Bibelbotschaft - Evangelische Berliner Schriften

Johannes 14,22-27
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45. Jahrgang
Ihr sollt auch leben!
Jesus Christus sagte zu denen, die ihm nachfolgen wollten: „Wer mich liebt, der wird
mein Wort halten; und mein Vater wird ihn
lieben, und wir werden zu ihm kommen und
Wohnung bei ihm nehmen. Wer aber mich
nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und
das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort,
sondern das des Vaters, der mich gesandt
hat. Das habe ich zu euch geredet, solange
ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster,
der Heilige Geist, den mein Vater senden
wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was
ich euch gesagt habe. Den Frieden lasse ich
euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht
gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz
erschrecke nicht und fürchte sich nicht“.
Genau zum Fest der Frühjahrsernte, fünfzig
Tage nach Passah, dem Gedenken an die Befreiung Israels aus der Knechtschaft Ägyptens, empfing die gläubige Gemeinde die
Frucht des Leidens Jesu, nämlich den heiligen Geist des himmlischen Vaters.
Was ist Pfingsten?
Nachdem der Sohn Gottes die Sünde der
Welt durch seinen Kreuzestod getilgt und
Versöhnung des Menschen mit dem himmlischen Vaters bewirkt hatte, wurden alle,
die an Ihn glaubten, Gott wohlgefällige Gefäße, um den heiligen Geist zu empfangen. Es ist
der von Jesus verheißene andere Tröster, der alle Gläubigen in
Wahrheit zum rechten Handeln
vor Gott leitet.
Pfingsten ist die Erfüllung der
Zusage, dass die an Jesus, den
Messias, gläubigen Menschen
nicht weiter der Hoffnungslosigkeit auf das Ewige und Todesfurcht preisgegeben bleiben sollen, sondern zur neuen
Lebenseinheit mit Gott und
Menschen gelangen. Es ist die
Zusicherung, den Weg des ewigen Lebens zum Himmelreich
nicht zu verfehlen.
Sünde führte einst zur Auflehnung gegen Gott und zur
Ablehnung des Nächsten. Der Turmbau zu
Babel (1.Mo.11), eine Machtdemonstration
des Menschen, über sich selbst herrschen
zu wollen, führte zur Sprachenverwirrung
und Entzweiung untereinander. Es gab keine Verständigung mehr. Uneinigkeit, Zank,
Krieg und Mord waren Folgen dieser Entzweiung bis auf den heutigen Tag. Rebellion gegen Gottes Anspruch, seine Geschöpfe lenken und leiten zu wollen, ließ die
Menschen zu keiner neuen Einheit finden.
Was aber dem Menschen unmöglich war
und ist, tat Gott und sandte seinen Sohn
in die Welt, um alle Hindernisse zur neuen
und bleibenden Einheit wegzuräumen. Jesus Christus sprach zu seinen Jüngern von
diesem Werk so (Joh.12,32): „Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle
zu mir ziehen“. Seine Erhöhung am Kreuz
machte den Weg zum ewigen Leben frei.
Die große Sammlung
Mit dem Geschenk des heiligen Geistes
begann die Sammlung aller Gläubigen zur
Einheit in der neuen Gemeinschaft. Obwohl
es noch äußerliche Unterschiede unter den
Gläubigen gab, wirkte doch der heilige
Geist in ihnen das Einssein, wie es heißt
(Apg.4,32a): „Die Menge der Gläubigen
aber war ein Herz und eine Seele“.
In dieser Einheit der Gemeinde Jesu spielten nationale, soziale und kulturelle Unterschiede keine Rolle mehr. Alle wurden eins
in der Gesinnung zu Gott und untereinander, denn die Liebe dominierte. Der Apostel
Paulus schrieb später darüber (1.Kor.12,13):
„Wir sind durch einen Geist alle zu einem
Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit
einem Geist getränkt“.
Die Sammlung der Gemeinde wird allein
durch Jesus Christus gelenkt. Ohne Ihn
hätte es kein Pfingstwunder gegeben.
Ohne Sein Kreuz der Sühne für unsere
Sünden würden alle Menschen weiter in
Gottesferne auf dem Weg zur ewigen
Verdammnis sein. Nun aber hat sich der
himmlische Vater über uns erbarmt und
sich mit allen Gläubigen einen heiligen
„Tempel“ geschaffen, in dem ER mit seinem Geist wohnt. Jeder Neubekehrte
trägt zum Wachstum dieses „Tempels“ bei.
Paulus schrieb (Eph.2,19-22): „Ihr seid nun
nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern
Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der
Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau
ineinander gefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. Durch ihn werdet auch ihr mit erbaut zu einer Wohnung
Gottes im Geist“.
Pfingsten ist die Einladung zum Frieden
mit Gott und Menschen sowie zur göttlichen Führung, Hilfe und großem Segen.
Die Sammlung der Gemeinde begann in
Jerusalem und wird auch dort zu Ende gebracht werden, nachdem das Evangelium
die ganze Welt durchzogen hat. Israel bildete den Anfang der Gemeinde Jesu und
wird auch den Abschluss nach der gänzlichen Rückkehr aus den Nationen nach Jerusalem krönen. Israel wird Jesus als seinen
Messias annehmen, denn so spricht Gott
der Herr (Sach.12,10;13,1): „Über das Haus
David und über die Bürger Jerusalems will
ich ausgießen den Geist der Gnade und des
Gebets. Und sie werden mich ansehen, den
sie durchbohrt haben, und sie werden um
ihn klagen, wie man klagt um ein einziges
Kind, und werden sich um ihn betrüben,
wie man sich betrübt um den Erstgeborenen. … Zu der Zeit werden das Haus
David und die Bürger Jerusalems einen
offenen Quell haben gegen Sünde und Befleckung“.
Offenbarung der Trinität
Zu Pfingsten offenbarte sich Jahwe als der
dreieinige Gott im Vater, Sohn und heiligem Geist.
1. Der Vater ließ durch Abraham das Volk
Israel zum Segen des Heils für alle Völker aufwachsen. ER verhieß (Jer.31,9b):
„Ich will sie zu Wasserbächen führen
auf ebenem Wege, dass sie nicht zu Fall
kommen; denn ich bin Israels Vater und
Ephraim ist mein erstgeborener Sohn“.
2. Der Sohn vollbrachte die Loslösung
von der verdammungswürdigen Sünde
für alle Menschen durch das Opfer am
Kreuz. ER konnte sagen (Joh.10,30): „Ich
und der Vater sind eins“. Und (Joh.14,9b):
„Wer mich sieht, der sieht den Vater!“.
3. Der Heilige Geist schenkte neue Verbundenheit mit Gott und den Menschen und
ist der unsichtbare Tröster anstelle des
sichtbaren im Menschensohn. Darum
sagte Jesus: „Wer mich liebt, der wird
mein Wort halten; … und wir werden zu
ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen“.
Die Trinität Gottes erzeigt sich nur dort, wo
das erlösende Bindeglied, Jesus Christus,
im Glauben angenommen wird. Deshalb
betonte der Apostel Johannes diese Wahrheit mit den Worten (1.Joh.5,12): „Wer den
Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn
Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht“.
Und seinen Jüngern bezeugte Jesus selbst
(Joh.14,6): „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum
Vater denn durch mich“.
In dem Vers 26 unseres Ausgangstextes wird
noch einmal diese wichtige Tatsache der Trinität Gottes, weil Gott alles in allem ist, zusammen genannt. Jesus offenbarte die Trinität seinen Jüngern mit den Worten: „Der
Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater
senden wird in meinem Namen (Sohn), der
wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“.
Pfingsten war nicht nur ein göttliches Geschenk für die Urgemeinde, sondern wirk-
te weiter bis in unsere Zeit und findet dort
statt, wo sich Menschen von ganzem Herzen zu Gott in Jesus bekehren.
Fruchttragendes Leben
Am fünfzigsten Tag nach Passah wurden
die Früchte des heiligen Geistes in der Weise spürbar:
a) Es kam zum direkten Kontakt mit Gott,
denn (Apg.2,4): „Sie wurden alle erfüllt
von dem Heiligen Geist und fingen an zu
predigen in andern Sprachen, wie der
Geist ihnen gab auszusprechen“. Gottes
Wort wurde verstanden und weitergesagt.
b) Gläubige wurden Zeugen der Auferstehung Jesu von den Toten, wie verheißen
(Apg.1,8): „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch
kommen wird, und werdet meine Zeugen sein“.
c) Eine geheiligte Wesensart wurde freigesetzt, denn (Gal.5,22): „Die Frucht des
Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld,
Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut,
Keuschheit“.
Wer erlebt Pfingsten?
Als das Volk zu Jerusalem die Auswirkung
der Ausgießung des heiligen Geistes sah
und die erklärende Predigt des Apostels
Petrus vernahm, hatten die Zuhörer nur
noch eine Frage, wie auch sie in die neue
Einheit mit Gott und den Menschen gelangen könnten. Die klare Antwort durch den
Apostel Petrus war (Apg.2,38): „Tut Buße
und jeder von euch lasse sich taufen auf den
Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer
Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe
des Heiligen Geistes“.
Dreitausend Menschen nahmen am Tag zu
Pfingsten in Jerusalem das Geschenk der
neuen Einheit mit Gott an. Täglich kamen
viele Gläubige hinzu, was sich fortsetzte bis
in unsere Zeit und weiter fortsetzt auf den
Tag der Wiederkunft Jesu Christi.
Menschen brauchen Frieden mit Gott zum
seligen Aufstieg ins Himmelreich und Frieden mit den Mitmenschen zum seligen
Leben in der Zeit. Der Reformator Martin
Luther sagte einmal über das wunderbare Evangelium der Gnade Christi: „Wo das
Wort von Christus geglaubt wird und das
Herz dadurch Trost empfängt, da ist gewiss
der heilige Geist und tut sein Werk“.
Neues Leben, neues Wesen, neue Einheit und neue Hoffnung brach am Tag zu
Pfingsten, dem fünfzigsten Tag nach dem
Passah-Fest, auf. Auch in unserer Zeit ist
jeder Mensch eingeladen und aufgerufen,
dieses Lebensgeschenk anzunehmen, denn
Jesus Christus spricht:
„Meinen Frieden gebe ich euch!
Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt.
Euer Herz erschrecke nicht und
fürchte sich nicht“.
Mit dem Liederdichter Philipp Spitta können auch wir in unserer Zeit freudig und
erwartend bitten und bekennen:
O komm,
du Geist der Wahrheit,
und kehre bei uns ein,
verbreite Licht und Klarheit,
verbanne Trug und Schein.
Gieß aus dein heilig Feuer,
rühr Herz und Lippen an,
dass jeglicher getreuer
den Herrn bekennen kann.
Es gilt ein frei Geständnis
in dieser unsrer Zeit,
ein offenes Bekenntnis
bei allem Widerstreit,
trotz aller Feinde Toben,
trotz allem Heidentum,
zu preisen und zu loben
das EVANGELIUM.
Wolfgang Schmidt
Evangelische Berliner Schriften-Mission
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