Clostridium difficile-Infektion (CDI): Therapieauswahl nach

PRESSEMITTEILUNG
70. Jahrestagung der DGVS
Clostridium difficile-Infektion (CDI): Therapieauswahl
nach individuellem Patientenrisiko
München, 6. Oktober 2015
Clostridium difficile-Infektionen (CDI) sind in Deutschland die vierthäufigste
nosokomiale Infektion mit einer Letalitätsrate von 30 Prozent auf der
Intensivstation.1,2 Im Rahmen der 70. Jahrestagung der DGVS (Deutsche
Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten)
im September in Leipzig wurde die Thematik unter anderem bei einem von
Astellas Pharma unterstützten Symposium diskutiert. Die einhellige Meinung der
Experten: Für eine anhaltend erfolgreiche Therapie müsse immer das individuelle
Risiko des Patienten berücksichtigt werden.
„Clostridium difficile-Infektionen sind ein Problem eines zunehmend älteren
Patientenkollektivs“, eröffnete Prof. Dr. Andreas Stallmach, Jena, das Symposium. Die
Infektionen treten vorwiegend in Krankenhäusern und Langzeitpflegeeinrichtungen auf.
Häufig kommt es zu Rezidiven. Besonders wenn Patienten ein erstes Rezidiv hatten,
besteht die Gefahr, weitere Rückfälle zu erleiden. Die Letalitätsrate auf einer
internistischen Intensivstation liegt für Patienten mit CDI bei rund 30 Prozent und ist
damit vergleichbar hoch wie die Letalität von Patienten mit nosokomialer Pneumonie.2
1
2
Behnke M et al. Dtsch Arztebl Int 2013; 110: 627-33
Buendgens L et al., J Crit Care 2014;29:696.e11-e15
Auch mehrere Monate nach der ersten Episode ist die Sterblichkeitsrate noch deutlich
erhöht.3 Besonders dann, wenn es zu einem Rezidiv kommt, sind auch die
Behandlungskosten enorm. Pro CDI-Rezidiv-Patient fallen durchschnittlich 20.755 Euro
bei einer Liegedauer von 37,7 Tagen an.4
Risikofaktoren: Alter und Komorbiditäten
„Für die Therapieauswahl ist die Einschätzung des individuellen Patientenrisikos
entscheidend“, so Stallmach. „Doch ist es schwierig, exakte Kriterien für eine
voraussichtlich schwer verlaufende CDI zu definieren, zumal die Literatur dazu
unterschiedliche Antworten liefert.“ Relevante Kriterien, die den Verlauf der CDI
beeinflussen, seien aber in jedem Fall ein höheres Alter, eine Leukozytose, der Abfall
des Serumalbumins eine begleitende Antibiotikatherapie sowie Komorbiditäten wie
onkologische Erkrankungen oder Erkrankungen, die mit einer Immunsuppression
einhergehen.
Dr. Christoph Spinner, München, stellte in Leipzig die Diagnostik und Therapie von C.
difficile-Infektionen anhand der S2K-Leitlinie zu gastrointestinalen Infektionen vor, die in
diesem Jahr von der DGVS neu herausgegebenen wurden.5 Diese empfiehlt zunächst,
bei jedem Verdacht auf CDI schnellstmöglich eine sensitive Diagnostik mittels GDHAntigen-Test durchzuführen. Ist der GDH-Test positiv, folgt der Toxin- Nachweis meist
mittels ELISA, alternativ mittels PCR oder Zytotoxizitätsnachweis in der Zellkultur.
Neue DGVS-Leitlinie befürwortet Fidaxomicin
Laut der neuen Leitlinie, so Spinner beim DGVS-Kongress, können bei einer
Erstinfektion leichte Fälle mit Metronidazol 3 x 500 mg oral für 10 bis 14 Tage und
schwere Verläufe mit Vancomycin 4 x 125 mg für 10 Tage behandelt werden. „Sowohl
Vancomycin als auch Metronidazol wirken allerdings unselektiv im Darm und
beeinträchtigen die natürliche Darmflora“, so Spinner. Fidaxomicin wirke dagegen
selektiv bakterizid. In Vergleichsstudien mit Vancomycin konnte die makrozyklische
3
Karas JA et al. Infect Dis Rep. 2010;2(1):19-21
Grube RF et al. Z Gastroenterol 2015;53(05):391-7
5
Hagel S et al. Z Gastroenterol 2015;53: 418-59
4
Substanz daher eine signifikant höhere anhaltende Heilungsrate erzielen.6,7,8 Vor dem
Hintergrund dieser Studienergebnisse kann laut der neuen Leitlinie Fidaxomicin bei
Patienten mit erhöhtem Rezidivrisiko und zusätzlichen Risikofaktoren für
Komplikationen wie Immunsuppression oder Komorbidität bereits in der Primärtherapie
eingesetzt werden.5 Für rezidivierende Verläufe empfiehlt die Leitlinie ab dem zweiten
Rezidiv nur noch zwei mögliche Antibiotika-Therapien: entweder 10 Tage Fidaxomicin 2
x 200 mg oder Vancomycin für mindestens 6 Wochen in einem sich wöchentlich
ändernden Ausschleichschema.
Die im vergangenen Jahr aktualisierten Leitlinien der European Society of Clinical
Microbiology and Infectious Diseases (ESCMID) empfehlen die Gabe von Fidaxomicin
bei der Therapie aller CDI-Erkrankten, die sich für eine orale Antibiotikagabe eignen.
Insbesondere bei Patienten mit Rezidivrisiko, erstem Rezidiv und bei Patienten mit
multiplen CDI-Rückfällen gilt Fidaxomicin als First-Line-Therapie. 9
Fidaxomicin kann CDI-bedingte Todesfälle verhindern
Fidaxomicin wurde speziell zur Behandlung der CDI entwickelt.10 Es wirkt gezielt gegen
C. difficile durch selektive Hemmung seiner RNA-Polymerase11, was bei minimaler
Auswirkung auf die Darmflora12,13,14 zu einer Verringerung der C. difficile-Sporen- und
Toxin-Produktion sowie zum Absterben der C. difficile-Zellen führt.15,16 Die natürliche
Darmflora wird weitgehend geschont, so dass sie sich bereits während der Therapie
regenerieren kann. Fidaxomicin erzielte in den Zulassungsstudien im Vergleich zu oral
verabreichtem Vancomycin signifikant höhere Raten einer anhaltenden Heilung
(klinische Heilung ohne Rückfall in den folgenden 30 Tagen nach Therapieende).6,7
6
Louie TJ et al. N Engl J Med 2011;364:422-31
Cornely OA et al. Lancet Infect Dis 2012;12: 281-9
8
Duggan ST. Drugs 2011;71:2445-56
9
Debast SB, et al. Clin Microbiol Infect 2014; 20 (suppl. 2):1-26
10
Babakhani F et al. J Med Microbiol. 2011;60:1213-7
11
Poxton I. Future Microbiol. 2010;5:539-48
12
Finegold SM, et al. Antimicrobial agents and chemotherapy 2004;48:4898-902
13
Tannock et al. Microbiology 2010;156:3354-9
14
Louie TJ et al. AAC 2009;53:261-3
15
Babakhani F et al. J Antimicrob Chemother 2013; 68(3):515-22
16
Babakhani F et al. Clin Infect Dis 2012;55(Suppl):S162-9
7
Neue Daten zeigen, dass die Anwendung von Fidaxomicin als First-line-Therapie
zudem CDI-bedingte Todesfälle verhindern kann. In zwei britischen Zentren, die
Fidaxomicin als First-Line-Therapie für alle mit CDI diagnostizierten Patienten
eingeführt hatten, wurde eine signifikante Verringerung der 28-tägigen Gesamtmortalität
von 18,2 % auf 3,1 % (p < 0,001) bzw. von 17,3 % auf 6,3 % (p < 0,05) erreicht.17
Fidaxomicin wird zweimal täglich als 200-mg-Tablette über zehn Tage eingenommen.
Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) bescheinigte Fidaxomicin aufgrund seiner
positiven Studiendaten einen Beleg für einen beträchtlichen Zusatznutzen in der
Behandlung von Patienten mit schweren und/oder rekurrenten Krankheitsverläufen
einer C. difficile-assoziierten Diarrhö.18
17
Howard P, et al. The impact of the introduction of fidaxomicin on the management of Clostridium difficile infection in
7 NHS secondary care Trusts in England. Präsentiert beim ICDS 2015
18
Gemeinsamer Bundesausschuss gemäß § 91 SGB V, Anlage XII, 04.Juli 2013
PRESSEKONTAKT
Redaktion:
Selinka/Schmitz Public Relations GmbH
Monika Funck
Weinsbergstr. 118 a
50823 Köln
Tel. 0221 / 9 49 99 74
Fax 0221 / 9 49 99 79
E-Mail: [email protected]
Herausgeber:
Astellas Pharma GmbH
Georg-Brauchle-Ring 64-66
80992 München
[email protected]
www.astellas.com/de
Über Fidaxomicin
Fidaxomicin ist ein orales, makrozyklisches Antibiotikum, das speziell zur Behandlung von Clostridium
a
b
difficile-Infektionen (CDI) entwickelt wurde. Es inhibiert die bakterielle RNA-Polymerase , dies führt zu
e
f
einer Inhibition der Sporen - und Toxinbildung sowie zum Zelltod von Clostridium difficile. Fidaxomicin
c,d
hat ein sehr spezifisches Wirkspektrum, so dass die Darmflora weitgehend erhalten bleibt. Die
Wirksamkeit und Sicherheit von Fidaxomicin in der Behandlung von Patienten mit CDI wurde in zwei
g,h
Phase-III-Zulassungsstudien bestätigt. Bezüglich der klinischen Heilungsrate, dem primären Endpunkt
der Studien, war Fidaxomicin gegenüber Vancomycin nicht unterlegen. Die Rezidivraten konnten durch
i
Fidaxomicin signifikant um 46 Prozent im relativen Vergleich zu Vancomycin reduziert werden. Auch
bezüglich der Gesamtheilungsrate resultierte ein signifikanter Vorteil zugunsten von Fidaxomicin. Das
Sicherheitsprofil beider Substanzen war in den Studien vergleichbar gut. Fidaxomicin ist in der EU seit
Dezember 2011 zur Behandlung einer CDI bei Erwachsenen zugelassen. Es wird über 10 Tage zweimal
täglich in einer Dosis von je 200 mg verabreicht.
Über Astellas
Astellas Pharma GmbH, mit Sitz in München, ist die deutsche Tochtergesellschaft des weltweit tätigen
Astellas Konzerns, an dessen Spitze sich die in Tokio ansässige Astellas Pharma Inc. befindet.
Europäische Zentrale ist die Astellas Pharma Europe Ltd. („Astellas Pharma EMEA“) in London,
Großbritannien. Astellas ist ein forschungsorientiertes pharmazeutisches Unternehmen, das mit
innovativen und bewährten Arzneimitteln zur Verbesserung der Gesundheit und der Lebensqualität der
Menschen weltweit beitragen will. Ziel des Unternehmens ist, durch Konzentration exzellenter
Fähigkeiten in Forschung & Entwicklung sowie im Marketing ein kontinuierliches Wachstum in den
pharmazeutischen Märkten der Welt zu realisieren. Astellas Pharma EMEA ist in 40 Ländern in Europa,
dem Mittleren Osten und Afrika aktiv und verantwortlich für ein Forschungs- und Entwicklungszentrum
sowie 3 Produktionsstätten mit insgesamt ca. 4.500 Mitarbeitern.
Weitere Informationen zur Astellas Gruppe finden Sie im Internet unter www.astellas.com und
www.astellas.de. Informationen zu Astellas Antiinfektiva finden Sie unter www.astellas-antiinfektiva.de.
a
Sullivan KM et al. Ann Pharmacother 2010;44:352-9
Artsimovitch I et al. Clin Infect Dis 2012;55(Suppl 2):127-31
c
Louie TJ et al. Antimicrob Agents Chemother 2009;53:261-3;
d
Louie TJ et al. Clin Infect Dis 2012;55(Suppl 2):132-42
e
Babakhani F et al. Clin Infect Dis 2012;55(Suppl 2):162-95
f
Babakhani F et al. J Antimicrob Chemother 2013;68:515-22
g
Louie TJ et al. N Engl J Med 2011;364:422-31
h
Cornely OA et al. Lancet Infect Dis 2012;12:281-9
i
Crook DW et al. Clin Infect Dis 2012;55(Suppl 2):93-103
b