Ausgabe als PDF herunterladen - Evangelischer Pfarrverein in

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Mitteilungsblatt des Evangelischen Pfarrvereins in Baden e. V.
März/April 2015
AUS DEM INHALT:
■ Gemeinde & ihre Vorbilder
ß Johannes vor Christus – wie sich
badische Gemeinden nennen
ß Vorbilder
ß Paul Gerhardt und die Folgen
■ Aus dem Pfarrverein
■ Aus der Pfarrvertretung
■ Buchbesprechungen
Folgt meinem
Beispiel,
so wie ich dem
Beispiel folge,
das Christus uns
gegeben hat.
1. Korinther 11,1
(Neue Genfer Übersetzung)
15
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Mit Einlad
Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser!
Jeder Mensch hat Vorbilder. Jeder
Mensch braucht Vorbilder. An ihrer Biographie und besonders an den Situationen, in denen sie vor wichtigen, mitunter
schwierigen Entscheidungen standen,
kann ich viel lernen.
Am 9. April jährte sich der 70.Tagestag von
Dietrich Bonhoeffer. Bonhoeffer ist heute
ein Vorbild im Glauben, dessen Biographie in Gemeinde und Religionsunterricht
eine gewichtige Rolle spielt. Zumal, wenn
die Gemeinde oder die Schule seinen Namen trägt. Mit Dietrich Bonhoeffer als Vorbild in der Nachfolge Jesu unterwegs zu
sein, ist dann Verpflichtung und Chance
zugleich. Und Gelegenheit, sich durch ihn,
den Namensgeber, befragen, motivieren
und auf den Weg des Glaubens bringen
zu lassen.
In diesem Sinne widmen wir die neue
Doppelausgabe der Pfarrvereinsblätter allen, die uns Vorbild im Glauben geworden
sind und nach denen Gemeinden oder
Kirchen benannt wurden: Glaubensvorbilder aus Bibel und Tradition, angefangen
bei den Aposteln in der Frühzeit der Kirche
über das Mittelalter bis zur Neuzeit.
Nicht nur Kinder und Jugendliche, auch
Gemeinden brauchen Vorbilder, an denen
sie lernen und sich orientieren und mit deren Hilfe sie christliche Identität in der Welt
entwickeln können. Vielleicht haben wir
Sie angeregt, nach dem eigenen Namensgeber Ihrer Gemeinde neu zu fragen.
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Pfarrvereinsblatt 3-4/2015
So wünschen wir Ihnen eine interessante
Lektüre der Artikel zum Thema, der Rezensionen, der Informationen aus Pfarrverein und Pfarrvertretung wie auch des
Beitrags zur Diskussion, der sich auf die
letzte Seite der vergangenen Nummer bezieht und genau das widerspiegelt, was
die letzte Seite sein will: ein Hingucker
zum Schmunzeln – und auch mal zum
Aufregen und Ärgern.
Für das Tandem in der Schriftleitung
Ihre
Hinweis auf die
übernächste Ausgabe
Die übernächste Ausgabe 6/2015
widmet sich dem Thema
„Diakonie & Spiritualität“. Bitte senden
Sie Ihre Beiträge, am besten als
Word-Datei, bis spätestens zum
13. April 2015
an die Schriftleitung.
Die kommende Ausgabe 5/2015 zum
Thema „Kirchenmusik“ befindet sich
bereits in Vorbereitung.
Tag der Pfarrerinnen und Pfarrer in Konstanz: Grußwort der Dekanin
Herzliche Einladung zum 123. Tag der Pfarrerinnen und Pfarrer
in Baden-Württemberg 2015 in Konstanz
Und Konstanz liegt am Bodensee,
durchströmt vom jungen Rhein;
des Hegaus Berge winken
im gold’nen Sonnenschein!
Am Bodensee, am Strande,
da ruht sich’s prächtig aus,
er setzt dem Badnerlande
die schönste Krone auf.
Es lässt sich gut leben am Bodensee und
ganz besonders in Konstanz. Nicht nur
die Hegau Berge winken, wie es eine der
innoffiziellen Strophen des Badnerlieds
besingt. An sonnigen Föhntagen grüßen
auch der Säntis, die Kurfürsten und wie
sie alle heißen, die Berge der Schweizer
Alpen. Da ist einem dann eher nach ausruhen und genießen denn nach arbeiten.
Im Sommer weht mediterranes Flair durch
die Stadt. Das Lebenstempo der Menschen ist dem angepasst. Hier geht es
eher ruhig zu denn hektisch.
Mit seiner intakten Altstadt (da die Schweiz
direkt angrenzt, haben die Konstanzer
während des 2. Weltkriegs anstatt zu verdunkeln ihre Lichter hell leuchten lassen,
so dass die alliierten Flugzeuge sie für einen Teil der Schweiz gehalten und deshalb nicht bombardiert haben) zieht Konstanz jährlich viele Besucherinnen und
Besucher an. Wer am Samstag in die
Stadt geht – gemeint ist die Altstadt mit ih-
Dekanin Hiltrud Schneider-Cimbal
ren vielen attraktiven Gebäuden und Geschäften – kann meinen, er sei in der
Schweiz, da viele Schweizer zum Einkaufen nach Konstanz kommen, was sich seit
der Freigabe des Franken noch verstärkt
hat. Manche behaupten, Konstanz sei ein
Vorort von Zürich. Das wäre es auch fast
geworden, wenn im 15. Jh. die Landorte
der Eidgenossenschaft zugestimmt hätten, dass Konstanz in die Eidgenossenschaft aufgenommen wird, was sie nicht
taten, da sie ein Übergewicht der Städte
befürchteten.
Konstanz ist eine katholische Stadt, das
ist nicht nur an der „Fasnet“ spürbar. Vom
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„schmotzigen Dunstig“ bis die „Fasnet“
am Dienstag verbrannt wird, läuft in Konstanz nichts. Da wird gefeiert in allen Straßen und Lokalen der Innenstadt.
Mitten drin unübersehbar steht das Münster, in dem 1414–1418 das Konstanzer
Konzil tagte, um das Schisma von 1378 zu
beenden.
Auf Betreiben König Sigismunds wurde
1413 in Lodi ein Konzil nach Konstanz einberufen. Konstanz, an einer der damals
wichtigsten Handelsstraßen gelegen, erschien ihm dafür ein guter Platz auf neutralem Boden zu sein. So beherbergte
Konstanz für fünf Jahre zahlreiche Gäste
aus der damals bekannten Welt. Ulrich
Richental hat das Geschehen des Konzils in seiner bekannten Chronik festgehalten, so dass wir einen Eindruck davon
bekommen können, wie es während des
Konzils in Konstanz zuging. Es gab zu
wenig Betten, die Besucher mussten umschichtig schlafen – das können wir Ihnen
ersparen.
Zum 600jährigen Jubiläum des Konzils laden die Stadt, die Kirchen und die Universität zu vielen unterschiedlichen Gottesdiensten, Festakten, Begegnungen, Veranstaltungen, Symposien, Vorträgen und
Events ein. So wird es in diesem Jahr ein
Gedenkwochenende zum 600. Todestag
von Jan Hus geben, das mit einem Gottesdienst mit Landesbischof, Erzbischof,
Kardinal Vlk aus Tschechien und einem
Vertreter der Böhmischen Brüder endet.
Auch der Henhöfertag findet in diesem
Jahr (26.9.) in Konstanz statt.
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Pfarrvereinsblatt 3-4/2015
Im Konzilsgebäude, einem ehemaligen
Handels- und Lagerhaus, in dem auch wir
tagen werden, fand im November 1417
das Konklave statt, bei dem Martin der V.
als einziger Papst nördlich der Alpen gewählt wurde.
Zwei der größten Kränkungen der Stadt
hängen zum Teil mit uns Evangelischen
zusammen:
Schon ab 1518 verbreiteten sich die
Ideen der Reformation in Konstanz und
1528 war der evangelische Gottesdienst
allgemein eingeführt. Die Reformatoren
Konrad und Johannes Zwick, Ambrosius
und Thomas Blarer und deren Schwester Margarethe waren die wichtigsten
Vertreter der neuen Lehre. Von ihnen finden sich noch Lieder in unserem Gesangbuch. Als 1548 kaiserliche Truppen
vor den Toren der Stadt standen, ergab
sich die von der Pest geschwächte Bürgerschaft unter dem kaiserlichen Druck.
Die Blarer-Brüder sowie Konrad Zwick
flohen zusammen mit ihren Anhängern
in die Schweiz. Die Konstanzer verloren
ihre Rechte als freie Reichsstadt und gehörten von nun an zu Österreich. Bis
zum Toleranzedikt von Joseph II 1781
war es Evangelischen nicht erlaubt, in
der Stadt zu wohnen. 1785 bildete sich
eine Kolonie von hugenottischen Flüchtlingen aus Genf. Zu diesen gehörte Jacques Louis Macaire de L’Or. Neben der
ersten Bank richtete er eine IndienneManufaktur mit Indigo-Färberei ein. Damit legte er die Grundlage für den wichtigsten Konstanzer Industriezweig des
19. und 20. Jahrhunderts.
War der Verlust der Rechte als freie
Reichsstadt schon kränkend genug, kam
nun noch hinzu, dass der nach Meersburg
geflohene Bischof nicht daran dachte,
nach Konstanz zurück zu kehren. Als dann
1821 das seit 590 bestehende Bistum
Konstanz auf Freiburg und Rottenburg
aufgeteilt wurde, war die Kränkung riesig.
Dem nicht genug. Im Laufe der Jahrhunderte änderten sich die Verkehrswege
und Konstanz rückte immer mehr aus
dem Zentrum an den Rand. Die einst stolze freie Reichsstadt verlor zunehmend an
Bedeutung.
Das 1906 gegründete Technikum Konstanz entwickelte sich im Laufe der Jahre zur Hochschule für Technik, Wirtschaft
und Gestaltung. 1966 wurde die Universität gegründet. Anders als in Heidelberg
prägt die heutige Eliteuniversität die Stadt
kaum. Die Universität liegt im Wald auf
dem Gießberg außerhalb der Stadt und
die HTWG am Seerhein. Außer den vielen jungen Menschen, für die es immer zu
wenig Wohnraum gibt, was die Stadt
durch neu begonnene Bauvorhaben nun
beenden will, ist in Konstanz wenig von
der Universität zu spüren. Bemerkbar
macht sich das universitäre Umfeld besonders in den zahlreichen kulturellen
Angeboten der Theater, der Südwestdeutschen Philharmonie und den vielen
anderen Kulturveranstaltungen, die für eine Stadt in der Größe von Konstanz
(81 000 Einwohner) bemerkenswert sind.
Bemerkenswert ist auch, dass vor 101
Jahren hier der internationale Versöh-
nungsbund gegründet wurde. Am Vorabend des 1. Weltkriegs versuchten Christinnen und Christen aus ganz Europa hier
in Konstanz diesen Krieg noch zu verhindern. Kaum in Konstanz angekommen erreichte sie leider schon die Nachricht vom
Ausbruch des Krieges.
Vielleicht trafen sie sich in Konstanz, weil
es hier ganz leicht ist, ins Paradies zu
kommen. Die älteste evangelische Kirche
der Stadt, die Lutherkirche (1873), liegt in
diesem einst vor den Toren der Stadt gelegenen Gebiet, wo sich der Schindanger,
auf dem Jan Hus vor 600 Jahren verbrannt wurde, befand. Dort gab es einst
kleine Fischerhäuser am Seerhein, der
dieses Gebiet nach Nordosten begrenzt.
Seerhein deshalb, weil an der alten Brücke in Konstanz der Rhein aus dem Bodensee, in den er bei Rheineck hineingeflossen ist, austritt und wieder zum Fluss
wird. Nach einigen Kilometern weitet er
sich wieder zum Untersee, Zellersee und
Gnadensee und umschließt die Insel Reichenau mit ihrem alten kirchlichen Erbe
aus dem 8. bis 10. Jh. In Stein am Rhein
setzt er endgültig als Fluss seinen Weg
bis in die Nordsee fort.
Zu Konstanz gehört auch die Blumeninsel
Mainau der Grafen Bernadotte, die ein
Magnet für viele Besucher ist. Die Frage,
was wir als Evangelische Kirche den zahlreichen Gästen am Bodensee zu bieten
haben und wie wir das finanzieren, beschäftigt uns. Durch Projektmittel der Landeskirche konnten zusammen mit dem
Kirchenbezirk Überlingen-Stockach verschiedene Angebote für Touristen wie z. B.
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„Pilgern auf Badisch“ auf den Weg gebracht werden. Unsere Gottesdienste auf
dem Schiff locken Hunderte an und
manch einer bleibt enttäuscht zurück,
weil das Schiff voll ist.
Die evangelischen Kirchengemeinden in
Konstanz und im Hegau sind „junge“ Gemeinden. Viele sind erst nach dem 2.
Weltkrieg entstanden. Sie buchstabieren, was es heißt, ökumenisches Miteinander zu leben und eigene Identität zu
gestalten.
Im Sinne des Mottos, das sich der Kirchenbezirk bei der letzten Visitation gegeben hat: „Wir setzen die Segel hin auf
Gottes Mehr“, freuen wir uns, dass wir in
der Zeit des Konzilsjubiläums mit vielen
Menschen aus unterschiedlichen Ländern und mit unterschiedlichen Glaubenstraditionen über die Frage, was bedeutet es, heute zu glauben, ins Gespräch kommen. So sind wir auch gerne Gastgeber für diesen gemeinsamen
badisch-württembergischen Pfarrerinnen- und Pfarrertag, bei dem wir hoffentlich miteinander kleine Schritte hin
auf „Gottes Mehr“ tun werden.
Herzliche Grüße vom See
■ Hiltrud Schneider-Cimbal, Dekanin
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Einladung zur Mitgliederversammlung
des Evangelischen Pfarrvereins in Baden e. V.
beim Tag der Pfarrerinnen und Pfarrer in Baden und Württemberg
im Konzil Konstanz, Hafenstraße 2, Unterer Konzilsaal (EG)
Es ist nicht möglich, direkt am Konzil zu parken. Parkplätze finden Sie
bei Übernachtung in Ihrem Hotel oder im umliegenden Stadtgebiet.
Gegenüber des Konzils befindet sich das Parkhaus am Fischmarkt, weitere Parkmöglichkeiten sind ausgeschildert.
Sonntag, 11. Oktober 2015
Beginn: 17.00 Uhr
Tagesordnung
1.
Tätigkeitsbericht des Vorstandes
2.
Rechnungslegung 2014
3.
Entlastung des Vorstandes
4.
Bestellung eines Rechnungsprüfers
5.
Aus der Geschäftsstelle
6.
Aufnahme neuer Mitglieder nach § 4 Abs. 2 Satz 2 der Satzung
7.
Sonstiges
Die Mitglieder des Vorstandes tagen um 14.00 Uhr im Steigenberger Hotel
im Blauen Salon und die Mitglieder des Erweiterten Vorstandes tagen um
15.15 Uhr ebenfalls im Steigenberger Hotel im Roten Salon.
Karlsruhe, 16. März 2015
Matthias Schärr, Vorsitzender
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Tag der Pfarrerinnen und Pfarrer in Konstanz
Hinweise zu den Rahmenprogrammen am Tag der
Pfarrerinnen und Pfarrer in Baden und Württemberg
am Montag, 12. Oktober 2015
Nicht nur zum Pfarrertag, auch zu den Rahmenprogrammen ist eine Anmeldung erforderlich. Weitere TeilnehmerInnen am Pfarrertag melden sich bitte telefonisch in der
Geschäftsstelle an (Tel. 07 21 - 84 88 63).
Anmeldeschluss ist Ende Mai 2015.
Weitere Hinweise zum Pfarrertag finden
Sie im beigelegten Einladungsprospekt.
Änderungen vorbehalten.
Hinweise zu den Rahmenprogrammen:
Start für alle Programme ist nach dem
Mittagessen um 13.45 Uhr vor dem
Konstanzer Konzil. Ende der Rahmenprogramme um ca. 15.45 Uhr. Gottesdienstbeginn: 16.30 Uhr.
C: Führung „Von Wuostgräben
und anderen stillen Örtchen“
Ein Blick hinter die steinernen Fassaden
von Konstanz: Normalerweise nicht zugängliche Feuergassen und Hinterhöfe
präsentieren ein ganz anderes Bild der
einst mächtigen Bischofsmetropole – das
Mittelalter lebt im Verborgenen!
D: Führung „Das große sakrale Erbe“
Zahlreiche Kirchen und Klöster zeugen
von dem großen sakralen Erbe der einstigen Bischofsmetropole. Besucht werden
u. a. die ehemalige Abtei Petershausen,
das Münster, das Dominikanerinnenkloster Zoffingen sowie die untergegangene
Pilgerkirche St. Jodok.
A: Führung „Gegenwart der
Vergangenheit“
Klassischer Rundgang durch die historische Altstadt. Schwerpunkt auf traditionellen Sehenswürdigkeiten von Konzil
über Münster und St. Stephan bis hin zur
Niederburg und ihren Weinstuben.
E: Führung „Hus in Konstanz“
Drei Wochen lebte Reformator Jan Hus in
Konstanz in Freiheit, bevor er gefangen
gehalten und schließlich öffentlich verbrannt wurde. Rundgang durch seine Aufenthaltsorte in dieser Zeit, u. a. Dominikaner- und Franziskanerkloster, Münsterplatz und die heutige Hussenstraße.
B: Führung „Auf den Spuren
des Konzils“
Der Rundgang beleuchtet die Zeit des
Konstanzer Konzils zwischen 1414 und
1418 und zeigt dabei bekannte und weniger bekannte Zeugen und Schauplätze
dieser Epoche wie die Grabplatte des
Philosophen Chrysoloras oder Hussens
Weg zum Scheiterhaufen.
F: Führung „Wände erzählen
Geschichten“
Konstanz gilt als die am reichsten mit
Wandmalereien ausgestattete Stadt des
deutschen Sprachraumes. Besonders die
Fresken der Gotik verbreiteten sich im
13. Jahrhundert von Konstanz aus in die
damals bekannte Welt. Überblick über eine sehr sehenswerte Kunstform.
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G: Schifffahrt über den Bodensee
Alternativ zu den Führungen wird eine 2stündige Schifffahrt über den Bodensee
angeboten, bei der man die einzigartige
Landschaft bei kollegialem Austausch genießen kann. Dieses Programm ist auch
gut für gehbehinderte und ältere Teilnehmer geeignet.
Aufgrund der großen Teilnehmerzahl in
diesem Jahr konnten wir Rahmenprogramme nur bis zu einer Gesamtzahl von
500 Personen bereitstellen. Außer den
organisierten Rahmenprogrammen bietet Konstanz noch eine Fülle von weiteren Möglichkeiten. Beachten Sie aber,
dass am Montag die allermeisten Museen geschlossen sind. Gottesdienstbeginn ist um 16.30 Uhr im Münster, ca. 10
Gehminuten vom Konzil und den meisten
Hotels entfernt.
Witwen der Ordinationsjubilare: Herzliche Einladung
zum Tag der badischen
Pfarrerinnen und Pfarrer
Die Witwen der diesjährigen Ordinationsjubilare (Ordinationsjahrgänge
1955, 1965, 1975, 1990, 2005) sind
zur Ordinationsjubilarsfeier im Rahmen des Pfarrerinnen- und Pfarrertages am 11. und 12. Oktober 2015 in
Konstanz herzlich eingeladen.
Da bei den Witwen keine Aufzeichnungen über das Ordinationsjahr des
verstorbenen Ehemannes geführt
werden, sind wir auf Meldungen angewiesen. Die einzelnen Jubilarskurse, zum Beispiel die jeweiligen SprecherInnen, werden gebeten, die Witwen von verstorbenen Kurskollegen
auf den Pfarrerinnen- und Pfarrertag
anzusprechen.
Falls der Wunsch auf Teilnahme besteht, bitten wir in der Geschäftsstelle
um Nachricht bis Ende Mai.
Natürlich können sich die Witwen der
Ordinationsjubilare, die teilnehmen
möchten, auch direkt bei uns in der
Geschäftsstelle (Tel. 07 21 – 84 88 63)
melden. Die Einladung gilt für beide
Veranstaltungstage.
Die Namen unserer Ordinationsjubilare finden Sie in dieser Ausgabe der
Pfarrvereinsblätter.
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Thema
Johannes vor Christus
Wie sich badische Gemeinden nennen
In einer kleinen Untersuchung geht Pfr.
Dr. Jochen Kunath der Frage nach, welche Namensgeber sich in unserer Landeskirche Gemeinden gesucht haben.
Von rund 700 badischen Gemeinden haben fast 170 einen Namen.1 Davon haben
ca. die Hälfte wiederum einen biblischen
Namen und davon ziemlich genau wieder
die Hälfte den Namen eines der vier Evangelisten. In der absoluten Reihenfolge
liegt „Johannes“ vorne mit 18 Gemeinden,
die seinen Namen tragen, darauf folgen
„Christus“, „Paulus“ und „Luther“ mit je 12,
„Petrus“ mit 11 und dann „Markus“, „Lukas“ und „Frieden“ mit je 8 Nennungen.
Man kann grob die Namensgeber der Gemeinden unterscheiden in 1. biblisch motivierte Namen, 2. kirchengeschichtlich
bestimmte Namen und 3. Namen, die
eher einem theologischen Motiv folgen.
Als biblisch motivierte Namen sind an erster Stelle (wie gesagt) die vier Evangelisten zu nennen; sodann weitere Personen (im weitesten Sinne) aus der Bibel:
Immanuel, Michael, Petrus, Andreas, Thomas, Zachäus, Jakobus, Stephanus, Philippus und Christus. Besonders erwähnt
werden sollte der Name „Maria Magdalena“ für die evangelische Gemeinde im
Freiburger Stadtteil Rieselfeld; nicht nur,
weil deren Kirche eine ökumenische ist
und die katholische Gemeinde den gleichen Namen mit einem „St.“ davor trägt,
sondern es ist die einzige weibliche Per82
Pfarrvereinsblatt 3-4/2015
son aus der Bibel, die als Namensgeberin
herangezogen wurde; neben ihr trägt nur
noch eine Gemeinde einen „weiblichen
Namen“, es ist die Margaretengemeinde
in Steinen/Höllstein. Schließlich dienen
noch zwei Orte aus der Bibel als Namensgeber: „Emmaus“ (zweimal) und
„Gethsemane“.
Kirchengeschichtliche Namensgeber sind
in der zeitlichen Reihenfolge ihres Wirkens zunächst die beiden Märtyrerinnen:
die eben schon erwähnte Margarete und
Laurentius (Lorenz) aus dem 3. Jahrhundert, dann (in einem großen Sprung über
das Mittelalter hinweg) die Reformatoren
Luther (12 Mal), Melanchthon (5 Mal),
Calvin (in Mannheim) und Brenz (in Offenburg), ihnen folgen Paul Gerhardt (4
Mal) als Namensgeber, Matthias Claudius
(in Freiburg), Blumhardt (in Heidelberg),
Wichern (auch in Heidelberg) und schließlich Dietrich Bonhoeffer (5 Nennungen).
Nach geschichtlich eher regionalen Größen wurden die Ludwigsgemeinde in Freiburg und die Karl-Friedrich-Gemeinde in
Karlsruhe benannt.
Schließlich folgen Gemeinden, die eher
nach einem theologischen Motiv benannt
wurden (31 Gemeinden von 167 Gemeinden, also ca. 20 %). Hierbei ist die
Christologie (und hier das Werk Christi)
prägend mit insgesamt 14 Nennungen:
„Kreuz“ (4 Mal) und „Auferstehung“ (2
Mal), dazu „Epiphanias“, sodann „Erlöser“
(2 Mal), „Versöhnung“ (4 Mal) und „Gnade“ (1 Mal); stark biblisch motiviert ist hierbei der Gemeindename „Zum guten Hirten“ (in Karlsruhe). Er schlägt eine Brücke
von biblisch und theologisch motivierter
Namensgebung. Nimmt man die hier genannten christologischen Namensgebungen zu der expliziten von „Christus“ dazu,
so überholt „Christus“ „Johannes“ doch
deutlich mit jetzt insgesamt 26 Nennungen. Desweiteren kommt zweimal die Trinität vor und dreimal „Heilig Geist“; als
christliche Glaubenstugenden werden bei
Gemeindenamen einmal „Hoffnung“ (in
Karlsruhe) und achtmal „Frieden“ genannt, was bei den theologischen Motiven
das häufigste Vorkommen bedeutet. Zwei
Gemeinden haben ihre Namen von den
theologischen und geistlichen Bestrebungen nach Einheit: die Konkordiengemeinde und die Unionsgemeinde, beide in
Mannheim.
Im Blick auf das Ganze zeigt sich, wie bestimmend Personen für die Namensgebung von Gemeinden sind, und hier allem
voran die Bibel, speziell die Evangelisten,
sowie die Reformatoren. Es gibt aber
auch zahlreiche Namen (22 von 167) die
singulär für die Bezeichnung von Gemeinden sind, worin sich das spezielle
historische Herkommen, die Kreativität
und Individualität der Gemeinden zeigt.
Im Blick auf die Gemeinden selbst, deren
Homepage zum Beispiel, wird aber auch
deutlich, wie oft dort eine Selbstauskunft
über die Namensgebung und Namensgeber fehlt. Was nicht heißt, das man von
Namensgeber oder Namensgeberin nicht
auch inspiriert ist/sein kann. Marginal sind
Frauen und vergessen bestimmte Epochen der Kirchengeschichte; theologisch
hat man das „Bilderverbot“ auch bei der
Namensgebung beachtet, und Namen,
die das Glaubensleben beschreiben, haben nicht Eingang gefunden in den Kanon badischer Gemeindenamen. Spannend wäre, ob und wie die Vorbilder das
Leben und die Profile der Gemeinden geprägt haben und prägen.
■ Jochen Kunath, Freiburg
1
Diese kleine Recherche geht von den „Gemeindepfarrstellen der Badischen Landeskirche nach Kirchenbezirken“ im „Badischen Pfarrkalender 2015“
aus. Wohlwissend, dass dort auch unter dem Ortsnamen geführte Gemeinde durchaus eigene Namen besitzen können, sind nur die Gemeinden eingeflossen, die dort mit einen eigenem Namen geführt sind. Das sind im Wesentlichen Gemeinden,
die in badischen Klein- und Großstädten liegen, wo
eine differenzierte Namensgebung erst erforderlich
ist. Fusionierte Gemeinden bzw. Gemeindenamen
wurden getrennt betrachtet, in Freiburg wurden die
Namen der Predigtbezirke mitgewertet und Namen,
die sich auf einen Teil der jeweiligen Stadt bezogen
(Altstadtgemeinde, Nordgemeinde u. ä.) wurden
nicht berücksichtigt.
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Thema
Vorbilder
Brauchen Menschen und besonders
Heranwachsende Vorbilder? Prof. Dr.
Hartmut Rupp, ehemaliger Leiter des
Religionspädagogischen Instituts in
Karlsruhe, geht dieser Frage angesichts zunehmender Sorge um die
Wertvorstellungen junger Menschen
nach. In seinem Vortrag, den er im Februar 2010 auf dem Religionspädagogischen Tag in Konstanz hielt, denkt er
über den Wert von Vorbildern als Orientierungshilfen nach und fragt nach einer zeitgemäßen Vermittlung im Religionsunterricht.
Noch in den 90er Jahren meinte man in
der Pädagogik, die Zeit der Vorbilder sei
vorbei. Wenn jeder einmalig sein will,
dann braucht man kein Vorbild, ja man
muss Vorbilder sogar abweisen. Im Gefolge der Amokläufe stellte sich jedoch
der Eindruck ein, dass Heranwachsende
Vorbilder nachahmen und sich dabei offenbar von Computerspielen und Filmen
bestimmen lassen. Die Frage stellt sich,
ob schon allein das Betrachten solcher
Szenen prägt. Die Frage bricht auf, ob
man nicht andere, bessere Vorbilder ins
Spiel bringen muss. Diese Frage stellt
sich auch angesichts der Sorge über die
Wertvorstellungen Heranwachsender.
Sie brauchen positive Vorbilder wird
dann gesagt. Angesichts einer erkennbaren Entkirchlichung machen sich auch
die Kirchen Sorgen um die Akzeptanz
christlicher Lebensorientierungen. Sie
sind fremd und für manche schräg geworden. Naheliegend ist es dann, ver84
Pfarrvereinsblatt 3-4/2015
stärkt christliche Vorbilder anzubieten
und ihnen nachzuspüren.
Hinzu kommt, dass das Leben immer
komplizierter und unübersichtlicher wird.
Der Gedanke, dass ein Mensch seinen
Lebensweg ganz allein findet, ist verwegen. Offenbar brauchen Menschen um
„ihren“ Weg und ihren Lebensstil zu finden, Orientierungsmarken, die ihnen helfen, ihr eigenes Konzept zu entwickeln.
In diesem Zusammenhang stellt sich Aufgabe, neu über Vorbilder und das Vorbildlernen nachzudenken. Ich will dies in
sechs Schritten und mit sechs Fragen tun:
1. Was ist eigentlich ein Vorbild?
2. Wozu braucht es Vorbilder?
3. Was sind gute und schlechte Vorbilder?
4. Sind Märtyrer, Heilige und Glaubenshelden gute Vorbilder?
5. Ist Jesus ein Vorbild?
6. Wie geht das Vorbildlernen im Religionsunterricht?
Lassen Sie uns gemeinsam einen Weg
gehen.
1. Was ist eigentlich ein Vorbild?
Ich versuche eine Definition:
Ein Vorbild ist das Bild einer realen, aber
auch virtuellen Person, aus der Gegenwart oder der Vergangenheit, das von einem Individuum bewundert, verehrt oder
geliebt wird und dessen eigenes Leben,
Erleben, Urteilen, Verhalten und Handeln
nachhaltig beeinflusst. Diese Bewunderung kann der Person als Ganzer gelten,
aber auch in Teilen. So kann mir Luther
vor dem Reichstag in Worms imponieren
oder Franz von Assisi in seinem Verhältnis zu Tieren.
Manche unterscheiden vom Vorbild das
Ideal als Inbegriff des Vollkommenen, das
aber nicht mehr an eine reale Person gebunden ist; das Idol, das eine fast göttlich
verehrte, idealisierte Person bezeichnen
soll; den Star, der aus dem Alltäglichen
herausgehoben ist und angehimmelt wird,
den Helden, eine Person also, die in einem bestimmten Bereich herausragende
Fähigkeiten hat und besondere Leistungen vollbracht hat. Manche reden lieber
von Modellen statt von Vorbildern. Sie
wollen damit betonen, dass es nicht so
sehr darum geht, einem Vorbild ganz
nachzufolgen, sondern über das Leben eines Menschen nachzudenken, über Entscheidungen zu diskutieren und zu prüfen,
was daran sinnvoll und gut ist. Man kann
sich bei Modellen auch mit Teilaspekten
beschäftigen. Modelle repräsentieren Einstellungen und Verhalten, aber sie drängen nicht auf Nachvollzug.
Ich möchte im Moment bei dem Begriff
Vorbild bleiben. Auch deswegen, weil er
uns so vertraut ist. Helden, Stars, Idole,
aber auch die personalen Modelle sind für
mich alle Vorbilder, die sich jemand vor
sich hin stellt, um sich damit auseinander
zu setzen, um sich über sich selbst klar zu
werden, um daran irgendwie Anteil zu
nehmen oder sich daran zu orientieren.
Über die Art der Beziehung soll damit
noch nichts ausgesagt sein. Das kann Bewunderung sein, aber auch eine kritische
Auseinandersetzung.
Meist haben Menschen verschiedene und
ganz unterschiedliche Vorbilder. Im Sport
ist jemand anderes ein Vorbild, im Glauben jemand anderes.
Offenbar verändern sich im Laufe des Lebens die Vorbilder. Wie war das bei Ihnen? Als Junge beschäftigte ich mich mit
Winnetou und Old Shatterhand, mit Prinz
Eisenherz, in späteren Schuljahren mit
französischen Existenzialisten, im Beruf
hat mich ein Bischof unserer Kirche geprägt. An dieser Reihe merkt man auch,
dass verschiedene Zeiten ganz verschiedene Vorbilder haben. Prinz Eisenherz lesen heutige Jugendliche wohl nicht mehr.
Sie leben in PC-Spielen, wie z. B. WOW
(world of warcraft). Doch nicht nur das. In
einem persönlichen Leben verändern sich
mit fortschreitendem Lebensalter auch die
Vorbilder. Wie war das bei Ihnen? Sprechen Sie einmal darüber!
Das Entscheidende an einem Vorbild ist
der personale Bezug, die Bewunderung,
die Verehrung, die Liebe, die Neugierde.
Ganz allgemein die subjektive Bindung.
Ohne diese Bindung ist die Biografie eines Menschen eine nette Geschichte, aus
der wir vielleicht viel aus anderen Zeiten
lernen können. Es sind aber noch keine
Vorbilder. Ganz bestimmt hat diese Bindung mit dem zu tun, was heutzutage als
Vorbild gehandelt wird und was andere für
gut halten. Meist werden Personen zu
Vorbildern, die auch von anderen hochgehalten werden. Ich bringe durch ein
Vorbild auch zum Ausdruck, zu wem ich
gehören möchte. Letztlich aber wählen
sich Menschen ihre Vorbilder selbst.
Die neurologische Basis für die Aneignung von Vorbildern sind nach Joachim
Bauer die so genannten „Spiegelneuronen“. Das sind Nervenzellen in der HirnPfarrvereinsblatt 3-4/2015
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rinde, die eine Handlung, eine Empfindung oder auch eine Äußerung, die man
wahrnimmt, unwillkürlich „spiegeln“. Sie
beginnen dann zu feuern und lassen in einer Art innerer Simulation spüren, was in
einem anderen vorgeht. Es macht bei
dem Empfinden offenbar keinen Unterschied, ob ich etwas selbst mache oder
dieses bei einem anderen beobachte. Jedes Mal feuern die Nervenzellen gleich intensiv. Spiegelneuronen sind die neurologischen Grundlagen von Empathie. Dazu
gehört auch das Mitleid. Ich verziehe das
Gesicht, wenn jemand eine klaffende
Wunde hat. Ich spüre selber, was jemand
anders empfindet. Spiegelneuronen sind
in der Lage, beobachtete Aspekte zu einer Gesamttendenz zusammenzusetzen. Selbst die Handlungsabsichten anderer finden im Gehirn ihren Niederschlag. Dieser fällt umso differenzierter
aus, je mehr Erfahrungen ich schon selber gemacht habe. Dann kann ich sogar
relativ gut Voraussagen treffen. Diese
Nervenzellen speichern auch Handlungen und erlauben nicht nur ein Mitfühlen,
sondern auch eine Nachahmung. Sie beeinflussen auch unser Befinden, was
z. B. Mobbing erklärt. Die Ablehnung anderer lösen Unsicherheit aus, führen zu
Selbstzweifel und lassen Dinge tun, die
man eigentlich gar nicht wollte.
Allerdings sind diese Spiegelneuronen
auf Entwicklung angewiesen. Um Mitgefühl entwickeln zu können, braucht es der
Erfahrung persönlich erlebten Mitgefühls.
Das klingt wie die behavioristische Verhaltenstheorie von Burrhus Frederik Skinner, die davon ausgeht, dass unser Ver86
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halten total durch die Umwelt bestimmt
wird. Wir richten uns nach dem, was andere gut finden und nicht negativ bestrafen oder ablehnen. Joachim Bauer weist
darauf hin, dass auch diese Spiegelungen Konstruktionsprozesse sind (86f.), die
immer auch von Vorerfahrungen mit den
anderen und mit sich selbst abhängig
sind. Bauer bezieht diese Einsichten auch
auf PC-Spiele und bewertet diese kritisch
(120f.). Aber er betont zugleich, dass für
Lernende die zwischenmenschliche Beziehung mit lebendigen Personen von
überragender Bedeutung ist (118. 120f.).
2. Wozu braucht es Vorbilder?
Offenbar haben alle Menschen Vorbilder,
zumindest gab es Phasen in Ihrem Leben, in dem sie irgendwelche Personen
bewundert und sich an ihnen orientiert haben. Das kann im Jugendalter, wie wir wissen, durch Nachahmung entstehen. Dann
kleiden sich Jugendliche so wie Tokio Hotel, gehen wie die Models bei Heidi Klum
oder piercen sich wie Stefan Kretzschmar.
Interessanterweise sind es aber gar nicht
die Medienstars, die so sehr bewundert
werden. Auf solche Ideen kommt man nur,
wenn man bei einer Umfrage 30 Popstars
vorlegt und danach fragt, wer am ehesten
ein Vorbild ist. Fragt man hingegen offener, z. B. zu wem schaue ich auf oder wem
würde ich ein Bundesverdienstkreuz verleihen, dann kommt etwas ganz anderes
heraus.
Die Zeitschrift „Eltern“ fragte 2000 1.842
7–17Jährige: „Wem würdest du ein Bundesverdienstkreuz verleihen?“ Was kam
heraus? Das Ergebnis ist: 34,1 % sagen
ihre Mutter, 28,6 % der eigene Vater,
23,4% Lady Diana, 18,9 % Großeltern,
14 % sehen Freunde als Vorbild an. Diese
Vorbilder stammen also nur zu einem geringen Teil aus der Fernwelt oder aus der
Medienwelt, sondern überwiegend aus
der Nahwelt. Auffallend ist, dass Mädchen
überwiegend weibliche, Jungen hingegen
überwiegend männliche Vorbilder wählen
und offenbar auch brauchen. Das muss
man sich für den Religionsunterricht merken, der zwar überwiegend von Frauen
erteilt wird, aber meist mit männlichen
Vorbildern hantiert.
All das erklärt aber noch nicht, warum Kinder und Jugendliche sich innerlich an Personen binden und zu einem Leitbild für ihr
eigenes Leben machen. Warum sind sie
geradezu auf Vorbilder angewiesen?
Das hat ganz stark mit lebensgeschichtlichen Bedürfnissen und Entwicklungsaufgaben zu tun. Nach Robert Havighurst
stellen für sich Menschen in verschiedenem Alter ganz unterschiedliche Entwicklungsaufgaben, die sich aus dem Zusammenspiel von drei Faktoren ergeben:
personalen Bedürfnissen (wie Anerkennung, Selbstbehauptung oder Selbstbewusstsein), aus den biologischen Veränderungen und Erwartungen der Umwelt.
Zwischen 6 und 12 stellen sich z. B. die
Aufgaben, eine positive Einstellung zu
sich selbst als einem wachsenden Organismus zu gewinnen, Konzepte und Denkschemata zu entwickeln, die für das Alltagsleben notwendig sind, Gewissen und
eine Moral zu bilden, gegenüber sozialen
Gruppen und Institutionen Einstellungen
zu entwickeln.
Zwischen 12 und 18 stellen sich z. B. die
Aufgaben, neue und reifere Beziehungen
zu Altersgenossen beiderlei Geschlechts
aufbauen, die männliche oder weibliche
Geschlechtsrolle zu übernehmen, die eigene körperliche Erscheinung zu akzeptieren, von den Eltern und von anderen Erwachsenen emotionale Unabhängigkeit
zu erreichen, Werte und ein ethisches
System zu erlangen, das als Leitfaden für
das Verhalten dient.
Das Eigentümliche dieser Entwicklungssaufgaben ist, dass man jeden Tag damit
beschäftigt ist. Sie begleiten alles, was
man tut oder unternimmt. Die Lösungen
prägen die Art und Weise, wie man später
neue Aufgaben bearbeitet. Auf diesem
Hintergrund möchte ich sagen:
Vorbilder sind Gestalten,
• an denen seelische Bedürfnisse stellvertretend abgearbeitet werden können,
• die es erlauben, eigene Sehnsüchte
und Wünsche zu spiegeln,
• die eine einigermaßen verlässliche und
verstehbare Weltordnung repräsentieren und garantieren,
• die moralische Regeln und Prinzipien
veranschaulichen,
• die beispielhafte Lebensverläufe bieten
und erkennen lassen, wie das Leben
verlaufen kann.
Ich will dies an einigen Beispielen begründen:
Alle Kinder haben mit narzistischen Kränkungen zu kämpfen. Da wird das Geschwisterchen scheinbar mehr geliebt
oder man bekommt an der Kasse die BonPfarrvereinsblatt 3-4/2015
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bons nicht, die man unbedingt will. Da
muss man ins Bett, obwohl man noch
spielen will und sich selber noch gar nicht
müde fühlt. Pippi Langstrumpf bietet die
Möglichkeit, narzistische Allmachtsphantasien auszuagieren und ein Gegengewicht zu den Kränkungen zu entwickeln.
Pippi wohnt ganz alleine zu Haus, ist riesenstark, achtet nicht auf ordentliche Kleidung und macht alles, was sie will. Offenbar brauchen Menschen solche Vorbilder
bis ihr Ich realistisch wird. Das kann jedoch dauern.
Buben beschäftigen sich derzeit gerne mit
wilden Ungeheuern von Playmobil oder
sonst wo her. Ich vermute, dass hier die
wilden, schrecklichen, chaotischen und
ungezogenen Seelenanteile ausagiert
werden. Doch sie werden nicht nur ausagiert, sondern sie werden auch bekämpft
und besiegt durch Kämpfer, durch Ritter
oder sonstige Helden. Ich habe einst
Siegfried aus dem Nibelungenlied bewundert und mit großer Freude angesehen,
wie der Kasper das Krokodil austrickst.
Sollten wir nicht auch in der Grundschule
uns mit dem Heiligen Georg oder mit dem
Erzengel Michael beschäftigen? Buben
brauchen männliche Vorbilder mit Kraft,
mit Witz und wenn es sein muss auch mit
Waffen. Terminator 2, alias Arnold Schwarzenegger, belegt, dass Jugendliche auf
Erzengel Michael geradezu abfahren.
Was reizt eigentlich an Michael Jackson,
an Madonna, an Christina Aguilera, an Tokio Hotel und all den anderen Popstars?
Sie spiegeln eigene Sehnsüchte. Gerade
Kids in der Vorpubertät und dann in der
88
Pfarrvereinsblatt 3-4/2015
Pubertät sehnen sich danach, im Mittelpunkt zu stehen, bejubelt zu werden und
gut auszusehen und Erfolg zu haben. Die
Spiegelneuronen zeigen, dass ich an ihrem Erfolg und an ihrer Bewunderung
innerlich teilhaben kann. Das gilt auch für
Michael Schumacher, Dirk Nowitzki oder
Lukas Podolski. Während die einen deren
Trikots oder Mützen tragen, hängen die
anderen deren Poster an die Wand oder
verfolgen Fernsehsendungen, in denen
sie vorkommen.
Wiederum geht es um den Wunsch, angehimmelt zu werden, Erfolg zu haben, im
Fernsehen zu sein. Jungen orientieren
sich offenbar mehr am Sport, Mädchen
mehr an Popstars. Das hat auch problematische Seiten, wie die Barbie Puppe
zeigt. Da werden auch Körperbilder transportiert, die zur Ablehnung eigener körperlichen Entwicklungen führen können.
Möglicherweise hängen davon Essstörungen ab und die Schwierigkeit, ein eigenes akzeptiertes Körperbild aufzubauen. Es gibt gute und schlechte Vorbilder.
Kinder und Jugendliche erleben die Welt
als unübersichtlich. Da gibt es bedrohliche, aber auch hilfreiche Aspekte. Muss
man Angst haben und sich gar bewaffnen? Darf man Vertrauen haben und auf
Hilfe rechnen? Comic-Helden wie Superman, Batman, aber auch Filme wie Matrix
mit dem messianischen Neo im Mittelpunkt, nehmen diese Unsicherheiten auf
und erklären auf dramatische Weise die
Welt: Es gibt böse Mächte, die einen bedrohen und zu überwältigen scheinen.
Doch es gibt gute Begleiter, die eingreifen,
wenn wir nicht weiter wissen. Sie repräsentieren Werte, wie Hilfsbereitschaft, Verantwortung, Empathie, Intelligenz, Mut,
Durchsetzungsvermögen, die diese Welt
erhalten und sie wohnlich machen. Die
Frage ist, ob das wahr ist.
Die Fantasy Romane über Harry Potter
unterstützen den Traum, etwas Besonderes, ja sogar ein verkanntes Genie zu
sein. Doch in der Geschichte des Zauberers von Hogwarts wird gleichzeitig ein
Weltbild entworfen. Diese Welt ist gefährlich und durch Bosheit und Heimtücke gekennzeichnet. Das Böse, Lord Voldemort,
nimmt stets eine andere Gestalt an und
lässt sich nicht recht fassen. Doch es gibt
überraschende Helfer und vor allem Freunde, die zu einem halten. Und überhaupt:
die Liebe der Mutter schützt vor der allerletzten und größten Gefahr.
Daily soaps (Lindenstraße) und Telenovelas (Anna und die Liebe) sind Beziehungsund vor allem Liebesgeschichten. Sie zeigen, wie Personen, ständig neue Alltagskonflikte zu bewältigen haben und dabei
ganz unterschiedliche Gefühle durchleben. Sie spiegeln die Beziehungswünsche von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, vor allem von Frauen, bieten
aber zugleich Verhaltensmodelle für das
Alltagsleben an, die in Gesprächen mit anderen diskutiert werden. Die Identifikation
mit solchen Vorbildern und das Gespräch
darüber vermittelt gleichzeitig das Gefühl,
zur Gruppe jener zu gehören, die diese
Sendungen sehen. Man will mitsprechen
können und dabei im Gespräch Alltagskonflikte bearbeiten.
Mit dem Jugendalter stellt sich die Aufgabe, eine personale Identität aufzubauen:
Wie will ich sein? Wer will ich sein? Gleichzeitig stellt sich die Aufgabe, sich ein Weltbild und eine entsprechende Moral zu erarbeiten. Biographien, wie z. B. von Martin
Luther King geben immer Einblick in eine
bestimmte Phase der Weltgeschichte, hier
die USA während der Zeit der Bürgerrechtsbewegungen. An Martin Luther King
wird aber auch deutlich, wie die Bergpredigt gelebt werden kann und dass dies
nichts für Feiglinge ist. Hier werden moralische Regeln und Prinzipien anschaulich
und verständlich. Für mich repräsentiert
Dietrich Bonhoeffer (Sie merken, ich bin
immer bei Männern) das Prinzip Verantwortung vor Gott und den Menschen.
Bei dieser Auseinandersetzung ist aber
wichtig, dass nichts beschönigt wird. Fatal
ist es, wenn sich nachher herausstellt,
dass ein solches Vorbild idealisiert wurde
und negative Aspekte verschwiegen worden sind. Menschliches Leben ist aber immer auch von Widersprüchen durchzogen,
nie rund, sondern stets bruchstückhaft.
Die Biographien großer Menschen der
Weltgeschichte lassen auch erkennen,
wie das Leben läuft und wie es gestaltet
werden kann. In einer Lebensphase, in
der ich ständig dabei bin zu entwerfen,
wie ich leben möchte, wie ich leben könnte und wie ich leben sollte, lassen diese
erkennen, was den Lebenslauf bestimmt,
was ihn verändert und herausfordert.
Wichtig scheint mir aber, dass Heranwachsende sich mit verschiedenen, auch
Pfarrvereinsblatt 3-4/2015
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gegensätzlichen Biographien beschäftigen. Lohnend ist, nach einem roten Faden
und nach den Quellen in einem solchen
Leben zu suchen. Lohnend fände ich darüber nachzudenken, warum diese Personen sich so und nicht anders entscheiden
und was sie dabei motiviert. Biographien
sind einzigartig. Jeder lebt sein eigenes
Leben. Aber vielleicht zeigen sich Grundhaltungen und Quellen, die auf das eigene Leben bezogen werden können.
Ich habe die ganze Zeit die Bedeutung
von Vorbildern für die Individuation betont.
Das ist gut und richtig so. Vorbilder haben
jedoch auch mit Sozialisation zu tun und
deshalb auch mit dem gesellschaftlichen
Zusammenleben. Vorbilder repräsentieren Tugenden, die menschliche Gemeinschaften brauchen, um auf menschliche
Weise und soziale Weise zu funktionieren.
Aus diesem Grunde hat die Zeitschrift
„Die Zeit“ im November 2009 knappe Beschreibungen von 50 Deutschen vorgelegt, die das repräsentieren, was eine Bürgergesellschaft hierzulande braucht, um
zivil zu sein. Sie alle kennen das von
Dienstjubiläen, bei denen älter gewordene Kolleginnen und Kollegen als Vorbilder
des deutschen Bildungswesens vorgestellt werden. Offenbar brauchen wir auch
Vorbilder und Leitbilder für einzelne Institutionen und die Gesellschaft als Ganzes.
3. Was sind gute und schlechte
Vorbilder?
Gut sind Vorbilder und damit subjektive
Bindungen an eine Person, wenn sie einem helfen, zu einem eigenständigen, zuversichtlichen und verantwortungsbewuss90
Pfarrvereinsblatt 3-4/2015
ten Leben zu gelangen (Individuation). Sie
sind Vorbilder, wenn sie zu einem Leben
in Freiheit, Gerechtigkeit und einem gewaltfreieren Umgang mit der Schöpfung
beitragen (Sozialisation).
Gut sind Vorbilder, die Mitgefühl und Verlässlichkeit zeigen. Denn das ist genau
das, was jeder Heranwachsende braucht.
Darin liegt auch das Geheimnis, warum
Mama die Beste ist. Heutige Mütter repräsentieren viel Zuwendung und Zuneigung, viel Lebenskompetenz und das
Interesse an einem gesicherten Leben.
Da dies grundlegenden eigenen Bedürfnissen entspricht, werden sie am ehesten
als Vorbilder gewählt. Gute Vorbilder helfen zudem, bei der Bearbeitung von Entwicklungsaufgaben, insbesondere bei der
Identitätssuche im Jugendalter.
4. Sind Märtyrer, Heilige und
Glaubenshelden gute Vorbilder?
Das wird man nicht bestreiten können.
Deshalb spielen sie im Religionsunterricht beider Konfessionen eine wichtige
Rolle. In der Grundschule sind Elisabeth
von Thüringen Bildungsplanthema, der
Heilige Nikolaus und Sankt Martin, auf
evangelischer Seite kommt Martin Luther
hinzu. In der Sekundarstufe I werden
gerne biblische Personen vorgestellt:
Amos, Paulus, Petrus, Maria. Dazu kommen aus der Kirchengeschichte der Heilige Franziskus, aber auch Johann Hinrich Wichern (1808–1861), Adolph Kolping (1813–1865), Wilhelm Emmanuel
Ketteler (1811–1877). Dazu kommen
dann aus dem 20. Jahrhundert Martin Luther King, Johannes der XXIII oder Die-
trich Bonhoeffer, Frauen wie Mutter Teresa oder Sophie Scholl. Sie repräsentieren
moralische Regeln und Prinzipien. In ihrem Leben finden sich Entscheidungssituationen, die exemplarisch durchgespielt,
auf eigene Weise gelöst und dann mit ihrem Leben verglichen werden können.
Doch wir sollten sorgfältig darauf schauen, was wir da tun. Viele Heilige der katholischen Kirche lebten zölibatär und taten Wunder. Können und wollen wir das
zum Vorbild machen?
Viele haben sich selbst aufgeopfert.
Manchmal hat man den Eindruck, das geschah irgendwie auch lustvoll. Kann das
Vorbild sein? Manche haben große Entbehrungen gesucht und auf sich genommen. Sollen wir das Jugendlichen als Vorbild anbieten? Die großen Vorbilder lebten
in einer ganz anderen Zeit. Für Schülerinnen und Schüler sind sie Weltrekordler,
die eine Sprunghöhe überqueren, die sie
selber nie schaffen können. Und ich vermute, dass Sie und ich das auch nicht
können. Hinzu kommt, dass sie häufig
idealisiert und dadurch überhöht werden.
Das könnte ein Grund sein, warum sie so
wenig nachhaltig wirken. Dennoch liegen
auch da Chancen. Sie zeigen sich bei Fragen wie: Wofür will ich mein Leben einsetzen? Aber auch: Was gibt mir Kraft?
Schaut man genauer hin, dann zeigen
sich meist noch andere Züge. Hier will ich
ganz bei uns Evangelischen bleiben: Luther war in Worms mutig, aber vielleicht
nicht so, wie man das im 19. Jahrhundert
sah. Doch er hat Sätze über die Juden geschrieben, die sind antisemitisch.
Er hat aus ganz opportunistischen Gründen die Zweitehe Philipps von Hessen gesegnet.
Gute Vorbilder sind realistisch. Sie zeigen
auch die Spannungen und die Widersprüche auf. Die Idealisierungen nehmen uns
Jugendliche sowieso nicht ab. Offenkundig können wir auch aus ihrem Leben nur
Aspekte herausgreifen.
Für Hans Mendl, ein katholischer Religionspädagoge aus Passau, sind gute
Vorbilder vor allem Vorbilder aus der Nahwelt. Er sucht nach so genannten local
heroes, nach kleinen Heiligen, nach Alltagshelden, die sowohl in der Gegenwart
leben, als auch in der Lebenswelt der
Schülerinnen und Schüler anzutreffen
sind. Die sind nicht so groß und nicht so
ideal. Die Hochsprunglatte liegt niedriger.
Da ist die Frau, die sich für Asylbewerber
einsetzt. Da ist der Kirchenälteste, der
Hilfstransporte nach Rumänien organisiert. Da ist der Jugendliche, der ein Kind
vor dem Ertrinken rettet. Diese Heiligen
kann man einladen, man kann sie besuchen, man kann sie befragen, man findet
von ihnen Artikel auf der Lokalseite der Tageszeitung.
5. Ist Jesus ein Vorbild?
Für viele Menschen war und ist Jesus ein
attraktives Vorbild. Nach einer Stern Umfrage aus dem Jahre 2003 sagen 26,3 %
der Befragten, sie schauten zu Jesus
Christus auf und suchten ihm nachzueifern (35 % der Mutter). Wie ist das bei uns
selbst? Franz von Assisi hat ihn nachgeahmt und dabei sogar die Wundmale erfahren. Thomas von Kempen hat den BePfarrvereinsblatt 3-4/2015
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griff der Imitatio, der Nachahmung Christi
geprägt, der gerade in der Mystik viel Aufmerksamkeit gefunden hat.
Der katholische Religionspädagoge Georg Langenhorst weist darauf hin, dass
Jesus in verschiedener Hinsicht zum Vorbild werden kann:
• als Lehrer diakonischer Liebe, er wendet sich den Armen zu
• als provozierender Prophet: Weh euch,
die ihr reich seid
• als Hinweisgeber für das, was im Leben
ganz wichtig ist. Beten und Handeln
gehören zusammen
• und als Lehrer der Gottesbeziehung.
Gott ist wie ein barmherziger Vater.
Das Vaterunser ist Grundmodell der
Beziehung zu Gott.
Langenhorst sieht Jesus als wahren Menschen. Jesus zeigt, was es heißt als Ebenbild Gottes zu leben, möglicherweise bis
hin zur Art und Weise, wie er seinem Tod
entgegengeht.
Das kann im Einzelfall jedoch ganz
schwierig werden. In der Bergpredigt legt
Jesus den Männern seiner und unserer
Zeit ein Handeln nahe, das allen Idealen
der Männlichkeit widerspricht. Da soll man
die andere Wange hinhalten, da soll man
seinen Feind lieben. Das wurde schon in
der Antike als Schwächlichkeit ausgelegt.
Das ist auch heute so. Fünfzehnjährige
Jungs, die sich wie Machos benehmen
können, gehen da auf Gegenkurs. Sie stehen ja vor der Aufgabe, für sich selbst
überhaupt erst einmal zu entdecken, wie
sie Mann sind und wie sie Mann sein wollen. Dabei orientieren sie sich ganz selbst92
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verständlich an den Mann-Bildern unserer
Zeit. Hier stellen sich zwei Aufgaben: über
das eigene Bild der Männlichkeit nachzudenken und zu entdecken, dass Gewaltverzicht Mut braucht. Wer Angst hat, der
muss eine Waffe nehmen. Ich vermute aber
sehr, dass das viel Zeit braucht.
Unser Glaube versteht Jesus sowohl als
wahrer Mensch als auch als wahrer Gott.
Seine Lebensgeschichte zeigt uns die
Barmherzigkeit Gottes auf anschauliche,
eben menschliche Weise. Jesus lebt die
Liebe Gottes bis hin zur letzten Konsequenz, damit Menschen erfahren, wer sie
sind und wie sie leben können. Selbst das
Kreuz ist ein Zeichen der Liebe Gottes.
Sie zeigt uns die Feindesliebe Gottes.
Gott bleibt uns treu, obwohl wir alles tun,
um ihn davon abzubringen. Jesus lässt
Menschen entdecken, was sie sind: Gottes geliebte Söhne und Töchter, die glücklich werden wollen, die ihr Leben im Griff
behalten wollen, die sich aber selbst und
anderen im Wege stehen; die Angst haben, nicht geliebt zu werden und die ihren
eigenen Grenzen und ihren Schwächen
nicht ins Auge sehen können und die
selbst dann noch, wenn sie für andere da
sind, klammheimlich bewundert werden
wollen.
Jesus Christus lässt Menschen erfahren,
dass sie als Personen Gott recht sind. Sie
müssen weder ihre Grenzen und ihre
Schwächen wegstecken, noch ihr Versagen und ihre Schuld verbergen. Sie brauchen nicht perfekt zu sein und auch nicht
so, wie andere wollen. Jesus verspricht einem jeden von uns Gottes Begleitung in
einer unübersichtlichen und uneindeutigen Welt. Jesus traut uns zu, für andere
da sein zu können und einen Beitrag leisten zu können für eine gerechtere, friedlichere, solidarische Welt. „Ihr seid das
Salz der Welt. Ihr seid das Licht der Welt.“
Jesus zeigt Wege, wie man zu Gott als
Quelle finden kann.
Jesus Christus stellt uns ein gutes Vorbild
vor Augen. Er zeigt uns, wie wir menschlich leben können und er zeigt uns zugleich, was uns die Kraft gibt als Menschen zu leben. Er ist sozusagen das Urbild guter Vorbilder. Er liefert Maßstäbe
für gute Vorbilder.
Gute Vorbilder machen nicht klein, sondern sie machen Mut. Gute Vorbilder nehmen die Angst und gestehen Schwäche
ein. Vorbilder muten einem nicht alles zu,
sie nehmen Rücksicht auf eigene Möglichkeiten und lassen diese entdecken. Gute
Vorbilder machen aufmerksam auf die Not
anderer. Gute Vorbilder lassen erkennen,
dass Menschen nicht einfach aus eigener
Kraft leben können.
Ein solches Vorbild ist für mich in der Bibel Petrus (wieder ein Mann). Er lässt sich
begeistern für Jesus und das Reich Gottes. Er ist der Mann der ersten Stunde. Ein
Held. Er blickt fast ganz durch, nimmt jedoch den Mund zu voll, verliert den Mut,
versagt erbärmlich und läuft davon. Ausgerechnet aber er wird zum Fels für die
Gemeinde Jesu Christi bestellt. Ausgerechnet er bekommt die Gewalt der beiden Schlüssel. Ausgerechnet ihm mutet
Jesu zu, seine Lämmer zu weiden. An ihm
kann man lernen, dass Gott und sein
Christus Menschen brauchen können, obwohl sie kläglich versagt haben. Vielleicht
gerade deswegen.
6. Und wie geht jetzt das Vorbildlernen im Religionsunterricht?
Vorbildlernen hat mit dem Aufbau subjektiver Bindungen an realen und virtuellen Personen zu tun. Das können auch Personengruppen sein. Bindung hat sicherlich mit
Aufmerksamkeit und Auseinandersetzung
zu tun. Zeit spielt da eine wichtige Rolle.
Deshalb sind auch Religionslehrerinnen
und Religionslehrer eher Vorbilder, wie jene Personen, die sie in 45 Minutenpaketchen vorstellen. Ich meine das ganz ernst.
Wir sind potentielle Vorbilder, vor allem für
den christlichen Glauben, für die mit ihm
verbundenen Wertvorstellungen und für
das Leben in der Kirche.
Doch ich kann uns trösten. Wir können
Bindungen wollen, doch wir können sie
nicht erzeugen. Das machen die Schülerinnen und Schüler selbst. Sie wählen selber aus, was sie beeindruckt und womit
sie sich identifizieren. Zwischen Modell
und Verhalten vermitteln kognitive Prozesse. Diese werden durch Lob und Tadel, Belohnung und Strafe beeinflusst,
aber nicht determiniert.
Das entspricht dem Lernen am Modell von
Albert Bandura. Vorbildlernen hat mit vier
verschiedenen Faktoren zu tun: Der Aufmerksamkeit, der gedanklichen Verarbeitung, dem Ausprobieren und der Verstärkung von anderen aber auch durch sich
selbst. Die gedankliche Verarbeitung hat
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93
immer auch mit Wissen zu tun. Vorbildlernen funktioniert am besten mit lebendigen
Modellen, funktioniert aber auch bei beim
Betrachten von Filmen oder dem Lesen
von Geschichten. Aufmerksamkeit finden
Modelle, die im Trend liegen, die positiv
verstärkt werden, die zu der Bezugsgruppe gehören, zu der ich selber gehören
möchte, die klar umrissen sind, die Prestige haben, Intelligenz, Einfluss, die selbstsicher sind, aber eben auch emotionale
Wärme zeigen. Das Modell muss aber zu
der Person irgendwie passen und die
Identifikation muss elementaren Bedürfnissen gerecht werden. Solche Bedürfnisse sind die Wünsche nach Selbstachtung und dem Einbringenkönnen von eigenen Gaben, nach Wertschätzung, nach
Liebe und sozialer Bindung aber auch
nach gewisser Sicherheit. Hier wird noch
einmal deutlich, warum moderne Mütter
so bedeutsam sind.
Eine Siebtklässlerin schreibt: „Ich habe
kein Vorbild, da ich mich nicht festlegen
möchte. Es gibt viele Promis, Bekannte
oder andere, die ich als Vorbild nennen
könnte. Aber von denen haben viele nur
eine Eigenschaft, die mir gefällt und die
ich auch gerne haben möchte. Aber es
gibt keine Person, an der ich alles perfekt
finde. Wenn es eine Person aus Sarah
Connor, LaFee und Hermine aus Harry
Potter geben würde, könnte ich diese Vorbild nennen. Wer für jemanden ein Vorbild
ist, ist jedermanns eigene Entscheidung!“
Diese eigene Konstruktion findet sich
nicht erst bei Jugendlichen, sondern
schon bei Kindern, und zwar von Anfang
94
Pfarrvereinsblatt 3-4/2015
an. Das hat jedoch didaktische Konsequenzen. Es kommt offenbar darauf an,
eigene Bindungsprozesse zu unterstützen, zu begleiten, aber auch zu befragen.
Ich sehe drei Bereiche des Vorbildlernens:
(1) die persönlichen Vorbilder, die Stars
und die Helden
(2) die kleinen Heiligen des Alltages
(3) die großen Vorbilder des Christentums
und andere Religionen
Bei den persönlichen Vorbildern, bei den
Stars und Helden geht es um jene Vorbilder, die Schülerinnen und Schüler schon
längst haben. Wir entdecken sie, wenn wir
danach fragen, was sie beeindruckt, wem
sie ähnlich werden wollen, welches ihre
Stars sind, ihre Helden und ihre Vorbilder.
Das können Leitfragen sein für Collagen,
für Präsentationen, für Installationen. Ich
denke dabei vor allem an die Schülerinnen und Schüler ab neun Jahren. Da sollte auch die Mama und der Papa erscheinen können, aber auch Raum bleiben für
Harry Potter, für Batman und Spiderman.
Bei größeren kommen Pop- und Sportstars zum Zuge. Was finde ich an denen
gut? Da sie meist nur von einer Seite
wahrgenommen werden, wäre es wichtig,
Biographisches herauszufinden. Dabei
geht es auch um Befragungen. Meinen
die es ganz ehrlich, wenn sie bei einer
Charity-Show mitmachen? Glauben die
an Gott oder an was glauben die eigentlich? Wir sollten uns nicht scheuen, uns
auch Helden aus PC-Spielen zeigen zu
lassen. Wir verstehen sonst nicht, wo die
Jugendlichen leben und wen sie anhimmeln, mit wem sie sich identifizieren.
Für Christen ist es wichtig zu entdecken,
ob Attraktivität, Erfolg, Leistung und Glauben zusammengehen können.
Bei den kleinen Heiligen oder Helden des
Alltages besteht die erste Aufgabe darin,
diese überhaupt einmal zu finden. Wem
sollte man eigentlich hier bei uns das Bundesverdienstkreuz verleihen? Da muss
man schon recherchieren in der Zeitung,
in der Zeitungsredaktion, im Mitteilungsblatt, im Rathaus oder im Pfarramt. Wonach man suchen kann, findet man auch
auf der Homepage Local Heroes von
Hans Mendl. Daraus entsteht dann eine
Ausstellung, eine Homepage, ein Buch.
Wichtig ist das Gespräch. Warum ist da so
etwas wie ein Held oder wie ein Heiliger
oder eine Heilige? Hier geht es um Vorbilder, zu denen man selber Schritt für
Schritt erst seine Bindung aufbaut. Zu der
Bewunderung kommt dann der Stolz über
die eigene Recherche. Ich vermute, dass
Vorbilder durch eine persönliche intensive
Beschäftigung erst zu Vorbildern werden.
Meines Erachtens sollte jedoch kein
Schüler/keine Schülerin die Schule verlassen haben, ohne sich mit einem der
großen Vorbilder des Christentums, aber
auch anderen Religionen, detailliert und
persönlich befasst zu haben. Einige Namen sind schon gefallen, andere kommen
noch dazu: Franz von Assisi, Thomas Morus, Mutter Teresa, Nikolaus von der Flüe,
Martin Luther King, Sophie Scholl, Dietrich Bonhoeffer, Bischof Romero, Dorothee Sölle, Mahatma Gandhi, Dalai Lama,
Paul Schneider, Maximilian Kolbe, Alfred
Delp, Bartholomaeus de las Casas und
viele andere mehr. Aber das könnte bei je-
dem Schüler, bei jeder Schülerin jemand
anderes sein. Eine wichtige Rolle spielt
dabei das eigene Interesse, die eigene
Neugier. Dies kann der Person, der Zeit
oder einem Detail gelten. Grundlage dafür
sind Biographien, wie die von Renate
Wind über Dietrich Bonhoeffer oder Filme
über Martin Luther oder jetzt Albert
Schweitzer. Im Laufe der Klassen 9 und
10 hätte jeder (realistischer Weise wohl
doch eine Kleingruppe) die Aufgabe, seine Person in 45 Minuten vorzustellen.
Dazu gehört jedes Mal auch ein Gespräch: Was imponiert mir an diesem Leben? Womit tue ich mich aber auch
schwer? Wo gibt es so etwas wie einen roten Faden? Welche Entscheidungen waren besonders wichtig? Wie hätte ich gehandelt? Was hat die Person bewogen so
zu handeln wie sie gehandelt hat? Ist das
ein Heiliger oder eine Heilige? Aber was
ist eigentlich ein Heiliger? Wichtig ist, dass
ganz verschiedene Biographien vorgestellt und erarbeitet werden.
Abschließend möchte ich noch einmal
drei Aspekte hervorheben.
(1) Heranwachsende stricken sich ihre
Vorbilder selbst. Aber ohne Wolle kann
man nicht stricken. Darin gründet die
Aufgabe, im Religionsunterricht Vorbilder zu thematisieren.
(2) Vorbildlernen braucht Zeit und Aufmerksamkeit. Der normale Unterricht
reicht dazu nicht aus. Dazu braucht es
schon Zeit neben dem Unterricht, z. B.
in Recherchen oder Projekten. Ohne
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95
Thema
eine gewisse Begeisterung geht das
jedoch nicht, aber auch nicht ohne viel
Verstärkung durch Lehrende.
(3) Zum Vorbildlernen gehört auch das
Nachdenken über das Vorbildlernen.
Aber das kann ich mir erst bei älteren
Schülerinnen oder Schülern vorstellen.
Soweit meine Einsichten. Ich danke Ihnen
für Ihre Aufmerksamkeit.
■ Hartmut Rupp, Karlsruhe
Quelle: www.rpi-baden.de/html/media/
dl.html?i=15455
Paul Gerhardt und die Folgen
Pfarrer Achim Schowalter ist Pfarrer in
der Paul-Gerhardt-Gemeinde Bruchsal. Da wird schon mal die Gemeindearbeit und das Gemeindeleben zu Arbeit und Leben mit „unserem“ Paul
Gerhardt. Eine Liebeserklärung.
Eine der ersten Stunden im Konfirmandenunterricht: Kirchen-Rallye. Wer hat
zuerst die Lücken auf dem Laufplan ausgefüllt: Anzahl der Kirchenbänke? Was
steht und liegt alles auf dem Altar? Wer ist
auf den Bildern in der Sakristei abgebildet? … Und dann noch: Adresse des Gemeindezentrums: Paul-Gerhardt-Straße.
Name der Kirche: Paul-Gerhardt-Kirche.
„Alles Paul Gerhardt hier“, meinte einmal
ein Konfirmand. „Aber wer war das?“
Um den Liederdichter und Pfarrer Paul
Gerhardt geht es dann zum Abschluss
der Konfirmandenstunde. Seine Lebensgeschichte, seine Lieder und warum die
Kirche Paul-Gerhardt-Kirche heißt. Letzteres ist im Grundsteintext festgehalten:
„Weil in den notvollen Jahren des zweiten Weltkriegs von 1939–1945 und nach
der Zerstörung von Bruchsal die glaubensstarken und aus der Not geborenen
Lieder Paul Gerhardts, des Sängers aus
dem Dreißigjährigen Krieg, unserer Gemeinde besonders lieb und tröstlich geworden waren, beschloss der Kirchengemeinderat am 7. Oktober 1953, dass
dieses Gotteshaus den Namen PaulGerhardt-Kirche tragen soll.“
In den knapp über der 60 Jahren Gemeindegeschichte seither wurden die
96
Pfarrvereinsblatt 3-4/2015
Lieder von Paul Gerhardt in den Gruppen
und Kreisen, alleine zu Hause oder auch
unterwegs aus Ausflügen, bei Beerdigungen und im Gottesdienst und noch zu
manch anderen Anlässen gerne und
häufig gesungen. Und weil die Lieder
eben von Paul Gerhardt sind, gönnte
man sich auch mal alle im Gesangbuch
abgedruckten Strophen. Immer wieder
gab und gibt es Andachten oder Liedpredigten, die ein Paul-Gerhardt-Lied in den
Focus nehmen. Und oft hat dies einen
besonderen Flair: das ist „unser“ Paul
Gerhardt.
Konfi-Unterricht zu lernen ist in jedem
Jahr für die Konfirmandinnen und Konfirmanden, von denen viele Migrationshintergrund haben, eine echte Herausforderung. Mein Motivationsversuch: In diesem
Lied – wie überhaupt bei Paul Gerhardt –
sind viele Schätze für einen lebendigen
Glauben zu heben. Oder, wie ein Kollege
einmal sagte: Paul Gerhardt, das sind
Schwarzbrot-Texte.
■ Achim Schowalter, Bruchsal
Den 400. Geburtstag des Liederdichters
wollten wir als Gemeinde besonders
feiern. Zwei Vortragsabende, ein Liederabend, Gottesdienste mit Liedpredigten und verschiedene kleine Impulse
brachten den Jubilar in Erinnerung.
Unser letztes Paul-Gerhardt-Experiment:
Beim Gottesdienst zum 60. Geburtstag
der Gemeinde haben wir den Festgottesdienst mit dem Lied „Befiehl du deine
Wege“ beschlossen – die erste Strophe
gesungen vom Kirchenchor auf den
Bachsatz von „O Haupt voll Blut und
Wunden“, die zweite vom Frauenchor
Femmes Vocales auf die Melodie von Michael Haydn und zwei weitere Strophen
begleitet von der Jugendband – verrockt
auf die Melodie von Bartholomäus Gesius/Georg Philipp Telemann, die sich im
Gesangbuch findet. Es war der Versuch,
Paul Gerhardt ins Gespräch der Generationen zu bringen. Das Echo: von verständnislos bis euphorisch.
A propos „Befiehl du deine Wege“ und
Konfis: Vier Strophen aus diesem Lied im
Pfarrvereinsblatt 3-4/2015
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Zur Diskussion
Je Suis Charlie – wirklich?
Was um alles in der Welt hat die Redaktion der Badischen Pfarrvereinsblätter bewegt, um nicht zu sagen, geritten, auf der
Rückseite ihrer Februarausgabe unter der
Sparte „Zu guter Letzt“ unkommentiert in
der bekannten logo-ähnlichen Form abzudrucken: JE SUIS CHARLIE? Welche
Botschaft wollte sie uns dabei mitgeben,
falls da von „Botschaft“ überhaupt die Rede sein kann?
Überhaupt keine Frage, dass das abscheuliche Verbrechen von Paris zutiefst
Entsetzen und Betroffenheit in aller Welt
auslöst und dass den Opfern unser Respekt und den Angehörigen unser Mitgefühl gehört. Keine Frage, dass die Terroristen von Paris überhaupt nicht auf dieses Podest der selbsternannten Religionsschützer, auf das sie sich selbst heben
wollen, gehören, sondern gemeine Mörder und Trittbrettfahrer sind, die auch so
behandelt werden müssen: als Kriminelle.
Ferner außer Frage, dass Presse- und
Meinungsfreiheit gerade jetzt erst recht
hochgehalten und praktiziert werden muss
und sich Demokratien nicht im Geringsten
durch Terror einschüchtern lassen dürfen.
Aber muss es denn nicht endlich mal erlaubt sein, nach der Qualität und dem Niveau der Karikaturen von Charlie Hebdo
zu fragen? Es gibt wirklich Karikaturen
und Satiren mit Geist und Niveau, auch
solche über Kirchen. Die Karikaturen von
Charlie Hebdo gehören nicht dazu, sondern sind unterste Schublade mit einem
Aussage- und Informationswert annä98
Pfarrvereinsblatt 3-4/2015
hernd gleich Null. Das gilt sowohl für die
gegen den Islam wie gegen das Christentum gerichteten Karikaturen, die eine Geisteshandlung verrät, der nichts mehr heilig
ist und die skrupellos in den Dreck zieht,
was immer noch einigen Menschen auf
dieser Welt, die mit Gewalt nicht das Geringste zu tun haben, heilig ist. Wenn ein
Tag nach dem Pariser Anschlag in Charlie Hebdo eine Karikatur veröffentlicht
wird, die den Gekreuzigten am Strand liegend zwischen Damen im Bikini zeigt mit
dem Kommentar: „Dreh mich mal um,
dass ich besser lieg!“ ist alles, was sich Niveau nennen kann, um Dimensionen unterschritten. Es liegt auf derselben Ebene,
wenn, wie auch schon geschehen, ein mit
Urin gefüllter Bottich, obendrauf ein Kreuz
schwimmend, allen Ernstes als Kunstwerk ausgezeichnet wird.
Bezeichnenderweise war es das eher
linksorientierte ARD-Magazin Panorama,
dass aus Anlass dieser aktuellen Ereignisse in einem bemerkenswerten Beitrag
sogar von der „Heuchelei“ bei der Verteidigung der Pressefreiheit sprach, die solange hochgehalten wird, wie sie dem eigenen Meinungsmainstream entspricht,
auch wenn sie sich das Recht herausnimmt, in den Dreck zu ziehen, was gläubigen Menschen, ob Moslems oder Christen heilig ist. Wo bleibt hier die längst
überfällige Stellungnahme von Christen
und Kirche und muss hier erst Panorama
kommen und die notwendigen kritischen
Fragen stellen, das gewiss nicht im Verdacht ist, Kirchen unter allen Umständen
zu verteidigen?
Keine Frage, dass Christen (und auch
Moslems) derartige Verunglimpfungen
aushalten müssen und auch solche Art
der „Karikatur“ in einer Demokratie erlaubt
ist. Aber sie sollten in aller Klarheit mit
dem Mittel gekontert werden, das Christen und Kirchen allein haben: mit dem
Wort und mit Argumenten – und mit genau
dem Respekt vor den Menschen, die diese Karikaturisten vermissen lassen. JE
SUIS CHARLIE? – ich jedenfalls nicht.
Abschließend möchte ich noch daran erinnern: Ohne die jüdisch-christliche Tradition und ohne den biblischen Glauben,
dass der Mensch Ebenbild Gottes ist, gäbe es keine Menschenrechte und auch
keine Meinungs- und Pressefreiheit. Wer
also meint, Religion und Glaube derart karikieren zu müssen, muss wissen, was er
da tut.
■ Erhard Schulz, Sinsheim
Pfarrvereinsblatt 3-4/2015
99
Aus dem Pfarrverein
Ein neues Angebot – Dies Academicus in Heidelberg am 3.7.2015
Der Evangelische Pfarrverein wird sich in
diesem Jahr das erste Mal daran beteiligen, zusammen mit der theologischen
Fakultät der Universität Heidelberg und
dem Freundeskreis der Fakultät einen
Dies Academicus zu organisieren. Alle
Mitglieder, aktive und emeritierte Pfarrerinnen und Pfarrer sind ganz herzlich eingeladen, einen Tag nach Heidelberg zu
kommen und an zwei Vorlesungen teilzunehmen, die aus diesem Anlass gehalten
werden (siehe nebenstehendes Plakat).
Die Idee kam zustande, weil von Kolleginnen und Kollegen immer wieder von
der Erfahrung berichtet wurde, dass es im
Alltag des Pfarramtes schwer gelingt, sich
theologisch auf dem Laufenden zu halten.
Mit Prof. Theißen und Prof. Oeming konnten wir zwei Professoren unserer Fakultät
gewinnen, die vielen auch aus aktuellen
Publikationen bekannt sind. Prof. Dr. Manfred Oeming wird uns unter dem Titel: „Die
Steine und das Wort – Die Bedeutung der
Archäologie für die Interpretation der Bibel“ über neueste Ergebnisse seiner Ausgrabungen berichten und was daraus für
die Exegese des Alten und Neuen Testaments folgt. Prof. Dr. Gerd Theißen wird
uns durch den Bericht über die neuesten
exegetischen Forschungen des Römerbriefes auf den neuesten Stand bringen.
In der Pause zwischen den Vorträgen soll
genug Zeit zum Austausch sein.
100
Pfarrvereinsblatt 3-4/2015
Wir bitten alle Interessierten
herzlich, bis zum 15.6.2015 kurz
in der Geschäftsstelle per Mail
oder telefonisch Bescheid zu geben, dass sie kommen werden.
Telefon: 07 21 - 84 88 63, E-Mail:
[email protected]
Wer sich angemeldet hat, bekommt das
Vorlesungsverzeichnis des Vormittags
zugesandt, falls man den ganzen Tag an
der Universität verbringen möchte. Fahrt
und evtl. Mittagessen bitten wir selbst zu
organisieren.
Nach der Veranstaltung sind diejenigen,
die noch im Heidelberg bleiben können,
herzlich eingeladen am Fakultätsfest in
der Karlstraße teilzunehmen, bei dem
man mit Professoren und Studierenden in
Kontakt kommen kann.
Wir freuen uns, Ihnen dieses Angebot
machen zu können und sind gespannt auf
die Resonanz.
■ Matthias Schärr, Heidelberg
Pfarrvereinsblatt 3-4/2015
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Aus der Pfarrvertretung
Aktuelle Informationen
Seit Jahresbeginn (und zunächst einmal
für 3 Jahre) gilt eine neue Rechtsverordnung zur Zusammenarbeit in Dienstgruppen (GVBl 16 2014, S. 298–301).
Diese RVO ist die Konkretisierung des
Gesetzes zur Neuordnung des Gruppenamtes, das die Landessynode im Frühjahr 2014 beschlossen hatte. Mit diesem
Gesetz wurde die Form der Zusammenarbeit zwischen PfarrerInnen und GemeindediakonInnen, die es bisher nur in
Gruppen(pfarr)ämtern gab, zum Standard; nunmehr wird jede Zusammenarbeit
zwischen den beiden Berufsgruppen auf
Stellen innerhalb einer Pfarrgemeinde als
Dienstgruppe bezeichnet (wobei auch
weitere Personen, die auf landeskirchlichen Stellen in der Gemeinde tätig sind, wie
z. B. KirchenmusikerInnen, einer Dienstgruppe zugeordnet werden können); auch
wurde die Möglichkeit überparochialer
Dienstgruppen geschaffen. Außerdem beschloss die Synode, dass auch GemeindediakonInnen mit der Pfarramtsverwaltung einer Gemeinde beauftragt werden
können, auf Anregung der Pfarrvertretung
jedoch nur dann, wenn GemeindediakonInnen mit mindestens 75 %-Deputat in
dieser Gemeinde eingesetzt sind.
Die Rechtsverordnung regelt nun Details
der Beschlüsse vom vergangenen Frühjahr: So muss eine Dienstgruppe die Aufgabenverteilung (unter Einbeziehung der
betroffenen Gremien) in einem Dienstplan
regeln; eine koordinierende Person (mit
StellvertreterIn) beruft regelmäßig Dienstbesprechungen ein, deren Absprachen zu
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Pfarrvereinsblatt 3-4/2015
protokollieren sind. Die koordinierende
Person soll nach zwei Jahren wechseln.
Zur Klärung im Konfliktfall wie auch zur
Reflexion der Zusammenarbeit soll die
Dienstgruppe regelmäßig Supervision
wahrnehmen.
Eine interessante Neuregelung ist die
Möglichkeit, das mit einer Stelle verbundene Pflichtdeputat im Religionsunterricht
vollständig durch eine andere Person in
der Dienstgruppe vertreten zu lassen (§ 7
(2)). Da sich jedoch fehlende Unterrichtserfahrung bei einem späteren Wechsel auf
eine andere Stelle als nachteilig erweisen
könnte, sieht die RVO einen Mindestanspruch auf 2 Stunden Religionsunterricht
vor. Wer also auf einen späteren Wechsel
in die Schule spekuliert, sollte dies durch
die Ausgestaltung des Dienstplans deutlich machen; andernfalls dürften Bewerbungen wenig aussichtsreich sein.
Wichtig ist die Bestimmung, dass Dienstpläne neu zu erstellen sind, wenn ein neues Mitglied zur Dienstgruppe hinzukommt.
Ob diese Regelung in der Praxis funktioniert oder ob sich Spezialisierungen ergeben, die auch Stellenwechsel überdauern
(weil sie den oder die Neue in Form deutlicher Erwartungen binden), wird die Zukunft zeigen. Ich kann jedenfalls PfarrerInnen, die sich auf Stellen in einer Dienstgruppe bewerben, nur raten, die Frage
möglicher Aufgabenverteilungen schon im
Vorfeld einer Bewerbung zu thematisieren und in Grundzügen abzusprechen.
Wie Dienstpläne für Dienstgruppen oder
Vereinbarungen für überparochiale Dienst-
gruppen aussehen können, wird zukünftig
eine Handreichung der Landeskirche, die
noch in Bearbeitung steht, musterhaft zeigen; sie ist zu finden unter http://www.service-ekiba.de/html/media/dokumente_formulare_arbeitshilfen700.html.
Bei der Januarsitzung hat sich die Pfarrvertretung mit einem landeskirchlichen Vorhaben beschäftigt, das in Form von Schulungen und einer Verpflichtungserklärung auf
uns alle zukommen wird: dem Projekt „Alle Achtung. Grenzen achten – vor Missbrauch schützen“ (http://alleachtung.net).
Hintergrund ist ein Bundesgesetz von
2012, welches das Kindeswohl und den
Schutz von Kindern vor Missbrauch zum
Standard für Kinder- und Jugendarbeit
macht. Das Projekt soll nun dieses Gesetz
umsetzen. Zum Projekt der Landeskirche
gehört die Schulung im Umgang mit Kindern, bei denen Anzeichen für Kindeswohlgefährdung bestehen ebenso wie der
Ausschluss von Menschen mit Vorstrafen
im Bereich der sexuellen Gewalt und des
Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen aus deren Betreuung durch Vorlage
eines erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses.
Nachdem die Konzeptionsphase im Lauf
dieses Jahres zu Ende geht, folgt eine
Umsetzungsphase 2015 bis 2018, bei der
im Anschluss an Schulungen Verpflichtungserklärungen unterzeichnet werden
sollen (der Wortlaut der Erklärung kann
unter „Material“ auf der oben genannten
Homepage abgerufen werden).
Die Pfarrvertretung hat in ihrer Stellungnahme die Einführung der Verpflichtungs-
erklärung begrüßt; das Ansehen der PfarrerInnenschaft hängt daran, dass Menschen sich auf die Achtung ihrer Grenzen
bei uns absolut verlassen können.
Gleichzeitig legt die Pfarrvertretung Wert
darauf, dass in der Handhabung bei Verdachtsfällen nicht nur das berechtigte Interesse von Schutzbefohlenen vor Grenzverletzungen berücksichtigt wird, sondern
auch das schützenswerte Interesse von
MitarbeiterInnen der Landeskirche vor unberechtigten Verdächtigungen, die gerade
im Bereich des sexuellen Missbrauchs rufschädigend und existenzzerstörend sein
können. Daher hat die Pfarrvertretung darum gebeten, an den weiteren Beratungen
zu Handlungsplänen und MitarbeiterInnenschulung beteiligt zu werden.
Die Pfarrvertretung hat nun eine eigene
Homepage. Informationen über die Aufgaben und die Zusammensetzung des Gremiums wie auch über aktuelle Beratungsgegenstände können abgerufen werden
über www.ekiba.de/pfarrvertretung.
Rechte können nur dann in Anspruch genommen werden, wenn sie bekannt sind.
Daher hier der Hinweis auf eine anscheinend noch wenig bekannte Bestimmung
der neuen Rechtsverordnung Urlaub vom
März 2014 (http://www.kirchenrecht-baden.de/showdocument/id/4289/section/
00000010/search/Urlaub/exact/#s000000
10): Nach § 4 (2) können Pfarrerinnen und
Pfarrern ab dem Jahr, in dem sie das 55.
Lebensjahr vollenden, auf Antrag vom
Evangelischen Oberkirchenrat pro Kalenderjahr drei Tage Dienstbefreiung für eine Maßnahme der Rekreation bzw. SaPfarrvereinsblatt 3-4/2015
109
lutogenese bewilligt werden. Die Maßnahme ist mit dem Antrag anzugeben. Die
Tage dürfen mit maximal vier Tagen Erholungsurlaub kombiniert werden. Die Tage
sind nicht auf das Folgejahr übertragbar.
Bei einem Antrag von Pfarrerinnen und
Pfarrern, die ausschließlich hauptberuflich Religionsunterricht erteilen, ist auf
schulische Belange besonders Rücksicht
zu nehmen.
Nach Auskunft des Personalreferats liegt
die Entscheidung über die Art der Maßnahme beim Antragsteller.
Im Januar hat das Kollegium des Oberkirchenrats eine neue Rechtsverordnung
zum Thema Pfarrdienstwohnung verabschiedet. Anlass für diese RVO waren der
Regelungsbedarf für die immer häufigere
Situation, dass Kirchengemeinden Wohnungen als Dienstwohnung anmieten
(wer zahlt z. B. die Kosten eines Umzugs,
wenn sich im Lauf der Nutzung der Bedarf
durch Änderung der persönlichen und familiären Verhältnisse ändert?), sowie die
Verlagerung der Verantwortung für die
bauliche Betreuung der Pfarrhäuser vom
Oberkirchenrat auf die Kirchengemeinden
(verbunden mit Stellenkürzungen im Baureferat des Oberkirchenrats). Keine Antworten gibt die Rechtsverordnung auf
strittige Fragen wie die nach der Finanzierbarkeit der Pfarrhäuser sowohl für die
Kirchengemeinden wie auch (über die zu
versteuernden Mietwerte oder die Nebenkosten) für die PfarrerInnen oder zur Frage der Residenzpflicht.
Ein wichtiger Punkt in der neuen RVO ist
der Wechsel von sehr genauen Beschrei110
Pfarrvereinsblatt 3-4/2015
bungen der Ausstattung von Pfarrhäusern
in den alten Richtlinien zu allgemein gehaltenen Mindeststandards, die sich an
den Bedürfnissen einer fünfköpfigen Pfarrfamilie orientieren, und zum relativ weiten
Begriff von der „guten Ausstattung“ (§ 13)
– die zumindest dort, wo es Mietspiegel
gibt, dann doch wieder genauer wird. Sollte sich in der Praxis erweisen, dass dieser
Wechsel zu Konflikten über das Verständnis einer „guten Ausstattung“ führt – hierfür bitte ich um Rückmeldungen – ist in der
RVO bereits die Möglichkeit vorgesehen,
dass der EOK Richtlinien erlässt. Auch
hinsichtlich der Überführung der Verantwortung für Pfarrdienstwohnungen auf die
Kirchengemeinden hält die RVO in ihrer
Begründung fest, dass bei fortschreitendem Diskussionsstand die RVO gegebenenfalls anzupassen ist – wenn Bedarf
dafür gesehen wird (z. B. weil sich erweist,
dass Gemeinden oder VSAs mit der Aufgabe überfordert sind), sollte die Pfarrvertretung informiert werden.
Eine Überschreitung des Mindeststandards ist natürlich möglich (im Rahmen
der finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde).
Eine übergeordnete Verantwortung des
Oberkirchenrats bleibt in der RVO darin
erhalten, dass eine Unterschreitung des
Mindeststandards genehmigungspflichtig
ist (§ 5). Auf Standardunterschreitungen
soll – das wurde auf Bitte der Pfarrvertretung eingefügt – in der Ausschreibung hingewiesen werden. Von den betroffenen
PfarrerInnen ist bei Standardunterschreitungen eine Stellungnahme einzuholen
(so zu lesen in der Begründung der RVO).
Aus meiner Sicht kann diese Regelung
sinnvoll sein, wenn man z. B. als Single in
einer Gemeinde ohne Pfarrhaus nicht eine Dienstwohnung angemietet bekommen möchte, die am Bedarf einer fünfköpfigen Familie ausgerichtet ist. Auf der
anderen Seite besteht natürlich die Gefahr, dass Kirchengemeinden auf Kosten
von PfarrerInnen am Standard der Pfarrdienstwohnungen sparen. Daher kann ich
an dieser Stelle nur dringend dazu raten,
sich nicht auf Stellen zu bewerben, auf
denen die Wohnperspektive unklar ist – in
den Auseinandersetzungen um die Erfüllung des Standards und die angemessene Ausstattung steckt so viel Konfliktpotenzial, dass der Start in einer neuen Gemeinde dadurch erheblich erschwert werden kann.
Die bei Bewerbungen wünschenswerte
Transparenz hinsichtlich der zukünftigen
Wohnsituation, bisher nur in Form einer
Anfrage zum zu versteuernden Mietwert
möglich, gilt nun auch in Bezug auf den
Energieverbrauch der Pfarrhäuser. Auf Anregung der Pfarrvertretung ist in § 19 (2)
die Bestimmung aufgenommen worden,
dass BewerberInnen um eine Pfarrstelle
ein den staatlichen Vorgaben entsprechender Energieausweis vorzulegen ist.
Neu ist die Tatsache, dass bei den nutzungsberechtigten Mitnutzern einer Pfarrdienstwohnung erstmals Personen ausdrücklich genannt werden, die in eingetragener Lebenspartnerschaft mit dem
Nutzer bzw. der Nutzerin leben (§ 4). Das
Kollegium ist hier einer Anregung der
Pfarrvertretung gefolgt.
Neu ist weiter die Pflicht der Kirchengemeinde zum Tragen der Heizkosten für
stillgelegte Räume (§ 9) (die Stilllegung
kann zur Absenkung des zu versteuernden Mietwerts sinnvoll sein).
Neu ist auch, dass in Pfarrhäusern (d. h.
der räumlichen Verbindung von Dienstwohnung und Amtsräumen) die Kosten für
Telekommunikationsanlagen einschließlich Internetzugang nun auch für den
Dienstwohnungsbereich durch die Kirchengemeinden übernommen werden
(soweit nicht durch die private Nutzung
weitere und höhere Kosten entstehen)
(§ 20).
§ 28 (7) stellt für Pfarrhäuser das Erfordernis der Barrierefreiheit auf, soweit es
den Amtsbereich betrifft. Das ermöglicht
behinderten Gemeindegliedern den Zugang zum Pfarramt und entspricht dem
Geist der Integrationsvereinbarung für PfarrerInnen mit Schwerbehinderung. Bislang
noch nicht aufgegriffen wurde die Bitte der
Pfarrvertretung, die behindertengerechte
Ausstattung auch auf den Wohnbereich
auszudehnen; schließlich ist bei Dienstwohnungspflicht die Frage von Arbeitsplatz und privatem Wohnen nicht zu trennen. Um die Kosten für entsprechende
Baumaßnahmen nicht zum Wahlhindernis für PfarrerInnen mit Schwerbehinderung werden zu lassen, haben wir die Einrichtung eines landeskirchlichen Fonds
angeregt.
Ein letzter Punkt: Während der Beratungen der RVO waren die Schönheitsreparaturen beim Einzug in eine PfarrdienstPfarrvereinsblatt 3-4/2015
111
Buchbesprechung
wohnung (§ 13 (8) ) ein Gegenstand von
Nachfragen der Pfarrvertretung. Daher
hier die Klarstellung, dass es trotz Änderungen im Wortlaut in der Sache so bleibt
wie bisher: Die erforderlichen Maler- und
Tapezierarbeiten werden vor dem Einzug
auf Kosten der Kirchengemeinde durchgeführt.
■ Volker Matthaei, Stutensee
112
Pfarrvereinsblatt 3-4/2015
Jan Assmann:
Exodus
Die Revolution der Alten Welt
Verlag C.H. Beck, München 2015, 493 Seiten, Leinen, zahlreiche Abb., 29,95 Euro
Schon das Vorwort liest sich spannend,
charakterisiert Assmann doch den biblisch-israelitischen Monotheismus treffend als „Monotheismus der Treue“, indem er die Bedeutungsbreite des hebräischen Wortes „æmuna“ ernst nimmt. Diese Begrifflichkeit zieht sich durch das
ganze Buch. Als „ursprüngliche(s) Element des biblischen Monotheismus“
sieht er mit Recht den Gedanken des
Bundes. Um in diesen „einzuziehen,
musste aus Ägypten ausgezogen werden.“ Entsprechend benennt er sein
Thema „der Auszug aus Ägypten und
seine Folgen“. Dass Mythen grundlegende Menschheitsfragen beantworten
wollen, ist seit langem bekannt. Dass
der „Exodus-Mythos“ die Frage beantworte, wer „wir“ sind, müsste allerdings
dahingehend präzisiert werden, „wer Israel ist“. Viele seiner interessanten Annahme klingen plausibel, auch wenn sie
nicht belegbar sind. Dabei besticht Assmann häufig durch gekonnte Formulierungen, etwa das Neue am Exodus bestehe in „Revolution und Revelation“
oder es sei eine „Geschichte, die sich
die Angekommenen erzählen, nicht die
Aufgebrochenen“ und es gehe „um die
Vergewisserung des Neuen und nicht
um die bloße Emanzipation vom Alten.“
Auch der Hinweis, im Hebräischen werde Sklavendienst und Gottesdienst mit
demselben Wort beschrieben, gehört
hierher. – Aber Schluss mit diesen glänzenden Zitaten, sonst müsste man fast
das gesamte Buch abschreiben! Es
muss der Hinweis genügen, dass bereits die Einleitung eine Fülle auch theologisch bedeutsamer und treffend formulierter Feststellungen und Notizen
enthält.
Jedem Kapitel sind Zitate vorgeschaltet.
Zunächst gibt Assmann die Erzählung
des Exodusbuches wieder mit Hin weisen auf besonders bemerkenswerte
Einzelheiten, die auch für Theologen als
Kurzcharakteristik der Exodusgeschichte lesenswert sind, auf strukturelle Parallelen zu späteren Ereignissen bis in
die Neuzeit: (Genozid, Überfremdungsmotiv) sowie auf allgemeine religionsphänomenologische Motive (göttlicher
Offenbarungen).
Der Einzug in das Neue bedeutet noch
nicht Einzug in das verheißene Land,
sondern in den Bund. Unter diesem Gesichtspunkt wird die Sinaioffenbarung
samt den Krisen auf dem Weg dahin referiert und reflektiert. Bei der Sinaioffenbarung im engeren Sinn weist er auf den
Übergang von narrativen zum normativen Sprachstil hin, eine wichtige Beobachtung.
Bei der Frage nach dem historischen
Hintergrund beweist sich der Ägyptologe. Dabei fragt er, was diese Erzählung
„ihren jeweiligen Zeitgenossen und uns
bis heute unter Berufung auf die Vergangenheit sagen will“; denn die „Fragen nach der historischen Wirklichkeit
führen ins Leere.“ Demgegenüber frage
die „Gedächtnisgeschichte“ nicht danach, „,wie es eigentlich gewesen ist‘,
sondern danach, wie es erinnert wurde“,
zwei hermeneutisch wichtige Gesichtspunkte. Im weiteren geht er auf die Hyksos-These und Beziehungen zwischen
Ps 104 und dem Echnaton-Psalm als
weitere Beispiele für Israels Erinnern an
die Ägyptenzeit ein, weiß aber, dass dies
umstritten ist. Hinweise auf die Habiru
und die „Seevölker“ fehlen ebenso wenig. Unter dem Leitgedanken einer wunderbaren Rettungserfahrung werden mit
bedenkenswerten Hinweisen sowohl rituelle als auch geschichtliche Haftpunkte dieser Tradition erörtert. Die Priesterschrift sieht er nicht als Quelle, sondern als
die kanonische Endgestalt und „Grundschrift des frühen Judentums“, die komponierend und kommentierend die unterschiedlichen Überliefe rungsstufen zusammenfasst. Er unterscheidet mehrere
im Bibeltext erhaltene Gesamtkompositionen. Wichtig ist ihm die Unterscheidung von „Textpflege“ und „Sinnpflege“,
die er im Vergleich anderer Kulturen mit
der biblischen Tradition (bis hin zur
„mündlichen Tora“) deutlich macht. So
entsteht ein interessantes Gesamtbild
mit unterschiedlichen Sichtweisen Ägyptens, wenn auch nicht alle Details unanfechtbar sind. Wichtig ist jedoch die Betonung, dass das Gedächtnis selektiv erinnert, was in jeweiligen Situationen von
Bedeutung ist. Wichtig ist die mit dem
Bundesschluss verbundene Unterscheidung zwischen innen und außen, Volk
Israel und Völkern, wobei er feststellt:
„Diese Unterscheidung, das muss ausPfarrvereinsblatt 3-4/2015
113
drücklich betont werden, hat nichts mit
Intoleranz und Gewalt zu tun“, sondern
mit Vorbild. Dies gilt jedoch nicht für das
Verhältnis zu kanaanäischen Völkern –
übrigens eine Unterscheidung, die auch
Martin Buber traf. Dieses Kapitel ist angesichts heutiger Diskussionen auch
theologisch besonders lesenswert.
Nach diesen grundsätzlichen Erörterungen wendet sich Assmann im zweiten
Teil unter dem Titel „Der Auszug“ detailliert einzelnen Elementen z. B. Leiden
der Israeliten in Ägypten, die Namensoffenbarung am Sinai, aber auch „Vertrag und Gesetz“ oder die „Institution der
Gottesnähe“, wobei bereits die Kapitelüberschriften neugierig machen.
So erörtert er etwa die Zwangsarbeit in
Ägypten anhand damaliger Rechtsverhältnisse, und stellt fest, die Schilderung
der Verschärfung der Fron in Ex 5 sei dabei „besonders reich an genuin ägyptischen Details“ – bis dahin, dass Erhöhung von Arbeitsnormen als schwere
Sünde galt. Von hier aus betrachtet er
Bibeltexte, nach denen Israeliten eigene
Volksgenossen als Sklaven hielten, und
erhebt die theologische und soziale Bedeutung der Erinnerung an die Unterdrückung in Ägypten, aber auch die Betonung der „Allochthonie“. Diese Erfahrungen behalten ihre Bedeutung bis in
die Zeit der römischen Unterdrückung
und die Neuzeit. Interessante Aspekte
gewinnt er auch den Erzählungen vom
Gebot der Kindestötung und der Geburt
Moses ab, prophetischen Texten, bei denen er zwischen Bundesbruch und Treuebruch unterscheidet u. v. a. m.
114
Pfarrvereinsblatt 3-4/2015
Die Offenbarung des Gottesnamens
stellt Assmann in einen größeren biblischen und geistesgeschichtlichen Zusammenhang bis hin zu Schiller und
Schönbergs Oper „Moses und Aron“, die
er auch in anderen Zusammenhängen
heranzieht. Die als „Zauberwettkampf“
beschriebenen „ägyptischen Plagen“ versteht er zusammen mit der Einsetzung
des Pessach und dem Schilfmeerwunder als „Gottes Machtoffenbarung“.
Die Rezension darf sich nicht in zu viele Details verlieren. Generell ist festzustellen, dass Assmann sich in die repräsentative theologische Diskussion gründlich eingearbeitet hat, die er auch am
Ende des Buches aufführt und in zahlreichen Fußnoten zitiert – allerdings
meist affirmativ, nicht diskursiv. Stattdes sen kommt sein reiches kulturgeschichtliches, altorientalisches, vor allem ägyptologisches Wissen zum Tragen und hilft, die biblischen Texte zeitund religionsgeschichtlich einzuordnen
und besser zu verstehen.
Für die Identität Israels stellt er fest: Die
Israeliten wussten sich im Unterschied
zu anderen Völkern „zusammengehörig
durch die Erwählung in den Bund mit
JHWH und die Annahme des Gesetzes“,
nicht durch territoriale Abgrenzung.
Außerdem betont Assmann die Bedeutung der Zeugenschaft und spricht von
der Tora als „nationalem Gedächtnis“.
Theologie und Religionspädagogik werden künftig gut daran tun, bei der Behandlung dieser Texte und Fragen, je-
Buchbesprechung
weils Assmanns Exodus-Darstellung in
ihre Überlegungen einzubeziehen, zumal die markanten Kapitelüberschriften
die Orientierung erleichtern.
Zusammenfassend kann man nur dem
katholischen Alttestamentler Bernhard
Lang zustimmen, dessen Urteil auf dem
Umschlagstext lautet: „Noch keiner hat
über das Buch Exodus, den Mann Mose,
den Auszug aus Ägypten und die von
Gott verfügten Gebote – und die Wirkungsgeschichte all dessen in unserer
Kultur – so elegant und überzeugend geschrieben wie Jan Assmann. Nimm und
lies!“ Man kann nur hinzufügen: „Immer
wieder“.
■ Hans Maaß, Karlsruhe
Martin Buber:
Die Erzählungen der Chassidim
Mit einem Nachwort von Michael Brocke.
Manesse-Verlag, Zürich 2014, 784 Seiten,
Leinen, 29,95 Euro
Schon der Einband mit der Wiedergabe
eines Chagall-Bildes weckt Interesse
und lässt gerne zu diesem eindrucksvollen Buch greifen.
In seinem Nachwort gibt Michael Brocke
einen kurzen Überblick über Bubers Begegnung mit den Zeugnissen chassidischen Judentums in der heutigen Ukraine vom 18. Jh. bis zum Ausgang des 19.
Jh., wie es u. a. in Joseph Roths „Juden
auf Wanderschaft“ sichtbar wird. Immer
wiederkehrende zentrale Begriffe werden dabei als bekannt vorausgesetzt
bzw. im Verzeichnis „Wichtige Namen
und Begriffe“ erklärt. Zum besseren Verständnis sollen allerdings zwei zentrale
Begriffe hier kurz erläutert werden. „Chassidim“ bedeutet die „Frommen“ und ist
Bezeichnung der Anhänger ihres geistigen Führers, des „Zaddik“, eigentlich
„Gerechter“, Buber bevorzugt aber wie
in seiner Bibelübersetzung die Bezeichnung „Bewährten“.
Seine Anthologie zeichnet nach Brocke
die Tatsache aus, dass hier nicht nur der
frühe Chassidismus oder religionsphilosophische Erörterungen zu Wort kommen, sondern auch Vertreter „des mehr
und mehr dynastisch vererbten ,Zaddikismus‘. Wir erfahren dabei, dass Buber
nur etwa zehn Prozent seiner reichhaltigen Sammlung ausgewählt und stilisPfarrvereinsblatt 3-4/2015
115
tisch bearbeitet hat und zeitlebens darauf bestand, „dass nicht die ,esoterische Lehre‘, sondern die vitale Erzählliteratur das innerste Leben der Gemeinschaften und ihrer Generationen widerspiegelt.“ Brocke verschweigt auch
nicht, dass Buber mit seiner Art der
Weitergabe auf Kritik stieß, u. a. auch
weil er seine Quellen nicht in allen Fällen „preisgab“. Kennzeichnend für diese
Erzählungen sei: „Buber entlastet die
Geschichten vom ,Ballast‘ des historischen Kontextes und stutzt sie auf die
wesentliche Aussage zurecht.“ Dies
macht Brocke an Beispielen deutlich,
teilweise auch in Gegenüberstellung zu
Bubers Vorlagen. Dabei bleibe die „kabbalistische Komplexität“ oft auf der Strecke bzw. dem Leser „erspart“. So kommt
Brocke zu dem Urteil, bei Buber trete
„der Chassidismus als stärker der Welt
geneigt und ihr zugewandt auf, als es
der vehemente religiöse Ausbruch einst
wollte und weiterhin will“, aber er habe
es geschafft, „die heilsame Kraft der Erzählung herauszustellen.“
Entsprechend beginnt auch Bubers eigenes Vorwort: „Dass Chassidim sich von
ihren ,Zaddikim‘, von den Führern ihrer
Gemeinschaften, Geschichten erzählen,
das gehört zum innersten Leben der
chassidischen Bewegung. Man hat Großes gesehen, man hat es mitgemacht,
man muss es berichten, es bezeugen.“
Wie er sich den Entstehungsprozess vorstellt, beschreibt Buber: „Wir können am
Beispiel der Baalschem-Legende verfolgen, wie die legendäre Überlieferung im
Chassidismus sich entwickelt. Familien116
Pfarrvereinsblatt 3-4/2015
legende und Schülerlegende umfließen
geheimnisvolle Vorgänge als Andeutungen schon den Lebenden und verfestigen sich nach seinem Tode zu Erzählungen,“ – eine durchaus rationale Betrachtungsweise. Entsprechend ordnet er
auch die einzelnen Erzählungen an, beginnend mit Israel ben Elieser, dem
„Baal-Schem-Tow“, seinen Schülern, dem
engeren Kreis und den Nachkommen;
ähnlich auch bei anderen Zaddikim.
Für Bubers Sicht des ihm vorliegenden
Materials ist sein Urteil bezeichnend: „In
der zweiten Hälfte des neunzehnten
Jahrhunderts beginnt dann die literarische Korruption, die überlieferte Motive
geschwätzig verarbeitet und mit erdichteten zu einer niedrigen Art volkstümliche Belletristik zusammenflickt.“ So erklärt sich auch die von Brocke festgestellte Auswahl und stilistische Überarbeitung durch Buber. Er unterzog sich
der Mühe, den ursprünglichen Kern „so
genau wie möglich zu rekonstruieren
und ihn in der ihm seiner Art nach angemessenen Form so klar wie möglich zu
erzählen“. Buber unterscheidet sich hierbei methodisch nicht von der zeitgleichen historisch-kritischen Bibelexegese.
Dabei sieht er die Anekdote im „jüdischen Diaspora-Geist“ verwurzelt; alles
Psychologische und Ornamentale soll
dabei ferngehalten werden; „je nackter
sie ist, umso mehr erfüllt sie ihre Aufgabe“. Ein Beispiel: „Rabbi Michal sprach:
,Wie der böse Trieb den Menschen zur
Sünde zu verführen sucht, so sucht er
ihn zu verführen, dass er allzu gerecht
werde.‘“
Bubers Vorwort ist allerdings mehr als
übliche Vorworte: eine methodische Einführung in den Umgang mit religiösen
Legenden.
keine Rüge aus. Da offenbarte sich ihm
der Prophet und verhieß ihm einen
Sohn, der die Augen Israels erleuchten
werde.“
Die anschließende Einleitung nennt
dann als Ziel des Buches, es wolle seine „Leser in eine legendäre Wirklichkeit
einführen“; legendär, weil die Erzählungen „auf begeisterte Menschen“ zurückgehen, die nicht von sich berichten,
„sondern von dem, was auf sie gewirkt
hat.“ Wo er Wundergeschichten wiedergibt, die „Irreales“ enthalten, leitet er diese ein mit dem „Vermerk: ,Es wird erzählt‘. Bereits an einer der ersten Erzählungen über Baal-Schem-Tow lässt
sich dies erkennen, die hier als einziges
Beispiel dafür wiedergegeben werden
soll:
„Es wird erzählt: Elieser, der Vater des
Baalschem, wohnte in einem Dorfe. Er
war ein so gastfreier Mann, dass er am
Dorfrand Wächter aufstellte, die mussten die armen Wanderer auffangen und
zu im bringen, dass er sie verpflege und
versorge. Im Himmel freute man sich
seines Tuns, und einmal kam man überein, ihn zu prüfen. Der Satan machte
sich dazu erbötig; aber der Prophet Elija bat, man möge lieber ihn gehen lassen. In der Gestalt eines armen Wanderers mit Ranzen und Stab trat er an einem Sabbatnachmittag an Eliesers Haus
und sprach den Gruß. Elieser achtete
der Sabbatverletzung nicht, denn er
wollte den Mann nicht beschämen; er lud
ihn sogleich zum Mahl und behielt ihn
bei sich. Auch am nächsten Morgen, als
der Gast Abschied nahm, sprach Elieser
Buber will von Menschen erzählen, die
„in Begeisterung, in begeisterter Freude“
lebten; denn Begeisterung zu erzeugen,
sieht er als Grundmotiv aller großen Religionen an. Dem Judentum bescheinigt
er, trotz der großen „messianische(n)
Konzeption einer kommenden Vollendung auf Erden“ nie die Tendenz aufgegeben zu haben, „der Vollkommenheit
eine irdische Stätte zu schaffen.“ Und
„Die Entstehung des Chassidismus bedeutet das Bestehen dieser Probe.“
Dem Chassidismus geht es um einfache
Menschen in ihrer Not und Armut. Wie er
ihre existenziellen religiösen Fragen beschreibt, kann hier nur angedeutet werden, die bildhafte Ausdruckskraft seiner
Worte muss man selbst lesen! Wie er
stellvertretendes Leiden versteht, macht
er an R. Nachman von Bratzlaw deutlich.
So ist auch Bubers Feststellung zu verstehen, nicht nur bewusstes Einwirken
des Zaddik auf seine Chassidim wirke
sich auf diese aus, sondern „seine leibliche Nähe: Dadurch, dass man ihn betrachtet, vollendet sich der Sinn des Gesichts, und dadurch, dass man ihm
lauscht, der Sinn des Gehörs. Nicht die
Lehre des Zaddiks, sondern sein Dasein
übt die entscheidende Wirkung“. Dennoch sind die einzelnen Anekdoten und
Weisheitssprüche, die Buber in dieser
umfangreichen Sammlung wiedergibt,
voller nachdenkenswerter Anregungen –
nicht nur für Chassidim!
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Dass außer Baalschem nur wenige aus
seinem näheren Umkreis Gegenstand
der chassidischen Erzählungen sind, erklärt Buber mit dessen Faszination;
„erst in der dritten Generation sehen wir,
um das zentrale Lehrhaus, das des großen Maggids, geschart, eine große Reihe von Zaddikim, jeder von eigner Art,
deren Gedächtnis die Legende mit bildnerischer Liebe pflegt.“ Diese werden
auf den folgenden Seiten der Einleitung
charakterisiert, so stellt dass diese zugleich eine Geschichte des Chassidismus dar. Leider nennt Buber weder hier
noch an anderer Stelle die Lebensdaten
dieser religiösen Führergestalten. Dass
diese Epoche oft als „eine des beginnenden Niedergangs“ bezeichnet wird,
hält Buber für eine „Vereinfachung des
Sachverhalts“. Allerdings sieht er eine
Problematik dieser Epoche in „der Vielheit der Zaddikim ohne übergeordnete
Instanz“, die aber „als eine wesentliche
Grundlage der chassidischen Bewegung
begriffen werden muss.“ Diese kann in
Einzelfällen sogar „in grotesker Verwilderung“ dazu führen, dass man den
„letzten Sprung tat, mit beiden Füßen in
einen mythologisch ausstaffierten Nihilismus hinein“.
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Manche Erzählungen weisen eine Nähe
zum gleichzeitigen Pietismus auf, andere erinnern an Johann Peter Hebels Kalendergeschichten.
Verschiedene Register zu wichtigen Namen und Begriffen sowie zu Bibelstellen
erleichtern den Zugang und machen
das Buch zu einem echten Arbeitsbuch.
Al lerdings wünschte man sich, das
Stich wortregister wäre noch ausführlicher, um die verborgenen Schätze heben zu können.
■ Hans Maaß, Karlsruhe
Die Geburtstagslisten wurden
in der Online-Ausgabe aus
Datenschutzgründen entfernt.
In memoriam
Ludwig Herrmann
* 30.3.1926
† 3.1.2015
Mit 19 Jahren hätte Ludwig Herrmanns fast
89jähriges Leben schon mehrfach ausgelöscht sein können. Ludwig Herrmann beschreibt eindrücklich in seinen Kindheits-,
Jugend- und Kriegserinnerungen, wie oft
ihm der Tod zum Greifen nahe gekommen
ist. Als 7jähriger ist er vom Auto erfasst worden, als junger Soldat den Granaten um
Haaresbreite entkommen, er wurde beinahe erschossen, erhängt … Die Kriegserfahrungen haben sich für sein ganzes Leben tief in seine Seele eingebrannt, wie bei
zahllosen Männern seiner Generation auch.
Die Kinder jener zahllosen Männer sind unfreiwillige Erben jener Traumata. Auch Sie,
die Kinder haben immer wieder etwas hiervon aushalten müssen.
So übermächtig ist jene Zeit für Ludwig
Herrmann, dass er nur 19 Lebensjahre –
bis 1945 – biographisch niederschreibt.
Das andere hätte er vielleicht jetzt noch
schreiben wollen. Aber es blieb bei 19 aufgeschrieben Jahren.
Wenn dann das wirkliche Leben aber beinahe 89 Jahre währt – zeigt das für mich,
wie sehr das Leben ein Geschenk ist! – ein
unverfügbares Geschenk.
Geschenkt ist so viel in diesem reichen Leben von Ludwig Herrmann: Hätten wir ihn
gefragt, so hätte er sicher zuerst auf seine
verstorbene Frau Gisela gewiesen. Erstaunlich genug in seiner verfassten Biographie ist ja, dass er mit Zeilen zu ihr, Gisela, seine Erinnerungen beginnt und dass
er auch mit Zeilen zu ihr endet.
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Seine geliebte Frau, seine Gefährtin, seine
Pfarrkollegin „mit den Engelsflügeln“ ist das
liebende Gegengewicht zu all den Kriegserfahrungen. Ich zitiere Ludwig Herrmann
auf der letzten Seite seiner Erinnerungen:
„Am 06. Januar 1946 begann für mich mein
eigentliches Leben (mit 19 Jahren). … (an)
der Universität in Heidelberg … durfte ich
mein Abitur ablegen. … und durfte studieren und fand den Beruf, den ich über dreißig Jahre ausübte.
Im Vorsemesterkurs traf ich Gisela. Sie
wurde später meine liebe Frau. Über 55
Jahre durften wir miteinander leben. Dieses Zusammensein ist das größte Geschenk in meinem Leben. Dafür danke ich
Gott von Herzen.“
Die „Engelsflügel“ waren ihr – Gisela – von
ihren Schülern am BBZ (an der Gehörlosenschule) drüben in Stegen einmal verliehen worden. Ihre Schüler sahen das so.
So sage ich: Ludwig Herrmann hatte einen
„Engel“ an seiner Seite. Für sich selber hätte er diese Bezeichnung nie und nimmer
akzeptieren können: – zu schonungslos,
zu ehrlich, zu redlich … verfasste er seine
Autobiographie – und lässt auch das nicht
weg, was negativ ist, was nachfolgenden
Generationen unverständlich, ja vielleicht
sogar abstoßend erscheinen könnte: Wie
beispielsweise: seine jugendliche Begeisterung für die nationalsozialistische Sache
– „aber so dachte man damals“ formulierte
er nüchtern.
Um dann zugleich zu beschreiben, wie
Mann und Frau (seine Eltern nämlich) eben
auch nicht so dachten. Und der Junge oft
im Zwiespalt zwischen nationalsozialisti-
scher Gesinnung seiner Altersgenossen
und der biblisch-christlichen, ethischen Fundierung seiner Eltern fast zerrieben wurde.
Er war „dazwischen“ von Anfang an – so
sagte er auch selber.
Seine Herkunftsfamilie aber war der zweite bedeutende Lebenshalt neben seiner
Frau. Ein Geschenk!
Vom Vater erhielt er zur Einsegnung am
Sonntag Judika, im März 1940, seinen
Konfirmationsspruch zugesprochen – geschenkt. Manche Geschenke will man zunächst nicht. Er selbst hätte sich das Bibelwort aus dem Römerbrief nie und nimmer herausgesucht. Aber er lernte es mit
der Zeit als sein Wort annehmen und schätzen. Sein Konfirmationsspruch: Röm. 1, 16:
„Denn ich schäme mich des Evangeliums
nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht, alle, die daran glauben“.
Sich nicht schämen für das Evangelium
Jesu Christi.
Ludwig Herrmann schreibt hierzu: „Ich danke meinem Vater, dass er mir mit diesem
Wort half, mich dem Zeitgeist (des Nationalsozialismus) entgegenzusetzen und auf
das Zentrum zu sehen, das allein für den
Menschen tragend ist.“ (das Wort Evangelium – Frohe Botschaft übersetzte sich Ludwig Herrmann auch etwa mit: Menschenfreundlichkeit Gottes – Liebe zu jedem
Menschen – auch zu unseren Schwächen!
– etwas fundamental anderes als die Ideologie des Nationalsozialismus! – fundamental anders auch als unsere gesellschaftliche Überzeugung der ökonomisierten Leistungsgesellschaft heute!
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Euch Enkel möchte ich fragen: Was hilft
Euch, den Zeitgeist auch kritisch zu betrachten? Eurer Konfirmationsspruch –
oder Worte vom Großvater?
„Ich schäme mich des Evangeliums nicht.“
Ein Beispiel für dieses „sich nicht schämen“
erzählt er selbst. Am Essenstisch der Familie Herrmann in Mosbach geriet er manches Mal in heftigen Streit mit dem Vater
über nationalsozialistische Meinungen. Er,
jung, begeistert und verführt, vertrat diese –
der Vater war dagegen. So sehr, dass er
den jungen Ludwig fast vom Essenstisch
verwies und ihm das nachmittägliche Fußballspiel mit den Kameraden verbot. Wenn
dann aber die Kameraden – als sie ihn abholen wollten – vor der Türe den Vater einen Reaktionär schalten und einen Feind
der nationalsozialistischen Gesinnung –
war sich Ludwig nicht zu schade, aus dem
Fenster zu springen und sich mit dem Frevler einen Faustkampf zu liefern und so den
Vater zu verteidigen.
Er schämte sich der Eltern und deren
christlicher Überzeugung nicht.
Diese lebenslange (?) Haltung brachte ihm
nicht nur Freunde ein. Auch in seiner evangelischen Landeskirche nicht. Auch da
konnte er – im Bild gesprochen – aus dem
Fenster springen und sich in den Faustkampf stürzen. Ich empfinde das manchmal als ein ausgesprochenes Qualitätsmerkmal – wenn ich das so sagen darf.
„Ich schäme mich des Evangeliums nicht,
sagt das Römerbriefwort – aber eine An124
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fechtung, eine Last, eine Zumutung war es
dem Prediger Ludwig Herrmann oft.
Er kannte und durchlebte die Verzweiflung
wegen der unverständlichen Bibelworte.
Die Verzweiflung am Evangelium. Manches Mal raubte sie Ihm die Kraft, ja, die
Fähigkeit zur Predigt. Und er übertünchte
dies dann am Sonntagmorgen in der Kirche nicht mit irgendwelchen frommen Phrasen, sondern sagte es – seiner Art entsprechend – offen der Gemeinde – und es entspann sich ein Predigtgespräch im Gottesdienst. So erzählten Sie mir und auch er erzählte mir es. Waren das Sternstunden gelebten Glaubens?
Seine Kämpfe und Zweifel gründeten in
seiner intellektuellen Redlichkeit. Auch das
eine Familientradition. Hierein passte gut
das theologische Konzept Rudolf Bultmanns, das ihn mitprägte. 1958 veröffentlichte jener seine „Theologie des Neuen Testamentes“. Nur einen Satz daraus möchte
ich anreißen, um deutlich zu machen, was
Ludwig Herrmanns Ringen vielleicht erhellen kann:
Bultmann schreibt: „Die Tatsache der Auferstehung (Jesu) kann nicht als ein objektiv feststellbares Faktum bewiesen oder
einleuchtend gemacht werden, so dass
man darauf hin einfach glauben kann“ –
trotz der Aussagen das Apostels Paulus,
der in 1. Korinther 15 viele Zeugen der Auferstehung Jesu aufzählt. Die Auferstehung
Jesu ist nicht einfach ein historischer Fakt,
wie zahllose andere Geschichtsfakten –
und Daten. Für die sich Ludwig Herrmann
ja auch sehr interessierte. (Diese Aussage
ist intellektuell redlich) und dann sagt Bult-
mann weiter: „Aber sie kann geglaubt werden, wenn der Auferstandene im verkündigten Worte gegenwärtig ist.“ Ich möchte
Bultmanns Worte jetzt nicht ausdeuten. –
Ich habe schon den Eindruck, dass Ludwig
Herrmann das in jüngeren Jahren durchaus versucht hat: den Auferstanden im Predigtwort gegenwärtig zu haben – aber das
ist ein übermenschliche Aufgabe. Wer sich
daran wagt, kann manches Mal nur verzweifeln.
Nun aber: Genug der Theologie!
Geschenk des Lebens ist, dass sein Leben
dennoch nicht mit dem Begriff „Verzweiflung“ umschrieben werden kann. Wohl mit
den Begriffen „ringen“ oder aber „zwischen
den Stühlen“ …
Er selber kann im Rückblick sein Leben
wesentlich mit dem Wort: „Geschenk“ umschreiben! „Ich hab es gut gehabt … ich bin
behütet gewesen … das Zusammensein
mit meiner Frau ist das größte Geschenk
…“
Geschenk, dass er um das letzte Weihnachtsfest jetzt (endlich!) zu Ihnen sagen
konnte: „Ihr müsst Vertrauen haben!“ Hat er
den Engel der Weihnachtsgeschichte noch
einmal neu hören können, der sagt: Fürchtet euch nicht, siehe, ich verkündige euch
große Freude, die allem Volk widerfahren
wird, denn euch ist … der Heiland geboren
…“
Geschenke von den Eltern, das Geschenk
seiner Frau Gisela, die so vieles in seinem
Leben erst ermöglicht hat – ein Engel eben!
Die Beziehung zu Ihnen, den vier Kindern
– die Enkel – die Geschwister, zahllose
Menschen in den Gemeinden, der Fachhochschule in Freiburg und anderswo …
Geschenk auch in den letzten 5 Jahren: Eine tägliche Hilfe und Gesprächspartnerin
an seiner Seite: Frau Elena Staiger – Sie,
Frau Staiger ein wunderbares Beispiel für
die zahlreichen wertvollen Menschen, die
zu uns nach Deutschland kommen. Wenn
ich das mit einem politischen Seitenblick
hier so sagen darf.
Geschenkt hat er selber vielen Menschen
so viel – so auch von unserer Kirchengemeinde ein herzliches Dankeschön, dass er
früher immer mal wieder als Prediger aushalf oder mit Vorträgen den Seniorenkreis
bereicherte – und bis zuletzt – je nach Gesundheit und Vermögen und auch Lust – in
unseren Gottesdiensten anwesend war.
Geschenk – vielleicht darf ich das so sagen
– auch sein leichter Tod – soweit wir das sagen können – ohne Kampf und Schmerz
und Hadern – sondern irgendwie befreit
und erlöst – einfach nach dem Morgenkaffee mit einem Buch in der Hand einschlafen zu dürfen.
Ludwig Herrmann hat seine Biographie
nicht weiter geschrieben – gar zu Ende geschrieben. Mit der Schilderung des 19. Lebensjahres hört er auf zu schreiben. Obwohl es da erst losgegangen ist.
Vielleicht schreibt ja jemand von Ihnen
(den Kindern, Enkeln, der Familie): Die
restlichen 70 Jahre mit Mutter, uns und all
den andern …
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„Die Flöhe vom Athos“ – das nur für Insider! – und vieles mehr zu erzählen wäre
befreiend!
Und keine Sorge! Zu Ende schreiben müssen Sie die Geschichte nicht. Das übernimmt Gott – der unverfügbare, der Unerklärliche. Der Liebende – wie ich glaube –
wie er glaubte …
„Ich schäme mich des Evangeliums von
Jesus Christus nicht; denn es ist eine Kraft
Gottes, die selig macht, alle, die daran
glauben.“
Das war sein Konfirmationsspruch – und
dazu beschreibt er, wie ihm im badischen
Katechismus die Frage 89 (Frage 1 im HD
Katechismus) wichtig geworden ist: „Was
ist nun dein einziger Trost im Leben und im
Sterben“ – was allein hält dich im Leben
und im Sterben – einzig und allein?
Und darauf die Antwort: Dass ich mit Leib
und Seele, beides im Leben und im Sterben, nicht mein, sondern meines getreuen
Heilandes Jesu Christ eigen bin …
Ich wünsche Ihnen, der Familie, dass Sie
sich auch so gehalten fühlen – und daraus
den Lebensmut schöpfen für Ihr frohes,
hoffnungsvolles und anpackendes Leben,
Ludwig Herrmann im Herzen – aber Ihren
eigenen Weg zu gehen. Amen.
■ Stefan Boldt, Kirchzarten
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"Freud und Leid" wurde in der Online-Ausgabe
zum Schutz der persönlichen Daten entfernt
Zu guter Letzt
Die entscheidende Frage
Als Jesus einmal in der Einsamkeit gebetet
hatte und die Jünger sich wieder um ihn
scharten, fragt er sie: „Für wen halten mich
die Leute?˝ Sie gaben ihm zur Antwort:
„Für Johannes den Täufer˝, „für Elija˝, „ja,
sie sagen: einer der alten Propheten ist
wiedergekommen!˝ – „Jedenfalls halten sie
dich für einen ganz bedeutenden Menschen. Sie sagen: Jesus, das ist ein wirklich
guter Mensch, ein Vorbild für alle. So ein
Lehrer der Humanität wie Sokrates zum
Beispiel oder Goethe oder Gandhi, sagen
sie. Manche bezeichnen dich auch als einen
großen Sozialreformer ... Einen Revolutionär der Liebe, so hat dich einer genannt!˝
bloße Gesinnungseinheit mit Gott – entfaltete und zumal auf den früheren Konzilien
von Ephesus und Chalzedon formulierte, die
zweite Person der heiligen Dreifaltigkeit,
der Sohn des Vaters, der Logos mithin, sein
göttliches Wort, das von der Ewigkeit her
im Besitz des vom Vater mitgeteilten einen
göttlichen Wesen ist, das in der Zeit aus
Maria eine menschliche Natur als vollendete eigene Wirklichkeit angenommen hat, so
dass du in der Einheit derselben göttlichen
Person eine göttliche und eine menschliche
Natur unvermischt und ungetrennt besitzt
und als derselbe, also wahrhaft Gott und
Mensch, zu glauben und zu bekennen bist.˝
„Und ihr?˝ fragte er weiter, „was sagt ihr
von mir?˝
Er war ein bisschen außer Atem, der Simon
Petrus, als er das gesagt hatte, aber es war
ein großartiges Bekenntnis. Es schien ihm
freilich, als ob Jesus ein wenig lächelte.
Auf jeden Fall verbot er den Jüngern
streng, dies irgend jemandem zu sagen.
Da gab Simon Petrus zur Antwort, und man
merke gleich, er hatte inzwischen seinen
Rahner wohl studiert: „Du bist, wie die Kirche gegen alle Missbildungen und Verkürzungen – besonders in Richtung auf eine
Lothar Zenetti
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