Finanzbildung gegen Überschuldung und Firmenpleiten

Presseaussendung, 9. Juni 2015
Finanzbildung gegen Überschuldung und Firmenpleiten
Utl: Die Zahl ehemaliger Selbstständiger in den Schuldenberatungen ist hoch. Häufig flüchten
sie aus der Arbeitslosigkeit in die Unternehmensgründung. Bessere Bildung und vor allem gute
finanzielle Allgemeinbildung könnten so manche Firmenpleite verhindern.
(Wien, 9. Juni 2015) Heute präsentierte die Dachorganisation der staatlich anerkannten
Schuldenberatungen, ASB Schuldnerberatungen GmbH (asb), den Schuldenreport 2015 sowie eine
Langzeitstudie zu ehemaligen Selbstständigen als KlientInnen in der Schuldenberatung. Seit 1998 ist
der Anteil jener Personen, die aus der Arbeitslosigkeit heraus den Schritt in die Selbstständigkeit
gewagt haben, stark gestiegen; ebenso der Anteil jener, die nach dem Scheitern ihrer
unternehmerischen Tätigkeit wieder in die Arbeitslosigkeit zurückgefallen sind. Hans W. Grohs, asbGeschäftsführer: „Nach dem Ende der Selbstständigkeit sind die Betroffenen zusätzlich oft sehr hoch
verschuldet. Auf diesen Schulden bleiben sie in vielen Fällen ein Leben lang sitzen, denn die
Mindestquote im Privatkonkurs, die es in Österreich noch immer gibt, macht eine Rückzahlung sehr
schwierig.“
Gescheiterte Selbstständige: Anteil der über 50-Jährigen verdoppelt
Die vergleichende Langzeituntersuchung „Gescheiterte Selbstständige“ zeigt, dass Arbeitslosigkeit und
gescheiterte Selbstständigkeit eng miteinander verknüpft sind. Knapp jede/r dritte (32%) der
ehemaligen Selbstständigen bei den Schuldenberatungen war vor der Unternehmensgründung
arbeitslos. Dieser Wert ist gegenüber 2003 (20%) deutlich gestiegen. Mehr als die Hälfte aller in der
Studie untersuchten ehemaligen Selbstständigen war zwischen 30 und 50 Jahre alt. Auffallend ist der
Anteil der Personen über 50. Dieser hat sich 2013 im Vergleich zu den Untersuchungen in den
vergangenen Jahren verdoppelt (von 20% auf 40%).
Die Durchschnittsverschuldung bei ehemaligen Selbstständigen liegt mit 101.000 Euro deutlich über der
allgemeinen Durchschnittsverschuldung der KlientInnen der Schuldenberatungen.
Laut EU-SILC 2011 (Statistik Austria) ist die Armutsgefährdung bei selbstständig tätigen Personen mit
12% doppelt so hoch wie bei unselbstständig Beschäftigten.
Schuldenreport 2015: Einkommen, Arbeitslosigkeit, Bildung
Im Vorjahr suchten 58.869 Personen Unterstützung bei einer staatlich anerkannten Schuldenberatung.
Sie waren durchschnittlich mit 67.000 Euro überschuldet. Ein Drittel der KlientInnen hat weniger als
den Grundbetrag des Existenzminimums (857 Euro) zur Verfügung, was die Schuldenregulierung
schwierig macht. Mit 41% ist Arbeitslosigkeit/Einkommensverminderung mit Abstand der häufigste
Überschuldungsgrund, gefolgt von gescheiterter Selbstständigkeit mit 19%. Das Bildungsniveau ist
niedrig: 41% der KlientInnen haben nur einen Pflichtschulabschluss.
Nationale Strategie Finanzbildung überfällig
Finanzielle Allgemeinbildung in der Pflichtschulzeit ist unerlässlich, um Überschuldungskarrieren und
rasches Scheitern in der Selbstständigkeit einzudämmen. Österreich erfüllt hier nicht die OECDEmpfehlung einer Gesamtstrategie zur Finanzbildung, wie in vielen Ländern bereits umgesetzt.
Stattdessen sind die Angebote in den Bundesländern sehr unterschiedlich. Hans W. Grohs: „Wir haben
Länder, wo Präventionsangebote der Schuldenberatungen finanziert werden, wo jedes Jahr hunderte
Kinder etwa den Finanzführerschein machen. In anderen Ländern gibt es überhaupt keine
Unterstützung und somit keine Prävention. Diese Ungleichheit ist nicht akzeptabel. Es braucht eine
nationale Strategie zur Finanzbildung und das Recht auf Finanzbildung für jedes Kind.“
Download auf www.schuldenberatung.at:

Studie „Gescheiterte Selbstständige“

Schuldenreport 2015
Weiteres Hintergrundmaterial:
www.schuldenberatung.at
www.budgetberatung.at
Rückfragen bei der asb:
Dr. Hans W. Grohs (Geschäftsführer) , T. 0732-65 65 99, Mobil 0699-102 133 15,
E. [email protected]
Mag.a Gabriele Horak-Böck (Öffentlichkeitsarbeit), T. 01-96 10 213, Mobil 0660-343 2447,
E. [email protected]
Kontakt zu den GeschäftsführerInnen der Schuldenberatungen in den Bundesländern:
Schuldnerberatung Wien, Tel. 01 33 08 735 – DSA Alexander A. Maly
Schuldnerberatung Niederösterreich, Tel. 02742 35 54 20 – Michael Lackenberger
Schuldnerberatung Oberösterreich, Tel. 0732 77 55 11 – Mag. Thomas Berghuber
SCHULDNERHILFE OÖ, Tel. 0732 77 77 34 – Mag. (FH) Ferdinand Herndler
Schuldenberatung Salzburg, Tel. 0662 879901, 0676/507 52 00 – Mag. Peter T. Niederreiter
Schuldenberatung Tirol, Tel. 0512 57 76 49 – Mag. Thomas Pachl
ifs Schuldenberatung Vorarlberg, Tel. 051755 580 – DSA Peter Kopf
Schuldnerberatung Steiermark, Tel. 0316 37 25 07 – Mag. Christof Lösch
Schuldnerberatung Kärnten, Tel. 0463 51 56 39 – Mag. Karl Kleindl
Schuldenberatung Burgenland, Tel. 02682 600 215-0 – Mag.a Gabriela Perusich