NLZ, 6. Januar 2016

Entspannung an
Chinas Börsen
AKTIEN sda. Nach dem Kurseinbruch am Vortag hat sich die Lage
an den chinesischen Aktienmärkten
gestern wieder beruhigt. Obwohl
die Kurse zum Handelsauftakt zunächst weiter um 3 Prozent nachgaben, erholten sie sich später wieder. Der Shanghai Composite Index
lag gestern Mittag leicht im Plus,
während der Shenzhen Component
Index nur knapp im Minus notierte.
Die beiden Aktienmärkte waren am
Vortag um mehr als 7 Prozent eingebrochen, sodass ein neu eingeführter Schutzmechanismus zum
Zuge kam und den Handel für den
Rest des Tages aussetzte.
Vontobel-Inhaber
stehen zur Bank
ZÜRICH sda. Nach dem Tod des
Patriarchen Hans Vontobel bekennen
sich die Besitzerfamilien zur Bank
Vontobel. «Unsere Familien stehen
auch in Zukunft fest zu unserem
Unternehmen und zu unserem Engagement als Familienaktionäre», erklärte sein Sohn Hans-Dieter Vontobel gestern in einer Reuters vorliegenden Mitteilung an die Mitarbeiter
des Instituts. Die Familien seien sich
ihres unternehmerischen Erbes bewusst und zählten auf die Unterstützung der Mitarbeiter. Hans Vontobel
war am Sonntag im Alter von 99 Jahren gestorben. Nach einer jahrzehntelangen Karriere beim Zürcher Institut war er zuletzt zwar nur noch
Ehrenpräsident, doch als Oberhaupt
der weitverzweigten Familie hatte er
entscheidenden Anteil daran, die
Mitglieder hinter der Bank und ihrer
Strategie zu scharen. Sein Tod hatte
zu Spekulationen geführt, dass Teile
der Bank oder das ganze Institut verkauft werden könnten, und die Angestellten verunsichert. Hans Vontobel hielt ein Fünftel der Aktien, insgesamt kontrollieren die Familien
62,78 Prozent der Anteile.
Richtpreise in Franken (inkl. Mehrwertsteuer) für die Stadt Luzern
(übrige Gebiete je nach Transportkosten)
5. 1. 2016 Vortag
800 – 1500
78.50
79.10
1501 – 2000
75.80
76.40
2001 – 3500
71.30
71.80
3501 – 6000
68.70
69.20
6001 – 9000
67.20
67.70
9001 – 14 000
64.20
64.70
Quelle: Swiss Oil Zentralschweiz
100
80
Keine Randerscheinung mehr
«Jeder zehnte in der Schweiz konsumierte Franken floss also in die Kassen
der ausländischen Detailhändler – der
81
73
72
71
70
69
67
63
61
48
USA
Niederlande
Spanien
Brasilien
Aus Sicht der Schweizer Detailhändler
ist es nicht die alles überstrahlende
Nachricht, aber in Zeiten wie diesen ein
wenig Balsam. Laut den Ökonomen der
Credit Suisse (CS) wird sich der Einkaufstourismus ins Ausland im laufenden Jahr stabilisieren. Mit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses zum
Franken waren die Auslandeinkäufe der
Schweizer Bevölkerung im letzten Jahr
im Vergleich zu 2014 ein weiteres Mal
nach oben geschnellt. Die CS spricht
von schätzungsweise 8 Prozent, auf ein
Volumen von annähernd 11 Milliarden
Franken – das ist nicht nur eine markante Zunahme, sondern auch ein relativ hohes Niveau.
100
Grossbritannien
THORSTEN FISCHER
[email protected]
Frankreich
60
40
20
0
Quelle: Eurostat, Credit Suisse / Grafik: Martin Ludwig
Einkaufstourismus ist somit definitiv
keine Randerscheinung mehr», heisst
es im Retail Outlook der CS und des
Beratungsunternehmens Fuhrer & Hotz.
Dass die Schweizer Einkaufstouristen
nicht bloss aus Gründen der Abwechslung ins Ausland fahren, ist bekannt.
Die CS listet in ihrer Untersuchung die
Preisniveaus für verschiedene Konsumgüter auf. Bereits beim Stand von 2014
zeigt sich das teils markant tiefere
Niveau im Ausland (siehe Grafik). Die
Preisunterschiede seien grösstenteils auf
höhere Erstellungskosten in der Schweiz
zurückzuführen, schreibt die CS.
Eine wichtige Rolle spielen dabei die
Arbeitskosten, welche vorab bei der
Herstellung von Lebensmitteln (siehe
Grafik), Textilien und Bekleidung sowie
Möbeln einen bedeutenden Kostenfaktor
darstellen. Diese seien in der Schweizer
Industrie deutlich höher als in den
wichtigsten Herkunftsländern der Importe. Bereits die Schweizer Inputgüter –
etwa Schweizer Milch für die Herstellung
von Schweizer Joghurt oder Transportleistungen – seien häufig teurer als ihr
Pendant in Europa. Auch könnten sich
die Qualität der Produkte und die damit
verbundenen Produktionskosten von
Land zu Land unterscheiden. Für Endabnehmer sei es heute dank des Internets leicht, importierte Güter oder ähnliche Produkte im Ausland ausfindig zu
machen und mit dem Angebot in der
Schweiz zu vergleichen. Die Hände in
den Schoss gelegt hat der hiesige Detailhandel aber keineswegs. Auch er will die
Onlinekanäle nutzen, zeigt die Untersuchung. 2015 nahmen H&M sowie
Tally Weijl ihre Schweizer Onlineshops
in Betrieb. Volg startete den Onlinehandel als Pilotprojekt. Mediamarkt eröffnete den ersten Schweizer Drive-in in
St. Gallen, der das Abholen der Onlinebestellungen direkt mit dem Auto ermöglicht. Auch andere Detailhändler
(unter anderem Microspot und Migros)
eröffneten neue Pick-up-Stationen.
Gedämpfte Konsumentenstimmung
Insgesamt sanken 2015 die realen
Schweizer Detailhandelsumsätze um
schätzungsweise 0,4 Prozent gegenüber
dem Vorjahr. Dazu trug auch eine etwas
gedämpftere Konsumentenstimmung
bei. Nach dem schwierigen Detailhandelsjahr 2015 erwarten die CS-Ökonomen 2016 eine leichte Entspannung und
rechnen mit einem geringen nominalen
Umsatzwachstum von 0,3 Prozent.
Laut der Umfrage von Fuhrer & Hotz
bei Branchenvertretern blicken die Detailhändler verhalten optimistisch ins
Jahr 2016, wobei die Unternehmen aus
dem Food-Segment etwas zuversichtlicher sind als jene aus dem Near- und
Non-Food-Segment.
Zentralschweizer Macher blicken vorwärts
NEUJAHRSAPÉRO Am
Montagabend trafen sich
Vertreter aus Wirtschaft und
Politik im «Schweizerhof». Der
Blick auf 2015 fiel nicht leicht.
«Das ist der wichtigste Anlass der
Region, hier muss man einfach präsent
sein», sagte der Geschäftsführer eines
lokalen KMU am Montagabend mitten
im Getümmel des Hotels Schweizerhof
in Luzern. Dort fand der Neujahrsapéro der Industrie- und Handelskammer
Zentralschweiz (IHZ) mit rund 550
Gästen statt. Der besagte KMU-Chef
räumte ein, er nehme sich sonst keine
Zeit für solche Anlässe, denn «man muss
schliesslich arbeiten». Für den Neujahrsapéro mache er aber gerne eine Ausnahme. Auch andere Gäste bekräftigten
am Abend die Wichtigkeit dieses zentralen Events der Zentralschweizer Wirtschaft. Nicht nur zahlreiche Wirtschaftsvertreter waren vor Ort, auch aus der
Politik liessen sich viele Köpfe blicken.
So lauschte der Luzerner Regierungsrat
beinahe geschlossen den Ausführungen
von IHZ-Präsident und Ständerat Hans
Wicki, der in seiner Rede die Regulierungsflut geisselte. Regulierungen bereiten seiner Meinung nach der Wirtschaft ähnlich viel Bauchweh wie der
starke Franken und das trübe wirtschaftliche Umfeld. Der 15. Januar 2015, als
die Schweizerische Nationalbank den
Mindestkurs von 1.20 Franken gegenüber dem Euro aufhob, bezeichnete
Wicki als den für die Wirtschaft prägendsten Tag des letzten Jahres. Der
Frankenkurs laste seither wie ein Bremsklotz an der Exportwirtschaft und schwäche den Tourismus, so Wicki.
Asylsuchende integrieren
HEIZÖLPREISE
Vergleichende Preisniveauindizes für Lebensmittel und
alkoholfreie Getränke 2014, Schweiz = 100, in Prozent
Deutschland
FREIZEIT sda. Der auch bei
Schweizern beliebte Europa-Park
in Rust (D) hat 2015 im 40. Jahr
seines Bestehens einen neuen
Besucherrekord verzeichnet. Erstmals empfing das Unternehmen
5,5 Millionen Gäste, wie es mitteilte. Auch die Besucherzahlen aus
der Schweiz und aus Frankreich
seien zweistellig gewachsen, hiess
es weiter. Genauere Zahlen gab
das Unternehmen nicht bekannt.
Preisniveau für Lebensmittel
Belgien
Rekord im
Europa-Park
KONSUM Die Aufhebung
des Euro-Mindestkurses hat
den Einkaufstourismus 2015
beschleunigt, stellt die Credit
Suisse fest. Für das laufende
Jahr zeichnet sich aber eine
leichte Entspannung ab.
Italien
MEDIEN sda. Der Streit zwischen
deutschen Verlagen und Google
um die Veröffentlichung von Pressetexten im Internet geht juristisch
in die nächste Runde. Die Verleger
reichten Klage gegen den US-Technologiekonzern ein, wie gestern
die VG Media mitteilte. Der Verlegerzusammenschluss begründete
den Schritt damit, dass der USSuchmaschinenriese wie bisher
nicht für die Nutzung von Presseerzeugnissen zahlen wolle.
13
Handel hofft auf Aufhellung
Österreich
NACHRICHTEN
Deutsche Verlage
verklagen Google
Preis 100 Liter
Wirtschaft
Neue Luzerner Zeitung Neue Zuger Zeitung Neue Nidwaldner Zeitung Neue Obwaldner Zeitung Neue Urner Zeitung Bote der Urschweiz
Schweiz
Mittwoch, 6. Januar 2016 / Nr. 3
Der Nidwaldner Ständerat und Baudirektor erinnerte die Anwesenden auch
an die Flüchtlingswelle des vergangenen
Jahres. Die Unterbringung der Asylsuchenden sei zwar zunehmend schwierig,
die echte Herkulesaufgabe sei aber ihre
langfristige Arbeitsintegration. Wicki
denkt dabei an ein Modell wie jenes zur
Arbeitsreintegration bei der Arbeitslosenversicherung. Hier muss, wer arbeitslos und jünger als 55 ist, nach 150 Bezugstagen eine Weiterbildung oder ein
Arbeitsprogramm durchlaufen und erhält damit eine feste Tagesstruktur.
«Auch für die Asylintegration braucht
es ein wirksames System mit Anreizen
und Kürzungen», sagte Wicki. Es brau-
Gute Stimmung im «Schweizerhof»: Marcel Perren, Direktor Luzern Tourismus, Karl Bucher, Inhaber Karl
Bucher AG, Godi Koch, CEO Pilatus-Bahnen AG, Markus Thumiger von der S&P Insurance Management AG.
Bild Apimedia
che eine Bundesregelung im Ausländeroder Asylgesetz, die eine Arbeitspflicht
für alle Asylpersonen spätestens drei
Monate nach dem Asylentscheid vorsehe. «Selbstverständlich braucht es für
eine solche Problemlösung auch die
Offenheit und den Willen unserer Wirtschaft», so Wicki.
Initiativen im Blick
Angesprochen auf das neue Jahr äusserten sich im Gespräch viele Vertreter
der lokalen Wirtschaft zuversichtlich, dass
es wieder etwas bergauf gehen wird. IHZDirektor Felix Howald erwähnte in seiner
Rede diverse «unnötige, ja schlechte und
schädliche» Initiativen, die für die Wirtschaft wichtig, aber von zentraler Bedeutung seien: von der Umsetzung der
«Für Asylintegration
braucht es ein
wirksames System
mit Anreizen.»
HANS WICKI
I H Z- P R ÄS I D E N T
Masseneinwanderungsinitiative bis zur
Durchsetzungsinitiative.
Mobilität wird dieses Jahr eine grosse
Rolle spielen, wie etwa mit der sogenannten «Milchkuh-Initiative» zur Nationalstrassenfinanzierung. Die IHZ weibelt
darüber hinaus für ein Ja zur GotthardAbstimmung am 28. Februar. Mit der
Unternehmenssteuerreform III gehe es nun
«um die Wurst», sagte Howald. Ein Steuerexperte erinnerte gestern daran, dass Luzern, aber auch die anderen Zentralschweizer Kantone von der Reform profitieren
würden, weil die Unternehmenssteuern
hier schon tief seien. Einzig der Kanton
Zug dürfte unter der Streichung der Steuerprivilegien für Holdings leiden.
MARURIZIO MINETTI
[email protected]