Technische Reaktionsführung

INW - Ingenieur- und NaturWissenschaften
Technische Reaktionsführung
wissenschaftliche
und technische Betreuung:
Prof. Dr. M. Seitz
Dipl.-Ing. (FH) S. Lebioda
Umsatzgrad
(USG)
EINLEITUNG
Die Hauptaufgabe des Reaktionstechnikers besteht darin, chemische Produktionen in geeigneten
Reaktoren mit optimierter Wertschöpfung auszulegen. Wichtige Parameter auf die Wertschöpfung sind Umsatzgrad X, Ausbeute Y, Selektivität S, und Raumzeitausbeute RZA, die wiederum
von einer geeigneten Reaktionsführung in unterschiedlich ausgeprägten Reaktoren abhängen.
Die Praktikumsversuche im Fach "Technische Reaktionsführung" können als eine kausal zusammenhängende Versuchseinheit betrachtet werden, die ihnen Einblicke in das Verhalten
chemischer Reaktoren und deren Vorhersagbarkeit geben sollen.
1. Zur Charakterisierung der eingesetzten Reaktion dient der Versuch "Kinetik" (KIN), mit dem
alle benötigten kinetischen Parameter in einem diskontinuierlichen Rührkesselreaktor ermittelt werden.
2. Das qualitative und quantitative Durchströmen der Edukte durch einen kontinuierlichen realen Reaktor ist maßgeblich von dessen Geometrie, konstruktiven Aufbaus sowie der Strömungsverhältnisse abhängig. Dieses Verhalten wird im Versuch "Verweilzeitverteilung"
(VWZ) statistisch untersucht.
3. Mit Hilfe dieser Untersuchungen ist es nun Möglich den Reaktionsumsatz im realen Reaktor,
orts- bzw. zeitgenau zu prognostizieren. Der experimentelle Nachweis wird im Versuch "Umsatzgrad" (USG) durchgeführt.
VERSUCHSZIEL
Durch Kombination der Versuche "KIN" und "VWZ" soll nun der Umsatzgrad der Verseifungsreaktion innerhalb der realen Anlage, unter den selben Prozessbedingungen (
) abge-
schätzt und experimentell bestimmt werden.
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THEORETISCHE GRUNDLAGEN
Damit der Umsatzgrad bei gegebener Kinetik und Verweilzeitverteilung vorhersehbar ist, kann
ein numerisches Vorgehen über eine sogenannte Zuordnungsmethode angewendet werden.
Bei der Zuordnungsmethode werden die VWZ-Summenkurven aus der realen Anlage und die
Umsatzgradkurve aus der Kinetik als Funktion der Zeit, spiegelbildlich aufgetragen. Durch eine
Zuordnung der experimentell ermittelten Werte ergibt sich eine Kurve
Das Integral über X gibt den erzielbaren Umsatzgrad an.
Abb.3: Zuordnungsmethode zur Bestimmung des Umsatzgrades realer Reaktoren
Beim numerischen Vorgehen wird das Integral
gebildet. In Excel kann mit
Hilfe von E(t) aus der Verweilzeitbestimmung, des Umsatzgrades X(t) und der kinetischen Parametern bei gegebenen Bedingungen, der mittlere Umsatzgrad für einen diskontinuierlichen
Rührkessel berechnet werden.
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INFORMATIONEN ZUR VERSUCHSDURCHFÜHRUNG
«
Analog zum Versuch "Kinetik" sind die gleichen Eingangskonzentrationen der Edukte einzustellen.
«
Die NaOH-Lsg. sollte zusätzlich intensiv mit einem Rührer homogenisiert werden
«
Achten Sie darauf, ausreichende Mengen Stammlösung herzustellen
«
Analog zum Versuch "Verweilzeitverteilung" ist der gleiche Gesamtvolumenstrom einzustellen
«
Die Leitfähigkeitsmesswerte sind erst nutzbar, wenn die Anlage stationär läuft
«
Durch Änderung des Volumenstroms (analog VWZ) wird ein neuer Anlagenpunkt eingestellt.
«
Nach Versuchsende die Anlage mit destilliertem Wasser spülen
AUSWERTUNG
«
Strömungsrohr:
bei idealen Verhalten,
mittels Zuordnungsmethode und
für alle Teilreaktoren und Gesamtanlage
«
RKK:
für 3 gleich große RK,
mittels Zuordnungsmethode und
für alle Teilreaktoren und Gesamtanlage
«
Berechnen Sie einen geeigneten kontinuierlich betriebenen Reaktor zur Herstellung von
100.000 t/a Natriumacetat (8.000 h/a) bei 32°C Reaktionstemperatur und 80% Umsatzgrad
«
Veranschlagen Sie einen möglichen Betriebsbereich (T, τ, c) des Reaktors, so dass Sie die
Unsicherheiten
(die
sich
aus
den
Unterschieden
gemes-
sen/berechnet/Zuordnungsmethode ergeben) abfangen können
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VORBEREITUNGS- UND VERSTÄNDNISFRAGEN
1. Wie ist der Umsatzgrad bzw. der Umsatz definiert?
2. Wie können Sie den Umsatz bei gegebenen Reaktorvolumen steigern? (mindestens drei mögliche Lösungen!).
3. Leiten Sie den theoretischen Umsatzgrad für eine Reaktion 1.Ordnung für ein Strömungsrohr
her?
4. Leiten Sie den theoretischen Umsatzgrad für eine Reaktion 1.Ordnung für einen kontinuierlichen Rührkessel her?
5. Erklären Sie die Zuordnungsmethode!
6. Unter welchen Bedingungen erwarten Sie den größten Unterschied zwischen einem Reaktor
mit realem und idealem Verhalten? Tragen Sie dazu die Konzentration über den Reaktionsort auf!
7. Wie berechnen Sie den Umsatzgrad?
8. Wie können Sie für einen gegebenen Reaktor den Umsatzgrad vorhersagen?
9. Wie legen Sie einen Reaktor aus?
BENÖTIGTE MATERIALIEN
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Schutzbrille
«
Schutzhandschuhe
«
Laborkittel
«
Taschenrechner/ggf. Laptop
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VERWENDETE STOFFE
Essigsäureethylester (Ethylacetat)
CAS Nr.
141-78-6
Flammpunkt
-4 °C
uEG
2,1 %
oEG
11,5 %
H-Sätze
H225/H319/H336/EUH066
P-Sätze
P210/P243/P305+P351+P338
Wassergefährdungsklasse
WGK 1
Molare Masse
88,11 g/mol
Dichte
0,9 g/cm³
Sonstiges
https://www.carlroth.com/downloads/sdb/de/4/SDB_4424_DE_DE.pdf
Natriumhydroxid (50 Gew%)
CAS Nr.
1310-73-2
MAK
2 mg/m³
H-Sätze
H290/H314
P-Sätze
P280/P305+P351+P338/
P301+P330+P331/P310/P406
Wassergefährdungsklasse
WGK 1
Molarität
19,05 mol/l
Dichte
1,524 g/cm³
Sonstiges
aus Reaktion mit Metallen kann Wasserstoff entstehen
https://www.carlroth.com/downloads/sdb/de/8/SDB_8655_DE_DE.pdf
-- PA_USG -- Seite 5/5