Laboruntersuchungen bei Beeinträchtigungen der Trinkwasserqualität

08.04.2015
Laboruntersuchungen bei
Beeinträchtigungen der
Trinkwasserqualität
Versorgungstechnisches Kolloquium Trinkwasserhygiene
Fachhochschule Erfurt, 01.04.2015
Dipl.-Chem. Andreas Raab, IWU Luisenthal
Dank an Dipl.-Biol. Thomas Andrusch / Dipl.-Chem. Alexander Thieme
Institut für Wasser- und Umweltanalytik Luisenthal
Motivation
Überwiegender Teil der
Beeinträchtigungen der Wasserqualität
findet im Bereich der
Trinkwasserinstallation
der Gebäude statt!
Große Vielfalt von
Beeinträchtigungsmöglichkeiten!
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Arten von Beeinträchtigungen
Organoleptische
Parameter
Mikrobiologische
Parameter
Chemische
Parameter
Färbung
Bakterielle Beanstandung
(spezifische Keime)
Trübung
Geruch
Geschmack
Ablagerungen /
Ausfällungen
Korrosionsprodukte
Migrationsprodukte
Bakterielle Beanstandung
(unspezifische Keime)
Reduktion von Nitrat/Sulfat
Pilzwachstum
Fremdwassereinfluss
Algenwachstum
sonstige Partikel
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Themen des Vortrages
• Besonderheiten der Probenahme
• Untersuchung von Geruchs- und Geschmacksbeeinträchtigungen (Spurenstoffanalytik)
• Phänomen Schleimbildung an Perlatoren
• Bewuchs auf gummiartigen Materialien
• Verschlammung von Warmwasserspeichern
• Korrosion und Kalkablagerungen
• Zusammenfassung der Ursachen
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Probenahme bei Beschwerden
- Planung und Vorbesprechung mit dem Probenehmer
- Mitführung eines „Feldblindwertes“
- Befragung des Beschwerdeführers vor Ort zu
- Art und Häufigkeit der aufgetretenen Beanstandung
- Nutzungsverhalten der Entnahmestelle
- eventuellen Baumaßnahmen im Gebäude oder im Bereich
Hausanschluss / Versorgungsleitung
- Sichtprüfung und Dokumentation der Entnahmestelle und
deren Umfeld (verbaute Materialien, Ablagerungen im
Perlator, …)
- Messung wichtiger Begleitparameter (Prüfung Geruch,
Geschmack, Färbung und Trübung; Messung Temperatur /
Einschätzung des Temperaturverlaufs; Messung freies Chlor
und gebundenes Chlor)
- Vergleichsprobe am Hausanschluss / im Versorgungsnetz
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Untersuchungsstrategie Geruchs- / Geschmacksbeschwerde
Grundcharakterisierung
Spurenstoffanalytik
BTEX- Aromaten
TOC
Organische Chlorverbindungen
Trübung
THM
pH-Wert
Vinylchlorid
Elektrische
Leitfähigkeit (25°C)
Di-tert-butylperoxid
Sonstige Parameter
Geruchsschwellenwert
Geschmacksschwellenwert
(quantitativ, nach Erwärmung)
2-tert-Butylphenol
4-tert-Butylphenol
2,4-Di-tert.-Butylphenol
TBA (tert.-Butanol)
TBF (tert.-Butylformiat)
MTBE
ETBE
Aceton
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Chromatogramm Headspace-GC-MS
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Chromatogramm GC-MS-MS Screening
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Chromatogramm GC-MS-MS Screening
Heizöl !
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Ergebnisse der
Spurenstoffuntersuchungen
folgende organische Verbindungen werden häufig nachgewiesen:
•
•
•
•
•
•
•
Toluol
Aceton
tert.-Butanol (TBA)
tert.-Butylmethylether (MTBE)
2,4-Di-tert.-butylphenol
2-tert.-Butylphenol, 4-tert.-Butylphenol
Di-tert.-butylperoxid
Wie sind diese Verbindungen entstanden?
Kommt es zur Bildung weiterer Verbindungen?
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Reaktionswege des Vernetzungsmittels
Di-tert.-butylperoxid (DTBP)1,2
CH3
H3C
O
H3C
CH3
O
H3C
CH3
190 °C
CH3
CH3
O
H3C
O
CH3
CH3
CH3
O
H3C
H3C
CH3
O
MTBE
CH3
H3C
CH3
O
HO
H3C
ETBE
CH3
CH3
H
CH3
CH3
CH3
TBA
H3C
H3C
O
O
TBF
CH3
H3C
H3C
CH3
Aceton
H3C
CH3
O
CH3
O
H3C
CH3
O
H3C
DTBP
CH3
CH3
n
Start einer
Polymerisationsreaktion
[1] Koch A.: Gaschromatographische Verfahren zum Nachweis der Freisetzung von Inhaltsstoffen
aus Polymermaterialien im Trinkwasserkontakt, Der Andere Verlag, Osnabrück, 2004
[2] Becker P.: Initiierungseffekt von linearen und zyklischen Dialkylperoxiden in der
Ethylenhochdruckpolymerisation, Dissertation, Georg August Universität Göttingen 2001, S. 65-69
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Schleimbildung an Perlatoren
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Verursachung durch Pilze !
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Verursachung durch Pilze !
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Ursachen der Schleimbildung
Voraussetzungen für Pilzentwicklung:
- Feuchtigkeit
- Verwertbare organische Substanzen
Rückstände von Reinigungsmitteln
Migration aus dem verwendeten
Installationsmaterial
- Anwesenheit von Sporen (aus der Luft)
- möglicherweise Förderung durch Nährstoffe (Phosphat)
aus dem Wasser
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Sekundärbewuchs in Schleimablagerungen
z.B. Geißeltierchen / Rädertierchen
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Nicht für Trinkwasser zugelassene
Schlauchleitungen
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Nicht für Trinkwasser zugelassene
Schlauchleitungen
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Nicht für Trinkwasser zugelassene
Schlauchleitungen
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Bewuchs auf einer Rückschlagklappe
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IWU-Prüfstände nach DVGW - W 270
Prüfstand für Dichtungen
Rohrprüfstand
am IWU-Standort Tambach-Dietharz
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Vergleich Kalt- und Warmwasser !
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Vergleich Kalt- und Warmwasser !
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Ablagerungen aus Warmwasserspeicher
Stiele des Eisenbakteriums Gallionella sp.
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Korrosion durch ungeeignete Werkstoffe
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Korrosion durch ungeeignete Wasserqualität
Edelstahl
Brunnenwasser, Chloridkonzentration ca. 400 mg/l
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Beeinträchtigung der mechanischen Eigenschaften
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Partikel aus einem Perlator
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Partikel aus einem Perlator
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Würmer aus dem Wasserhahn
22 cm langer ! Wurm aus dem Wasserhahn
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Würmer aus dem Wasserhahn ?
22 cm langer ! Wurm aus dem Wasserhahn
April April !!
 Ablösung einer Silikonverklebung !
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Häufige Ursachen der Beschwerden
• Fehleinschätzung der Herkunft von Gerüchen
• ungeeignete Materialien/Materialkombinationen
in der Trinkwasserinstallation
• geeignete Materialien, aber schlechte Chargen
• mangelhafte Sorgfalt bei der Installation
(Verschmutzungen / Rückstände)
• nicht bestimmungsgemäßer Betrieb
• mangelhafte Wartung und Instandhaltung
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Quelle: Thüringer Allgemeine, 30.7.2010
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Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit
Dipl.-Chem. Andreas Raab
Tel. 036257-43156
FAX 036257-43129
[email protected]
GWA Gesellschaft für Wasser und
Abwasserservice mbH
NL Institut für Wasser und Umweltanalytik
An der Ohratalsperre, 99885 Luisenthal
www.iwu-luisenthal.de
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