Reise-Fieber - synlab.COM

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INHALT
12 –13: REISERÜCKKEHRER
14 –15: CHRONISCHE POLYARTHRITIS
16 –17: ANTIPHOSPHOLIPID-SYNDROM
18 –19: ERNÄHRUNGSBERATUNG
MALARIA, SCHLAFKRANKHEIT UND CO.
Reise-Fieber
Fieber ist ein wichtiges und manchmal auch das einzige Symptom
tropischer Erkrankungen. Die Entscheidung, ob der Patient besser
in einer tropenmedizinisch erfahrenen Einrichtung aufgehoben
wäre oder in der eigenen Praxis weiterbehandelt werden kann,
sollte deshalb zügig herbeigeführt werden.
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ma-GT, Bilirubin, Kreatinin, Glukose, Gesamt-IgE,
Urinstatus, bakteriologische Urinuntersuchung, bakteriologische und parasitologische Stuhluntersuchung
sowie eventuell eine Blutkultur umfassen sollte. Zu den
grundlegenden technischen Untersuchungen gehören
ein EKG sowie bildgebende Verfahren (Oberbauchsonographie: Hepatomegalie, Splenomegalie? Raumforderung als Hinweis auf Leberabszess?; bei V.a. Lungenaffektion Röntgen-Thorax).
Organ- und symptomorientierte
Diagnostik
Der erste Schritt einer weiterführenden Stufendiagnostik sollte die Überlegung sein, welche Erkrankungen regional ausgeschlossen werden können. So gilt z.B. die
Karibik (Ausnahme: Haiti, Dominikanische Republik)
als malariafrei. Daneben ist der Impfstatus des Patienten
zu bedenken.
Auch wenn die Häufigkeit des Vorkommens einer fieberhaften Tropenerkrankung ebenso wie der Infektionsmodus und die Inkubations- bzw. Präpatenzzeiten ergänzend
immer einbezogen werden müssen, können diese mit
Fotos: olly/Fotolia, Wheatley/Fotolia
Zunächst sollte sich der erstbehandelnde Arzt Klarheit
über folgende Punkte verschaffen:
3 Welche Gebiete wurden von wann bis wann bereist?
3 Hielt sich der Patient mehr in Städten oder in eher
ländlichen Regionen auf?
3 Welche besonderen, für die Erkrankung möglicherweise relevanten Ereignisse, Aktivitäten und/oder Expositionen sind dem Patienten erinnerlich?
3 Bestehen neben Fieber offensichtliche andere Symptome (z.B. Exanthem, Hämorrhagie)?
3 Welche Impfungen wurden vor der Reise durchgeführt?
3 Erfolgte eine Malariaprophylaxe?
Malaria ist eine häufige Ursache von Fieber bei Tropenrückkehrern. Zur Diagnose wird – eventuell auch mehrfach, bis zum Beweis des Gegenteils – frisches EDTA-Blut
an ein erfahrenes Labor eingesandt.
Als wichtige Entscheidungshilfe sollte darüber hinaus
– parallel zur Erledigung der Pflichtaufgaben VHS (Virales Hämorrhagisches Fieber) und Malaria-Ausschluss
– ein Basislabor angefordert werden, das mindestens ein
großes Blutbild, CRP und BSG, Transaminasen, Gam-
Wegen der weltweit rapide
gestiegenen Reiseaktivitäten
werden auch Hausärzte immer öfter mit reiseassoziierten
Erkrankungen konfrontiert.
vielen Unschärfen behafteten Parameter nicht allein zur
Diagnosefindung herangezogen werden. Die präzisesten
diagnostischen Aussagen sind im Rahmen einer Organund symptomorientierten Diagnostik möglich:
– Nach weitgehendem Ausschluss eines VHF und einer
Malaria sollte die Frage nach einer mit erhöhten Leberwerten verbundenen Thrombozytopenie als Hinweis auf
eine möglicherweise übersehene Malaria gestellt werden.
– Als weiterer Blutbildparameter kann eine Eosinophilie
mit hohen absoluten Zellzahlen um 1000/ul bei Süßwasserkontakt des Patienten in einem Endemiegebiet
ein Katayamafieber als Ausdruck einer Schistosomiasis
anzeigen.
– Sonographisch erkennbare Raumforderungen bei
einem Patienten mit tropischen Fieber müssen bis zum
Beweis des Gegenteils als Amöben-Leberabszess interpretiert werden. Zur weiteren Abklärung ist eine Stuhldiagnostik notwendig, die mindestens eine mikroskopische
Untersuchung auf Amöben und die Durchführung eines
ELISA-Tests zur Unterscheidung von Entamoeba dispar
und Entamoeba histolytica umfassen sollte, darüber hinaus
möglichst noch die Untersuchung eines frischen Nativstuhls zum Nachweis eventuell vorhandener Trophozoiten von Entamoeba histolytica.
– Ein Harnwegsinfekt oder eine Pneumonie kann klinisch diagnostiziert werden; bei positiven Befunden ist
eine mikrobiologische Diagnostik und die Einleitung einer kalkulierten antibiotischen Therapie indiziert.
– Unklare abdominelle Beschwerden und Diarrhoe müssen stets durch eine mikrobiologisch-parasitologische
Untersuchung abgeklärt werden. Die Entscheidung, ob
eine selbstlimitierende Infektion vorliegt, ist manchmal
schwierig; bei diagnostischer Unsicherheit sollte Kontakt
mit dem Labor und/oder einem Tropenmediziner aufgenommen werden.
Leberwerte als Leitparameter
– Hautveränderungen bei fiebernden Tropenreisenden
können sich als Exanthem äußern, das bei DengueFieber, aber auch bei anderen Infektionen (HIV, Lues,
Rickettsien-Infektion) auftreten kann. Je nach Exposition sind zur Abklärung entsprechende serologische Untersuchungen notwendig. Petechien oder abdominelle
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Roseolen müssen als mögliche Begleiterscheinung eines
Denguefiebers oder einer Meningokokenmeningitis bzw.
eines Typhus angesehen werden, die eine unverzügliche
stationäre Behandlung des Patienten erfordern.
Als wichtige Leitparameter neben dem Blutbild stehen
aus dem Basislabor die Leberwerte GOT, GPT, GammaGT und Bilirubin zur Verfügung. Bei einer starken Erhöhung muss ausnahmslos eine Hepatiisserologie angefordert werden, bei mäßiggradigen Erhöhungen kann u.a.
auch ein Dengue-Fieber, eine Brucellose, Q-Fieber oder
eine Leptospirose ursächlich sein. Auch an eine Malaria
sollte gedacht werden.
Bei begleitender Panzytopenie und Splenomegalie kommt
ätiolgisch eine Kala-Azar in Frage, bei Kreatininerhöhung
auch eine Leptospirose oder eine Hantavirus-Infektion.
Eine Splenomegalie ist allerdings relativ unspezifisch
und wird z.B. auch bei Toxoplasmose, Brucellose, EBVund CMV-Infektionen, Ornithose, Schlafkrankheit und
Leishmanien-Infektionen gesehen. Schließlich muss bei
auffälliger Neurologie und/oder Meningismus eine Liquoruntersuchung durchgeführt und eine Malaria und
eine Schlafkrankheit ausgeschlossen werden.
Nach Vorliegen der anamnestischen Daten und der Organbefunde kann auch in der niedergelassenen Praxis eine
effektive Ausschlussdiagnostik vorgenommen werden, die
in drei Schritten verlaufen sollte:
1. Welche Krankheiten kommen in der besuchten Region
mit welcher Wahrscheinlichkeit vor?
2. Gibt es ein richtungsweisendes Leitsymptom?
3. Ist die Verdachtsdiagnose nach 1. und 2. mit den bekannten Inkubations- bzw. Präpatenzzeiten vereinbar?
Literatur beim Autor
KONTAKT
Dr.rer.nat. Günter Lodderstaedt
Arzt für Mikrobiologie, Virologie
und Infektionsepidemiologie, Reisemedizin, Gelbfieber-Impfstelle
synlab Nürnberg
Telefon: 09 11 – 9 39 70 60
E-Mail: [email protected]
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