Begrüßung des Oberbürgermeisters Michael Korwisi

Verleihung des Friedrich-Hölderlin-Preises am 7. Juni 2015, 11:00 Uhr, Kurtheater
Begrüßung Oberbürgermeister Korwisi
Herzlichen Dank, sehr geehrter Herr Henning und sehr geehrter Herr Fry, für diesen
schwungvollen Beginn unserer Matinee. Die beiden Herren, verehrte Gäste, kommen
aus Berlin und haben sich nicht nur dort in der Jazz-Szene einen Namen gemacht. Das
Henning-Fry-Duo wird uns auch weiter durch diesen Festakt begleiten. Wir können uns
also auf noch mehr Jazziges freuen.
Frau Landtagsabgeordnete Barth, Herr BM Krug, Frau Kulturdezernentin Fleige, Herr
Stadtverordnetenvorsteher Fritzel, meine sehr geehrten Damen und Herren, es ist mir
eine große Freude, Sie im Namen der Stadt Bad Homburg zur Verleihung des FriedrichHölderlin-Preises 2015 willkommen zu heißen. Besonders freue ich mich unseren
Ehrenbürger Herrn Wolfgang Assmann begrüßen zu können. Und natürlich sage ich
den beiden Preisträgern ein herzliches Willkommen, Herrn Michael Kleeberg und Frau
Teresa Präauer.
Verehrte Gäste, wir verleihen den Friedrich-Hölderlin-Preis zum 33. Mal. Er ist heute
einer der bedeutendsten Literaturpreise im deutschsprachigen Raum. Seinen Erfolg
verdanken wir einer stets hochkarätig mit Experten besetzten Jury. In den nun mehr als
30 Jahren hat es in der Zusammensetzung dieses Gremiums hin und wieder
Veränderungen gegeben, immer wurde hervorragende Arbeit geleistet, wurden
überzeugende Entscheidungen getroffen. So war es auch diesmal. Obwohl wir, wie ich
es im vergangenen Jahr schon angekündigt hatte, einige Veränderungen bei der
Besetzung der Jury hatten.
Nach wie vor gehört der Jury Herr Prof. Gerhard Kurz an, Ehrenpräsident der HölderlinGesellschaft und in der Jury in diesem Jahr der Vertreter des Freien Deutschen
Hochstifts. Er ist unser dienstältestes Mitglied und hat in diesem Jahr den Vorsitz
übernommen. Wir haben vereinbart, künftig jährlich über den Vorsitz neu zu
entscheiden. Die Hölderlingesellschaft wird in der Jury durch die Vorsitzende, Frau Prof.
Sabine Doering, vertreten sein.
Herr Prof. Heinz Drügh, der an der Goethe-Universität Frankfurt Neuere Deutsche
Literatur lehrt, hat erneut mitgewirkt. Neu im Gremium sind auch zwei
Literaturredakteure: Frau Sandra Kegel von der FAZ und Herr Dr. Alf Mentzer vom
Kultursender hr2. Beibehalten haben wir den Brauch, den Vorjahrspreisträger in die
Entscheidungsfindung einzubeziehen, in diesem Jahr also Herrn Peter Stamm.
Kulturdezernentin Beate Fleige und ich vertreten die Stadt in der Jury. Wir beide sind
sehr froh darüber, dass die Jury ausgesprochen engagiert und konstruktiv gearbeitet
hat. Für das Herzblut, das Sie eingebracht haben, sehr geehrte Jurorinnen und Juroren,
spreche ich Ihnen meinen aufrichtigen Dank aus. Und einen besonderen Dank dafür,
dass Sie Ihre Aufgabe ehrenamtlich wahrnehmen. Das ist ja keineswegs eine
Selbstverständlichkeit.
Ebenso herzlich wie alle anderen zuvor - begrüße ich den Laudator der heutigen
Preisverleihung: Herrn Dirk Knipphals. Herr Knipphals, meine Damen und Herren, ist
Literaturredakteur bei der „taz“ und inzwischen selbst Buchautor. „Die Kunst der
Bruchlandung“ heißt der Titel seines Buches. Darin geht er, auch anhand der
Lebensläufe bedeutender Literaten und Filmschaffenden, der Frage nach, warum
Lebenskrisen zur Normalität gehören, ja geradezu unverzichtbar geworden sind. Das
bringt mich natürlich unweigerlich auf Hölderlin. Denn Hölderlin steckte in manchen
Lebenskrisen. In den schwersten, als er das Haus der Frankfurter Bankiersfamilie
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Gontard und damit seine geliebte Suzette, seine Diotima, verlassen musste, und
wenige Jahre später, als er geistig umnachtet von Homburg nach Tübingen gebracht
wurde.
In beiden Lebenskrisen spielte Homburg eine zentrale Rolle. Hier fand er Zuflucht. Hier
entstanden wichtige Werke seiner Dichtkunst. Seine „Homburger Foliohefte“ befinden
sich im Besitz der Stadt Bad Homburg und werden in der Württembergischen
Landesbibliothek Stuttgart gut aufbewahrt. Wir hegen und pflegen das Andenken an
Hölderlin, weil wir uns bewusst sind, wie wertvoll dieses kulturelle Erbe für Bad
Homburg ist. Dem haben wir – unter anderem – mit der Auslobung des Literaturpreises
Ausdruck gegeben.
Viele Jahre fand die Verleihung immer am 7. Juni, dem Todestag Hölderlins, des
„Dichters der Dichter“, wie Martin Heidegger ihn nannte, statt. Wir haben uns 2012
entschieden, den Hölderlinpreis künftig stets im Rahmen einer Matinee an einem
Sonntag, der auf den 7. Juni folgt, zu vergeben. Heute nun sind wir genau auf dem 172.
Todestag Friedrich Hölderlins.
Hölderlin war ein Wanderer. Ein Wanderer durch die Welt – und durch die
Lebenswelten. Dichter und Schriftsteller, meine Damen und Herren, beschreiben in
ihrer Poesie und Prosa ihre Lebenswelten. Damit spiegeln sie die Gesellschaft, deren
Phänomene und Entwicklungen wider. Sie berühren uns, machen uns nachdenklich.
Das geschieht insbesondere dann, wenn wir, mag die Erzählung noch so individuell auf
eine andere Lebenswelt ausgerichtet sein, uns plötzlich doch selbst in ihr erkennen.
Das ist auch bei Michael Kleeberg der Fall. In „Karlmann“ und „Vaterjahre“, den ersten
beiden Bänden der Trilogie, die die Jury besonders hervorgehoben hat, zeichnet er die
hanseatische Kaufmannswelt unserer Zeit, deren Familien-, Ehe- und Vaterwelten. Und
ihre – siehe Dirk Knipphals – Bruchlandungen. Ein präziser Blick, der die Komplexität
hinter dem scheinbar Banalen entdeckt, und eine virtuose, anschauliche Sprache sind
es, die Michael Kleeberg auszeichnen. So befand es unsere Jury. Erstaunlich dabei
finde ich, dass der Hölderlinpreis der erste große Literaturpreis für Michael Kleeberg ist.
Ich freue mich, dass wir Michael Kleeberg nun in die Reihe großer zeitgenössischer
Schriftsteller und Hölderlinpreisträger stellen, wie Günter Kunert, Ernst Jandl, Reiner
Kunze, Urs Widmer oder Martin Walser, um nur einige Beispiele zu nennen.
Auf den einen oder anderen Schriftsteller sind die Literaturszene und die Preisjurys
übrigens – und das kann ich mit Stolz vermerken – erst richtig aufmerksam geworden,
nachdem sie die Bad Homburger Auszeichnung erhalten hatten. Es würde mich sehr
freuen, sehr geehrter Herr Kleeberg, wenn das auch Ihnen widerfährt! Ich gratuliere
Ihnen sehr herzlich zum Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg 2015!
Und meine Gratulation geht natürlich genauso herzlich an Teresa Präauer. Sie gilt als
eine der Hoffnungen der jungen deutschsprachigen Literatur. Heute erhält Sie den
Förderpreis der Stiftung Claire Jansen zum Friedrich-Hölderlin-Preis. Die Jury lobte
besonders Ihren zweiten Roman „Johnny und Jean“.
Wie Sie, sehr geehrte Frau Präauer, in Ihrem Buch die Charaktere dieser beiden
angehenden Künstler und ihre Entwicklung zeichnen, ist in der Tat bemerkenswert.
Dazu hören Sie gleich mehr, meine Damen und Herren. Frau Kulturdezernentin Fleige
wird die Laudatio auf Teresa Präauer halten.
Verehrte Gäste, ich wünsche Ihnen eine genussreiche Begegnung mit zwei
herausragenden Schriftstellern, die uns lesenswerte Bücher beschert haben. Und das
mit Sicherheit auch in Zukunft tun werden. Wir dürfen gespannt sein.
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