Leopoldina - Institut für Psychologie

Das Alter wird immer jünger | Altern in Deutschland
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04/07/2015, 1:07 PM
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Verblüffende Zugewinne in der geistigen Leistungsfähigkeit und im
Wohlbefinden – doch das Potential wird noch nicht ausreichend genutzt
Für alle, die das Älterwerden mit Sorge betrachten, haben Berliner Forscher
jetzt eine gute Nachricht: Ihrer groß angelegten Untersuchung zufolge sind
ältere Menschen heute im Vergleich zu Gleichaltrigen vor zwanzig Jahren
geistig fitter und glücklicher mit ihrem Leben.
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Die gemessenen Unterschiede
seien erstaunlich groß, berichtet
der Erstautor Denis Gerstorf
(Foto: Hoffotografen),
Entwicklungspsychologe an der
Humboldt-Universität: „Unsere
Ergebnisse zeigen, dass 75Jährige mit Blick auf ihre
geistigen Leistungen derzeit im
Mittel fast zwanzig Jahre jünger
sind als 75-Jährige in den frühen
Denis Gerstorf
1990er-Jahren.“ Die in deutschen
Medien bereits viel beachtete
Studie ist gerade in der US-Fachzeitschrift Psychology and Aging erschienen.
Neben dem Zugewinn an kognitiver Leistungsfähigkeit ist der neuen
Untersuchung zufolge auch das Wohlbefinden deutlich gestiegen. Beides sei
von großer Bedeutung für die Lebensqualität im Alter, sagt Ulman
Lindenberger, Direktor am Forschungsbereich Entwicklungspsychologie des
Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. Dort war zusammen mit
Psychologen, Medizinern, Genetikern, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlern
aus anderen Berliner Forschungseinrichtungen mit der in den frühen 1990erJahren vorgenommenen Berliner Altersstudie (BASE) die Grundlage für viele
nachfolgende Untersuchungen geschaffen worden. Die aktuelle Studie zum
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Beispiel vergleicht Daten von BASE-Teilnehmern mit denjenigen von 708
passend ausgewählten Teilnehmern aus der Nachfolgestudie BASE II, die vor
Kurzem abgeschlossen wurde.
Körperliche Fitness erlaubt selbstständiges Leben
Zu erklären seien die auffälligen Verbesserungen vermutlich durch günstigere
soziokulturelle Bedingungen, etwa ein allgemein höheres Bildungsniveau,
heißt es in der Studie. Zum gesteigerten Wohlbefinden könnten auch die
bessere körperliche Fitness und die damit verbundene höhere
Selbstständigkeit im Alter beitragen.
Die frappierenden Zugewinne auf eine generelle Verlangsamung des
Alterungsprozesses zurückzuführen, wäre nach Ansicht von Denis Gerstorf
jedoch verfehlt. „Wir gehen eher davon aus, dass der Beginn von
Verlusterfahrungen in höhere Altersstufen verschoben ist.“ Dafür sprechen
Ergebnisse aus Gerstorfs eigenen Untersuchungen, aber auch Studien von
Kollegen, die die letzten Lebensjahre in den Blick nehmen. Sie lassen
vermuten, dass es nach einem eindrucksvollen Zuwachs an gesunden
Lebensjahren, der bis ins neunte Lebensjahrzehnt reichen kann, zu einem
deutlichen Nachlassen von Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden kommt.
Irgendwann stoße man eben an natürliche Grenzen, sagt Gerstorf und fügt
hinzu: „Die Abbauprozesse am Lebensende scheinen im Vergleich zu früher
heute sogar noch stärker ausgeprägt zu sein.“
Bundespräsident Gauck: Wer will, sollte länger arbeiten
Welche Faktoren im Einzelnen zu der beobachteten Verjüngung beitragen, wie
weit sich die negativen Folgen des Alters hinausschieben lassen und wo die
Grenzlinie verläuft – das alles sollte in künftigen Untersuchungen geklärt
werden, regen die Berliner Forscher an. Doch schon jetzt sei überzeugend
nachgewiesen, über welch erstaunliche Reserven ältere Menschen verfügen.
Das belegen zahlreiche internationale Studien, wie sie etwa die deutschen
Wissenschaftsakademien in ihren Empfehlungen „Gewonnene Jahre“
zusammengefasst haben. In einer zugleich fördernden wie auch fordernden
Umwelt seien weitere Steigerungen durchaus möglich, ergänzt
Psychologieprofessor Gerstorf: „Noch werden die vorhandenen Potentiale
gesellschaftlich zu wenig genutzt.“
Dieser Ansicht ist offenbar auch der Bundespräsident. In einer Rede zu den
„neuen Altersbildern“, die Joachim Gauck kürzlich in Berlin hielt, forderte er
vielfältigere Möglichkeiten für Menschen, die länger arbeiten wollen. Es müsse
ein rechtlicher Rahmen für flexiblere Übergänge zwischen Erwerbsleben und
Ruhestand geschaffen werden, etwa durch Teilzeitarbeit. Gauck berief sich
dabei auf die Befunde der Altersforschung und sprach von einem
„Hochplateau“, einer früher sehr seltenen Lebensphase, in der persönliches
Fortkommen und sogar Neuorientierung möglich seien. Wer könnte das
glaubwürdiger vertreten als der Bundespräsident selbst? Im Januar wurde er
75 Jahre alt.
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Von Lilo Berg
Weiterführende Informationen:
Gerstorf, D., Hülür, G., Drewelies, J., Eibich, P., Düzel, S., Demuth, I., Ghisletta, P.,
Steinhagen-Thiessen, E., Wagner, G. G., & Lindenberger, U. (in press). Secular
changes in late-life cognition and well-being: Towards a long bright future
with a short brisk ending? Psychology and Aging
Informationen zu den Berliner Altersstudien (BASE, BASE II)
Die Empfehlungen der Akademiengruppe Altern „Gewonnene Jahre“
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