Göttinger Friedenspreis 2016 „Rockmusik für Demokratie und Toleranz“ und „boat people projekt“ Begründung der Jury Der Göttinger Friedenspreis 2016 der Stiftung Dr. Roland Röhl wird dem Projekt „Rockmusik für Demokratie und Toleranz“ und dem „boat people projekt“ des Freien Theaters Göttingen in gleicher Weise für deren herausragendes sozialengagiertes bzw. zivilcouragiertes Wirken für eine Kultur von Toleranz und Vielfalt, Menschenwürde und Menschenrechten verliehen. Unter dem Motto: „Mecklenburg bleibt bunt“ lockt das von Birgit und Horst Lohmeyer - sie Schriftstellerin, er Musiker - ehrenamtlich organisierte, nicht-kommerzielle Open Air Festival „Rockmusik für Demokratie und Toleranz“ seit 2007 jeden Sommer eine große Öffentlichkeit nach Jamel (bei Wismar). Was 2004 als kleines Sommerfest begann, entwickelte sich – beinahe zwangsläufig – zu einem ambitionierten kulturpolitischen Projekt gegen die schleichende Ausbreitung und regionale Festsetzung rechtsextremistischer Gesinnungen, die insbesondere in Jamel, das von Neonazis gezielt als „nationalsozialistisches Musterdorf“ besiedelt wurde, zu spüren sind. Bewundernswert sind der Mut und die Konsequenz, mit denen das Ehepaar Lohmeyer dem täglichen Druck ihrer rechtsextremistisch eingestellten Umgebung begegnet, sich auch von Bedrohungen und Brandstiftung nicht einschüchtern lässt, sondern durch standhaftes Verhalten den rechtsextremistischen Umtrieben in ihrem Dorf konsequent Paroli bietet. Durch ihre gelebte Zivilcourage setzen sie in vorbildhafter Weise sichtbare Zeichen gegen Intoleranz und Extremismus, Gewalt und Menschenverachtung. Das Göttinger Team vom „boat people projekt“ steht für eine engagierte, ebenso kritische wie sensible Theaterarbeit, die aktuelle und kontrovers diskutierte Themen von gesellschaftlicher Relevanz und Brisanz aufgreift. Seit 2009 leistet die Theatergruppe richtungsweisende Pionierarbeit und bringt in Kooperation mit Flüchtlingen selbstverfasste Stücke auf die Bühne schwerpunktmäßig zu den Themen Vertreibung und Verfolgung, Flucht, Migration und Integration. Wohl wissend, dass es sich um eine Gratwanderung handelt, bieten Nina und Reimer de la Chevallerie, Luise Rist, Franziska Aeschlimann, Sonja Elena Schroeder, Hans Kaul und ihr Team den Geflüchteten als Laienschauspieler eine Projektionsfläche zur Verarbeitung ihrer traumatischen Erlebnisse. Die einfühlsamen und kreativen Inszenierungen sensibilisieren das Publikum der ebenso spannenden wie authentischen Aufführungen für die prekäre Situation der Flüchtlinge, für ihre Nöte und Wünsche, ihre Zukunftsängste und Hoffnungen. In einer Zeit hochgradig emotionalisierter Debatten, populistischer Lösungsvorschläge („Grenzen dicht“) ist die intelligente Verknüpfung von Herz und Hirn ein bedeutsamer Beitrag zu einer Kultur gelungener Integration. Die Kulturarbeiter*innen der ausgezeichneten - auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Projekte haben eins gemeinsam: es sind die humanen Ziele und sozialen Prinzipien, die ihren Ansätzen, Haltungen und Aktionen zugrunde liegen. Beide Kulturteams mischen sich aktiv, kreativ und konstruktiv in die öffentliche Debatte über gravierende Herausforderungen unserer Gesellschaft - Flüchtlingsfrage und Rechtsextremismusproblem - ein und setzen damit sichtbare Pressekontakt Thomas Richter (Pressepsrecher Universität Göttingen) Telefon 0160 90162339 [email protected] www.goettinger-friedenspreis.de Göttinger Friedenspreis 2016 „Rockmusik für Demokratie und Toleranz“ und „boat people projekt“ Zeichen für Toleranz und Menschenwürde, gegen Ignoranz, Gewalt und Extremismus. Die Jury ist sich sicher, dass die diesjährige Wahl der Preisträger auch im Sinne von Dr. Roland Röhl diesem engagierten Journalisten und Publizisten als Stifter des Göttinger Friedenspreises getroffen worden ist, hat er sich doch immer wieder für die Werte und Prinzipien der Integrität und Humanität eingesetzt. Wir verstehen die Würdigung der beispielgebenden Kulturprojekte nicht nur als Anerkennung ihrer bisher geleisteten Arbeit, sondern zugleich als Ermutigung und Unterstützung, die beschrittenen, oft beschwerlichen Wege auch in Zukunft weiter zu gehen. Pressekontakt Thomas Richter (Pressepsrecher Universität Göttingen) Telefon 0160 90162339 [email protected] www.goettinger-friedenspreis.de
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