Das Klima ist mit neuen AKW nicht zu retten

UNO-Klimakonferenz in Paris
Das Klima ist mit neuen AKW nicht zu retten
Medienmitteilung
26. November 2015
Ab Montag ringen die UNO-Mitgliedstaaten in Paris über Klimaschutz-Massnahmen und den
Ersatz fossiler Energieträger. Entgegen den Beteuerungen der Atomlobby können AKW
dabei keine Rolle spielen. Denn die Atomkraft ist nicht Teil der Lösung, sie ist Teil des
Klimaproblems: Weder sind AKW CO2-frei, noch verfügen sie über das Potential, die Fossilen
ersetzen zu können. Vor allem aber sind neue AKW viel zu teuer. Die Schweizerische
Energie-Stiftung SES ruft auf zu einem nachhaltigen Klimaschutz mit Hilfe von
Effizienzmassnahmen und erneuerbaren Energien.
Mit dem Argument, ein AKW würde fast kein CO2 ausstossen, will die Atomlobby am diesjährigen
Klimagipfel in Paris für neue Reaktoren werben. So hat die Schweizerische Gesellschaft für
Kernfachleute jüngst zusammen mit anderen internationalen Organisationen eine Deklaration
namens «Nuclear for Climate» unterzeichnet. Doch wer die Fakten kennt weiss: Das Klima ist mit
neuen AKW nicht zu retten.
CO2-Ausstoss von bis zu 288 Gramm pro kWh
Einzig der Betrieb eines Atomkraftwerks ist nahezu CO2-frei. Wird die ganze Atomstromproduktion
vom Uranabbau bis hin zur Stilllegung der Atomkraftwerke und die Entsorgung radioaktiver Abfälle
berücksichtigt, so wird ein AKW zum Klimasünder: Eine Analyse von 103 Studien zeigt zwar eine
sehr grosse Bandbreite. Diese reichen von 1,4 bis 288 Gramm CO2 pro Kilowattstunde. Auch im
Vergleich mit erneuerbaren Energien wird klar, wo die echten Klimaschutzpotentiale liegen: Laut
Berechnungen des World Information Service on Energy (WISE) spart ein neues Windrad pro
investierten Franken drei Mal mehr CO2 ein als ein neuer Reaktor:
Das Szenario "tief" geht von tiefsten
Annahmen bezüglich der Kosten für
vermiedenes CO2 aus, das Szenario
"hoch" von maximalen Annahmen.
Die Atomenergie schneidet am
schlechtesten ab. Sie ist die teuerste
Klimamassnahme.
Neue AKW rechnen sich nicht
Der Anteil fossiler Energien an der weltweiten Energieversorgung beträgt heute 90 Prozent. Um das
Klima zu retten, muss ein erheblicher Teil der fossilen Energieproduktion ersetzt werden. Der Anteil
der Atomenergie liegt heute bei 2 Prozent. Und der Trend zeigt nach unten: Während 1996 der
weltweite Atomstromanteil noch 17,6 Prozent betrug, waren es im Jahr 2014 nur noch 10,8 Prozent.
Die wenigen AKW-Neubaupläne in Europa zeigen weshalb. In Olkiluoto und Flamanville explodieren
die Kosten, in England verlangt die Betreiber-Gesellschaft schon vor Baustart staatliche
Subventionen. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass zwischen 2000 und 2013 57 Prozent der
weltweiten Investitionen in erneuerbare Energien flossen und nur 3 Prozent in die Atomenergie.
Die Schweizerische Energie-Stiftung warnt vor falschen Klimaschutzmassnahmen. Eine
ehrliche Klimapolitik setzt auf Effizienzmassnahmen und den Zubau von erneuerbaren
Energien, um die Fossilen zu substituieren. So können Teufel und Beelzebub in einem
ausgetrieben werden: Klima schonen und AKW überflüssig machen.
Weitere Informationen
Sabine von Stockar, Projektleiterin Atom & Strom
Tel. 044 275 21 21
Mail: [email protected]