Titel, S.2-3 - Markkleeberg Online

Titel, S.2-3
26.03.2015
9:25 Uhr
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OBM
des Neubaus, der Platz für 224 Schüler bietet. Zwischen beiden
Gebäudekomplexen ensteht ein Übergangsbereich mit Aufzug. Der
garantiert den barrierefreien Zugang zu allen Räumen.
4,5 Millionen Euro kosten Sanierung und Neubau. 1,6 Millionen
davon steuert der Freistaat als Fördermittel bei. Und nicht ohne Stolz
konnte OBM Schütze verkünden, dass mit der Grundschule Großstädteln nach deren Fertigstellung die letzte Schule in Markkleeberg
modernisiert sei. Da dies in erheblichem Maße auch der Arbeit seines
Vorgängers Bernd Klose zu verdanken ist, ließ es sich der Alt-OBM
nicht nehmen, sich zur Grundsteinlegung unauffällig unters Publikum
zu mischen.
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Foto: Daniel Kreusch
Die Vorfreude auf den Erweiterungsbau stand allen ins Gesicht geschrieben – den Kindern wie auch (v.l.) Thomas Wales (Schulamtsleiter Markkleeberg), OBM Karsten Schütze, Schulleiterin Annett Zimmermann und Christiane Zichel (Sächsische Bildungsagentur). ➔
Liebe Markkleebergerinnen, liebe Markkleeberger
Vor gut einem Jahr starteten wir mit der Erarbeitung einer Konzeption für den öffentlichen
Personennahverkehr (ÖPNV) in Markkleeberg.
Unter Federführung des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV) konstituierte sich eine
Arbeitsgruppe mit dem Landkreis, der Stadt
Leipzig, dem Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) und den Verkehrsunternehmen Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB), Regionalbus Leipzig
(RBL) und der Deutschen Bahn.
Das gemeinsame Ziel war ganz einfach: Wie können wir die Qualität
des ÖPNV in Markkleeberg verbessern und somit mehr Fahrgäste in
Busse und Bahnen locken? Im Detail galt es zu untersuchen, welche
Möglichkeiten bestehen, die Erholungsgebiete an den Seen besser zu
erreichen, die Quartiere durch mehr Haltestellen und den direkten
Zugang zur neuen S-Bahn weiter zu erschließen. Im Fokus der Betrachtung stand dabei eine Stadtbuslinie, die die Ortsteile Ost und West, aber
auch unsere Seen von Auenhain bis Zöbigker miteinander verbindet.
Das methodische Vorgehen erforderte zunächst tiefgründige Analysen. So gab es im März 2014 in Markkleeberg die größte Bürgerbefragung in der Geschichte des MDV. An dieser Stelle sei nochmals für Ihr
Interesse und die über 1.000 Rückmeldungen ganz herzlich gedankt.
Parallel dazu liefen Fahrgastbefragungen und Zählungen. Erfasst wurden auch Strukturdaten, wie Einwohnerdichte in den Stadtteilen,
Standorte von Arztpraxen, Schulen, Gewerbe sowie Freizeiteinrichtungen. Mit den Ergebnissen der Untersuchungen konnten Defizite sichtbar gemacht und die Überprüfung der Varianten begonnen werden.
Dabei galt es natürlich auch, Finanzierungsmöglichkeiten in die
Betrachtungen einzubeziehen. Aufgabenträger für den ÖPNV ist der
Landkreis, was bedeutet, dass der Kreis die Kosten für Busse und
Straßenbahn zu tragen hat. Auch wenn der ÖPNV grundsätzlich nur mit
Subventionen aus öffentlichen Mitteln zu betreiben ist, darf die Frage
der Wirtschaftlichkeit nicht ignoriert werden. Das Angebot muss sich
am Bedarf orientieren, und am Ende zählt der Kilometerpreis zuzüglich
notwendiger Investitionen. Genau in diesem Zusammenhang stand
auch die Straßenbahnlinie 9 auf dem Prüfstand.
Jahrelang haben wir uns gegen Stilllegungspläne gewehrt, zuletzt
2011, als mit der Einführung des neuen S-Bahnnetzes die Linie 9 schon
2013 eingestellt werden sollte. Wir konnten damals erreichen, dass sie
mindestens bis 2015 weiter betrieben wird, weil erst dann der Einfluss
der neuen S-Bahn auf die Fahrgastzahlen der Linie 9 real zu erfassen
war. Diese Ergebnisse liegen nun vor und belegen, je nach Wochentag,
einen Fahrgastrückgang bei der Straßenbahn um 25 bis 32 Prozent.
Hinzu kommt ein Investitionsstau in zweistelliger Millionenhöhe, der
für den langfristigen Weiterbetrieb der Linie 9 abzuarbeiten wäre.
Die Bewertung dieser beiden Fakten stellt die Wirtschaftlichkeit des
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Straßenbahnbetriebes in Frage. Auch wenn wir als Stadt am Ende nicht
über die ÖPNV-Bestellung zu entscheiden haben, können wir die
Augen vor diesen Argumenten nicht verschließen. Insofern war es für
uns folgerichtig, einen adäquaten Ersatz durch Busverkehr zu fordern,
wenn die Straßenbahn wirtschaftlich nicht mehr vertretbar ist. Die Verbindung zum Connewitzer Kreuz darf nicht gänzlich abgekoppelt werden, gilt es doch, täglich ca. 2.500 Fahrgäste auf dieser Strecke zu
transportieren. Da der Buskilometer im Betrieb nur ein Drittel der
Kosten eines Straßenbahnkilometers erzeugt, sollte ein Ersatzbetrieb
durch Busse möglich sein.
In der Diskussion kann man die Vor- und Nachteile von Bus und
Straßenbahn zwar abwägen, es bleiben jedoch die Finanzierungsfrage
und das Ziel der Gewinnung von Fahrgästen im Gesamtkontext. Insofern muss man das ÖPNV-Konzept in Gänze betrachten, und da erzielen wir mit dem Stadtbus und der Erweiterung des Mitteldeutschen SBahnnetzes im Dezember 2015 in der Summe einen Fahrgastzuwachs
in Markkleeberg. Beide Aspekte, Stadtbus und S-Bahnnetzerweiterung, hätten übrigens einen weiteren Fahrgastrückgang im Bereich der
Linie 9 zur Folge, was die Argumentation zur Umstellung der Straßenbahn auf Busbetrieb verstärkt.
Leider mussten wir auf Grund unseres Wettbewerbes „Neue Stadtmitte“ die Betrachtung der Linie 9 vorziehen, ohne das Gesamtkonzept
präsentieren zu können. Für die Gestaltung des Bahnhofsumfeldes
und der Flächen gegenüber der Rathausgalerie brauchen wir Klarheit
über die Zukunft der Straßenbahn. Deshalb drängten wir auf eine Entscheidung. Die Aufgabenstellung für den städteplanerischen Ideenwettbewerb wird nun die Einordnung des Gleisbettes der Straßenbahn
nicht mehr vorsehen. Das vergrößert den Spielraum bei der Gestaltung des öffentlichen Raumes und des Platzes.
Zur Bürgerversammlung im März zum Wettbewerb „Neue Stadtmitte“ habe ich darüber bereits informiert. Auch das vollständige
ÖPNV-Konzept werden wir in einer Bürgerversammlung im Mai 2015
präsentieren und zur Diskussion stellen. Dabei bin ich mir im Klaren,
dass die Planungen nicht in jedem Fall auf Begeisterung stoßen werden. Insbesondere die Linienführung der Busse wird von den Anwohnern der jeweiligen Straße hinterfragt werden und im Einzelfall als individueller Nachteil bewertet werden. Andere wiederum werden auch
Vorteile sehen. In einer Stadt wird man diese Problematik nie zur
Zufriedenheit aller lösen können. Zumindest muss es am Ende das Ziel
im Interesse des Gemeinwohls sein, die Qualität des ÖPNV insgesamt
zu verbessern und mehr Fahrgäste zum ÖPNV zu bringen. Nur dadurch
kann eine Entlastung im motorisierten Individualverkehr erreicht
werden.
Nach derzeitigem Stand überwiegen im ÖPNV-Konzept aus meiner
Sicht die Vorteile für unsere Stadt. So wird es uns endlich gelingen, die
seit Jahren geforderte Ost-West-Verbindung umzusetzen, die
MARKKLEEBERGER STADTNACHRICHTEN
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4 / 2015