gestüm, adj. und adv. sanft, still, ruhig, friedfer

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Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. Online-Version vom 22.04.2016.
gestüm, adj. und adv. sanft, still, ruhig, friedfertig.
1) formen und abstammung. gestüm, ahd.
gistuomi (in ungistuomi), mhd. gestüeme, älter
nhd. auch gestum, und mit verdünntem stammvocal gestim, daneben gestemig Augsb. chron. 4,
157, 1 var., ist gleiches stammes wie mhd. stemen, gestemen, einhalt thun, besänftigen, stillen,
ahd. stam, goth. stamms, altn. stamr, stammr,
stammelnd, im reden stockend, altn. aldrstamr,
im leben gehindert, glýstamr, an der freude
gehindert, ahd. stammên, stammalôn, stamalôn,
stammeln, stum, stumm.
2) belege zu dem in der nhd. schriftsprache bis
auf ungestüm (s. d.) erloschenen, aber noch in der
mundart lebendigen worte: gestumer, tranquillus voc. 1482 m 3a. ff 3a, gestum, tranquillus,
adv. tranquille voc. inc. teut. i 5a, gestüm Hüpfuff voc. (1515) J 3b.
a) von menschen: mhd.
hiure wirt der hunger grôʒ,
daʒ si werden gestüeme.
Neidhart, minnes. 3, 223a v. d. Hagen;
die eisnein gemüet macht die begier gestüem.
cod. germ. Mon 677, f. 92 bei Schm.2 2, 758; damit
sie dasder gestimer weren und dasder fraindlicher. Augsb. chr. 4, 47, 19 (16. jh.); dasz sich die
weiber desselbigen (lasters) müssen beschämen,
fridlicher und gestümer im hause sein, dann
zuvor. Petrarca 127a; etliche träffenliche leut
sehen wir, die da sonst seind fridsam und
gestüm, bald es zum spil kompt, fahen sie umb
ein kleines gelt ein hagel an, zürnen und toben.
25a; diese vermanung und rede sahen sie für
billich an, warden gestümm, wichen ab von den
mauwren und vorwehren, gaben denen
[Bd. 5, Sp. 4265]
in den schiffen ein friedzeichen. buch d. liebe
219, 3; bair. gstiem, bescheiden, von eingezogenem wesen, friedfertig, es ist gar ein gstiemer
knabe Delling 1, 217; die kinder stehen jetzt so
gstüem vor mir, wie die maleficanten im torturstübl. A. v. Bucher kinderlehre 6.
b) von thieren: als pald wart daʒ (wirfige) ros
gesunt und gestüem. gesta Rom. 91 (Keller).
c) vom meer: mach das wasser gestüem. Grazer
brevier des 15. jh. 77b bei Lexer nachtr. 203; Jesus
sprach z dem mör: bisz still oder gestüm. Keisersberg postill 1, 28b; das meer so stille und
gestüme. Petrarca 77a.