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MBI Martin Brückner Infosource GmbH & Co. KG
24.06.2015
Susanne Harmsen
BDEW Kongress 2015
EOM 2.0 oder Kapazitätsmarkt - Wie ist in Zukunft Leistung zu sichern?
Nach der klaren Absage von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel an das
Kapazitätsmarktmodell des BDEW am Vormittag erörterten Teilnehmer des Berliner BDEWKongresses, wie auch künftig eine sichere europäische Energieversorgung zu erreichen ist. In einer
Podiumsdiskussion sagte Rolf Martin Schmitz, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der RWE
AG und BDEW Vizepräsident, der Vorschlag der Bundesregierung am Energy Only Markt (EOM)
Spitzenpreise bei Stromknappheit nicht zu begrenzen, sei annehmbar. „Allerdings reichen diese
nicht planbaren Preisspitzen nicht, um Kraftwerkskapazitäten in Reserve zu halten oder gar neu zu
errichten, die in diesen seltenen Mangelzeiten einspringen könnten.“sagte Schmitz. Daher sei eine
Kapazitätsreserve in jedem Fall erforderlich. „Ich habe mich sehr über Herrn Gabriel geärgert“,
sagte Florian Bieberbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke München. Einerseits
wolle der Bundeswirtschaftsminister weniger staatliche Regulierung und mehr Markt, andererseits
werde die geplante Kraftwerksreserve doch wieder mehr staatliche Eingriffe bringen, kritisierte
Bieberbach.
Aus europäischer Sicht sagte Han Fennema, CEO und Chairman Executive Board, N.V.
Nederlandse Gasunie, Europa brauche nicht 28 Energiewenden sondern möglichst eine einheitliche.
Im Gasmarkt funktioniere in den Niederlanden ein flexibler Marktpreis sehr gut. Es seien neue
Geschäftsmodelle entstanden, seit die Preise frei verhandelbar wurden. „Allerdings haben wir im
Gasmarkt große Speicher und 30 mal mehr Transportleitungen auch zwischen den Ländern, als im
Strombereich“, schränkte Fennema ein. Stephen Woodhouse, Director Pöyry Management
Consulting Limited, schlug vor, die Energieerzeuger sollten nicht länger auf politische Vorgaben
warten und stattdessen ein eigenes System zur Kapazitätssicherung entwerfen. Finanziert werden
könnte es von Kunden, die bereit sind für hundertprozentige Versorgungssicherheit auch in
Spitzenverbrauchszeiten zu zahlen, weil beispielsweise ihre Produktion davon abhängig ist. Und um
Spitzenpreise am Energiemarkt in Mangelzeiten zu vermeiden. Stephen Woodhouse mahnte, dass
weltweite Erfahrungen zeigten, dass jede Kapazitätsreserve den freien Markt behindere.
Rolf Martin Schmitz sagte: „Ich habe das Vertrauen in die Bundesregierung und die Regelung im
Markt verloren“. Als Begründung führte er die häufig veränderten Vorgaben bei der Förderung der
Erneuerbaren Energien und das Hin und Her beim Atomausstieg an. Auch der Marktpreis sei
europaweit nicht vergleichbar, solange es in vielen Ländern Preisregularien oder einen
Kapazitätsmarkt wie in Frankreich gebe. Deshalb hält der BDEW Vizepräsident auch einen EOM
2.0 nicht für geeignet, sichere Stromversorgung auch nach dem Atomausstieg zu garantieren. Er
hofft stattdessen auf die EU-Kommission, die Rahmenregeln mit nationalem Spielraum in der
Umsetzung für ganz Europa festlegen solle. Der europäische Leistungsmarkt solle
diskriminierungsfrei und technologieneutral gestaltet sein und international kompatibel, um
Kapazitäten europaweit handeln zu können.
Florian Bieberbach sieht staatliche Regularien als aktuelle Hindernisse zum Beispiel für
Bilanzkreisverantwortliche, Leistung in ihrem Einzugsgebiet abzusichern. Er bekräftigte die
Auffassung des BDEW, europäische Regeln zu unterstützen. „Herr Gabriel tut uns Unrecht, wenn er
behauptet, wir hätten eine enge nationale Sicht auf den Leistungsmarkt“, sagte Bierberbach. Zwei
unterschiedliche Marktdesigns in Nachbarländern, wie Frankreich und Deutschland, wie aktuell
haben aber keine Zukunft. „Ich habe das Gefühl, der Bundeswirtschaftsminister will sich nur über
seine Amtszeit retten, obwohl er weiß, dass die jetzt beschlossenen Lösungen nicht auf Dauer
tragfähig sind“, vermutete der Geschäftsführer der Stadtwerke München. Demand-sideManagement werde nicht genügen, um fehlende Kapazitäten bei Stromknappheit auszugleichen und
seltene Höchstpreise ermöglichten keine Investitionen in Reservekraftwerke. Daher halte der
BDEW an seinem Kapazitätsmarktmodell fest und werde es auch künftig durchzusetzen versuchen.