Rheinpfalz 12.04.2016 Flüchtlinge in NW Arbeit Kopie

DIE RHEINPFALZ
— NR. 85
Gute Chancen auf dem
Ausbildungsmarkt
Jugendliche haben zurzeit gute Chancen, einen Ausbildungsplatz zu finden. Das teilt die
Agentur für Arbeit in Landau mit. Zum Stichtag
Mitte März waren bei der Agentur noch 1361
unbesetzte Ausbildungsstellen gemeldet. 1456
junge Leute sind noch auf der Suche nach einem geeigneten Platz. Christine Groß-Herick,
die Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur, ist zuversichtlich, dass Bewerber
und Betriebe in den kommenden Monaten zueinander finden.
„Die Auswirkungen des demografischen
Wandels werden spürbar“, stellt Groß-Herick
fest. In der hiesigen Wirtschaftsregion hätten
rund 140.900 Beschäftigte einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz. „Davon ist
nahezu jeder Dritte älter als 50 Jahre und wird
in den nächsten zehn bis 15 Jahren aus dem
Erwerbsleben ausscheiden.“ Vor dem Hintergrund, dass die Anzahl der Schulabgänger und
der potenziellen Nachwuchskräfte sinke, werde deutlich, wie wichtig die duale Ausbildung
sei. Nach Auskunft der Arbeitsagentur gilt das
sowohl für die betriebliche Ausbildung als
auch für die dualen Studiengänge. Das Interesse am dualen Studium sei in den vergangenen Jahren sowohl auf Seiten der Betriebe als
auch der Abiturienten stark angestiegen. Arbeitgeber könnten so frühzeitig Fachpersonal
an sich binden. (kkr)
T A GE STHE MA
Lückenschluss im Radwegenetz
Zwischen Lambrecht und Frankeneck wird am
Rad- und Gehweg entlang der Bundesstraße
39 gebaut. Eine Fahrspur der B 39 muss dazu
gesperrt bleiben.
LOKALSEITE 4
B I T TE U M BLÄT TE RN
Kirchenbank hochkant gestellt
Stadt: Schüler der MSS 12 am Kurzfürst-Ruprecht-Gymnasium haben erst gemeckert und
dann nach Alternativen gesucht. Und zwar bei
der Aktion Heimat/Kirche/Pfalz. LOKALSEITE 2
Gefragte Beraterinnen
Haßloch: Im vergangenen Jahr haben 122
Frauen die Beratungsstelle für Alleinerziehende aufgesucht, 52 davon zum ersten Mal. Die
Zahlen sind seit Jahren stabil. LOKALSEITE 3
Relegation vorzeitig gesichert
Sport: Die Tischtennisspieler der TSG Haßloch
haben sich durch ein 9:6 in Herxheim den
zweiten Tabellenplatz gesichert und spielen in
der Relegation um den Aufstieg. LOKALSEITE 6
Liebeserklärung an die Pfalz
Kultur regional: Renommierte regionale Interpreten singen und spielen Werke des Deidesheimer Komponisten Nors S. Josephson in
der Alten Winzinger Kirche.
LOKALSEITE 7
A C H T UN G, RAD A R!
Die Polizei führt heute Nachmittag in Ruppertsberg Geschwindigkeitskontrollen durch.
S ER VI C E
Auf einen Blick
LOKALSEITE 2
SO ER RE IC HEN S IE UNS
MITTELHAARDTER RUNDSCHAU
Verlag und Geschäftsstelle
Telefon:
Fax:
E-Mail:
Kellereistr. 12 - 16
67433 Neustadt
06321 8903-0
06321 8903-20
[email protected]
Abonnement-Service
Telefon:
06321 3850146
Fax:
06321 3850188
E-Mail:
[email protected]
Privatanzeigen
Telefon:
Fax:
E-Mail:
06321 3850192
06321 3850193
[email protected]
Geschäftsanzeigen
Telefon:
Fax:
E-Mail:
06321 3850383
06321 3850384
[email protected]
Lokalredaktion
Telefon:
Fax:
E-Mail:
06321 8903-28
06321 8903-36
[email protected]
„Wir brauchen einfach Zeit“
GartenSzenario
FLÜCHTLINGE IN NEUSTADT (2): Der Weg in die Arbeitswelt ist für Flüchtlinge kein einfacher.
Die größte Hürde ist die Sprache. Ehrenamtliche Helfer brauchen einen langen Atem.
Aber es gibt auch Hoffnungsschimmer.
VON KATHRIN KELLER
Kidane Ande hat geschafft, was viele
in seiner Situation sich wünschen:
Der junge Asylbewerber aus Eritrea
hat einen Platz als Praktikant gefunden und kann im August eine Lehre
beginnen. Als Friseur im Salon
Braun. Ein bisschen Bammel hat er
davor, denn die Berufsschule, das
weiß er, wird schwer für ihn. Ande
hat zwar in etwas mehr als einem
Jahr recht gut Deutsch gelernt. Doch
ob es reicht, um dem Unterricht folgen zu können? Das ist eine Frage,
die dem 25-Jährigen Sorge bereitet.
Kidane Ande ist einer der Flüchtlinge mit dem Status „Duldung“.
Über seinen Antrag auf Asyl ist noch
nicht entschieden worden. Im Sommer hatte er seine Anhörung, doch
der Antrag sei noch nicht bearbeitet,
erzählt Waltraud Scholl, die den Eritreer ehrenamtlich betreut. Ein Einstieg in den Arbeitsmarkt ist dennoch möglich: über eine Einstiegsqualifizierung der Agentur für Arbeit, eine Art Langzeitpraktikum.
Andes Alltag ist also prall gefüllt:
Morgens ist er im Betrieb, nachmittags im Deutschunterricht. Wenn er
nach Hause kommt, in seine AchtMann-Wohngemeinschaft, ist Kochen angesagt. „Er ist sehr fleißig“,
lobt Scholl. Aber Ande räumt ein,
dass es nicht einfach für ihn ist. Die
fremde Sprache, das frühe Aufstehen, die ungewohnten, abgepackten
Lebensmittel. Das schlechte Wetter.
Und das Heimweh, vor allem nach
seiner jüngeren Schwester.
Kidane Ande lacht dennoch. Er
hat schon einiges hinter sich: Gefängnis in Eritrea, Gefängnis in Libyen und eine lebensgefährliche
Bootsfahrt übers Mittelmeer. Aber
vor ihm liegt, so hofft er, ein Leben
in Sicherheit. Und vielleicht eine Zukunft als Friseur.
Arbeiten und Geld verdienen
ist für viele Flüchtlinge ein
vorrangiges Ziel.
Arbeiten und Geld verdienen: Das
ist für viele Flüchtlinge ein vorrangiges Ziel. Manche sind verschuldet,
weil sie sich für die Flucht Geld leihen mussten, manche wollen ihre
Familien unterstützen. Doch der
Weg in die Arbeitswelt ist kein einfacher. Wolfgang Dolich ist einer der
ehrenamtlichen Helfer, die sich in
der Vermittlung engagieren. Die
Flüchtlinge können zu ihm in die
Sprechstunde kommen, er erarbeitet ein kurzes Profil und gleicht es
mit den Stellenangeboten ab, die er
über verschiedene Kanäle sammelt.
„Die berufliche Situation ist
schwierig“, sagt er. Er sei mit großem Enthusiasmus vor über einem
Jahr an die Aufgabe gegangen. Doch
mittlerweile sei Ernüchterung ein-
Konzentriert bei der Arbeit: Kidane Ande rasiert im Friseursalon Braun einen Kunden.
getreten. „Etwa 80 Prozent der
Flüchtlinge haben keine formale Bildung“, sagt er. Das größte Problem:
die Sprache. Zwar gehe es fast ausschließlich um Helferjobs, für die
keine besonderen Sprachkenntnisse
nötig sind. „Aber die Leute müssen
zumindest die Sicherheitsvorschriften verstehen können“, sagt Dolich.
Der engagierte Pensionär hat inzwischen gelernt, sich von Misserfolgen nicht entmutigen zu lassen.
„Wir brauchen einfach Zeit“, sagt er.
Flüchtlinge aus Ländern, in denen
schon lange bürgerkriegsähnliche
Zustände herrschen, haben häufig
nie eine Schule besucht. Sie kennen
das Alphabet nicht und haben nie
gelernt zu lernen. Vermittlungen in
Ausbildungsverhältnisse seien in
zahlreichen Fällen an den mangelhaften Sprachkenntnissen gescheitert, erzählt Dolich. „Da muss ja
auch die Fachsprache beherrscht
werden.“ Und Worte wie „Zündkerze“ oder „Bohrer“ lernt man nicht im
Volkshochschulkurs.
Kein Wunder also, dass Ande
Bammel vor der Berufsschule hat.
Obwohl er in Eritrea Abitur gemacht
hat. Das war, als er beim Militär war.
Bevor die Polizei ihn verdächtigte
als Fluchthelfer zu arbeiten. Als er
noch plante, sein Leben im kleinen,
landwirtschaftlichen Betrieb seines
Vaters zu verbringen. In einem Dorf
im Süden Eritreas, in dem es keinen
Strom gibt. Jetzt lebt er im Schöntal.
Waltraud Scholl und ihr Mann sind
eine Art Ersatzfamilie geworden. „Er
ist voll integriert bei uns“, sagt Waltraud Scholl.
80 Jahre alt ist die Helferin, und
Kidane Ande ist nicht ihr einziger
„Schützling“. Scholl kümmert sich
um die ganze eritreische Gruppe,
die jetzt gegenüber den Scholls lebt.
Und während die Afrikaner Deutsch
lernen, lernt die Seniorin Gesetze
und Verordnungen zur Flüchtlingsthematik. Sie geht mit „ihren“
Flüchtlingen zur Ausländerbehörde
und zum Arzt, sie führt Telefonate
und sucht nach Arbeitsmöglichkeiten. Einfacher sei es seit Beginn vergangenen Jahres nicht geworden.
„Es sind jetzt eben sehr viele Flüchtlinge hier“, sagt Scholl. Doch mit ihrer kleinen Eritreer-Gruppe war sie
FOTO: LINZMEIER-MEHN
schon ziemlich erfolgreich. Zwei
sind in die Altenpflege eingestiegen,
einer hat einen Ein-Euro-Job beim
Roten Kreuz. Und Kidane hat gute
Chancen, Friseur zu werden.
DIE SERIE
Das Thema Flüchtlinge in Neustadt umfasst viele Aspekte. Wie stellen sich Kitas
und Schulen auf? Was bedeutet Flüchtlings-TV? Wie läuft es bei den Deutschkursen, wie auf dem Arbeitsmarkt? Was
sind die Auswirkungen auf die Stadtverwaltung? Diese und andere Fragen werden in losen Serienfolgen aufgegriffen.
•• • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • ••
Zur Sache: „Viele offene Stellen“
Für Flüchtlinge mit dem Status
„Duldung“ ist bei der Arbeitssuche
die Agentur für Arbeit zuständig.
Wer als asylberechtigt anerkannt
ist, wechselt zum Jobcenter.
Bei „geduldeten“ Flüchtlingen
wird bei der Vermittlung überprüft,
ob es Bewerber gibt, die bevorzugt
zum Zug kommen. Etwa Deutsche
oder EU-Ausländer. Die Arbeitsagentur in Landau, zu der Neustadt
gehört, hat, um das Verfahren möglichst unbürokratisch zu gestalten,
die Branchen, die erfahrungsgemäß
auch für Deutsche oder EU-Ausländer attraktiv sind, schriftlich gelistet. Dazu gehören beispielsweise die
Bereiche Büro, Verkauf und Logistik.
Wenn ein Flüchtling in einem solchen Bereich einen Job antreten
will, wird überprüft, ob nicht ein bevorzugter Kandidat, also beispielsweise ein Deutscher, Interesse hat.
Bei Jobs aus anderen Bereichen er-
teilt die Arbeitsagentur sofort einen
positiven Bescheid. Insgesamt sei
die Arbeitsmarktlage gut, sagt
Agentursprecherin Anke Spittka.
„Wir haben viele offene Stellen.“
Wie viele Flüchtlinge genau arbeitssuchend sind, kann sie nicht
sagen, da die Flüchtlinge nicht gesondert aufgeführt werden. Allerdings lässt sich aus der Aufschlüsselung nach Nationalitäten ein Eindruck gewinnen. So waren im Februar in Neustadt 2353 Menschen arbeitslos gemeldet, darunter 353 mit
ausländischer
Nationalität.
88
stammen aus so genannten Asylzugangsländern, 55 davon aus nichteuropäischen. In diesen Zahlen sind
aber nur Menschen erfasst, die dem
Arbeitsmarkt in vollem Umfang zur
Verfügung stehen. Es fehlen also
Flüchtlinge, die Einstiegssprachkurse oder Integrationskurse absolvieren. (kkr)
Musikverein wird Hausbesitzer
Kauf des Gemeindezentrums in Lachen-Speyerdorf perfekt – Brandschutztreppe wird angebaut
Die Verträge sind ausgehandelt.
Der Notartermin steht. Der Musikverein Lachen-Speyerdorf wird das
Gemeindezentrum der evangelischen Gemeinschaft übernehmen.
Der Vereinsvorsitzende Norbert
Kercher und Musikschulleiterin Andrea Faath-Becker sprechen von einem Riesenschritt für den Verein
mit 180 Mitgliedern. „Wir bekommen keine Zuschüsse. Selbst das
Lärmgutachten hat uns 2000 Euro
gekostet“, so Kercher, der Kulturvereine im Vergleich zu Sportvereinen
benachteiligt sieht: „Dabei haben
wir fast 100 aktive Kinder und Jugendliche.“ Öffentliche Zuschüsse
gebe es nur, wenn der Verein alle
Sparten besetze. „Außerdem müssten wir einen professionellen Musikschulleiter einstellen. Beides ist
nicht umsetzbar“, erklärt Kercher.
1992 musste der Verein das alte
Schulhaus in Lachen räumen, weil
es zur Kindertagesstätte umgebaut
wurde. Der Ausweg war damals das
Mannschaftsheim der Edon-Kaserne. Seit 2013 war dann klar, dass die
neuen privaten Eigentümer das Gebäude abreißen (wir berichteten).
Bei Kerwen, wie hier in
Duttweiler mit Norbert Kercher an der Trompete, will
der Musikverein künftig öfter auftreten. ARCHIVFOTO: LM
„Zur Jahresmitte müssen wir raus“,
weiß Norbert Kercher.
Zum Kaufpreis, mit Nebenkosten
236.000 Euro, kalkuliert der Verein
Umbaukosten von 30.000 Euro. Unter anderem muss eine Brandschutztreppe angebaut werden.
„Wir brauchen jetzt Spenden und
Eigenleistungen von Mitgliedern“,
macht Kercher deutlich. Eigenkapital bringt der Verein nicht mit. „Un-
ser Unterricht ist kostendeckend.
Die Gebühren reichen, um die Honorare für die Ausbilder aufzubringen“, rechnet Faath-Becker vor.
Die Sicherheit für den Kredit wird
das Gebäude selbst sein. Um die Tilgung aufzubringen, muss der Verein
künftig
Einnahmemöglichkeiten
weiter ausschöpfen. „Der Ausschank an den Kerwen wird wichtiger, wir müssen aber auch mit Auftritten und den eigenen Konzerten
Geld verdienen“, so Kercher.
Künftig wird der Verein weniger
Abstellfläche zur Verfügung haben.
„Die Ausschank-Infrastruktur bekommen wir nicht unter. Ortsvorsteher Claus Schick hat mir versprochen, mich bei der Suche nach einem Unterstellplatz zu unterstützen“, so Kercher. Für den Schulbetrieb bietet das neue Gebäude bessere Voraussetzungen. „Wir müssen
keinen Raum mehr abtrennen, sondern haben nun mehrere Räume zur
Verfügung, zum Beispiel für die
Früherziehung“, erklärt Faath-Becker. Der Musikgarten für die Kinder
ab eineinhalb Jahren war wegen der
ungewissen Situation eingestellt
worden.
Auf die neuen Nachbarn in der
Wasserturmstraße will der Verein
offen zugehen. „Uns ist klar, dass wir
nun in ein Wohngebiet ziehen und
dabei Rücksicht nehmen müssen“,
so Kercher. Faath-Becker ist froh,
dass das Außengelände des neuen
Domizils klein ist, und meint lachend: „Für einen großen Garten
haben wird nämlich nicht auch noch
Zeit.“ (wkr)
E I NWU RF
Systemfehler
•• • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • ••
WOLFGANG KREILINGER
•• • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • ••
A KT U EL L NO TI ER T
DIENSTAG, 12. APRIL 2016
Natürlich muss es für die Förderung von Vereinen Regeln geben.
Dass aber ein rühriger Musikverein, der wichtige musikalische
Nachwuchsarbeit macht, durch
alle Fördersiebe fällt, ist ein Fehler im System. Diese Vereine sich
selbst zu überlassen, ist sozial
ungerecht. Auch Kinder aus einkommensschwachen Familien
sollen die Chance haben, ein Musikinstrument zu spielen.
Mit
ARD
RHEINPFALZ-C
oires
ss
ce
Ac
f
au
%
5
9264072_30_3
neu_hp13_lk-stadt.01