80.000 Kindern in Österreich neue Perspektiven schaffen

Wien, 19.05.2015
80.000 Kindern in Österreich neue Perspektiven schaffen
Internationaler Neuropädiatrie-Kongress
Vom 27. bis 30. Mai tagen mehr als 1.000 internationale Kinderneurologen im
Austria Center Vienna beim europäischen Neuropädiatrie-Kongress (EPNS).
Neueste Erkenntnisse, von fetaler Neurologie und computergestützter
Rehabilitation bis hin zur innovativen Gen-Therapie, sollen Kindern und
Jugendlichen eine bessere Organfunktion und damit mehr Lebensqualität
und neue Perspektiven ermöglichen.
Neuropädiatrie – schon längst kein Randthema mehr
Neurologische Erkrankungen oder Schädigungen mit Dauerfolgen sind bei Kindern und
Jugendlichen keine Seltenheit. Sie treten, wenn die verschiedenen Subgruppen
zusammengezählt werden, sogar relativ häufig auf. „Alleine in Österreich sind 3 bis 5
Prozent der insgesamt 1,6 Mio. Kinder und Jugendlichen betroffen – dies sind 48.000 bis
80.0000 junge Menschen“, schätzt Prim. Univ. Doz. Günther Bernert, Ärztlicher Vorstand
des G.v. Preyer’schen Kinderspitals und Chair des EPNS –Kongresses 2015. Am
häufigsten leiden die PatientInnen unter infantiler Zerebralparese und Epilepsie sowie
Muskelerkrankungen und Bewegungsstörungen. Früher häufig tabuisiert, wird heute in
der Öffentlichkeit ein informierender Umgang gepflegt. Beim EPNS-Kongress der
European Paediatric Neurology Society in Wien – die Stadt gilt übrigens auch als
Geburtsstadt der Neuropädiatrie – diskutieren an die 1.000 internationale Fachärzte über
die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse dieser medizinischen Spezialdisziplin.
Freud und Rett setzten wissenschaftliche Meilensteine
Damals wie heute spielen österreichische Pioniere, Fakultäten und Spitäler international
eine zentrale Rolle bei der Erforschung und Weiterentwicklung von Therapien im Bereich
der unterschiedlichen kinderneurologischer Erkrankungen.
So setzte Sigmund Freud nicht nur Maßstäbe in der psychiatrischpsychotherapeutischen Forschung, sondern wurde davor bereits mit seinen
Veröffentlichungen zur infantilen Zerebralparese bekannt. Außerdem war Freud am
Beginn seiner medizinischen Karriere leitender Oberarzt einer neuropädiatrischen
Station. Mittlerweile ist bekannt, dass infantile Zerebralparese ein Sammelbegriff für
zerebral bedingte Lähmungssyndrome ist, die durch prä-, peri- oder postnatale
Schädigungen oder Entwicklungsstörungen des zentralen Nervensystems entstanden
sind. Beispielsweise können sie durch genetische Defekte, Sauerstoffmangel bei der
Geburt oder Hirnschädigungen bei unreifen Frühgeburten hervorgerufen werden. Derzeit
sind in Österreich ca. zwei bis drei von 1.000 Kindern davon in unterschiedlichen
Schweregraden betroffen. Durch die immer besser werdende pränatale Diagnostik, eine
gute Überwachung bei Geburten, rechtzeitige Kaiserschnitte und eine hochprofessionelle
Nachsorge bei Frühgeburten ist die Zahl der Betroffenen heute leicht rückläufig. Am
EPNS-Kongress werden neue Möglichkeiten der Früherkennung, z. B. in der
Plenarsitzung zur fetalen Neurologie und der Therapie in der Sitzung zur
computergestützten Rehabilitation („Robotics-Sitzung“) und im Symposium zu neuen
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Einsatzmöglichkeiten der Botulinumtoxin-Therapie, thematisiert.
Ein weiterer österreichischer Pionier war der Neuropädiater Prof. Dr. Andreas Rett, der
Mitte der 60er Jahre entdeckte, dass einige der von ihm betreuten Mädchen an einer
besonderen Erkrankung, dem später nach ihm benannten Rett-Syndrom, litten, das fast
ausschließlich bei Mädchen auftritt und bis dahin als Autismus diagnostiziert wurde. Sein
entschlossenes öffentliches Eintreten läutete eine zeitgemäße und forschungsbasierte
Behandlung der kleinen Patientinnen ein. Durch eine X-chromosomal vererbte Störung
des Gehirnstoffwechsels kommt es zu einer Verzögerung der mentalen, sozialen,
sprachlichen und motorischen Entwicklung sowie dem Auftreten typischer
Handstereotypien. 1998 wurde durch ein amerikanisches Forschungsteam in Houston
das Krankheits-Gen identifiziert, an der vollständigen Klärung der Funktion des Genes
sowie der krankheitsauslösenden Mechanismen wird heute noch gearbeitet. Der aktuelle
Stand dieser Forschung wird in einer zentralen Plenarsitzung beleuchtet.
Österreichische Forschungsgruppen als internationale Vorreiter
Heute sind die nationalen und internationalen Vernetzungen von Forschungsteams mit
unterschiedlichen medizinischen Schwerpunkten ganz zentral für den wissenschaftlichen
Fortschritt. So setzt etwa die Forschungsgruppe Epilepsie Monitoring Unit (EMU) in der
Kinderklinik am AKH in Wien, die von Frau Univ.-Prof. Dr. Martha Feucht geleitet wird,
international Maßstäbe im Bereich der Gehirnchirurgie bei Epilepsie-PatientInnen. Diese
wird angewandt, wenn herkömmliche Medikamente nicht greifen. In Österreich sind
derzeit 10 bis 15 Kindern von 1.000 von Epilepsie betroffen.
Das G. v. Preyer’sche Kinderspital sowie die Arbeitsgruppe um Doz. Bernert in Wien ist
auf neuromuskuläre Krankheiten spezialisiert. Das sind Erkrankungen des peripheren
Nervensystems und der Muskulatur. Hier werden derzeit im Rahmen internationaler
Therapiestudien erste gentherapeutische Therapien angewandt. Auch andere
Behandlungschancen bei Muskelerkrankungen werden hier umgesetzt sowie in
Zusammenarbeit mit der Grundlagenforschung auch radikal neue Therapieansätze
untersucht.
EPNS als Wissensplattform für 1.000 internationale Spezialisten
Neue Erkenntnisse zu diesen Erkrankungen sowie fetale Neurologie und
Neurorehabilitation sind daher die zentralen Themen des EPNS-Kongresses. So wird in
Bezug auf die fetale Neurologie diskutiert, zu welchem Zeitpunkt und mit welcher Technik
der Bildgebung fetale Bewegungsmuster so dokumentiert werden können, dass sie einen
Rückschluss auf die Funktion des unreifen fetalen Nervensystems zulassen. Neue
computergestützte Rehabilitationsmaßnahmen und die Einsatzmöglichkeit von
Botulinumtoxin sind zentrale Fragestellungen in der Neurorehabilitation. Ein Höhepunkt
des Kongresses sind auch die Erkenntnisse über die erste zugelassene Gen-Therapie
bei Muskelschwund.
Keine Heilung, aber bessere Organfunktion und Partizipation
„Auch wenn viele Erkrankungen des kindlichen Nervensystems derzeit nicht heilbar sind,
so gibt es heute schon gute Therapien. Im Vordergrund aller dieser Therapien steht die
Verbesserung der Lebensqualität, um den jungen PatientInnen eine bessere
Organfunktion und damit auch eine bessere soziale Teilhabe zu ermöglichen“, betont
Prim. Univ. Doz. Günther Bernert. Ein gutes Beispiel ist hier die Muskeldystrophie
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Duchenne, eine rezessive x-chromosomale Muskelerkrankung, die bei Buben auftritt.
Durch die Gabe von Kortison kann der fortschreitende Muskelabbau verlangsamt werden,
physiologische Therapien helfen die Beweglichkeit längerfristig zu erhalten. Nächtliche
nicht-invasive Beatmung ermöglicht den Kindern wirkliche Erholungsphasen und
zukünftig sollen auch maßgeschneiderten Gen-Therapien möglich sein. „Die Buben
haben dadurch eine wesentlich längere Lebenserwartung, schöpfen wieder Hoffnung und
möchten – nachdem sie sich früher oft fast selbst aufgegeben haben – jetzt teilweise
wieder in die Schule gehen. Viele von ihnen machen ihre Schulabschlüsse, einige
studieren sogar. Das ist für mich der schönste Beweis, dass unsere kontinuierliche Arbeit
und der intensive Wissensaustausch am EPNS-Kongress Sinn machen, denn dies
schenkt diesen Kindern und Jugendlichen wieder eine Perspektive“, so Bernert.
Über EPNS
Der EPNS-Kongress ist der Jahreskongress der European Paediatric Neurology Society,
die europäische Gesellschaft für Neuropädiatrie, die international über 1.000 Kinder- und
Jugendneurologen vertritt. Im Vorfeld des EPNS-Kongress 2015 (vom 27.-30. Mai)
findest erstmalig auch das International Symposium on Advances in Neuromodulation in
Children (vom 25. bis 26. Mai) statt.
Über das Austria Center Vienna
Das Austria Center Vienna wird von der IAKW-AG (Internationales Amtssitz- und
Konferenzzentrum Wien, Aktiengesellschaft) betrieben, die auch für die Erhaltung des
Vienna International Centre (VIC) verantwortlich ist. Das Austria Center Vienna ist mit
24 Sälen, 180 Büros und Meetingräumen sowie rund 42.000 m2 Veranstaltungsfläche
(davon 22.000 m2 Ausstellungsfläche) Österreichs größtes Kongresszentrum und gehört
zu den Top-Playern im internationalen Kongresswesen. Die IAKW-AG und damit das
Austria Center Vienna stehen unter der Leitung von Vorständin Dr. Susanne BaumannSöllner. www.acv.at.
Kontakt
IAKW-AG – Austria Center Vienna
Mag. (FH) Claudia Reis MA
Pressesprecherin
Fachlicher PR-Kontakt EPNS-Kongress
Verena Bittner
Human Touch PR
Tel:
+43-1-26069-331
Email: [email protected]
www.acv.at
Tel: +43-650 7101373
[email protected]
www.epns.info
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