AuĂźerordentliche Betriebsversammlung: HSP wird vermutlich platt

Außerordentliche Betriebsversammlung: HSP wird vermutlich platt
gemacht - ArcelorMittal dann weltweiter Monopolist
343 HSP-Beschäftigte kämpfen in Dortmund um ihren Arbeitsplätze
"Der Kapitalismus zeigt mal wieder, dass er mit seinem eigenen Mantra eines freien Marktes in
Wirklichkeit gar nichts am Hut hat, sondern stets Monopole zum Schaden der Beschäftigten und der
Allgemeinheit anstrebt.", analysiert Carsten Klink (DIE LINKE). Der Widerspruch zwischen Kapital und
Arbeit ist mitnichten aufgehoben, so das Ratsmitglied Klink aus Dortmund weiter.
Mit der Hoesch Spundwand und Profil GmbH (HSP) wird wohl das letzte große Stahl verarbeitende
Unternehmen in der einstigen Stahlstadt Dortmund vermutlich bis zum Jahresende geschlossen.
Diesen Eindruck konnte man heute jedenfalls auf der außerordentlichen Betriebsversammlung von
HSP bekommen. Über 100 Jahre Firmengeschichte würden zu Ende gehen.
Auch wenn HSP-Geschäftsführer Roger Schlim anfangs noch betonte, dass eine endgültige
Entscheidung noch nicht gefallen sei, ging es im Verlauf der Betriebsversammlung maximal darum
ob, wie und warum die noch verbliebenen rund 90.000 Tonnen Vormaterial, die nach Wunsch und
Vorstellung der Betriebsleitung natürlich noch brav von der gebeutelten Belegschaft gewalzt werden
sollen, verarbeiteten werden. Auf die konkrete Frage eines HSP-Arbeiters, was denn mit den noch
verbliebenen 343 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werden soll, blieb Schlim die Antwort einfach
schuldig.
Belegschaft fühlt sich verarscht
Hoch her ging es streckenweise auf der Versammlung auch deshalb, weil sich die HSP-Belegschaft
angesichts weitreichender Zugeständnissen ihrerseits samt 163 Entlassungen nun schlicht und
einfach "verarscht" vorkommt. Die neue Betriebsvereinbarung wurde mit der Geschäftsführung erst
vor acht Wochen geschlossen. Und tatsächlich sind die heute von der Firmenleitung vorgebrachten
Argumente kaum erst jetzt vom Himmel gefallen. Eine Geschäftsleitung die ihren eigenen Markt
keine acht Wochen im Voraus einschätzen kann, sollte tatsächlich entlassen werden. Aber diese
Herren fallen ja in der Regel weich.
Geschäftsführer kam mit "fünf Gorillas"
Dass sich HSP-Geschäftsführer Schlim wohl bewusst ist, dass sein Vorgehen nicht ganz sauber war,
könnte man auch an seinem Auftreten am Vortag erkennen. Sicherheitshalber kam er -wohl zum
ersten Mal überhaupt- mit, so ein Belegschaftsvertreter, "fünf Gorillas", sprich Leibwächtern auf das
Betriebsgelände. Dabei waren die einzigen die an diesem Tag sprichwörtlich etwas auf die Fresse
bekommen haben, die verbliebenen 343 HSP-Beschäftigten und deren Familien. Ein Armutszeugnis
für den Geschäftsführer und eine Beleidigung für die Belegschaft.
An der Betriebsversammlung nahmen unter anderem auch der Oberbürgermeister Ullrich Sierau
(SPD), der kommunale Wirtschaftsförderer Thomas Westphal sowie der Fraktionsvorsitzende von
Linken & Piraten, Utz Kowalewski, sowie deren wirtschaftspolitischer Sprecher Carsten Klink teil.
Hingegen wurde dem langjährigen legendären Betriebsratsvorsitzenden Gerd Fisterer, der
inzwischen aus Altersgründen aus dem Betrieb ausgeschieden ist, der Zugang durch die
Geschäftsführung mittels Hausrecht verboten. Anscheinend hat die Geschäftsführung immer noch
Angst vor dem Mann, der zusammen mit den HSP-Arbeiterinnen und Arbeitern 1999 schon einmal
die Schließung verhinderte und weitere 16 Jahre Arbeit erkämpfen konnte. Eine plausible
Begründung konnte die Geschäftsführung auf Nachfrage eines Arbeiters jedenfalls nicht geben.
Utz Kowalewski (DIE LINKE) forderte vor einer zwar wütenden, aber nicht minder kämpferischen
Belegschaft, das Bund und Land nach einer geschickten Ausschreibung gefälligst Aufträge erteilen
mögen. Die Investitionen in die Infrastruktur bei Hafenbecken, Kanälen oder dem Deichbau würden
den extremen Investitionsstau bei diesen beheben und gleichzeitig Arbeitsplätze in einer
strukturschwachen Region sichern.
In dieselbe Kerbe schlug zuerst auch Oberbürgermeister Ullrich Sierau als er auf die
Hochwasserschutzprogramme der SPD-Ministerin Hendricks verwies. Kurioserweise reagierte Sierau
aber auf den Einwurf eines HSP-Mitarbeiters bezüglich typischen Politikerhandelns etwas barsch
damit, dass man die Zahlen der Geschäftsführung ja letztlich auch nicht ändern könne. Offensichtlich
reicht es bei weitem nicht, dass der Herr Oberbürgermeister mit seinem SPD-Parteifreund und
Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel blos telefoniert.
SPD-Chef Gabriel, der ehemalige Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, welches an der HSPMutter Salzgitter AG mit 26,5 Prozent beteiligt ist, scheint für die 100 prozentige Dortmunder
Tochter keinen Finger krumm zu machen. Was macht eigentlich der derzeitige SPD-Ministerpräsident
von Niedersachsen, Stephan Weil, für die Arbeitsplätze? Am 19. Mai tönte Weil noch in der Neuen
Westfälischen bezüglich einer klaren Positionierung der SPD im Bund: "Jeder Bürger muss genau
wissen, woran er mit der SPD ist. Bei uns genießen Arbeit und Bildung Vorrang. Das sind authentische
sozialdemokratisch Themen, die eng zusammenhängen. Das Thema Arbeitsplätze muss auch für die
Bundes-SPD vorrangig sein. Ich bin der Ansicht, dass für die meisten Menschen das Thema Arbeit am
wichtigsten ist. Wer kann Arbeitsplätze sichern und neue schaffen? Wem trauen die Wähler das zu?
Hier hat die SPD einiges zu bieten, aber in der Profilierung auf Ebene des Bundes noch
Nachholbedarf. Investitionen und Fachkräftesicherung beispielsweise sind sozialdemokratische
Themen." Was machen denn wohl die SPD-Mitglieder auf der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat der
Salzgitter AG für ihre Kolleginnen und Kollegen bei HSP?
Die einzige Chance, die die Belegschaft von HSP eigentlich gar nicht hat, aber nutzen muss, ist die,
möglichst viel Unruhe im Gesamtkonzern zu stiften, um Zeit für Alternativen und Zeit für die
Umsetzung des erst acht Wochen alten Abkommens mit der Geschäftsführung zu gewinnen. Daher
kamen auch schon Stimmen bei der Belegschaft auf, dass keine Tonne Stahl mehr den Betrieb
verlässt, bis die Schließung verbindlich vom Tisch ist.
HSP-Geschäftsführer früher bei Konkurrent ArcelorMittal
Der übergroße HSP-Konkurrent ArcelorMittal setzt dem Dortmunder Unternehmen derzeit mit
Dumpingangeboten unter Druck. Dass ArcelorMittal nach dem Ende von HSP zum Monopolisten
werde und sich zukünftig dann mit überhöhten Preisen eine goldene Nase verdienen wird, bestätigte
auch Dr. Roger Schlim. Interessant ist in diesem Zusammenhang sicherlich auch, dass Dr. Schlim
natürlich rein zufällig in der Vergangenheit auch Geschäftsführer der Arcelor Mittal Commercial
Sections Deutschland GmbH war. Diese Monopolstellung wird auch wieder Bund und Länder
ordentlich Geld kosten, da irgendwann die Deiche brechen, die Hafenbecken undicht und die Kanäle
unbefahrbar werden und spätestens dann auf Bundesfinanzminister Schäubles schwarze Null
gepfiffen und investiert werden wird, investiert werden muss. Dann aber zu den deutlich höheren
Preisen des Monopolisten.
"Der Kapitalismus zeigt mal wieder, dass er mit seinem eigenen Mantra eines freien Marktes in
Wirklichkeit gar nichts am Hut hat, sondern stets Monopole zum Schaden der Beschäftigten und der
Allgemeinheit anstrebt.", analysiert Carsten Klink (DIE LINKE). Der Widerspruch zwischen Kapital und
Arbeit ist mitnichten aufgehoben, so das Ratsmitglied Klink aus Dortmund weiter.