Schüpfheim: 7 Namen, 5Sitze

politszene
Entlebucher Anzeiger Dienstag, 12. April 2016 – Nr. 29
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Schüpfheim: 7 Namen, 5 Sitze
Gemeinderatswahlen 2016: Wechsel bei CVP und FDP, SVP will zweiten Sitz
Schüpfheim setzt ein neues
Führungsmodell um, und
das schlägt auf die Gemeinderatswahlen 2016 durch:
Nur noch die Gemeindepräsidentin
wird direkt ins Amt gewählt. Die anderen Ratsmitglieder werden künftig
kleinere Pensen haben und nur noch
strategisch tätig sein; dafür wird die
Verwaltung ausgebaut.
CVP in der Erneuerungsphase
Bereits im letzten Jahr hat die CVP, die
im Rat drei Sitze hält, einen Wechsel
vollzogen: Christine Bouvard Marty
hat Margrit Thalmann-Theiler als Gemeindepräsidentin abgelöst und tritt
4 Fragen
28 Antworten
Urs Bieri
49 Jahre
parteilos
neu
Beruf: Konstruktionsschlosser und
Unternehmer.
wiederum an. Für eine weitere Amtsdauer zur Verfügung steht auch Regula Heuberger Häfliger, die seit 14 Jahren Sozialvorsteherin ist. Nicht wieder
zur Wahl steht Gemeindeammann
Bruno Stalder, der Ende August nach
18 Jahren aus diesem Amt scheiden
wird. Für ihn soll der 50-jährige Meisterlandwirt und Agro-Treuhänder
Wendelin Emmenegger als Gemeinderat nachrücken.
Wechsel auch bei der FDP
Die FDP hat den Abgang von Tony
Weibel zu bewältigen; er tritt nach 16
Jahren als Gemeinderat nicht wieder
an. Als Nachfolger nominiert ist der
51-jährige Carrossier und Parteipräsident Reto Zemp.
SVP will zweiten Sitz
2012 kam die SVP erstmals mit Erwin
Dahinden in den Gemeinderat. Der
63-jährige Landwirt tritt wieder an –
und mit ihm ein zweiter Kandidat: Der
bald 30-jährige Network-EngineeringSpezialist Florian Furrer.
Als siebter, parteiloser Kandidat ist
der 49-jährige Konstruktionsschlosser
und Unternehmer Urs Bieri ins Rennen gestiegen.
Die Parteistärke gemäss Kantonsratswahlen 2015: CVP 45 Prozent, SVP
29 Prozent, FDP 18 Prozent. [kü.]
Schüpfheim ist in den letzten Jahren stark gewachsen. [Bild kü.]
Mit dem neuen Führungsmodell
wechseln viele Aufgaben vom Gemeinderat zur Verwaltung. Wird die Politik
dadurch weniger bürgernah?
Schüpfheim ist in den letzten zehn
Jahren stark gewachsen. Soll das so
weitergehen? Weshalb?
Schüpfheim wirbt mit dem Slogan
«mittendrin». Was kann der Gemeinderat tun, damit die anderen
Entlebucher Gemeinden diese Rolle
(noch) besser akzeptieren?
Nach der Neubesetzung des Gemeindepräsidiums im letzten Jahr werden nun
zwei weitere Sitze im Gemeinderat
Schüpfheim neu besetzt. Inwiefern ist das
eine Herausforderung oder eine Chance?
Nein, ich glaube nicht. Man muss
aber mit offenen Ohren durchs Dorf
gehen, dann hört man die Anliegen,
Sorgen und Anregungen der Bevölkerung. Diese müssen ernst genommen werden; der Gemeinderat und
die zuständige Verwaltungsabteilung
müssen sie diskutieren und nach Lösungen suchen.
Ob es so weitergeht, wird sich zeigen.
Grundsätzlich steht einem Wachstum
nichts im Weg. Man sollte aber darauf
achten, dass keine Wohnungen auf
Vorrat gebaut werden. Die vorhandenen Infrastrukturen dürfen nicht
überlastet werden (Schulen, Alterswohnungen etc.). Und wenn sich
neue Industrie und KMU ansiedeln,
werden gar noch Arbeitsplätze geschaffen…
Das wird nicht so einfach sein. Es ist
ein alter Zopf, das obere Amt, das untere Amt und Schüpfheim mittendrin. Die verschiedenen Gemeinden
müssen aufeinander zugehen und
sich gegenseitig unterstützen. Nur
miteinander können wir etwas für
unser Amt bewirken.
Das neue Führungsmodell, die neue
Zusammensetzung und die neue
Ausrichtung des gesamten Apparates
sowie die Verwaltung zu einem Team
zu formen, wird wohl einige Zeit in
Anspruch nehmen. Die verschiedenen Ansichten und Meinungen unter
einen Hut zu bringen und miteinander eine gute oder richtige Lösung zu
finden, wird nicht einfach sein. Für
mich als Quereinsteiger würde das sicher zu einer interessanten und spannenden Herausforderung.
Mit dem Legislaturbeginn arbeiten
der Gemeinderat und die Verwaltung
im neuen Führungsmodell. Es wechseln vor allem administrativ-operative Aufgaben in die Gemeindeverwaltung. Dies birgt aus meiner Sicht für
die Mitbürgerinnen und Mitbürger
einen Gewinn. Für alle administrativen Abläufe steht ihnen die Gemeindeverwaltung unter der Leitung des
Geschäftsführers mit ihren vier Abteilungen Zentrale Dienste, Finanzverwaltung, Bau und Infrastruktur
sowie Bildung und Jugend an allen
Wochentagen zur Verfügung. Die
Gemeinderäte konzentrieren sich auf
die politischen und strategischen Inhalte der Geschäfte und engagieren
sich in regionalen und kantonalen
Gremien für die Bedürfnisse von
Schüpfheim. Die Nähe zur Bevölkerung und eine gute Vernetzung mit
der Verwaltung sind für den Erfolg
sehr zentral.
Unsere Gemeinde bietet mit der guten Anbindung an den ÖV und der
vielseitigen Infrastruktur eine gute
Alternative zum Leben in der Stadt
und Agglomeration. In Schüpfheim
ist die Durchmischung der Generationen sehr ausgewogen. Das bewirkt
eine lebendige und vielseitig aktive
Lebensgemeinschaft – eine Stärke,
die zu fördern ist. Die Wachstumsprognosen für die nächsten Jahre sind
nun weniger ausgeprägt. Wachstum
stellt auch Folgeaufgaben mit Anpassungen der Infrastruktur. Ideal ist,
wenn sich beide Entwicklungen ergänzen. In Zukunft ist Wachstum
auch so zu verstehen: Unser Dorfzentrum mit Geschäften lebendig erhalten, sicher und einladend für die Bevölkerung gestalten, zukunftsorientierte Wohnformen, die den Generationendialog fördern und unsere
Dienstleistungsstrukturen weiter entwickeln.
Die Bedeutung unseres Claims ist
weit mehr als Werbung. Unsere Gemeinde wird als Zentrum wahrgenommen, sowohl von Besucherinnen
und Besuchern wie von den Einheimischen. Mit «mittendrin» stehen
wir ein für unsere Lage im Tal und für
unsere Aufgaben in der Mitte des
Entlebuches. Die im Dorf angesiedelten Institutionen und Infrastrukturen
setzen diese Zeichen. Unsere Zentrumsaufgabe hat in meinen Augen
sehr viel zu tun mit Dienstleistung für
alle, mit Einstehen für die Werte aller
Entlebucher Gemeinden. Wenn es
uns gelingt, unser «mittendrin» so zu
leben, sollte guten Kooperationen mit
allen Entlebucher Gemeinden nichts
im Wege stehen.
Veränderungen haben immer etwas
von beidem in sich: Neue Leute bringen neue Sichtweisen, ihre Erfahrung
und eine frische Dynamik in das Gemeinderatsteam. Eine unternehmerische Gemeinde kann davon nur profitieren. Im besonderen Kontext des
Führungsmodellwechsels bedeuten
neue Kräfte den direkten, unbelasteten Einstieg in die neue Arbeitsweise.
Die Bewältigung der Umstellung
wird jedoch für alle einen Teil an Herausforderung mit sich bringen. Da
sind wir alle neu und die Chance liegt
darin, dass wir diese Zeit gemeinsam
anpacken können. Zu bedenken ist
allerdings, dass die scheidenden,
langjährigen Gemeinderäte auch viel
politisches Sachwissen mitnehmen.
Diese Herausforderung können wir
besonders gut mit profilierten Gemeinderäten meistern.
Im Gegenteil – Bürgernähe bleibt für
einen Gemeinderat weiterhin sehr
wichtig. Obwohl der Rat nicht mehr
die direkte Ansprechsperson für die
operativen Geschäfte ist, muss er weiterhin ein offenes Ohr für alle Bürger
haben, um richtig entscheiden zu
können. Er übernimmt strategische
Führungsaufgaben, wie die Erarbeitung von Leitbildern und Leistungsaufträgen oder von Entwicklungsstrategien der mittel- oder langfristigen Zielsetzungen. Er orientiert sich
auch über die Gemeindegrenzen hinaus, besucht Weiterbildungen oder
arbeitet in kantonalen Kommissionen mit. Somit kann er auch die Anliegen der Bürger in der Gemeinde
und im Kanton frühzeitig einfliessen
lassen und zur vollen Zufriedenheit
vertreten.
Für KMU-Betriebe müssen weiterhin
gute Rahmenbedingungen geschaffen werden. Weitere Ansiedelungen
von grosser Industrie ist ein Wunschdenken. Wir haben hier eine sehr gute Wohnqualität mit hervorragenden
Infrastrukturen, gute Bildungsmöglichkeiten mit Kantons- und Landwirtschaftsschule, Freizeitbeschäftigungen, Schwimmbad etc. und das in
einer ländlichen Umgebung. Dabei
ist der Anschluss an den öV ein wichtiger Bestandteil. Dies alles trägt dazu
bei, dass sich auch junge Familien
hier ansiedeln und zugleich junge
Bürger nicht abwandern. Schüpfheim
soll weiterhin ein Ort der Begegnung
aller Generationen bleiben und zugleich Platz für Wohnen, Arbeiten
und Gesellschaft bieten. Wachstum
soll nicht ein Ziel, sondern das Ergebnis guter Voraussetzungen sein. Nur
so ist gesundes Wachstum möglich.
Schüpfheim liegt «mittendrin» in der
Region Entlebuch. Schüpfheim hat
gute Infrastrukturen und ist nach wie
vor bestrebt für eine gute regionale
Zusammenarbeit. Nur zusammen
sind wir stark. Die Region hat gleiche
Interessen, sei es in der Wirtschaft, im
Tourismus usw. Als Gemeinderat bin
ich interessiert, gemeinsame Projekte
und Ziele der Region mitzutragen
und zu verwirklichen. Ich bin mir sicher, dass der Gemeinderat Schüpfheim von den anderen Entlebucher
Gemeinden akzeptiert wird und dieses Rollenbild «Schnee von gestern»
ist.
Eine neue Besetzung eines Gremius
ist immer eine Herausforderung, aber
auch vielfach ein Gewinn. Es kommen nicht nur neue Personen, sondern auch neue Meinungen, Ideen
und Betrachtungsweisen. Wichtig für
ein Kollegium ist, dass man einander
respektiert und andere Meinungen
anhört und so Kompromisse schmieden kann. Nur so entwickelt sich eine
Gemeinde zur Zufriedenheit aller
Bürger weiter. Dabei spielt die politische Verteilung der Parteien eine wesentliche Rolle, damit alle Bürger ihrer Gesinnung entsprechend vertreten sind.
Lebensform: Verheiratet, drei
Kinder im Alter von 10, 12 und 14
Jahren.
Bisherige und aktuelle politische
Ämter: Keine.
Interessenbindungen: Vorstand
Gewerbeverein Schüpfheim Flühli
Sörenberg.
Angestrebtes Amt: Gemeinderat.
Christine
Bouvard Marty
56 Jahre
CVP
Im Amt seit 2015
Beruf: Heilpädagogin.
Lebensform: Verheiratet.
Bisherige und aktuelle politische
Ämter: Gemeindepräsidentin.
Interessenbindungen: Präsidentin
Verband Musikschulen Schweiz;
Vizepräsidentin UBE; Vorstand
Jugend+Musik Schweiz; Vorstand
MusicalPlus.
Angestrebtes Amt: Gemeindepräsidentin.
Erwin Dahinden
63 Jahre
SVP
Im Amt seit 2012
Beruf: Landwirt.
Lebensform: Verheiratet.
Bisherige und aktuelle politische
Ämter: 1999 bis 2014 Kantonsrat
SVP; seit 2012 Gemeinderat;
Vizepräsident SVP-Ortspartei.
Interessenbindungen: Keine.
Angestrebtes Amt: Gemeinderat.
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Wendelin
Emmenegger
50 Jahre
CVP
neu
Beruf: Meisterlandwirt und
Agrotreuhänder.
Lebensform: Verheiratet, drei
Kinder.
Bisherige und aktuelle politische
Ämter: Vorstand CVP­Ortspartei.
Interessenbindungen: Vorstand
Luzerner Bäuerinnen­ und Bauern­
verband.
Angestrebtes Amt: Gemeinderat.
Florian Furrer
29 Jahre
SVP
neu
Beruf: Netzbauprojektleiter.
Lebensform: Verheiratet.
Bisherige und aktuelle politische
Ämter: Keine.
Interessenbindungen: Keine.
Angestrebtes Amt: Gemeinderat.
Regula Heuberger
54 Jahre
CVP
Im Amt seit 2002
Beruf: Sozialvorsteherin.
Lebensform: Verheiratet.
Bisherige und aktuelle politische
Ämter: Sozialvorsteherin.
Interessenbindungen: Präsidentin
Gemeindeverband regionales
Wohn­ und Pflegezentrum Schüpf­
heim; Stiftungsrätin Pro Senectute
Kanton Luzern.
Mit dem neuen Führungsmodell
wechseln viele Aufgaben vom Gemeinderat zur Verwaltung. Wird die Politik
dadurch weniger bürgernah?
Schüpfheim ist in den letzten zehn
Jahren stark gewachsen. Soll das so
weitergehen? Weshalb?
Schüpfheim wirbt mit dem Slogan
«mittendrin». Was kann der Gemeinderat tun, damit die anderen
Entlebucher Gemeinden diese Rolle
(noch) besser akzeptieren?
Nach der Neubesetzung des Gemeindepräsidiums im letzten Jahr werden nun
zwei weitere Sitze im Gemeinderat
Schüpfheim neu besetzt. Inwiefern ist das
eine Herausforderung oder eine Chance?
Die Aufgaben und die Verantwortung
der Verwaltung werden mit dem neu­
en Modell gestärkt. Wie in vielen Fir­
men der Privatwirtschaft wird Opera­
tives, welches in diesem Fall die Ge­
meindeverwaltung übernimmt, vom
Strategischen, in diesem Fall Aufgabe
des Gemeinderats, strikt getrennt.
Dadurch kann sich der Gemeinderat
auf sein Aufgabenfeld beschränken.
Schüpfheim hat sich in einem demo­
kratischen Prozess für dieses Modell
entschieden, dieses gilt es nun umzu­
setzen. Ansprechperson für die Bür­
ger wird in vielen Fällen jemand aus
der Verwaltung und nicht mehr ein
Gemeinderatsmitglied sein. Es
braucht vermutlich eine gewisse An­
gewöhnungszeit, bis sich die ganze
Bevölkerung mit der neuen Aufga­
benteilung anfreundet und den direk­
ten Kontakt zur Verwaltung sucht.
Es ist kaum anzunehmen, dass das
Wachstum in dermassem forschem
Tempo weitergeht wie in den vergan­
genen Jahren. Das Investitionsvolu­
men wird sich nach der Nachfrage
richten. Diese schwächt sich be­
stimmt etwas ab, wie der aktuelle
Leerwohnungsbestand bereits zeigt.
Die Investitionen in Wohnungen und
Häuser sind privaten Investoren
überlassen. Massvolles Einzonen von
Bauland sowie Förderung der Bautä­
tigkeit im Dorfkern sind strategische
Ziele des Gemeinderats. Die Öffent­
lichkeit muss zudem für eine gute In­
frastruktur (Kinderbetreuung, Schu­
len, Wohnen im Alter usw.) sorgen,
damit Schüpfheim auch in Zukunft
für Familien, ältere Personen und Fir­
men attraktiv bleibt. Dies sind Dauer­
aufgaben, welche in gesundem Masse
verfolgt werden müssen.
Schüpfheim hat sich mit seinem Leit­
bild das Ziel gesetzt, ein attraktiver
Standort im Zentrum des Entlebuchs
zu sein. Dank dem guten Anschluss
an den öV sowie dem Standort von
Kantonsschule, HPZ, BBZN usw.
wird diese Zentrumsfunktion ver­
stärkt. Diese Zentrumsrolle ist von
den anderen Gemeinden vielleicht
nicht immer zweifellos zu verstehen.
Von einem starken Zentrum profitie­
ren letztlich aber alle Gemeinden im
Amt. Neid und Missgunst sollten im
21. Jahrhundert keine Beweggründe
mehr sein. Wir vermarkten uns auch
gegen aussen als Region. Der Touris­
mus und die Biosphäre leben dies vor.
Persönlich bin ich der Meinung, dass
sich auch die politische Zusammen­
arbeit noch verstärken wird. Dies darf
aber nicht mit Druck von aussen pas­
sieren.
Einerseits geht mit diesen Rücktritten
viel Wissen und Erfahrung verloren.
Andererseits hat sich dieser Wechsel
abgezeichnet und bietet Chancen,
neue Ansichten, Meinungen und Vi­
sionen einzubringen. Es ist kaum re­
alistisch, in Schüpfheim das Rad neu
zu erfinden. Auf den erfolgreichen
Massnahmen, welche umgesetzt wur­
den, kann aufgebaut werden. Vieles
wurde in den letzten Jahren richtig
gemacht. Letztlich muss in einem Ge­
meinwesen immer das Wünschbare
mit dem Machbaren abgewogen wer­
den. Dabei spielen die Finanzen eine
zentrale Rolle. Ich kann mir gut vor­
stellen, in diesem Bereich mein Fach­
wissen einzubringen.
Die Aufgaben des Gemeinderats lie­
gen nun mehr auf der strategischen
Ebene, dadurch ist er nicht mehr di­
rekte Ansprechperson für das opera­
tive Geschäft. Trotzdem muss er eine
intensive Bürgernähe pflegen. Die
Wichtigkeit der Bürgernähe sehe ich
persönlich darin, dass jemand für die
Bürgeranliegen einstehen muss, wenn
diese bei der Gemeinde oder beim
Kanton auf Zustimmung stossen sol­
len. Der Gemeinderat hat die Aufga­
be, die Bürger in der Gemeinde und
im Kanton zu vertreten. Zudem ist es
in meinen Augen sinnvoll, dass ein
interessierter Gemeinderat mit Freu­
de auch auf privater Basis unter die
Bürger geht und so die Anliegen der
Bürger ohne grossen Aufwand wahr­
nehmen kann. Denn für die Zufrie­
denheit der Bürger ist es enorm wich­
tig, dass sie sich verstanden und ge­
hört fühlen.
Ein Wachstum ist für eine aufstreben­
de Wirtschaft gesund. Dieses Wachs­
tum muss aber mit dem Gemein­
schaftsleben vereinbar sein. Es kann
nicht die Lösung sein, dass wir ein ex­
trem hohes Wachstum haben und zu­
gleich der Zusammenhalt in der Ge­
meinde abnimmt. Dies kann passie­
ren, wenn sich viele Bürger in Schüpf­
heim ansiedeln, die die Strategie und
die Kultur Schüpfheims nicht leben.
Diese Gemeinde ist unter anderem
stark geworden, weil die Bürger einen
guten Zusammenhalt haben und alle
bereit sind, in jeder Hinsicht das Bes­
te zu geben. Ausserdem muss die In­
frastruktur der Gemeinde mit dem
Wachstum mithalten können. Jedoch
ist es gutes Gefühl, dass unsere Ge­
meinde wächst, wenn man sonst
hört, dass die jungen Leute aus dem
Entlebuch abwandern.
Wir müssen unsere Rolle «mitten­
drin» wahrnehmen und diese best­
möglich umsetzen. Das heisst, wir
müssen uns auch an schwierige Pro­
jekte wagen, um so mehr Respekt von
den anderen zu bekommen. Wichtig
ist auch der gemeinsame Auftritt.
Denn viele Projekte gehen über die
Gemeindegrenzen hinaus und for­
dern von uns einen starken Dialog
untereinander, um unsere Anliegen
dem Kanton und anderen Behörden
anzubringen. Wir müssen den ande­
ren Gemeinden zeigen, dass wir inte­
ressiert sind, gemeinsam Ziele zu er­
reichen. Gerade in Anbetracht dessen,
dass das Entlebuch im Verhältnis zum
Kanton wenig Stimmen hat und so
nicht immer die Anliegen bei Abstim­
mungen und Wahlen durchbringen
kann, ist es wichtig, dass wir den Zu­
sammenhalt der Region fördern. So
werden wir auch mehr Akzeptanz von
den anderen Gemeinden erfahren.
Die Herausforderung liegt darin, dass
es bei dem Wechsel nicht zu einem
Know­how­Verlust kommt. Denn die
Bisherigen haben damit sehr viel Gu­
tes geleistet und die Gemeinde weit
gebracht. Wenn wir es schaffen, das
Wissen von den wieder gewählten
Bisherigen mit dem Wissen und dem
Engagement der neuen Gemeinderä­
ten zu mischen, ist dies eine grosse
Chance und wird zu einer sehr guten
Lösung führen. Das wird aber auch
eine der grösseren Herausforderun­
gen werden. Um diese zu meistern,
wird von allen eine intensive, koope­
rative, ehrliche und klare Arbeit ge­
fordert. Eine weitere Chance sehe ich
darin, dass mit neuen Personen ande­
re Meinungen in den Gemeinderat
einfliessen und Probleme anders an­
gegangen werden. So können neue,
andere Lösungsansätze entstehen
und die Gemeinde weiterbringen.
Eine neue professionellere Aufgaben­
verteilung ist mit der Grösse der Ge­
meinde fällig geworden. Führungs­
verantwortlich und gleichzeitig aus­
führend zu sein, ist nicht ideal. Mit
der neuen Aufgabenzuteilung wird
die Trennung der Führungsebenen
konsequent weitergeführt. Beim regi­
onalen Steueramt oder beim regiona­
len Bauamt ist dies schon seit Länge­
rem so. Bereits heute arbeitet der Ge­
meinderat in Ressorts, so dass nicht
alle Mitglieder jedes Geschäft im De­
tail kennen. Auch in Zukunft werden
die Gemeinderatsmitglieder im Dorf
sichtbar und ansprechbar sein. Sie
werden sich Zeit nehmen, die Ge­
meinde weiterzubringen und dafür
brauchen sie weiterhin die Bürgernä­
he.
Schüpfheim ist ein attraktiver Wohn­
und Arbeitsort. Mit den guten öV­
Verbindungen ist die Gemeinde auch
für Pendler interessant. Dank dem
umfangreichen Bildungsangebot, den
regionalen Dienstleistungsbetrieben
und dem breiten Gewerbe­ und De­
tailhandelsangebot haben Neuzuzie­
hende die Vorteile von Schüpfheim
schätzen gelernt. Es ist weiterhin
sinnvoll, unsere guten Dienstleistun­
gen und tollen Infrastrukturen zu
nutzen und weitere Menschen teilha­
ben zu lassen. Einer angemessenen
Weiterentwicklung stehe ich positiv
gegenüber. Gleichzeitig müssen wir
Sorge zum Kulturland tragen. Wachs­
tum kann auch mit verdichtetem
Bauen im Dorf erreicht werden, was
in der laufenden Zentrumsentwick­
lung einen hohen Stellenwert hat.
Der Gemeinderat Schüpfheim war in
den vergangenen Jahren stets be­
müht, seine Rolle als regionales Zent­
rum korrekt zu spielen. Ein selbstbe­
wusstes Auftreten, offene Türen zu
haben und gute Kontakte mit den an­
dern Entlebucher Gemeinden zu
pflegen, wird auch in Zukunft wichtig
sein. Schüpfheim soll weiterhin seine
Meinung offen kundtun und sich für
eine starke Region einsetzen. Ein star­
kes Zentrum mittendrin dient der
ganzen Region.
Eine etappenweise Neubesetzung der
Sitze ist eine Notwendigkeit. Der
Wechsel des Präsidiums in der Pla­
nungsphase zum neuen Führungs­
modell erwies sich als guter Zug. Dass
nun zwei weitere Sitze neu zu beset­
zen sind, gibt die Chance, neue Kräf­
te einzubinden, welche sich direkt im
veränderten Modell einbringen kön­
nen. Gleichzeitig ist mit den verblei­
benden Gemeinderatsmitgliedern ei­
ne gewisse Kontinuität gewährleistet,
was ich durchaus als Chance sehe.
Die Herausforderung wird für alle
Mitglieder sein, den konsequenten
Wechsel zur strategischen Führung
zu machen und der Verwaltung die
nötigen Kompetenzen zu übertragen.
Auch für die Bevölkerung wird dieser
Wechsel eine Herausforderung dar­
stellen.
Durch das neue Führungsmodell der
Gemeinde Schüpfheim erhalten die
Gemeinderäte die Möglichkeit, stra­
tegisch und vorausschauend zu arbei­
ten. Die operative Arbeit fällt gröss­
tenteils weg. Ich bin überzeugt, in Zu­
kunft hat ein Gemeinderat mehr Frei­
raum, sich der Anliegen der
Bevölkerung anzunehmen. Deshalb
glaube ich, kann die Bürgernähe mit
dem neuen Geschäftsmodell besser
gewahrt werden. Als Gemeinderat
werde ich mich bemühen, für alle
Bürgerinnen und Bürger ein offenes
Ohr zu haben.
Nur wer vorwärts schaut, kommt
weiter, wer stehenbleibt, macht einen
Schritt zurück. Ich bin überzeugt,
dass wir uns weiterentwickeln wer­
den und müssen. Im Bereich der Ar­
beitsplätze müssen wir in Schüpfheim
gute Voraussetzungen schaffen und
erhalten, damit sich neue Firmen in
unserer Gemeinde niederlassen und
sich die bestehenden Betriebe wohl
fühlen. Gute und neue Arbeitsplätze
heisst auch: Schüpfheim ist interes­
sant für Familien, junge Leute, die
bleiben oder wieder zurückkommen.
Das bedeutet auch, eine gute Finanz­
lage der Gemeinde ermöglicht nötige
Investitionen. Schüpfheim ist und
bleibt attraktiv für alle. In der Positi­
on des Präsidenten eines Branchen­
verbandes bin ich es gewohnt, vor­
auszudenken. Vorausschauen auch
im Hinblick, wie sich Schüpfheim in
Zukunft entwickeln kann.
In unserem Tal sind wir alle stolze
Entlebucher. Schüpfheim hat als Ent­
lebucher Hauptort eine Zentrums­
funktion. Das «mittendrin» verstehe
ich im geografischen Sinn. Unsere
Talschaft ist nur stark, wenn wir am
selben Strick ziehen. Jede Gemeinde
wahrt ihre eigene Kultur und ihr eige­
nes Brauchtum. Das gemeinsame Ge­
spräch und die Förderung der Res­
sourcen zur Erledigung der Aufgaben
müssen zwischen den Behörden im
Vordergrund stehen.
Jede Veränderung ist eine Chance für
neue Ideen und Visionen. Die Her­
ausforderung wird sein, mit Weitblick
und Taten in eine positive Zukunft zu
gehen. Die Umstellung auf das neue
Führungsmodell bringt für die Ver­
antwortlichen viel Arbeit. Diese Her­
ausforderungen gilt es, mit lebenser­
fahrenen und kompetenten Personen
anzugehen. Eine Aufgabe, die ich ge­
willt bin, zu übernehmen. Das gute
Netzwerk bei den Behörden wird mir
dabei helfen, diese Aufgaben und He­
rausforderungen umzusetzen.
Angestrebtes Amt: Gemeindrätin.
Reto Zemp
51 Jahre
FDP
neu
Beruf: Eidg. dipl. Carrossier.
Lebensform: Feste Beziehung; zwei
erwachsene Kinder.
Bisherige und aktuelle politische
Ämter: Präsident der FDP Schüpf­
heim; Vorstand FDP Wahlkreis
Entlebuch.
Interessenbindungen: Präsident
des Carrosserieverbandes Sektion
Zentralschweiz.
Angestrebtes Amt: Gemeinderat.
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