Grußwort Klaus Olbricht

IHK-Jahresempfang 2015
25 Jahre Industrie- und Handelskammer zu Schwerin
16. April 2015 I 17:00 Uhr I Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin
Grußwort
Klaus Olbricht
Vizepräsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages e.V., Berlin
Vizepräsident der IHK Magdeburg
Es gilt das gesprochene Wort
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Jahresempfang 2015 I 25 Jahre IHK zu Schwerin I Grenzenlos erfolgreich
16. April 2015 I 17:00 Uhr I Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin
Grußwort Klaus Olbricht, Vizepräsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages e.V., Berlin, Vizepräsident der IHK Magdeburg
Sehr geehrter Herr Präsident Thon,
sehr geehrter Herr Ministerpräsident Sellering,
sehr geehrte Frau Staatssekretärin Gleicke,
meine verehrten Damen und Herren,
zum 25. Jubiläum der IHK zu Schwerin bin ich heute Abend gerne zu Ihnen gekommen! Ich
gratuliere Ihnen im Namen der gesamten IHK-Organisation und auch persönlich sehr herzlich. Es
ist mir eine große Ehre und Freude, hier zu sein und zu Ihnen sprechen zu dürfen.
Blickt man auf diese letzten 25 Jahre zurück, sieht man, es wurde viel erreicht. Der Schwenk von
einer Planwirtschaft in die Marktwirtschaft war ein Kulturschock – keine Frage. Die Wirtschaft
im Osten unseres Landes hat einen unglaublichen Strukturwandel erlebt und durchlebt. Das war
nicht immer einfach. Noch immer trennt die Wirtschaft hier im Osten einiges von der im
Westen. Aber alle Indikatoren zeigen, dass der Aufholprozess weiter gut verläuft.
Ein solch steiniger – aber erfolgreicher – Weg ist nicht ohne Unterstützung möglich. Daher
betone ich ausdrücklich auch die Rolle der Industrie- und Handelskammern. Es war eine große
Aufgabe, die Wirtschaft und die Unternehmen dabei zu unterstützen sich in einem neuen
Umfeld zu beweisen. Als Dienstleister und als Loste waren die IHKs von Anfang an zur Stelle.
Meine Damen und Herren, wenn man kurz in die Annalen blickt sieht man, dass der DIHK etwa
im Februar 1990 zu einem Kongress „Deutsch-Deutscher Marktplatz“ nach Berlin einlud.
Zahlreiche Unternehmer, Manager und Betriebsleiter aus beiden Teilen Deutschlands nahmen an
dem Kongress teil. Der Wissenstransfer wurde angestoßen.
Bereits im Dezember 1989 fanden erstmals Gespräche zwischen den Direktoren der Handelsund Gewerbekammern, der Kammerorganisation in der DDR, und Vertretern des DIHK, damals
noch DIHT, statt. Im Januar 1990 wurden Vertreter aller 14 Handels- und Gewerbekammern und
der Kammer für Außenhandel der DDR zu einem Treffen in West-Berlin eingeladen, um über die
Gründung von IHKs zu beraten.
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Jahresempfang 2015 I 25 Jahre IHK zu Schwerin I Grenzenlos erfolgreich
16. April 2015 I 17:00 Uhr I Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin
Grußwort Klaus Olbricht, Vizepräsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages e.V., Berlin, Vizepräsident der IHK Magdeburg
Aus Beziehungen zwischen westdeutschen und ostdeutschen Kammern entstanden konkrete
Kooperationsvereinbarungen; westdeutsche Kammern berieten als „Patenkammern“. In Schwerin
war das die IHK aus Kiel. Hier wurde die Einheit unseres Landes nicht nur erlebt, sondern
mitgestaltet.
Die IHKs waren also von Beginn an dabei. Sie haben Unterstützung geliefert, Netzwerke
geknüpft und unter die Arme gegriffen. Ich glaube, das war wichtig und richtig so.
Meine Damen und Herren, damals galt wie heute: Wirtschaft und Politik werden vor Ort konkret
und hier sind wir als IHK-Organisation gefordert. Vor Ort werden die Herausforderungen, aber
auch die Auswirkungen gerade falscher politischer Entscheidungen besonders sichtbar. Es ist
deshalb gut und wichtig, dass die IHKs, in den Regionen verankert, die Hand am Puls der
Unternehmen haben. Heute wie vor 25 Jahren! Das ist die Basis, auf der sich die IHKs, auch hier
in Westmecklenburg, zu Wort melden und den DIHK für Berlin und Brüssel mit Argumenten
munitionieren. Und wegen der Praxisnähe ist der unmittelbare Dialog zwischen Unternehmen
und den Abgeordneten in ihren Wahlkreisen wichtig. Denn im Konkreten geht es mehr um die
Sache und weniger um Ideologie. Als IHK-Organisation stellen wir uns unserer Verantwortung
im Interesse der gewerblichen Wirtschaft und im Interesse auch der Entwicklung unserer
Regionen – als Standorte für unsere Unternehmen und als Lebensraum für die Menschen.
Ein herausgehobenes Thema, war und ist die Ausbildung unserer jungen Menschen. Als DIHKVizepräsident und als IHK-Präsident bin ich stolz darauf, dass dies ein wesentlicher Schwerpunkt
unserer gemeinsamen Arbeit ist. Was es bedeutet gerade hierbei seiner Verantwortung nicht
gerecht zu werden, können wir heute leider bei vielen europäischen Nachbarländern erkennen.
Eine solche Perspektivlosigkeit darf es nicht geben.
Ausbildung bedeutet die Chance, Wissen, Erfahrungen und konkretes Können zu erwerben.
Ausbildung bedeutet zu lernen, im betrieblichen Alltag durchzuhalten, sich einzubringen und
einen Beitrag zum Erfolg zu leisten. Nicht von ungefähr interessiert man sich in der ganzen Welt
für unsere duale Berufsbildung.
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16. April 2015 I 17:00 Uhr I Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin
Grußwort Klaus Olbricht, Vizepräsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages e.V., Berlin, Vizepräsident der IHK Magdeburg
Ein gutes Beispiel dafür ist ein gemeinsames Projekt von DIHK und Bundesbildungsministerium.
Gemeinsam mit den Auslandshandelskammern vor Ort werden in 11 Ländern Projekte
aufgesetzt, um die berufliche Bildung in die Welt zu tragen. Im Idealfall entsteht so ein Nukleus
für die Entwicklung von dualen Strukturen vor Ort. Es wäre sehr zu wünschen.
Ich werbe aber auch sehr dafür, dass wir hier in Deutschland den Schatz, den wir mit der dualen
Ausbildung in der Hand haben, weiterhin hegen und pflegen. Denn Akademisierung und
Demografie hinterlassen ihre Spuren. Derzeit fehlt es an Lehrlingen, nicht an
Ausbildungsbetrieben. Mir wurde berichtet, dass hier in Mecklenburg-Vorpommern fast jeder 10.
Ausbildungsplatz unbesetzt geblieben ist. Wir müssen als Gesellschaft wieder mehr für die
Ausbildung werben. Nicht jeder wird sein Glück an der Universität finden. Auch wenn uns das
internationale Organisationen wie OECD immer wieder weiß machen wollen.
Wir werden deshalb den Schatz unserer Ausbildung weiter hochhalten. Sie steht auch für die
gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmern in unserem Land.
Es ist gerade auch das große ehrenamtliche Engagement in den IHKs, das die berufliche Bildung
Made in Germany erst möglich macht. Wir können stolz darauf sein, dass sich weit über 200.000
Persönlichkeiten ehrenamtlich in einer der 80 IHKs engagieren. Allein hier bei der IHK zu
Schwerin sind es knapp 1.500. Ohne die zahlreichen Unternehmerinnen und Unternehmer, ohne
Sie, die sich über ihre eigene Firma, ihren eigenen Schreibtisch hinaus in den Gremien einer IHK
einbringen, wäre die Arbeit der IHK-Organisation nicht denkbar, unsere duale Ausbildung so
nicht möglich! Viele werden hier heute im Saal sein. Ihnen gilt mein besonderer Dank.
Meine Damen und Herren, 25 Jahre Industrie und Handelskammer zu Schwerin sind auch der
Zeitpunkt zu fragen, wie geht es weiter? Vor welchen Herausforderungen steht unsere
Wirtschaft gerade hier in den östlichen Bundesländern. Lassen Sie mich dabei ein Thema ganz
besonders ansprechen, den Mindestlohn. Die Politik verfährt hier nach dem Motto „das wird
schon gutgehen“. Leider fehlt mir da der Glaube.
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Grußwort Klaus Olbricht, Vizepräsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages e.V., Berlin, Vizepräsident der IHK Magdeburg
Der einheitliche gesetzliche Mindestlohn ist ein Eingriff in die Tarifautonomie und schafft
Beschäftigungsbarrieren gerade hier in den Neuen Bundesländern. Nach neun Jahren
kontinuierlicher Beschäftigungszuwächse rechnet der DIHK hier erstmals mit einem Rückgang
der Erwerbstätigkeit – entgegen dem Trend in den westlichen Bundesländern. Ein Alarmsignal!
Hinzu kommt überall im Land die unpraktikable und lebensfremde Auftraggeberhaftung. Sie
führt zu Unfrieden zwischen Geschäftspartnern. Im Extremfall steht das Unternehmen vor der
Wahl, gegen die Unternehmerhaftung oder den Datenschutz zu verstoßen. Es geht weiter mit
den bürokratischen Dokumentationspflichten für eine Vielzahl von Branchen. Diese sind gerade
für kleinere Unternehmen kaum zu handhaben. Last but not Least: Während weder Verwaltung
noch Regierung verbindliche Auskünfte geben, führt der Zoll mancherorts bereits Prüfungen
durch. So geht wirtschaftsfreundliche Politik und eine bürokratiearme Umsetzung des
Mindestlohnes sicherlich nicht.
Leider passt dies jedoch ins derzeitige Bild der Bundespolitik. Wir verlieren die Zukunft aus dem
Auge: Mütterrente, Rente mit 63, Frauenquote und Mindestlohn, all das sind Maßnahmen, die
auf das Verteilen gerichtet sind. Und da dies noch nicht genug ist, kommen jetzt noch ein
Gesetz zur Entgeltgleichheit sowie neue Regulierungen bei Werkverträgen und Zeitarbeit hinzu.
Es bleibt also die Frage, woher in Zukunft unser Wohlstand kommen soll. Nach weit mehr als
einem Jahr Große Koalition wird es Zeit, den Hebel umzulegen.
Doch schon beim nächsten großen Thema für die Wirtschaft mag das nicht so recht gelingen,
bei der Erbschaftsteuer. Es wurde zwar vereinbart, auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts
minimalinvasiv zu reagieren. Die Eckwerte, die das Bundesfinanzministerium vor ein paar
Wochen vorgelegt hat, verdienen dieses Adjektiv jedoch nicht.
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Einbeziehung von Privatvermögen, Bedürfnisprüfung all das sind Schlagworte der letzten
Wochen. Keine Angst, ich werde jetzt nicht in die Details der Vorschläge gehen. Eines ist für
mich jedoch klar. Der Erhalt und die Weiterentwicklung der Kultur der Familienunternehmen am
Standort Deutschland müssen an erster Stelle stehen. Gerade die größeren
Familienunternehmen sind wesentliche Entwicklungstreiber in den Regionen – in
wirtschaftlicher wie in gesellschaftlicher Hinsicht. Es ist insofern im Interesse der gesamten
gewerblichen Wirtschaft, wenn wir uns dafür einsetzen, dass alle Familienunternehmen in
wirtschaftlich und rechtlich guter Weise von einer Generation auf die andere übergeben werden
können. Die Unternehmensnachfolge ist so schon Herausforderung genug.
Meine Damen und Herren, ein 25 jähriges Jubiläum ist Grund zum Feiern. Daher möchte ich
auch Positives betonen. Es gibt derzeit auch Punkte, die auf der Habenseite stehen und die ohne
Zweifel wichtig für uns als Wirtschaft sind.
Bei den Investitionen bewegt sich etwas. Das 10-Milliarden-paket, ergänzt um 5 Milliarden für
die Kommunen, bekommt Konturen. Die Forderungen der Wirtschaft nach mehr Investitionen
gerade in die Infrastruktur, Verkehr, wie Breitband, haben damit ihren Widerhall gefunden.
Immerhin!
Und noch eines möchte ich betonen. Die Schwarze Null ist richtig. Nach fast 50 Jahren
Schuldenpolitik im Bund ist es notwendig, dass öffentliche Haushalte auch ohne Schulden
auskommen können. Und dank der Schuldenbremse in Zukunft auch müssen. Es geht also. Man
kann langfristig gestalten.
Seit 25 Jahren gestalten Sie hier in Schwerin die Wirtschaftspolitik mit. Das Wort der IHK hat
Gewicht – das ist gut so. 25 Jahre erfolgreiche Arbeit sind nur möglich, wenn sich in einer
Region das Ehrenamt zur IHK bekennt. Dank sagen möchte ich aber auch den Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern sowie allen, die sich in 25 Jahren eingebracht haben und sich für die
Wirtschaft in der Region eingesetzt haben. Meinen herzlichen Glückwunsch Ihnen allen. Machen
Sie weiter so!
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