RAND Eröffnung 20. Oktober 2015 19.00 Uhr Ausstellungsdauer: 21

RAND Eröffnung 20. Oktober 2015 19.00 Uhr Ausstellungsdauer: 21. Oktober 2015 – 29. Jänner 2016 Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag: 14.00-­‐17.00 Uhr, Freitag: 14.00-­‐20.00 Uhr Eröffnung mit Konzert von POSTMAN afo architekturforum oberösterreich Herbert-­‐Bayer-­‐Platz 1, 4020 Linz Konzipiert von Franz Koppelstätter und Dagmar Schink Ausstellungsplanung und Produktion gemeinsam mit Ulrich Fohler Anscheinend sind wir umgeben von Rand. Er begegnet uns im Sprachgebrauch: Über den Tellerrand hinaus schauen. An den Rand gedrängt werden. Auch in der Biologie wird der Rand hoch geschätzt, denn dort findet sich die größte Biodiversität an Flora und Fauna. Das afo architekturforum oberösterreich widmet seinen Herbstschwerpunkt dem Thema Rand. Der Blick geht dorthin, wo sich Felder von Architektur und bildender Kunst überschneiden, wo sich marginalisierte Gruppen, wie Wohnungslose und Flüchtlinge bewegen und aufhalten, wo die Stadt mit ihrem Umland verschwimmt. Naheliegendes und Unerwartetes treffen hier in einer Ausstellung aufeinander. Denn Rand ist überall, nur nicht dort, wo man ihn erwartet. Zum Konzept Rand – anders als Grenze – ist keine klar definierte Zone, vielmehr bildet er einen diffusen Raum, der aus den Überlagerungen benachbarter Bereiche entsteht. Der Rand ist mehr als nur eine Berührungsfläche, er hat an sich schon räumliche Eigenschaften. Ihm eigen sind Charakteristika wie Heterogenität, Wandelbarkeit, Widersprüchlichkeit.Der Rand ist konfliktgeladen, aber auch verbindend, unbeachtet und durchlässig. Dort finden Begegnungen statt, es entwickelt sich Neues und entsteht Unerwartetes. Am Rand finden sich Potentiale, die im Augenwinkel passieren, ohne zwingend in den Fokus der Aufmerksamkeit zu gelangen, denn je näher wir den Rand betrachten, desto weiter rückt er in die Ferne. Genau deshalb wollen wir hinschauen und Phänomene aus unterschiedlichen Perspektiven beobachten. Wem begegnen wir auf unseren Streifzügen durch den Rand? Es sind Akteurinnen und Akteure aus Architektur, Kunst, Urbanistik, Musik und Kartografie, die Grenzen überschreiten und sie dadurch zu Rändern machen. Sie übersetzen ihre Beobachtungen in eine Sprache, die wir in der Ausstellung lesen können. In der Auseinandersetzung mit den Arbeiten gehen wir nicht zum Rand hin, sondern vom Rand aus. Kreatives Potential wird frei, wenn sich Menschen begegnen, die für gewöhnlich nichts miteinander zu tun haben. Lebensformen, die in einer homogenen Umgebung so nicht entstehen würden, werden denkbar und auch praktiziert. Das geschieht aus einer Haltung heraus, die den Rand nicht als Problem, sondern als Bereicherung begreift. Durch die kritische künstlerische Auseinandersetzung können Relationen und Größenverhältnisse anders bewertet und umgedeutet werden. Und nicht zuletzt erlaubt uns dieser Ansatz Dinge darzustellen, die es noch gar nicht gibt, die aber Teil unserer Zukunft sein können. Die gezeigten Arbeiten der Ausstellung bereichern unsere Wahrnehmung, indem sie uns neue Betrachtungsweisen und Blickrichtungen ermöglichen. beteiligte KünstlerInnen: AllesWirdGut, Clemens Bauder und Gregor Graf, Cäcilia Brown, Ruth Coman | Eva Mair | Isabel Zelger, Lorenz Estermann, Ulrich Fohler, gaupenraub+/-­‐, Michael Heindl, Linde Klement, Thomas Kluckner und Leonhard Müllner, Nina Valerie Kolowratnik | Birgit Miksch | Johannes Pointl | Lea Soltau | Jasmin Stadlhofer |Anton Wagner und Mario Weisöck, Paul Kranzler, Melanie Leitner, Katharina Anna Loidl, Juan Muñoz, POSTMAN, Antje Seeger In der Ausstellung Gleich zu Beginn der Ausstellung RAND eröffnen uns Thomas Kluckner und Leonhard Müllner mit Framework einen Blick auf die Zukunft. Gezeigt wird eine unberührte Landschaft in Kronstorf, die in den Grundbesitz des weltweit größten Browserunternehmens überging. Die Künstler platzierten eine zwölf Meter lange Taskleiste auf dem angrenzenden Feld, die es uns in der Aufnahme ermöglicht, wie in einem Vexierbild vom realen Raum in den virtuellen Raum zu wechseln. In Kürze könnten auf diesem Fleckchen Erde die Daten und die digitalen Abbilder unserer Welt lagern. Lorenz Estermann setzt schon nicht mehr auf festen Boden, sondern skizziert in seiner Werkserie Last Refuge eine mögliche letzte Zuflucht auf hoher See und umgebauten Ölplattformen. Seine modellhaften Architekturen sind beabsichtigt zweckentfremdet und schaffen dennoch ein starkes und widerständiges Bild von autarken Lebensräumen. Ein Szenario als gedanklicher Ort des räumlichen Experiments und möglicher Taktiken für die Menschheit. Eine andere Art von Zuflucht bietet magdas Hotel, wo Menschen aus alles Welt zusammen kommen, als Gäste oder MitarbeiterInnen. Das Konzept wurde gemeinsam von AllesWirdGut und Caritas entwickelt und definiert Gastfreundschaft neu. Wir zeigen zwei sehr persönliche Portraits dieses Hotels mit sozialem Mehrwert: Ein Kurzfilm von Juan Muñoz und eine Fotoserie von Paul Kranzler. Bilder im Kopf erzeugt Melanie Leitner, wenn sie uns in drei Hörstationen mit auf ihre Wanderungen durch Logistische Landschaften rund um Linz mit nimmt. Sie erkundet ein leerstehendes Einkaufszentrum in Leonding, das Zentrallager einer Lebensmittelkette in Sattledt und begibt sich auf eine fiktive Wanderung zum möglichen Standort einer Serverfarm von Google in Kronstorf. Mit Katharina Anna Loidl geht es in die Alpen. Sie bearbeitet Druckgrafiken originaler Stahlstiche um 1835 mit Schweizer Gebirgsdarstellungen und hebt mit einer Radiernadel die farbgetränkten Fasern des Bergmassivs ab, um so voluminöse Kubaturen freizulegen. In die idealisierte Landschaftsvorstellung der Romantik schreiben sich Bilder und Diskurse der Gegenwart und Zukunftsvisionen ein. Auch Antje Seeger stellt in ihrer Arbeit Bezüge zu kontroversiell diskutierten Bauvorhaben her. Kurz vor der Eröffnung der Waldschlößchenbrücke, einer 180 Millionen Euro Bücke übers Dresdener Elbtal, wurden die Fahrbahnmarkierungen von acht Personen in weißen Overalls geschrubbt. Ein Versuch mit dem baulichen Schandfleck ins Reine zu kommen, der dem Elbtal den UNESCO Welterbetitel gekostet hat. Auch Obdachlosigkeit gilt als Stigma. Cäcilia Brown ist es gelungen dieses Thema mittels künstlerischer Entscheidungen in einer eleganten Leichtigkeit und so pointiert aufzubereiten, dass alle Facetten angesprochen sind. Sie tauscht Karton von behelfsmäßigen Behausungen gegen Beton, dem urbanen Baustoff schlechthin, und erzeugt so eine Übersetzung von temporär zu dauerhaft. Zugleich gelingt es ihr nicht nur dem Wunsch nach Schutz, sondern auch nach Unsichtbarkeit durch den Tarnmoment der materiellen Anpassung nachzukommen. VinziRast-­‐mittendrin ist ein einzigartiges Projekt von Studierenden der Universitäten Wien und dem Team des VinziRast-­‐Cortihaus mit gaupenraub +/-­‐, das Wohnungen für obdachlose Menschen und Studierende, Werkstätten, Veranstaltungsräume und ein Lokal umfasst. VinziRast-­‐mittendrin unterstützt Menschen, die sozial oder wirtschaftlich an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden und pflegt eine besondere Begegnungskultur, wo miteinander Neues entwickelt wird. Am Übergang von Privat zu Öffentlich hat sich ein Ordnungs-­‐ und Orientierungssystem etabliert, das sowohl Anonymität als auch Leitsystem gewährleistet. Diese Straßen-­‐ und Hinweisschilder werden von Michael Heindl bearbeitet und somit einer weiteren Abstraktion unterzogen: Die ursprüngliche Information wird durch das Mischen der abgetragenen Signalfarben in eine einheitliche Farbschicht eingeschrieben. TraunMetropole nennt sich eine städteplanerische Untersuchung des Gebietes zwischen Linz und Wels, in der Ruth Coman, Eva Mair und Isabel Zelger die Siedlungen in zehn unterschiedliche Raumtypen gliedern, um Strategien der Erweiterung und Neukonzeption dieser Region zu ermöglichen. Es sind sowohl prominente Bausteine als auch ruhmlose, kontroversielle oder anonyme Räume, die sich nun unter Charaktere wie Chaot, Straßenrandästhet, Einsiedler oder Inszenierer subsumieren und so einen Metropole-­‐Bausatz entwickeln. Ihrem Namen gerecht werden manche Endstationen der Linzer Verkehrsbetriebe, wenn sie zum Beispiel zu städtischen Friedhöfen führen. Aber dies ist nur eine Facette des Projekts, in dem Linde Klement fotografisch den Rändern des Linzer Liniennetztes nachspürt und Orte vorfindet, die in der Routine des Ankommens, Umkehrens oder Wegfahrens immer auf etwas Bestimmtes zu warten scheinen. Clemens Bauder und Gregor Graf untersuchen die Spuren ihrer Erkundungen am Rand von Linz. Dabei lassen sich Wege nachzeichnen, räumliche Konfigurationen und topgrafische Raum-­‐ und Zeitschnitte abbilden. Das Projekt Fluchtraum Österreich wurde von Nina Valerie Kolowratnik und Johannes Pointl an der TU Wien initiiert und präsentiert Kartierungen von Studierenden über räumliche Manifestationen gegenwärtiger Asylpolitik und reglementierte Zustände des Wartens in und um Österreich. Gezeigt wird eine Auswahl von vier Projekten. Birgit Miksch entwirft die Institution Asyl Österreich als fiktives Amtsgebäude, Lea Soltau visualisiert die Wohnbiografie einer Mutter mit Tochter und deren Wohnsituationen auf der Flucht von Ramallah nach Wien. Jasmin Stadlhofer veranschaulicht Begegnungsräume und macht ein Entkommen aus organisierter Desintegration an engagierten Menschen in der Umgebung fest. Anton Wagner und Mario Weisöck beschäftigen sich mit Grenzen und Bewegungen anhand zweier Fluchtgeschichten und deren Stationen. Den Abschluss der Ausstellung bildet ein Möglichkeitsraum generiert von Ulrich Fohler, indem er in seiner Echtzeitinstallation das Schüfftan-­‐Verfahren anwendet. Ein Kombinationstrick bei dem im Kamerabild die Umgebung mit dem gespiegelten Modell verschmilzt und dabei die Größenverhältnisse der beiden Bilderquellen keine Rolle spielen. Zur Eröffnung POSTMAN Mit einem unprätentiösen Zugang zur Postmoderne zitieren POSTMAN literarische Versatzstücke aus dem Architekturklassiker S,M,L,XL von Rem Koolhaas und Bruce Mau. Die bereits im Buch aus dem Zusammenhang gerissenen Zeilen werden erneut rekontextualisiert, getragen von nüchternem Minimal Pop/Desert Wave. In einer Zeit in der man sich damit abfinden muss nichts Neues mehr erfinden zu können, liegen Vergleiche zu bekannten KünstlerInen zwar auf der Hand, sind aber unnötig. Vielmehr geht es darum, sich in der Wüste der gebrochenen Kultur zurecht zu finden. Man nimmt nur mit, was von Nöten ist. This is the Situation. „The space, the emptiness is what we have to confront“ Don DeLillo Rückfragehinweis: Franz Koppelstätter, Leiter afo architekturforum oberösterreich Herbert-­‐Bayer-­‐Platz 1, 4020 Linz Tel. +43 (0)732/786140 [email protected] / www.afo.at