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Jurybegründung Ponto Performance Preis 2016
Der Ponto-Preis für Performance Art 2016 geht an das Kollektiv FUX –
Stefan Dorn, Falk Rößler und Nele Stuhler. Die Jury zeichnet damit eine
Gruppierung aus, die aus ihrem gemeinsamen Studium am Gießener
Institut für Angewandte Theaterwissenschaft heraus eine konsistente
ästhetische Praxis entwickelt hat, die sich als ebenso lustvolle wie
raffinierte Strategie der freundlichen Übernahme beschreiben ließe. Sei es
die performative Auseinandersetzung mit dem piefig-deutschen Kabarettund Kleinkunsttheater in „Die kleine Freiheit“, die dekonstruktive
Untersuchung von Oper und Musiktheater in „Opa übt“ oder die
Transformation von Samuel Becketts 90-Sekünder „Atem“ in das
abendfüllende Bühnenwerk „Langer Atem“, das die gesamte Gießener
Stadttheaterapparatur in Atem hält – keine szenische Form ist zu klein, zu
groß oder zu abwegig, um nicht von FUX gekapert und zum
Ausgangspunkt für ihre feinsinnigen Analysen auserkoren zu werden. FUX
bedienen sich am reichhaltigen Repertoire theatraler Darstellungs-weisen
und eignen es sich auf bewusste, offensiv dilettantische Weise an: Das
Fremde, Entfremdete, Andere wird in einer Haltung, die sich als
professionalisierter Amateurgeist bezeichnen ließe, persönlich
nachvollzogen, ohne dabei jemals als solches diskreditiert zu werden.
Dabei arbeiten sich FUX immer wieder auch an den Möglichkeiten
und Grenzen der – hergebrachten wie zeitgenössischen –
Theaterinstitutionen ab, indem sie sie zu etwas verführen, was sich ihnen
eigentlich sperrt. Dieser hoch intelligente Ansatz wird begleitet durch einen
entschiedenen Willen zur Unterhaltung und eine Spielfreude, die die
Gruppe bislang landauf, landab gleichermaßen zu den kleinsten
Tourneebühnen der Republik wie zu den Münchner Kammerspielen geführt
hat.