Justiz im Aufbruch

Datareport
3 2015
Elektronischer Rechtsverkehr
Justiz im
Aufbruch
Ausbildung in Sachsen-Anhalt
Die Nachwuchskräfte starten durch
Drohne wartet Funkmasten
Der fliegende Mitarbeiter
Betreuung von Flüchtlingen
IT im Containerdorf
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www.bechtle.com
Seit 2009 haben wir gemeinsam mit Dataport viel
erreicht. Jetzt folgt Runde zwei der Erfolgsgeschichte: Dataport vertraut weiter auf die Leistungsstärke von Bechtle. Damit setzen wir unsere stabile
Partnerschaft zuverlässig fort. Mit Hardware, Managed Print Solutions und Managed Services für die
insgesamt knapp 60.000 IT-Arbeitsplätze der öffentlichen Verwaltungen des Nordens. Wir freuen uns
auf die nächste spannende Innovationsphase. Auf
vier weitere, erfolgreiche Jahre mit Dataport.
Starke Partnerschaft.
Bechtle GmbH
IT-Systemhaus Hamburg
Alter Teichweg 19, 22081 Hamburg
Telefon +49 40 23 99 86-0
[email protected]
2
Editorial
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
kein Thema hat uns in den letzten Wochen und
Monaten so sehr bewegt wie die große Anzahl an
Flüchtlingen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen oder aber aus wirtschaftlicher Not ihre Heimatländer und ihre Familien verlassen. Sie alle
sind auf der Suche nach Sicherheit und einer lebenswerten Zukunft. Nicht selten werden sie von
ihren Familien auf die Reise geschickt, um deren
Überleben in der Heimat zu sichern. Mit dem Projekt FLOW (Für Flüchtlinge! Orientierung und
Willkommenskultur) hilft die Gemeindediakonie
in Lübeck jungen Flüchtlingen zwischen 16 und
25 Jahren, die ohne Angehörige nach Deutschland
gekommen sind. FLOW unterstützt bei der Suche
nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Das
Projekt vermittelt aber auch Sprache und Kultur
der neuen Heimat. Im August besuchten 15 der
vom Projekt betreuten jungen Menschen gemeinsam mit einer Gruppe unserer Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter ein Konzert. Der gemeinsame
Abend mündete in einem regen Austausch, der
auch dabei half, mentale Grenzen zu überwinden
(S. 26).
Bis zu einer Million Flüchtlinge werden in diesem
Jahr erwartet. Krisen, Kriege und Armut haben
dazu geführt, dass die Zahl der Asylbewerber in
den letzten drei Jahren sprunghaft angestiegen ist.
Länder und Kommunen müssen nun sicherstellen, dass die Asylsuchenden untergebracht und
versorgt werden. Eine Aufgabe, die nicht leicht zu
stemmen ist. Für die Erstregistrierung haben Hamburg und Schleswig-Holstein in den vergangenen
Wochen eine Vielzahl von neuen Erstaufnahmeeinrichtungen eingerichtet. Erstregistrierung und
anschließende Verteilung der Flüchtlinge auf verschiedene Unterkünfte sind ohne IT kaum umsetzbar. Durch den plötzlich stark angestiegenen
Zustrom von Asylsuchenden mussten die Länder
zudem sehr schnell handeln. In Kurzzeit wurden
Gebäude gefunden, die mit Notebooks, Servern
und teilweise sogar mit Netzinfrastrukturen aus-
gestattet werden mussten. In Rendsburg und Albersdorf blieb dafür nur zwei Tage Zeit (S. 20).
Wie man Menschen in ihrer Heimat hält, zeigt Dataport am Standort Magdeburg. Dort haben dieses
Jahr die ersten Azubis ihre Ausbildung begonnen.
Eine Initiative, die gegen einen Trend arbeitet.
In Mitteldeutschland verlassen seit Jahren Nachwuchskräfte die Regionen, in denen sie aufgewachsen sind. Der Grund für die Abwanderung:
Sie finden keinen Arbeitsplatz, in dem Beruf den
sie gelernt haben oder ausüben wollen (S. 22). Dataport aber möchte junge Menschen in der Region
halten. Das zieht positive Effekte für den Standort
nach sich, denn die Auszubildenden bringen „frischen Wind und neue Ideen“. Beides ist in Magdeburg sehr willkommen.
Britta Heinrich,
Leiterin
Öffentlichkeitsarbeit
In unserem Schwerpunkt berichten wir über die
Vorgaben und Möglichkeiten des elektronischen
Rechtsverkehrs. Kann eine engere Zusammenarbeit zwischen Justiz und Verwaltung sinnvoll
sein? Denkbar scheint dies zu sein, wie unsere
Autorin auf Seite 10 feststellt. Ein gestiegenes Bedürfnis nach IT-Sicherheit konstatiert Dr. Jörg-Peter Weiß in einem Interview (S. 14). Weiß leitet im
Justizministerium Schleswig-Holstein das Referat
Informationstechnik. Schleswig-Holstein initiiert
zurzeit ein Projekt zur Neuorganisation der JustizIT. Aufgabe des Projekt ist es, eine IT-Strategie für
die Justiz zu entwickeln.
Außerdem in diesem Heft: Green-IT lebt. Eine
Initiative der Bundesverwaltung hat den Energieverbrauch erfolgreich gesenkt (S. 9). Der fliegende
Mitarbeiter: Ein Quadrocopter wartet 160 Rundfunkmasten (S. 16).
Ihre
Britta Heinrich
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Inhalt
Titel
Der lange Weg zur E-Gerichtsakte
Mit der Einführung des Elektronischen Rechtsverkehrs schrumpfen
die Aktenberge der Justiz – vorausgesetzt die Dokumente können
medienbruchfrei digital weiterbearbeitet werden. Die Einführung
elektronischer Aktensysteme bringt jedoch viele Herausforderungen
mit sich.
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Vermittler für alle Fälle
„Die IT sollte der Fachlichkeit folgen“
Wie stellt die Justiz ihre IT für die Zukunft auf? Im Interview
spricht Dr. Jörg-Peter Weiß vom Justizministerium Schleswig-Holstein über die Kunst der Standardisierung und das Auslagern von
IT-Dienstleistungen.
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Maksim Kabakou – Fotolia
Um die Arbeitsabläufe in den Staatsanwaltschaften digital abbilden zu können, muss MESTA permanent mit verschiedenen elektronischen Aktensystemen kommunizieren. Dataport entwickelt
dafür eine Integrationskomponente .
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Jakub Jirsák – Fotolia
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In Kürze
Auskommentiert
Green-IT lebt
Green-IT hat sich gewandelt, meint Rudolf Herlitze, IT-Beauftragter
des Bundesumweltministeriums. Die Aspekte nachhaltige Beschaffung und energieeffizienter Rechenzentrumsbetrieb haben das
Thema erweitert, ohne es unkonkret werden zu lassen.
pro motion pic – Fotolia
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TechnoLogisch
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Der fliegende Mitarbeiter
Wer auf einem Funkmast nach dem Rechten sehen will, muss hoch
hinaus – aber nicht zwangsläufig klettern. Schneller und günstiger
geht es mit einer ferngesteuerten Kamera. Dataport setzt seit Kurzem eine Drohne für Wartungsarbeiten ein.
Unter Partnern
Mehr Partizipation, weniger Papier
Mit dem Verfahren BOB-SH können sich jetzt auch Bürger online
an der Bauleitplanung beteiligen und ihre Stellungnahmen abgeben. Möglich macht es ein neues Modul für die Öffentlichkeitsbeteiligung. Drei Mitarbeiter der Pilot-Kommunen berichten über
ihre Erfahrungen.
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Maxim Kazmin – Fotolia
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Inhalt
Output
hydebrink – Fotolia
IT im Containerdorf
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Ohne PC und Telefon läuft nichts in den Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge in Hamburg und Schleswig-Holstein. Dort
erstellen Mitarbeiter der Ausländerbehörden Personaldokumente
und Transferpapiere für die Asylsuchenden. Dataport stattet sie für
ihre Arbeit vor Ort mit IT aus.
Unternehmen
Der Nachwuchs startet durch
22
Sachsen-Anhalt ist Anfang 2014 dem Dataport-Verbund beigetreten.
Jetzt werden am Standort Magdeburg erstmals Nachwuchskräfte
ausgebildet. Ein Gewinn nicht nur für das Unternehmen, sondern
auch für die Region.
Bremer Touristik-Zentrale
Mit System
Volle Leistung
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Rund 16.000 Anwender in den Bremer Behörden werden ab
1. Januar 2016 Telekommunikationslösungen von Dataport nutzen. Das Unternehmen ist dann zentraler Ansprechpartner für
die gesamte ITK-Infrastruktur der Hansestadt.
Querbeet
Virtuos über Grenzen hinweg
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Gute Musik hören und dabei nette Menschen kennenlernen – das
ist grenzübergreifend eine schöne Sache. Mitarbeiter von Dataport
besuchten deshalb mit jungen Flüchtlingen gemeinsam ein Konzert des Schleswig-Holstein Musik Festivals.
Impressum
Herausgeber:
Dataport
Anstalt des öffentlichen Rechts
Altenholzer Straße 10-14
24161 Altenholz
Telefon (0431) 3295-0
Telefax (0431) 3295-6410
Internet: www.dataport.de
E-Mail: [email protected]
Redaktion: Britta Heinrich (v.i.S.d.P.)
Redaktionsleitung: Anina Trautermann
Redaktionsbeirat: Hubertus Fiedler, Ulrich Meyer, Michael Müller, Gerd
Schramm, Sabine Wichmann,
Reproduktion: Freie und Hansestadt Hamburg,
Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung
Layout: Christina Walter
Auflage: 4 400, Ausgabe: 3 / November 2015
Fotos: alle nicht näher bezeichneten Fotos Dataport
Die einzelnen Beiträge sind urheberrechtlich geschützt.
Ein Nachdruck – auch auszugsweise – ist nur nach Genehmigung der
Redaktion gestattet.
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In Kürze
Mehr Bürgernähe beim E-Government
Der IT-Planungsrat hat ein Maßnahmenpaket beschlossen, um die Attraktivität von E-Government-Leistungen für Bürgerinnen und Bürger zu erhöhen. Gefordert wird vor allem ein leichterer Zugang sowie der Abbau
von Barrieren. Eng damit verknüpft ist die Umsetzung der „eID-Strategie“
des IT-Planungsrats. Die eID-Funktion des neuen Personalausweises ermöglicht Bürgerinnen und Bürgern eine sichere Identifizierung über das
Internet. So können Verwaltungsakte wie zum Beispiel die Abmeldung
eines Kraftfahrzeugs bequem von zu Hause erledigt werden und machen
einen Behördengang unnötig. Derzeit werden länderübergreifend Rechtsvorschriften auf Einheitlichkeit überprüft und gegebenenfalls angepasst,
um die Rahmenbedingungen für bundesweit nutzbare Online-Bürgerkonten zu schaffen.
Nationale Geoinformations-Strategie
Bund, Länder und Kommunen haben eine Nationale Geoinformations-Strategie (NGIS) verabschiedet. Ziel der Strategie ist es, Experten aus
Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft sowie
privaten Nutzern einen einfacheren Zugang zu
Geoinformationen zu ermöglichen. Als Geoinformationen werden alle Daten mit Bezug zu einem
bestimmten Standort oder geografischen Gebiet
bezeichnet. Mit ihnen lassen sich komplexe Zusammenhänge übersichtlich darstellen, um dann
Lösungsansätze für gesellschaftliche Herausforderungen wie zum Beispiel Energiewende, demografischen Wandel oder Umweltschutz zu finden.
Die NGIS versteht sich als Beitrag zur Nationalen
E-Government Strategie und soll die Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen bei IT
und E-Government fördern.
Foto: Denchik – Fotolia
Schnelles Internet in jeder Kommune
stellt das Bundeswirtschaftsministerium bereit, um den Netzausbau in Regionen zu fördern,
die noch unterversorgt sind.
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Bis Ende 2018 soll es in ganz
Deutschland schnelles Internet mit mindestens 50 Megabit
pro Sekunde geben. Der Bund
investiert damit gezielt in Gebiete, in denen sich die Investition für die Privatwirtschaft
allein nicht rechnet. Schon
heute haben fast 70 Prozent aller Haushalte in Deutschland
einen Internetzugang mit mehr
als 50 Megabit pro Sekunde, das
sind sieben Prozent mehr als
vor einem Jahr. Ziel ist es, alle
Haushalte in Deutschland entsprechend zu versorgen. Dazu
hat das Bundeswirtschaftsministerium die Netzallianz Digitales Deutschland gegründet,
einen Zusammenschlusse mit
Telekommunikationsunternehmen. Gemeinsam wurde ein
Fahrplan für den Netzausbau
entwickelt und festgeschrieben.
In Kürze
Kooperation bei
Schul-IT
Pragmatischer Umgang
mit Datenschutz
Das Kommunale Rechenzentrum Niederrhein
(KRZN) und Dataport kooperieren, um Schulen
mit zeitgemäßer IT-Infrastruktur auszustatten.
Gemeinsam werden sie in Zukunft die IT-Lösung
„Logineo" einsetzen und weiterentwickeln. Logineo ist ein webbasiertes Portal, das einen zentralen und sicheren Zugang zu Lernmitteln und
Dokumenten bietet. Schulen erhalten so eine datenschutzkonforme, wirtschaftliche und herstellerneutrale IT-Infrastruktur, die auch Basisdienste wie E-Mail und Dateiablage bereitstellt. Lehrer
können über das Portal zum Beispiel gemeinsam
an Dokumenten arbeiten und Materialien austauschen, die sie für den Unterricht benötigen. Die
Unterrichtsmaterialien werden von den Schülern
dann online abgerufen.
Zwei Drittel der Internetnutzer in Deutschland
verzichten laut einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom bewusst auf Online-Dienste, wenn
sie dort persönliche Daten angeben müssen. Die
Befragten begründeten den Verzicht vor allem mit
der Angst vor Datenweitergabe an Dritte oder unerwünschter Werbung. Außerdem befürchten sie,
dass ihr Verhalten gespeichert werden oder die
Anbieter nicht vertrauenswürdig sein könnten.
Dennoch gehen viele Nutzer pragmatisch mit dem
Schutz ihrer Daten um: Für 73 Prozent ist es wichtig, dass die Benutzerfreundlichkeit von OnlineDiensten nicht unter überzogenen Datenschutzregeln leidet. Mehr als die Hälfte befürwortet, wenn
die Dienste durch die Auswertung persönlicher
Daten einfacher zu handhaben sind.
Foto: Picture-Factory – Fotolia
Foto: m.schuckart – Fotolia
Alles mit allem vernetzt
Die Gartner Group sagt in jedem Jahr die Top-Technologie-Trends voraus.
Für 2016 wird ein andauernder Siegeszug digitaler Vernetzung prognostiziert. Mehr und mehr Alltagsgegenstände wie Autos oder Kameras werden laut Gartner Group in die digitale Welt eingebunden und entwickeln
sich weiter zu lernenden, selbstständig handelnden Maschinen. So entstehe ein Internet der Dinge. Der Mensch der Zukunft werde diese Technik
aber nicht über Menüs, Buttons oder Smartphones steuern, sondern einen
persönlichen virtuellen Assistenten über eine Sprach-App bedienen. Unternehmen müssten sich nicht nur der Herausforderung stellen, neue Anwendungen zu entwickeln. Auch die Anforderungen an eine leistungsfähige, flexible und sichere Infrastruktur stünden vor einem Wandel.
7
In Kürze
Gründung des Deutschen Internet-Instituts
Bundesforschungsministerin Johanna Wanka hat den Startschuss für den
Aufbau des Deutschen Internet-Instituts gegeben. Dieses soll erforschen,
wie der digitale Wandel Gesellschaft, Politik und Wirtschaft verändert.
Zudem soll es Lösungsansätze entwickeln, wie Deutschland die Chancen der Digitalisierung optimal nutzen kann. Deutsche Forschungseinrichtungen sind in einem Wettbewerb dazu aufgerufen, Projektskizzen
einzureichen. Für die Umsetzung der besten Vorschläge stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung in den nächsten fünf Jahren
bis zu 50 Millionen Euro bereit. Im Deutschen Internet-Institut werden
Gesellschaftswissenschaftler und Informatiker gemeinsam forschen. Das
Institut soll Impulse geben sowie Akteure aus Zivilgesellschaft, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft beraten und vernetzen.
Modernes Bürokonzept bei Dataport
Start für die Umbauarbeiten: Marco Thun (Leiter Immobilienmanagement), Claudia Güsken (Vorstand Ressourcen), Architektin
Sarah Philipp und Heike-Angela Baltruweit (Projektleiterin) beim ersten Spatenstich in Altenholz.
Mit einem symbolischen Spatenstich begannen
im Oktober bei Dataport am Standort Altenholz
die Erweiterungs- und Umbauarbeiten für ein an
das Personalwachstum sowie an die moderne Arbeitswelt angepasstes Bürokonzept. Hintergrund
ist, dass immer mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mobil arbeiten und deshalb nicht mehr jeden Tag persönlich im Unternehmen präsent sind.
Außerdem wird vielfach in Projekten und Arbeitsgruppen gearbeitet, die sich immer wieder neu
zusammensetzen. Das neue Bürokonzept berücksichtigt diese Umstände und fördert Kooperation
8
und Kommunikation zwischen den Mitarbeitern.
Das Konzept wurde von einem Architekturbüro
für Dataport entwickelt. Auf der neugestalteten
Fläche sind Räume nicht mehr einzelnen Personen zugeordnet, sondern können nach Bedarf belegt werden – zum Beispiel von Arbeitsgruppen.
Daneben wird es Rückzugsbereiche für die konzentrierte Arbeit geben sowie Videokonferenzund Pausenräume. Alle Räume können flexibel
genutzt werden. Geplant ist, dieses Bürokonzept
auch an anderen Standorten umzusetzen.
Auskommentiert
Initiative zum Energiesparen
Green-IT lebt
Im Jahr 2008 hat der Rat der IT-Beauftragten das Ziel vorgegeben, die durch ITK verbrauchte Energie der Bundesverwaltung bis Ende 2013 um 40 Prozent zu reduzieren.
Im Rahmen der folgenden Green IT-Initiative wurden zahlreiche Maßnahmen zur
Senkung des Energieverbrauchs auf den Weg gebracht – und letztlich so wirkungsvoll umgesetzt, dass das Ziel mit einer Einsparung von 48 Prozent deutlich übertroffen wurde. Gesteuert wurde die Initiative zunächst von einer Geschäftsstelle
Green-IT im Bundesministerium des Innern (BMI). 2012 wurde die Geschäftsführung vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
übernommen. 2013 beschloss der IT-Rat eine Fortsetzung der Initiative bis 2017.
Das erste von drei Zielen lautete: Konsolidierung des 2008 definierten Zielwertes
bezüglich des Energieverbrauchs der Bundesverwaltung in Höhe von 390 Gigawattstunden. Dieses Ziel ist die Aufforderung, bei den Anstrengungen zur Energieeinsparung trotz des bisherigen Erfolgs nicht nachzulassen, sondern weitere Potenziale auszuschöpfen – speziell vor dem Hintergrund weiterer Herausforderungen, etwa
im Rahmen der Umsetzung des E-Government-Gesetzes. Als zweites Ziel wurde
formuliert: Umsetzung einer nachhaltigen IT-Beschaffung durch Einführung einer
expliziten Auszeichnung von standardisierten nachhaltigen Produkten in Rahmenverträgen. Hiermit sollte der bisherige Blick („Stromsparen während der Nutzungs-
Rudolf Herlitze ist ITBeauftragter des Bundesministeriums für Umwelt,
Naturschutz, Bau und
Reaktorsicherheit. Er
leitet dort das Referat
Informationstechnik.
„Green IT lebt weiterhin – aus ökologischer
Sicht mit einem okönomischem Blick.“
phase“) erweitert werden auf den gesamten Lebenszyklus von IKT, mit besonderer
Ausrichtung auf Materialreduktion und Ressourcenschonung. Durch die Auszeichnung soll ermöglicht werden, in allen Produktbereichen „grüne Produkte“ als nachhaltige Alternative auswählen zu können. Mit dem Beschaffungsamt des BMI und
dem Umweltbundesamt sind inzwischen Klärungen zum Verfahren erfolgt. In 2015
wurde bereits mit der Auszeichnung einzelner Produkte begonnen.
Abgerundet wurde der Beschluss mit der Zielvorgabe: Bei der Bewertung der Energie- und Ressourceneffizienz in Rechenzentren (RZ) werden grundsätzlich die
Kriterien des „Blauen Engels“ für einen energiebewussten RZ-Betrieb angewendet.
Diese Vorgabe generiert den Maßstab, an dem sich die Betreiber orientieren sollen,
wenn sie ein RZ in seiner Gesamtheit auf Energie- und Ressourceneffizienz ausrichten. Auch hier gibt es positive Nachrichten: So wurden für einige RZ der Bundesverwaltung die Zertifizierungsverfahren eingeleitet, so dass in 2016 mit mehreren
Auszeichnungen zu rechnen ist. Das zeigt, dass sich das Thema Green-IT gewandelt
hat. Bei der Erweiterung der Ausrichtung bestand das Risiko, dass Green-IT unkonkreter wird und aus dem Fokus gerät. Speziell die Diskussionen mit RZ-Betreibern
zu den Kriterien des „Blauen Engels“ zeigen jedoch, dass Green-IT weiterhin lebt –
und zwar aus ökologischer Sicht mit einem ökonomischen Blick.
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E-Justice
Der lange Weg zur
E-Gerichtsakte
Die Umsetzung des Elektronischen Rechtsverkehrs (ERV) verändert die Arbeitsabläufe
in der Justiz. Insbesondere die Einführung elektronischer Aktensysteme wird weitreichende Folgen haben. Benutzerfreundliche Lösungen und durchdachte Workflows
sind die Erfolgskriterien.
10
Titel
Die Herausforderung liegt weniger in der Einführung des
ERV, sondern eher in den weitreichenden Folgen für die Arbeitsabläufe in der Justiz. Der
Eingang von elektronischen
Schriftstücken trägt nur dann
zu einem effizienten Arbeiten
bei, wenn diese auch durchgängig medienbruchfrei weiterbearbeitet werden können – und die
Vorgangsbearbeitung nicht am
Drucker endet. Dazu ist die flächendeckende Einführung einer
elektronischen Aktenführung
notwendig.
Komplexe Arbeitsabläufe
Justiz digital: Die Übersetzung der komplexen Arbeitsabläufe in
die elektronische Welt ist eine technische und organisatorische
Herausforderung. Foto: vege – Fotolia
Weg vom Papier, hin zu elektronischen Dokumenten: Mit dem Gesetz zur Förderung des Elektronischen Rechtsverkehrs mit den Gerichten (E-Justice-Gesetz) wurde 2013 festgelegt, dass Behörden,
Notare, Anwälte und Personen des öffentlichen Rechts ab 2022 ihre
Anträge, Klagen und Widersprüche nur noch auf elektronischem
Weg bei den Gerichten einreichen dürfen. Eine gewöhnliche E-Mail
reicht dafür nicht aus. Der Übermittlungsweg der Dokumente muss
bestimmte Sicherheitskriterien hinsichtlich der technischen Infrastrukturen und der Verschlüsselung der Daten erfüllen. Auch muss
die elektronische Signatur der Dokumente möglich sein. Sichere
Übermittlungswege sind zum Beispiel DE-Mail oder das elektronische Gerichts- und Verwaltungspostfach (EGVP). Bereits ab 2018
muss die entsprechende Infrastruktur für die elektronische Kommunikation von allen genannten Verfahrensbeteiligten bereitgehalten werden. Ausgenommen von dieser Regelung sind bislang die
strafgerichtlichen Verfahrensbereiche. Eine entsprechende Gesetzgebung hierzu ist aber in Vorbereitung.
Damit verbunden sind zahlreiche technische und organisatorische Aufgaben. Eine davon ist
die Übersetzung der komplexen
Arbeitsabläufe der Justiz in die
elektronische Welt. Die Justiz
hat keine festgelegten Abläufe.
Viele Arbeitsschritte sind situationsbezogen und können nicht
vorab festgelegt werden. Zudem
gibt es viele Besonderheiten zu
berücksichtigen: Wie können
mündliche Verhandlungen abgebildet werden? Wie müsste ein
Richter ausgestattet sein, der einen Vor-Ort-Termin hat und mobil Einsicht in die entsprechende Akte nehmen möchte? Durch
die Justiz-E-Akte wird sich die
gewohnte Arbeitsweise der Anwender verändern. Damit dies
akzeptiert wird, muss der künftige elektronische Workflow gut
durchdacht sein und die Lösungen benutzerfreundlich gestaltet
werden. Daneben ist ein hoher
11
Titel
Standard bezüglich Verfügbarkeit, Ausfallsicherheit, Datenschutz
und IT-Sicherheit unabdingbar. Es muss vieles bedacht werden, um
den Arbeitsplatz der Zukunft für die Justiz so zu gestalten, dass Benutzerfreundlichkeit, Sicherheit, Migrationsfähigkeit sowie Wirtschaftlichkeit gleichermaßen Rechnung getragen wird.
Datendrehscheiben verknüpfen Komponenten
Ebenfalls entscheidend für die Einführung der elektronischen Aktenführung sind die zahlreichen Schnittstellen zu Fachverfahren,
Behörden, Verfahrensteilnehmern sowie zu technischen Infrastrukturen wie der virtuellen Poststelle. Um die Justiz-E-Akte in
diese Strukturen einzubinden,
kommen zwei elektronische
Kommunikationsplatt formen
unterschiedlicher Anbieter (eKP
und e²P) zum Einsatz. Diese
dienen als Datendrehscheibe und verknüpfen die verschiedenen
technischen Komponenten miteinander. Für die Integrationsportale
zur Abbildung der Justiz-E-Akte wiederum gibt es aktuell mit e²A,
eIP und E-Akte as a Service drei Lösungsansätze. Jedes Bundesland
wird sich voraussichtlich für einen Standard entscheiden. Für die
Fachverfahren, die für mehrere Länder zentral betrieben werden,
müssen entsprechend passende Schnittstellen geschaffen werden
(siehe Bericht Seite 13).
Gemeinsame Lösungen haben
in der Justiz Tradition. Es gibt
zahlreiche Fachverfahrens-Verbünde – EUREKA, forumSTAR,
MESTA oder web.sta – zwischen
den Ländern herrscht reger Austausch und der Wille zur Zusammenarbeit ist ausgeprägt.
Auch wenn Einheitslösungen
nicht das erklärte Ziel sind – wo
Gemeinsame Lösungen und
Kooperationen haben in der
Justiz Tradition.
Aktenstapel werden zu Datenbergen
Durch die Digitalisierung schrumpfen zwar die Aktenstapel der
Justiz, aber auch die entstehenden Datenmengen müssen sicher
Zusammenarbeit mit der
Verwaltung?
archiviert werden. Jedes Land erwartet künftig ein Datenvolumen
von mehreren Terabyte. Diese Daten müssen analog zu den vorgegebenen Fristen aufbewahrt werden. Keine einfache Aufgabe für die
Justiz. Zudem müssen Dokumente mit qualifizierter elektronischer
Signatur so gespeichert werden, dass ihr Beweiswert langfristig erhalten bleibt. Große Herausforderungen, denen sich alle Bundesländer gleichermaßen stellen müssen.
Das E-Justice-Gesetz wurde etwa
zeitgleich mit dem E-GovernmentGesetz des Bundes verabschiedet.
Während sich die E-GovernmentLandschaft in Deutschland eher
heterogen gestaltet, gibt es in
der Justiz einen hohen Grad an
Homogenität. Als eigene Staatsgewalt ist die Judikative nicht
in die IT-Strategie der Exekutive
eingebunden. Dennoch könnte
eine Zusammenarbeit mit der
Verwaltung in einigen Bereichen
sinnvoll sein, um den Aufbau von
kostenintensiven Parallelstrukturen zu verhindern. Denkbar wäre
dies zum Beispiel beim EGVP, bei
Scansystemen, Langzeitspeicherung oder den Infrastrukturen
für DE-Mail. Es wird nun eine
wichtige Aufgabe für Justiz und
Verwaltung sein, zusammen auf
die individuellen Anforderungen
zu blicken und zu prüfen, wo es
Gemeinsamkeiten gibt. Im besten
Fall können dadurch E-Justice
und E-Government gleichermaßen profitieren.
Vom Aktenstapel zum
Datenberg: Die Digitalisierung der Justizprozesse
bringt ein enormes Datenvolumen mit sich.
Foto: destina – Fotolia
12
eine Zusammenarbeit sinnvoll
ist, wird sie in der Justiz bereits wahrgenommen. Ein gutes
Beispiel ist die Umsetzung der
Verfahrens-Basiskomponenten
im Rahmen des neuen Elektronischen Grundbuchs, die einen
gemeinsamen Standard für 16
Bundesländer bilden sollen.
Titel
MESTA-Integrations-Komponente
Vermittler für alle Fälle
Dataport betreut die Mehrländer-Staatsanwaltschaft-Automation (MESTA) für sieben
Bundesländer. Um das Verfahren für den Elektronischen Rechtsverkehr vorzubereiten, wird nun eine zentrale Kommunikationskomponente entwickelt. Mit dieser kann
MESTA in verschiedene elektronische Aktensysteme der Justiz integriert werden.
Papierakte auf dem Tisch und Textmarker in der
Hand – das war einmal. Auch für die Staatsanwaltschaften ist die Einführung des ERV und der
E-Akte ein wichtiges Thema. Arbeitsabläufe für
die Justiz digital abzubilden, ist sehr aufwendig,
da die einzelnen Arbeitsschritte nicht festgelegt
sind, sondern situationsbezogen variieren. Deshalb wird die Justiz-E-Akte hier durch elektronische Integrationsportale abgebildet, die an die Abläufe angepasst sind. Die Portale ermöglichen es
den Nutzern, in den digitalisierten Akten zu markieren, Kommentare einzufügen, Daten aus dem
Fachverfahren zu übernehmen und vieles mehr.
Kompatibilität ist entscheidend
(MIK) entwickelt. Diese ermöglicht es, dass das
Fachverfahren sowohl in e²A als auch in eIP integriert werden kann – und außerdem für zukünftige
Portal-Entwicklungen offen ist.
Anwendungsfall wird übersetzt
Die MIK übernimmt eine Vermittlungsfunktion
zwischen dem Fachverfahren und den Integrationsportalen: Wird zum Beispiel eine Akte in
MESTA geöffnet und ein Vorgang darin aufgerufen, erkennt die Komponente, mit welchem der
Integrationsportale zusammengearbeitet werden
soll. Sie kommuniziert dann mit den Programmbibliotheken des jeweiligen Integrationsportals
und übersetzt den Anwendungsfall. So kann die
spezifische Funktion im Portal aufgerufen werden. Die Anwender können so ohne Kompromisse
den vollen Funktionsumfang der Integrationsportale nutzen.
Für die Staatsanwaltschaften bzw. Bundesländer,
die sich bereits für eine Komponente entschieden
haben, werden mit eIP (IBM) und e²A (SINC) aktuell zwei Integrationsportale eingesetzt. Eine
Entscheidung, inwiefern im MESTA-VerAlle Anwendungsfälle sind in der MIK
bund auch die von PDV entwickelte Lödefiniert. In Folge reduziert sich auch
sung VIS Justiz eingesetzt wird, steht
der Pflegeaufwand für MESTA,
derzeit noch aus. Damit die Ardenn die Anwendungsfälle könbeitsabläufe in den Staatsanwaltnen zentral für alle Integratischaften durchgängig elektonsportale angepasst werronisch abgebildet werden
den. Bei Bedarf können
können, ist ein permanenauch neue Fälle
ter Informationsaustausch
definiert
werden
zwischen Integrationspor– unabhängig von
tal und Fachverfahren erden Herstellern der
forderlich. Da die Länder
Integrationsportale.
des MESTA-Verbunds beEinzige
Voraussetzüglich der Integrationszung ist, dass dies im
portale unterschiedliche
Rahmen des vorhanStrategien verfolgen, muss
denen technischen
MESTA grundsätzlich mit
L ei s t u n g s u m fa n g s
verschiedenen
Portalen
der Portale geschieht.
kompatibel sein. Um zu
Zurzeit befindet sich
vermeiden, dass das Verdie MIK in der Konfahren dadurch in mehrezeptionsphase.
Für
re Versionen aufgespalten
das Frühjahr 2016 ist ein
wird, hat Dataport ein
Das passt: Die MESTA-Integrations-Komponente ist
Pilotprojekt mit der BunKonzept für eine MESTA- mit verschiedenen Portalen kompatibel.
despolizei geplant.
Integrations-Komponente Foto: styleuneed – Fotolia
13
Titel
Interview mit Dr. Jörg-Peter Weiß
„Die IT sollte der Fac
Dr. Jörg-Peter Weiß leitet im Justizministerium Schleswig-Holstein das Referat Informationstechnik in Gerichten, Staatsanwaltschaften und Justizvollzug. Im Interview
spricht er über das Auslagern von IT-Dienstleistungen und die Notwendigkeit länderübergreifender Zusammenarbeit.
Wie stellt sich die IT der Justiz
in Schleswig-Holstein für die
Zukunft auf?
Der Elektronische Rechtsverkehr und die Einführung eines
elektronischen Aktenwesens beschäftigt Justiz und IT-Referate
alle Länder. Das hat grundsätzliche neue Anforderungen und
Vorgehensweisen zur Folge. Entsprechend viel Austausch gibt
es dazu auf Länderebene. Wir
haben in jedem Land die Situation: So wie die IT in der Justiz
bislang betrieben wurde, reicht
es nicht mehr aus.
Wir initiieren in Schleswig-Holstein deshalb aktuell ein Projekt
zur Neuorganisation der JustizIT. Als erster Schritt wird in
diesem Projekt eine IT-Strategie
der Justiz Schleswig-Holsteins
erarbeitet. Die Zusammenarbeit
mit Dienstleistern wird dabei
ebenso Thema sein wie die Festlegung von Schwerpunktthemen der nächsten Jahre. Make or
buy ist ein klassischer IT-Strategiepunkt. Dazu gehört die Frage nach der Fertigungstiefe der
Justiz-eigenen IT. Was ist das
Kerngeschäft einer Justiz-IT?
Und was muss man nicht unbedingt selbst betreiben? Zum Beispiel könnten Basisdienste wie
Serverbetrieb und Bürokommunikation bis hin zum grundsätzlichen technischen Verfahrens14
management von einem IT-Dienstleister wie Dataport übernommen
werden, bei dem auch die technische Expertise liegt.
Welche Rolle spielt dabei die besondere Stellung der Justiz?
Die Justiz als dritte Macht im Staate ist ganz klar von der Exekutive zu trennen. Die richterliche Unabhängigkeit hat eine sehr hohe
Bedeutung und ist ein hohes Gut. Das muss entsprechend von der
IT-Seite berücksichtigt werden. In Hessen gab es ein Grundsatzurteil zu der Frage, ob Justizdaten von einem IT-Dienstleister ge-
Dr. Jörg-Peter Weiß vom Justizministerium Schleswig-Holstein: Das IT-Justizgesetz
schafft die Grundlage für die Zusammenarbeit mit Dienstleistern wie Dataport.
Titel
hlichkeit folgen“
hostet werden können. Das hat
den Weg frei gemacht und war
Anlass für Schleswig-Holstein,
ein IT-Justizgesetz auf den Weg
zu bringen. Es ist die Grundlage, um zum Beispiel richterliche
Daten im neuen Rechenzentrum
von Dataport vorhalten zu können. Durch das Gesetz soll die
Zusammenarbeit mit Dataport
auf eine juristische Grundlage
gestellt und die Rahmenbedingungen festgelegt werden. Dazu
gehört auch die vom Gesetz
vorgegebene Gründung einer
IT-Kontrollkommission mit Vertretern der Justiz. Es gab bei der
Gestaltung des Gesetzes eine
starke Einbindung der Beteiligten durch Vertreter der Justiz
und der Richterverbände.
Die Umsetzung dieses Gesetzes
ist wiederum Teil des Projekts
zur Neuorganisation der JustizIT, in dessen Steuerung die
Justiz unmittelbar einbezogen
wird. Das macht deutlich, dass
dort, wo IT-Leistungen der Exe-
Wir haben ein gestiegenes Bedürfnis an IT-Sicherheit. Die
Professionalität zur Datenhaltung liegt bei Dataport. Das ist
allen bewusst. Es gab Anfang
April eine Präsentationsveranstaltung im neuen Rechenzentrum in Norderstedt. Dabei
wurde deutlich, dass ein so hohes Sicherheitsniveau von der
Welche Vorteile hat die Justiz
durch das Auslagern der Datenhaltung?
Welchen Stellenwert haben
Standardisierung und Kooperationen für die IT der Justiz?
Die goldene Regel lautet: Die IT
sollte der Fachlichkeit folgen
und nicht umgekehrt. Auf der
einen Seite steht die notwendige
„Die Fachverfahren sind komplex und teuer. Das kann kein
Land für sich allein gestalten.“
Justiz dezentral an verschiedenen Standorten nicht geleistet
werden kann. Wir werden uns
zunehmend auch in der JustizIT der Dienstleistungen von Dataport bedienen. Zum Beispiel
bei der Nutzung von Standardverfahren wie der +1-Infrastruktur in der Bürokommunikation, aber – wenn das Gesetz
verabschiedet ist – auch bei der
„Wir haben ein gestiegenes Bedürfnis an IT-Sicherheit.“
kutive für die Judikative ausgeprägt werden, dieser Sachverhalt
sowohl grundsätzlich als auch
in der konkreten Projektarbeit
Berücksichtigung finden muss.
nen starken Ausbaubedarf bei
der Fachverfahrensbetreuung.
Verlagerung der Datenhaltung.
Damit wird eine Entlastung geschaffen, damit wir uns auf das
Spezifische der Justiz-IT konzentrieren können. Die Einführung des Elektronischen Rechtsverkehrs und der elektronischen
Aktenführung ist ja ein Aufgabenzuwachs. Zudem gibt es ei-
Standardisierung, auf der anderen Seite die Notwendigkeit der
Fachprozesse, die von Land zu
Land durchaus unterschiedlich
sind.
Es ist hierbei die Kunst, einen
standardisierten Rahmen zu
definieren – und in diesem Rahmen dann wieder flexibel auf
Anforderungen des landesspezifischen juristischen Prozesses zu reagieren. SchleswigHolstein ist Mitglied in vielen
Länderverbünden und beteiligt
sich an verschiedenen Fachverfahrens-Kooperationen. Die
Tendenz bei Fachverfahren ist
ganz klar, dass wir mit anderen
Ländern zusammen die Software entwickeln und zusammen
die umsetzenden Dienstleister
beauftragen. Die Fachverfahren
sind komplex und teuer. Das
kann kein Land mehr für sich
allein gestalten.
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TechnoLogisch
Quadrocopter
Der fliegende M
Drohnen bieten verschiedenste Anwendungsmöglichkeiten. Mit Kamera oder Sensoren
ausgestattet können die ferngelenkten kleinen Flugobjekte viel sehen und erfassen. Dataport setzt Drohnen seit kurzer Zeit unter anderem zur Wartung von Richtfunktechnik in
Schleswig-Holstein ein.
Drohnen werden in den letzten Jahren verstärkt auch im öffentlichen Raum benutzt. Sie überwachen Großveranstaltungen, messen
Schadstoffe in der Luft oder transportieren Gegenstände. Philipp
Frenzel, Leiter Planung und Projektierung Transporttechnologien
bei Dataport, setzt eine Drohne für die Technikwartung ein: „Dabei
kann sie unsere Mitarbeiter unterstützen und entlasten.“
Erster Einsatzort: Schleswig-Holstein
Bei einer Dienstreise im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg
wurde Philipp Frenzel auf die Einsatzmöglichkeiten von Drohnen
aufmerksam. Er besuchte eine Firma, die sie zur Funkfeldmessung
in Südostasien einsetzt. Gemeinsam mit Kollegen entwickelte er die
Idee, Drohnen zu Wartungsarbeiten bei Dataport zu nutzen. Ein Jahr
später werden nun in Schleswig-Holstein erste Erfahrungen mit einem Quadrocopter, einem Flugmodell mit vier Rotoren, gesammelt.
Philipp Frenzel und Sebastian Schröder sprechen
in einem Video über die
Vorteile, die der Einsatz
einer Drohne bei Wartungsarbeiten mit sich
bringt. [YouTube / 2:00
Minuten].
Dataport wartet 160 Rundfunkmasten in Schleswig-Holstein, mit
denen im Auftrag des Innenministeriums das BOS-Zugangsnetz betrieben wird. Der nichtöffentliche Digitalfunk wird von Behörden
und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) verwendet.
In Schleswig-Holstein ist Dataport auch für das Landesnetz V+
verantwortlich, dessen Technik
ebenfalls an den Masten angebracht ist. Neben den Masten
müssen auch sogenannte Outdoor-Container mit Verstärkungstechnik regelmäßig auf Schäden
überprüft werden.
Die Wartung mit Drohnen ist
nicht nur schneller und sicherer, sondern auch kostengünstiger, da nur noch ein Techniker benötigt wird. Besonders
an sehr schwer zugänglichen
Standorten, an denen nur Industriekletterer ohne Sicherung
„Die Drohne kann Mitarbeiter
bei der Wartung von Technik
unterstützen und entlasten.“
Schnellere und günstigere Wartung per Kamera
Durch den Einsatz der Drohne können die Techniker effizienter
arbeiten, denn im Normalfall benötigen sie für die zehnminütige Sichtprüfung an einem 75 Meter hohen Mast mit vor Vor- und
Nachbereitung bis zu drei Stunden. Um Sicherheit zu gewährleisten, müssen immer zwei Techniker vor Ort sein. Einer klettert und
prüft die Technik, der andere bleibt am Boden und kann im Notfall
eingreifen. Mit einem Quadrocopter und dessen integrierter Kamera
kann ein einzelner Mitarbeiter Richtfunkantennen und Windfän16
ger in Echtzeit am Bildschirm
vom Boden aus betrachten. Für
weitere Untersuchungen kann
der fliegende Kollege Foto- und
Videomaterial anfertigen. Techniker können auf den Bildern
Schäden wie Materialermüdung,
Verschmutzung oder Wetterschäden erkennen und den Reparaturaufwand einschätzen.
Masten erklettern dürfen, könnte durch den Einsatz von Quadrocoptern gespart werden. Für
Philipp Frenzel ist auch die Widerstandsfähigkeit der Drohnen
ein Vorteil, denn die Kollegen
dürfen die Masten im Winter
grundsätzlich nicht beklettern,
bei Regen ist es ebenfalls zu gefährlich. Die Drohne hingegen
fliegt bei Regen und Schnee. „Es
ist unsere Aufgabe leistungs-
TechnoLogisch
itarbeiter
fähige Verbindungen bereitzustellen – bei jedem
Wetter. Mit Drohnen als Wartungshilfe können
wir das nun gewährleisten.“
Viele Regeln für den Drohnenflug
Philipp Frenzel hat bei der Anschaffung der ersten Drohne schnell erkannt, dass das gewerbliche
Fliegen mit vielen Vorbereitungen verbunden ist.
Vor dem Einsatz muss eine allgemeine Aufstiegserlaubnis eingeholt werden. Sie gilt aber nur für
sogenannten „unkontrollierten Luftraum“ und nur
bis zu einer Höhe von 100 Metern. Für alle anderen
Orte wird eine gesonderte Erlaubnis benötigt. Auch
mit dem Thema Datenschutz musste sich Philipp
Frenzel vertraut machen. Hier unterliegt Dataport
sehr strengen Regeln. Es darf nur der Standort mit
Mast und Container gefilmt werden. Ausflüge über
weiteres Gebiet, das Überfliegen von Menschenansammlungen oder ähnliches sind verboten.
Philipp Frenzel denkt schon jetzt an die weiteren
Einsatzmöglichkeiten der Quadrocopter: Besonders in Hamburg könnten sie den Technikern die
Arbeit immens erleichtern, denn viele Kabeltrassen verlaufen unter Brücken. Zur Überprüfung
fahren Techniker mit einem Boot die Brücken
an oder befestigen ein Geländer an den Brücken.
Drohnen könnten die zu überprüfenden Kabeltrassen abfliegen und auf Schäden untersuchen.
Die Drohne fliegt wieder
– hier zu Demonstrationszwecken gesteuert von
Philipp Frenzel.
In naher Zukunft möchte Philipp Frenzel Quadrocopter erst einmal zur Wartung der Masten
und Container in Schleswig-Holstein einsetzen.
Um eine regelmäßige Kontrolle zu gewährleisten,
müssen mindestens zwei Mitarbeiter am Fluggerät zu Piloten ausgebildet werden. Wenn sich die
Drohnen dauerhaft bei der Wartung der Masten
bewähren, sollen sie auch in anderen Bundesländern als Hilfsmittel eingesetzt werden.
17
Unter Partnern
BOB-SH
Mehr Partizipation,
Das Verfahren BOB-SH wurde im April um das Modul „Öffentlichkeitsbeteiligung“
ergänzt: Bürger können sich damit online an der Bauleitplanung beteiligen. Das Ziel:
Mehr Transparenz und stärkere Teilhabe am politischen Entscheidungsprozess. Drei
Teilnehmer des Pilotprojekts berichten.
Norbert Jordan, Abteilungsleiter Bauen und Umwelt, Amt Schlei-Ostsee
„Es ist wichtig, Bauleitverfahren
für die Bevölkerung transparenter zu machen. Es wird immer
kritisiert, dass bestimmte Informationen nicht bekannt sind.
Mit dem Modul Öffentlichkeitsbeteiligung können wir den Bürgern alle Daten online zur Verfügung stellen. So können sie sich
jederzeit informieren. Bislang
haben die Bürger eher begrenzt
bei Bauleitplanverfahren mitgewirkt. Inwiefern die Möglichkeit, online eine Stellungnahme
fenen ab: Ältere Bürger verfügen
oft nicht über einen Computer.
Eine weitere Schwierigkeit ist
die begrenzte Verfügbarkeit von
Internet im Außenbereich unseres Amtsgebiets. Häufig wurde
thematisiert, dass es durch das
neue Modul zu einer Flut von
möglichen anonymen Stellungnahmen kommen könnte. Das
sehe ich aber nicht so. Ich gehe
davon aus, dass die Bürger, die
wirklich mitreden wollen, ihre
Stellungnahmen qualifiziert abgeben – auch um sich mögliche
Rechtsschritte
offenzuhalten.
Ich freue mich, wenn es mehr
Stellungnahmen gibt und die
Bürger Transparenz nicht nur
einfordern, sondern sich auch
aktiv beteiligen. Dann ist das
Ziel erreicht. Das setzt aber voraus, dass möglichst viele Kommunen an BOB-SH mitwirken:
Je mehr Kommunen ihre Bauleitpläne online stellen, desto
mehr Informationen erhalten die
Bürger.“
Ulf Dallmann, Fachdienstleiter Planung und Umwelt,
Stadt Schenefeld
Norbert Jordan zeigt eine
Planzeichnung auf dem
Tablet: Alle Daten zur
Bauleitplanung stehen
den Bürgern jetzt auch
online zur Verfügung.
18
abzugeben, das ändern wird,
kann ich noch nicht sagen. Wir
nutzen das Modul zurzeit für
zwei Verfahren. Für eines davon erwarten wir Stellungnahmen aus der Nachbarschaft. Ob
diese über die neue Plattform
kommen oder konventionell
eingereicht werden, hängt auch
von der IT-Affinität der Betrof-
„Wir wollen in der Stadt Schenefeld das Modul Öffentlichkeitsbeteiligung im Herbst mit einem
Verfahren starten, das eine gewisse Resonanz von den Bürgerinnen und Bürgern verspricht.
Hierbei handelt es sich um einen Bebauungsplan für einen
Discounter. Das Modul ist aber
nur ein zusätzlicher Service –
die Öffentlichkeitsbeteiligung
darf nicht ausschließlich digital
erfolgen. Das ist rechtlich nicht
zulässig. Wir weisen immer darauf hin, dass man uns nach wie
vor auch einen Brief schreiben
und die Planunterlagen im Rathaus einsehen kann. Das halte
ich für wichtig. Zeitgleich mit
dem Start des Moduls Öffentlichkeitsbeteiligung wollen wir
auch damit beginnen, die Träger
öffentlicher Belange über BOBSH zu beteiligen. Davon versprechen wir uns, dass sich unser Arbeitsaufwand langfristig
reduziert. Bislang müssen wir
die Inhalte der Stellungnahmen
schriftlich übertragen, wenn
wir die Einwände in die Abwägungstabelle einstellen. Diese
Tabelle kann aus BOB-SH heraus mit allen Stellungnahmen
der Öffentlichkeit und der TÖB
direkt generiert werden – das ist
ein enormer Vorteil. Langfristig
erhoffe ich mir, dass BOB-SH
noch weiter ausgebaut wird, so
dass wir die Inhalte der Bauleitplanung mit anderen Informationen verknüpfen können. Zum
Beispiel mit Angaben zu Eigentümern, Geschossigkeit oder
dem Baumkataster. Bei der täglichen Arbeit wäre der Zugriff
auf andere Informationsquellen
dann leichter und der Zeitaufwand geringer.“
Andrea Ohde, Fachdienst
Planung und Umwelt, Gemeinde Trittau
„Gerade jüngere Menschen, die
IT-affin sind und über einen Internetzugang verfügen, beteiligen sich online vermutlich eher
Unter Partnern
weniger Papier
der Gemeinde
passiert, der
wird es auch
jetzt nicht tun.
Aber die Hürde der Beteiligung ist nicht
mehr so hoch,
wenn man die
Pl a nu n g s u nterlagen von
zu Hause aus
online einsehen kann. Wir
Baupläne im Rathaus einzusehen, ist auch weiterhin möglich.
verwenden
Ulf Dallmann sieht das neue Modul als zusätzlichen Service.
das Modul in
der
Gemeinde
Trittau
seit Mai.
an der Bauleitplanung als bislang. Klar, wer sich vorher nicht Zu einigen Plänen sind tatsächdafür interessiert hat, was in lich online Stellungnahmen von
Bürgern eingegangen, per Post
jedoch nicht. Ohne das neue
Modul hätten sie sich vielleicht
nicht gemeldet. Ich glaube, dass
die Möglichkeit der Online-Beteiligung zukünftig noch mehr
von den Bürgern angenommen
wird. Man hat die Entwicklung
schon bei den Trägern öffentlicher Belange (TöB) gesehen: Es
ging stetig voran, immer mehr
haben BOB-SH genutzt, um
ihre Stellungnahme zu übermitteln. Vielleicht erreicht man
BOB-SH
Laut Baugesetzbuch ist beim Aufstellen, Verändern oder Außerkraftsetzen von Bauleitplänen die Öffentlichkeit von der jeweiligen Kommunalverwaltung im Rahmen eines Beteiligungsverfahrens zu berücksichtigen. Auch Behörden und Träger öffentlicher
Belange (TöB) – zum Beispiel Energiekonzerne – müssen von den
Kommunen beteiligt werden. Mit dem Verfahren BOB-SH (Bauleitplanung Online-Beteiligung für die Kommunen des Landes
Schleswig-Holstein) kann die TöB-Beteiligung seit 2011 elektronisch durchgeführt werden. Seit der Einführung des Moduls
Öffentlichkeitsbeteiligung im April 2015 können sich auch die
Bürger online an der Bauleitplanung beteiligen. Zeit- und ortsunabhängig können sie ihre Stellungnahmen in anonymer oder
personalisierter Form abgeben. Somit sind die Verfahrensträger
in der Lage, den vollständigen Beteiligungsprozess mit allen Akteuren über BOB-SH digital abzubilden. Inzwischen wird BOBSH in 44 schleswig-holsteinischen kommunalen Verwaltungen
eingesetzt sowie als Informationsportal bei Planverfahren des
Landesbetriebs für Straßenbau genutzt. Landesweit werden aktuell mehr als 150 Beteiligungsprozesse mit dem Verfahren durchgeführt, zwölf davon mit dem Modul Öffentlichkeitsbeteiligung.
irgendwann, dass alle TöB ihre
Stellungnahmen online über
das Portal abgeben. Ziel ist es
ja, dass der Beteiligungsprozess
durch BOB-SH einfacher wird
und man weniger Papierunterlagen benötigt. Die Anwenderfreundlichkeit des Verfahrens
ist auf jeden Fall gegeben. Es ist
gut und einfach gehalten, auch
wenn es natürlich immer Verbesserungsvorschläge gibt.“
Noch dominieren die
Papierunterlagen: Andrea
Ohde geht jedoch davon
aus, dass der Beteiligungsprozess durch BOBSH einfacher wird.
19
Output
Flüchtlinge in Hamburg und Schleswig-Holstein
IT im Container
Etwa 1.000.000 Flüchtlinge werden in diesem Jahr in Deutschland erwartet, immer
neue Einrichtungen für die Erstaufnahme entstehen. Vor Ort kümmern sich Mitarbeiter der Ausländerbehörden um die Asylsuchenden – ohne PC und Telefon läuft nichts.
Dataport stattet die Einrichtungen in Hamburg und Schleswig-Holstein mit IT aus.
Im Büro von Holger König
in der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) für Flüchtlinge
im
schleswig-holsteinischen
Boostedt geht es hoch her: Das
Telefon klingelt ununterbrochen, laufend stehen Kollegen
mit Fragen, Akten oder neuen
Informationen in der Tür. „Momentan werden wir hier vom
Papier erschlagen. Wir kommen
mit dem Bearbeiten der Anträge kaum hinterher“, sagt der
Mitarbeiter des Landesamtes
für Ausländerangelegenheiten
(LfA). Seit April werden in den ehemals leerstehenden Gebäuden
der Rantzau-Kaserne Flüchtlinge untergebracht. Um alle Asylsuchenden unterbringen zu können, wurden in Schleswig-Holstein
in kürzester Zeit weitere EAE errichtet. Dort werden die Flüchtlinge registriert und können einen Asylantrag stellen, bevor sie auf
die Kreise und kreisfreien Städte verteilt werden. Davor stehen jede
Menge Formalien: Personaldokumente sind zu erstellen, Transferpapiere vorzubereiten, Verfahrensabsprachen zu treffen und vieles
mehr. Ohne funktionsfähige IT ist das nicht zu bewältigen.
Mobile Arbeitsplätze in zwei Tagen
Im Auftrag des Ministeriums für Inneres und Bundesangelegenheiten Schleswig-Holstein hat Dataport mehrere Außenstellen des
LfA in den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes mit Servern,
PCs und Notebooks ausgestattet. Viel Zeit blieb dafür nicht, denn
Immer mehr Erstaufnahmeeinrichtungen entstehen, um die Flüchtlinge unterbringen zu können. Damit die Ausländerbehörden vor
Ort effizient arbeiten können, benötigen sie leistungsstarke IT.
Foto: hydebrink – Fotolia.de
20
Output
dorf
die Mitarbeiter des LfA mussten vor Ort schnell
arbeitsfähig sein. Sehr schnell. So wurden die
Büros in den Erstaufnahmeeinrichtungen in
Rendsburg und Albersdorf kurzfristig innerhalb
von zwei Tagen mit Servern, PCs und Notebooks
ausgestattet. Diese verfügen über einen mobilen
VPN-Zugang, damit die Nutzer sich wie an ihrem
gewohnten Büroarbeitsplatz in das Landesnetz
Schleswig-Holstein einloggen und Fachverfahren
und Internet nutzen können. Weitere Standorte
sind im Aufbau.
Während die EAE in ehemaligen Kasernen über
eine gute technische Infrastruktur verfügen,
stand das Projektteam an den Standorten Kiel
und Rendsburg vor einer Herausforderung: Hier
sind die Flüchtlinge in Containerdörfern auf einem Sportplatz und in einem Gewerbegebiet untergebracht. Um dort IT-Arbeitsplätze für das LfA
einrichten zu können, mussten die technischen
Voraussetzungen erst geschaffen werden. In
kürzester Zeit wurde eine Stromversorgung aufgebaut, Netzanschlüsse erstellt und Router konfiguriert. „Wir haben mit Hochdruck gearbeitet
und der Ausstattung der Erstaufnahmeeinrichtungen höchste Priorität eingeräumt“, berichtet
Projektleiter Kai König. So wurde etwa die Datenübertragungsrate für den Landesnetzanschluss
in der Zentrale des LfA in Neumünster auf 100
Megabit erhöht. Dadurch wird eine bessere Performance der Rechner gewährleistet, die aus den
EAE im ganzen Land auf die Infrastruktur in
Neumünster zugreifen. Jetzt kann das LfA pro
Tag rund 400 EASY-Erfassungen (Erstverteilung
von Asylbegehrenden) bearbeiten und die Flüchtlinge schneller auf die Kommunen verteilen. In
Rendsburg wurde zudem die Polizeidienststelle
im Containerdorf mit einer leistungsstärkeren
Funkverbindung zur örtlichen Polizei ausgestattet – statt des Mobilfunkstandards LTE kommt
jetzt eine Breitbandverbindung zum Einsatz.
Auch in Hamburg treffen immer mehr Flüchtlinge ein. Im Moment betreibt die Stadt 100 Stand-
orte mit rund 26.500 Plätzen zur Unterbringung
von geflüchteten Menschen. Sieben Zentrale
Erstaufnahmeeinrichtungen (ZEA) wurden von
Dataport bereits mit IT ausgestattet. Im August
wurde in der Steinstraße kurzfristig eine Zentrale zur Koordination der Flüchtlingsaufnahme
eingerichtet. Innerhalb von zwei Tagen wurde
eine leerstehende Etage des ehemaligen Gebäudes
der Hamburg Tourismus GmbH von Dataport mit
40 Arbeitsplätzen ausgestattet und an das FHHnet angebunden. Eine große Aufgabe, denn die
technische Infrastruktur in den Räumlichkeiten
musste neu eingerichtet werden. Mit höchster
Priorität machte sich ein mit 35 Personen besetztes Team an die Arbeit, um die leerstehende Fläche in funktionale Büros umzuwandeln. Wände
aufreißen, Kernbohrungen durchführen, Stromund Glasfaserkabel neu verlegen, Netzwerktechnik einrichten – es gab viel zu tun.
Übliche Zeiträume außer Kraft gesetzt
„Die Gewerke mussten exakt aufeinander abgestimmt arbeiten, sonst hätten wir die kurze
Frist nicht einhalten können. Es ging Schlag auf
Schlag“, berichtet Projektleiter Moritz Dörr. „Wir
haben die üblicherweise geltenden Zeiträume für
die Installationen außer Kraft gesetzt, alle waren
hochmotiviert bei der Arbeit.“ Deshalb konnte das
Team den Auftrag sogar noch schneller umsetzen
als vorgegeben. In den zwei Tagen wurde nicht
nur die technische Infrastruktur inklusive NGNTelefonie in dem Gebäude bereitgestellt, sondern
auch der Umzug der Arbeitsplätze von 40 Mitarbeitern der Behörde für Inneres und Sport sowie
der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie, Integration organisiert. Möglich wurde die schnelle Ausstattung der Einrichtungen in Schleswig-Holstein
und Hamburg auch durch die gute Zusammenarbeit mit den Partnerunternehmen von Dataport:
Die Bechtle AG trug mit der Expresslieferung von
Hardware genauso zum Erfolg bei wie die Firma
Vater IT und lokale Elektro-Unternehmen mit der
Installation der Netzanschlüsse.
21
Unternehmen
Ausbildung in Sachsen-Anhalt
Die Nachwuchskräf
Bei Dataport spielt die Ausbildung von jungen Menschen eine zentrale Rolle. Am Standort
Magdeburg haben die ersten Auszubildenden und der erste Student im September ihre
Arbeit begonnen. Die jungen Mitarbeiter sind nicht nur ein Gewinn für das Unternehmen.
Auch die Region profitiert, denn viele Nachwuchskräfte verlassen Sachsen-Anhalt.
Sie sind jung, gut ausgebildet
und kehren ihrer Heimat den
Rücken: Nachwuchskräfte aus
Mitteldeutschland. Allein von
1995 bis 2005 verließen 260.000
junge Menschen zwischen 18
und 30 Jahren Sachsen-Anhalt,
zu 90 Prozent in Richtung alte
Bundesländer. Dieser Trend hält
weiterhin an, wenngleich ein
zuletzt stärkerer Zuzug den Verlust etwas verringert. Der Hauptgrund für die Abwanderung:
Viele können in ihrer Region
nicht in dem Beruf arbeiten, den
sie gelernt haben oder ausüben
möchten.
Dataport will die jungen Menschen in der Region halten und
entschied sich auch deshalb
dazu, am Standort Magdeburg
Ausbildungs- und Studienplätze
anzubieten.
schiedenen Standorten ausgebildet werden.
Duales Studium und Ausbildung
Informatik-Student Steven Teßendorf fällt unter den dreien
ein wenig aus der Reihe und ist
in seinen jungen Jahren schon
viel
herumgekommen.
Der
22-Jährige wurde auf der Insel
Hiddensee geboren, absolvierte auf Rügen eine Ausbildung
zum Informatik-Kaufmann, ehe
er in Kiel sein Abitur nachholte. Eigentlich hatte er in Norddeutschland bleiben wollen,
um dort ein duales Studium
bei Dataport zu beginnen. „Der
Standort Kiel kam für mich
aber nicht in Frage, da dort nur
Wirtschaftsinformatik angeboten wird. Also habe ich mich
in Magdeburg beworben“, blickt
Viele Nachwuchskräfte in
Sachsen-Anhalt wandern ab.
Steven Teßendorf, Jonas Montag und Marvin Ziebell sind die
ersten jungen Nachwuchskräfte
in Sachsen-Anhalt, nachdem
das Bundesland Anfang 2014
dem Dataport-Verbund beigetreten ist. Die drei gehören zu den
mehr als 100 Studenten und
Azubis, die von Dataport an ver22
Teßendorf zurück. Seine Ziele:
Zunächst einmal den Bachelor
machen, außerdem möglichst
viele Weiterbildungen. „In diesem Bereich bietet Dataport einiges an. Was das Studium selbst
betrifft, erhoffe ich mir viele
Einblicke in die Bereiche Software und Programmierung.“
Mit Jonas Montag und Marvin
Ziebell haben zwei Nachwuchskräfte am Standort Magdeburg
ihre Ausbildung begonnen,
obwohl ursprünglich nur einer eingeplant war. „Das lag an
ihrem positiven Auftreten im
Bewerbungsgespräch“, erklärt
Ausbilder Ingo Trelewska: „Als
sich zeigte, dass es zwei gleichstarke Bewerber gibt, haben wir
uns dafür eingesetzt, auch beide
einzustellen.“
Die beiden angehenden Fachinformatiker für Systemintegration – oft kurz als „FiSi“ bezeichnet – sammelten gemeinsam mit
Steven Teßendorf bei einer Kickoff-Veranstaltung in Hamburg
erste Eindrücke von ihrem neuen Arbeitgeber. Die drei lernten
Kommilitonen und Azubis aller
Standorte sowie ihre Ausbilder
kennen, außerdem das Unternehmen mit seinen Strukturen
und Besonderheiten. „Beeindruckend war, wie uns die Kollegen
aufgenommen haben. Wir waren
sofort integriert“, sagt Marvin
Ziebell. Den drei Magdeburgern stehen in ihrer Anfangszeit
Paten zur Seite, die ihnen den
Einstieg erleichtern sollen. Bei
den Paten handelt es sich um
Auszubildende, die schon länger im Unternehmen sind. Diese
werden sich mit den Neuen regelmäßig treffen, ihre eigenen
Unternehmen
te starten durch
Erfahrungen mit ihnen teilen
und ihnen Tipps mit auf den
Weg geben.
Zukunft bei Dataport –
warum nicht?
Schon in zwei Jahren werden
die Neuen zu den Alten gehören und ihrerseits Ratschläge
geben. Doch was kommt dann,
nach dem Abschluss von Ausbildung und Studium? „Ich würde
gerne hier bleiben“, sagt Jonas
Montag, für den die Arbeitsplatzsicherheit bei Dataport ein
wichtiges Bewerbungskriterium
war. Auch für Steven Teßendorf
und Marvin Ziebell spielte dies
eine große Rolle, wenngleich
sich die beiden noch keine Gedanken über ihre Zukunft gemacht haben. Welche berufliche
Laufbahn die drei nach dem
Ende von Ausbildung und Studium einschlagen werden, entscheidet sich erst innerhalb der
kommenden zwei Jahre. Wenn
das Abschlusszeugnis gut ist,
ermöglicht Dataport eine Weiterbeschäftigung.
Für den Standort Magdeburg
wäre der Verbleib der Nachwuchskräfte nach ihrer Ausbil-
dung eine kleine Frischzellenkur. „Vor dem Dataport-Beitritt
hatten wir ein Durchschnittsalter von 51 Jahren. Wir haben
viele ältere Kollegen, brauchen
daher junge Menschen. Frischer
Wind tut uns gut, auch neue
Ideen oder andere Wege, die beschritten werden“, sagt Ausbilder Lars Burghardt.
Ein Gewinn sind die jungen und
motivierten Mitarbeiter nicht
nur für Dataport. Für SachsenAnhalt ist es ein kleines Zeichen, qualifizierten Nachwuchs
im Land halten zu können.
Wissbegierig in Magdeburg: Marvin Ziebell
und Jonas Montag (r.)
mit ihrem Ausbilder Lars
Burghardt (links im Bild).
23
Mit System
ITK-Infrastruktur Bremen
Volle Leistung
Dataport wird ab 1. Januar 2016 auch die gesamte ITK-Infrastruktur der Bremer Verwaltung betreuen. Vor einem Jahr wurde der Vertrag über die Generalunternehmerschaft „ITK-Neu“ unterzeichnet. Jetzt ist die Vergabe der Aufträge größtenteils abgeschlossen.
Dataport wird in Zukunft auch der zentrale Ansprechpartner für die gesamte ITK-Infrastruktur
in Bremen sein. Neben den IT-Aufgaben – 8.000
Arbeitsplätze sind nach dem einheitlichen Standard BASIS.bremen (Büro Arbeitsplatz Standard
Infrastruktur Services) ausgestattet – erhält die
Verwaltung der Hansestadt ab Januar 2016 auch
alle Telekommunikationsdienstleistungen aus einer Hand. Dazu gehören zum Beispiel Netze, Telefonie sowie Hardware für LAN (Local Area Network) und WLAN. Rund 16.000 Anwender in den
Behörden sind an die Netze angeschlossen und
nutzen diese Telekommunikationslösungen von
Dataport.
Zentrale Rufnummern
Für die Mitarbeiter der
Freien Hansestadt Bremen gelten auch weiterhin folgende zentrale Rufnummern für
Störungsmeldungen: Für Nutzer BASIS.bremen: 0421 / 361 4444)
Für alle anderen Nutzer: 0421 / 83 55 8444
Einheitliche IT-Infrastruktur über die
Ländergrenzen hinweg
Gesamtservice für die Kunden
Die Abteilung wurde 2014 neugegründet. Ihre
Aufgabe ist es, die Einzelleistungen der Fachabteilungen bei Dataport sowie der Subunternehmer
in den Trägerländern in Bezug auf eine einheitli-
Bislang hatte die Brekom GmbH die IT-Infrastruktur der Hansestadt betrieben. Dataport wurde nur
partiell für spezielle Leistungen beauftragt. Nun
hat Dataport die Generalunternehmerschaft übernommen – und schließt wiederum Verträge mit
Subunternehmern, die als Dienstleister für den
Netzbetrieb verpflichtet werden. Für die passive
Infrastruktur der Brekom, dazu zählen zum Beispiel Glasfaserkabel und Kabelschächte, hat sich
Bremen für zunächst 30 Jahre das Nutzungsrecht
gesichert. Die Leistungen im Bereich der Telekommunikation werden derzeit ausgeschrieben, die
Vergabe ist für das zweite Quartal 2016 vorgesehen.
„Bremen kann jetzt das vollständige Leistungsspektrum von Dataport abrufen“, erklärt Sven
Hupe, der für die Abteilung Lösungen Netze für
ITK-Neu verantwortlich ist. Die für Bremen angebotenen Services sollen weitgehend denen
entsprechen, die Dataport auch für die anderen
Trägerländer bereitstellt. Mit einer einheitlichen
IT-Infrastruktur über die Ländergrenzen hinweg
kann ein effizienter IT-Betrieb gewährleistet und
damit Kosten gespart werden.
Bislang hatten die Verwaltungseinheiten in Bremen sowohl Verträge mit der Brekom als auch mit
24
Dataport geschlossen. Mit Dataport als zentralem
Dienstleister wird die Vertragslandschaft konsolidiert und die angebotenen Leistungen für die
Bremer Verwaltung werden in einem Servicekatalog abgebildet. So können Aufträge unkompliziert
und nachvollziehbar übermittelt werden. Zudem
steht mit der Abteilung Lösungen Netze für alle
Fragen rund um den Bereich der IT-Infrastrukturleistungen ein fester Ansprechpartner zur Verfügung.
Frischer Wind in Bremen: Dataport wird zentraler Dienstleister
für die gesamte ITK-Infrastruktur der Verwaltung.
Foto: BTZ Bremer Touristik-Zentrale
che ITK-Strategie der Länder übergreifend zu koordinieren. Damit soll ein Gesamtservice für die
Kunden geschaffen werden. Vertraglich ist alles
geregelt, praktisch bleibt noch viel zu tun. „Wir
definieren jetzt die Lösungen, richten sie ein und
passen die Prozesse an. Bis Ende des Jahres wird
das weitestgehend abgeschlossen sein, so dass wir
ab 1. Januar im vollen Umfang ITK-Leistungen für
die Bremer Verwaltung erbringen können“, blickt
Sven Hupe voraus.
Reshaping the
Datacenter
So dynamisch wie Ihr Unternehmen
Der Betrieb einer modernen IT-Infrastruktur erfordert neue und moderne Betriebskonzepte, die Ressourcen schonen, flexibel sind und gleichzeitig kostenoptimiert
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25
Querbeet
Schleswig-Holstein Musik Festival
Virtuos über
Grenzen hinweg
Musik verbindet: Beim gemeinsamen Besuch eines Konzerts des Schleswig-Holstein
Musik Festivals (SHMF) kamen Dataport-Mitarbeiter mit Flüchtlingen ins Gespräch.
Für beide Seiten war die Veranstaltung ein bereichernder Perspektivwechsel.
Projekt FLOW
Das Projekt "FLOW –
Für Flüchtlinge! Orientierung und Willkommenskultur" hilft
jungen Flüchtlingen,
sich in unsere Gesellschaft zu integrieren.
Ehrenamtliche Mentoren helfen bei alltäglichen
Herausforderungen. Aber FLOW
bietet auch professionelle Unterstützung
bei Aus- und Weiterbildung und bei der
Bewältigung von Erlebtem. Sport und Kultur helfen dabei, Menschen kennenzulernen
und sorgen für positive
Erlebnisse.
www.gemeindediakonie-luebeck.de
26
Unter dem Motto „SHMF für
alle“ sponsert Dataport in jedem
Jahr eine Begegnung mit Menschen, für die der Besuch von
Kulturveranstaltungen
nicht
alltäglich ist. Fester Bestandteil
der Aktion ist ein gemeinsames
Essen, bei dem die Mitarbeiter
von Dataport und ihre Gäste
sich kennenlernen und austauschen können. In den vergangenen Jahren hatten Bewohner der
Stiftung Alsterdorf mit Dataport
ein Konzert des SHMF besucht.
Die evangelische Einrichtung
unterstützt Menschen mit Behinderungen in allen Lebenslagen, zum Beispiel Wohnen, Gesundheit, Bildung und Beruf.
Hilfe für Flüchtlinge
Vorurteile abbauen, neue Sichtweisen kennenlernen: Beim gemeinsamen Konzertbesuch entstand ein angeregter Austausch zwischen den Besuchern.
In diesem Jahr war erstmals das Diakonische Werk
Schleswig-Holstein Partner für den gemeinsamen Konzertbesuch. Mit dem Projekt FLOW (Für
Flüchtlinge! Orientierung und Willkommenskultur) hilft die Gemeindediakonie in Lübeck jungen
Flüchtlingen zwischen 16 und 25 Jahren, die ohne
ihre Angehörigen nach Deutschland gekommen
sind, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren.
Ehrenamtliche Mentoren unterstützen sie bei ihren alltäglichen Herausforderungen. Dazu gehört
Hägar der Schreckliche
Querbeet
nicht nur professionelle Unterstützung bei Aus- und Weiterbildung. Wichtig ist auch, den
jungen Leuten aus Syrien, Afghanistan oder Eritrea dabei zu
helfen, ihre Erlebnisse zu bewältigen. Dazu tragen auch Sportund Kulturveranstaltungen bei:
Menschen kennenzulernen und
positive gemeinsame Erlebnisse
helfen beim Einleben und machen es leichter, mit der neuen
Kultur und Sprache vertraut zu
werden.
Austausch fördert Ideen
Die Neugier und Vorfreude auf
den gemeinsamen Konzertbesuch war bei den DataportTeilnehmern groß – und die
anfängliche Schüchternheit auf
beiden Seiten schnell überwunden. Schon vor der Abfahrt in
Hamburg begannen lebhafte Gespräche im Bus. Der Austausch
zwischen
unterschiedlichen
Menschen ist Dataport ein Anliegen – ob innerhalb des Unternehmens oder mit
anderen. Gerade Unterschiede wie Alter, Herkunft
oder Weltanschauung machen die Stärke eines
Unternehmens aus. Unterschiedliche Sichtweisen
sind ein unverzichtbarer Beitrag zum Erfolg. Der
Austausch darüber fördert neue Ideen, gegenseitigen Respekt und wirkt Vorurteilen entgegen. So
sind auch die gemeinsamen Konzertbesuche beim
SHMF ein wertvoller Perspektivwechsel für die
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.
Den Geschichten der Flüchtlinge aus dem
„FLOW“-Projekt zuzuhören, weckte Verständnis für deren Situation. Vage Vorstellungen von
Lebensgeschichten, die durch Krieg und Flucht
aus den Fugen geraten sind, wurden konkret
und greifbar. Der Einschnitt, Familie, Freunde
und eine Existenz zurückzulassen und in einem
fremden Land ganz von vorn anzufangen, wurde
verständlich und ließ die eigenen Alltagssorgen
in einem anderen Licht erscheinen. So wirkte der
Abend bei den Teilnehmern nach und führte zu
einem regen Austausch unter Kollegen, Freunden
und in der Familie. „Wir tragen weiter, was wir gehört haben“, so Projektmanager Jörg Meiners. „So
verstehen auch andere besser, wer die Menschen
sind, die jetzt zu uns kommen. Wir können helfen,
Vorurteile und Berührungsängste abzubauen.“
Und wer bist Du? Khaled
und Rami aus Syrien erzählten Heike Baltruweit
und Jörg Meiners ihre
Geschichte.
Das musikalische Programm des gemeinsamen
Abends wurde da fast zur Nebensache, begeisterte
aber alle gleichermaßen: Der Pianist Stephan Graf
von Bothmer begleitete in seinem Konzert Klassiker des Stummfilmkinos wie „Dick & Doof“ oder
„Nosferatu“ live auf dem Klavier. Die Sprache von
Musik und Bildern setzte sich dabei virtuos über
die Grenzen der verschiedenen Kulturen hinweg.
Die Autoren dieser Ausgabe
Karin Gerken
Seite 26
Thomas Schulze
Britta Heinrich
Seite 3
Anina Trautermann
Rudolf Herlitze
Seite 9
Katharina Trebes
Seite 22
Seite 10, 13, 14, 18, 20, 24
Seite 16
27
Foto: Maksim Kabakou – Fotolia
www.dataport.de
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