalen Fehlbildungen oder nachKrebserkrankungen eingesetzt werden
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