Ist das Boot voll? ©UNHCR - A. Rodríguez 2015 starb in den ersten dreieinhalb Monaten jede 23. Person, die sich per Boot nach Europa aufmachte „Ich spürte, wie seine Finger über meine Schultern glitten. Er hat nicht geschrien, er hatte gar keine Zeit dazu. Das Schlauchboot hat ihn ohne jede Vorwarnung abgeworfen […] Wir haben nach ihm gesucht, soweit das überhaupt möglich war, und gehofft, ihn irgendwo zwischen den Wellen zu entdecken. Wir haben nach ihm gerufen, aber er war und blieb verschwunden." Im Meer schwimmen Krokodile, Fabio Geda Stand 10.8.2015, Amnesty International Sektion Deutschland Verfolgung ©DFID - UK Department for International Development 42.500 Menschen machen sich jeden Tag auf den Weg. Oppositionelle Parteien, ethnische Minderheiten oder als feindlich angesehene Religionsangehörige werden in vielen Ländern an ihrem Recht auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit oder der freien Ausübung ihrer Religion gehindert - unter Einsatz von gewalttätiger Verfolgung. "Said, der mit seinem Bruder Khaled knapp dem Tod entkam, wurde fünf Mal angeschossen, drei Mal in sein linkes Knie, je ein Mal in die Hüfte und die Schulter. Sieben seiner Brüder wurden Opfer des Massakers. Ein weiterer Überlebender, Salem, der sich zwölf Tage lang nahe am Ort des Massakers versteckt hielt und nur durch die Hilfe eines muslimischen Nachbarn überlebte, beschrieb Amnesty International das Entsetzen, mit dem er die Schmerzensschreie von Verletzten mitanhören musste. "Einige konnten sich nicht bewegen und sich deshalb nicht retten; sie lagen dort mit starken Schmerzen und warteten auf den Tod. Sie starben einen qualvollen Tod." Stand 10.8.2015, Amnesty International Sektion Deutschland In vielen Ländern werden Menschen aufgrund ihrer politischen Gesinnung, Ethnie oder Religion verfolgt. Sie können ihr Recht auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit oder Religionsfreiheit nicht frei und ohne Gefahr von Gewalt wahrnehmen oder ausüben. Oft will oder kann der Staat sie nicht vor Verfolgung durch nichtstaatliche Akteure wie Milizen oder Rebellen schützen. Wenn sie miterleben, wie Gleichgesinnte und Glaubensgenossen „verschwinden“ oder überfallen, verhaftet und gefoltert werden, dann warten sie nicht, bis die Reihen an ihnen ist, sondern sie verlassen das Land. So fanden im Rahmen von ethnischen Säuberungen in Sindschar (Nordirak) durch den „Islamischen Staat“ (IS) im August 2014 zahlreiche Massentötungen statt. Gruppen von Männern und Jungen, einige erst 12 Jahre alt, wurden durch IS-Kämpfer aufgegriffen, abtransportiert und erschossen. Diese Massentötungen hat Tausende dazu veranlasst, aus Angst um ihr Leben zu fliehen. Der überwiegende Teil allerdings sucht innerhalb des eigenen Landes Schutz. Diejenigen, die ihr Land ganz verlassen, machen sich über das Mittelmeer oder den Atlantik auf den Weg nach Europa. Sie kommen aus aus dem südlichen Afrika, Somalia, Nigeria, Eritrea, Mali oder dem Südsudan, und aus Krisenstaaten wie Syrien, Afghanistan, Pakistan, dem Iran oder dem Irak. Krieg & Vertreibung Krieg, Bürgerkrieg und Vertreibung treffen insbesondere die Zivilbevölkerung, die bei der Flucht aus Konfliktgebieten oft nur das nackte Leben retten kann. © Magharebia - 110304 Neun von zehn Flüchtlingen werden von Entwicklungsländern aufgenommen "Damals hatte ich nur Angst, dass meine Brüder im Feuer verbrannten. Ich verbrannte nicht, weil mich Nachbarn rauszogen, aber alle meine Kleider, das Essen, das Öl zum Kochen, die Matrazen , Tücher und Decken – alles weg. Ich vermisse am meisten das Geld, dass meine Mutter verdiente als sie Tee und Brot verkaufte. Ich bin traurig über all das, was wir verloren haben. Ich bin zur Schule gegangen, aber alle meine Bücher sind verbrannt. Ich mag Flugzeuge, weil sie von einem Ort zum anderen fliegen. Ich würde gern viele Orte besuchen, wie Amerika. Ich hoffe, dass ich auch nach Südsudan gehen kann, weil das mein Land ist, aber wir haben es verlassen, weil Männer mit Gewehren kamen.” Gatdet musste mit 11 Jahren aus dem Südsudan fliehen. Er versteckte sich in einem Fluß, der rot war vom Blut, als die Milizen auf seine Klassenkameraden und Verwandten feuerten und viele ertranken. Stand 10.8.2015, Amnesty International Sektion Deutschland In den letzten fünf Jahren sind mindestens fünfzehn neue Konflikte in Ländern ausgebrochen oder alte Konflikte wieder entflammt. Im Zuge des „Arabischen Frühlings“ zu Beginn des Jahres 2011 kam es in Syrien zu einem internen bewaffneten Kampf zwischen Regierungskräften und der Opposition, viele Personen wurden Opfer von Verschwindenlassen, Folter und andere Misshandlungen. Vier Millionen Menschen, mehr als die Hälfte der Bevölkerung, flohen aus ihrem Land. Mit der Ausrufung des „Kalifats“ und der Gründung des „Islamischen Staates“ (IS) im August 2014 entstand im Irak ein neuer Kriegsplatz. Fast zwei Millionen Menschen mussten fliehen. Auch aus den afrikanischen Ländern südlich der Sahara sind mehr als drei Millionen Menschen auf der Flucht. Sie fliehen aus Krisenregionen wie Somalia, Sudan, Südsudan oder Eritrea vor Krieg, Konflikten und Terror durch radikale bewaffnete Gruppen. Viele Regierungen reagieren auf die Gewalt mit ebenso brutalen und wahllosen Maßnahmen, darunter massenhaften, willkürlichen Festnahmen und Inhaftierungen sowie außergerichtliche Hinrichtungen. Immer noch gibt es Regionen, in denen bereits jahrzehntelange Instabilität und Konflikte andauern, wie in Afghanistan und Somalia. So müssen Millionen von Menschen immer länger als Flüchtlinge und Binnenvertriebene mit ungewisser Zukunft an den Rändern der Gesellschaft leben. Extreme Armut ©rocaire from Ireland - Kibera17 Armut und Perspektivlosigkeit sind ein Grund für viele junge Menschen aus Afrika ihre Familie und Freunde zurückzulassen, um sich auf einen langen und ungewissen Weg mit dem Ziel Europa zumachen – mit der Hoffnung auf ein besseres Leben. "Wenn ich drei Wünsche hätte, würde ich mir als erstes wünschen, dass wir alle in die Schule gehen können. Zweitens, dass wir genug zu Essen hätten. Drittens, dass die Augen von meinem Bruder geheilt werden. Nein, ich wünsche mir nichts für mich selber, aber wenn sie mir noch einen Wunsch geben würden, vielleicht würde ich nach etwas Neuem zum Anziehen fragen. Das wäre schön. Aber bringen sie etwas für alle Kinder nicht nur für mich.“ Lina, 13, die mit ihren vier Geschwistern in Pariang, Südsudan lebt. Nach dem Tod ihrer Mutter bei der Geburt des kleinen Bruders zieht sie die Geschwister alleine auf. Wo der Vater ist, weiß Lina nicht. Aus ihrem Dorf mussten sie wegen bewaffneter Kämpfer fliehen. Stand 10.8.2015, Amnesty International Sektion Deutschland Bewaffnete Konflikte, wie sie in vielen Entwicklungsländern gerade in Afrika existieren, führen meist zu extremer Armut, Elend und Unterdrückung. Sie sind nicht nur Ursache, sondern können auch Folge von Armut sein, nicht zuletzt über den Zugang und die Verwendung von Bodenschätzen. Während aber nur einige wenige Nutznießer solcher Konflikte sind, leidet die große Mehrheit der Bevölkerung darunter. Die Folgen sind Flucht und Vertreibung, brachliegendes Ackerlandes, das nicht bestellt werden kann, Hunger und Unterernährung, Krankheit und Tod. Die Vertriebenen haben oft keinen Zugang zu Schulen oder Gesundheitsstationen, Hoffnungslosigkeit und Resignation machen sich breit. Vor allem können Diktaturen und Korruption dort gedeihen, wo die heimische Wirtschaft mit subventionierten Ökonomien aus dem Ausland nicht mehr mithalten kann. Die Fischer an der westafrikanischen Küste sind chancenlos gegenüber der hochtechnisierten europäischen Fischindustrie, hochsubventioniertes Gemüse aus dem europäischen Agrarüberschuss wird auf afrikanischen Märkten meist günstiger verkauft als heimische Produkte. Trotz eines anhaltend starken Wirtschaftswachstums im Jahr 2014 sind die Lebensbedingungen vieler Afrikanerinnen und Afrikaner nach wie vor schlecht. Rechtswidrige Zwangsräumungen von informellen Siedlungen oder Slums im Zuge zunehmender Verstädterung beraubt die Betroffenen ihrer Lebensgrundlagen und ihres Besitzes und treibt sie noch tiefer in die Armut – und die Flucht. Menschen auf der Flucht 60 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Das ist die höchste Weltflüchtlingszahl seit dem 2.Weltkrieg. 86% der Flüchtlinge bleiben in ihrer Herkunftsregion. Nur 126.800 Menschen konnten in 2014 in ihr Heimatland zurückkehren "Ich fürchte, wenn sich nichts ändert, wird sich die Zahl der Bootsflüchtlinge drastisch erhöhen. Die Grenzen Europas dagegen abzuriegeln ist weder politisch noch moralisch eine Lösung. Horst Köhler (2009) Mehr als die Hälfte der Flüchtlingen kommen aus Syrien (fast 4 Millionen), gefolgt von Afghanistan (fast 2,6 Millionen) und Somalia (fast 1,11 Millionen). Sie flohen vor internen bewaffneten Konflikten zwischen Regierungskräfte und nichtstaatlich bewaffneten Gruppen. In Syrien überquerten innerhalb von wenigen Tagen allein zehntausende Menschen die Grenze zur Türkei. Im Libanon und in Jordanien beschränkten die Behörden den Zustrom syrischer Flüchtlinge, die dadurch weiteren Angriffen und Entbehrungen ausgesetzt waren. In Afghanistan ist nach Angaben der Hilfsmission der Vereinten Nationen die Zahl der Zivilpersonen, die im Zuge des Konflikts verletzt oder getötet wurden, 2014 so hoch wie nie zuvor. Die überwiegende Mehrheit der afghanischen Flüchtlingen lebt in den Nachbarländern Iran und Pakistan. Stand 10.8.2015, Amnesty International Sektion Deutschland Die gegenwärtige Flüchtlingskrise ist die schlimmste seit dem Ende des 2.Weltkrieges. Mehr als die Hälfte der Flüchtlingen kommen aus Syrien (fast 4 Millionen), gefolgt von Afghanistan (fast 2,6 Millionen) und Somalia (fast 1,11 Millionen). Sie flohen vor internen bewaffneten Konflikten zwischen Regierungskräfte und nichtstaatlich bewaffneten Gruppen. Über 60% der neuen Binnenflüchtlinge des Jahres 2014 flohen Berichten zufolge aufgrund der prekären Sicherheitslage und der Kämpfe. Millionen von Menschen müssen ihre Heimat verlassen. Tausende von Menschen versuchen in Europa Schutz zu finden. Vielen von ihnen kommen auf dem Seeweg. Trotz der gefahrvollen Überfahrt über das Mittelmeer. Zum ersten Mal seit der Hungersnot im Jahr 2011 nahm die Ernährungssicherheit rapide ab. Mehr als 900000 somalische Flüchtlinge hielten sich in den Nachbarländern auf, insbesondere in Äthiopien und Kenia. Sudan, Südsudan, die Demokratische Republik Kongo, Myanmar, Zentral Afrikanische Republik, Irak und Eritrea schließen die Top 10 der Flüchtlingsländer ab. Hauptrouten "Wenn sich nach dem Winter wieder mehr Boote auf den Weg machen, können wir uns nicht um alle kümmern, falls wir die Einzigen bleiben sollten, die da rausgehen.“ Admiral Giovanni Pettorino, Leiter des MRCC der italienischen Küstenwache. Folgende Fakten wurden von Frontex ermittelt: • Zehnfacher Anstieg und Veränderung des Anteils von Migranten und Flüchtlingen auf der westlichen Balkanroute; dabei weniger Kosovo-Flüchtlinge, mehr Syrer und Afghanen. • Fast vierfacher Anstieg der Migranten- und Flüchtlingszahlen über die östliche Mittelmeerroute durch verstärkten Druck in Syrien, Afghanistan und Irak • Rekordzahlen von Flüchtlingen und Migranten auf der westlichen Mittelmeerroute, aber noch niedrig sind im Vergleich zu den anderen Routen; starker Anstieg von Flüchtlingen aus Syrien • Mehr als 50 % der der illegalen Grenzüberschreitungen durch Syrer • Höhepunkt der Zahl der Bootsflüchtlinge im April 2015 (16 005) © Frontex, FRAN Quaterly Stand 10.8.2015, Amnesty International Sektion Deutschland Die Abfahrt ©rocaire from Ireland - Kibera17 Von den Schleusern militärisch überwacht, mit Waffen bedroht und zum Teil geschlagen, werden die Flüchtlinge und Migranten am Startpunkt ihrerMittelmeerüberquerung auf die überfüllten Boote geleitet. "Die Schmuggler sorgten dafür, dass meine Familie und ich abgeholt und an den Strand von Zuwara gebracht wurden. Dort befand sich bereits eine Gruppe von Menschen, etwa 300 Syrerinnen und Syrer und um die 500 Afrikanerinnen und Afrikaner unterschiedlicher Nationalitäten. Libysche Männer, die in die Sache verwickelt waren, kamen jeden Tag zum Strand und terrorisierten uns mit ihren Gewehren. Ich hab gesehen, wie einige Afrikanerinnen und Afrikaner geschlagen wurden, ein paar wurden sogar mit Gegenständen aus Holz und Eisen zu Tode geprügelt.“ Irgendwann trieben bewaffnete Männer alle ans Ufer, wo Schlauchboote auf sie warteten. „Als meine Familie und ich in das größere Boot gesetzt wurden, hatten wir eigentlich ein noch größeres erwartet, weil wir so viele waren. ... Es waren zu viele Menschen an Bord. Der Kapitän war einer der afrikanischen Passagiere, kein echter Kapitän. Wir fuhren los und dachten, es würde vielleicht sechs oder sieben Stunden dauern, bis wir ankämen. Doch am Sonntagmittag waren wir immer noch nicht da. Wir hatten uns verirrt.“ Stand 10.8.2015, Amnesty International Sektion Deutschland Auf dem Boot ©UNHCR Die Überfahrt wird von Flüchtlingen und MigrantInnen häufig als entsetzliche Erfahrung geschildert. „Nach ungefähr sieben Stunden begannen die Leute im Boot zu rufen: ‚Wasser, Wasser!‘ Wir gaben einigen, die danach fragten, etwas Wasser ab, denn wir Ghanaer hatten ein paar Flaschen dabei. „Da unten sterben Menschen, sie brauchen Wasser“, sagte man uns. Dann am Sonntag, so gegen 1:00 Uhr morgens ging uns das Wasser aus. Um ca. 6:00 Uhr erreichte das Boot internationale Gewässer. Wir sichteten drei große Containerschiffe. Alle schrien, wir sollten auf sie zu steuern. Leute vom Schiff machten Fotos von uns und verschwanden dann wieder im Inneren des Schiffs. Aber sie halfen uns nicht.... „Wegen des Motors war es da unten sehr heiß. Einige versuchten, nach oben zu kommen. Ich sprach mit einem, der es geschafft hatte und den ich vorher schon kannte. Er sagt mir: ‚Da sterben Menschen.’ Es war wegen der Hitze, weil es kein Wasser gab und die Luft knapp wurde.“ Stand 10.8.2015, Amnesty International Sektion Deutschland Die gegenwärtige Flüchtlingskrise ist die schlimmste seit dem Ende des 2.Weltkrieges. Mehr als die Hälfte der Flüchtlingen kommen aus Syrien (fast 4 Millionen), gefolgt von Afghanistan (fast 2,6 Millionen) und Somalia (fast 1,11 Millionen). Sie flohen vor internen bewaffneten Konflikten zwischen Regierungskräfte und nichtstaatlich bewaffneten Gruppen. Über 60% der neuen Binnenflüchtlinge des Jahres 2014 flohen Berichten zufolge aufgrund der prekären Sicherheitslage und der Kämpfe. Millionen von Menschen müssen ihre Heimat verlassen. Tausende von Menschen versuchen in Europa Schutz zu finden. Vielen von ihnen kommen auf dem Seeweg. Trotz der gefahrvollen Überfahrt über das Mittelmeer. ©Irish Defence Forces Die Ankunft „Um 17 Uhr näherte sich ein amerikanisches Schiff [ein liberisches – die Flaggen sind ähnlich], wir konnten es sehen. Es kam ganz nah an unser Boot heran … Sie ließen eine Strickleiter hinunter … Viele versuchten, daran hochzuklettern, und das Boot kenterte … Ich fiel als Erster ins Wasser. Ich konnte nicht mehr atmen. Im Wasser ging es zu wie im Krieg. Um uns herum waren Hubschrauber und Boote … Immirdan, eine syrische Frau, etwa 35 Jahre alt, starb mit ihrem einjährigen Sohn. Sie konnten nicht schwimmen. Sie hatte mich um etwas Brot, Schokolade, Käse gebeten, das habe ich ihr gegeben. 20 Minuten später kenterte das Boot. Ich habe sie gesehen. Auch eine andere Frau, schwarz, die starb. Und ich habe gesehen, wie Angehörige der Marine auf dem großen Schiff versucht haben, einen Mann wiederzubeleben. Aber es ist ihnen nicht gelungen.“ Stand 10.8.2015, Amnesty International Sektion Deutschland Ausmaß des Dramas "Ich kann nicht auf das Meer schauen, ich habe meinen Freund Yahea verloren, vielleicht habe ich meine Seele und meinen Verstand im Meer verloren. Ich hasse das Meer, ich kann es nicht anschauen.” Mohammed Kazkji, 22, aus Syrien, Student der Elektrotechnik Stand 10.8.2015, Amnesty International Sektion Deutschland Festung Europa ©Ggia Zwischen 2009 und 2013 gab die Europäische Union 2 Milliarden Euro aus, um einen uneinnehmbare Festung zu bauen. Mietgliedstaaten, wie Bulgarien und Griechenland wurden finanziell unterstütz, um ihre Außengrenzen zu verstärken. Dagegen flossen nur 700 Millionen Euro in die Unterstützung von Asylverfahren, Empfangsdienste, Umsiedlung und Integration von Flüchtlingen. Frontex Aspida Um den Zustrom von Menschen zurückzuhalten, wurde eine der Hauptruten an der türkisch-griechischen Grenze in der Region Evros, 2012, mittels eines 10,5 km langen Grenzzauns unzugänglich gemacht. Weiterhin stellte Griechenland über 1.800 Grenzpolizisten bereit. Die Flüchtlinge müssen auf die gefährliche Seeroute ausweichen. Laut Frontex wurden seit der Errichtung des Grenzzauns weniger als 10 illegale Migranten pro Woche gesichtet. In der ersten Augustwoche 2012, vor Errichtung des Grenzzauns, wurden noch 2.000 gezählt. Stand 10.8.2015, Amnesty International Sektion Deutschland Eurosur Europäisches Grenzüberwachungssystem, von der EU 2013 gegründetes Programm, zur Überwachung der illegalen Einwanderung in die EUMitgliedsstaaten. Dabei werden Drohnen, Aufklärungsgeräte, Offshore-Sensoren, hochauflösende Kameras und Satellitensuchsysteme eingesetzt werden.. © Sara Prestianni Europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union; Frontex fördert, koordiniert und entwickelt die europäische Grenzverwaltung im Einklang mit den EU-Grundrechten. Operationen im Mittelmeer Poseidon… Die Operation Triton... Die Operation Mare Nostrum... ...war die italienische Reaktion auf die Flüchtlingstragödien im Mittelmeer. Italien als erstes und alleiniges EU Mitglied organisierte die Aktion ab Oktober 2013 zur Seenotrettung von Flüchtlingen aus meist afrikanischen Ländern. Im Rahmen dieser Aktion sollten die Mutterschiffe der Schlepper identifiziert werden und vor allem die Flüchtlingsboote zum Festland eskortiert werden. Die Aktion endete ein Jahr später, im Oktober 2014 und hat innerhalb eines Jahres mehr als 100.000 Menschenleben gerettet. Stand 10.8.2015, Amnesty International Sektion Deutschland ...löste Operation Mare Nostrum im November 2014 ab und wurde durch die EUGrenzschutz Agentur Frontex gegründet. Schiffe und Hubschrauber sind ausschließlich für den küstennahen Einsatz vorgesehen. …wurde durch Frontex gegründet und koordiniert operative Aktivitäten in den östlichen Mittelmeerregionen, um die irreguläre Migration in Richtung des Gebiets der Mitgliedstaaten der EU zu kontrollieren und die grenzüberschreitende Kriminalität zu bekämpfen. Abwehren oder Retten? Bei ihren Versuch, Europa über das Mittelmeer zu erreichen und vor Gewalt und Verfolgung zu fliehen, sind 2014 über 3.500 Frauen, Männer und Kinder sind gestorben oder verschwunden. Diese Tragödie veranschaulicht, dass die vorhandenen Mechanismen und Regeln nicht ausreichen, um die Todesfälle auf See zu verhindern. Die finanziellen und operativen Mittel der Frontex-Operation „Triton“ wurden erst vor kurzem, im Mai 2015 verdreifacht und damit auf das Niveau der „Mare Nostrum“ Operation gehoben. Es bleibt jedoch fraglich, ob all diese Gelder direkt in die Seenotrettungsmaßnahmen fließen und ob die Ressourcen genügen werden. Außerdem wurde das Einsatzgebiet ausgeweitet, es werden auch Flüchtlinge außerhalb der italienischen Gewässer gerettet. Die Todeszahlen haben sich seitdem drastisch reduziert. Stand 10.8.2015, Amnesty International Sektion Deutschland „Den Friedensnobelpreis geben wir zurück.“ EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, nachdem er eingesehen hat, dass die Abschottungspolitik der EU Menschen tötet. Push-backs Am 20. Januar 2014 haben elf Menschen aus Afghanistan, darunter acht Kinder, ihr Leben verloren, als ihr Fischerboot in der Nähe der griechischen Insel Farmakonisi sank. Überlebende berichten davon, dass ihr Boot von der griechischen Küstenwache mit großer Geschwindigkeit zurück zur türkischen Grenze gezogen wurde. Die griechischen Behörden haben die Untersuchung der Tragödie beendet. Seither sind über 100 Flüchtlinge und Migranten beim Durchqueren der Ägäis gestorben. Stand 10.8.2015, Amnesty International Sektion Deutschland ©NobordersNetwork Zurückweisung, Zwangsrückführung oder auch Abschiebung von Menschen (meist Gruppen von Flüchtlingen und Migranten) in das Land, das sie verlassen wollten, kurz nach der Überquerung der Grenze, oft auch auf hoher See. Sie sind nach internationalem Recht verboten. „Sie (die Küstenwache) sagten, sie würden uns nach Athen bringen. Stattdessen brachten sie uns in ein Plastikboot und ließen uns auf See zurück.“ Ein junges afganisches Paar beschreibt, wie sie im September 2013 aus Griechenland in die Türkei abgeschoben wurden, R. war zu dem Zeitpunkt im 6 Monat schwanger. Nach Norden © Age of Hope Flüchtlinge, die Europa erreicht haben, finden sich in überfüllten, oft gefängnisähnlichen Lagern wieder, in denen die sanitären Verhältnisse und die medizinische Betreuung unzureichend sind. Die Asylsuchenden, die in Deutschland ankommen, werden zunächst erkennungsdienstlich erfasst und einer Erstaufnahmeeinrichtung zugewiesen. Für die Dauer des Asylverfahrens werden sie in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Der Kern des deutschen Asylverfahrens ist die sogenannte Anhörung, in der der Asylsuchende seine Fluchtgründe glaubhaft darlegen muss. In der Anhörung wird auch detailliert nach dem Fluchtweg gefragt, um festzustellen, ob ggf. ein anderes europäisches Land zuständig ist. Im Asylverfahren werden nicht nur die klassischen Asylgründe geprüft, sondern auch,ob Flüchtlingsschutz, subsidiärer Schutz zu gewähren sind oder nationale Abschiebungsverbote vorliegen, z.B. wenn die Rückkehr in das Heimatland eine konkrete Gefahr für Leib, Leben und Freiheit des Flüchtlings bedeutet. Stand 10.8.2015, Amnesty International Sektion Deutschland Überfüllte Lager gibt es laut Berichten des UNHCR, Amnesty Internationals und anderer Menschenrechtsorganisationen in z.B. Malta, Zypern, Griechenland, Bulgarien, Ungarn und Italien. Asylverfahren dauerten 2014 durchschnittlich 7,1 Monate. Doch diese Zahlen zur durchschnittlichen Verfahrensdauer ergeben sich, da das BAMF im Dezember 2014 vorwiegend priorisierte Herkunftsländer in Schnellverfahren bearbeitet hat. Dies sind zum einen die als „sichere Herkunftsländer“ deklarierten Staaten Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina, zum anderen besonders unsichere Herkunftsländer wie Syrien und Irak. Die Vorauswahl schnell zu erledigender Verfahren geht zu Lasten der anderen Flüchtlinge, die dadurch noch länger auf ihre Entscheidung warten müssen. Nach offiziellen Angaben warten iranische Flüchtlinge 14,5 Monate, afghanische Flüchtlinge 13,9 Monate und irakische Flüchtlinge 9,6 Monate auf die Entscheidung des Bundesamts. Für Flüchtlinge bedeutet dies viele Monate existenzieller Unsicherheit. Aus Sicht von Amnesty International, ProAsyl und anderen Flüchtlingsorganisationen setzt das sogenannte Asylbeschleunigungsgesetz auf Ausgrenzung und Abwehr und ist mit der Achtung der Menschenrechte nicht vereinbar. Noch immer sind Verfahrensstandards und Anerkennungsquoten, auch für Flüchtlinge aus denselben Herkunftsländern in Europa sehr unterschiedlich. Auch wenn Deutschland in Zahlen in Europa die meisten Flüchtlinge aufnimmt, steht es nur an 7. Stelle in Europa, was das Verhältnis zur Gesamteinwohnerzahl angeht. 2014 kommen in Schweden 7,8 Asyl-Erstanträge auf 1000 Einwohner, in Deutschland dagegen nur 2,1 auf 1000 Einwohner. Dublin III Mitgliedstaaten, in denen die Dublin III-Verordnung unmittelbar geltendes Recht ist, sind alle Staaten der EU sowie auf Grund der Parallelabkommen auch Norwegen, Island, die Schweiz und Liechtenstein. Dublin- Überstellungen für Familien mit Kleinkindern nach Italien dürfen nach der Tarakhel Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte und des deutschen Bundesverfassungsgerichtes vom Herbst 2014 nur stattfinden, wenn Italien individuelle Zusicherungen hinsichtlich der Unterbringung aller Familienangehörigen abgibt, um ein „Abschieben der Familie in die Obdachlosigkeit“ zu verhindern. Da Italien seit April 2015 keine individuellen Zusicherungen mehr abgibt, werden Familien mit kleinen Kindern aktuell nicht mehr nach Italien überstellt. Stand 10.8.2015, Amnesty International Sektion Deutschland ©J. Patrick Fisher ©J. Patrick Fischer, Wikipedia Die Dublin III Verordnung regelt die Zuweisung der Flüchtlinge auf die europäischen Staaten dahingehend, daß in der Regel der EU- Mitgliedsstaat für das Asylverfahren zuständig ist, über dessen Grenze ein Flüchtling erstmals die EU betreten hat. Die Länder an den EU-Außengrenzen wie z.B. Italien, Malta, Griechenland und Ungarn sind mit dem hohen Flüchtlingsaufkommen überfordert. Viele Flüchtlinge versuchen daher, auf illegalem Weg in den Norden Europas zu gelangen. Sollte sich dort jedoch herausstellen, daß der Flüchtling über ein anderes EULand eingereist ist, wird versucht, den Flüchtling in dieses Land zurückzuführen. Eine Rückführung ist nur dann ausgeschlossen, wenn in dem EU- Staat, in den zurückgeführt werden soll, systemische Mängel im Asylsystem nachgewiesen sind, wie es der Europäische Gerichtshof bisher nur im Falle Griechenlands entschieden hat. Bei anderen europäischen Ländern, wie z.B. Ungarn oder Bulgarien, die auch gravierende Mängel im Asylverfahren oder in der Unterbringung aufweisen, wird weiterhin dorthin überstellt – hier hilft in vielen Fällen nur der Klageweg, um dies zu verhindern. Insgesamt 18% aller Asylentscheidungen des Bundesamts im Jahre 2014 waren DublinEntscheidungen. Dublin III dient also zu einem großen Teil dazu, Flüchtlinge in den für sie zuständigen Staat zurückzuschieben, aus dem sie aus guten Gründen weiter geflohen sind Asylantrag abgelehnt © Bernd Schwabe ©J. Patrick Fisher "Schrille Töne wie etwa aus Bayern, den Flüchtlingen per se massenhaften Asylmissbrauch zu unterstellen, verschärfen die Debatte dabei in unverantwortlicher Weise." Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) Sogenannte sichere Herkunftsstaaten sind neben den EU-Mitgliedstaaten derzeit Bosnien und Herzegowina, Ghana, Mazedonien, Senegal und Serbien. Das Konzept der sicheren Herkunfts-staaten ist ein Angriff auf ein faires Verfahren. Es sollte ermöglichen, dass - neben vielen anderen Restriktionen im Asylrecht bestimmte Asylanträge schneller und weniger gründlich bearbeitet werden können. Eine faire Prüfung des Einzelfalles, auf die man gesetzlich in Deutschland Anspruch hat, wird so verhindert. Die Menschenrechtslage in Mazedonien, Serbien und Bosnien ist problematisch, da gerade Roma nicht sicher vor Verfolgung sind, da sie strukturell benachteiligt sind und am Rande der Gesellschaft leben. Wenn die Abschiebung aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen ausgesetzt werden muss - z.B. weil ein Flüchtling wegen Krankheit reiseunfähig ist oder Identitätspapiere fehlen - erhält er eine sogenannte Duldung. Diese Duldung gilt maximal sechs Monate und kann jederzeit widerrufen werden. Für geduldete Personen gelten erhebliche Einschränkungen von Teilhaberechten wie etwa beim Zugang zum Arbeitsmarkt oder sozialen Leistungen. Stand 10.8.2015, Amnesty International Sektion Deutschland Wenn der Asylantrag abgelehnt wird, wird ein Flüchtling aufgefordert, Deutschland zu verlassen. Meistens hat er dazu einen Monat Zeit. Reist er nicht freiwillig aus, droht die Abschiebung. Abschiebungen werden fast immer per Flugzeug durchgeführt. Jährlich werden mehrere tausend Menschen auf dem Luftweg aus Deutschland abgeschoben. Einige Flüchtlinge versuchen, unterzutauchen und der Illegalität zu leben. Steht die Polizei zur Abschiebung vor der Tür, setzen sich manche Flüchtlinge körperlich zur Wehr. Dann werden Abschiebungen mit Polizeibegleitung durchgeführt. Bei kranken Flüchtlingen fliegen manchmal Ärzte mit, gegebenenfalls auch nur, um zu verhindern, dass ein Flüchtling sich unterwegs das Leben nimmt. Auch in Deutschland werden unter bestimmten Bedingungen Menschen zur Sicherung der Abschiebung in Abschiebungshaft genommen. Die Haft kann bis zu 18 Monate dauern. Sichere Zugangswege © Takver ©J. Patrick Fisher Amnesty International setzt sich dafür ein, dass mehr sichere und legale Zugangswege für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt werden, um das Recht auf Asyl zu gewährleisten. Eine Möglichkeit sind humanitäre Aufnahmeprogramme. Dies sind auf Zeit angelegte Hilfsprogramme, die eine regelmäßige Überprüfung der Situation im Heimatland beinhalten. Deutschland hat hierfür insgesamt 20.000 Plätze für besonders schutzbedürftige syrische Flüchtlinge zur Verfügung gestellt. Bis auf Bayern haben alle Bundesländer Aufnahmeprogramme beschlossen, über die in Deutschland lebende Syrer Verwandte nachholen können, wenn sie deren Lebensunterhalt finanzieren können. Viele dieser Programme sind jedoch bereits abgeschlossen oder drohen, nicht verlängert zu werden. 2014 wurden rund 220.000 Menschen an den Seeaußengrenzen der EU registriert. Rund 110.000 von ihnen waren Syrer. Für die vielen Flüchtlinge aus Afghanistan, Eritrea und Somalia wird keine Lösung angeboten. 3,4 Millionen Flüchtlinge leben nach Angaben der Vereinten Nationen im Libanon, Jordanien und der Türkei unter katastrophalen Bedingungen, es fehlt selbst am Nötigsten. Im Libanon ist mittlerweile jeder fünfte Einwohner ein Flüchtling – insgesamt sind 1,1 Millionen Flüchtlinge dorthin geflohen, nach Europa lediglich 123.000. 20.000 Visa zur legalen Einreise und deutsche Entwicklungshilfe für Libanon sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Boote werden voll bleiben. Stand 10.8.2015, Amnesty International Sektion Deutschland Das Resettlement-Programm des UNHCR dient dazu, besonders schutzbedürftige Flüchtlinge aus perspektivlosen Zufluchtssituationen zu befreien und sie in aufnahmebereiten Staaten neu anzusiedeln. Seit 2012 nimmt die Bundesrepublik regelmäßig am Programm teil: 300 Menschen wurden in den letzten Jahren jährlich in Deutschland neu angesiedelt, ab 2015 werden es rund 500 sein. So gering diese Zahl angesichts der rund 800.000 Menschen, die laut UNHCR in den nächsten fünf Jahren Resettlement benötigen, auch ist – dass sich Deutschland am UNHCR- Programm beteiligt ist ein Erfolg jahrelanger Arbeit der Save me Kampagne, die Amnesty International, ProAsyl und andere Flüchtlingsorganisationen unterstützen. Die EUKommission will in den kommenden zwei Jahren 20.000 Kriegsflüchtlinge aus Syrien in Europa neu ansiedeln. Die Bundesrepublik hat ihren grundsätzlichen Willen zur Beteiligung signalisiert. Der Vorschlag 20.000 Menschen aus Syrien über das Resettlement-Programm aufzunehmen ist zwar ein positives Zeichen, wird aber nicht zu einer Abnahme der Bootsflüchtlinge führen. Unsere Flüchtlingsarbeit In der Flüchtlingsarbeit wird Amnesty International vorbeugend gegen Menschenrechtsverletzungen tätig. In der Asylpolitik begrenzen wir uns auf Fragen des Rechtsschutzes politisch Verfolgter und auf Fragen des Zugangs zu einem fairen und umfassenden Asylverfahren. Flüchtlingsarbeit von Amnesty International Amnesty International setzt sich gegen die Abschiebung von Personen ein, denen im Falle ihrer Abschiebung konkret die Menschenrechtsverletzungen drohen, gegen die sich Amnesty International aktiv einsetzt wie z.B. Inhaftierung als gewaltlose politische Gefangene oder Folter und Todesstrafe. Für diese gefährdeten Menschen setzt sich Amnesty International für einen rechtlich gesicherten Aufenthalt ein. In den meisten Bezirken hat Amnesty International Asylgruppen, die für die Flüchtlingsarbeit in ihrem Bezirk zuständig sind. Sie stellen Informationsmaterial zur Menschenrechtssituation in den Herkunftsländern der Asylbewerber zur Verfügung, informieren über den allgemeinen Ablauf des Asylverfahrens und beantworten Fragen zum Stand des individuellen Verfahrens. Zugang zu einem fairen Verfahren Generell fordert Amnesty International für alle Asylsuchenden den Zugang zu einem fairen Asylverfahren, das den Standards des internationalen Flüchtlingsrechts entspricht. Hierbei stützt sich Amnesty International auf Art. 33 Abs. 1 der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951, der das Verbot der Ausweisung, Abschiebung, Zurückweisung und Auslieferung politischer Flüchtlinge enthält, d.h. von Menschen, denen wegen der in Art. 33 Abs. 1 GFK genannten Merkmale wie Rasse, Religion, Staatsangehörigkeit, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen der politischen Überzeugung Gefahren für Freiheit oder Leben drohen. Erstellung von Gutachten für Verwaltungsgerichte Zu einer besonders wichtigen Arbeit im Flüchtlingsreferat hat sich in den letzten Jahren bei Amnesty International die Erstellung von Gutachten für Verwaltungsgerichte entwickelt. Nach dem Auswärtigen Amt ist Amnesty International die Stelle, die von den Verwaltungsgerichten am meisten zur Menschenrechtssituation in den Herkunftsländern von Asylbewerbern gefragt wird. Immer mehr Verwaltungsrichter wollen sich nicht nur mit der amtlichen Auskunft des Auswärtigen Amtes begnügen, sondern haben ein Interesse an Auskünften einer unabhängigen Menschenrechtsorganisation. In einer Reihe von Fällen haben die Auskünfte von Amnesty International dazu beigetragen, dass Asylsuchende als politisch Verfolgte anerkannt worden sind oder ihnen Abschiebungsschutz gewährt worden ist. Impressum Ausstellung: Ist das Boot voll von Amnesty International, Sektion der Bundesrepublik Deutschland, Gruppe 1070 Erlangen Postfach 1163, 90001 Erlangen www.amnesty.de Spendenkonto: DE23 3702 0500 0008 0901 00, Bank für Sozialwirtschaft basierend auf Studien und Materialien von Amnesty International Stand: 10. August 2015 SOS Europa In Europas Nachbarschaft drohen Haft und Folter. Flüchtlinge retten ist eine gemeinsame Aufgabe. Europa kann mehr. Geld für Hilfe statt Abschottung. Asyl ist ein Menschenrecht. ©Amnesty International Es gibt kaum sichere Fluchtwege. Wer flieht, leidet. Für ein Europa der Menschen und der Menschenrechte! So viele Menschen wie noch nie seit Ende des Zweiten Weltkriegs sind auf der Flucht und suchen Schutz, auch in Deutschland und Europa. Viele Bürgerinnen und Bürger zeigen eine überwältigende Hilfsbereitschaft. Doch Realität ist auch: Fast täglich werden in Deutschland Unterkünfte angezündet, Flüchtlinge oder die, die ihnen beistehen, angegriffen. Während tausende Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Europa im Mittelmeer ertrinken, schotten viele europäische Regierungen ihre Grenzen ab. Und vielen, denen die Einreise gelingt, steht eine monatelange Odyssee in unwürdigen Verhältnissen bevor. Fordern auch Sie ein Europa der Menschenrechte! unter www.europa-der-menschenrechte.org Stand 10.8.2015, Amnesty International Sektion Deutschland 27 . AU G U S T 2 0 15 WIRTSCHAFT 19 D I E Z E I T No 3 5 Schwerpunkt Flüchtlinge Wie kann ich helfen? Sie haben Zeit, Platz oder Geld und wollen Flüchtlinge unterstützen? Eine Übersicht der Möglichkeiten Zum Rausreißen Wenn Sie sich nicht vor Beamtendeutsch fürchten, dann begleiten Sie doch Flüchtlinge zu Behörden. Dafür müssen Sie auch kein Experte sein: Das Know-how haben die Flüchtlingsräte, die Zeit haben Sie: bit.ly/1JwECde VON SINA GIESECKE, CATERINA LOBENSTEIN UND RUBEN REHAGE Gerade auf dem Land sind viele Flüchtlinge nicht mobil. Wenn Sie in die Stadt fahren, bieten Sie die freien Plätze im Auto doch an. Für eine Fahrt zum Arzt, zur Behörde oder in den Supermarkt. Verständigung ist wichtig – und schwer, weil mancher Flüchtling nur seine Muttersprache beherrscht. Sie können helfen, zum Beispiel als Dolmetscher. ... und Geduld ... und Fremdsprachenkenntnisse Viele der Flüchtlinge sind Kinder und brauchen Schulunterricht. Sie können zum Beispiel eine Flüchtlingsklasse gründen und Deutsch unterrichten. ... und ein Auto als Lehrer Ich habe Zeit ... ... und mache Musik oder Sport Helfen kann sehr einfach sein: Machen Sie, was Ihnen Spaß macht, und laden Sie Flüchtlinge und ihre Kinder ein. Zum Fußballtraining, zum Basteln, zum Chor. ... und möchte, dass Flüchtlinge dort ankommen, wo sie hinwollen Achtung: Fluchthilfe ist in der EU illegal. Wo die Gesetzesgrenze liegt und was mit welchen Risiken verbunden ist, steht hier: bit.ly/1P0jw7L ... und möchte beim Deutschlernen helfen ... und möchte einem einzelnen Flüchtling konkret helfen als Laie Von Sprachtandems profitieren gleich zwei: Sie können eine fremde Sprache lernen – und der Flüchtling auch: bit.ly/1KJX4Mg und möchte selbst was lernen Viele Kinder kommen als Flüchtlinge nach Deutschland – oft ohne Eltern oder Verwandte. Sie können eine Vormundschaft für sie übernehmen: bit.ly/1JgLzeY Tipps für Ehrenamtliche finden Sie hier: bit.ly/1EUdoIf Oder schauen Sie einfach gemeinsam mit Flüchtlingen die Telenovela zum Deutschlernen: »Jojo sucht das Glück«: bit.ly/1Jg3Bxx Viele lokale Initiativen organisieren Patenschaften. Was das bedeutet und was man da so machen kann: bit.ly/1PPKKOJ In vielen Städten gibt es Bedarfslisten für Sachspenden. Oft fehlt es nicht an Altkleidern, sondern an neuer Unterwäsche, an Wörterbüchern oder Handy-Guthaben. Am besten fragen Sie die Flüchtlingsräte oder die Flüchtlinge selbst. ... und dafür Dinge gekauft, die ich nicht mehr brauche Ja. Aber es gibt einiges zu beachten. Was genau, hat die Organisation Pro Asyl zusammengetragen: bit.ly/1NnDYjW Über die Seite flüchtlingewillkommen.de haben schon 80 Flüchtlinge eine WG gefunden. Und 80 WGs einen neuen Mitbewohner. Ist das erlaubt? Viele Flüchtlingsfamilien wünschen sich eine Wohnung – und könnten Ihre Mieter werden. Lokale Hilfsinitiativen wissen meist am besten, wer gerade sucht. Oder die Flüchtlingsräte: bit.ly/1JwECde ... und ein Zimmer frei Ich habe Platz ... ... wo sich Menschen treffen können Noch einige Hinweise ... Oft müssen Flüchtlinge für Familienangehörige bürgen, die nachkommen sollen – und haben das Geld dafür nicht. Hier steht, wie man sie unterstützen kann: http://bit.ly/1GFPogx Mehr als 2000 Menschen sind allein in diesem Jahr bei der Flucht über das Mittelmeer gestorben. Einige Organisationen helfen Flüchtlingen in Seenot, zum Beispiel diese: Seawatch, MOAS, Ärzte ohne Grenzen, Alarmphone. ... und eine Wohnung frei Ich habe Geld ... In Heimen leben Flüchtlinge oft in engen Zimmern, vielen fehlt ein Ort, um Ruhe zu finden oder Gäste zu empfangen. Bieten Sie doch Ihr Vereinsheim oder den Gemeindesaal als Treffpunkt an. Niemand weiß so gut, woran es fehlt, wie die Flüchtlinge selbst. Wenn möglich, sprechen Sie zuerst mit ihnen. Eine gute Anlaufstelle sind auch die Flüchtlingsinitiativen vor Ort, eine Übersicht finden Sie hier: bit.ly/1MxzCaD und bit.ly/1HKZw3d Und: Akzeptieren Sie, wenn Ihr Angebot einmal abgelehnt werden sollte – woanders wird man Ihre Hilfe gut gebrauchen können. Alle Links finden Sie ab Donnerstag auch auf www.zeit.de ... und möchte bürgen ... und möchte spenden Für Hilfe bei Seenot Nach Deutschland Welcher Initiative soll man Geld geben? Der Flüchtlingsrat Ihres Bundeslandes weiß zumindest, welche es gibt: bit.ly/1JwECde Ins Ausland Mehrere Organisationen setzen sich weltweit für die Belange von Flüchtlingen ein. Medico International, Ärzte der Welt und das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen sind nur drei davon.
© Copyright 2025 ExpyDoc