HASS WUT ZORN - Kulturzentrum Schlachthof

Sch l ac ht hof
APR
MAI
La g e r h a u s
16
Freizeit
JAZZAHEAD!
Überbordende Vielfalt
Heinz Strunk
Ein Elend, alles
Isolation Berlin
Aus den Wolken
tropft die Zeit
f ü r
S t a d t k u l t u r
HASS
WUT
ZORN
Der Umgang mit einem
schwierigen Gefühl
The m a
Ha l b z e i t w i s s e n
Fre i z e i t
Früher
war
mehr
lametta
inhalt
Thema
08
Andr e Di t t m a n n
lebt Musik. Seine DNA hat sich irgendwo zwischen Black
Sabbath und Grunge eingependelt. Jüngst veröffentlichte seine
Band Monolith mit ›Mountains‹ ihr zweites Album, ein
Monster aus Stoer und Psychedelic Rock. Als Beruf gibt er an:
Monokausalitätsassistent.
Monolith steht für?
Hass Wut Zorn
10
Warum Psychedelic Stoner Rock und kein Punk oder Indie?
Weil wir den Sound der runtergestimmten Gitarren lieben und
Krach bevorzugen, der vom Blues inspiriert ist.
10 Kulturelle Kurznachrichten
11 Das Seelenheil braucht laut und leise
Porträt: Tanja Jahnz | Gudrun Goldmann
12 Cleo auf dem Dach | Elke Marion Weiß
13 Kommentar | Benjamin Moldenhauer
Freizeit
Och, muss ich mich da entscheiden?
Wie beurteilst du die Bremer Musikszene im Allgemeinen?
Eine Tortour voller Vergnügen … Auf verranzten Fussböden
pennen und altes Toastbrot mit Zwiebelmett essen ist jetzt
nicht so geil, wenn man über 16 ist und das kommt leider
immer noch vor. Der Abend auf der Bühne aber entschädigt
für alles! Das ist einfach das fetteste Ding auf der Welt! Egal
wieviel Leute da sind, ob 12 oder 800. Wenn das Publikum
abgeht, kickt das unglaublich!
Jetzt musst du mir eine Frage stellen …
Werden wir beim ersten Bremer Mudhoney Konzert seit
24 Jahren im Juli im Lagerhaus in der ersten Reihe stehen und
zusammen ›Touch Me I’m Sick‹ gröhlen?
Von meiner Seite spricht nichts dagegen.
War früher mehr Lametta?
Definitiv! Der letzte deutsche Lametta-Produzent Riffelmacher
& Weinberger hat 2015 die Produktion eingestellt! Opa
Hoppenstedt würde sich im Grabe umdrehen!
Int e rv i ew: S ean - Pat r i c B r au n
ist. Dazu müssen Sie kein einziges Wort der Landessprache kennen, die
reicht es ja, die Nachrichten zu schauen und man hat genug Anschauungs-
Sex, Drugs oder Rock’n’Roll?
Tour oder Tortour?
Mallorca sind, Sie werden immer sofort erkennen, ob Ihr Gegenüber wütend
das weiterhilft weiß ich nicht, ist aber ein Forschungsergebnis. Im Moment
Ohne jeden Zweifel Ja! Ich hab zwei Jobs: einen zum Geld
verdienen und einen fürs Herz.
Deine zehn alltime favourite Bands?
Machen Sie sich keine Sorgen, egal ob Sie in Nigeria, in Norwegen oder auf
Zeichen im Gesicht sind universell lesbar, sagen die Psychologen. Ob Ihnen
Ist Musik machen für dich mehr als ein Hobby?
Turbonegro, Celtic Frost, Element Of Crime, AC/DC, Slayer,
Mudhoney, Black Sabbath, Led Zeppelin, Autopsy, Queens Of
The Stone Age.
Ein magazin
macht
stadtkultur
Halbzeit
Nach Außen für Energie, Intensität und Leidenschaft. Nach
Innen für tiefschwarzen Humor, Albern sein, Muckegeilheit
und Bier.
Durch die Nähe zu Hamburg sehr überschaubar. Ist schon viel
Geklüngel hier. Neue Acts haben es sehr schwer wahrgenommen zu werden, wenn sie nicht die richtigen Leute kennen.
Es könnte sicherlich nicht schaden, sich mal etwas Neuem
zuzuwenden, nicht immer nur in der eigenen Suppe zu
fischen. Das täte unserer Szene sehr gut!
F ü r S t a d tk u l t u r
4 Patzig, primitiv und weinerlich
| Benjamin Moldenhauer
6 Wo ist die Wut im Pop? | Joschka Schmitt
7 Achtsamkeit gegen den Kontrollverlust
| Lena Philipp
8 Einmal auf die Palme und zurück | Katja Wille
9 Wut im Praxistest | Heidi Diewald
Andre oder wie würdest du dich noch exakter beschreiben?
Über einen Fisch gestolpert und in der Wüste gelandet.
Mit dem Strohhalm Blasen blubbern, rechts blinken, links
abbiegen und drei Eier.
editorial
material. Ich meine die Damen und Herren, die um den Fortbestand des
Abendlandes fürchten. Sie sind auf jeden Fall wütend, worauf, ist eine
14
Ap ril
14 Jazzahead! | Dimple Minds | Desperate
Journalist | Jochen Distelmeyer | Nacht der
Gitarren | Manu Dibango & Isolation Berlin |
Barbara Ruscher | Sarah Kuttner |
Who Killed Bruce Lee
Mai:
18 Heinz Strunk | Mohammad Reza Mortazavi |
Wajd | Redensart | The Baboon Show | Star
Crash – Sterne im Duell | Katrin Bauerfeind |
Les Yeux d’la Tête | Chico Trujillo | Dame
Kulturgut
Vo n L e n a S t u c k e n s c h m i d t
interessante Frage, der Benjamin Moldenhauer nachgeht. Die Analyse der
Pegida-Bewegung ist Stoff für unzählige Doktorarbeiten und am Ende wird
herauskommen, dass es doch irgendwie damit zusammenhängt, dass man
jahrzehntelang im Tal der Ahnungslosen lebte. Da bin ich mir sicher. Wer
kann das schon auf sich sitzen lassen?
›Wut. Plädoyer für ein verpöntes Gefühl‹ lautet der Titel des Buches von
Heidi Kastner, einer Gerichtspsychiaterin, die viel gesehen hat und dafür
plädiert, diesem Gefühl Raum zu geben, weil sonst am Ende alle tot sind.
Heidi Diewald hat das Buch gelesen. Eine Möglichkeit, Dampf vom Kessel
zu nehmen, ist Musik zu machen. Zu den Hochzeiten des Punk brüllten
einem aus jeder Box die Ungerechtigkeiten der Welt entgegen, das ist heute
Übrigens:
Wir sind eine offene
Redaktion. Jede
und jeder kann gerne
mitmachen!
Kontakt:
[email protected]
anders – auf jeden Fall leiser. Aber gibt es noch Wut in der Popmusik?
Joschka Schmitt hat sich mal umgesehen.
Dann gibt es in dieser Ausgabe noch ein besonderes Interview: Eine
junge Frau mit Borderline-Störung hat Lena Philipp von ihrem Leben
mit extremen Gefühlsschwankungen und der ständigen Angst vor Kontrollverlust erzählt. Vielen Dank dafür.
G u d r u n G o ld m a n n ( C he f r e d a k te u r in )
Herausgeber
Vi si t
Foto: MARINA LILIENTHAL
Patzig,
primitiv
und
weinerlich
THE
MA
4
Über den Hass als
Basisemotion
Fo to : M A RIN A LILI E NT HA L
der neuen Rechten
Benjamin
Moldenhauer
ist Z-Magazin-Redakteur
und schreibt als freier Autor
u.a. für ›Spiegel online‹, das
Wiener Filmmagazin ›Ray‹ und
den ›Standard‹. Tätigkeit
als Lehrbeauftragter an der
Universität Bremen.
Nach der Landtagswahl
in Sachsen-Anhalt kursieren wieder verstärkt
Überlegungen, wie man
mit der AFD und dem
mit ihr eng verbandelten
Wutbürgertum umgehen
soll. Man dürfe in
einer Demokratie, so
die Ansage, diese Leute
nicht verlorengeben.
Verloren für den politischen Diskurs sind sie
aber schon lange. Was
die Bewegung zusammenhält ist ein immer
offener artikulierter
Hass, der jede diskursive
Auseinandersetzung
unmöglich macht.
5
Als es losging mit Pegida und wöchentlich immer mehr Menschen in Dresden auf die
Straßen gingen, um die Heimat vor den anbrandenden Ausländerhorden zu schützen,
liefen zahlreiche Kamerateams mit. Die Interviews mit den Demonstranten waren
aufschlussreich, nicht im Hinblick auf das, was gesagt wurde – die hierzulande
üblichen Wortblähungen wie ›kriminelle Ausländer‹, ›Abendland‹ und ›Lügenpresse‹ –
interessant war die Art und Weise, in der die angeblich besorgten Bürger sich artikulierten. Den Interviewten war ihre Aufgewühltheit anzusehen: die Stimme schrill oder am
Zittern, die Augen geweitet.
Die Interviews hatten aufklärerischen Wert und es ist schade, dass es zuletzt kaum
noch Aufnahmen von den Demonstrationen gab; schlicht, weil die besorgten Bürger vor
einigen Monaten dazu übergegangen sind, Journalisten zu attackieren. Insbesondere
der Auftritt einer älteren Dame war sehr klärend: ›Ich bin voller Hass! Voller Hass!‹,
kreischte die Unglückliche ins Mikro und machte klar, worum es bei dem tristen
Marsch eigentlich geht. Es regieren die Affekte und es manifestierte sich hier weder
Wut (die als ›berechtigter Zorn‹ berechtigt wäre) noch Aggression (die, wenn sie sich
gegen ein tatsächlich bedrohliches Objekt richtet, notwendig ist), es artikulierte sich
der blanke Hass. Bevor man sich Gedanken macht, ob bzw. wie man auf den wieder
aufbrandenden Rassismus reagiert, muss man sich klarmachen, womit man es hier zu
tun hat. Wodurch unterscheidet sich Hass von verwandten Affekten?
Von der Verachtung unterscheidet sich der Hass dadurch, dass dem Gehassten eine
immense Wichtigkeit eingeräumt wird. Wer verachtet, schaut herab und wähnt sich
souverän, der Hassende hingegen erlebt sich immer als verletzt. Hass ist immer Abwehr
und die Bedrohung durch das Fremde wird als eine unmittelbar körperliche erlebt. Der
Psychoanalytiker Erich Fromm hat zwischen reaktivem und charakterbedingtem Hass
unterschieden. Beiden Formen gemeinsam sei das Gefühl der Ohnmacht, das ihnen
vorausgeht. Der reaktive Hass meint nach Fromm eine ›Hassreaktion (…) aufgrund
eines Angriffs auf mein Leben, meine Sicherheit, auf meine Ideale oder auf eine andere
Person, die ich liebe oder mit der ich identifiziert bin‹. Man könnte diese Form des
Hasses der besseren Trennschärfe wegen auch schlicht als Aggression fassen.
Der charakterbedingte Hass ist nach Fromm losgelöst von seinem Anlass, er ist, in
Form einer Feindseligkeit, die Teil der Persönlichkeit geworden ist, immer schon da: ›Im
Falle des reaktiven Hasses ist es die Situation, die den Hass erzeugt; im Falle des
charakterbedingten Hasses hingegen wird eine nicht-aktivierte Feindseligkeit durch die
Situation aktualisiert.‹
Der Versuch, die ›Sorgen‹ dieser Leute ernstzunehmen,
führt nicht weit. Die Islamisierung Dresdens beispielsweise stagniert seit geraumer Zeit bei circa 0,3 Prozent
Muslimen. Vergleicht man beispielsweise die Kosten der
Bankenrettung nach der letzten Finanzkrise mit denen
der sogenannten Flüchtlingskrise, kann man sich über
die Heftigkeit des Protests beziehungsweise über sein
Ausbleiben nur wundern. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) beziffert die Kosten für die ›Integration der
Flüchtlinge‹ auf 45 Milliarden Euro pro Jahr. Und die
Bankenrettung? ›Auf der Kostenseite stehen in Deutschland rund 220 Milliarden Euro Bruttoschulden durch die
Bad Banks als direkte Folge der Finanzkrise‹, konstatiert
Jens Boysen-Hogrefe vom IfW.
Das Ausbleiben jedes nennenswerten Protestes im
zweiten Fall spricht dafür, dass hier wahnhafte Affekte
am Werke sind. Hass benötigt überhaupt keine reale
Erfahrung, er sucht sich einen Sündenbock. Er verschafft
sich seinen Ausdruck losgelöst von einer Wahrnehmung,
die wirklichkeitsadäquat wäre.
Aurel Kolnai, einer der wenigen Philosophen, der sich
systematisch mit dem Phänomen beschäftigt hat, spricht
von einem ›Weltbild des Hasses‹. Der Hass sei kein
Resultat dieses Weltbildes, die Kausalität läuft genau
andersherum: Für dieses Weltbild ist der Hass strukturbildend. ›Der Geängstigte möchte sich retten und wäre
damit zufrieden (…). Wenn aber der Haß seinen Gegenstand, statt ihn etwa aus der Berührungszone zu
verbannen, verfolgt und ihm nachspürt, wenn er dessen
›Vernichtung‹ anstrebt und ihn in die Kategorie des
›Bösen‹ einreiht, so deutet das auf ein höher gespanntes
metaphysisches Bewußtsein hin.‹ Und ›höher gespanntes
metaphysisches Bewußtsein‹ ist in unserem Zusammenhang vor allem ein vornehmer Ausdruck für: ›Die
Wirklichkeit ergibt für uns keinen Unterschied, wir entscheiden selbst, wer ausgewiesen/bestraft/vernichtet
werden soll.‹
Mit materieller und/oder geistiger Armut kann man
die letzte Welle nicht endgültig erklären. Mit der
angeblichen ›Angst‹ des Mobs vor der Fremdenflut auch
nicht. Das Gerede von ›Angst‹ und ›Besorgnis‹ verdeckt
nur, was die Leute da eigentlich antreibt – Hass und
der Wunsch, endlich jemanden stellvertretend für das
vergeigte Leben, das man führt, zu bestrafen.
Was sich hier artikuliert, ist in Deutschland nicht
unbekannt. Der ›Welt‹-Autor Thomas Schmid hört, leise,
aber deutlich, den Ton, der kurz vor dem Ende der
Weimarer Republik die Diskussion beherrscht hat:
›Patzig, primitiv, weinerlich und das Gespräch durch
putative Härte, die gleichwohl Schwäche signalisiert,
unterbindend.‹ Was kann man tun, wenn reden nicht
mehr hilft, damit dem ersten Akt (Weimar) nicht der
bereits bekannte zweite folgt? Wer brüllend durch die
Straßen zieht und verfolgten Menschen entgegenschreit,
sie sollten dahin zurück wo sie herkommen, wer, wie
zuletzt in Clausnitz, einen Bus mit Flüchtlingen stoppt
und angesichts von vor Angst weinenden Kinder jubelt,
ist für den politischen Diskurs verloren.
THE
MA
6
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Joschka Schmitt
Wo ist die Wut im Pop?
Wut galt einmal als das antreibende Popkultur-Motiv schlechthin, ein wichtiger
Motor populärer Genres wie Punk oder HipHop. Musik wurde zum Kompensator
blinder Wut und Aggression in tristen, perspektivlosen Zeiten, zum Träger und
Kanal gezielter Wut auf gesellschaftliche und politische Missstände. Den Lieblingsthemen der Popmusik, Liebe, Sex und Partnerschaft, standen spätestens mit
Punk eine oft diffuse Unzufriedenheit gegenüber. Doch wie wütend ist die Popmusik
heute, in Zeiten der politisch passiven Generation Y und des Wohlstands bei gleichzeitiger enormer sozialer Schieflage?-
I
n den Siebziger Jahren schwappte dieser Geist aus den USA
nach England und wurde dort zur breiten Bewegung, zunächst getrieben von einem eher unpolitischem Zorn gegenüber Institutionen sowie dem Frust über die Klassengesellschaft und Perspektivlosigkeit. Bald kam die Bewegung auch
hierzulande an und etablierte sich durch Bands wie Die Toten
Hosen und Die Ärzte im Mainstream. Politisierte Wut war oft
die treibende Kraft: Probleme benennen und Bewusstsein
schaffen, das ist im Pop immer wieder gelungen. Jedoch sind
die wilden Jahre des Aufruhrs mit dem Ende des Kalten
Krieges, der Studentenrevolte und den späteren Hochzeiten
rebellischer Jugendkulturen längst passé. Kämpfe gegen das
Establishment scheinen ausgefochten und die Verhältnisse
einigermaßen zurechtgerückt, die wütenden Energien sind
verflogen.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts dominieren in den Charts
weichgespülte Coversongs ohne Haltung, Ecken und Kanten.
Dabei sind es keine problemlosen Zeiten. Im Gegenteil.
Missstände herrschen nah und fern, Terror und Krieg lösen
Flüchtlingswanderungen aus, täglich grüßt das Elend in den
Nachrichten. Düstere deutsche Geschichte wiederholt sich
im Kleinen in der Nachbarschaft: hetzende Politiker, aufmarschierende Nazis, pöbelnde Mobs, Anschläge auf Flüchtlingsheime und hohe Wahlergebnisse rechter Parteien.
In der Ecke der Popmusik ist es diesbezüglich ziemlich still.
Foto: MARINA LILIENTH AL
Ob abgestumpft, in Schockstarre oder aus Scheu, unbequem
zu werden – Wut findet sich im Mainstream kaum noch.
Berufswüteriche wie Die Ärzte oder Die Toten Hosen halten
die Füße still. Große Teile des HipHop loten lieber Geschmacksuntiefen und die Grenzen des Zumutbaren aus,
haben dabei jedoch oft wenig zu sagen.
Allerdings hat gerade HipHop vereinzelt doch noch
massive Wut im basslastigen Bauch. Derzeit fallen besonders
K.I.Z. und Deichkind mit sozialkritischen Nummer-1-Alben
auf. Auch die Antilopen Gang und Zugezogen Maskulin
gehören zu den angesagten Sprachakrobaten, die ihre Wut in
politischen Texten artikulieren. K.I.Z. positionieren sich klar,
makaber und provokant. Im Chart-Hit ›Boom, Boom, Boom‹
rappen sie: ›Ihr Partypatrioten seid nur weniger konsequent
als diese Hakenkreuz-Idioten, die gehen halt noch selber ein
paar Ausländer töten, anstatt jemand zu bezahlen, um sie
vom Schlauchboot zu treten‹, und fragen: ›Denkt ihr die
Flüchtlinge sind in Partyboote gestiegen, mit dem großen
Traum im Park mit Drogen zu dealen?‹ Die frühere Ironie der
Band ist einer neuen Radikalität gewichen. K.I.Z. sind wütend,
wollen den politisch verschlafenen Mittelstand wachrütteln.
Deichkind wiederum bringt Slogans wie ›Refugees Welcome‹,
›Fight Racism‹ und ›Fight Sexism‹ in ausverkaufte Hallen und
ins Bewusstsein vermeintlich gleichgültiger Jugendlicher.
Ohnehin scheint die Statement-Bereitschaft bei LiveAuftritten größer zu sein als auf Tonträgern – gerade wenn
sie im vergleichsweise freundlichen Gestus daherkommt.
So setzten Gloria, Madsen, Revolverheld, Ferris MC und die
Donots beim Bundesvision Song Contest 2015 vor einem
Millionenpublikum Zeichen gegen Rechte und die Ablehnung
von Flüchtlingen.
Vielleicht sollte sich die Popkultur konsequenter aus ihrer
Komfortzone wagen und der zweifellos vorhandenen Wut Luft
machen, Themen in Lautsprecher und auf die Bildschirme
bringen, auch auf Festivals und auf die Straße. Popmusik hat
sich in ihrer Historie auch eine gesellschaftliche Verantwortung erspielt und ganze Generationen immer wieder dazu
angetrieben, Dinge zu ändern, die sie wütend machten.
Le n a P h i l i pp
Achtsamkeit gegen
den Kontrollverlust
Seit Mia (Namen geändert) 13 Jahre alt ist, ist sie in Therapie. Mit
18 bekam sie die Diagnose Borderline-Persönlichkeit. Ein Leben
mit diesem Störungsbild bedeutet ein Leben zwischen Extremen.
Im Interview gibt sie Einblicke in ihre schwierige Gefühlswelt.
was kann ich ändern?‹ Dann geht
Erzähl mir etwas über Wut. Wie fühlt sich die Wut an?
es immer höher. Da muss man
Es ist ein innerliches Zerreißen. Ich habe die Symptomatik,
anfangen mit Skills zu arbeiten,
dass ich wahnsinnige Bauchschmerzen bekomme. Ich bin so
zum Beispiel Sport machen, Musik
angespannt, dass ich das Gefühl habe, ich platze gleich. Ich muss
hören, weggehen, malen. Bei 70
das irgendwie rauslassen. Bevor ich im DBT gelernt habe damit
Prozent ist die Anspannung quasi
umzugehen, habe ich angefangen mich selbst zu verletzen, meine
nicht mehr umkehrbar. Bei 70
Eltern und Freunde anzuschreien oder Leute zu schlagen. Ich weiß
Prozent bist du quasi drüber.
nicht, ob es geholfen hat. Wenn ich Leute angeschrieen habe, hat
Dann passiert ein großer Knall,
mich das erst einmal noch wütender gemacht und schließlich hat
der Kontrollverlust. Schreien,
das zu Selbstverletzungen geführt. Bei mir hat eigentlich immer
Schlagen … sowas.
alles in Selbstverletzungen geendet, erst dann habe ich mich
Warum schaffst du es manchmal
beruhigt.
nicht, aus der Situation früh
Was ist DBT?
genug herauszukommen?
DBT steht für Dialektisch-Behaviorale Therapie und wurde
Weil ich es nicht früh genug
speziell für Menschen mit Borderline entwickelt. Es geht dabei um
gemerkt habe, all die kleinen
das Erlernen von Gefühlsregulation und Achtsamkeit.
Warnzeichen, die mir zeigen,
Wo liegt das Problem bei der Gefühlsregulation?
dass ich immer wütender werde.
Das Problem bei Borderline-Erkrankungen ist, dass die
Man muss bei sich bleiben und
Betroffenen Schwierigkeiten damit haben, ihre Emotionen
manchmal ist man das eben
angemessen zu regulieren. Alle Emotionen sind wesentlich stärker
nicht. Zum Beispiel bei Stress
als bei anderen Leuten. Zum Beispiel wird Freude ganz, ganz
– du bist bei 100 Sachen, aber
stark empfunden, sodass du dann sehr schnell überreagierst und
nicht mehr bei dir selbst.
richtig manisch wirst – du denkst, du könntest alles schaffen.
Man reguliert sich ja eigentlich
Das passiert auch bei Angst, sodass du sehr schnell Panikattaunbewusst. Jeder muss sich
cken bekommst. Bei Trauer fällst du erst einmal in ein riesengroregulieren, aber manche
ßes schwarzes Loch – du denkst, alles sei vorbei. Oder eben auch
müssen das bewusst tun.
Wut – du wirst sehr schnell aggressiv, es könnte passieren, dass
Welchem Gefühl steht Wut
du um dich schlägst und Leute verletzt. Betroffene sind wesentlich
am nächsten?
angespannter, eigentlich immer. Das ist unglaublich anstrengend.
Angst. Wut hat immer was
Viele haben stark mit Depressionen und Aggressionen zu
mit Angst zu tun. Angst, dass
kämpfen – eben wegen der Probleme mit der Gefühlsregulation.
einem etwas weggenommen
Wenn du deine Wut mit der Wut von anderen vergleichst, wo
wird. Angst, dass man alleine
siehst du den Unterschied?
gelassen wird. Angst, dass
Wut ist ja an sich etwas Normales. Andere Leute brauchen halt
Foto: MARINA LILIENT HAL
etwas nicht so passiert, wie
etwas länger, bis sie wütend werden, aber bei Borderline ist das
man es möchte. Ich werde
so, dass du sehr schnell in den Emotionen drin bist und dann
ganz schnell unsicher, wenn
länger brauchst, um wieder runterzukommen. Die Auslöser greifen
sich etwas ändert. Ich weiß nicht, was kommt. Dann werde ich
schneller – schon Kleinigkeiten können zu Überreaktionen führen.
unsicher, nervös und angespannt.
Warum?
Wie schaffst du es, die Therapie in dein Leben zu integrieren?
Andere differenzieren mehr. Mit Borderline hörst du auf zu
Es ist schwierig. Ich werde wohl auch nochmal zu einer
differenzieren. Etwas ist entweder gut oder schlecht. Das
Auffrischung gehen. Aber ich war schon immer ein Mensch, der
mSchwarz-Weiß-Denken ist sehr stark ausgeprägt. Oft wird
sich gut selbst reflektieren kann und ich habe das auch sehr früh
plötzlich alles schlecht. Das hat viel mit Hass zu tun. Man fängt
selbst gemerkt, dass da was nicht stimmt. Manche Borderliner
schnell an Leute zu hassen, einfach weil man eine Kleinigkeit
nehmen sich selbst nicht mehr richtig wahr, fühlen sich sicher in
bemerkt, die einem nicht gefällt und plötzlich ist alles schlecht.
ihrer Diagnose und hinterfragen nicht mehr. ›Ich kann das eh nicht
Das führt auch zu Wutreaktionen.
ändern. Ich darf scheiße sein, ich darf dich blöd anmachen. Ich
Ab welchem Punkt ist die Wut nicht mehr umzukehren?
bin Borderliner, ich kann nicht anders.‹
Ab 70 Prozent. Es gibt eine Spannungskurve. Die ist auf
Menschen können sich aber ändern und Borderline ist
Anspannung, Aggressionen und Wut ausgerichtet. Es gibt eine
therapierbar. Wahrnehmung ist das A und O dabei.
30-Prozent-Linie, da kannst du noch überlegen ›Was stört mich,
8
9
Fo to s: MA RIN A LILIE NTH A L
THE
MA
Ka t ja W i l l e
Einmal auf die Palme
und zurück
Das Gefühl aufsteigender Wut kennen die meisten Menschen. Ob sie aus einem herausbricht oder man sie ›runterschluckt‹ hängt von der Situation und noch wichtiger, vom
Individuum ab. Abstellen kann man sie aber nicht: Die Wut gehört zu den so genannten
Basisemotionen – sieben an der Zahl, die von Paul Ekman, einem US-amerikanischen
Anthropologen und Psychologen, empirisch nachgewiesen wurden.
W
ut steht in einer Reihe mit Freude, Ekel, Furcht, Verachtung, Überraschung und Traurigkeit. Diese Grundgefühle werden als wesentlicher
Bestandteil der menschlichen Existenz angesehen. Ein anderer US-amerikanischer Psychologe, Robert Plutchik, befasste sich ebenfalls mit der
Erforschung von Emotionen. Laut seiner Theorie gehört auch Akzeptanz/
Vertrauen zu den Basisemotionen, somit wären es acht.
›Wut ist eine universale Emotion‹, sagt die Bremer Diplompsychologin
Berit Reiss. Eine universale Emotion sei, unabhängig von Kulturhintergrund,
Erziehung und sozialem Status eines Menschen, in dessen Gesicht erkennbar. ›Typisch für den Wutausdruck ist der zusammengekniffene Mund,
die runter gezogenen Augenbrauen und der starre Blick.‹ Dieser Ausdruck
ist überall auf der Welt lesbar – man muss also nicht die gleiche Sprache
sprechen oder zur selben Völkergruppe gehören, um zu erkennen, dass der
Gegenüber wütend ist. Ähnlich verhält es sich mit Freude, Angst und Ekel:
Auch diese Gefühle lassen sich universal im Gesicht des anderen ablesen.
Zur Klassifikation hat Ekman 1978 das Facial Action Coding System
entwickelt. Es ist ein unter Psychologen weltweit verbreitetes Kodierungsverfahren zur Beschreibung von Gesichtsausdrücken.
Unterschiedlich ist, wie der Mensch mit Wut und Ärger umgeht. Lässt
sich jemand schnell ›auf die Palme bringen‹, wird er als aufbrausend
empfunden. Seine Wut richtet sich direkt gegen andere Menschen, Tiere
oder Dinge. Einem solchen Wutanfall gehen oft andere Gefühle voraus oder
damit einher: Man fühlt sich zum Beispiel missverstanden, ist enttäuscht
oder traurig. Nachdem die Situation eskaliert und der Wutanfall vorüber
ist, beruhigt sich der ›Wüterich‹ meist schnell wieder.
In vielen Kulturen wird ein Wutausbruch als Schwäche
angesehen; ein Mensch, der sich gut unter Kontrolle hat und
›cool‹ bleibt, gilt dagegen als charakterstark. Der Dalai Lama,
geistiges Oberhaupt der Tibeter, begründet das so: ›Wo der
Verstand aufhört, beginnt die Wut. Deshalb ist Wut ein Zeichen
von Schwäche.‹ Wer sich zurückzieht und eine Auszeit von der
Situation nimmt, wirkt eher deeskalierend auf seine Mitmenschen. Wie man mit Wut umgeht, wird in der Kindheit gefestigt
– im späteren Leben ist es aber dennoch möglich, einen
anderen Umgang mit dieser Emotion zu lernen. Wissenschaftler sind sich einig, dass es besser sei, die Wut – im kontrollierten Rahmen – loszuwerden statt sie in sich hineinzufressen.
Unterdrückte Wut kann Krankheiten auslösen; das belegt
beispielsweise eine zehnjährige Langzeitstudie von Forschern
des Instituts für klinische Physiologie in Pisa, die bei Herzinfarktpatienten festgestellt haben, dass sich negative Gefühle
wie Aggressionen, Depressionen, Feindseligkeit und Wut
negativ auf das Herz auswirken.
Wut ist zwar nicht angenehm, gehört aber zum Alltag.
Berühmte Wutausbrüche wie die des Models Naomi Campbell,
die ihrem Hausmädchen ein Telefon an den Kopf wirft oder von
dem Fußballspieler Zlatan Ibrahimovic, der nach einem
verlorenen Spiel in Frankreich die Nation als ›Scheißland‹ vor
laufenden Kameras beschimpft, sind zu alltäglichen Situationen geworden.
›Es gibt viele verschiedene Gründe, warum jemand wütend
wird‹, so Reiss. Das bedeute aber nicht, dass auch eine psychologische Störung vorliegen muss. ›Man sollte immer prüfen, was
hinter einem Wutanfall steckt.‹ Für die Neigung zu extremen
Wutanfällen gibt es in der Psychologie verschiedene Erklärungsansätze, die immer im Einzelfall auf den Betroffenen angewendet werden. Neben einer Verhaltenstherapie können auch
regelmäßiger Sport und ein Anti-Aggressions-Training helfen.
H e i d i D i e wa l d
Wut im Praxistest
In ihrem Buch ›Wut. Plädoyer für ein verpöntes Gefühl‹ berichtet die Gerichtspsychiaterin Heidi Kastner von unterschiedlichen Formen des Phänomens Wut,
die sie durch Fallbeispiele überwiegend aus dem juristischen Bereich illustriert.
W
ahrnehmung und adäquates Ausleben von Wut ist wichtig, so lautet das Credo
und Schlussplädoyer Kastners: ›Die Wut hat viele Funktionen, vermittelt klare
Grenzen, setzt Warnsignale, befreit von Spannung, die aus Kränkung entsteht,
vermittelt uns selbst präzise Einsichten in unsere Schwachstellen und fordert uns
auf zu Veränderung, entweder an uns selbst oder an unseren Lebensumständen, sie
fordert und fördert Lebendigkeit.‹
Eingangs schildert die Autorin die weit zurückreichende und ambivalente
Einschätzung dieser Emotion: Bei den antiken Philosophen ist sie umstritten, im
griechischen Epos ›Ilias‹ dient sie als Motor der Handlung und im Christentum
schließlich ist sie eine der Todsünden. Oft werde zwischen der individuellen Emotion
Wut und dem auf größeres Unrecht zielenden Zorn unterschieden, letztlich sei diese
Trennlinie jedoch nicht praktikabel, wie sich zum Beispiel an der etymologischen
Herleitung der Wut vom Gott Wotan zeige, die die Wut wieder in einen göttlichen
also überindividuellen Zusammenhang rücke.
Es entfaltet sich aus (gerichts-)psychiatrischer Sicht ein Panoptikum der Wut.
Iwan der Schreckliche dient neben aktuellen Fällen als Beispiel für Wut im Zusammenhang mit Persönlichkeitsstörungen. Das Aufwachsen in Lebensgefahr und
Isolation führten bei Zar Iwan zu einer Wut-Disposition, die das Erfinden sadistischer
Tötungsmethoden und den Gefallen an Massenexekutionen nach sich zogen.
Zur Persönlichkeitsstörung gehört auch die Persönlichkeitsentwicklung, also im
Besonderen die ›junge Wut‹. Die Zeit der Adoleszenz ist ›eine der forderndsten, die
wir durchleben, in ihren Umwälzungen in körperlich-geistiger Hinsicht nur vergleichbar mit schweren Geisteskrankheiten […].‹ In dieser Zeit werde die eigene Identität
in Abgrenzung zu Kernfamilie und Gesellschaft entwickelt; Defizite während dieses
Prozesses drücken sich durch Dominanzverhalten oder Aggression statt Kommunikation aus. Dabei kommt es zu antisozialem Verhalten, das oft mit Beginn des
Erwachsenenalters verschwindet oder sich in einer Verhaltensstörung manifestiert.
Bleibt die Wut im Bauch, ist das Resultat psychosomatisch. Es gebe starke
Hinweise ›auf einen Zusammenhang zwischen unterdrücktem Ärger und der
verminderten Ausschüttung von Endorphinen.‹ Im passenden Fallbeispiel wird
geschildert wie eine in wohlsituierten Verhältnissen lebende Hausfrau, die nach der
Heirat ihre Karriere beendete, um ihrem Mann den Rücken freizuhalten, es dann
aber nicht schafft, ihm bezüglich ihrer eigenen Interessen die Stirn zu bieten und als
Quittung eine psychosomatische Erkrankung der Haut bekommt. Das wiederum
führt dazu, dass sie ihre repräsentativen Aufgaben bei den Geschäftsterminen ihres
Gatten nicht mehr erfüllen kann. Der Ehemann wendet sich von ihr ab und Liebschaften zu.
Wut ist ein affekthaftes Gefühl, das sich unwillkürlich in
unserem Gesichtsausdruck manifestiert: ›Wut erkennen wir
weltweit an heruntergezogenen Augenbrauen, zusammengekniffenen Augen, weit geblähten Nasenflügeln und zusammengepressten Lippen.‹ Selbst wenn wir versuchen, diesen Affekt,
also unsere Mimik, zu kontrollieren, bleiben Restanzeichen
unserer tatsächlichen Gefühlslage zu sehen. ›Mord im Affekt‹
ist ein landläufig bekannter Ausdruck. Kastner unterscheidet
hier zwischen Delikten bei denen ›ein zu lange ignorierter
Affekt eine entscheidende Rolle spielt‹ und Affektdelikten, die
ganz und gar ohne vorherige Planung geschehen.
Bei ersterem wird eine schwelende Wut zwar wahrgenommen, aber nicht ausgelebt. Bei Affekttaten fehlt schon die
Wahrnehmung der Emotion, was im Anschluss oft zur Verdrängung des Gewaltakts und zu paradoxen Handlungen nach
Entladung des Zorns führt. Beispielsweise habe ein Mann am
Abendbrottisch – nach jahrelang still erduldeter Schmähung
und Ausgrenzung seitens der Familie – auf Frau und Tochter
eingestochen, im nächsten Augenblick seine Tat vergessen und
versucht erste Hilfe zu leisten. Er hatte den aggressiven Teil
seiner Gefühlswelt derart abgespalten, dass ihm auch während
der Haft das eigene Handeln unerklärlich blieb.
Neben den genannten Beispielen bebildert Kastner ihre
Überlegungen mit zahlreichen, teilweise noch drastischeren,
Fällen aus ihrem Arbeitsalltag. Bei der Leserin bleibt der
Eindruck des erhobenen Zeigefingers: Nehmt eure Wut wahr
und lebt sie angemessen aus, sonst sind am Ende alle tot, oder
Schlimmeres. So ist das Buch zwar ein ›Plädoyer für ein
verpöntes Gefühl‹, ausführliche positive Anekdoten – somit
eine Entpathologisierung der Emotion, die das unterstreichen,
bleiben allerdings aus. Wissenschaftliche und philosophische
Erkenntnisse werden nach Bedarf und als Statements
eingebracht und man wird an mancher Stelle neugierig auf
genauere Ausführungen.
Insgesamt liest sich das Buch – nicht zuletzt dank der
literarischen Schreibweise – wie ein Krimi über ein Gefühl.
halbzeitwissen
F ü r S t ad t k u l t u r
KöpkenstraSSe 18
Tischlerei-Museum Bremen
Ganz was anderes: Verborgen in einem Souterrain in der
Köpkenstraße 18 findet man das Tischlerei-Museum Bremen.
›Ein Stück deutsche und bremische Handwerksgeschichte‹,
schreiben die Betreiber, wird hier ›für die Zukunft erhalten.‹
Eine Oase der Ruhe im sich weiter mit allem dazugehörigen
Getöse gentrifizierendem Viertel. Öffnungszeiten unter
www.tischlerei-museum-bremen.de
City46
›Rettet Raffi‹
Wer in den Achtzigerjahren in einem westdeutschen, im
weitesten Sinne linksliberalen Haushalt aufgewachsen ist, ist
mit den Kinderfilmen Arend Aghtes aufgewachsen. Vor
allem natürlich mit dem wunderbaren ›Flussfahrt mit Huhn‹.
Am 23. und 24. April läuft Agthes neuer Film ›Rettet Raffi!‹
im City46. Können wir nur wärmstens empfehlen.
F r i ese
Stampftanz
Es ist wieder soweit: Alle paar Jahre beehrt die amerikanische
Ein-Mann-Band Quintron die Friese und bringt das ansonsten
eher beharrliche Bremer Publikum zum kollektiven Stampftanz. Mit dabei: der Drum-Buddy, ein mechanisch rotierender,
oszillierender, lichtaktiver Prügel von einem Instrument.
Donnerstag, 14. April in der Friese. Im Vorprogramm: Mik
Quantius (Ex-Embryo).
11
Das Seelenheil
braucht
laut und leisePortrÄt
Ta n ja J ah n z
Die Bronchitis, mit der sie letzte Woche noch im Bett gelegen hat, merkt man ihr noch ein wenig an, aber Lutschpastillen schaffen Abhilfe, wenn der Husten sich meldet.
Für Tanja Jahnz (42) gilt, was für viele Freiberufler gilt –
krank sein muss man sich leisten können. Wobei es bei ihr
nicht nur um das Geld geht, was sie in der Zeit nicht
verdient, sondern auch um die Menschen, die abends in
der Swing-Kantine den Lindy-Hop von ihr lernen wollen.
Ist sie nicht da, müssen Vertretungen organisiert werden
oder Kurse fallen aus, je nachdem.
Es war ihr nicht in die Wiege gelegt, Tanzlehrerin zu
werden, denn früher hatte sie Angst vor Gruppen zu
sprechen, heute gibt sie die Rampensau, wie sie selber
sagt. Früher, das war, als sie noch Informatik studierte,
kurz vor der Jahrtausendwende, wo die Idee, dass jeder
Haushalt einen eigenen Computer haben wird, noch als
Utopie galt. Sie unterstützte als Studentin die InformatikerFeminale und gab Qualifizierungskurse für Lehrerinnen am
Landesinstitut für Schule. Das ging nicht ohne Reden, also
redete sie. ›Ich mach einfach, ich muddel mich da rein‹,
sagt Jahnz.
Und wenn sie etwas macht, denkt sie sehr schnell
darüber nach, wie man das Ganze optimieren könnte. Ihr
Gemuddel bei den Computerkursen war so gut, dass sie
sich 2005 als Angestellte des Senators für Bildung wiederfand. Dort arbeitete sie am Konzept der Web-Punkte mit
und bildete Schülerinnen und Schüler als Betreuer aus.
Die Idee der Web-Punkte war, dass die Schulcomputer
nachmittags von Menschen aus der Nachbarschaft genutzt
werden können, um Mails zu verschicken oder ›mal zu
gucken, was das Internet eigentlich ist‹.
Tanja Jahnz hat sich bereits im 3. Semester mit ihrem
IT-Service selbständig gemacht und neben verschiedenen
Kursen immer mehr kleine Firmen und Einzelpersonen
betreut. Studiert hat sie zwar weiterhin, auch alle Scheine
gemacht, aber die Diplomarbeit letztendlich sausen lassen.
Sie hatte bereits genug Arbeit und ihre Freizeit teilte sie
zu dem Zeitpunkt bereits zwischen Tanzen und Kampfsport auf.
Kamen die Impulse für ihre Interessen aus der Familie?
›Nein, ich war die erste in meiner Familie mit Abitur, mein
Vater war Maschinenführer und meine Mutter Stationsversorgerin im Krankenhaus.‹ Kampfsport haben beide
nicht betrieben, das kam über den Bruder einer Schulfreundin in ihr Leben – und blieb. Mit zehn Jahren fing sie mit
Judo an, mit 14 Jahren unterrichtete sie bereits und war
auch im Landeskader. Jiu Jitsu kam parallel dazu, später
noch Shinson Hapkido, eine koreanische Kampfkunst, zu
der auch Meditation, Stockkampf und asiatische Heilkunst

gehören. Jahnz hat die Bremer Gruppe
mit aufgebaut. Doch mit 32 Jahren ist
Schluss mit dem Kampfsport, der Körper
muckt und dann gibt es da ja noch die
andere Leidenschaft, das Tanzen.
Sie gründet 2006 die Swing-Kantine.
›Die ersten fünf Jahre habe ich fast
alleine unterrichtet, denn die Leute, die
ich ausgebildet habe, sind immer wieder
abgesprungen‹, erzählt sie. Zwar organisiert sie heute noch das komplette
Kurs- und Workshopangebot, aber das
Team ist mittlerweile gewachsen und sie
unterrichtet nicht mehr alleine. Angefangen hat sie übrigens ganz klassisch mit
Standard- und Lateintänzen, aber ›das
mache ich schon lange nicht mehr, völlig
unergonomisch.‹ Auf Nachfrage erklärt
sie: ›Beim Standardtanz sind das sehr
hochstilisierte Bewegungen, die sind
nicht gesund. Mir ist es wichtig einen
ergonomischen und gleichberechtigten
Tanzstil zu unterrichten.‹
Das hört man nicht in jeder Tanzschule, aber Jahnz und
ihren KollegInnen ist es wichtig, dass beide Tanzpartner so
tanzen, wie es zu ihnen passt. Auch die Frage, wer führt und
wer folgt, wird für jedes Paar individuell geregelt. Ihr ist
wichtig, dass die Paare das ganz frei ausprobieren und
manche wechseln die Rollen sogar je nach Tanz. Und da sie
in den Kursen die Tanzpartner auch rotieren lässt, kommt es
vor, dass dann Männer mit Männern tanzen, womit sicher
die wenigsten gerechnet haben, aber es ist kein Problem.
Tanja Jahnz ist relativ klein und sehr durchtrainiert, wenn
sie erzählt steht sie immer wieder auf, um Bewegungen
vorzumachen oder um zu zeigen, wie ein Tanzpartner
Zeichen geben und wie der andere darauf reagieren kann.
Auch das Bouncen vom Lindy-Hop zeigt sie: ›Es ist als wenn
man ein Baby auf dem Arm hat, das man beruhigen möchte.
Da weiß eigentlich jeder sofort, wie die Bewegung geht. Und
das Tolle ist, spätestens nach fünf Minuten sind alle im Kurs
am Lächeln. Durch das Bouncen verschwindet der Stress,
die Leute entspannen und es macht einfach Spaß.‹
Ihre Wochenenden sind selten frei, meist gibt es einen
Workshop zu leiten oder zwecks Fortbildung selbst zu
besuchen, dann organisiert sie gerade ein Tanzfestival in
Kroatien und sie hat schon den nächsten Tanz parat, auf
den die Bremer Szene gewartet hat: Balboa. Und da den
dann wieder fast keiner kennt, unterrichtet sie erst mal
alleine, bis sie wieder Leute ausgebildet hat …
GU D RUN GOL D M A NN
Fo to: MARINA LILIENTH AL
Fo to : M A RIN A LILI E NT HA L
10
12
13
halbzeitwissen
F ü r S t ad t k u l t u r
Cleo auf
dem Dach
V o n E l k e Ma r i o n We i S S
Elke Marion
Weiß
ist Migrantin aus dem
Süden der Republik
(Schwarzwälderin)
und seit 2001 schriftstellerisch tätig. Die
promovierte Literaturwissenschaftlerin
schreibt Romane,
Kurzprosa und Lyrik.
Zwei Romane sind
bereits erschienen:
›Triangel‹ sowie ›Die
ungewisse Reise nach
Samarkand‹. Ein
Gedichtband ist in
Vorbereitung. Davor
war Elke Marion
Weiß 14 Jahre an der
Universität Bremen
als Lehrbeauftragte
für englische und
amerikanische
Literatur tätig.
Fo to: MARINA LILIENTH AL
Ja, jetzt ist es endgültig. Jetzt müssen unsere Kurzen mit dem
Bus in die Stadt. Ich schaue mich um. Die tintenbeklecksten
Tische sind zur Seite geschoben, die kleinen Stühle aufeinandergestapelt. An den nackten Wänden nur noch vereinzelte
Reißzwecken, auf dem Linoleum Spuren von Bauschutt. Vom
Nachtregen sind Schlieren auf den schmutzigen Fensterscheiben zurückgeblieben. Eine der Scheiben ist sogar kaputt.
Jemand hatte noch versucht, sie mit Klebeband zuzupflastern.
Als ob das wirklich helfen würde.
Das wäre was für Onkel Horst gewesen. Onkel Horst
war dauernd in Sorge wegen der Fenster. Wegen zerbrochener,
wegen gesprungener, ja, besonders wegen offener Fenster.
Bleibt ja von offenen Fenstern weg, hatte er uns Kindern
eingebläut. Immer und immer wieder. Und wir hatten uns
natürlich darüber lustig gemacht. Ihn sogar mit einigen
schlimmen Streichen in Angst und Schrecken versetzt. Dabei
war seine Sorge verständlich gewesen.
Schuld daran war jener unvergessliche Tag im Sommer
1960, als der Zirkus in unser Dorf kam. Es war ein Zwergenzirkus. Klein an der Zahl, klein in der Statur, gerade klein genug
für unser Kaff. Wie für uns gemacht. Heute darf man sie nicht
mehr Zwerge nennen. Heute sagt man Kleinwüchsige, aber für
uns Kinder waren sie eben Zwerge.
Sie kamen mit drei Wohnwagen, ungefähr ein Dutzend
Leute mit ausgesuchter Menagerie. Kleine Tiere, versteht sich.
Ich erinnere mich an einen Ziegenbock, ein Schaf, zwei
Hasen, einen Esel, ein kleines schwarzes Hängebauchschwein.
Und ein paar winzige Äffchen mit orangefarbenem Haar und
feuerroten Popos. Am exotischsten aber – eigentlich das einzig
Exotische, von den Äffchen abgesehen – war eine Schlange.
Ich weiß nicht, ob es eine Giftschlange war oder nicht. Auf
jeden Fall kam sie uns Kindern sehr gefährlich vor.
Onkel Horst, der Rektor war, lud die Zirkusleute zu uns
in die Schule ein. Und sie kamen, mit dem stinkenden
Ziegenbock, einem Kaninchen und der Schlange. Ihr
Geschnatter und Kreischen und Quieksen flog durch alle
Stockwerke des alten Gebäudes.
Unser Klassenzimmer war im zweiten Stock. Als die
Zwerge ankamen, saßen wir alle stocksteif da, ehrfürchtig und
gespannt. Und wir wurden nicht enttäuscht. Der eine lief auf
Händen durch den Raum, und manchmal streckte er sogar
eine Hand in die Luft. Der andere machte Saltos am laufenden
Band, von der Tür bis zur Tafel und zurück. Der dritte, Vintoc,
war ein Zauberer. Er zog die tollsten Tricks aus seinem Zylinder
– meterweise Girlanden, ein buntes Blumenmeer, jede Menge
Seifenblasen, und schließlich sogar eine lebendige weiße
Taube. Wir klatschten Beifall, bis uns die Hände weh taten.
Vintoc war natürlich entzückt, er liebte sein Publikum.
Besonders, weil wir nicht genug bekommen konnten. Zugabe,
Zugabe, riefen wir im Chor. Wir riefen so lange, bis er uns
Writer’s
corner
schließlich noch seinen Spezialtrick vorführte – seinen ausgetüfteltsten und schwierigsten, wie er sagte. Den Trick mit
der Schlange. ›Meine jungen Herrschaften, sehr verehrtes
Publikum, darf ich vorstellen? Hier kommt Cleopatra, einst
Kaiserin von Ägypten, jetzt als Schlange wiedergeboren. Sie
hat den weiten Weg zurückgelegt, um euch zu unterhalten.
Nun, Cleo, zeig den Kindern, was du kannst!‹
Er brachte die Schlange in Position. Sie sollte im umgestülpten Zylinder Männchen machen. Besser gesagt, sie
sollte sich empor winden und zu Vintocs Flötenmusik graziös
herumtänzeln. Aber Cleo wollte nicht. Cleo war widerspenstig.
Sie achtete weder auf Vintocs Flötentöne noch auf seine
Honigstimme, mit der er sie zu bezirzen versuchte. So sehr
er sich auch mühte, sein Sirenengesang verhallte ungehört.
Stattdessen schlängelte sich die eigenwillige Ägypterin in
Windeseile aus dem Zylinder heraus und kroch über den
Tisch hinweg auf die kleine Mona zu, die ganz vorne saß.
Unnötig zu sagen, dass Mona furchtbar erschrak. Sie geriet
so in Panik, dass sie aufsprang, ihren Stuhl umstieß und
versuchte, unter den Tisch zu kriechen. Aber auch Cleo geriet
in Panik. Sie ließ sich blitzschnell fallen und landete direkt
auf Monas Nacken und wand sich um den zarten kleinen Hals.
Vintoc stand wie versteinert da. Wir alle waren schockstarr.
Je länger ich darüber nachdenke, desto sicherer bin ich
mir, dass Cleo keine Giftschlange war, sondern eine Würgeschlange. Sie musste ein Würger sein, so wie sie sich um
Monas Hals herumrollte. So wie sie presste. So wie sie Monas
Bäckchen apfelrot färbte. So wie sie Monas piepsiges
Stimmchen erstickte.
Es war brütend heiß an jenem Tag. Alle Fenster standen
sperrangelweit offen. Tja, und das war der Ausweg für Ritter
Jonathan, Klein-Monas jungen Verehrer. Jonathan warf sich
auf Cleo, mit seinen sechzig, siebzig Pfund Wagemut.
Ich weiß nicht, wie, aber Jonathan schaffte es. So unglaublich es klingt – er packte die Schlange, lockerte ihren
Würgegriff, rannte mit ihr zum offenen Fenster und schleuderte sie hinaus. Keiner glaubt mir das. Für so eine Show
braucht man übernatürliche Kräfte. Aber hier war Superman
selbst am Werk.
Unterhalb des Fensters war eine Dachschräge, so etwa
zwei bis drei Meter abschüssiges Schieferdach. Und dort
lag nun Cleo und kämpfte tapfer gegen das Gefälle an. Dort
lag Cleo, als Vintoc in ein herzzerreißendes Heulen und
Jammern ausbrach. Und trotz des hohen Simses, trotz seiner
Zwergenstatur, trotz Onkel Horsts kläglicher Versuche, ihn
zurückzuziehen, stürzte er sich hinaus und warf sich auf
sie. Vintoc war zu sehr Akrobat, um sie da draußen ihrem
Schicksal zu überlassen. Cleo, seine heiß geliebte Cleo, sein
Augapfel. Cleo, allein auf dem Dach.
Aber letzten Endes war Vintoc doch nicht Akrobat genug.
B e n j a m i n M o l d e n h au e r
kom
men
tar
Eine Ansammlung von Menschen brüllt Parolen, blockiert einen Bus mit
Flüchtlingen und versetzt sie in Angst. Kinder weinen, die Menge johlt. In
Clausnitz konnte man vor einigen Wochen erneut beobachten, wie schnell
eine Gruppe sich zur Hetzmasse transformiert, wenn sie ihre Zeit gekommen sieht. Wirklich übel aber wird es erst, wenn die Elite sich mit
dem Mob verbündet. Dann entsteht ein Bedrohungspotenzial, das über die
spontane Pogromstimmung hinausgeht.
Erste Anzeichen machen sich bereits bemerkbar, und man möchte
hoffen, dass sie die Ausnahme bleiben. Bereits im November 2015 suchte
Rüdiger Safranksi, populärer Autor von zahlreichen lesenswerten
Philosophenbiographien, den Anschluss an die Rhetorik von AFD und
CSU: ›Wir lügen uns um die Tatsache herum, dass Europa auch eine
Festung sein muss‹, die Politik habe die ›Flutung Deutschlands‹ beschlossen. Dass die Metapher von der Flut in diesem Zusammenhang zum
Genre der Sexualneurose und nicht zu dem des politischen Kommentars
gehört, müsste Safranski eigentlich wissen.
Peter Sloterdijk sprang dem Kollegen in einem ›Cicero‹-Interview
zur Seite und legte gleichfalls mit aller ihm zur Verfügung stehenden
rhetorischen Wucht los: ›Die deutsche Regierung hat sich in einem Akt
des Souveränitätsverzichts der Überrollung preisgegeben‹. Ach so.
Allerdings müsse der Spuk bald ein Ende haben, schließlich gäbe es keine
moralische Pflicht zur Selbstzerstörung. Was genau Sloterdijk meint und
will, bleibt im Trüben, und genau diese durch Blähmetaphern hergestellte
Unschärfe macht seine Rede anschlussfähig für den antidemokratischen
Diskurs. Beatrix von Storch fordert die Sicherung der Grenzen, an denen
dann eben auch mal Kinder erschossen würden; Sloterdijk orakelt vom
›territorialen Imperativ‹ – um dann in einer unfreiwillig komödiantischen
Schlussvolte zu bemängeln, dass das Bemühen um Neutralität gering sei:
›die angestellten Meinungsäußerer werden für Sich-Gehen-Lassen bezahlt,
und sie nehmen den Job an‹. Zumindest das hat er belegt.
Was sie treibt, man weiß es nicht. Erfreulich wiederum, dass der
›Lügenäther‹ (Sloterdijk) vielfach adäquat reagiert hat und zwei seiner
Agenten – Georg Diez (Spiegel online) und Armin Nassehi (in der ›Zeit‹)
– die Argumentation sehr, sehr gründlich auseinandergenommen haben.
Sloterdijk war erkennbar beleidigt, sah sich von ›Beißwut‹, ›Abweichungshass und Denunziationsbereitschaft‹ verfolgt. Manchmal ist auf die
Lügenpresse eben doch noch Verlass.
Frei
zeit
04
20
16
14
15
freizeit
01 APR F R / / S c h l a c h t h o f
Highlight des Monats
April
Dimple Minds
Kr ank, not dead
Krank, not dead? Weiß man nicht. Aber seit 30 Jahren immer noch erfolgreich im
Punkgeschäft. Dimple Minds, die Bremer Metalpunk-Urgesteine, feiern Geburtstag.
Natürlich bei einem bis 15 Bier im Schlachthof. Die Kesselhalle mal wieder richtig zum
Kesseln bringen und alte Hits wie ›Blau auf’m Bau‹ oder neue Songs wie ›Panzerschokolade‹ schmettern. Zwar ist von der Originalbesetzung, die sich 1986 im autonomen Jugendzentrum in Huchting zusammenfand, nur noch die Hälfte übrig, aber
das tut der Sache keinen Abbruch. Schließlich sind die ›Neuen‹, Drummer Stefan und
Bassist Andy, auch mehr oder weniger alte Hasen und fester Bestandteil der Band.
Genauso biergetränkt wie der schräge Mix aus Metal und Punk wird mit Sicherheit auch
die Geburtstagssause sein. Die eindringlichen, originellen Texte laden außerdem
viel mehr zum Mitgröhlen ein, als das immer wieder gleiche, ausgelutschte ›Happy
Birthday‹. Also: Hebt die Bierkrüge und zelebriert den feuchtfröhlichsten Geburtstag
des Jahres!
Arne Helms
esselhalle, 20 Uhr // Veranstalter: Koopmann Concerts //
➟K
Tickets: VVK: € 18,50 (zzgl. Gebühren)
Jazzah
ea
Clubni d!
ght:
Pecco
0 2 APR SA / / l a g e r h a u s
Mitten ins Indiepop-Herz
Billo
11. Jazzahead!
ü b e r b o r d e n d e v i e l f a lt
Dass der Jazz nicht tot ist, aber komisch riecht,
ist eine Binsenweisheit und sie ist falsch.
Das altehrwürdige Genre hat sich in
den letzten Jahren als quicklebendig erwiesen. In der einen Ecke wird Gediegenes weiter ausformuliert, in der anderen,
in der beispielsweise Kamasi Washington
musiziert, lässt sich eine überraschende Repolitisierung beobachten. Und auch die Avantgarde
von gestern klingt immer wieder überraschend – wer etwa die vor
Kurzem erschienenen Master Tapes von John Coltranes ›A Love
Supreme‹ hört, kann sich über eine Musik freuen, die inzwischen
ein halbes Jahrhundert alt ist und vor Energie und, immer noch,
Innovationskraft nur so sprüht.
Auf der Jazzahead!, der europaweit wichtigsten Messe für JazzMusik, kommen jedes Jahr junge und etablierte Ensembles und
Bands zusammen, um im Schlachthof und in der Halle 7 Konzerte
zu spielen. Eröffnet wird die Veranstaltung mit der Swiss Night,
unter anderem mit Weird Beard, einem Genregrenzen transzendierenden Quartett, dem es nicht so sehr um das perfekte Stück,
sondern um das Aufblühen der einzelnen Musiker beim gemeinsamen Musizieren geht. Am selben Abend spielen Plaistow, die das
konventionelle Format des Piano-Trios als Vehikel für eine Fahrt in
ungekannte Gefilde nutzen. Bass, Schlagzeug und Klavier hängen
sich an repetitiven Dub-Strukturen auf, die Melodiefolgen werden
wunderlich.
im Lag
erh
Sa, 23 aus
. April
20.30
Uhr
Saal
Desperate Journalist aus London galten im Jahr 2014 als neuer Indie-Hype-Shit, ehe ihr
feines Debütalbum auf dem britischen Indie-Kultlabel ›Fierce Panda‹ im Frühjahr 2015
in den internationalen Musikmedien meist lediglich wohlwollend als Randnotiz wahrgenommen wurde. Erst durch ihre fulminanten Live-Auftritte im letzten Festivalsommer
(Indietracks, Primavera, Groningen …) und ihre Indie-Disco-Hitsingle ›Control‹ wendete
sich das Blatt und sie wurden zurecht als einer der besten Newcomer abgefeiert. Was
ihre kanadischen Vorbilder The Organ live leider nicht so recht umsetzen konnten, füllen Desperate Journalist vortrefflich aus. Postpunk, Goth Pop, Neo-New-Wave irgendwo
zwischen Siouxie & The Banshees, The Organ und Lush, der mitten ins Indiepop-Herz
trifft. Nun erstmalig in Deutschland live auf einer Mini-Tour, ehe im Frühsommer ihr
zweites Album erscheint.
21 b i s 2 3 APR d o b i s SA / / S c h l a c h t h o f
Die Programmschiene German Jazz Expo versammelt junge
deutsche Künstlerinnen und Künstler, zum Beispiel die wundervolle
Saxofonistin Nicole Johänntgen, die mit ihrem Quartett Nicole Jo
eingängige und tanzbare Musik spielt. Den Gitarristen Hanno
Busch werden zumindest vom Sehen auch viele kennen, die mit
Jazz nichts am Hut haben, er war Teil der Studiobands von Anke
Engelke und Stefan Raab. Mit seinem Trio spielt er eine immens
groovende Musik.
Jazz und Pop verbindet Laila Biali, die bei den Overseas Night
auftritt. Außerdem mit dabei: der Bassist Omer Avital, der seit
20 Jahren zu den umtriebigsten Größen der Jazz-Szene New Yorks
zählt. Sehr, sehr sonnig kommt die Musik der Trompeterin Maite
Hontelé daher, deren CD ›Déjame Asi‹ 2014 für den Grammy in der
Kategorie ›Salsa Music‹ nominiert wurde.
Die genannten Bands sind nur ein kleiner Ausschnitt aus dem
überbordenden und stilistisch vielfältigen Festivalprogramm, es
gibt ungemein viel zu entdecken. Die Konzerte finden abwechselnd
im Schlachthof und der Halle 7 statt. Alle weiteren Programmschienen und Infos unter www.jazzahead.de Martin Steinert
1. 04. Swiss Night, 20 Uhr //
➟2
22. 04. German Jazz Expo, 14 Uhr Overseas Night 20 Uhr //
23. 04. European Jazz Meating, 14 Uhr und 20 Uhr
Desperate Journalist
Jörg Windszus
➟ etage 3, 20.30 Uhr
0 7 APR d o / / l a g e r h a u s
Jochen Distelmeyer
Der Mann tr aut sich was
Jochen Distelmeyer befindet sich aktuell an einem brisanten Wendepunkt seiner Karriere. Als Texter von Blumfeld, immerhin der einflussreichsten deutschsprachigen Band
der Neunziger, war er ein Meister der sprachlichen Miniaturen, erschuf Sätze, die sich
einprägten und das komplizierte Leben auf einen aphoristischen Punkt brachten. Jetzt
hat er sich mit seinem literarischem Erstling ›Otis‹ in die Welt der Romanciers, der Geschichtenerzähler geschlichen. Als Mitbegründer der Wohlfahrtsausschüsse und Aushängeschild eines Medienphänomens namens Hamburger Schule hat er dem hiesigen
Musikfeuilleton gezeigt, dass es im Pop eben niemals ausschließlich um Musik, sondern immer auch um Haltung, Gesellschaft, mithin um Politik geht. Jetzt hat er mit
›Songs from the Bottom Vol. 1‹ ein Album mit Coverversionen herausgebracht, die sich
mit ihren perfekt produzierten Vorlagen messen lassen müssen. Das hat Stil, beweist
Haltung und ist schon deswegen irgendwie Distelmeyer. Aber lauscht selbst.
Jörg Windszus
➟ Saal, 20.30 Uhr
Frei
zeit
16
0 9 APR SA / / l a g e r h a u s
17
Nacht der Gitarren
2 8 APR d o / / S c h l a c h t h o f
Barbara Ruscher
S at u r day N i g h t i n B r e m e n
Ek s t a s e i s t n u r e i n e Ph a s e
Wer Friday Night in San Francisco verpasst hat, kommt vielleicht an diesem Abend,
35 Jahre später und 9.000 Kilometer weiter östlich, auf seine Kosten. Brian Gore,
Gitarrenpoet aus Santa Cruz, schenkt uns als Gastgeber der International Guitar Nights
die Möglichkeit, live der Kommunikation zwischen Musikern und ihrem Instrument beizuwohnen. Dafür hat er eine hochkarätige Besetzung zusammengestellt. Neben dem
britischen Fingerstyle-Virtuosen Mike Dawes und dem deutschen Allrounder Andre
Krengel freuen wir uns auf Lulo Reinhardt, jawohl: ein Großneffe Djangos, der seine
eigene Mixtur aus Gypsi, Latin und Flamenco kreiert hat. Eigenkompositionen, Klassiker und unerhörte Kadenzen, alleine, im Duett oder alle zusammen. Wer selbst Gitarre
spielt, möge entweder verzückt lauschen und sich inspirieren lassen, oder aber sich
frustriert zurückziehen und zuhause weiter üben.
›Bin noch im Bauch. Draußen schreit eine Frau. Will ihr sagen, mit Schreien erreiche
man gar nichts. Jetzt schreit sie mich an. Heiße wohl PDA. Origineller Name.‹ Bücher
über Kinder und Elternschaft gibt es dutzendweise. Die Kabarettistin Barbara Ruscher
hat mit ›Fuck the Möhrchen. Ein Baby packt aus‹ eins der wenigen lesenswerten
geschrieben – aus der Perspektive eines früh, allzu frühgeförderten Kindes, dem seine
Eltern von Anfang an ziemlich auf die Nerven gehen. Live tourt Ruscher mit ihrem fies
komischen Stand-up-Programm ›Ekstase ist nur eine Phase‹ durch die Lande. Im Vorgänger ›Panierfehler. Ein Fischstäbchen packt aus‹ ging es um Libido-Verlust, Missgeschicke, Männer, Frauen, die Unwägbarkeiten des Lebens, Topfpflanzen, kurz: Das
Skandalöse der menschlichen Existenz wird von Ruscher nicht nur angstfrei benannt,
sondern ausgewalzt, bis dem Publikum die Tränen kommen. Und das alles meist am
Piano. Toll Klavier spielen kann Barbara Ruscher nämlich auch.
Jörg Windszus
➟ Saal, 20 Uhr
Martin Steinert
➟ Kesselhalle, 20 Uhr // Tickets: VVK: € 15 (zzgl. Gebühren) AK: € 18
10 APR SO / / S c h l a c h t h o f
Manu Dibango
& Soul Makossa Gang
2 9 APR F r / / s c h l a c h t h o f
18 0 ° M e e r
ein eigenes genre
Sarah Kuttner war neben Charlotte Roche eine der schnellsten und geistesgegenwärtigsten Moderatorinnen im deutschen Fernsehen. 2009 erschien ihr Romandebüt
›Mängelexemplar‹, das sich überraschend gut verkaufte und das aus gutem Grund:
›Mängelexemplar‹ beschrieb in einfachen und klärenden Formulierungen das Leben eines Menschen, der schief in die Welt gestellt wurde. Es ging um grundlose Traurigkeit
und um umfassendes Nichtklarkommen. ›Wachstumsschmerz‹ erzählte dann zwei Jahre später von einem Paar, das nicht zusammenleben kann. Wieder ein präziser Text:
kein großes Drama, sondern der genau beschriebene Prozess, in dem zwei Menschen
sich auseinander leben und dann verlieren. Kuttner nimmt die Seelenlage ihrer Protagonisten ernst. ›Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Liebeskummer die schlimmste
seelische Belastung ist, die man, abgesehen von dem Tod eines sehr nahestehenden
Menschen, haben kann‹, sagt Kuttner. ›Insofern bin ich Fan davon, auch Liebeskummer
nicht zu bagatellisieren.‹ In ihrem neuen Roman ›180° Meer‹ geht es um Eltern, Kinder
und Urlaub. Es soll, so munkelt man, ihr bislang bester sein.
Manu Dibango kümmert sich nicht groß um stilistische Grenzen. Ursprünglich vom Jazz
kommend, ist das maßgebliche Prinzip der Musik des aus Kamerun stammenden Multiinstrumentalisten die Vermischung. Da treffen zackiger Funk auf anschmiegsamen Jazz,
und Akkordfolgen, die von der afrikanischen Musiktradition geprägt sind, werden mit
westlichen Popklängen kombiniert. Das nennt man dann der Einfachheit halber World
Music, tatsächlich aber ist Manu Dibango sein eigenes kleines Genre, mit hohem
Wiedererkennungswert. Vor allem aber spielt er eine Musik, die von Lebensfreude erzählt, aber auch die dunklen Töne nicht ausspart. Auf den Platten von Serge Gainsbourg,
Peter Gabriel, Sting und Youssou N’Dour, auf denen Dibango als Gastmusiker zu hören
ist, sind die zugleich lakonischen wie vitalen Saxofon-Melodien sofort rauszuhören.
Funktioniert zu Hause und im Club – am besten aber auf der großen Bühne.
Martin Steinert
esselhalle, 20 Uhr // Roots Nights, präsentiert von Funkhaus Europa //
➟K
Tickets: VVK: € 25,– (zzgl. Gebühren) / AK: € 30,–
12 APR di / / l a g e r h a u s
Sarah Kuttner
Isolation Berlin
Martin Steinert
esselhalle, 20 Uhr // präsentiert vom Weser Kurier //
➟K
Tickets: VVK: € 14,– (zzgl. Gebühren) / AK: € 17,–
3 0 APR sa / / s c h l a c h t h o f
Who Killed Bruce Lee
Aus den Wolken tropft die Zeit
E n e r g e t i s c h e A u s n a hm e b a n d
Isolation Berlin gelten zurecht als die Newcomer-Band des Jahres 2016 – und sind mit
›Aus den Wolken tropft die Zeit‹ zugleich bereits jetzt Anwärter auf eines der Alben des
Jahres. In der bisherigen Berichterstattung wird dennoch bislang oft übersehen, welche
Bandbreite das Berliner Quartett beherrscht. Ohne Widerspruch und ohne wie eine
Pastiche cooler Pop-Styles zu wirken, gleiten sie musikalisch von 60s-Beat-Chansons
(denke: die junge Françoise Hardy) über psychotischen Noiserock (denke: Sonic Youth,
Jesus Lizard) zurück in fast volksliedhafte Balladen. Im Text streifen sie zwar im Pop
gängige Themen (Liebe, Exzess, Verlust), schaffen dabei aber ebenfalls spielerisch den
Dreh, so aufrichtig zu sein, dass sie nie ins Klischee oder Altbekannte abgleiten, und so
humorvoll, dass sie nie naiv wirken.
Ohne Frage, Who Killed Bruce Lee sind eine Ausnahmeband. Nicht, weil die Libanesen
aus einem Land kommen, das immer wieder von Krisen und Unruhen heimgesucht wird,
sondern weil sie eine wahnsinnige Energie an den Tag legen. Ihre wilde Mischung aus
Punk, Indie und Electro bringt jeden vermeintlich leblosen Körper im Publikum wieder
in Wallungen. Ihre Liveshows sind einzigartig und überzeugen nicht nur im Nahen
Osten. Mittlerweile haben sie auch das Publikum im sogenannten Abendland überzeugt. Joko und Klaas luden Who Killed Bruce Lee im vergangenen Jahr in ihre Sendung
Circus HalliGalli ein, wo sie ein Millionenpublikum in ihren Bann ziehen konnten. Mit
ihrem ersten Album ›Distant Rendezvous‹ im Gepäck holen sie jetzt alle ab, die sie noch
nicht für sich gewinnen konnten. Und wenn die Frage, die sie in ihrem Namen stellen,
nicht endgültig beantwortet werden kann, eines kann man klar sagen: Wer bei einem
Konzert der vier Jungs nicht mitgerissen wird, mit dem kann etwas nicht stimmen.
Jörg Windszus
➟ Saal, 20.30 Uhr
Arne Helms
agazinkeller, 20 Uhr // präsentiert von hb-people.de //
➟M
Tickets: VVK: € 10,– (zzgl. Gebühren)
Frei
zeit
05
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freizeit
0 5 MAI DO / / S c h l a c h t h o f
Highlight des Monats
Mai
Mohammad Reza Mortazavi
P o ly p h o n i s c h e S o l o p e r c u s s i o n
Die Prämisse der Musik von Mohammad Reza Mortazavi ist simpel: zwei Hände, eine
Trommel. Mehr brauchte es für den deutsch-iranischen Percussionisten nicht, um eine
eindrucksvolle Reihung an Elogen einzufahren. Als da unter anderem wären: ›unvergleichlich, die schnellsten Hände der Welt‹ (ZDF), ›ein Trommler der Freiheit‹ (Spiegel
online), ›unglaubliche Energie‹ (NDR). Stimmt alles. Was Mortazavi mit zwei Händen aus
den traditionellen persischen Instrumenten Tombak und Daf herausholt, ist tatsächlich
beeindruckend – und das eben nicht nur unterm sportiven Aspekt, die Hochgeschwindigkeitsstücke sind immer durch und durch musikalisch. Und, nicht zu vergessen, immer wieder eminent politisch. 2013 veröffentlichte er die Single ›20‹, auf der eine
20-minütige Percussion-Improvisation zum Puls des iranischen Filmemachers Jafar Panahi zu hören ist. ›Entstanden ist ein solidarisches Kunstwerk zwischen einem, der
nicht mehr in den Iran zurück kann und einem, der nicht mehr aus ihm herauskommt.‹
(Deutschlandfunk)‹
Martin Steinert
esselhalle, 20 Uhr // Roots Nights, präsentiert von Funkhaus Europa //
➟K
Tickets: VVK: € 17,– (zzgl. Gebühren) / AK: € 21,–
0 6 MAI F R / / S c h l a c h t h o f
Wajd
Klassische Musik aus Aleppo
Heinz Strunk
Ein Elend, alles
In der Kneipe ›Der Goldene Handschuh‹ auf St. Pauli treffen sich
die Halbtoten – gescheiterte Zuhälter, Schwerstalkoholiker, altgewordene Prostituierte. Einer der Stammgäste wird Leiche
genannt, der nächste Anus. Der Suff ist in verschiedene Stufen
unterteilt, Schmiersuff, Sturzsuff usw. Mittendrin in dieser Vorhölle
der Serienmörder Fritz Honka, genannt Fiete.
Heinz Strunk hat als erster Schriftsteller Zugang zu bislang im
Staatsarchiv Hamburg unter Verschluss gehaltenen Akten zum Fall
Honka erhalten. Und er hat genau recherchiert. Fritz Honka tötete
in den Siebzigern im Suff vier Frauen, verteilte die Leichenteile
oder bewahrte sie in seiner Wohnung auf. Vermisst hat die Frauen,
Gelegenheitsprostituierte, niemand, Vermisstenanzeigen wurden
nicht gestellt, und die Toten wurden nur durch Zufall entdeckt.
Strunks neuer Roman dürfte einigen Lesern, die nur seinen
Bestseller ›Fleisch ist mein Gemüse‹ kennen, einen Heidenschreck
einjagen. Aber auch wer sich in der drastischen Literatur auskennt,
kommt hier schnell an die Grenzen des Erträglichen. Das Elend
wird mit einem unerschrockenen, aber immer wieder fassungslosen Blick angesichts der umfassenden und leider vollkommen
plausiblen Hoffnungslosigkeit beschrieben. Dabei gelingt dem Text
etwas Unvermutetes: Er erzeugt Nähe zu seinen Protagonisten und
erhebt sich nicht über das, was er beschreibt.
Tex Rubinowitz hat in seiner Besprechung für die ›Süddeutsche
Zeitung‹ sehr schön das tiefergehende Unbehagen beschrieben,
das ›Der goldene Handschuh‹ im Leser implantieren kann: ›Heinz
Strunk [hat] nicht nur eine klassische Milieustudie der Verzweif-
Die fünf Mitglieder des 2010 gegründeten syrischen Ensembles Wajd mussten die
syrische Stadt Aleppo verlassen. 2014 trafen sie sich in Belgien wieder. In der Musik
des Quintetts geht es auch um den Versuch, die eigene Tradition vor dem Vergessen zu
bewahren. Wajd führen unbekannte Stücke der syrischen Musikgeschichte auf. Um
schlichte Wiederholung geht es Khaled Al Hafed (Gesang und Percussion), Tarek
Alsayed Yahya (Oud), Youssef Nassif (Kanun), Tammam Ramadan (Ney) und Fawaz
Baker (Kontrabass) dabei nicht. Die Stücke arrangieren sie neu, der Umgang mit der
Geschichte ist frei und kreativ und wird von den fünfen in Bremen auch in Workshops
für jugendliche und erwachsene Geflüchtete vermittelt. Für hiesige Ohren mögen die
orientalischen Tonarten ungewohnt klingen, die Haltung zur Kunst und zur eigenen
Geschichte vermittelt sich auf den intensiven Live-Konzerten von Wajd trotzdem. Der
Name des Ensembles bedeutet übersetzt ›übergroße Liebe‹.
2 6 MAI DO / / S c h l a c h t h o f
lung abgeliefert, sondern er versucht, die Ohnmacht zu spiegeln,
versucht zu zeigen, dass nicht nur, wer von unten kommt, in den
meisten Fällen unten bleiben und unten untergehen muss, sondern,
dass vom Handschuh auch eine magische Bedrohung nach oben
ausgeht, zu wissen, dass es so etwas gibt, dass man nur einmal in
die Hölle blicken muss, sozusagen als nützliche Hölle, um sich seiner eigenen vermeintlichen Unverwundbarkeit und geschützten
Herkunft zu versichern.‹ Der Roman lässt immer spürbar werden,
wie porös die Unverwundbarkeit – als vermeintliche – ist.
Es gibt in diesem gnaden-, aber nie empathielosen Text immer
wieder herzzerreißende Momente, in denen der Wunsch nach
Glück in einer Welt aus Kotze, Suff und Leichengestank aufscheint.
Der Erzählung vorangestellt ist ein längeres Zitat aus den Verhören
des Kindermörders Jürgen Bartsch: ›In meinem ganzen Leben war
ich nie auch nur eine Sekunde ungetrübt froh oder glücklich.
Ich sehe mich wieder als Jungen vor dem Altar und habe die
gleichen Gedanken, die gleichen Wünsche wie damals: Junge sein,
Junge bleiben, viele echte Freunde haben, ein kleiner Freund aller
Welt, wie Kipling es genannt hat.‹ Strunk lässt seinen innerlich verkrüppelten Figuren ein – Zitat – ›katastrophales Glücksverlangen‹,
und auch dadurch unterscheidet sich ›Der goldene Handschuh‹
vom allermeisten, was ansonsten so an True-Crime-Literatur
zirkuliert. Martin Steinert
esselhalle, 20 Uhr // Roots Nights, präsentiert von Funkhaus Europa //
➟K
Tickets: VVK: € 12,– (zzgl. Gebühren) / AK: € 15,–
0 6 MAI F R / / S c h l a c h t h o f
Redensart
Wie das wohl wird
›Sieh das Mädchen wie es tanzt / Sieh den Jungen wie er schwankt / weil er glaubt,
dass er’s nicht kann / Schüttelt die Ängste von sich ab / und sein Bein, es wippt im
Takt / und er fängt auch zu tanzen an‹. So sollte es sein, so beginnt der Song ›Wie das
wohl wär‹ der Freiburger Band Redensart. Die Zeilen umschreiben sehr schön das Versprechen gitarrenlastiger Popmusik, das sie notorisch melancholischen jungen Menschen gibt. Denen also, die, wäre die Welt ein amerikanischer Highschool-Film, niemals
ins Football- oder Cheerleader-Team gewählt werden. Redensart besingen euphorische
Zustände, Selbstvergessenheit und den Blick zurück auf Erlebtes, meist voller angedeuteter Wehmut – aber eben ohne den nervigen Schlagercharakter, den deutsche IndieMusik in den letzten zehn Jahren mehr und mehr angenommen hat. Stattdessen gibt es
mitgröhltaugliche Refrains, die weniger nach Kettcar und mehr nach (allerdings sehr
gemäßigten) Pogues klingen. Läuft. Und wird vielleicht mal ganz groß.
Benjamin Moldenhauer
esselhalle, 20 Uhr // präsentiert von bremen vier
➟K
Tickets: VVK: € 17,– (zzgl. VVK-Geb) AK € 20,–
Martin Steinert
agazinkeller, 20 Uhr // präsentiert von hb-people.de //
➟M
Tickets: € 10,– (ermäßigt 8,–)
Frei
zeit
20
13 MAI fr / / l a g e r h a u s
21
The Baboon Show
2 4 MAI D i / / l a g e r h a u s
Les Yeux d’la Tête
D i e W e l t i s t g r ö SS e r a l s d u
D a n c e f l o o r Ch a n s o n s
›The World Is Bigger Than You‹ ist das in vielerlei Hinsicht ehrgeizigste und aufwendigste Album der Band geworden und so findet man hier auch einige der besten Songs
der Bandgeschichte. Vielleicht war es der Geist des Ingrid Studios in Stockholm, in dem
bereits ABBA einige ihrer Alben aufnahmen, vielleicht war es die erneute Zusammenarbeit mit Pelle Gunnerfeldt, der sieben der insgesamt elf Songs des Albums produzierte, vielleicht war es aber auch einfach die Tatsache, dass die Band selbst härter und
länger als zuvor an den Songs arbeitete. Neben den eigenen unverwechselbaren
Stücken sticht vor allem der letzte Song des Albums ›Lost You In A Second‹ heraus.
Dieser Song wurde von Bjorn Dixgard (Mando Diao) für die Band geschrieben, und er
ließ es sich nicht nehmen, das Stück gemeinsam mit Sängerin Cecilia zu singen.
›Liberté Chérie‹ – treffender könnte man den Esprit und die Musik von Les Yeux d’la
Tête nicht beschreiben. Das neue Album vermischt gekonnt mitreißende Melodien mit
dem berüchtigten Pariser Spott. Französischer Folk, Chanson, Swing, östliche Klänge,
Rock – Les Yeux d’la Tête bedienen sich wagemutig verschiedener Genres und kreuzen
diese auf brillante Weise mit humorvollen und poetischen Texten. Von ›Dancefloor
Chansons‹ bis hin zu bezaubernden Balladen, Les Yeux d’la Tête wissen, wie man das
Publikum begeistert. Von Paris bis Berlin, von London bis Budapest, mit mehr als 500
Konzerten in nicht weniger als zehn Ländern im Gepäck, geht die Band aus Montmartre
ihren ganz eigenen Weg mit viel Talent und Freigiebigkeit. Es wartet eine lebendige,
aufregende Show, schier überbordend vor liberté, chérie!
Jörg Windszus
Jörg Windszus
➟ Saal, 20 Uhr
13 MAI fr / / l a g e r h a u s
➟ Saal, 20.30 Uhr
Star Crash – Sterne im Duell
2 7 MAI F R / / S c h l a c h t h o f
Chico Trujillo
präsentiert von Weird Xperince
K o m p r o m i s s l o s e S o mm e r m u s i k
Wir geben zu: Es haben schon Leute mit Legosteinen bessere Filme gedreht, und ja,
David Hasselhoffs Schauspielkünste haben im Laufe seiner Karriere auch zugenommen. Aber hey: Die amerikanisch-italienische Koproduktion ›Star Crash‹ stammt
schließlich aus dem Jahr 1978 und war somit der erste Star-Wars-Ploitation-Film, lange
bevor Walt Disney (›Das schwarze Loch‹) und George Lucas (›Episode I–III‹) auf den
fahrenden Zug aufgesprungen sind. Immerhin ein ›Trash-Spektakel mit beneidenswerter Lässigkeit und einer auffallenden Nichtachtung von Naturgesetzen‹, wie der
›Time Out Filmguide‹ sich ausdrückt. Neben Hasselhoff und dem Genre-Superstar
Caroline Munro (›Dracula jagt Mini-Mädchen‹) wartet der Film außerdem mit Christopher Plummer als Imperator auf. Ein Spaß für die ganze Familie.
Chico Trujillo gibt es seit 17 Jahren, inzwischen ist die chilenische Band zu einer der
weltweit bekanntesten Cumbia-Bands geworden. Los ging es in der Hafenstadt Valparaiso. Schon auf dem ersten der bislang acht Alben von Chico Trujillo war eine vielfältige Musik zu hören, die verschiedene Stile zu einem homogenen Ganzen verband:
ein euphorisierender Mix aus Ska, Punk, chilenischer Folkmusik und Brass-artigen Bläsersätzen. Es ging schnell nach vorne los, nachdem die achtköpfige Band sich im Handumdrehen Lokalheldenstatus erspielt hatte, folgten Konzerte auf Festivals wie Loolaplooza und Roskilde. Mit einem nur schwer übersetzbaren Zitat aus der ›New York Times‹
gesprochen: ›Syncopation, momentum and a way of romping through pain — a party
band needs them all, and Chico Trujillo has them.‹ Manchmal bringt die Band Tänzerinnen und Tänzer in wüsten Verkleidungen mit auf die Bühne. Man darf gespannt sein.
Kompromisslosere Sommermusik wird man diesem Monat in der Stadt nicht finden.
Jörg Windszus
➟ etage 3, 20 Uhr
Martin Steinert
esselhalle, 20 Uhr // Roots Nights, präsentiert von Funkhaus Europa und
➟K
Weser Kurier // Tickets: VVK: € 16,– (zzgl. Gebühren) / AK: € 19,–
18 MAI mi / / S c h l a c h t h o f
Katrin Bauerfeind
2 8 MAI sa / / L a g e r h a u s
Dame
Hinten sind Rezepte drin
HipHop aus Salzburg
Katrin Bauerfeind hat die Gabe, unpeinlich zu moderieren. Klingt banal, ist aber in den
letzten Jahren eine rares Phänomen geworden: Menschen im Fernsehen, die reden,
und man hört gerne zu und fühlt sich nicht verarscht. Das Interview mit Christoph
Schlingensief, in dem Bauerfeind 2008 mit dem krebskranken Künstler über das Leben
und den Tod sprach, war von einer traumwandlerischen Stilsicherheit; kein falscher Ton,
das ist im allgemeinen Gekreische nicht selbstverständlich. Im Schlachthof ist Katrin
Bauerfeind mit ihrem neuen Buch ›Hinten sind Rezepte drin. Geschichten, die Männern
nie passieren würden‹ zu Gast. Rezepte stehen nicht drin, dafür aber massig Beobachtungen über Männer und Frauen. Derartige Bücher schreiben viele, aber wenn man das
von Katrin Bauerfeind liest, kann man sich die anderen sparen. ›Hinten sind Rezepte
drin‹ ist lustiger und klüger als das meiste, was sonst so in diesem Jahr auf dem
Buchmarkt kursiert.
Mit gerade einmal 25 Jahren hat der Salzburger Rapper bereits fünf Alben veröffentlicht. Bereits das dritte, ›Jetzt wird gezockt‹, enterte die Charts. Dame ist über YouTube
großgeworden, seine Songs veröffentlicht er heute auf dem eigenen Label Damestream
Records – um unabhängig zu sein, wie er sagt. Mit Stücken über Games wie ›World of
Warcraft‹ oder ›Call of Duty‹. Klingt für Menschen, die älter als 30 sind, eventuell abstrus, aber es funktioniert. Auf demselben Album findet sich mit ›Auf die guten alten
Zeiten‹ eine Hymne auf die Fernsehserien der Neunzigerjahre. Spätestens mit dem
aktuellen Album ›Lebendig begraben‹ hat sich das Themenspektrum erweitert. Die Mischung aus ohrwurmförmigen Popsong und HipHop-Track überzeugt, Dame beherrscht
die verschiedenen Genres, von der gesungenen Ballade über die erzählte Geschichte
bis zum klassischen Battlerap-Brett; auch wenn er ohne jede Gangsta-Attitüde auskommt. Also auch für alle die interessant, die das Härte-Getue im deutschen Hip Hop
schon länger fad finden.
Martin Steinert
esselhalle, 20 Uhr // präsentiert vom Weser Kurier //
➟K
Tickets: VVK: € 14,– (zzgl. Gebühren) / AK: € 17,–
Martin Steinert
➟ Saal, 19.30 Uhr
Frei
zeit
22
APRIL / M AI 2 0 1 6
Projekt Stadt
lagerhaus
Wie sich die Zeiten ändern.
Offenes Forum
April
Fr 01 Benaissa | Konzert | Saal 19.30 Uhr
112
Mi 06
ANGST BLEIBT.
J o c h e n D i st e l m e y e r
0
07
Vermittlung
Do 07
Fr 08
Sa 09
theaterSCHLACHTHOF 2016 –
SEX
42
Di 12
Do 14
es brennt
Identitäten
Fr 15
Sa 16
dein Theater erfindet sich neu.
Di 19
Mi 20
1
A k ua Na r u
LICHT
29
Do 21
Fr 22
Festival s
Sa 23
37
Schweizer Kanton Nummer 27
Di 26
Jeden Tag.
Do 28
Fr 29
Körper
Sa 30
Lokal/National/international
7
Mai
Demnächst mehr!
Mi 04 SPH Bandcontest| Konzert | Saal 18.30 Uhr
7
Fr 06
MACHT
Sa 07
5
Mi 11
3
Do 12
4
Fr 13
Das du das selber bewegen kannst
DICH
nicht
ohne
theaterschlachthof.de
Sa 14
Coffee
07
Fr 20
Di 24
Findorff
Bremen
kein Ende in Sicht
Desperate Journalist | Konzert |etage 3, 20.30 Uhr
Jazzetage | Die Session für Jazz und jazzverwandte Musik | etage 3, 21 Uhr
Jochen Distelmeyer | Konzert | Saal 20.30 Uhr
Weird Xperience zeigt: Turbo Kid (Can 2015) | Film | etage 3, 20 Uhr
Äl Jawala | Konzert | Saal 20.30 Uhr
Nacht der Gitarren | Brian Gore / Mike Dawes / Lulo Reinhardt / Andre Krengel | Saal 20 Uhr
Die Efkaka-Improshow | Theater | etage 3, 20 Uhr
Isolation Berlin | Konzert | Saal 20.30 Uhr
Poetry Slam | Stargast: Bo Wimmer | Saal 20.30 Uhr
Quichotte | Poetry | Saal 19.30 Uhr
V.B.Schulze’s Bernsteinzimmer | Gründungssitzung des CSU-Landesverbandes Bremen | etage 3, 21 Uhr
Wir müssen reden | taz Salon zum Thema: Ausspioniert | Saal 19 Uhr
9. Bremer HIV-Gespräch | Diskussion | etage 3, 20.30 Uhr
7. Bremer Science Slam | Stargast: Prof. Dr. Albert Baars | Saal 19.30 Uhr
Frank Goosen | Lesung | Saal 19.30 Uhr
Xixa | Konzert | Saal 20.30 Uhr
Brachenkiste zeigt 100 Jahre Dada | Puppentheater | etage 3, 21 Uhr
Locas In Love – Support: Rats | Konzert | etage 3, 20.30 Uhr
jazzahead! Clubnight: PeccoBillo | Konzert | Saal 20.30 Uhr
Shantel & Bucovina Club Orkestar | Konzert | Saal 20.30 Uhr
U3000 | Konzert | Saal 20.30 Uhr
Akua Naru | Konzert | Saal 19.30 Uhr
Walpurgistanz in den Mai | Konzert und Party | LichtLuftBad 19.30 Uhr
Angelika Express | Konzert | Saal 20 Uhr
Tanz der Kulturen | Party| Kafé und Saal 23 Uhr
Do 26
Sa 28
Jazzetage | Die Session für Jazz und jazzverwandte Musik | etage 3, 21 Uhr
Die Shittlers | Konzert |Saal 20.30 Uhr
Coffee | Record Release Konzert | Saal 20.30 Uhr
Desert Mountain Tribe | Konzert | etage 3, 20.30 Uhr
Poetry Slam | Poetry | Saal 20.30 Uhr
The Baboon Show| Konzert | Saal 20 Uhr
Weird Xperience zeigt: Star Crash – Sterne im Duell
(IT/USA 1978) | Film | etage 3, 20 Uhr
V.B.Schulze’s Bernsteinzimmer | Shocking Awful – Mit Bildern gegen das
Böse in der Welt – Gäste: The Rosalyn Mansons | etage 3 21 Uhr
Osman Engin| Lesung | Saal 20 Uhr
Les Yeux d’la Tête | Konzert | Saal 20.30 Uhr
San2 & His Soul Patrol | Konzert | Saal 20 Uhr
Dame | Konzert | Saal 19.30 Uhr
M o n t a g s offene Tanzgelegenheit | ab 20 Uhr Standard & Latein | ab 21.30 Uhr Tango mit dem DJane-Trio Natascha, Nina & Tango Anima
Sa 02 SPH Bandcontest | Konzert |Saal 18.30 Uhr
Raum
ohne
April / Mai 2016
schlachthof
April
Buk a ha ra
12
Fr 01 Dimple Minds + Gäste | Konzert | Kesselhalle 20 Uhr
Sa 09 Live in Bremen – Das Halbfinale
So 10
Di 12
Sa 16
Do 21
Fr 22
Sa ra h Kuttner
29
Sa 23
Do 28
Fr 29
Sa 30
| Bandwettbewerb | Kesselhalle 18 Uhr
Manu Dibango & Soul Makossa Gang | Konzert | Kesselhalle 20 Uhr
Bukahara | Konzert | Kesselhalle 20 Uhr
20. Pop & JazzCHOR Festival | Konzert| Kesselhalle 19.30 Uhr
Skiparty | Tanzen | Magazinkeller 22 Uhr
jazzahead! – Swiss Night | Konzert mit Weird Beard, Elina Duni Quartet,
Plaistow, Luca Sisera Roofer | Kesselhalle ab 20.30 Uhr
jazzahead! – German Jazz Expo | Konzert mit Subtone, Nicole Jo,
Hanno Busch Trio | Kesselhalle ab 14.30 Uhr
jazzahead! – Overseas Night | Konzert mit Laila Biali, Omer Avital,
Maite Hontelé | Kesselhalle ab 20.30 Uhr
jazzahead! – European Jazz Meeting | Konzert mit Shalosh,
Carlos Bica & Azul, Oddarrang | Kesselhalle ab 14.30 Uhr
jazzahead! – European Jazz Meeting | Konzert mit Laura Jurd Dinosaur,
Dans Dans, Minafric Orchestra + Faraualla | Kesselhalle ab 20.30 Uhr
Barbara Ruscher | Comedy | Kesselhalle 20 Uhr
Sarah Kuttner | Lesung | Kesselhalle 20 Uhr
Who Killed Bruce Lee | Konzert |Magazinkeller 20 Uhr
Mai
Do 05 Mohammad Reza Mortazavi | Konzert | Kesselhalle 20 Uhr
Fr 06 Wajd | Konzert | Kesselhalle 20 Uhr
G a by Mo reno
14
Fr 13
Sa 14
Mi 18
So 22
Do 26
Fr 27
Sa 28
// i m p r e ss u m
Redensart | Konzert | Magazinkeller 20 Uhr
187 Strassenbande | Konzert | Kesselhalle 20 Uhr
Gaby Moreno | Konzert | Kesselhalle 20 Uhr
Katrin Bauerfeind | Lesung | Kesselhalle 20 Uhr
Schramme11 | Konzert | Kesselhalle 20 Uhr
Heinz Strunk | Lesung | Kesselhalle 20 Uhr
Chico Trujillo | Konzert | Kesselhalle 20 Uhr
Afterburner | Konzert | Kesselhalle 20 Uhr
Schlachthof
H e r a u s g e b e r : Kulturzentrum Schlachthof, Findorffstraße 51, 28215 Bremen, Büro: Mo–Fr: 10–19 Uhr, Fon: 0421/37 7750, Fax: 3777511, zett@schlachthof-bremen.
de, Kulturzentrum Lagerhaus, Schildstraße 12–19, 28203 Bremen, Telefon: 0421/701000-0, -fax: 701000-74, Z-Magazin im Internet: www.schlachthof-bremen.de R e d a k t i o n : Gudrun Goldmann (V.i.S.d.P.), Jörg Möhlenkamp, Benjamin Moldenhauer, Marlis Schuldt Ausland: Anette Harasimowitsch, Südafrika, Robert Best, Schweiz
G r a f i s c h e G e s t a l t u n g : Jörg Möhlenkamp, Marlis Schuldt B e i t r ä ge : Sean-Patric Braun, Heidi Diewald, Arne Helms, Lena Philipp, Joschka Schmitt, Martin Steinert,
Elke Weiß, Katja Wille, Jörg Windszus F o t o s / I l l u s t r a t i o n : Marina Lilienthal (Titel), Lena Stuckenschmidt (Kulturgut), Dennis Dirksen, Philippe Levy, Z-Magazin
Michael Schiffhorst, J. Schlenker, Pascal Thiébaut, Eric Weiss N a m e n t l i c h gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.
D r u c k e r e i : Girzig & Gottschalk, Bremen.