Agrarwirtschaftliches Profil Mosambik

23. April 2015
- Zahlen, Daten, Fakten Agrar- und allgemeinwirtschaftliches Profil Mosambiks
1. Allgemeine Kennwerte
Ländername:
Republik Mosambik (República de Moçambique)
Hauptstadt:
Maputo, ca. 1,23 Mio. Einwohner
Größe des Landes:
ca. 800.000 km²
Bevölkerung:
ca. 25 Mio. Einwohner,
Bevölkerungsdichte: ca. 31,24 Einwohner pro km²,
jährliches Bevölkerungswachstum: 2,45% (2014)
Währung:
Neuer Metical (MZN)
Landessprachen:
Offizielle Amtssprache: Portugiesisch, daneben
mehr als 22 afrikanische Sprachen wie z.B.
Makhuwa, Tsonga, Ndau, Lomwe, Sena, Tswa
Religion:
ca. 47% Angehörige von Naturreligionen; ca. 35%
Christen; ca. 18% Muslime (hauptsächlich Sunniten)
Nationalfeiertag:
25. Juni (Unabhängigkeitstag)
Staats-/Regierungsform:
Republik mit Präsidialsystem
Staatsoberhaupt und
Regierungschef:
Filipe Jacinto Nyusi (Amtsantritt am 15. Januar
2015 )
Premierminister:
Carlos Agostinho do Rosario
Minister für Landwirtschaft und
José Condungua Pacheco
Ernährungssicherheit:
Minister für Land, Umwelt und
Celso Ismael Correia
ländliche Entwicklung:
1
Geographie:
Mosambik liegt im Südosten Afrikas. Es grenzt im Norden an Tansania, im Westen an
Malawi, Sambia und Simbabwe sowie im Süden an Südafrika und Swasiland. Im Osten
Mosambiks liegt der Indische Ozean. Das Land lässt sich anhand seiner Höhengliederung
in vier geographische Zonen einteilen.
Die Tieflandzone an der 2.470 km langen Küste nimmt 44% der Landesfläche ein. Sie
bedeckt den größten Teil des Südens, wird jedoch Richtung Norden schmaler. Der Küste
sind teilweise Koralleninseln und -riffe vorgelagert. Während der südliche Küstenabschnitt
eine Ausgleichsküste mit Inseln, Lagunen und Dünenstreifen darstellt, kommen im Norden
auch Felsküsten vor.
Auf die Tieflandzone an der Küste folgen im Landesinneren niedrige Plateauflächen mit
einer Höhe von 200 bis 500 m. Diese sind besonders im Norden verbreitet und bestehen
größtenteils aus Granit und Gneis. Erkennungsmerkmal dieser Zone sind viele markante
Berge.
Darauf folgen die höheren Plateauflächen mit einer Höhe von 500 bis 1.000 m. Sie
machen 26% der Landesfläche aus.
Das Bergland, ebenfalls aus Granit und Gneis bestehend, liegt größtenteils am äußeren
Rand des Landes und erreicht Höhen von über 1.500 m.
Mit einer Höhe von 2.436 m ist der Monte Binga der höchste Berg Mosambiks. Er liegt in
der Provinz Manica an der Grenze zu Simbabwe und ist Teil einer ca. 350 km langen
Bergkette. Der zweithöchste Berg ist der Mount Namuli, gefolgt von Monte Currarre und
Serra Chiperone, welche alle über 2.000 m hoch sind und in der Provinz Zambezia liegen.
Die meisten Flüsse des Landes fließen vom Hochland Richtung Osten in die sogenannte
Straße von Mosambik. Der 2.660 km lange Sambesi ist zugleich der längste Fluss des
Landes. Er entspringt der Lundaschwelle in Sambia und mündet bei Chinde in einem
20.000 km² großen Delta in den Indischen Ozean. Der Rovuma ist der Grenzfluss zu
Tansania und mit 1.100 km Länge der zweitlängste Fluss Mosambiks. Der wirtschaftlich
sehr bedeutsame Fluss Maputo ist durchgängig schiffbar. Er ist 300 km lang und mündet
in der Nähe der gleichnamigen Hauptstadt in den Indischen Ozean.
2
Klima:
In Mosambik herrscht überwiegend tropisches bis subtropisches Klima. Die Regenzeit
dauert von Oktober bis März. Von April bis September herrscht Trockenzeit, v.a. im
Zentrum und im Süden des Landes. Mosambik lässt sich in drei Klimazonen unterteilen.
Das Klima der nördlichen Küstenzone wird in der Regenzeit vom Nordostmonsun
geprägt, welcher starke Niederschläge mit sich bringt. Die restliche Zeit des Jahres ist von
trockenen Südwestwinden geprägt. Die Temperaturen schwanken das ganze Jahr über
kaum. Im Sommer von Oktober bis Mai herrschen Tagestemperaturen von durchschnittlich
32 °C. In den Wintermonaten fallen diese nur geringfügig auf 29 °C.
In der südlichen Küstenzone ist die Regenzeit stärker ausgeprägt. Die Temperaturen
sind generell gemäßigter. Im Sommer herrschen Tagestemperaturen von etwa 30 °C, die
Winter sind mit 25 °C etwas kühler.
Die Inlandszone weist das heißeste Klima auf. Die Tagestemperaturen steigen hier im
Oktober auf bis zu 37 °C an und fallen im Juni/Juli auf etwa 28 °C ab.
Die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt 760 mm/Jahr, schwankt jedoch stark je
nach Region. Während im westlichen Hochland Niederschläge von bis zu 2.000 mm/Jahr
auftreten, bleiben die Regionen um den Wendekreis mit 400 mm/Jahr vergleichsweise
trocken.
Umwelt:
Der Unabhängigkeitskrieg von 1964 bis 1974 und der Bürgerkrieg von 1977 bis 1992 hinterließen in allen zehn Provinzen des Landes Bodenminen. Infolgedessen gehörte
Mosambik in den 1990er Jahren zu den am stärksten verminten Ländern der Welt. Dies
bedeutete ständige Gefahr und starke Einschränkungen im Alltag für die Menschen in den
betroffenen Gebieten und bremste zudem die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Offiziell fielen den Minen nach Kriegsende 2.400 Menschen zum Opfer, internationale Schätzungen sind um ein vielfaches höher. 1993 startete die United Nations Operations in Mozambique (UNMOZ) zusammen mit der Regierung und mithilfe internationaler Nichtregierungsorganisationen großflächige Minenräumungen. Im Rahmen des Ottawa-Abkommens
zum Bann von Landminen verpflichtete sich die Regierung, das Land bis März 2014 komplett von Minen zu befreien. Im Dezember 2014 war das Ziel noch nicht vollständig erreicht.
Der Bürgerkrieg hatte zudem schwerwiegende Folgen für die Tierwelt. So finanzierten sich
3
die Bürgerkriegsparteien u.a. mit dem Verkauf von Elfenbein und Nashorn-Hörnern. Als
Konsequenz ging der Elefantenbestand von 65.000 auf 15.000 Tiere zurück.
Seit dem Waffenstillstand im Jahr 1992 ist Umweltschutz in der Verfassung verankert. Allerdings fehlen oftmals Kapazitäten um neue Projekte auf Umweltverträglichkeit zu prüfen.
Dennoch gibt es positive Entwicklungen zu verzeichnen. Zusätzlich zur besseren Überwachung bestehender Schutzgebiete wurden auch neue Schutzgebiete ausgewiesen, wie
z.B. die Nationalparks Limpopo und Magoe. Zusammen mit Simbabwe und Südafrika unterzeichnete Mosambik 1999 außerdem eine Vereinbarung zur Entwicklung des grenzübergreifenden Nationalparks Great Limpopo Transfrontier Park. Er bildet mit dem südafrikanischen Krügerpark und dem simbabwischen Gonarezhu-Park einen einheitlichen Nationalpark indem die Tierbestände ungehindert über die Grenze wandern können. Im Jahr
2009 waren bereits 13% der gesamten Landfläche Mosambiks als Nationalparks, Naturoder Wildreservate ausgewiesen.
Mosambik trägt im internationalen Vergleich sehr wenig zum Klimawandel bei. Der jährliche Pro-Kopf-Ausstoß an Kohlendioxid betrug laut Weltbank 2010 nur 0,1 t (vgl. Deutschland: 9,1 t). Allerdings ist das Land unverhältnismäßig stark vom Klimawandel betroffen.
Dies hat zur Folge, dass die Niederschlagsmenge im Vergleich zum 20. Jahrhundert um
10% gesunken ist. Weitere Umweltprobleme sind Wüstenbildung, Bodenerosion, Entwaldung und Wasserverschmutzung, welche hauptsächlich auf die wenig nachhaltige Landund Forstwirtschaft sowie die gestiegene Abwanderung der Landbevölkerung in die Städte
bzw. an die Küsten zurückzuführen ist.
Das Land ist zudem anfällig für Naturkatastrophen. Vor allem die zentralen und südlichen
Provinzen Mosambiks werden regelmäßig von Dürren, Zyklonen und Überschwemmungen
heimgesucht.
Wirtschaft:
Mosambik zählt mit einem Bruttonationaleinkommen pro Kopf von etwa 645 US$ (2014)
gemäß Weltbank-Klassifizierung zur Gruppe der "Länder mit geringem Einkommen". Große Teile der Bevölkerung leben unterhalb der nationalen Armutsgrenze, außerdem ist die
Einkommensungleichheit sehr hoch. Zur Arbeitslosenrate gibt es keine verlässlichen Statistiken, sie wird jedoch als sehr hoch eingeschätzt. In den letzten zehn Jahren verzeichnet
Mosambik hohe Wachstumsraten von jährlich 7-8%. Das Wirtschaftswachstum basiert jedoch immer noch auf einer sehr schmalen Basis.
Der Landwirtschafts- und Fischereisektor ist mit Abstand der größte Wirtschaftssektor des
Landes. 2013 hatte er einen Anteil von 24% am Bruttoinlandsprodukt. Weitere wichtige
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Sektoren sind Transport und Kommunikation, Finanzdienstleistungen und Immobilien,
Handel, produzierendes Gewerbe, sowie öffentliche Verwaltung. Sie trugen 2013 jeweils
zwischen 12,9% und 9,3% zum BIP bei.
Seit Bekanntwerden bedeutender Erdgasfunde im Herbst 2011 hat sich die Sichtweise auf
Mosambiks Wirtschaftspotential drastisch geändert. Die Erdgasvorkommen werden mit
denen von Katar verglichen und könnten Mosambik zumindest theoretisch in den nächsten
zehn Jahren zum drittgrößten Erdgasexporteur weltweit machen. Bei gutem Timing und
kluger Verwendung könnten die Erdgasfunde für die mosambikanische Regierung den
Schlüssel zu einer nachhaltigen Armutsreduzierung darstellen. Vor 2020/2021 ist allerdings nicht mit signifikanten Einnahmen aus der Gasförderung zu rechnen.
Stärken der mosambikanischen Wirtschaft aus Sicht von potentiellen Investoren sind neben dem Rohstoffpotential und dem seit Jahren konstant hohen Wirtschaftswachstum die
gute Verbindung an den Seeverkehr durch mehrere Häfen sowie die gute Autobahnverbindung zwischen Maputo/Südmosambik und dem Industriezentrum Gauteng in Südafrika.
Zu den Schwächen zählen der Mangel an Fachkräften sowie die häufig hohen Kosten,
z.B. im Bereich Logistik. Die Infrastruktur ist veraltet, insbesondere beim Ausbau von Straßen besteht enormer Aufholbedarf. Aufgrund der geringen Kaufkraft ist Mosambik momentan noch ein kleiner Absatzmarkt. Zudem sind für langfristig erfolgreiche Geschäftsbeziehungen gute Portugiesisch-Kenntnisse unabdingbar.
Allgemeine ökonomische Kennwerte
2011
2012
2013
BIP (nominal, Mrd. US$)
13,2
15,0
15,6
BIP-Wachstum (jährlich, %)
7,4
7,1
7,4
2,1
4,2
Inflationsrate (Verbraucherpreisindex, %) 10,4
Quelle: World Bank, Banco de Moçambique; 2015
2. Agrarwirtschaftliche Daten
2.1) Überblick
Mit 49,95 Mio. ha werden etwa 62,5% der Gesamtfläche Mosambiks als landwirtschaftlich
nutzbar qualifiziert. Davon sind 36 Mio. ha fruchtbares Land und eignen sich somit für den
Ackerbau. Momentan wird dieses große Potenzial noch wenig genutzt, hauptsächlich aufgrund der veralteten und unzureichend ausgebauten Infrastruktur. So wird momentan nur
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auf knapp einem Sechstel dieser Fläche, 5,65 Mio. ha, Ackerbau betrieben. Mosambik besitzt außerdem 44 Mio. ha Weideflächen, die Viehwirtschaft spielt eine dementsprechend
große Rolle. Aufgrund des großen Fischreichtums ist die Fischerei traditionell ebenfalls ein
wichtiges Standbein.
Mit einem Beitrag von ca. 24% (3,74 Mrd. US$) zum BIP in 2013 ist die Landwirtschaft
(inkl. Fischerei) der größte und bedeutendste Wirtschaftssektor des Landes. Besondere
Bedeutung hat der Sektor für den mosambikanischen Arbeitsmarkt. Ein Großteil der
arbeitenden Bevölkerung ist in der Landwirtschaft tätig.
Fast alle der ca. 3,8 Mio. Farmen in Mosambik sind kleine, auf Subsistenz ausgerichtete
Betriebe mit ein bis zwei ha Fläche. Die Kleinbauern haben in der Regel keinerlei Zugang
zu Finanzierungen. Folglich mangelt es ihnen an finanziellen Mitteln für ausreichend
Saatgut, Düngemittel und Landmaschinen. Darüber hinaus werden lediglich gut 2% der
Ackerfläche bewässert, sodass die Bauern auf regelmäßige Regenfälle angewiesen sind.
Als Folge dieser Umstände ist die Produktivität der mosambikanischen Landwirtschaft
momentan noch sehr gering. Nur knapp 9% des Ackerlands werden von großen,
kommerziellen Landwirtschaftsbetrieben bewirtschaftet.
Die geringe Produktivität hat zur Folge, dass Mosambiks landwirtschaftliche Erzeugnisse
nicht ausreichen, um die binnenstaatliche Nachfrage nach Lebensmitteln zu decken. So
betrug der Anteil der Lebensmittelimporte an den Gesamtimporten im Jahr 2012 immer
noch 12,96%.
2.2) Agrarproduktion
Landwirtschaftliche Flächen
Gesamtfläche Mosambik
79,94 Mio. ha
Landwirtschaftliche
Nutzfläche
49,95 Mio. ha
(62,5% der Gesamtfläche)
Ackerfläche
5,65 Mio. ha
Dauerkulturen
0,30 Mio. ha
Viehwirtschaft
44,00 Mio. ha
Waldfläche
38,60 Mio. ha
Quelle: Food and Agriculture Organization of the United Nations, 2014
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Ackerbau/Dauerkulturen:
Landwirtschaftliche Produktion (in Tonnen)
2011
2012
2013
Maniok
10.093.619
10.051.364 10.000.000
Zuckerrohr
3.396.334
3.396.334
3.396.334
Mais
2.178.842
1.177.390
1.631.000
Süßkartoffeln
860.000
900.000
890.000
Reis
271.402
280.000
351.000
Bohnen
200.000
281.922
275.000
Kokosnüsse
266.029
270.000
260.000
Baumwolle
112.000
262.000
258.000
Hülsenfrüchte
229.084
235.000
235.000
Kartoffeln
189.944
205.000
200.000
Quelle: Food and Agriculture Organization of the United Nations, 2014
Viehwirtschaft:
Viehbestand (in 1000 Stück)
2011
2012
2013
Hühner
22.000
18.876
19.000
Gänse und
Perlhühner
15.000
15.000
15.000
Ziegen
4.000
4.334
4.350
Enten
1.800
1.703
1.750
Schweine
1.375
1.688
1.700
Rinder
1.400
1.689
1.690
Schafe
220
247
250
Kaninchen
und Hasen
120
161
170
Quelle: Food and Agriculture Organization of the United Nations, 2014
7
2.3) Landrecht
Nach dem Ende des Bürgerkriegs Anfang der 1990er-Jahre setzte die Regierung zwei
landwirtschaftspolitische Schwerpunkte: Erstens die Sicherung der Landrechte der Landbevölkerung. Zweitens der Aufbau einer investorenfreundlichen Infrastruktur, um mit Hilfe
ausländischer Investoren die landwirtschaftliche Entwicklung zu fördern, die Produktivität
zu steigern und somit neue Arbeitsplätze zu schaffen.
Um diese politischen Ziele zu vereinen, wurde 1995 eine nationale Landpolitik eingeführt.
In diesem Zuge wurde 1997 das neue Landrecht verabschiedet. Dessen Grundlage ist die
Bestimmung, dass das Land Eigentum des Staates ist und weder verkauft, noch gepfändet oder mit Hypotheken belastet werden kann. Das Landrecht beinhaltet jedoch das Nutzungsrecht DUAT: „Direito de Uso e Aproveitamento dos Terras“, zu Deutsch „Recht auf
Nutzung und Ertrag des Landes“. Das Nutzungsrecht DUAT wird vom Staat für eine Dauer
von maximal 50 Jahren vergeben. Dieses Nutzungsrecht kann auch verkauft oder anderswie übertragen werden, jedoch nur unter bestimmten Bedingungen.
Es bestehen drei verschiedene Möglichkeiten, das Nutzungsrecht DUAT zu erwerben.
 Im Sinne des Gewohnheitsrechts kann lokalen Gemeinschaften das DUAT erteilt werden.
 Das DUAT kann erworben werden, nachdem das Land mindestens 10 Jahre ohne
rechtlichen Einspruch bewirtschaftet wurde.
 Der Staat kann das DUAT mit einer Nutzungsdauer von bis zu 50 Jahren vergeben.
Diese Regelungen sollen sowohl der Landbevölkerung als auch Investoren
Planungssicherheit garantieren und die Autorität des Staates bei der Allokation von Land
bewahren.
Das Thema Land Grabbing, d.h. der Anbau von Agrarrohstoffen für den Export auf großen
Flächen wird auch in Mosambik immer wieder diskutiert.
2.4) Versorgungssicherheit
Obwohl der Landwirtschaftssektor einen Großteil der arbeitenden Bevölkerung beschäftigt
und 24% zum BIP beiträgt, kann er die gesamte inländische Nachfrage nach
Nahrungsmitteln nicht befriedigen. Dies liegt zum einen an der geringen Produktivität und
zum anderen an den immer wieder auftretenden Naturkatastrophen.
So waren z.B. im Zeitraum Dezember 2013 bis Mai 2014 150.000 Menschen akut von
8
Nahrungsmittelknappheit aufgrund von starken Überflutungen betroffen, hauptsächlich in
den Provinzen Inhambane, Sofala, Zambezia, Tete und Cabo Delgado. 27,9% der
Bevölkerung leiden außerdem an chronischer Unterernährung.
2.5) Fischereiwirtschaft
Mosambiks Fischereiwirtschaft verzeichnete im Jahr 2014 eine Produktion von 219.800 t.
Dabei werden drei verschiedene Arten der Fischerei eingesetzt. Küstennahe, auf
Subsistenz ausgerichtete Fischerei, kommerzielle Hochseefischerei und Aquakulturen. Mit
einer Produktion von 190.000 t. ist die küstennahe Fischerei die mit Abstand bedeutendste
Vorgehensweise. Kommerzielle Hochseefischerei trägt mit einer Produktion von 27.000 t
einen deutlich geringeren Teil bei während Aquakulturen mit einer Produktion von 1.800 t
bis jetzt kaum eine Rolle spielen. Bislang werden in Aquakulturen nur Süß- und
Salzwasserfische sowie Salzwassergarnelen produziert.
Generell sind Fische (v.a. Thunfisch) das mit Abstand wichtigste Fischereiprodukt, aber
auch Garnelen spielen eine wichtige Rolle. Etwa 13.000 t Fischereiprodukte wurden 2014
exportiert, das entspricht knapp 6% der Gesamtproduktion. Diese geringe Exportquote
spiegelt wieder, dass Fischerei in Mosambik größtenteils zum Eigenbedarf betrieben wird.
Allerdings nimmt der Export zu, im Vergleich zum Vorjahr stieg er 2014 um 13%.
Fischereiproduktion:
Fischereiwirtschaftliche Produktion (in Tonnen)
2012
2013
2014
189.830
190.784
195.370
Garnelen
9.830
9.627
9.945
Kopffüßer
2.150
2.345
2.380
Krabben
1.401
1.415
1.730
Langusten
417
565
590
Flusskrebse
130
210
215
Fische
Quelle: Eigene Berechnungen auf Grundlage des Plano Económico e Social 2014
der mosambikanischen Regierung
9
2.6) Forstwirtschaft:
Die Wälder Mosambiks beherbergen vor allem Laubbäume, insbesondere der Gattung der
Brachystegia (eine Unterfamilie der Johannisbrotgewächse), und Mangroven. Der Forstwirtschaftssektor wuchs im Jahr 2014 um 5,6% im Vergleich zum Vorjahr. Besonders die
Produktion von Bauholz verzeichnete einen starken Zuwachs von 100.000 m³ auf 150.000
m³. Weitere wichtige Forstprodukte sind Brennholz und Holzkohle. Zudem werden Nichtholzprodukte wie Gras, Bambus, Ried, Heilpflanzen und diverse essbare Pflanzen angebaut.
Seit 2010 benötigt man für die Abholzung einen Nutzungsvertrag, welcher auf eine Dauer
von maximal fünf Jahren befristet ist. Die gepachtete Fläche darf nicht größer als 10.000
ha sein und das jährliche Abholzungsmaximum beträgt 500 m³. Zudem muss ein Bewirtschaftungsplan vorgelegt werden sowie eine Abgabe für die Nutzung der Flächen bezahlt
werden.
3. Importe und Exporte
Mosambik gehört zu den außenwirtschaftlich stark verflochtenen Ländern. Die
Exportquote lag 2013 bei 30,2%, die Importquote bei 40,3%. Das Land weist ein
Leistungsbilanzdefizit auf, welches in den letzten Jahren stark gestiegen ist. 2013 betrug
es rund 5,9 Mrd. US$ bzw. 37,7% des BIP.
Die wichtigsten Exportgüter sind Nichteisenmetalle (26,5%), gefolgt von Gas, Rohstoffen
und Nahrungsmitteln. Die größten Abnehmer sind die EU, Südafrika und Indien. Diese
nehmen zusammen fast zwei Drittel der mosambikanischen Exporte ab. Der Exportanteil
von Gas wird in den kommenden Jahren vermutlich stark steigen, da die
mosambikanische Regierung plant, 2018 mit der Offshore-Gasförderung im
Rovumabecken vor der Küste Cabo Delgados zu beginnen. Vor 2020/2021 ist allerdings
nicht mit signifikanten Exporten aus der Gasförderung zu rechnen. Allein in zwei der
insgesamt sechs Blöcke wurden bis jetzt rund 190 Trillionen Kubikfuß Gas gefunden. Die
Erdgasfunde werden mit denen Katars verglichen. Damit hat Mosambik das Potenzial, zu
einem der größten Gaslieferanten der Welt aufzusteigen.
Importiert werden vor allem Erdöl (20,8%), außerdem Mess- und Regeltechnik,
Maschinen, Kfz und Kfz-Teile sowie Nahrungsmittel. Ein Drittel der Importe kommt aus
Südafrika, es ist mit Abstand das wichtigste Lieferland. Weiterhin werden Importe aus den
VAE, der VR China, Singapur und weiteren Ländern bezogen.
10
Gesamtwert der Importe und Exporte
2012
2013
Prozentuale
Veränderung
Importe (in Mrd. US$)
6,2
10,1
+62,9%
Exporte (in Mrd. US$)
3,5
4,0
+14,3%
Quelle: Neue Märkte – Neue Chancen, GTAI, 2014
Importe (2013)
Produkt
Exporte (2013)
Anteil am
Gesamtimport
Produkt
Anteil am
Gesamtexport
Landwirtschaftliche
Produkte
13,3%
Landwirtschaftliche
Produkte
19,1%
Brennstoffe und
Bergbauerzeugnisse
39,8%
Brennstoffe und
Bergbauerzeugnisse
60,3%
Fertigwaren
46,9%
Fertigwaren
14,1%
Quelle: Trade Profile Mozambique ,World Trade Organization, 2014
4. Chancen und Risiken für Exporteure aus Deutschland
Die bilateralen Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Mosambik sind mit einem
Handelsvolumen von ca. 242,4 Mio. EUR (2013) eher gering ausgeprägt. Deutschland
importierte 2013 Produkte aus Mosambik im Wert von ca. 150,8 Mio. EUR und exportierte
Produkte nach Mosambik in Höhe von ca. 91,6 Mio. EUR. Nichteisenmetalle sind mit
70,1% Anteil das mit Abstand wichtigste Importgut aus Mosambik. Deutschland exportiert
nach Mosambik hauptsächlich Maschinen (31,6%) und Nahrungsmittel (28,6%),
insbesondere Getreide, sowie Kfz und Kfz-Teile und chemische Erzeugnisse. Der Handel
zwischen Deutschland und Mosambik nimmt derzeit stark zu. 2013 stiegen die deutschen
Importe aus Mosambik um 20,7%, die deutschen Exporte nach Mosambik um 44,3% im
Vergleich zum Vorjahr.
Deutschland und Mosambik pflegen gute bilaterale Beziehungen. Diplomatische
Beziehungen bestehen seit 1976 und werden durch regelmäßige hochrangige Besuche
beider Seiten gepflegt. Deutschland beteiligte sich nach dem Ende des
mosambikanischen Bürgerkriegs ab 1992 am Wiederaufbau des Landes und zählt heute
zu dessen größten bilateralen Gebern.
11
Rang 127 von 189 im „Doing Business Report“ 2015 (Vergleich: Human Development
Index 178 von 187) zeigt, dass der Lebensstandard der mosambikanischen Bevölkerung
zwar äußerst gering, wirtschaftliches Potential hingegen durchaus gegeben ist. Außerdem
verzeichnet Mosambik in beiden Bereichen kontinuierliche Verbesserungen.
Mit seiner 2.470 Kilometer langen Küste und den bedeutenden Häfen Maputo, Beira und
Nacala kommt Mosambik als Mitglied der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika
(SADC) eine verkehrstechnisch wichtige Rolle in der Region zu. Allerdings sind nur 10%
des Straßennetzes asphaltiert. Neben der schlechten Infrastruktur leidet Mosambiks
landwirtschaftliches Potenzial auch unter unzureichenden Handelsnetzen und
Vermarktungsplattformen.
Eine für ausländische Investoren positive Entwicklung ist der fortschreitende
Bürokratieabbau. Die neue Integrated Platform / e-BAÚ Platform erleichtert und
beschleunigt die Ausgabe von Business-Lizenzen an Firmen im Industrie- Handels- und
Tourismussektor. Z.B. wurden für ein Industrieunternehmen bisher fünf erforderliche
Schritte durchlaufen, um nach 36 Tagen eine Lizenz zu erhalten. Nun bedarf es nur noch
zweier Schritte und zehn Tage Wartezeit.
Mit gut 25 Mio. Einwohnern bietet Mosambik einen interessanten Absatzmarkt mit
Potenzial. Allerdings ist Mosambik nach wie vor eines der ärmsten Länder der Welt. Fast
55% der Bevölkerung leben unter der absoluten Armutsgrenze (weniger als 0,50 US-$ pro
Tag). Einheimisches Unternehmertum und lokale Arbeitskraft sind unterqualifiziert und
unterentwickelt. Das Geschäftsklima wird von vielen Unternehmern – jenseits der
Megaprojekte – als entwicklungshemmend gesehen. Unzureichender Zugang zu
Finanzierungsmöglichkeiten, Korruption und wenig/schlecht ausgebaute Infrastruktur
werden als größte Hemmnisse genannt. Die Alphabetisierungsrate von nur 55% sowie die
HIV/AIDS-Rate von etwa 12% innerhalb der arbeitsfähigen Bevölkerung (15 – 49 Jahre)
stellen das Land vor große Herausforderungen mit Auswirkungen auf die weitere soziale
und wirtschaftliche Entwicklung.
5. Aktuelle Entwicklungen und Ausblick
Die letzten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen fanden im Oktober 2014 statt.
Präsident Nyusi ist mit 57% der Stimmen zum neuen Präsidenten gewählt worden.
Stärkste Partei in der 250 Sitze umfassenden Nationalversammlung blieb die FRELIMO
(144 Sitze), gefolgt von der RENAMO (89 Sitze) und der MDM (17 Sitze). Die Wahlen
wurden von nationalen und internationalen Wahlbeobachtern, darunter der EU,
aufmerksam verfolgt. Beide Oppositionsparteien zweifeln nach wie vor das Ergebnis der
Wahlen an, haben aber ihre Sitze im Parlament eingenommen.
12
Die aus der Befreiungsbewegung hervorgegangene frühere Einheitspartei FRELIMO stellt
nicht nur den Präsidenten und die Regierung, sondern dominiert auch das Parlament und
die innenpolitische Bühne insgesamt. Prominentes innenpolitisches Thema sind die
enormen Rohstofffunde, insbesondere in den Bereichen Erdgas und Kohle. Die Rohstoffe
haben eine intensive Diskussion in Regierung und Medien über die künftige
Entwicklungsstrategie Mosambiks ausgelöst.
Mosambik verfügt über ausreichend landwirtschaftlich nutzbares Land und Wasservorkommen um Lebensmittel für die nationale Versorgung als auch für den Export zu produzieren. Um dieses Potenzial nutzen zu können, muss jedoch die Produktivität deutlich gesteigert und die Infrastruktur ausgebaut werden. Diese Ziele werden mithilfe des „Nationalen Investitionsplans für den Agrarsektor“ („Plano Nacional de Investimento do Sector Agrário“/PNISA) verfolgt. Allein für den Zeitraum 2013 bis 2017 sind Investitionen i. H. v. 3,8
Mrd. US$ vorgesehen. Zur Finanzierung ist die Regierung auch auf private Investoren angewiesen. Besonders interessant für ausländische Investoren ist die Mechanisierungsstrategie als Teil des PNISA. In Zusammenarbeit mit Privatunternehmen sollen in landwirtschaftlichen Schwerpunktregionen Servicezentren errichtet werden. Diese sollen den umliegenden Farmen landwirtschaftliche Geräte gegen Entgelt zur Verfügung stellen. Die Geräte werden von den Servicezentren beschafft und gewartet, sodass auch Kleinbauern
ohne Mittel zum Kauf entsprechende Geräte nutzen können. Weitere Projekte werden im
Bereich der Bewässerung durchgeführt.
Das größte Projekt zur Industrialisierung der mosambikanischen Landwirtschaft heißt ProSavana und wird mit Unterstützung Brasiliens und Japans durchgeführt. Das Projekt umfasst 14 Mio. ha Landfläche, welche in sechs Zonen aufgeteilt werden soll. In diesem Zuge
sollen landwirtschaftliche Cluster zum Anbau bestimmter Produkte gebildet werden. Zudem ist der Aufbau von Wertschöpfungsketten geplant. Auch hier bieten sich vielfältige
Möglichkeiten für ausländische Investoren, beispielsweise ist die Vergabe großer Landflächen geplant.
Diese Landflächen befinden sich im Eigentum des Staates und können an Interessierte
zur Nutzung für eine Dauer von 50 Jahren verpachtet werden (mit Option der Verlängerung). Die Pachtvergabe erfolgt auf drei Ebenen:
 Bis 1.000 ha: durch die Provinzverwaltungen
 ab 1.000 ha bis 10.000 ha: durch das Landwirtschaftsministerium
 ab 10.000 ha: durch den Ministerrat
Des Weiteren wird die Entstehung einer lebensmittelverarbeitenden Industrie gefördert.
Bisher lohnt sich die Weiterverarbeitung von Lebensmitteln kaum, v.a. aufgrund der
schlechten Infrastruktur. Im Zuge der Modernisierungen könnte sich Mosambik hier jedoch
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ein neues Industriestandbein aufbauen, was wiederum Chancen für ausländische Investoren birgt.
Für interessierte ausländische Unternehmen ist die Messe Maputo International Fair (FACIM) eine ausgezeichnete Möglichkeit zur Vernetzung. 2014 lockte sie rund 65.000 Besucher an. Insgesamt waren 3.145 Unternehmen vertreten, davon 520 aus Mosambik. Ebenfalls interessant, besonders für landwirtschaftliche Investoren, ist das „Zentrum zur Förderung der Landwirtschaft“ („Centro de Promoção da Agricultura“/CEPAGRI). Es gehört zum
Geschäftsbereich des Landwirtschaftsministeriums und versteht sich als „Eintrittspforte“
und Dienstleister für landwirtschaftliche Investoren.
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6. Ansprechpartner
Botschaft der Bundesrepublik Deutschland Pretoria
Herr Erik Schneider
Referat Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
(zuständig für: Angola, Botsuana, Lesotho, Mosambik,
Namibia, Sambia, Simbabwe, Südafrika und Swasiland)
180 Blackwood Street, Arcadia, Pretoria 0083
P.O. Box 2023, Pretoria 0001, South Africa
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Botschaft der Bundesrepublik Deutschland Maputo
Frau Tanja Werheit
Ständige Vertreterin und Leiterin der Wirtschaftsabteilung
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Deutsche Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika
Herr Dr. Friedrich Kaufmann
Leiter des AHK-Büros Mosambik
Rua António Simbine 211, Sommerschield, Maputo, Mosambik
Telefon: +258 2149 3260
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