McKinsey: Deutsche Banken vor grundlegendem Wandel

PRESSEMITTEILUNG
7. April 2016
McKinsey: Deutsche Banken vor
grundlegendem Wandel
Niedrigzinsen, Digitalisierung und Regulierung erhöhen Handlungsdruck bei
deutschen Banken – Ohne Gegenmaßnahmen würden 75% der Institute in die
Verlustzone rutschen – Fokussierte Geschäftsmodelle als Ausweg – Marktanalyse auf Basis von Bundesbankdaten
DÜSSELDORF. Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind deutlich besser aus
der Finanzkrise herausgekommen als der private Bankensektor in Deutschland.
Zusammen konnten die Sparkassen und Genossenschaftsbanken ihren Anteil am
Nachsteuergewinn der Branche von 41% vor der Krise auf zuletzt 85% mehr als
verdoppeln. Noch stärker als die Privatbanken müssen sie jetzt allerdings auf sich
deutlich verändernde Rahmenbedingungen reagieren. Die niedrigen Zinsen, die
zunehmende Digitalisierung und die schärfere staatliche Regulierung setzen die
Erträge unter Druck. Ohne Gegenmaßnahmen würden 75% der deutschen Institute
in die Verlustzone rutschen. Das sind zentrale Ergebnisse der Studie „The road
ahead – Perspectives on German banking“ von McKinsey & Company. Hierfür
wertete die Unternehmensberatung eigene Analysen, Daten der Deutschen
Bundesbank und weitere Quellen aus.
Philipp Koch, Leiter der deutschen Bankenberatung bei McKinsey: „In den
kommenden Jahren werden das Niedrigzinsumfeld und die Digitalisierung den
Banken noch mehr zusetzen als die Regulierung.“ In Zahlen: Bis 2021 würden ohne
ein Gegensteuern die niedrigen Zinsen die Banken 2,0 Prozentpunkte
Eigenkapitalrendite kosten, die Digitalisierung ebenfalls 2,0 Prozentpunkte und die
Regulierung weitere 1,7 Prozentpunkte. Die Digitalisierung verändert die
Aussichten vor allem für standardisierte Produkte und Dienstleistungen. Hier haben
traditionell Sparkassen und Genossenschaftsbanken, aber auch Töchter von
Auslandsbanken einen Schwerpunkt. Außerdem haben die Sparkassen und
Genossenschaftsbanken in den Jahren nach der Krise ihr Kreditgeschäft stark
ausgebaut.
Preisspielräume ausloten
Max Flötotto, McKinsey-Partner in München und Koautor der Analyse: „Viele
Banken haben die Zeichen erkannt. Doch der Veränderungsbedarf ist sehr groß: Um
wieder eine Eigenkapitalrendite von 6% zu erreichen, was dem Durchschnitt der
1
vergangenen 30 Jahre entspricht, müssen die Institute entweder die Erträge um rund
30% steigern oder die Kosten um fast 30% senken.“ Klassische Maßnahmen wie
Filialschließung und Kostenprogramme und das bessere Ausloten von
Preisspielräumen sind ein erster Schritt, reichen aber insgesamt nicht aus. Philipp
Koch: „Hinzu kommen müssen strukturelle Anpassungen. Dazu gehören etwa der
gezielte Einsatz von Multi-Channel-Vertrieb und stellenweise eine Rückkehr zur
Internationalisierung, die im Zuge der Krise gelitten hatte. Auf der Kostenseite stellt
sich die Frage nach einer stärkeren Digitalisierung der Wertschöpfung, nach
weniger komplexen Produktpaletten und Geschäftsmodellen.“ Letztlich müssen sich
die Banken klarer festlegen, welche Art von Bank sie in Zukunft sein wollen –
beispielsweise eine Versorger- oder eine Kundenbank. Die Versorgerbank stellt
Produkte und Services bereit, die von anderen Finanzdienstleistern vermarktet und
vertrieben wird. Die Kundenbank hält den Kontakt zum direkten Kunden und
versorgt ihn mit zusätzlichen Diensten, wie sie auch durch die Digitalisierung und
Big Data möglich werden.
Über McKinsey
McKinsey & Company ist die in Deutschland und weltweit führende
Unternehmensberatung für das Topmanagement. 26 der 30 DAX-Konzerne zählen
aktuell zu den Klienten. In Deutschland und Österreich ist McKinsey mit Büros an
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Stuttgart und Wien aktiv, weltweit mit über 100 Büros in mehr als 60 Ländern.
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