1.11.2015 Bild am Sonntag: "Wie viel Handy ist gesund?"

Wie viel
Handy ist
gesund?
Letzte Woche in BILD am SONNTAG forderte Psychiater Manfred
Spitzer von der Universität Ulm:
Kinder und Jugendliche sollen
VON MARIE SOPHIE KRONE
kein Smartphone und keinen
Computer besitzen, denn digitale Medien machen dumm, faul
und süchtig. Das Thema wurde
im Netz diskutiert
und wir bekamen
zahlreiche Leserzuschriften, alle
fragen sich: Was
stimmt denn nun?
Wie viel Handy
ist zu viel? Wir
haben zu den
kontroversen Thesen aus Spitzers Buch „Cyberkrank“ Experten befragt.
Stimmt es, dass sich Kinder
durch die ständige Ablenkung schlechter
konzentrieren?
F O T O S : G E T T Y, YO U R P H O T O T O DAY I L L U S T R AT I O N : D O R L I N G K I N D E R S L E Y/G E T T Y
Mehr als 60 Prozent der Neunbis Zehnjährigen können sich
weniger als eine halbe Stunde
ohne Nutzung von digitalen
Medien beschäftigen, das zeigt
eine Studie der Drogenbeauftragten der Bundesregierung. Das ist
aber hauptsächlich ein Problem von bildungsfernen
Schichten. „Diese Kinder
nutzen das Tablet eher zur
Freizeitgestaltung. Und
Kinder aus bildungsnahen Schichten nutzen
es eher als Zusatzinstrument – um gezielt
Dinge im Internet zu
suchen, einen Comic
anzusehen oder
etwas zu lesen“, so
Silke Ladel.
Die Wischbewegung auf
dem Tablet fördert zwar
die Kinder-Intelligenz
nicht, aber macht
sie deshalb
automatisch
dumm?
Stimmt es, dass es Unsinn ist, Schulen und
Kindergärten mit iPads auszustatten?
„Es gibt Beweise, wie sinnvoll
Tablets im Kindergarten sein
können“, sagt Mathematikdidaktik-Professorin Silke
Ladel (38) von der Uni Saarland. Sie arbeitet mit ihrer
Forschungsfirma Klee daran,
wie digitale Medien in Kindergärten und Schulen
genutzt werden. „Gehen Sie
mit Kindern in den Wald.
Suchen Sie nach Tierspuren.
Fotografieren Sie sie mit dem
Tablet, nehmen Sie die Geräusche des Waldes auf, während
die Kinder ihnen lauschen. Zu
Hause kann man zusammen
die Fotos und Sprachaufnahmen analysieren.“ So ziehe
man die Vorteile aus beiden
Mitteln – der realen Welt und
der digitalen. Diese Idee kann
Stimmt es, dass
Cybersucht ähnliche
Auswirkungen hat
wie Alkoholsucht?
auch in der Schule funktionieren: „Im Mathe-Unterricht
sind Kinder auf dem Tablet
zum Beispiel viel kreativer.
Sie können geometrische Formen leichter verändern und
mit Farben arbeiten, Muster
und Strukturen lassen sich
hervorragend mit Apps erstellen und erklären“, sagt Silke
Ladel.
Internet- und Computersucht sind mittlerweile anerkannte
Süchte, die therapiert
werden. „Es gibt auch
schon Fälle von Facebook-Sucht“, erklärt
Stefan Klinga (47), Leiter des Stadtmedien
Zentrums Mannheim.
„Betroffen sind vor
allem Mädchen, weil sie
eher zum exzessiven
Chatten neigen als
Jungs. Diese Mädchen –
noch sind es Einzelfälle
– fangen zum Beispiel
an zu zittern, wenn sie
nicht bei Facebook
sind.“ Ähnliche Auswirkungen soll auch die
Smartphone-Sucht
haben, von der laut Studien 8 Prozent der deutschen Jugendlichen
betroffen sind. Aber:
„Mit Alkoholsucht ist es
trotzdem nicht zu vergleichen“, sagt DiplomPädagoge Klinga.
Nur begeistert oder schon
süchtig? Selbst für Experten
ist es manchmal schwer
zu definieren, wie viel
Smartphone zu
viel ist
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Stimmt es, dass das Smartphone
heute das ist, was vor 70 Jahren die
Zigarette war?
„Mama, jetzt hab ich
dein
Handy!“ Erwachsene
können
nicht immer Vorbild sei
n, weil
sie oft selbst nicht wis
sen, wie ein
guter Handy-Umgang
funktioniert
„Dieser Vergleich hinkt“, sagt
Professorin Silke Ladel. „Diese
Medien sind grundsätzlich
nichts Schlechtes, und sie
machen auch nicht jedes Kind
süchtig“, ist sie sich sicher.
Thomas Feibel, der Medienexperte klärt in Schulen
über einen guten Umgang
mit Smartphones auf,
ergänzt: „Die Zigarette hat
überhaupt keinen positiven
Nutzen, das Smartphone hingegen schon. Es verbindet uns
mit Menschen und beschafft
uns Informationen.“ Aber:
„Der Selbsthilfeverband Aktiv
gegen Mediensucht wirbt für
eine Jugendschutzregelung bei
Smartphones“, so Kinderarzt
Dr. Till Reckert aus Reutlingen. Was ebenfalls nur wenige
wissen: „WhatsApp hat zum
Beispiel eine Altersbeschränkung ab 16 in ihren Geschäftsbedingungen“, so Dr. Reckert.
Daran hält sich aber keiner, die
App verlangt auch keine
Alterskontrolle.
Stimmt es, dass man Kindern und
Jugendlichen gar kein Smartphone
geben sollte?
„Verbote helfen nicht weiter. Das ist als wenn Sie
Kindern Schokolade verbieten“, so Expertin Silke
Ladel. „Der Reiz ist umso
größer, und die Kinder
werden sie heimlich
essen. Es wird ihnen
schwerfallen, dabei ein
gutes Maß zu finden. Solche Verbote sind lebens-
fremd und nicht zeitgemäß.“ Thomas Feibel rät:
„Anstatt zu verbieten,
sollten Eltern versuchen,
Vorbilder zu sein. Das
Problem ist aber, dass sie
oft selbst nicht genau wissen, was eigentlich ein
guter Umgang mit dem
Handy ist.“ Silke Ladel
empfiehlt für den Anfang:
„Wir müssen mit den Kindern reden und klären,
was sinnvoll ist, mit dem
Smartphone zu tun und
was nicht. Wann man
beispielsweise eine Mail
schreibt, wann eine SMS
sinnvoll ist, wann man
besser anruft und wann
man sich persönlich
trifft.“
Stimmt es, dass ein Umdenken erst
stattfinden wird, wenn Unternehmen
merken, dass guter Nachwuchs fehlt?
Die These von Professor
Spitzer, dass Kinder durch
Smartphones verdummen und später auf dem
Arbeitsmarkt weniger Leistung bringen, muss nicht
stimmen. Professor Silke
Ladel: „Schulen, Unternehmen, Politiker und Eltern
müssen zusammenarbeiten,
um Kindern einen guten
Umgang zu vermitteln.“
Die 38-Jährige entwickelt
gerade mit Unternehmen
einen Handyführerschein
für Eltern, damit die ihre
Kompetenzen an Kinder
weitergeben können.
Stimmt es, dass die
Wischbewegung auf
dem Tablet dumm
macht?
„Die Wischbewegung ist
wie ein Knopfdruck – eine
sehr primitive Fingerbewegung, die die Feinmotorik
wenig fordert“, stimmt
Kinderarzt Till Reckert
dieser These zu. „Kinder
müssen Dinge begreifen,
dabei ihre Handmotorik
und ihr Wirklichkeitsver-
pringer-syndication.de/lizenzierung/ipe_lizenzierung_1746131.html
ständnis üben. Ein Kleinkind, das Fische im Aquarium wegwischen möchte,
hat ein Wirklichkeitsproblem.“ Allerdings gilt auch:
Die Dosis macht das Gift.
Es gibt viele Lernspiele, wo
Kinder aktiv mit dem Tablet arbeiten, ihr Gehirn trainieren und Neues erfahren.
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BILD am SONNTAG, 1. November 2015
Leben 31
Wer denken kann wie ein
Mann, bekommt mehr Gehalt
Und das sogar dann, wenn
Sie ein Mann sind . . .
Denn der Schlüssel zu einem höheren Gehalt liegt in
der Fähigkeit, „typische“
männliche Denkfähigkeiten
mitzubringen, erklärt Dr.
Nick Drydakis, Wissenschaftler an der Anglia Ruskin University, in der britischen „Daily Mail“.
Typisch für ein „männliches Gehirn“ sei analytisches
Denken, während das „weibliche Gehirn“ eher Gefühle
anderer erkenne.
Für seine Untersuchung
befragte Dr. Nick Drydakis
16 000 Frauen und Männer
in Großbritannien nach Beruf und Gehalt. Die Befrag-
ten sollten zudem einschätzen, ob sie eher „männlich“
oder „weiblich“ denken.
Sein Ergebnis: Männer
mit einem sogenannten
„männlichen Gehirn“ verdienen 9,8 Prozent mehr
als ihre Geschlechtsgenossen mit einem „weiblichen Gehirn“. Frauen
mit einem „männlichen
Gehirn“ verdienen 6,3
Prozent mehr als Frauen
mit einem „weiblichen
Gehirn“.
Männliches Denken gilt
besonders im Management,
in der IT-Branche, in Ingenieurberufen oder in der Finanzwelt als große Stärke
– alles Berufe, in denen tra-
ditionell höhere Löhne gezahlt werden. Dagegen werden Berufe, in denen „weibliches Denken“ gefragt ist,
wie zum Beispiel bei Krankenpflegern, Sozialarbeitern
oder Kindergärtnern bekanntermaßen schlechter
entlohnt.
Die Theorie von den zwei
Gehirn-Typen geht auf den
Psychologen Simon BaronCohen zurück: S-Typen
(männliches Gehirn) und
E-Typen (weibliches Gehirn). S-Typen verstehen
sich angeblich darauf, Informationen zu analysieren,
während E-Typen die Emotionen von anderen gut deuten können.
„Männliches“ oder „weibliches“ Gehirn – die Unterschiede
Sie haben ein „männliches“
Gehirn, wenn Sie:
Sie haben ein „weibliches“
Gehirn, wenn Sie:
1. schnell mit Fremden ins
Gespräch kommen.
1. gern To-do-Listen
schreiben.
2. spüren, dass Sie stören.
2. ehrlich auf Fragen antworten wie: „Sehe ich in
diesem Kleid zu dick aus?“
3. wenig Interesse an technischen
Details von Computern, etc. haben.
3. gern Sachbücher lesen.
4. sich bei Gemälden auf deren
Schönheit konzentrieren, nicht
auf die Maltechnik.
4. grammatikalische Fehler entdecken.
5. schnell Landkarten
lesen können.
5. wenig Interesse an historischen Ereignissen haben.
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