Dramaturgie eines Schocks

Datum: 13.05.2015
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Starker Franken Der Währungsschock entfaltet in den
kommenden Monaten seine ganze Wirkung. Die Schweizer
Wirtschaft ist auf den Härtetest vorbereitet.
Dramatur
ige
eines Schocks
SIMON SCHMID
Börse schlagartig um 17 Prozent teurer geworiese Geschichte wird Tho- den - ein Schock für die kleine, offene Volkswirtmas Jordans Vermächtnis schaft der Schweiz.
sein: Die Geschichte des
Der Kurssturz bewegt die Öffentlichkeit
Währungsschocks, den die ebenso wie die Wirtschaftswelt. Nicht 1,07 oder
Nationalbank Anfang des 1,13 Franken kostet der Euro. Nein, der Devisen-
Jahres auf die Schweizer kurs steht jetzt bei eins zu eins. «Die psychologiWirtschaft losgelassen hat.
Jordan trägt als Präsident der SNB die Verantwortung dafür. Wird sie mit einem Happy End
ausgehen? Hält die Schweiz dem Härtetest der
erneuten Frankenaufwertung Stand? Aus heuti-
sche Wirkung dieser Marke ist enorm», sagt der
Forscher Jan-Egbert Sturm von der Konjunkturforschungsstelle KOF im Nachhinein. «Alle fühlen sich nun legitimiert, Verbilligungen einzufordern: Auf Importgüter, Zulieferprodukte und
ger Warte kristallisiert sich ein Drama in fünf Ak- auch auf Löhne.»
ten heraus.
1. Der Paukenschlag
2. Erste Schockwelle
Die zweite Phase des Frankenschocks be-
15. Januar, Punkt 10.30 Uhr trifft das Schrei- ginnt innert Tagen. Gewiefte Unternehmen hanben der SNB in den Inboxen der Newsabonnen- deln schnell: Detaillisten wie Coop, Migros oder
ten ein. Die Nachricht löst blankes Entsetzen Lidl kündigen publikumswirksam Euro-Rabatte
aus. Währungshändler, Finanzanalysten und auf importierte Markenprodukte an. Auch die
Medienschaffende können kaum glauben, dass
die Nationalbank den Mindestkurs von 1,20
Franken zum Euro fallen lässt - eine Massnahme, die sie während über drei Jahren eisern verteidigte und nur Tage zuvor noch als unverzichtbar für die Schweiz dargestellt hatte.
Die Märkte reagieren sofort. Innert Sekunden
geht der Franken durch die Decke. Nurmehr 86
Rappen werden am Tiefpunkt für den Euro verlangt. Ende des Tages stehen die beiden Währungen bei der Parität. Der Franken ist an der
Autobauer bei Mercedes und die Möbelhändler
bei Pfister wollen Kunden mit einem speziellen
Euro-Preisnachlass anlocken. An der Grenze
nach Waldshut und Konstanz stauen sich die
Autos. Die SBB geben via Twitter bekannt, zusätzliche Wagen an die Züge zum Shopping ins
Ausland anzuhängen.
Manche Firma nutzt die Gunst der Stunde.
Sparpläne werden aus der Schublade gezogen.
SR Technics, ein Airline-Dienstleister, kündigt
die Verlagerung von 250 Jobs nach Belgrad aus.
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Hörgeräteherstellerin Sonova will Stellen nach
China und Grossbritannien verschieben. Unternehmen wie Huber+Suhrier, SFS, Metall Zug und
Georg Fischer bringen bei der Belegschaft länge-
re Arbeitszeiten durch. Dies mit der Begründung, dass der starke Franken den Schweizer
Standort unrentabel mache.
Über die Medien werden alarmistische Wirtschaftsprognosen feilgeboten. BAKBasel, ein be-
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starke Eintrübung der Entwicklung», sagt Scheidegger, «aber noch keine eigentliche Krise.»
«Ein Grossteil der Schweiz wird den Schock
gar nicht spüren», sagt auch Claude Maurer,
Ökonom bei der Credit Suisse. Richtig wohl ist es
dem Schweiz-Spezialisten bei diesem Ausblick
aber nicht «Bereiche wie die Industrie werden
leiden. Im zweiten Halbjahr wird es Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt geben.»
kanntes Institut, prophezeit im Februar einen
Ein Warnzeichen in diesem Frühsommer
Rückgang des BIP übers gesamte Jahr - eine Vor-
sind die vorausschauenden Indikatoren. So ist
der KOF-Beschäftigungsindikator vergangene
«Das Basisszenario bleibt eine
temporäre Konjunkturdelle, aber
keine eigentliche Krise.»
Erk Scheldegger
Direktion für Wirtschaftspolitik, Seco
Woche auf den tiefsten Stand seit 2009 gefallen.
Exportbetriebe, aber auch binnenorientierte Zu-
lieferbetriebe sind zurückhaltend mit Einstellungen. Im Detailhandel ist der Indikator gar auf
den tiefsten Wert seit zehn Jahren gefallen.
Analog verhält sich der von der Credit Suisse
ermittelte Einkaufsmanagerindex. Der Konjunk-
turindikator verharrt seit Anfang Jahr unter 48
Punkten (bei Werten unter 50 kühlt sich die Konjunktur ab).
hersage, die später zurückgenommen wird.
Swissmem, der Verband der Metall-, Elektround Maschinenindustrie, schreckt mit Warnungen auf. Fast ein Drittel der Mitgliederfirmen
werde 2015 operative Verluste machen, lässt der
Branchenverband Ende März verlauten.
In einem Zeitungsartikel meldet sich auch
Misstrauisch machen auch die Meldungen
aus den einzelnen Branchen. Im Tourismus gingen die Logiernächte im März spürbar zurück.
Modehäuser und Möbelläden verkaufen inzwischen merklich weniger Ware. Der Gesamtexport schrumpfte in den ersten drei Jahresmonaten um 1,4 Prozent.
Derweil treffen in den kantonalen WirtUBS-Chef Sergio Ermotti. Das «Erfolgsmodell
Schweiz» sei gefährdet, meint er, und fordert die schaftsämtern mehr und mehr Gesuche um
Kurzarbeit ein: Der Staat soll Betriebe unterstütAbschaffung einer ganzen Reihe von Steuern.
zen, damit diese ihr Personal halten können.
3. Trügerische Ruhe
Doch das Leben am Werkplatz Schweiz geht
weiter. Dies ist der dritte Teil der FrankenschockStory, in der wir aktuell stehen. In dieser Phase
4. Zähe Monate
Die Bühne ist damit vorbereitet für den
Hauptakt des Dramas: Die realwirtschaftliche
werden Aufträge abgearbeitet und Arbeitneh- Verarbeitung der Frankenaufwertung.
Vieles hängt nun vom Finanzmarkt ab. Legt
mende weiterbeschäftigt. Der starke Franken
stösst in der Bevölkerung auf Anidang: Man kauft der Euro wieder zu, etwa in die Gegend von 1.10
ein, geht aus, geniesst die ersten Sonnenstrahlen Franken, ist das Problem gesamtwirtschaftlich
bald abgehakt. Harrt die Einheitswährung aber
eines warmen Frühlings.
Selbst die Profis sind in dieser ruhigen Zeit weiter nahe der Parität, bleibt die Lage ange-
unsicher. Wie hart trifft die Aufwertung das Land spannt - speziell für Kleinbetriebe, die stark auf
wirklich? «Unser Basiszenario bleibt, dass es zu den Euro-Raum ausgerichtet sind oder in direkeiner temporären Konjunkturdelle kommt», sagt ter Konkurrenz zum nahen Ausland stehen. Sie
Eric Scheidegger, Leiter der Direktion für Wirt- sind mit schwachen Margen und grösserem
schaftspolitik beim Seco. Beim Staatssekretariat Preisdruck konfrontiert. Wer im Preiskampf
rechnet man mit einem Rückgang des Wirt- nicht mitgehen kann, riskiert Auftragsverluste.
Wie die Unternehmen mit dieser Situation
schaftswachstums von 2,0 Prozent im letzten letztlich umgehen werden, wissen die Experten
Jahr auf 0,9 Prozent dieses Jahr. «Das ist eine noch nicht. «Jetzt beginnt ein schleichender An-
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passungsprozess über Wochen und Monate», Budgets für 2016 gemacht werden. Manche Inschätzt KOF-Forscher Jan-Egbert Sturm. «Ich er- dustriebetriebe streiten sich seit längerem im
warte Stellenstopps und manchenorts auch Hintergrund mit den Behörden - etwa um Arbeitszeiterhöhungen, die zulasten der BelegJobabbau.»
Die Frankenstärke wird Folgen haben. Ein in- schaft eingeführt werden sollen.
Die Arbeitsämter werden alle Hände voll zu
tensiver Arbeitskampf zeichnet sich ab. Gegen
50 Unternehmen hatten in den Wochen nach tun haben. 3,4 Prozent Arbeitslose soll es Ende
dem 15. Januar bereits Massnahmen beim Per- 2015 geben, meint das Vorhersageinstitut KOF.
sonal bekanntgegeben. Am Dienstag kündigte Das wären 0,2 Prozent oder rund 10000 PersoHuber+Suhner zusätzlich den Abbau von 50 nen mehr als Ende 2014. Im Verlauf des Jahres
Stellen in Herisau und Pfäffikon an. Weitere Fir- 2016 könnten dann zusätzliche 20 000 Personen
men dürften im Jahresverlauf folgen, wenn die
30 000
Arbeitslose So viele
Menschen könnten laut der
KOF bis 2016 ihren
Arbeitsplatz verlieren.
4450
Konkurse Dieses Jahr
könnten 5 Prozent mehr
Firmen insolvent werden,
schätzt Euler Hermes.
31%
MEM-Industrie Dieser
Anteil der Industriefirmen
erwartet 2015 einen
operativen Verlust.
CARL ELSENER
PRÄSIDENT UND DELEGIERTER
PRÄSIDENT
VICTORINOX
37%
,
Exporte In den ersten drei
Jahresmonaten wurden
deutlich weniger Waren in
die Euro-Zone ausgeführt.
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«Unsere Marge hat
sich im ersten Quartal
deutlich reduziert»
Aufhebung des Euro-Mindestkurses hinterlässt beim Schweizer Traditionsunternehmen Victorinox Spuren. «Gesamthaft
hat sich unsere Marge im ersten Quartal gegenüber
dem letzten Jahr deutlich reduziert», sagt Firmenchef Carl Elsener. Der starke Franken zwingt Victorinox, die laufenden Optimierungen im Organisations- und Prozessmanagement zu intensivieren.
Kunden, welche die Swiss made-Produkte Messer
und Uhren in Schweizer Franken bezahlen, erhalten einen temporären Währungsrabatt, um einen
zu starken Preisanstieg in diesen Märkten zu verhindern. Im Euro-Raum, in dem Victorinox in Euro
fakturiert, erhöht das Unternehmen ab dem 1. Juni
die Preise um 5 bis 10 Prozent. «Das kompensiert
jedoch nur einen Teil des Währungseffekts», so
Elsener. Bei der Bekleidung und den Rucksäcken,
die nicht in der Schweiz produziert werden, reduzierte Victorinox die Preise um bis zu 20 Prozent
Laut Elsener bleibt die Margensituation beim gegenwärtigen Frankenkurs allerdings angespannt.
«Wir benötigen mindestens drei bis vier Jahre, bis
wir wieder eine Marge erzielen, die eine gesunde,
nachhaltige Entwicklung ermöglicht (pi)
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Jahresabschlüsse in
Jahresabschlüsse
in Gefahr
Operatives Ergebnis 2015: Erwartungen in der
(Umfrage, in
in Prozent)
Prozent)
MEM-Branche (Umfrage,
55
Gewinn
Gewinn
Verlust
Verlust
Weiss
Weiss nicht
nicht
\31
14
QUELLE: SWISSMEM
SW ISSMEM
QUEUE:
Zunehmend pessimistisch
Geschäftslage: Differenz zwischen «guten» und
«schlechten» Einschätzungen (in Prozentpunkten)
40
35
30
25
20
15
10
55
00
2011
2011
2012
2012
2013
2014
2015
QUELLEKONJUNKTURFORSCHUNGSSTELLE
KONJUNKTURFORSCHUNGSSTELLE
(MF)
QUELLE
(KOF)
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So teuer ist
Ist der
Franken
Wechselkurse 2006 bis 2008
war der Franken eigentlich
«zu billig». Mit der
der AufheAufhebung des Mindestkurses hat
sich die Währung
Währung aber
aber
schlagartig verteuert - über
alle Währungen
Währungen hinweg
hinweg um
um
rund 10 Prozent. Die Aufwertung zum Euro ist mit rund
15 Prozent deutlich höher.
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Realer,
Realer, handelsgewichteter
handeisgewichteter Wechselkurs
Wechselkurs des
des Frankens
Frankens (Index
(Index 2004
2004 == 100)
100)
130
125
120
120
115
115
110
110
105
105
100
100
95
90
90
85
1111,111111
80
2004
11111111111
2005
2006
2007
2008
2009
11111111111
2011
2010
2012
2013
2014
2014
2015
RANKFOR
FORINTERNATIONALEN
INTERNATIONALENZAHLUNGSAUSGLEICH
ZAHLUNOSAUSGI EICH(B12)
(HZ)
WELLE: BANK
Normalisierung im
Im
Jahr 2016
Aussichten
Aussichten Dass
Dass sich
sich das
das
Wirtschaftswachstum dieses
Jahr
Jahr verlangsamt,
verlangsamt, steht
steht so
so
gut wie fest. Die Schätzungen reichen von 0,2 Prozent
(KOF)
(KOF) bis
bis 1,0
1,0 Prozent
Prozent (BAK(BAKBasel, SNB). Bereits 2016 soll
es
es nach
nach Ansicht
Ansicht der
der meisten
meisten
Prognosebüros aber wieder
aufwärtsgehen.
Wachstum des BIP pro Jahr, historische Werte sowie Prognosen für 2015 und 2016 (in Prozent)
Prognosen 2015
Historische Werte
Prognosen 2316
201t,
5
4
3
22
1
2004
2004 2005
2005 2006
2006 2007
2007 2008
2008
2010 2011 2012 2013 2014
KOF
UBS
KOF UBS
CSSeco
Seco SNB
SNB BAK
CS
KOF UBS
IJBS
CS
CS Seco
Seco BAK
BAK
-1
-1
-2
-2
-3
BASEL
QUELLE »AKWUMMOF/CREDIT SUESE/BAK
SUISSE/BAK
BASEL
Das Glück in der Ferne suchen
Bühler Im Februar reagierte das Maschinenbauunternehmen mit Sofortmassnahmen
auf die Frankenstärke: Erhöhung der
Arbeitszeit von 42,5 auf 45 Stunden,
Stellenstopp, Nullrunde bei den Löhnen. Die
Kostenmassnahmen bleiben vorerst während sieben Monaten in Kraft. Langfristigen
Erfolg verspricht eine andere Strategie: Die
Diversifikation bei den Absatzmärkten. Die
Uzwiler Firma hat sich kürzlich einen Grossauftrag über 50 Millionen Franken in SaudiArabien gesichert. Bühler baut dort eine
Mühlenanlage mit einer Leistung von 600
Tonnen Weizen pro Tag. Komponenten wie
die Walzenstühle, die Anlagensteuerung
oder das Engineering werden in der Schweiz
entwickelt und gefertigt.
ihren Job verlieren - sofern die Arbeitslosenquote auf die von der KOF vorhergesagten 3,8 Prozent steigt - die gravierendste aller zuletzt veröffentlichten Prognosen.
Auch das R-Wort wird in der Diskussion vermehrt fallen: Rezession. Sie tritt definitionsgemäss ein, wenn die Wirtschaftsleistung in zwei
aufeinanderfolgenden Quartalen sinkt. Laut
dem Chefökonomen der Bank J. Safra Sarasin,
Karsten Junius, könnte dies bereits im ersten
Halbjahr 2015 der Fall sein, bevor die Wirtschaft
gegen Ende Jahr wieder zulegt.
Einzelne Betriebe werden in dieser Zeit auch
mit dem schlimmsten aller Szenarien konfrontiert - dem Konkurs. Dies schätzt die Versicherungsdienstleisterin Euler Hermes. Ihrer Hoch-
rechnung nach sollen dieses Jahr insgesamt
4450 Betriebe die Insolvenz anmelden. Das wäre
ein Plus von 5 Prozent. Gefährdet sind die Fir-
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men, die sich schon vorher nur knapp über Was- sind solide finanziert», sagt er. «Viele haben sich
ser halten konnten: Ihnen droht nach dem Min- in den letzten Jahren darauf eingestellt, dass es
schwierige Phasen geben wird.»
destkurs -Aus der Untergang.
Drittens hat sich die Konjunktur weltweit aufUnd was ist mit Thomas Jordan? Ihm bleibt in
den kommenden Monaten die Zuschauerrolle. gehellt. Selbst in Europa geht es langsam, aber
Denn auf die weiteren Wendungen der Franken- sicher aufwärts. «Das positive Umfeld wird den
schock-Story kann die SNB nur beschränkt Ein- Währungsschock teilweise kompensieren», ist
fluss nehmen. Eine neue Untergrenze ist höchs- Seco-Mann Eric Scheidegger überzeugt. Seiner
tens auf einem tiefen Niveau möglich - etwa bei Ansicht nach ist die Schweiz weit entfernt von
1,00 Franken pro Euro. Vor einer zusätzlichen den «Schallgrenzen» von 4 und 5 Prozent bei der
Schwächung des Frankens wird die SNB ander- Arbeitslosigkeit, die zusätzliche Konjunkturseits zurückschrecken, weil sie hohe und unbe- massnahmen nahelegen würden.
Kommt es tatsächlich so, wie die Experten
rechenbare Interventionen erfordert.
glauben, dann wäre der Frankenschock selbst
5. Das Endspiel
Dass das Abenteuer vom Frankenschock am
nicht mehr als eine Episode der Beschleunigung
gewesen - im wirtschaftlichen Strukturwandel,
dem die hiesige Volkswirtschaft über die Jahre
hinweg ohnehin ausgesetzt ist.
Langfristig ungemein wichtiger für den
Standort werden die anderen anstehenden Weichenstellungen: Die Besteuerung von Unternehmen, die Personenfreizügigkeit, das Verhältnis
zur Europäischen Union. «Die baldige Klärung
dieser Fragen würde das Investitionsklima in der
Schweiz enorm verbessern», sagt Daniel Kalt,
im Jahr 2011 bewiesen. Die Konsumlust der hie- Chefökonom Schweiz bei der UBS.
sigen Bevölkerung blieb seither ungebrochen.
Zweitens geht sie Herausforderung aus einer Mehr zum Thema
Position der Stärke an. Dies beobachtet Stefan Vier Monate danach Seite 12
Ruf, Schweiz-Chef von Euler Hermes. «Gerade Interview mit Heinz Karrer Seite 19
Ende glimpflich ausgehen könnte, dafür sprechen drei Gründe.
Erstens ist die Schweizer Wirtschaft anpassungsfähig: Sie hat ihre Flexibilität und Standfestigkeit gegenüber Wechselkursbewegungen
schon in früheren Aufwertungsphasen wie etwa
die kleinen und mittelgrossen Unternehmen
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